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CDs
Radiohead Hail To The
Thief (Capitol/EMI)
Seit 10. Juni ist das neue Machwerk der britischen
Ausnahme-Musikanten erhältlich. Und nicht umsonst wird von offizieller
Stelle getönt, RADIOHEAD hätten zum ersten Mal seit ihrem Mitte
der 90er erschienenen Album "The Bends" ihre Energie wieder
tatsächlich bleiben die Mannen rund um Broken Voice Thom Yorke
zwar ihrer Linie treu, struggeln sich mehr denn je durch Polit-Aggression
und Gesellschafts-Schwarzmalerei, spielen mit Klavierzauber genauso wie
mit Techno-Schwellungen, legen unheilvoll angstmachende Prophezeiungen
und Fakten in ihre Texte. Doch sind sie tatsächlich beflügelter,
stimmiger als jemals zuvor. "Hail To The Thief" macht im Gegensatz
zu einer der erschreckenden Vorgängerplatten wie zum Beispiel "Kid
A" nicht mehr nur Kummer, sondern kommt im Großen und Ganzen
neben all dem tiefdunklen Hinter- und Untergrund stellenweise wie ein
richtiges Rockalbum mit vielen Details, guten Melodien und ziemlich viel
Abwechslung rüber. Nicht, dass sich RADIOHEAD in der vergangenen
Dekade irgendwann auch nur die kleinste Sorge hätten machen müssen,
mit irgendeiner Scheibe nicht erfolgreich zu sein. Nur ist "Hail
To The Thief" bei allem Anstrengungsfaktor endlich auch wieder ein
Stück mehr Unterhaltung als das Konglomerat aus experimenteller Sound-Panik,
viel Ohrenschmerz und erdrückenden Feelings, das sie uns in den letzten
Jahren so gern bescherten.
www.emimusic.at
Althea
Staind 14 Shades Of Grey (Warner Music)
Mit ihrem neuen Album sind die amerikanischen
Burschen nach einigem genaueren Hinhören definitiv auf dem richtigen
Dampfer: war das kommerziell bahnbrechend erfolgreiche Vorgängeralbum
noch fast ausschließlich von Kindheits- und Jugendtraumen geschwängert
und damit tieftraurig, depressiv und scheinbar dem Suizid grade noch entronnen,
so präsentieren sich die "14 Shades Of Grey" erfreulich
facettenreicher und mitunter gar positiv und lebensbejahend, was mutmaßlich
eventuell auch mit dem scheinbar glücklichen Familienleben von Sänger
Aaron Lewis zu tun hat (??). Nach wie vor findet der STAIND-Fan lyrisch
soziakritische Angriffe und Anprangerungen, doch auch die Liebe zu Aarons
Kind sowie das erhebende Gefühl, in den Spiegel zu schauen und sich
dabei in die Augen blicken zu können (anstatt ihn zu zerschlagen
und sich mit den Scherben die Pulsadern aufzuschneiden, zum Beispiel...)
kommen zum Ausdruck. Musikalisch hat sich zum Glück, eigentlich!
nicht viel geändert: immer noch steht dichter, perfekt abgestimmter,
moderner Heavy Rock im Vordergrund, immer noch jagt eine Kalte-Schauer-Über-Den-Rücken-Treibende-Melodie
die nächste, immer noch kommen vor allem die abwechselnd starken
und emotionalen Gitarren zum Zug. Mal sehen, ob der STAIND-Erfolg auch
mit dieser neuen Scheibe anhält. Zu wünschen wäre es der
unverhofft und doch reifenden Band jedenfalls!
www.staind.com
Althea
ETHER SEEDS - Ether Seeds (Roadrunner/Musica)
Mit seinem Debüt schafft der neueste New
Rock-Export aus den Staaten, woran viele Genrekollegen vor ihm scheiterten:
dunkle Emotionen richtig rüberzubringen, mit einzelnen Textpassagen
dem Hörer die Gänsehaut auf die Arme zu zaubern und gleichzeitig
extrem cool abzurocken. Die aussagekräftigen Songs (von hasserfüllten
floaten richtiggehend auf den Vocals von Frontman Dustin Lowery, der so
viel Nachdruck in seine vertonten Gefühle legt, dass ein Weghören
nicht mehr möglich ist. Vielmehr legt Track für Track einen
wenig sanften, dafür sehr bestimmten Strick um jedes "heavy"-begeisterte
Ohr - wiegt dieses mit schwermütiger Härte in Sicherheit und
schlägt danach mit einem metallischen Riff zu, um es im nächsten
Moment mit einer unverhofft einbiegenden, herzzerreißenden Melodie
zum Schmelzen zu bringen, brennt sich hinein, und macht auf Dauer regelrecht
süchtig! Die Samen, die vom Himmel fielen... sie werden Früchte
tragen, das ist mit diesem Erstlingswerk schon mal sicher!
www.etherseeds.com
Althea
DIVERSE - Rock Now Volume One
(Warner Music)
Na da schau her! Die aktuelle Créme de
la Créme der österreichischen Musikszene finden wir zu unserer
Freude auf diesem Doppelalbum vor und sie sind alle dabei: die
seit erst relativ kurzer Zeit ganz oben schwimmenden PROXONIC oder BONG
BABY GO SUB, die Gewinner des Yamaha Band Contests 2003, HOTCHPOTCH, die
Alternativen à la ZERONIC oder JULIA, die Punkabteilung inklusive
PSY-9, 3 FEET SMALLER und CHEEK DAKOTA, die ganz heftigen wie MUDFUZZ,
CAY-OS oder NACA7, die alle schon Kultstatus aufweisen dürfen, und
die, die die Szene in Bälde besonders kräftig zum Brodeln bringen
werden, wie zum Beispiel COMAAH, CORE und BOMBSQUAD... Das Ganze liest
sich stellenweise wie die Austro-Adreßdatei des Planet Music, ist
aber in Wirklichkeit ein Rekordsampler aus dem Hause Warner Music, vor
der sich jeder, der die heimische Musikszene von Hardcore bis Pop
- unterstützt, verfolgt und kennt, am liebsten verneigen möchte.
Her mit Volume Two, bleibt da nur als Abschlussfazit zu schreiben... www.warnermusic.com
Althea
WIZARD
- Odin (LMP/edel)
Ihr mittlerweile fünftes Werk stellen die deutschen True Metaller
WIZARD dieser Tage in die Läden. Wie der Titel verrät, handelt
es sich dabei um ein Konzeptalbum über den nordischen Göttervater
Odin. Wer mit der Band bzw. deren Schaffen bisher vertraut ist, den wird
auch das aktuelle Opus zu Freudentänzen animieren (jojo... Andi).
Desöfteren wurden WIZARD bereits mit MANOWAR verglichen, was auch
nicht wirklich verwunderlich ist, denn "Thor´s Hammer"
oder "Hall Of Odin" versprühen denselben Pathos, für
den die Amis zu ihrer stärksten Zeit berühmt waren. Schon der
Opener "The Prophecy" zeigt uns, dass die Deutschen aber auch
im Speed Metal beheimatet sind. Im Prinzip wird ein sehr breites Spektrum
abgedeckt, dem gegenüber kann "Dead Hope" bedenkenlos als
Melodic Metal bezeichnet werden. Überwiegend ist aber dennoch der
klassische True Metal, dieser im Gegensatz zu den Vorgängerwerken
jedoch wesentlich abwechslungsreicher gestaltet. Die ordentlich druckvolle
Produktion von IRON SAVOIR-Mastermind Piet Sielck tut der ganze Sache
ebenfalls gut, ein Mann wie dieser passt eben vorzüglich zu WIZARD.
Es müsste also für ALLE etwas dabei sein, wenn WIZARD zum Tanz
bitten. Deshalb glaube ich auch, dass es dem Quartett endlich gelingen
wird einen ordentlichen Schritt nach vorne zu tun. Auf Grund der stilistischen
Ausrichtung müsste neben Europa vor allem Südamerika, aber eventuell
auch Japan zu knacken sein.
Walter
REBELLION
- Born A Rebel (Drakkar/BMG)
Was zunächst eher als Projekt im Sinne "X-Digger" aussah,
entpuppt sich im Laufe der Zeit als durchaus ernstzunehmendes Bandgefüge.
Die ehemaligen "Grabschaufler" Uwe Lulis (G) und Tomi Göttlich
(B) haben in Björn Eilen (G, ex-WARHEAD), Randy Black (D, nebenbei
ANNIHILATOR) und Michael Seifert (V, nebenbei(?) BLACK DESTINY) fähige
Musikanten gefunden, mit denen nun bereits das zweite Album unter dem
Namen REBELLION veröffentlicht wird. Im Gegensatz zum Erstling "Shakespeare´s
Macbeth A Tragedy In Steel" handelt es sich diesemal um kein
Konzeptalbum, sondern "lediglich" um die Aneinanderreihung einzelner
Songs. "Born A Rebel" beinhaltet insgesamt 11 Titel, die schlicht
und ergreifend im klassischen Metal anzusiedeln sind, wobei textmäßig
ein ebenso breites Spektrum abgedeckt wird, ohne jedoch in Klischees zu
verfallen. Der Titelsong, eine SAXON-mäßige Biker-Hymne, nebenbei
ein Albumopener wie aus dem Lehrbuch, zeigt bereits die ganze Klasse der
Formation. Die Nummer geht direkt nach vorne los, bleibt auf ewige Zeiten
in den Gehörgängen haften und stellt lediglich ein (zur Zeit
zwar noch nicht akutes, aber vielleicht demnächst gravierendes) Problem
für die Band dar: Mit einer Leistung wie dieser wird Sangesbarde
Seifert mit ziemlicher Sicherheit demnächst Angebote bekannterer
Acts erhalten. Seine raue Stimme erinnert im Laufe des Albums ein ums
andere Mal an Matthew Barlow (mittlerweile ex-ICED EARTH). Neben diesem
furiosen Beginn überzeugen aber auch die anderen Songs. Besonders
hervorheben möchte ich das religionskritische "Through The Fire"
sowie "Dragons Fly", bei denen Herr Seifert abermals seine ganze
Klasse präsentieren kann. Musikalisch wird generell auf höchstem
Niveau vorgetragen, Sound und Arrangements passen sich hervorragend dem
Gesamtbild an. Metallerherz, was willst du mehr (a Metal Church-Reunion
mit Mike Howe z.B., Andi) ?
Walter
HARMONY
- Dreaming Awake (Massacre)
Als neueste Melodic-Hoffnung aus Skandinavien werden uns diese Herrschaften
von ihrer Plattenfirma präsentiert. Trotz aller Bekenntnis, Liebe
und Treue zu dieser Stilrichtung, muß sogar meine Wenigkeit zugeben,
mittlerweile ein wenig übersättig zu sein. Vielleicht liegt
es aber auch daran, dass HARMONY über weite Strecken Melodie und
Eingängigkeit zu sehr mit Kitsch verwechseln, wodurch "Dreaming
Awake" zu einem zwiespältigen Genuß wird. Zugegebenermaßen
sind die Kompositionen als solche durchaus gefällig, durch die leider
zu häufig verwendeten neoklassizistischen Parts, die auch noch einen
Großteil der Instrumentalpassagen abdecken, wirkt die ganze Sache
dann überladen. Weniger wäre in diesem Falle mehr gewesen. Laßt
euch aber bitte nicht abschrecken und urteilt selbst über dieses
Debütalbum!
Walter
GRAVE
DIGGER - Rheingold (Nuclear Blast/edel)
Auch zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüts "HM
Breakdown" beweisen die Herrschaften rund um Chris Boltendahl, dass
Rock´n´Roll keine Frage des Alters ist. Auf ihrer aktuellen
Veröffentlichung "Rheingold" hat man wieder einmal ein
Konzept, nämlich die Nibelungensage, als Basis benutzt und diese
in GRAVE DIGGER-typischer Manier umgesetzt. Im Gegensatz zum schlicht
"The Grave Digger" betitelten Vorgänger haben die Herren
nicht nur lyrisch-konzeptionell Änderungen vorzuweisen, auch stilistisch
sind Unterschiede, wenn auch nur geringfügig, auszumachen. Songs
wie "Valhalla", "Maidens Of War" oder "Murderer"
verfügen über das zuletzt ein wenig vermisste gewisse "Etwas".
Dieses lässt sich schlicht und ergreifend mit "Ohrwurm für
die Ewigkeit" umschreiben. Dadurch rücken genannte Songs in
die Nähe von unsterblichen GD-Hymnen wie "Headbanging Man",
"Yesterday" oder "Enola Gay". Durch die zahlreichen
Spezialeffekte und Intros kommt "Rheingold" aber dann am allerbesten,
wenn das Werk auch als Gesamtkunstwerk gehört wird. Ich bin ziemlich
sicher, dass da auf der für nächsten Jänner anstehenden
Tournee auch einiges fürs Auge geboten wird.
Walter
PANTOKRATOR
- Blod (Rivel Records)
Nicht gerade "Easy-ListeningStoff. den uns dieses junge,
schwedische Quartett da frei Haus liefert. Die Herren musizieren zum größten
Teil recht doomig vor sich hin, durch eine Menge Einflüsse aus dem
Prog-Bereich schaffen es PANTOKRATOR jedoch mühelos enorme Spannungsbögen
aufzubauen und machen die Sache somit ungemein interessant. Auch in der
Gothic-Ecke hat man sich bedient und Elemente daraus dieser Metal-Melange
beigefügt. Richtig heftig wird es allerdings, wenn der Gesang von
Karl Walfridsson einsetzt, denn dieser ist den tiefsten Abgründen
des Death Metals zuzuordnen. Die musikalische Ausrichtung könnte
grob als Mischung aus alten MY DYING BRIDE und den Frühwerken ANATHEMA´s
durchgehen, wenn sich diese seinerzeit schon an diversen Prog-Helden orientiert
hätten. Was die Texte betrifft, kann ich leider keinerlei Auskunft
geben, da diese in schwedisch vorgetragen werden. Ich gehe davon aus,
dass PANTOKRATOR eher im christlichen Bereich anzusiedeln sind, denn zum
einen steht Gott in den Dankeslisten sehr weit oben, zum Anderen denke
ich auch nicht, dass ein bekennender Christ wie Labelbesitzer Christian
Rivel blasphemische oder gar antichristliche Formationen unter Vertrag
nehmen würde. Für Fans der genannten Bands sind PANTOKRATOR
sicher interessant. Wendet Euch bei Interesse am Besten an die Label-Homepage
www.rivelrecords.com um nähere Informationen zu erhalten.
Walter
FRONTEARS
- Committer/Victim (TTS Media)
Vor mittlerweile acht Jahren begannen die Herren Jens Kramer (G) und Matthias
Henke (V) unter dem Namen FRONTEARS gemeinsam aufzuspielen. Nach einem
Demo im Jahre 1996, das mit durchwegs positiven Kritiken versehen wurde,
konnte im Jahr darauf ein Vertrag bei TTS Media unterzeichnet werden.
Seit jener Zeit ist die Band zum Quintett herangewachsen und wurde bereits
mit dem Debut "Dreamhealer" wohlwollend von den Rezensenten
aufgenommen. Mit dem Nachfolger "Pull Push Power" (1999) konnte
der gute Ruf weiter ausgebaut werden. Mit ihrem nunmehr dritten Album
"Committer/Victim" werde nun auch ich endlich mit der Band konfrontiert.
Zugegebenerweise ist mir da bisher Etwas entgangen. Bei besagten "Drittling"
handelt es sich um ein Konzeptalbum zum Thema Massenmord, wobei keine
durchgehende Geschichte aufgetischt wird, sondern sämtliche elf Songs
sich mit diesem Thema beschäftigen. Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen
zu dieser Thematik beschäftigen sich FRONTEARS allerdings mit den
psychologischen Hintergründen (gähn... Andi). Wie auch immer,
wir beschäftigen uns im Endeffekt doch eher mit der Musik, die als
melodiebetonter Power Metal bezeichnet werden kann. Sangesbarde Matthias
Henke verleiht der ganze Sache mit seiner ausdrucksstarken Stimme noch
mehr Energie, ganz zu schweigen von den phasenweise schlicht brillanten
Duettpassagen, für die als Background-Sängerin BACKSLASH-Röhre
Heike Grebita ins Studio eingeladen wurde. Hier stimmt einfach die Mischung
aus Kraft, Energie und Emotionen! Wer bei einer Nummer wie "Victim´s
Ballad" keine Gänsehaut bekommt, sollte ernsthaft seine Gefühlswelt
(oder zumindest die Ohren....) untersuchen lassen.
Walter
LYNCH/PILSON
- Wicked Underground (Spitfire/edel)
Die Herren George Lynch und Jeff Pilson bedürfen ja hoffentlich keiner
besonderen Vorstellung, denn sie sollten als Musiker von DOKKEN mehr als
nur bekannt sein. Nach ihrem Ausstieg gingen sie getrennte Wege. Lynch
mit seinem MOB, Pilson war mit WAR & PEACE und später UNDERGROUND
MOON in den Schlagzeilen. Nach kurzer abermaliger Zusammenarbeit mit Mr.
Don DOKKEN erscheint nun also eine, gemeinsam von den Herren Pilson, der
neben dem Bass auch für den Gesang zuständig ist, und Lynch,
wie immer an der Klampfe, eingespielte Scheiblette. Für Komplettisten
sei noch erwähnt, dass Michael Frowein die Drums übernommen
hat. Wie der Bandname bereits verdeutlicht, sind beide Herrschaften im
gleichen Ausmaß beteiligt. Das bestätigt auch der Titel, dieser
setzt sich nämlich aus "Wicked Sensation" von LYNCH MOB
und UNDERGROUND MOON zusammen. Musikalisch ist das Ganze dem melodiösen
Hardrock zuzuordnen, wobei Gitarrenfideleien im Gegensatz zu LYNCH MOB
im Hintergrund bleiben und die "Moderne", die bei UNDERGROUND
MOON noch vorhanden war, ebenfalls vernachlässigt wird. Was bleibt
sind also die, zumindest meiner Meinung nach, wichtigsten Elemente jener
Formationen mit denen die Herrschaften bislang in Erscheinung traten.
Stadiontauglicher, melodiöser Hardrock lautet die wahrscheinlich
treffendste Bezeichnung der gebotene Musik. Ob damit heutzutage allerdings
noch Stadien zu füllen sind, darf bezweifelt werden (do geht se net
amoi mehr da Sportplatz Katzelsdorf aus... Andi).
Walter
ELSEPHERE
- Blind Leading The Blind (Lucretia Records/Intromental)
Es kommt nicht allzu häufig vor, daß Stilbeschreibungen in
Platteninfozetterln und Musik tatsächlich übereinstimmen. Doch
im Falle der schwedischen Power Proggies ELSEPHERE hat der zuständige
Verfasser den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Beschreibung des Stils
als Mischung aus DREAM THEATER, FATES WARNING und MEMENTO MORI kann demnach
ohne Einwände unterschrieben werden. Natürlich ist es bis zum
Erreichen der Qualität der angegebenen Referenzen noch ein gutes
Stück Arbeit, doch die Basis, die als solide Mischung aus Power und
Prog Metal mit einer gehörigen Menge an Doom-Anteilen beschrieben
werden kann, ist vorhanden. Mehr noch, mit Nummern wie "Hole Inside
My Head", dem vom Tempo her verschärft vorgetragenem "Lunar
Sea" oder dem ein wenig melancholisch anmutenden "Last Night
On Earth" würde ich der Band sogar bescheinigen das Niveau der
Genannten erreicht zu haben. Den anderen Nummern fehlt es noch ein wenig
an Genialität. Weitere Acts an die ich mich erinnert fühle,
sind so unterschiedlich musizierende Truppen wie HEXENHAUS, MEMORY GARDEN
und ABSTRAKT ALGEBRA, was aber durchaus als Kompliment verstanden werden
darf. Wenn es beim nächsten Mal auch noch gelingt dermaßen
zwingende Hooklines wie in den besagten Songs zu erschaffen, steht einer
großen Karriere sicherlich NICHTS mehr im Wege.
Walter
GORDIAN
KNOT - Emergent (Sensory/Point)
GORDIAN KNOT nennt sich das Instrumental-Prog-Rock-Fusion-Projekt des
ehemaligen CYNIC-Bassisten Sean Malone. Mit "Emergent" liegt
bereits das zweite Werk benannten Projektes vor. Malone hat sich wieder
einmal zahlreiche Freunde und Gäste eingeladen um gemeinsam dieses
Album aufzunehmen. Mit von der Partie sind Jason Göbel (G, ex-CYNIC),
Bill Bruford (D, ex-YES, KING CRIMSON), Steve Hackett (G, ex-GENESIS),
Sean Reinert (D; ex-CYNIC) und Paul Masdival (G, ex-CYNIC). Ihr merkt
schon, fast kann von einer Reunion von den amerikanischen Prog-Deathern
die Rede sein. Weiters ist auch noch FATES WARNING-Gitarrist Jim Matheos
zu hören. Ich denke, dass dies als Freundschaftsdienst an Sean für
seine Teilnahme an OSI zu sehen ist. Auf Grund dieser Besetzung darf logischerweise
hochwertigste Kost erwartet werden, was auch bestätigt werden kann.
Metal-Puristen, die für Prog nicht besonders zugänglich sind,
werden kaum Freude an "Emergent" finden, da die Kompositionen
mit Metal absolut NICHTS zu tun haben. Weiters könnte es für
den "Normalverbraucher" ein Problem darstellen, diese Musik
genießen zu können, da die Songs zu vielschichtig konzipiert
sind und damit volle Konzentration verlangen. Was mich an Instrumentaltracks
immer schon wunderte, fällt mir auch bei GORDIAN KNOT auf. Wie kommt
man beispielsweise auf die Idee, ein Instrumental "Muttersprache"
zu betiteln ? Die Prog-Fraktion mit Hang zur Instrumentalmusik hingegen
darf schon einmal den nächsten gutsortierten Plattenladen aufsuchen,
der Rest sollte zumindest einen Versuch wagen den gordischen Knoten zu
lösen.
Walter
SINPHONIA - The Divine
Disharmony (Lucretia Records/Intromental)
SINPHONIA, ein Quintett mit Dame am Gesang, zeigt uns, das auch diese
Konstellation möglich is, ohne gleich an die diesbezüglich leider
immer häufiger zitierten Referenzcombos zu erinnern. Obwohl die Historie
der Band erst 1998 begann, konnten bereits mit dem Debut "When The
Tide Breaks" im Jahre 2000 durchaus positive Kritiken eingeheimst
werden. Das besondere an "The Divine Disharmony" ist vor allem
die wirklich packende Atmosphäre, die im Endeffekt durch die feinen
Progressive Metal-Kompositionen ausgelöst wird. Sängerin Monika
Pedersen schafft es mit ihrer betörenden Stimme die Zuhörerschaft
derart in ihren Bann zu ziehen, dass bereits der Einstieg "Prologue"
zu einem Highlight wird. Positiv fällt auf, dass es sich die Herren
der Schöpfung verkneifen durch "Gesangsdarbietungen" ins
Rampenlicht zu treten. Durch Grummel- oder Grunzgesänge wäre
meiner Meinung nach die bedrückende Stimmung dieses Werkes nämlich
eher flöten gegangen.
Walter
REDEMPTION - Same (Sensory/Point)
Diese Scheibe entsprang dem Gehirn des amerikanischen Musiker Nick Van
Dyk, der neben den Kompositionen auch einen Großteil der Texte verfasst
hat. Weiters ist der gute Mann auch für Teile der Gitarrenparts sowie
den Bass und vor allem für die Keyboards zuständig. Noch dazu
scheint Nick einen recht prominent besetzten Bekanntenkreis zu haben,
denn nur so lässt sich eine Besetzungsliste, die folgendermaßen
lautet, erklären: Jason Rullo (D, SYMPHONY X), Bernie Versailles
(G, AGENT STEEL; ENGINE) und Rick Mythiasin (V, ex-STEEL PROPHET, eventuell
NEW EDEN). Als Gäste zu hören sind Mark Zonder (D; FATES WARNING),
Ray Alder (V; FATES WARNING; ENGINE) und Michael Romeo (G; SYMPHONY X).
Als Produzenten fungierten Ray Alder und (wer hätte das gedacht?)
Joey Vera. So, jetzt haben wir einmal sämtliche Beteiligten erwähnt.
Was wird geboten ? Ein wahrlich musikalischer Gourmethappen, der mich
des öfteren an die letzteren Werke aus dem Hause FATES WARNING erinnert.
Vor allem, weil "Something Wicked This Way Comes" eine fast
25 minütige Komposition, die das Herzstück der Scheibe darstellt,
auf eben diesen auch nicht fehl am Platz gewesen wäre. Im Unterschied
zu FW sind allerdings die Kompositionen wesentlich Keyboard-lastiger ausgefallen.
Auch die Texte sollten nicht unerwähnt bleiben. So ist "Something..."
die Vertonung eines Buches von Ray Bradbury, während das in vier
Teilen vorgetragene "Despairation" auf Stephen King´s
gleichnamigem Schmöker basiert. Ein Meisterwerk!
Walter
EKPYROSIS - After War
(Mausoleum/Soulfood)
Irgendwie konnte ich es zunächst gar nicht glauben, daß es
sich bei diesen EKPYROSIS tatsächlich um die einheimische Band dieses
Namens handelt. Da rund um die Formation nach ihrer letzten in Eigenregie
veröffentlichten Scheibe "Fire" im Jahre 2001 so gut wie
Nichts zu hören war, wähnte ich die "EKIS" bereits
in den ewigen Jagdgründen. Doch zum Glück ist dem nicht so.
Mittlerweile gab es Umbesetzungen an Gitarre und Bass und, was das wohl
wichtigste ist, man konnte einen lukrativen Plattenvertrag unterzeichnen.
Da man nun mit Mausoleum noch dazu eine der europäischen Metal-Legenden
als Label im Hintergrund hat, sollte es von nun an bergauf gehen. "After
War" ist im Prinzip die bereits erwähnte Scheibe namens "Fire",
wurde jedoch um zwei Bonustracks aufgepeppt. Die Entwicklung der Steirer
seit Ihrem Debut "Last & Only" ist recht bemerkenswert.
Spätestens durch die Integration eines Keyboarders in das Line-Up
hat sich der Stil in Richtung Eigenständigkeit entwickelt. Vergleiche
anzustellen ist relativ schwierig, denn auf der einen Seite wird riffbetont
und heavy musiziert, gleichzeitig aber auch beinahe verträumt psychedelisch.
Die Songs klingen dadurch hart, zugleich aber melodiös, die zumeist
raue Stimme von Christian Gruber fügt sich perfekt in das entstandene
Klangbild ein. Im Gegensatz zum eher Fantasy-mäßigen Cover
der Scheibe bleiben die Texte wie immer im sozialkritischen Bereich angesiedelt.
Man macht sich unter anderem Gedanken über den Schönheitswahn
("Miss World") oder, wie der Plattentitel vorwegnimmt, den Krieg
("Suffer"). Mit einigem Glück und der nötigen Unterstützung
ihres Labels sollte es für EKPYROSIS endlich möglich sein, auch
über die Grenzen unseres Landes hinweg bekannt zu werden.
Walter
TECHNOCRAZY - Same (Mausoleum/Soulfood)
Da meinte ich ein eventuell "großes Ding vor mir zu haben,
wird schon wieder von der Auflösung dieser Band gesprochen, wodurch
das Review zu einer Retrospektive auf diese Band wird. TECHNOCRAZY waren
die gemeinsame Band von Phil Demmel (G, ex-VIO-LENCE , jetzt offiziell
MACHINE HEAD, weshalb TECHNOCRAZY mittlerweile Historie sind) und Sänger
Steve Machado. Ihre Heimat die Bay Area schimmert klar in
den einzelnen Songs durch, wobei hier eher der aktuelle Sound jener Region
gemeint ist. Wichtige Bestandteile der Musik sind auch die zahlreichen
Keyboard und Elektronik-Passagen. Über alldem kann sich Steve mit
seiner klaren, in manchen Momenten ein wenig an Keith Caputo (LIFE OF
AGONY) erinnernden, Stimme in Szene setzen. Ich hätte der Band gute
Chancen für internationale Erfolge gegeben, da ich denke, dass diese
Mischung aus MACHINE HEAD-lastigem Thrash, FEAR FACTORY-angehauchter Brachialelektronik
und LOA-mäßigem Gesang durchaus zeitgemäß ist und
nicht zuletzt deshalb auch weggehen sollte wie warme Semmeln. Aber wie
bereits erwähnt, TECHNOCRAZY existieren (zu mindest im Moment) nicht
mehr.
Walter
EVEN VAST - Outsleeping
(Mausoleum/Soulfood)
In hauptsächlich langsamer Geschwindigkeit kommt die Musik der italienischen
Band EVEN VAST auf die Hörerschaft zu, wobei der Term "Doom"
durchaus seine Berechtigung diesbezüglich hat. Allerdings muß
hinzugefügt werden, dass auch dezente Gothic-Anleihen zu vernehmen
sind. Da noch dazu eine Dame das Gesangsmikro bedient, fallen mir als
direkter Vergleich am ehesten die Schweden LEFT HAND SOLUTION oder die
Dänen SINPHONIA ein. Allerdings klangen erstgenannte in ihrer Frühphase
metallischer als EVEN VAST, während die letzte Veröffentlichung
der Schweden noch gothischer eingefärbt war. Wo bei SINPHONIA verzwickte
Prog-Passagen den Ton angeben, bleiben EVEN VAST trotz Keyboarduntermalung
doomiger. Ihr seht also, dass es gar nicht so einfach ist einen Vergleich
zu erstellen. Frauengesangsfetischisten können blind zugreifen, Fans
der angegebenen Formationen ebenfalls. Für den Rest sei ein Probelauf
empfohlen, der unbedingt "Just Because Of You" und "Dawning
Gloom" enthalten sollte um die Klasse dieser Band zu entdecken.
Walter
NATIVE INSTINCT - First
Born (Mausoleum/Soulfood)
Es gibt ihn also noch, den vor einigen Jahren als "modern bezeichnetet
Thrash Metal im Stile von MACHINE HEAD´s Debutalbum oder PANTERA
zu deren Blütezeit. Die Belgier NATIVE INSTINCT lassen sich grob
in diese Schiene einordnen, denn derart riffbetont geht heute kaum noch
jemand zu Werke. Obwohl die Geschichte der Band erst im Jahre 1999 begann,
ist es dennoch vermessen, die Herren als Newcomer zu bezeichnen. So ist
mit Rudy Van De Sype ein ehemaliger CROSSFIRE Musiker an der Klampfe
zu hören, der schon auf langjährige Erfahrung in diesem Business
zurückblicken kann. Nach einer Mini-CD im Jahre 2000 und jeder Menge
absolvierter Gigs in ihrer Heimat (u.a . als Support von SKYCLAD, DORO
und Paul DI´ANNO) konnte ein Kontrakt bei Mausoleum ergattert werden.
Mit diesem Debüt, das Thrasher aller Länder erquicken sollte,
wird wohl der Schritt über die Grenzen Belgiens hinaus problemlos
zu schaffen sein. Warten wir ab, was die Zukunft für NATIVE INSTINCT
bringen wird. Albumtitel für die nächsten Veröffentlichungen
hätten wir ja bereits.....
Walter
KILLER - Broken Silence
(Mausoleum/Soulfood)
Es gibt Bands die immer mit bestimmten Labels in Verbindung gebracht werden,
da diese Arbeitsgemeinschaften für alle Beteiligten sehr zum Bekanntheitsgrad
und als logische Konsequenz zu Ruhm, Ehre und nicht zuletzt auch Geld
führten. Als bestes Beispiel sei hier die Kooperation METALLICA /
METAL BLADE genannt. Ohne die Unterstützung von Brian Slagel in ihren
Anfangszeiten wären die Herrschaften heute mit Sicherheit nicht dort,
wo sie jetzt zu finden sind. Auch GAMMA RAY / NOISE bietet sich als Vergleich
an, oder eben die Kombination KILLER / MAUSOLEUM. Bereits in den Anfangstagen
des Labels gehörte diese belgische Metal-Institution fix zur Klientel
des Labels. In jenen Jahren als Mausoleum weg vom Fenster waren, wurde
es auch um KILLER (Achtung: Reim!) etwas stiller (vielleicht warn´s
da beim Billa? Andi). Was liegt also näher, als in diesen Tagen,
da sich das Label abermals in der Szene etabliert, als ein neues KILLER-Album
zu erwarten? Dieses nennt sich "Broken Silence" und macht deutlich,
dass es auf Grund eines beinahe vollständig neuen Line-Ups (von der
Stammbestzung ist lediglich "Shorty" (G,V) dabei) und der Integration
eines Keyboards in das Klangbild unmöglich ist ohne stilistische
Änderungen aufzuspielen. Der ehemals MOTÖRHEAD-lastige Sound
wurde durch eben jenes Keyboard deutlich melodiöser und rumpelt dadurch
wesentlich weniger. Zwar ist durch "Shorty´s" Stimme immer
noch klar zu erkennen, dass es sich nur um KILLER handeln kann, die Songs
als solche tendieren jedoch in deutlich melodischere Gefilde. Was soll´s,
"Broken Silence" ist dennoch ein Album geworden auf dem der
Rock´N´Roll regiert und darum geht es schlussendlich. Welcome
Back!
Walter
DAVID SHANKLE GROUP -
Ashes To Ashes (Nuclear Blast/edel)
Als Mitglied von MANOWAR hat sich der amerikanische Gitarrist David Shankle
einen guten Ruf in der Metal-Szene erspielt. Da diese Zusammenarbeit aber
nicht zu seinem erklärten Lebensziel gemacht werden konnte, verließ
David die Band um anschließend Jazz- und klassische Konzertgitarre
zu studieren. Da auch dieses Unterfangen positiv abgeschlossen wurde und
Mister Shankle im Herzen trotz allem ein Metaller geblieben ist, versammelte
er junge, größtenteils unbekannte Musikanten um sich um uns
nun das Debut der nach ihm benannten Band vorzustellen. Musikalisch hat
er sich von MANOWAR nicht allzu sehr entfernt. Traditionellen Heavy Metal
präsentieren uns die Herrschaften, wobei sich David bei gelegentlichen
Ausflügen in den klassischen Bereich aber mit Spielerei dezent zurückhält.
Generell würde ich das Album bedenkenlos zum Kauf empfehlen, wäre
da nicht Trace Edward Zaber, dessen Stimme auf Dauer einfach zu lasch
klingt, wodurch die Songs an Kraft verlieren. Ich zwar generell ein Anhänger
kopflastiger, hoher Stimmen (is net wahr? Andi), aber in diesem Fall vermisse
ich die Power.
Walter
MYSTIC PROPHECY - Regressus
(Nuclear Blast/edel)
Hier haben wir es wieder einmal mit der Frage "Band" oder doch
nur "Projekt" zu tun. Zwar handelt es sich bereits um die zweite
Veröffentlichung von MYSTIC PROPHECY, dennoch haben alle Beteiligten
andere Betätigungsfelder. Sänger R.D. Liapakis (V) und Bassist
Martin Albrecht werkeln bei VALLEY`S EVE, Drummer Dennis Ekdahl verdrischt
die Felle für RAISE HELL und bei Gitarristen Gus G. spare ich mir
die Aufzählung, weil ohnehin monatlich ein neues Werk auf den Markt
kommt, auf dem er zu hören ist (hat eigentlich jemandem bemerkt,
dass Mr. G. alle seine Betätigungsfelder bei unterschiedlichen Labels
unterbringen konnte?, dürfte auch ein schlaues Bürschchen sein....).
MYSTIC PROPHECY gehen mit Volldampf zur Sache und erzeugen eine wunderbare
Power Metal Mischung aus knackigen Melodien und knallharten Riffs. Unbedingt
erwähnt werden sollte auch R.D., dessen raues Organ diese vor Power
nur so strotzenden Kompositionen zusätzlich veredelt. Egal welchen
der Songs ihr euch auch anhört, das Ergebnis wird immer dasselbe
bleiben. Trotz aller Kraft und Heavyness kommt die Melodie nie zu kurz
und das wiederum verursacht "Ohrwürmer".
Walter
SECRET SPHERE - Scent
Of Human Desire (Nuclear Blast/edel)
Was für eine Überraschung! Bislang war mir lediglich der Vorgänger
"A Time Nevercome" aus dem Jahre 2001 bekannt, ein Album, das
zwar bei Gott kein schlechtes war, jedoch ein wenig zu sehr "verspielt",
was den Wiedererkennungswert doch deutlich geschmälert hat. Anno
2003 kommt das italienische Sextett SECRET SPHERE mit einer Art "runderneuertem"
Sound in Form von "Scent Of Human Desire" auf uns zu. Die ProgressiveAnteile
sind im melodiös ausgerichtetem Power Metal zwar noch immer vorhanden,
jedoch geschickter und stimmiger arrangiert. Dadurch bleiben die Songs
nicht nur in den Gehörgängen kleben wie der Inhalt von HIPP-Gläschen
im Haar, es gelingt der Band sogar notorische Italo-Metal-Hasser in ihren
Bann zu ziehen. Was aber auch nicht verwundert, da sie auf Grund ihrer
Mannigfaltigkeit über genügend Eigenständigkeit verfügen.
Weiters kommen auch keinerlei Elemente aus der Klassik zum Einsatz. Eine
Tatsache, die für Bands aus Italien sonst ja eher zur Tagesordnung
gehört. In Anlehnung an den Bandnamen kann man getrost von einem
GEHEIMTIPP sprechen.
Walter
ALKEMYST - Meeting In
The Mist (Nuclear Blast/edel)
Französische Metal-Bands gelten hierzulande noch immer ein wenig
als Exoten. Auch wenn ich mit meiner Meinung diesbezüglich allein
dastehe, aber an die Klasse von Formationen wie SORTILEGE oder H-BOMB
kam bei uns Niemand heran. Ein schlechter Vergleich, ich weiß, denn
auch in ihrer Heimat haben diese Bands einen Status der unerreicht bleiben
wird und keine der mir bekannten aktiven Bands aus Frankreich wird es
schaffen diesen Thron zu besteigen. Mit ALKEMYST schicken nun auch Nuclear
Blast eine Bands ins Rennen um genau das zu erreichen. Doch, um es vorweg
zu nehmen, es wird ALKEMYST (zumindest mit dieser Scheibe) nicht gelingen.
Qualitativ hochwertige Kost wird uns zwar in Form von melodiösen
Metal-Songs aufgetischt, jedoch vermisse ich ein wenig den sogenannten
roten Faden. Irgendwie scheint noch nicht ganz klar zu sein, ob HELLOWEEN
die größere Inspirationsquelle sein sollten, oder doch Freund
YNGWIE. Am Besten gefallen mir jene Passagen, die auf Grund der Progressivität
ein wenig an ältere SYMPHONY X erinnern. In genau diese Richtung
sollten sich ALKEMYST entwickeln, dann kann Einiges daraus werden. Sänger
Ramon Messina, hauptamtlich bei SECRET SPHERE, kommt hier zuwenig zur
Geltung. Der Mann verfügt über eine gute Stimme, scheint sich
aber nicht ausreichend entfalten zu können. Zur Zeit noch nicht das
"Gelbe" vom Ei, aber wer weiß, was uns ALKEMYST als nächstes
anzubieten haben.
Walter
CHIMAIRA - The Impossibility
Of Reason (Roadrunner/Musica)
Plattenfirmeninfozetterl sind ja sehr häufig mit purer Angeberei
vollgeschrieben. Was sich Roadrunner jedoch dabei gedacht haben, CHIMAIRA
gleich als Vorreiter eines neuen Genres zu präsentieren, schlägt
wohl dem Fass den Boden aus. Von einer "New Way Of American Heavy
Metal" ist da die Rede, so wie seinerzeit die NWOBHM. Ist den Herrschaften
eigentlich klar, mit welch geschichtsträchtiger Musikform sie es
da zu tun haben? Die unzähligen amerikanischen Bands, die diese Bezeichnung
viel eher verdienen würden, will ich erst gar nicht aufzählen.
CHIMAIRA können aber wohl nur wenig für diesen Stumpfsinn, also
beruhigen wir uns erst mal und nehmen die Band genauer unter die Lupe.
Voll im Trend, oder etwas überspitzt formuliert "typisch Roadrunner"
fällt mir spontan zu CHIMAIRA ein. Die Herrschaften überrumpeln
uns mit ihrem Soundgebräu aus Thrash Metal, (hier vor allem MACHINE
HEAD und SLAYER), Hardcore (der "Gesang" tendiert in diese Richtung)
und modernen Elektronik-Einsprengseln geradezu. Da damit im Moment große
Erfolge zu erzielen sind, könnte ich mir vorstellen, dass RR hier
eine lukrative Geldquelle mehr im Stall haben. Vielleicht bin ich für
Musik wie diese schlicht zu alt, aber mir gefallen die Amis dann am Besten,
wenn es eher "ruhig" zur Sache. Vor allem der abschließende
Instrumentaltrack "Implements Of Destruction" überzeugt
durch feine Strukturen, die sonst in der Stilvielfalt leider nicht zu
hören sind. Auch Kerry King zählt zum Fankreis von CHIMAIRA
und war für besagtes Instrumental gar für einen Gastauftritt
zu gewinnen.
Walter
CALLENISH CIRCLE - My
Passion//Your Pain (Metal Blade/NSM)
Eine Gratwanderung zwischen Thrash der brachialsten Sorte und Death Metal
stellt dieses Album dar. Mit ihrer bereits vierten Veröffentlichung
werden die Niederländer Fans beider Genres begeistern können.
CALLENISH CIRCLE haben mit Patrick Savelkoul einen Sänger mit einer
derben, aber nicht abgrundtief klingenden Stimme in ihren Reihen, was
abermals auf eine Berechtigung in beiden Genres hindeutet. Dem gegenüber
stehen technisch ausgeklügelte Finessen des Gitarrenduos Ronny Thyssen
und Remy Dieteren. Nicht nur deshalb kommen mir in manchen Passagen gar
PESTILENCE in den Sinn, ihren Landsleuten wird auch in Form einer Coverversion
gehuldigt. Begonnen hat alles im Jahre 1992, als man als Coverband Songs
von DEATH, BOLT THROWER oder eben PESTILENCE zum Besten gab. Nach der
Umbenennung in CALLENISH CIRCLE und einigen Demotapes (wo sind die Zeiten?)
wurde 1996 das Debut "Drift Of Empathy" eingespielt. Nach einer
"Escape" betitelten Mini-CD und dem Nachfolger "Graceful...Yet
Forbidding" kam es schließlich zur Vertragsunterzeichnung bei
Metal Blade. Diese Zusammenarbeit brachte zunächst "Flesh-Power-Dominion"
und schließlich das aktuelle Album hervor. Diese beiden Scheiben
wurden übrigens von Andy Classen in den Stage One Studios überaus
druckvoll produziert, was diesem Sound ebenfalls sehr zugute kommt. Nachdem
man kürzlich von den "No Mercy"-Festivals ein- und wieder
ausgeladen wurde, hat die Band die Chance flächendeckend durch Europa
zu touren und zwar in Form der im Oktober über die Bühnen gehenden
"Bonded By Metal Over Europe"-Festivaltour mit u.a. EXODUS und
AGENT STEEL.
Walter
AFTER ALL - Mercury Rising
(Mausoleum/Soulfood)
Auf ihrem neuen, mittlerweile vierten Scheibchen "Mercury Rising
zeigen die Belgier AFTER ALL deutlich, wo ihre Wurzeln zu suchen sind.
Diese sind breitgefächert und in mehreren Epochen schwermetallenen
Schaffens anzusiedeln. Die Basis des durchaus eigenständigen Sounds
ist mit Sicherheit die NWOBHM, aber auch die Blütezeit der Bay Area
scheint nachhaltig imponiert zu haben. Darüber hinaus sind noch Doom-Versatzstücke
und gelegentliche Psychedelic-Elemente zu vernehmen. Eine mehr als ausgewogene
Mischung also, die das Abwechslungsreichtum des Albums verdeutlicht. Da
mir bislang lediglich die 97er Veröffentlichung "Transcendent"
bekannt war und diese noch dazu nicht einmal wirklich in Erinnerung geblieben
ist, glaube ich nicht, dass es übertrieben ist, den Herren einen
ordentlichen Fortschritt in Sachen Songwriting bestätigen zu können.
Für die Produktion zeichnet Altmeister Harris Johns in gewohnt powervoller
Art verantwortlich, was den Songs ebenfalls zu Gute kommt. Immerhin konnte
die Band seit der Vertragsunterzeichnung bei Mausoleum bereits die im
Frühling über die Bühne(n) gegangenen ANTHRAX-Tour als
Vorgruppe absolvieren. Mit "Mercury Rising" in der Hinterhand
sollte es wahrlich kein Problem sein, weiterhin für Furore zu sorgen.
Power Metal-Fanatiker aber auch Thrasher dürften von AFTER ALL nicht
enttäuscht werden!
Walter
NUCLEAR ASSAULT - Alive
Again (Steamhammer/edel)
Nach langjähriger Absenz melden sich die NY-Thrasher NUCLEAR ASSAULT
nun also lautstark zurück. Nach den absolvierten Gigs im Rahmen der
"No Mercy"-Festivals folgt auch noch ein neues Scheibchen. Wie
der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein Live-Album.
Im direkten Vergleich zur 92er Scheibe "Live At The Hammersmith"
bleibt "Alive Again" aber ein wenig blass, da diesmal soundtechnisch
einige Feinheiten schlichtweg untergegangen sind. Was die Songauswahl
betrifft, wird keine Kritik aufkommen, denn von "Critical Mass"
über Game Over" bis hin zu "Hang The Pope" sind alle
Highlights der Karriere NUCLEAR ASSAULT `s verbraten worden. Als Lebenszeichen
einer wiederbelebten Formation geht das Album in Ordnung, warten wir ab,
ob auch neue Songs dieser Klasse auf uns zu kommen, ein neues Studioalbum
wurde nämlich bereits angekündigt.
WalterRay
WILSON - Change (Inside
Out/edel)
Solo-Alben klingen zumeist deutlich unterschiedlich zu jenem Sound, mit
denen man die Damen und Herren Musiker in Verbindung bringt. Ray Wilson,
ehemaliger Sänger von STILTSKIN und GENESIS versucht sich nun also
auch als Solist. Mit GENESIS hat diese Scheibe schon einmal überhaupt
Nichts gemeinsam, zum Thema STILSKIN kann ich leider keine Auskünfte
erteilen. Viel eher musiziert Ray im Sinne eines Singer/Songwriters und
präsentiert uns dabei akustische Rocksongs, die sehr häufig
in Richtung Pop tendieren. Mir ist natürlich bewusst, dass eingeschworene
Banger gar nichts mit dieser Scheibe anfangen werden. Aber ganz ehrlich,
jeder hat seine romantische Seite und genau DIESE wird mit "Change"
angesprochen.
Walter
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