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JÄNNER 2012
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TRACEDAWN - Lizard Dusk (Drakkar/Sony)

Zwar konnten die Finnen bereits mit ihrem selbstbetiteltem Debüt für Aufsehen sorgen und mit dem zweiten Album „Ego Anthem“ schien der Startschuss für den Beginn einer erfolgreichen Karriere erfolgt zu sein, doch offenbar geriet trotz überaus positiver Resonanz und bejubelten Gastspielreisen (u.a. mit ENSIFERUM) ein wenig Sand ins Getriebe der Melo Death/Modern Metaller.

So sah man sich zu Beginn des letzten Jahres mit diversen Querelen konfrontiert, die im Ausstieg von Aushängeschild und Frontmann Antti Lappalainen gipfelten, den es erst einmal zu ersetzen galt. Als idealer Nachfolger entpuppte sich der frühere AMORAL-Grunz-Gurgler Niko Kalliojärvi, der sich jetzt bei TRACEDAWN den Gesang nahezu brüderlich mit Gitarrist Tuomas Yli-Jaskari teilt, wobei letzterer für den Klargesang zuständig ist. Von daher zeigt sich die Truppe nunmehr noch ein wenig abwechslungsreicher, während man sich stilistisch selbstredend kaum merklich von der Linie abgewandt hat und immer noch in „zeitgemäßen“ Gefilden agiert. Aber auch dabei ist ein Entwicklungsprozess erkennbar, denn die harschen (Melodic) Death-Elemente haben deutlich an Heftigkeit zugelegt, während die Melodien mit einer Extraportion „Zuckerguss“ versehen wurden. Nicht zuletzt dadurch wird man wohl den schwedischen Kollegen von SCAR SYMMETRY durchaus Konkurrenz zu machen im Stande sein, auch wenn man deren zwingendes Melodik-Gefühl noch nicht ganz erreicht. Aber nicht nur Fans dieser Formation werden an „Lizard Dusk“ ihre Freude haben.

Durch die mannigfaltigen Elemente, die von heftig bis progressiv reichen und sowohl fein strukturierte Instrumentalpassagen wie auch jede Menge an Wucht beinhalten, sollte sich auch jene Zielgruppe, die üblicherweise DARKSOILBODOMFLAMES huldigt, von diesen Finnen angesprochen fühlen.

www.tracedawn.com

Walter


NITROGODS – Same (Steamhammer / SPV)

Erinnert sich noch jemand an THUNDERHEAD (Nein, Walter, wir sind alle schon uralt und senil. By the way, wer is´ Walter?? Andi)? Na hoffentlich, wär‘ nämlich schade, wenn eine solche Truppe in Vergessenheit geraten würde! Um dem entgegenzuwirken, wird dieser Tage sogar versucht, das direkte Erbe anzutreten. Keine einfache Übung, doch stilecht ist es immerhin ein ehemaliges Bandmitglied, das damit zu reüssieren versucht, nämlich der frühere Klampfer Henny Wolter.

Nach einigen Zwischenstationen (unter anderem bei PRIMAL FEAR und SINNER) hat Henny mit Drummer Klaus Sperling - der auch schon bei der deutschsprachigen Reinkarnation DONNERKOPF an Wolter’s Seite agierte - und dem GALLON-Fronthünen Oimel Larcher zwei kompetente Mitstreiter rekrutieren können, um unter dem Banner NITROGODS erneut loszulegen und für erfrischende, erdige, handverlesene Heavy Rock-Klänge zu sorgen. Mitunter schwingt zwar die Inspirationsquelle namens MOTÖRHEAD dermaßen heftig mit, dass man meinen könnte, Lemmy und die seinen wären persönlich am Werk… Doch wer eine solch‘ – T’schuldigung – versoffene Stimme sein eigen nennen kann, ist für Nummern wie „Whiskey Wonderland“ (in dem zusätzlich noch NAZARETH-Fronter Dan McCafferty zu hören ist) oder „At Least I’m Drunk“ (wäre das Stück von VOLBEAT, wär´s wohl schon in den Charts) geradezu prädestiniert.

Seitens der Band wird man es wohl auch gar nicht abstreiten, dass MOTÖRHEAD mit zu den essentiellsten Einflüssen zu zählen sind, im Gegenteil, man ist eher stolz darauf, was auch der Gastauftritt von „Fast“ Eddie Clarke in „Wasted In Berlin“, einem weiteren Highlight dieses Albums, unter Beweis stellt. Fehlt eigentlich nur noch ein weiterer Gast, namentlich „Mr. THUNDERHEAD“ himself, Ted Bullet, der zumindest was die Einstellung und die Texte, die vorwiegend von schnellen Autos und diversen Getränken handeln, betrifft, wohl eine verdammt gute Besetzung gewesen wäre. Aber sei’s drum, das Erbe seiner Ex-Band versteht Henny auch so verdammt gut zu verwalten, wie man generell festhalten muss, dass den NITROGODS ein wahrlich feines Teil gelungen ist.
Spaß, Rock’n’Roll und Durst inklusive!

www.nitrogods.de

Walter


ECLIPTICA - Journey Saturine (Eigenproduktion)

Etwas mehr als drei Jahre hat es gedauert, dass uns das einheimische Edel-Melodic-Gewächs einen Nachfolger zum auch international durchaus positiv aufgenommenen „Impetus“ auftischt.

In wie fern die nunmehr zu vernehmende dezente stilistische Umorientierung den Line Up Umbesetzungen zuzuschreiben ist, vermag ich zwar nicht zu beurteilen, fest steht aber, dass durch das etwas „dreckig“ anmutende Organ von Neo-Sängerin Sandra (passende Ergänzung zum gewohnt souverän agierenden Frontman Tom) die von der Truppe für sich entdeckte „Rockigkeit“ verdammt gut zur Geltung kommt. Ebenso auffällig sind auch die nunmehr noch prägnanter ausgeführten und arrangierten (wie auch soundtechnisch stärker inszenierten – Mika Jussila, noch Fragen?) Chorpassagen, die in Kombination mit den markanten Refrains Nummern wie „Love & Misery“ oder „Kingdom Of Heaven“ sofort ins Langzeitgedächtnis transferieren lassen.

Wer musikalische Innovationen sucht, ist hier zwar fehl am Platz; wer sich allerdings an Melodic Metal aus Tradition ergötzen kann (und das sollten ja nicht gerade wenige Zeitgenossen sein!) kommt an ECLIPTICA nicht länger vorbei und sollte dieser Band endlich ihre berechtigte Chance geben. Das Sextett kommt nämlich mittlerweile absolut an international angesagte Genre-Heroen heran.
Thumbs Up!

www.ecliptica.at

Walter

KORN - The Path Of Totality (Roadrunner/Warner)

Auch das zehnte Studioalbum der Chaoten aus dem kalifornischen  Bakersfield ist, wie könnte es anders sein, alles andere als die herkömmliche Song-Zusammenstellung. KORN waren immer schon experimentell, mal mehr, mal wieder weniger.

Mit dem reinen Fünf-Halbtöne-tiefer-Riff-Schroten hat das Quartett heute nicht mehr viel am Hut, lieber ergeht man sich in Zusammenarbeiten mit den üblichen Verdächtigen. Das wären im vorliegenden Falle etwa der von MTV exzessiv hofierte SKRILLEX, mit dem die Körner scheinbar recht gut können, und deswegen mit ihm gleich mal die Single "Get Up!" und die ebenfalls recht annehmbaren Elektro-Rocker "Chaos Lives In Everthing" und "Narcissistic Cannibal" aus dem Hütchen gezaubert haben. Ebenfalls recht zackig und eher in Bits und Bytes verschachtelt als in schwingenden Gitarrenakkorden sind die drei Joint-Ventures mit dem holländischen Electronic-Trio NOISIA. "Burn The Obedient" und "Let's Go" tönen recht bedrohlich und massiv durch ihre breiten Soundwände, erinnern unweigerlich ein wenig an MARILYN MANSON. Und "Kill Mercy Within" ist für mich sogar der beste Track der Scheibe. Ein wenig unspektakulärer gestalten sich die vom kanadischen Dubstep-DJ EXCISION veredelten Tracks, oder die beiden etwas schaumgebremsten DOWNLINK-Produktionen.

"Way Too Far" mit dem New Yorker Dj 12TH PLANET ist unspektakulär und auch für KORN-Fetischisten wahrscheinlich verzichtbar, und das abschließende "Bleeding Out" (hier hatte der britische House-Producer FEED ME seine Griffel an den Reglern) besticht auch nur wegen seiner gelegentlichen Ausflüge in alte Korn-Gefilde. "The Path Of Totality" hat ohne Zweifel seine lichten Momente bei etwa fünf oder sechs Songs, geht ansonsten immer wieder ein wenig zu kantig ins Ohr. Sicherlich sind so mache Arbeiten mit genrefremden Musikern befruchtend, Jon Davis und seine Hüpfkasperl sollten sich in diesem Falle aber vielleicht nur SKRILLEX und NOISIA für weitere Arbeiten warmhalten, denn da funktioniert das Zusammenspiel am logischsten.

www.korn.com

Mike

THE INTERSPHERE -  Hold On, Liberty! (Long Branch/SPV)

Da haben unsere vier Protagonisten doch tatsächlich die "Popakademie Mannheim" (hoffentlich nicht unter der Expertise von Herrn Xavier N.) auf ihrem Weg nach oben durchlaufen. Wie förderlich das ist, wenn man eigentlich progressiven Melancholie-Core spielt, kann ich hier nicht mehr genau feststellen. Tatsächlich sind die Jungs aber für INCUBUS zu schräg und für THE DILLINGER ESCAPE PLAN zu gerade. Irgendwo dazwischen pendelt es sich ein, wenn man will. Den entkernten Metal findet man indes sehr selten auf diesem zweiten Longplayer des Quartetts.

Erst mal plätschern die elf Songs bis auf wenige Ausnahmen aber eher kraftlos durch die Speaker und an einem vorbei. Grund ist nicht etwa fehlendes musikalisches Können, oder gar  Unterkapazitäten im Songwriting - die konnten sich die Vier in bislang über 350 Live-Gigs nämlich durchaus antrainieren. Nein, es ist eher das manchmal zu orientierungslose Dahingedümpel einzelner Songfragmente, manchmal auch ganzer Songs. Etwa der sicherlich gut gemeinte Titelsong, der mit überflüssigen BILLY TALENT-Anbiederungen nervt, oder das etwas gesichtslose "Open End".

Aber Schluss mit schimpfen, schließlich gibt es auch Lichtblicke. Oben erwähnte INCUBUS schleichen sich immer wieder in die Lieder ein, so auch in "Capitall", das man aber mit einem kräftigen Drive durchaus gut verkaufen kann. Das siebeneinhalb minütige "Parallel Lines" vereint währenddessen die schönsten Momente von DREDG und MUSE in einer höchst komplexen Klangkathedrale, die von gar schönen Gesangsharmonien durchströmt wird. Ähnlich gestaltet sich das etwas ruhigere "Over", das durch recht zugängliche Hooklines irgendwie schon Ohrwurmdimension erreicht. Das abschließende "Destiantion" driftet dann noch ein wenig in die Pop-Ecke (damit sich auch die Akademie bezahlt macht), und mit "Sleeping God" beweist man, dass es ja doch geht, wenn man will: ein komplex groovender Bass trifft auf extraordinären Gesang. 

Ok, da hätten wir also eine Band mit großen Ambitionen, die sogar schon beim "Rock Am Ring" gespielt hat. Aber was heißt das schon? Ein wenig mehr griffiges Liedgut würde da und dort nicht schaden, denn so wie es auf "Hold On, Liberty!" großteils daher tönt, ist es doch noch ein wenig schwülstig und klingt nach dutzenden bereits bis zum Erbrechen gehörten Acts. Was aber nicht heißt, dass THE INTERSPHERE eine schlechte Band wären. Nur verkaufen müssen sie sich eben noch ein wenig besser.

www.theintersphere.com

Mike

SUICIDAL ANGELS – Bloodbath (NoiseArt Records / Soulfood)

Schön langsam, aber sicher darf man durchaus die Frage stellen, ob der durchschnittliche griechische Tag deutlich länger ist als andernorts. Als Erklärung dafür lässt sich beispielsweise das immense Arbeitspensum der Burschen von SUICIDAL ANGELS anführen, die Schlaf wohl nur vom Hörensagen kennen.

Beeindruckend, dass die vier Jungs seit dem Jahr 2009 (ich weiß, die Band existiert schon deutlich länger und hatte auch davor schon Veröffentlichungen in Umlauf zu bringen versucht, ich beziehe mich hier aber „nur" auf jene Phase, in der man zum Durchmarsch ansetzen konnte) ihr bereits drittes Werk vorlegen können und das, obwohl sie sich seit ihrem Durchbruchswerk „Sanctify The Darkness“ gefühlte 350 Tage pro Jahr „on the road" - unter anderem auf der „Thrashfest"-Tour mit KREATOR, aber auch als Headliner – befand.  

Wie auch immer, von einem Schnellschuss kann auch bei ihrem aktuellen Silberling nicht die Rede sein. Im Gegenteil, ihr Thrash Metal klingt in meinen Öhrchen sogar ein wenig fokussierter gespielt, wodurch sich die Songs noch hurtiger den direkten Weg ins Langzeitgedächtnis bahnen können. Darüber hinaus muss man den Jungs auch noch attestieren, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben und diesen scheinen sie auch überaus ambitioniert fortsetzen zu wollen. So hat sich die Truppe einmal mehr das Artwork von Großmeister Ed Repka anfertigen lassen und auch was den Sound betrifft, hält man es traditionell und begab sich unter die Fittiche ihres längst als Top-Produzenten bewährten Landsmannes R.D. Liapakis. Dazu passend lassen sich selbstredend auch Einflüsse von KREATOR, EXODUS oder SEPULTURA noch immer vernehmen - die Burschen sind eben konsequent.

Klar werden bei einer Band wie SUICIDAL ANGELS schnell Unkenrufe von wegen „Hype" sofort laut, doch mal ganz ehrlich, diese Burschen würden einen riesigen Fehler machen, würden sie nicht auch weiterhin auf sämtliche rührigen Kräfte in ihrem Umfeld vertrauen und die Gunst der Stunde voll ausnutzen. Von daher sei jener Neidgenossenschaft auch ein markiges „Fuck Off" entgegen geschmettert, zumal man ein dermaßen großes Arbeitspensum erst einmal zu absolvieren im Stande sein muss und darüber hinaus beweisen die Burschen mit Hämmern wie „Moshing Crew“, „Face Of God“ oder „Skinning The Undead“ (um nur einige Beispiele zu nennen!) ohnehin ausreichend, dass sie kompositorisch über jeden Zweifel erhaben sind.

www.suicidalangels.com

Walter

ORPHANED LAND - The Road To Or-Shalem (DVD) Century Media/EMI

Ebenso opulent wie auf ihren Tonträgern präsentieren sich die Israelis auf ihrer ersten DVD. Dass die Band rund um Mastermind Kobhi Fari nicht mit normalen Metal-Parametern zu messen ist, dürfte bekannt sein - und ebenso ist es auch dieses umfangreiche optische Gustostückerl hier nicht.  "Our show proves that music is the strongest weapon in the world." meint Kobhi in einem Statement zur Veröffentlichung, und da hat er wohl schmerzend recht.

Wie keine andere Band vereinen ORPHANED LAND alle religiösen Symbole unter dem Mantel der friedlichen Musik, und wer mit solch einem Background aufwächst, weiß wohl, wovon er seine Geschichten erzählt. Hier wird nicht provoziert, hier wird vereint. Das letzten Dezember in Tel Aviv mitgeschnittene Konzert dauert an die zwei Stunden und präsentiert viele Höhepunkte der Band - mit Schwerpunkt auf den letzten beiden Alben. Die Bühnenperformance ist sympathisch und energiegeladen, es grenzt schon an Ironie, wenn Fahri im Jesus-Kaftan sein Publikum beglückt, und dieses ihm mit "Sexy Kobhi!"-Rufen dankt.

Großartig auch die Sangesleistung von Shlomit Levi, die mit ihren orientalisch-eindrücklichen Gesängen das Publikum zu Begeisterungsstürmen und den Endverbraucher am TV-Gerät zu Tränen hinzureißen vermag. Auch das exotische Instrumentarium rund um Bouzuki und Chumbush, und die mehrsprachigen Vocals stellen immer noch ein Unikum im Metal-Bereich dar, das diesen Mitschnitt zu einem einzigartigen Erlebnis werden lässt. Coole Cam-Perspektiven wie die von den Gitarren-/Bass-Hälsen tragen ihr Übriges zu einem gelungenen Mittendrin-Abenteuer bei.

Steven Wilson, Ziehvater und Produzent der Band, behübscht "M I ?" mit seinen Vocals und darf "The Beloved's Cry" sogar ganz allein auf der Klampfe performen, bevor das Publikum bei "Norra El Norra" dann endgültig austickt. Als Bonus gibt's zwei Live-Tracks mit dem in Israel ziemlich bekannten Musiker und Aktivisten Yehuda Poliker, Band-Fotos und drei reguläre Videos, das großartige "The Path" und ein beeindruckendes Drum/Percussion-Solo. Bei "Seasons Unite" tanzt die halbe Halle im Circlepit, und die halbstündige Doku "Vayehi Or" unterstreicht noch einmal die Message der Band, zeigt, wie ORPHANED LAND entstanden sind und warum sie fast wieder in der Versenkung verschwunden wären. 

"The Road To Or-Shalem" ist für mich als Gesamtpaket somit die DVD des Jahres, und das nicht nur wegen der zu Tränen rührenden Kommentare von Band und Fans. Das Teil kostet euch vielleicht ein paar Euros. Die Message, die dahinter steht, ist unbezahlbar.
Shalom!

www.orphaned-land.com

Mike

PERSONA NON GRATA - Quantum Leap (Massacre)

Von wegen! Vor allem Freunde des progressiven Metal im Stile von DREAM THEATER, REDEMPTION, FATES WARNING, VANDEN PLAS und SYMPHONY X werden diesen Griechen in Bälde sogar sehr viel Gegenleibe entgegen bringen, so dass die Burschen wahlweise ihren Bandnamen doch überdenken sollten, oder aber die sich ins Fäustchen lachen, denn exakt jenes „Gegenteil" könnten sie  durchaus im Hinterkopf bei der Namenswahl gehabt haben.

Wie auch immer: Fakt ist, dass sämtliche Fans der erwähnten Formationen an den üppigen, aber dennoch zumeist zugänglichen Kompositionen der aus Athen stammenden Truppe ihre Freude haben werden. In ihrer Heimat scheint die Formation ohnehin bereits zahlreiche Fans zu besitzen, doch auch erste internationale Lorbeeren konnten sich die Hellenen mit ihrem 2009er Debüt „Shade In The Light“ schon erarbeiten. Jede Wette, dass die Burschen ihre Fanscharen jetzt aber vervielfachen können! Im direkten Vergleich fällt nämlich auf, dass „Quantum Leap“ deutlich reifer und eingängiger klingt, selbstredend aber ohne den Faktor „Progressivität" vernachlässigt zu haben. Viel eher lässt sich feststellen, dass unzählige Breaks und Wendungen nunmehr wesentlich fokussierter ins Gesamtkonzept integriert werden konnte als zuvor. Ebenso gereift zeigt sich die Truppe gesangstechnisch, denn Neuzugang Aris Pirris vermag so manchen Passagen durch seine glasklare, mittelhohe, aber immerzu erhaben und souverän wirkende Stimme noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen (Angst! Andi).

Auch wenn es die Jungs nicht einfach haben werden, sich etablieren zu können – die genannten Referenzen sind auch in diesem Fall unerreicht. Zumindest jene Zielgruppe, der momentan angesagte, so genannte „Prog"-Bands, die wahlweise die Welt „niedersudern" und langweilen, oder aber alles in Grund und Boden grunz-frickeln, meilenweit am Allerwertesten vorbeimusizieren, sollte sich den Namen PERSONA NON GRATA notieren. Der METAL-Faktor nämlich, der den erwähnten "Trend-Truppen" fehlt, ist hier nämlich definitiv vorhanden - und zwar reichlich.

www.personanongrata.info

Walter

MYSTIC PROPHECY – Ravenlord (Massacre)

Irgendetwas machen die deutsch-griechischen Powermetaller MYSTIC PROPHECY richtig. Anders ist die Tatsache nicht zu erklären, dass eigentlich keines ihrer bisherigen Alben wirklich schlecht war.

In diese Tradition reiht sich nun auch das jüngste Output "Ravenlord". Mehr noch - es setzt dem Schaffen der Band vorläufig  das Krönchen auf. Elf Songs lang unterhält uns das Quintett aus Bayern mit Schwermetall der obersten Güteklasse; hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Wenn man beim flotten Doublebass-Hoppler "Die Now!" selbiges zu einem einfachen, aber saugeilen Gitarrenriff skandieren darf, oder einen das thrashig angehauchte "Cross Of Lies" mit seiner gelungenen Melodieführung zum freudigen Kopfnicken einlädt, dann bleiben einfach keine Fragen offen - allerhöchstens die Münder. "Damned Tonight"  und "Hollow" präsentieren sich als schnörkellose Kracher, die an EVERGREY zu ihren besten Zeiten erinnern, und das schleppende "Wings Of Destiny" lädt zum ungehemmten Mitgröhlen ein.

MYSTIC PROPHECY haben ihr Rezept auf den kleinsten Nenner gebracht und zeigen manchen Genrekollegen, wie man auch ohne allzu großes Klischee-Getue immer noch Akzente setzen kann. Der Opener und Titeltrack kommt zwar noch ein wenig verschlafen daher, aber wer solche musikalischen Handkantenschläge wie "Eyes Of The Devil" mit seinen grandiosen zweistimmigen Gitarren-Leads, oder das ein wenig nach ICED EARTH tönende "Endless Fire" im Gepäck hat, hat scheinbar seine Hausaufgaben gemacht. Der Bonustrack "Back With The Storm" kann durch seinen Ohrwurm-Refrain punkten, und auch das OZZY-Gedöns "Miracle Man" fügt sich mehr oder weniger gelungen ins Gesamtbild ein. Mit "Ravenlord" warfen unsere mystischen Propheten somit gerade noch schnell einen Top-Anwärter für die Metal-Scheibe 2011 unters Volk, die natürlich Pflichtkauf für jeden verantwortungsbewussten Rockfan sein muss!

www.mysticprophecy.net 

Mike

LILLIAN AXE - XI: The Days Before Tomorrow (AFM)

Wie wir alle wissen, ist es leider längst nicht sicher, dass Bands, die im Laufe ihrer Karriere ausnahmslos edelste Werke abzuliefern im Stande sind, auch dementsprechend honoriert werden.   Beispiele dafür, jahrelang unentdeckt von der breiten Maße geblieben zu sein, gibt es leider viel zu viele, eines der exquisitesten nennt sich fraglos LILLIAN AXE.

Meiner bescheidenen Meinung müsste diese Herren aus New Orleans bereits seit dem Jahr 1989 – genauer gesagt seit jenem Tag an dem sie mit „Love & War“ ihr zweites Album abgeliefert haben - ein Fixplatz im Rock-Olymp zugebilligt werden. Dieser Thron hätte zudem durch die beiden Früh-90er Meilensteine „Poetic Justice“ und „Psychoschizophrenia“ eine zusätzliche Beton-Fundamentierung verdient. Will sagen: eigentlich sollten LILLIAN AXE längst eine unsterbliche Größe sein. Aus welchen Gründen auch immer die Herrschaften rund um Gitarrenhexer Steve Blaze noch immer eine Art Mauerblümchendasein fristen müssen, will ich aber erst gar nicht kommentieren. Fakt ist für mich jedenfalls, dass mit „XI – The Day Before Yesterday“ einmal mehr unter Beweis gestellt wird, welch‘ begnadeter Komponist der Mastermind an sich ist. Auch auf dem elften Dreher des Unternehmens kredenzt der Ami nebst Begleitmannschaft – bei der Sänger Brian Jones sein Debüt abliefert – einen bunten Strauß erfrischender, eingängiger Songs und die sind durch die Bank gelungen.

Stilistisch zeigt sich das Quintett einmal mehr als Grenzgänger, was für mich einer der wohl eklatantesten „Problemzonen" bisher gewesen ist, wenn wir von „Erfolg" sprechen. So wird zum einen auffällig, dass LILLIAN AXE sowohl im Mainstream-tauglichen Rock (würden wahlweise NICKELBACK oder BON JOVI die Ballade „Bow Your Head“ am Start haben, bräuchten man wohl keine Woche zu warten ehe der nächste Nummer Eins-Hit aus dem Äther dröhnt) agieren, sehr wohl aber auch eine amtliche Hardrock-Schlagseite (DOKKEN zu deren Blütezeit, FREAK OF NATURE) aufweisen und obendrein auch melodischen, groovigen und progressiven Metal (QUEENSRYCHE zu „Empire“-Tagen) und AOR aus dem Effeff beherrschen.

Noch viel auffälliger ist jedoch das perfekte Verquicken von Tradition und Moderne. Wenn nur jeder Zehnte, der Bands wie ALTER BRIDGE für DIE Sensation schlechthin hält, auch hier zuschlägt, könnten die Herrschaften ihren Bekanntheitsgrad schön vervielfachen. Schelten für diese Band, wie zuletzt für die zu zeitgeistige Gestaltung von „Deep Red Shadows“ vor knapp zwei Jahren, wird es nicht mehr geben, denn Steve Blaze hat es geschafft, in seine neuen Songs auch jene Elemente einzubauen, für die man LILLIAN AXE (wenn auch erst Jahre später) zu honorieren wusste.

Ich bin entzückt, jawohl, das bin ich!

www.lillianaxe.com

Walter

PILGRIM - Misery Wizard (Metal Blade / Sony)

Auch wenn das „Image" (hinter PILGRIM verbergen sich Männer, die - O-Ton: „vor langer Zeit die Kraft der Verstärkung lauter Klänge durch geheimen Zauber und dunkle Verhandlungen mit mächtigen Dämonen erlangt haben"), das sich diese Truppe aus Rhode Island gegeben, hat ein wenig eigenwillig anmutet, sollte man den Herren „The Wizard" (Gitarre, Gesang), „Count Elric the Soothsayer" (Bass) und „Krolg, the Slayer of Man" (Drums) Beachtung schenken, hat sich doch ein wahrlich kompetentes Trio formiert. Als solches kredenzt die Truppe von der Ostküste der US of A nun ein sehr imposantes erstes Album. Zwar hat sich die Band erst 2010 zusammengefunden, es würde aber kaum verwundern, wenn eines Tages bekannt werden würde, dass es sich hierbei um altgediente Recken handelt.

Weshalb? Weil PILGRIM ihren Doom auf sehr feine Art und Weise und überaus routiniert vortragen. Die sechs Tracks wirken allesamt ausgeklügelt und können mit sämtlichen Trademarks, die man sich von derlei elegischen Monumentalepen erwartet, punkten. Härte und Rohheit sind dabei ebenso fixe Bestandteile des Gesamtklangbildes wie auch erhabene Momente, als Referenzen kommen mir immer wieder BLACK SABBATH, SAINT VITUS und vor allem REVEREND BIZARRE in den Sinn. Insbesondere die schrullige Art mit der „The Wizard" ins Mikro röhrt lässt mich an die Finnen denken, allerdings sei durchaus angemerkt, dass der Ami sehr wohl über eine eigenständig tönende Stimme verfügt. Zudem muss noch angemerkt werden, dass es PILGRIM sehr gut verstehen, für ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild zu sorgen. Zwar nicht unbedingt in Sachen Tempo, dafür umso mehr, was die Atmosphäre betrifft, die mitunter durchaus Eiseskälte verbreitet und wohl auch so manchen Pandabären, ähm, blass werden lässt.

Kurzum: Die Amis haben ein Album abgeliefert, das für den ersten „Hammer Of Doom" 2012 sorgt!

www.myspace.com/spacepilgrims

Walter



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