CD-REVIEWS
Herbst 2007
by christian@planet.tt
   
STEVE VAI – „Sound Theories Vol. I & II“ (Sony BMG)
Steve Vai ist Steve Vai ist... Seine Eminenz lässt mit diversen Gleichgesinnten als G3 den breitenwirksamen Guitar-Hero raushängen, bei seinen Alleingängen trennt er die Spreu vom Weizen – sehr fortgeschrittene Gitarren-Eleven werden an der gewagten Mischung von brachialen Kadenzen und akustischer bis klassizistischer Finesse, auch mit Orchesteruntermalung, ihre eitle Freude haben (und den Proberaum buchen)!
www.vai.com
   
PRIMAL FEAR – „New Religion“ (Frontiers/Soulfood)
Die germanische Melodic Metal-Institution um Ralf Scheepers und Matt Sinner feiert mit „New Religion“ fröhlichen Einstand beim neuen Label. Natürlich wird nach Herzenslust geknüppelt, aber zwischendurch werden schon mal die leiseren Töne angeschlagen, und wenn Ralf mit Epica-Frontfrau Simone Simmons zum Duett antritt, sitzt das Feuerzeug locker..... Feines Teil!
www.primalfear.de
   
VOICES OF ROCK – „MMVII“ (AOR HEAVEN/Soulfood)
Dieses einmalige Gipfeltreffen von Topleuten aus der Shouter-Champions League haben wir  dem Produzenten-Duo Michael Voss (Mad Max, Casanova) und Chris Lausmann (Bonfire, Jaded Heart) zu verdanken: Die umtriebigen Herrschaften schreiben erst mal 13 meisterliche Melodic-Songs und klemmten sich dann ans Telefon, um die passenden Interpreten dafür zu gewinnen. Wie man den Linernotes entnehmen kann, waren James Christian, Jean Beauvoir, Göran Edman, Gary Bardens, Harry Hess, Robin Beck, Terry Brock, Dan Reed, Steve Overland und Johnny Gioeli allesamt sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt, und auch  die Instrumental-Abteilung wurde mit Tommy Denander, Angel Schleifer und Bertram Engel hochkarätig besetzt. Wer jetzt anhand dieses Jahrhundert-Line-Ups noch Fragen hat, dem ist wirklich nicht zu helfen!
www.myspace.com/voicesofrock 

 

 
INNES SIBUN – „Tail Dragger“ (Echo ZYX)
Innes Sibun hat seine Lehrjahre als Sixstring-Sideman von u.a. Robert Plant, Chris Farlowe und Roger Chapman absolviert und ist hier bereits mit seinem 7. Solo-Werk am Start. Er macht seinen frühen Gönnern alle Ehre und zeigt wieder mal auf, dass er in allen Facetten des Blues gut zuhause ist: Mal rockt er mit gleichem Ungestüm wie einige der oben erwähnten Genre-Kollegen, dann schlägt er leise (und oft gefühlvolle) Töne an, um danach flockig ein bissl Hillbilly/Honytonk einzustreuen... Virtuose Gitarrenarbeit durch und durch, „Tail Dragger“ sollte man sich unbedingt anschaffen!
www.innessibun.com
   
LOS ANGELES – „Los Angeles“ (Frontiers/Soulfood)
Der italienische Sänger Michele Luppi erhielt seine musikalische Ausbildung am renommierten VIT in L.A., sammelte nach der Rückkehr in seine Heimat Erfahrung als Backgroundsänger bei lokalen (Maurizio Solieri, Umberto Tozzi) und internationalen (Glen Hughes, Ian Paice) Größen und stieg als Frontman bei den Proggern Vision Divine ein. Jetzt stellt sich der talentierte Bursche mit einer Hommage an seine Wahlheimat als Solo-Künstler vor und hat mit Tommy Deander, Frabrizio Grossi und dem legendären Keys-Wizzard Gregg Giuffra (Angel, Giuffra, House Of Lords) amtliche Mucker an Bord. Das Songmaterial auf „Los Angeles“ (u.a. von Richard Marx und Jeff Paris beigesteuert) ist feinste Sahne und sollte die AOR-Fraktion hinlänglich begeistern können!
www.frontiers.it
   
RITUAL – „The Hemulic Voluntary Band“ (InsideOut/spv)
Die skandinavische Progressive-Institution um Kaipa-Sänger Patrik Lundström ist immer aufs Neue für durchgeknallte Alben-Titel zu haben: Einer der Vorgänger war „Think Like A Mountain“ (häh??) benannt, „The Hemulic Voluntary Band“ entstammt tatsächlich der Märchenwelt der Mumins (wer erinnert sich noch an die Puppen-TV-Serie?). Auch sonst segeln Ritual nicht in üblichen Prog-Rock-Gewässern, sondern orientieren sich vielmehr an den fein strukturierten Soundgebilden der frühen Genre-Pioniere wie Gentle Giant und Yes – herrlich Retro, genüsslich nostalgisch und künstlerisch absolut wertvoll. Macht richtig Spaß!
www.ritual.se
   
WHITE WOLF – „Victim Of The Spotlight“ (Escape/Point Music)
Die Alben „Standing Alone“ und „Endangered Species“ zählen zu den Meilensteinen des 80er Melodic Hardrock (übrigens beide gerade erstmals als Euro CD-Release erschienen), jetzt hat sich, 20 Jahre später, Mastermind und Frontstimme Don Wolf  überreden lassen, den weißen Wolf wieder auferstehen zu lassen. Es klingt wie anno dazumal: saftiger, hooklastiger Heavy Rock, und damit kann auch nix schief gehen. Luftgitarre ausgepackt und ab geht die Post – mir taugt’s!
www.escape-music.com
   
STONE LAKE – „World Entry“ (AOR HEAVEN/Soulfood)
„Swedens hottest newcomers 2007!“ ist dem Pressetext zu entnehmen – prinzipiell habe ich dem absolut nichts entgegenzusetzen, allerdings sind Peter Grundström (vocals), Jan Akesson (guitars, keys, bass) und Jaime Salazar (drums) alte Hasen in der Szene, die sich über die Jahre in diversen Combos wie Ravage, Whitelight, Perfect Stranger und Dr. Blue ziemlich erfolgreich profilieren konnten. Die Herren wissen nur zu gut, wie progressiv getunte, melodisch-metallische Schweden-Mucke zu klingen hat, und halten mit ihrem kollektiven Talent nicht hinterm Berg. Rockt gewaltig!
www.stonelake.se
   

DAVID READMAN – „David Readman“ (Frontiers/Soulfood)
Der Pink Cream 69-Frontmann hat sein erstes Solo-Teil auf der Rampe, und das kommt, wie eigentlich nicht anders zu erwarten, verdammt gut rüber. Der Opener „Without You“ ist schon mal eine Melodic Rock-Hymne unter dem Herrn, und die 11 weiteren Tracks sind aus gleichem, mitreißendem Guss. Davids Vocal-Performance ist einsame Klasse, und an der Gitarren-Front sind mit Tommy Denander und Alex Beyrodt (Silent Force) auch die Könner am Werk. Eine Hammerscheibe ohne Wenn und Aber!
www.readman.pandomas.de

   
SHADE – „One Way Line“ (Artist Service)
Die beiden Dare-Musiker Andrew Moore und Simon Gardner haben sich mit Emma Shade eine fesche, stimmgewaltige Frontfrau geangelt, die auch gleich als Namensgeberin fungieren durfte. Zum Einstand legt das Trio einen feinen Melodic Rock-Silberling mit gekonntem Pop-Touch vor, der sich beim Durchhören flugs im Gehörgang einnistet und diesen nicht so bald verlässt. Anspieltipps: Der Titeltrack sowie die Traum-Ballade „Maybe This Time“! Listen up!
www.shadeuk.com
   
PINK FLOYD – „The Piper At The Gates Of Dawn“ (EMI)
Die Special- (bzw. Limited-)Edition von Pink Floyds Erstling ist definitiv ihr Geld wert! Hut ab vor den Tontechnikern, die uns diese Schätze zugänglich gemacht haben: Die Mono-Versionen der altbekannten Stücke bieten tatsächlich Neues und Ungehörtes, da werden Details hervorgekehrt, die im Stereo-Mix sträflich untergegangen sind. Jedoch auch Letzterer wurde hierfür enorm aufgewertet, und die Bonus-CD der Limited hat neben den ersten Singles bisher unbekannte Versionen von „Interstellar Drive“ und „Matilda Mother“ zu bieten – ein Must-Have für Fans!
www.pinkfloyd.com
   
DEAR MR. FANTASY – „A Celebration For Jim Capaldi“ (edel)
Der Titel hält, was er verspricht! Eine Vielzahl von Freunden und Weggefährten hatte sich versammelt, um dem verstorbenen Traffic-Drummer und großen Solo-Künstler die letzte Ehre zu erweisen: Steve Winwood fungierte als Zeremonienmeister und Paul Weller, Gary Moore, Joe Walsh, Pete Townsend, Bill Wyman, Jon Lord, Yusuf Islam, Steve Lange, Simon Kirke, u.a. boten teils sehr persönliche Interpretationen von großen Songs aus dem musikalischen Vermächtnis Jim Capaldis. Da wäre man sehr gerne persönlich dabei gewesen – danke, Jim, für diese wunderbare Musik, wir werden dich schmerzlich vermissen!
www.jimcapaldi.com
   
BRITISH BLUES ALLSTARS – „At Notodden Blues Festival“ (spv)
Die englischen Blues-Ikonen Kim Simmonds, Tom McGuiness, Peter Green, Gary Fletcher, Long John Baldry, Bob Hall, Colin Allen und Steve Beighton formierten sich zur Allstar-Truppe anno 2004 für dieses Festival und servierten den Besuchern einen Jahrhundert-Set mit British Blues-Gütesiegel, der jedermann in bester Erinnerung bleiben wird – allein deswegen, weil Long John Baldry kurz danach von uns gegangen ist. Ein edles Zeitdokument!
www.spv.de
   
KEVIN AYERS – „The Unfairground“ (edel)
Unfassbar! DER Kevin Ayers hat tatsächlich ein ganzes, neues Studioalbum hervorgebracht, und er versteht’s immer noch, seine Anhänger zu verzücken: Die urtypische Gelassenheit erstreckt sich über das gesamte Werk, es kommen Erinnerungen an selige Canterbury-Zeiten hoch... Auch auf der Liste der Musikanten finden sich mit Phil Manzanera, Hugh Hopper und Robert Wyatt  („The Wyattron“) die Namen einiger Weggefährten aus alten Tagen. Jedermann sollte eigentlich eine Kevin Ayers-Platte besitzen – wie zum Beispiel diese!
www.kevin-ayers.com
   

JOE BONAMASSA – „Sloe Gin“ (Provogue)
Inspiriert von Rod Stewarts legendärem Solo-Debüt von 1969 wollte Mr. Bonamassa ein vorrangig akustisches Album aufnehmen – ist ihm formidabel, doch nur teilweise so gelungen, denn im Studio gingen ihm dann des Öfteren wohl die (elektrischen) Gäule durch.
Aber immerhin ist „Sloe Gin“ nicht von der sonst eher bretterharten Sorte, sondern gemäß seinem Vorhaben eher in der Endsechziger-Blues-Ecke, mit Psychedelia und Folk durchwachsen, angesiedelt. Neben Selbstverfasstem hat Joe den Ten Years After-Klassiker „One Of These Days“ kräftig überarbeitet und nimmt sich außerdem noch einige Fremdkompositionen zur Brust: „Ball Peen Hammer“ (Chris Whitley), „Another Kind Of Love“ (John Mayall), „Jelly Roll“ (John Martyn) und nicht zuletzt „Seagull“ (Paul Rodgers), auf dem ganz besonders des Mannes großartige Stimme in den Vordergrund rückt! Grenzgenial!
www.jbonamassa.com

   

DEVON ALLMAN’S HONEYTRIBE – „Torch“ (Provogue)
Hut ab! Mit diesem Nachnamen tritt der junge Mann in die sehr großen Fußstapfen von Vater Gregg und Onkel Duane, doch es sei gleich gesagt, er macht der Familienehre absolut keine Schande. Naturgemäß hört man gelegentlich die Allman-Brothers durch, aber sonst hat Devon durchwegs seinen eigenen Stil gefunden – zeitloser, erdiger Blues’n’Boogie  mit ebenso zeitlos erprobten Komponenten: Ausufernde Gitarrenläufe (mit Wah Wah-Orgie auf „Mercy Mercy“), wabernde Hammond und eine Mörder-Stimme, die speziell auf dem gelungen Bob Marley-Cover „No Woman No Cry“ schon unmissverständlich nach dem Senior klingt. Gelungener Einstand!
www.honeytribe.com

   
CHRIS DUARTE GROUP – „Blue Velocity“ (Provogue)
Texas Blues with an edge! Dass Chris Duarte einer der Vorreiter des hart rockenden Metiers ist, wissen Eingeweihte längst, hier ist es schon anhand des Produzenten glasklar: Mike Varney, der Doyen aller Shredder dieses Erdballs, legt nie und nimmer bei Weicheiern die Hand an den Regler. Down & Dirty lautet die Devise, und die gilt sowohl für die brachialen Riffs und Licks als auch für die Reibeisen-Vocals von Chris Duarte – da weiß man in der Sekunde, wo der Bartl den Most her holt! Nichts für zarte Gemüter, das ist Mucke für richtige Männer!
www.myspace.com/chrisduartegroup

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