INTERVIEW
The Robocop Kraus machen alles richtig!
Diese Tage erscheint das neue Album „Blunders & Mistakes“ von Robocop Kraus. Grund genug, mit der tollen Band aus Nürnberg mal ein ausführliches Interview zu führen. Entgegen dem Albumtitel haben wir ja schon seit längerem das Gefühl, dass diese Band verdammt viel richtig macht. Beim Gespräch erzählte uns dann Schlagzeuger Hans-Christian Fuch, dass sie Fehler durchaus als kreative Chance sehen. So wurde das neue Album gänzlich live eingespielt, also ohne Möglichkeit im Nachhinein Fehler zu korrigieren. Dadurch haben sie eine Echtheit, Direktheit und Lebendigkeit im Klang erreicht, die der Platte definitiv gut tut. Co-Produziert hat diesmal Tobias Levin (Tocotronic, Kante). robocop kraus
Zum Post-Punk- & Retro-Rock-Hype von Franz Ferdinand, Maximo Park & Konsorten, in dessen Kontext Robocop Kraus auch immer wieder diskutiert werden, äußert sich die Band abweisend. Gang Of Four fand man schon ganz gut, ansonsten betreiben sie ihre Band nun schon seit über 10 Jahren und auf einen Hype aufzuspringen sei sicherlich nicht ihr Fall. Nun, das wäre auch unfair gegenüber dieser Band, die durch beständiges Touren derart gesund gewachsen ist. Der soulig-funkige Pop-Rock der Robocops ist auf „Blunders & Mistakes“ um einiges verspielter und psychedelischer und sollte ihren ganz eigenständigen Stellenwert noch mal verstärken. Releasetechnisch sind sie diesmal auf dem „Epitaph“-Ableger „Anti“ zu Hause (Tom Waits, Tricky, Nick Cave, The Locust), was stilistisch auch wesentlich stimmiger wirkt. „Epitaph“ war ihnen etwas zu einseitig Punk-bezogen. Das Album erschien Ende September via Anti/Edel. Hier nun das Interview mit Hans-Christian Fuchs (Drums) in voller Länge!

Planet: Hallo. Ich habe leider noch kaum Infos über das kommende Album “Blunders & Mistakes“, außer dass es via Anti erscheint. Kannst du uns einerseits etwas über mögliche Soundentwicklungen und andererseits über die Studio- und Produktionsumstände erzählen?

Robocop: Das Eine hat mit dem Anderen auch ganz schön zu tun. Wir sind mit der neuen Platte auf alle Fälle weg von Stil der letzten Platte. Nicht dass wir die jetzt doof finden. Aber die ist total auf den Punkt, sehr reduziert und dicht. Davon wollten wir weg, zu ner verspielteren und lockeren und psychedelischeren Ästhetik. Wir wollten gleichzeitig versuchen, die Aufnahmen lebendig zu haben. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, alles live aufzunehmen. Praktisch alle Verstärker inklusive des Schlagzeuges in einen Raum zu packen. Wir haben erstmal 3 Tage lang rumgewerkelt, Mikrophone ausprobiert, Verstärker hin- und hergeschoben bis das dann einigermaßen gepasst hat. Bis das alles auf einer Stereomikrophonie so gut geklungen hat, dass man das eigentlich schon so nehmen hätte können. Wir haben auf diese Art und Weise die komplette Platte aufgenommen. Das beinhaltet natürlich, dass man danach nur mehr sehr begrenzt Beeinflussungsmöglichkeiten hat. Man kann danach nicht mehr viel editieren weil auf allen Spuren alles drauf ist. Auf der Schlagzeugspur ist die Gitarre drauf und umgekehrt. Man kann nicht einfach was editieren, rausschneiden, wegschmeißen oder ersetzen, das geht gar nicht. Dadurch gewinnt man aber eine Lebendigkeit und eine Echtheit im Klang. Live und direkt.

Planet: Wo habt ihr aufgenommen?

Robocop: Das haben wir aufgenommen in Hamburg im Electric Avenue Studio bei Tobias Levin, der auch schon Tocotronic aber auch viel abstrusen, jazzigen und experimentellen Kram gemacht hat. Der ist sehr offen für neue Herangehensweisen. Das Stuido ist auch so ne Art akkustischer Abenteuerspielplatz, es liegt ganz viel Zeug rum und so.

Planet: Habt ihr wieder einen Produzenten gehabt? Bei der letzten war ja Pelle Gunnerfeldt, der auch schon die Hives produziert hat dabei.

Robocop: Nein, der war damals ja auch eher so Co-Produzent, die Lieder waren fertig als wir ins Studio gegangen sind. Genauso wie sie dieses Mal auch fertig waren. Tobias Levin war auch so ne Art Co-Produzent. Aber die Platte wurde mehr oder weniger von uns produziert. Er hatte eine beratende Funktion.

Planet: Wollte ihr eine Interpretation zum Albumtitel abgeben? „Blunders & Mistakes“, also „Fehltritte & Fehler“ wenn das so richtig übersetzt ist…?

Robocop: Ja, „Schnitzer“ oder „Fehltritte“. Na ja, da kann man schon ganz schön viel reininterpretieren. Für uns ist der Titel ganz passend, weil wir auch mit der Art und Weise wie wir ans Lieder-schreiben herangegangen sind und auch an die Aufnahmen herangegangen sind, also Fehler als erwünscht und als Chance irgendwie betrachten wollten. Wie ich gerade schon gesagt hab, alles in einen Raum stellen, sich selber die Möglichkeit zu nehmen, danach Fehler zu korrigieren und dadurch aber eine Lebendigkeit zu bekommen. Aus all diesen Fehlern sind Dinge entstanden, die im Endeffekt besser waren als zuvor. Deshalb hat sich der Titel ganz cool eingefügt und geeignet und ganz schnittig, also, hört sich auch ganz gut an. Aber man kann viel reininterpretieren…

Planet: Sind auf der Platte nun aber definitiv „Fehler“ oben, die ihr als solche hört? Im Sinne von „vergeigt aber stört uns nicht“?

Robocop: Ja, definitiv. Aber weniger als ich gehofft hatte. Ich hab gedacht, dass das noch krasser wird. Auf der nächsten Platte müssen wir dann noch irgendwas anders machen (lacht).

Planet: Wie verortet ihr euch in diesem ganzen Post-Punk- und Retro-Rock-Kontext. Ich sag mal reanimierte Gang Of Four, Franz Ferdinand, Futureheads, etc. Ist das tatsächlich auch eine Bezugskoordinate für euch oder eine zufällig attestierte Genreaffinität?

Robocop: Also Gang Of Four fanden wir schon teilweise ganz gut bevor sich die halbe Welt auf die berufen hat. Aber unsere Band gibt es ja schon seit 10 Jahren. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir da so ne Vorreiterrolle haben. Wir reflektieren uns da gar nicht im Sinne von „wo stehen wir jetzt in diesem ganzen Dings da, wo wir ja mit der letzten Platte zufällig reingerutscht sind“. Unser Ziel ist nicht mit diesen ganzen anderen Bands in einem Atemzug genannt zu werden, die da sicher viele im Kopf herumschwirren haben. Ich hoffe, dass sich das mit der neuen Platte erledigt hat.

Planet: Also, da war jetzt keine, wenn auch unbewußte Hoffnung, auch wenn das ursprünglich nicht geplant war und ihr das auch schon länger macht, dadurch noch mal einen Quantensprung erleben zu können, quasi im Fahrwasser solcher Bands?

Robocop: Nein, das war nicht unser Ziel. Ich halte das auch für Augenauswischerei. Wir haben die ganze Band langsam aufgebaut, das ist alles durch unser stetiges live-spielen entstanden. Wir sind überall hingefahren und haben gespielt. Dadurch ist die Band irgendwie gesund gewachsen. Es wär auch dieser ganzen Aufbauarbeit gegenüber verantwortungslos, sich ins Fahrwasser von irgendeinem Hype zu werfen. Das entspricht nicht unserem persönlichem, ästhetischen Empfinden.

Planet: Es ist natürlich wichtig für Journalisten, Koordinaten zu suchen…

Robocop: Ja ja, ist natürlich auch wichtig, um etwas einordnen zu können und für jemanden, der die Geschichte nicht kennt und um sich einen Überblick zu verschaffen…

Planet: Wie schauts mit live-spielen aus? Tourpläne? Und was uns natürlich am meisten interessiert: ein möglicher Wien-Gig?

Robocop: Ja, wir werden wieder sehr sehr exzessiv live spielen. Und wir kommen auch in Österreich vorbei. In Wien spielen wir am 12. Oktober. In Innsbruck und Graz spielen wir auch.

Planet: Ihr habt ja auch schon einige Touren gemacht, in Russland, Japan, in Nordamerika mit Art Brut. Irgendwelche besonders tollen Geschichten zu erzählen, Highlights, Katastrophen und dergleichen?

Robocop: Ja, also, die Erfahrung übersteigt den menschlichen Geist. Da passiert natürlich ne ganze Menge auf so einer Tour und ich hab da auch Aufzeichnungen darüber, die kann ich dir gern schicken. Aber da etwas herauszupicken ist schwierig. Aber für mich persönlich war das Highlight auf alle Fälle die letztjährige Tour mit Art Brut in Nordamerika. Wir haben davor in 2000 schon mal in Amerika gespielt und haben teilweise vor 5 Leuten oder so gespielt. Diesmal waren teilweise schon 500 Leute und die fanden uns auch alle super. Also das Publikum von Art Brut war sehr kompatibel gegenüber unserer Band. Das war eine super Erfahrung. Auch wenn wir keine Übernachtung und so hatten und jede Nacht nach dem Konzert irgendwelche Leute anschnorren mussten, um auf ihren Böden zu schlafen. Das war immer sehr spontan… (lacht)

Planet: Ihr habt ja auch eine special Wien-Connection wenn ich nicht irre. Ein Bandmitgleid von euch war ein Weilchen in Wien und hat hier auch mit dem Andi Dvorak (von Go Die Big City!, A Thousand Fuegos, Fettkakao Rec.) musiziert…

Robocop: Das war der Tobi, unser ehemaliger Bassist. Der spielt leider nicht mehr mit. Der war sogar Postbote in Wien.

Planet: Warum ist der ausgestiegen oder wie?

Robocop: Der wollte halt was anderes irgendwie machen. Nach 8 Jahren Robocop Kraus, wenn sich 8 Jahren alles um die Musik herum dreht. Er war auch schon ein bisschen angeschlagen körperlich und das ganze Touren ist ihm auch nicht mehr so gut bekommen. Und außerdem hatte er einfach Lust seinem Leben einen neuen Schliff zu geben, in eine andere Richtung. Aber ich spiele immer noch mit ihm in einer anderen Band.

Planet: Hidalgo zufällig?

Robocop: Nein, „The Mother, The Sun and the Holy Ghost“. Und wir bringen im Oktober mal ne Platte raus.

Planet: Und du bist noch bei Hidalgo?

Robocop: Ja ja. Das liegt im Moment halt ein bisschen auf Eis. Wir wollen jetzt Anfang nächsten Jahres ne neue Platte in Angriff nehmen.

Planet: Wir haben vor nem Jahr oder so ja mal ein Konzert mit Hidalgo gemacht. Da warst du aber nicht dabei?

Robocop: Nein, da war ich unterwegs mit Robocop. Das kollidiert selten, aber manchmal eben doch. Und da spielt dann immer der Patrick mit, das ist ein guter Freund.

Planet: Und den Peter aufzureißen war schwierig, als Ersatz für den Tobi?

Robocop: Das war überhaupt nicht schwierig, er hat sich uns nahezu aufgedrängt. Der kommt ursprünglich aus Ostfriesland, ist aber auch seit vielen Jahren mit der Band verbändelt. Er hat in den 90er mal ein Konzert in seinem Heimatdorf mit unser veranstaltet. Seither sind wir immer in Kontakt geblieben. Wir wussten ja gar nicht, dass er eigentlich Gitarrist gewesen ist, und wir wussten auch nicht, dass er auch Basser ist. Er hat sich dann quasi selber in die Band reingepackt.

Planet: Gut, dann hätt ich noch ein paar Labelfragen. Ihr kommt ja aus nem Hardcore/diy-Background. Es würde mich interessieren ob das aktuell Auswirkungen hat auf das Bandgefüge. Und vor allem ob das ein Thema ist, in Bezug darauf, dass ihr von Major-Labels vertrieben werdet, Agenturen eure Gigs ausmachen und so. Oder ist das egal?

Robocop: Egal ist das natürlich nicht. Wir reflektieren da schon immer sehr stark und es dauert auch immer ziemlich lange bis wir uns für etwas entscheiden. Es muss schon immer alles durch den Bandrat durch. Wir haben auch viel von dem was uns angeboten wurde abgesagt und nicht gemacht. Aber durch den Grund halt, weil es sich einfach nicht gut angefühlt hat. Aber natürlich muss man mit einer Bookingagentur zusammenarbeiten. Aber die ersten Konzerte hat der Tommi noch mit handgeschriebenen Briefen ausgemacht. Und die ersten beiden Platten kamen ja auch auf dem selbst gegründeten Label „Swing DeLuxe“ raus. Wir haben halt nach und nach immer mehr Verantwortung bzw. mehr von diesem Überbau abgegeben weil das zeitlich einfach nicht mehr hingehauen hat. Weil man erstens für die anderen Bands nicht mehr soviel machen konnte und auch die eigene Band dann soviel Zeit gefressen hat, dass es irgendwann mal nötig war das abzugeben und sich auf das Musik-machen zu konzentrieren. Wir legen aber schon immer wert darauf, dass zB. unser Booker ist auch ein guter Freund von uns und wir müssen da schon immer sehr persönlich miteinander verbändelt sein. Da ist halt ein gutes Gefühl mit den Menschen, mit denen wir zusammen arbeiten. Keine Ahnung inwiefern das noch mit Hardcore zu tun haben soll oder nicht. Aber es ist halt nach wie vor wichtig, dass wir mit den Leuten auch ein Bier trinken gehen, die für unsere Band arbeiten.

Planet: Und wie ist da der Umgang mit dem Label? Verlangen die viel oder geben viel vor?

Robocop: Epitaph ist ja schon noch ein Indie-Label, von der Struktur auf alle Fälle. Es gibt 2 Sitze von Epitaph, einen in Europa und einen in Amerika. Und ich kann jederzeit dem Chef von Epitaph eine Email schreiben und bekomme eine Antwort. Und das ist schon noch mal was anderes als auf nem Major.

Planet: Das wäre in dem Fall Brett Gurewitz.

Robocop: Brett Gurewitz ist der Chef von Epitaph Amerika und in Europa/Amsterdam heißt der Chef Haid, der ist für uns zuständig. Jedesmal wenn wir in Amsterdam sind, gehen wir da vorbei und treffen uns mit dem und trinken Kaffee und das ist eigentlich auch voll nett. Und der labert uns da natürlich überhaupt nicht rein, was künstlerische oder sonstige Entscheidungen angeht.

Planet: Es gibt ja das Gerücht, das die andere deutsche Band auf Epitaph, das war die Terrorgruppe, dass die nach 1 oder 2 Platten gekickt wurden weil sie einfach zu wenig verkauft haben. Das hat schon nach knallharter Business-Realität geklungen und so.

Robocop: Ich glaub das waren die Beatsteaks. Und es ist auf eine gewisse Art natürlich auf jeden Fall knallharte Business-Realität. Die Umstände von denen weiß ich jetzt nicht. Ich weiß nur, dass sie danach aber auf einem Major-Label waren. Ich würd nur sagen, dass sie sich da knallhart businessmäßig verkalkuliert haben, wenn die sie wirklich gekickt haben. Aber genaueres weiß ich darüber nicht.

Planet: Wieviel habt ihr bis jetzt von "They Think They Are The Robocop Kraus" konkret verkauft?

Robocop: Ich glaube das waren so 15.000

Planet: Und warum kommt ihr nun auf dem Epitaph-Ableger „Anti“ raus?

Robocop: Weil wir das wollten. Wir wollten auf „Anti“ gehen, weil wir gedacht haben, dass wir mit der neuen Platte dort besser hin passen und uns auch mit den ganzen Künstlern dort auf Anti sehr verbunden fühlen. Da sind halt super Sachen drauf, von denen wir alle Fans sind, Tom Waits, Nick Cave, The Locust und so.

Planet: Klingt vernünftig, Epitaph ist ja schon sehr Punk-Rock-dominant.

Robocop: Genau. Das waren am Anfang ja auch unsere Bedenken. Wir äußerten ja bei der letzten Platte schon den Wunsch, auf Anti sein zu wollen. Aber die haben uns dann doch überredet, auf Epitaph zu gehen.

Planet: Gut gut, das wärs so von meiner Seite. Gibt’s noch was, was euch besonders am Herzen liegt, was über die Medien verbreitet werden soll oder so?

Robocop: Nicht wirklich, das verbreiten wir dann lieber über unsere Musik

Planet: Gut, hat mich sehr gefreut, passt, dann sehen wir uns im Oktober in Wien. Ciao.

Robocop: Ebenfalls, danke auch, super, ciao!

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