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Juni 2003

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Radiohead – Hail To The Thief (Capitol/EMI)
Seit 10. Juni ist das neue Machwerk der britischen Ausnahme-Musikanten erhältlich. Und nicht umsonst wird von offizieller Stelle getönt, RADIOHEAD hätten zum ersten Mal seit ihrem Mitte der 90er erschienenen Album "The Bends" ihre Energie wieder – tatsächlich bleiben die Mannen rund um Broken Voice Thom Yorke zwar ihrer Linie treu, struggeln sich mehr denn je durch Polit-Aggression und Gesellschafts-Schwarzmalerei, spielen mit Klavierzauber genauso wie mit Techno-Schwellungen, legen unheilvoll angstmachende Prophezeiungen und Fakten in ihre Texte. Doch sind sie tatsächlich beflügelter, stimmiger als jemals zuvor. "Hail To The Thief" macht im Gegensatz zu einer der erschreckenden Vorgängerplatten wie zum Beispiel "Kid A" nicht mehr nur Kummer, sondern kommt im Großen und Ganzen neben all dem tiefdunklen Hinter- und Untergrund stellenweise wie ein richtiges Rockalbum mit vielen Details, guten Melodien und ziemlich viel Abwechslung rüber. Nicht, dass sich RADIOHEAD in der vergangenen Dekade irgendwann auch nur die kleinste Sorge hätten machen müssen, mit irgendeiner Scheibe nicht erfolgreich zu sein. Nur ist "Hail To The Thief" bei allem Anstrengungsfaktor endlich auch wieder ein Stück mehr Unterhaltung als das Konglomerat aus experimenteller Sound-Panik, viel Ohrenschmerz und erdrückenden Feelings, das sie uns in den letzten Jahren so gern bescherten.
www.emimusic.at
Althea


Staind – 14 Shades Of Grey (Warner Music)
Mit ihrem neuen Album sind die amerikanischen Burschen nach einigem genaueren Hinhören definitiv auf dem richtigen Dampfer: war das kommerziell bahnbrechend erfolgreiche Vorgängeralbum noch fast ausschließlich von Kindheits- und Jugendtraumen geschwängert und damit tieftraurig, depressiv und scheinbar dem Suizid grade noch entronnen, so präsentieren sich die "14 Shades Of Grey" erfreulich facettenreicher und mitunter gar positiv und lebensbejahend, was mutmaßlich eventuell auch mit dem scheinbar glücklichen Familienleben von Sänger Aaron Lewis zu tun hat (??). Nach wie vor findet der STAIND-Fan lyrisch soziakritische Angriffe und Anprangerungen, doch auch die Liebe zu Aarons Kind sowie das erhebende Gefühl, in den Spiegel zu schauen und sich dabei in die Augen blicken zu können (anstatt ihn zu zerschlagen und sich mit den Scherben die Pulsadern aufzuschneiden, zum Beispiel...) kommen zum Ausdruck. Musikalisch hat sich – zum Glück, eigentlich! – nicht viel geändert: immer noch steht dichter, perfekt abgestimmter, moderner Heavy Rock im Vordergrund, immer noch jagt eine Kalte-Schauer-Über-Den-Rücken-Treibende-Melodie die nächste, immer noch kommen vor allem die abwechselnd starken und emotionalen Gitarren zum Zug. Mal sehen, ob der STAIND-Erfolg auch mit dieser neuen Scheibe anhält. Zu wünschen wäre es der unverhofft und doch reifenden Band jedenfalls!
www.staind.com
Althea

ETHER SEEDS - Ether Seeds (Roadrunner/Musica)
Mit seinem Debüt schafft der neueste New Rock-Export aus den Staaten, woran viele Genrekollegen vor ihm scheiterten: dunkle Emotionen richtig rüberzubringen, mit einzelnen Textpassagen dem Hörer die Gänsehaut auf die Arme zu zaubern und gleichzeitig extrem cool abzurocken. Die aussagekräftigen Songs (von hasserfüllten floaten richtiggehend auf den Vocals von Frontman Dustin Lowery, der so viel Nachdruck in seine vertonten Gefühle legt, dass ein Weghören nicht mehr möglich ist. Vielmehr legt Track für Track einen wenig sanften, dafür sehr bestimmten Strick um jedes "heavy"-begeisterte Ohr - wiegt dieses mit schwermütiger Härte in Sicherheit und schlägt danach mit einem metallischen Riff zu, um es im nächsten Moment mit einer unverhofft einbiegenden, herzzerreißenden Melodie zum Schmelzen zu bringen, brennt sich hinein, und macht auf Dauer regelrecht süchtig! Die Samen, die vom Himmel fielen... sie werden Früchte tragen, das ist mit diesem Erstlingswerk schon mal sicher!
www.etherseeds.com
Althea

DIVERSE - Rock Now Volume One (Warner Music)
Na da schau her! Die aktuelle Créme de la Créme der österreichischen Musikszene finden wir zu unserer Freude auf diesem Doppelalbum vor – und sie sind alle dabei: die seit erst relativ kurzer Zeit ganz oben schwimmenden PROXONIC oder BONG BABY GO SUB, die Gewinner des Yamaha Band Contests 2003, HOTCHPOTCH, die Alternativen à la ZERONIC oder JULIA, die Punkabteilung inklusive PSY-9, 3 FEET SMALLER und CHEEK DAKOTA, die ganz heftigen wie MUDFUZZ, CAY-OS oder NACA7, die alle schon Kultstatus aufweisen dürfen, und die, die die Szene in Bälde besonders kräftig zum Brodeln bringen werden, wie zum Beispiel COMAAH, CORE und BOMBSQUAD... Das Ganze liest sich stellenweise wie die Austro-Adreßdatei des Planet Music, ist aber in Wirklichkeit ein Rekordsampler aus dem Hause Warner Music, vor der sich jeder, der die heimische Musikszene – von Hardcore bis Pop - unterstützt, verfolgt und kennt, am liebsten verneigen möchte. Her mit Volume Two, bleibt da nur als Abschlussfazit zu schreiben... www.warnermusic.com
Althea

WIZARD - Odin (LMP/edel)
Ihr mittlerweile fünftes Werk stellen die deutschen True Metaller WIZARD dieser Tage in die Läden. Wie der Titel verrät, handelt es sich dabei um ein Konzeptalbum über den nordischen Göttervater Odin. Wer mit der Band bzw. deren Schaffen bisher vertraut ist, den wird auch das aktuelle Opus zu Freudentänzen animieren (jojo... Andi). Desöfteren wurden WIZARD bereits mit MANOWAR verglichen, was auch nicht wirklich verwunderlich ist, denn "Thor´s Hammer" oder "Hall Of Odin" versprühen denselben Pathos, für den die Amis zu ihrer stärksten Zeit berühmt waren. Schon der Opener "The Prophecy" zeigt uns, dass die Deutschen aber auch im Speed Metal beheimatet sind. Im Prinzip wird ein sehr breites Spektrum abgedeckt, dem gegenüber kann "Dead Hope" bedenkenlos als Melodic Metal bezeichnet werden. Überwiegend ist aber dennoch der klassische True Metal, dieser im Gegensatz zu den Vorgängerwerken jedoch wesentlich abwechslungsreicher gestaltet. Die ordentlich druckvolle Produktion von IRON SAVOIR-Mastermind Piet Sielck tut der ganze Sache ebenfalls gut, ein Mann wie dieser passt eben vorzüglich zu WIZARD. Es müsste also für ALLE etwas dabei sein, wenn WIZARD zum Tanz bitten. Deshalb glaube ich auch, dass es dem Quartett endlich gelingen wird einen ordentlichen Schritt nach vorne zu tun. Auf Grund der stilistischen Ausrichtung müsste neben Europa vor allem Südamerika, aber eventuell auch Japan zu knacken sein.
Walter

REBELLION - Born A Rebel (Drakkar/BMG)
Was zunächst eher als Projekt im Sinne "X-Digger" aussah, entpuppt sich im Laufe der Zeit als durchaus ernstzunehmendes Bandgefüge. Die ehemaligen "Grabschaufler" Uwe Lulis (G) und Tomi Göttlich (B) haben in Björn Eilen (G, ex-WARHEAD), Randy Black (D, nebenbei ANNIHILATOR) und Michael Seifert (V, nebenbei(?) BLACK DESTINY) fähige Musikanten gefunden, mit denen nun bereits das zweite Album unter dem Namen REBELLION veröffentlicht wird. Im Gegensatz zum Erstling "Shakespeare´s Macbeth – A Tragedy In Steel" handelt es sich diesemal um kein Konzeptalbum, sondern "lediglich" um die Aneinanderreihung einzelner Songs. "Born A Rebel" beinhaltet insgesamt 11 Titel, die schlicht und ergreifend im klassischen Metal anzusiedeln sind, wobei textmäßig ein ebenso breites Spektrum abgedeckt wird, ohne jedoch in Klischees zu verfallen. Der Titelsong, eine SAXON-mäßige Biker-Hymne, nebenbei ein Albumopener wie aus dem Lehrbuch, zeigt bereits die ganze Klasse der Formation. Die Nummer geht direkt nach vorne los, bleibt auf ewige Zeiten in den Gehörgängen haften und stellt lediglich ein (zur Zeit zwar noch nicht akutes, aber vielleicht demnächst gravierendes) Problem für die Band dar: Mit einer Leistung wie dieser wird Sangesbarde Seifert mit ziemlicher Sicherheit demnächst Angebote bekannterer Acts erhalten. Seine raue Stimme erinnert im Laufe des Albums ein ums andere Mal an Matthew Barlow (mittlerweile ex-ICED EARTH). Neben diesem furiosen Beginn überzeugen aber auch die anderen Songs. Besonders hervorheben möchte ich das religionskritische "Through The Fire" sowie "Dragons Fly", bei denen Herr Seifert abermals seine ganze Klasse präsentieren kann. Musikalisch wird generell auf höchstem Niveau vorgetragen, Sound und Arrangements passen sich hervorragend dem Gesamtbild an. Metallerherz, was willst du mehr (a Metal Church-Reunion mit Mike Howe z.B., Andi) ?
Walter

HARMONY - Dreaming Awake (Massacre)
Als neueste Melodic-Hoffnung aus Skandinavien werden uns diese Herrschaften von ihrer Plattenfirma präsentiert. Trotz aller Bekenntnis, Liebe und Treue zu dieser Stilrichtung, muß sogar meine Wenigkeit zugeben, mittlerweile ein wenig übersättig zu sein. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass HARMONY über weite Strecken Melodie und Eingängigkeit zu sehr mit Kitsch verwechseln, wodurch "Dreaming Awake" zu einem zwiespältigen Genuß wird. Zugegebenermaßen sind die Kompositionen als solche durchaus gefällig, durch die leider zu häufig verwendeten neoklassizistischen Parts, die auch noch einen Großteil der Instrumentalpassagen abdecken, wirkt die ganze Sache dann überladen. Weniger wäre in diesem Falle mehr gewesen. Laßt euch aber bitte nicht abschrecken und urteilt selbst über dieses Debütalbum!
Walter

GRAVE DIGGER - Rheingold (Nuclear Blast/edel)
Auch zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüts "HM Breakdown" beweisen die Herrschaften rund um Chris Boltendahl, dass Rock´n´Roll keine Frage des Alters ist. Auf ihrer aktuellen Veröffentlichung "Rheingold" hat man wieder einmal ein Konzept, nämlich die Nibelungensage, als Basis benutzt und diese in GRAVE DIGGER-typischer Manier umgesetzt. Im Gegensatz zum schlicht "The Grave Digger" betitelten Vorgänger haben die Herren nicht nur lyrisch-konzeptionell Änderungen vorzuweisen, auch stilistisch sind Unterschiede, wenn auch nur geringfügig, auszumachen. Songs wie "Valhalla", "Maidens Of War" oder "Murderer" verfügen über das zuletzt ein wenig vermisste gewisse "Etwas". Dieses lässt sich schlicht und ergreifend mit "Ohrwurm für die Ewigkeit" umschreiben. Dadurch rücken genannte Songs in die Nähe von unsterblichen GD-Hymnen wie "Headbanging Man", "Yesterday" oder "Enola Gay". Durch die zahlreichen Spezialeffekte und Intros kommt "Rheingold" aber dann am allerbesten, wenn das Werk auch als Gesamtkunstwerk gehört wird. Ich bin ziemlich sicher, dass da auf der für nächsten Jänner anstehenden Tournee auch einiges fürs Auge geboten wird.
Walter

PANTOKRATOR - Blod (Rivel Records)
Nicht gerade "Easy-Listening”–Stoff. den uns dieses junge, schwedische Quartett da frei Haus liefert. Die Herren musizieren zum größten Teil recht doomig vor sich hin, durch eine Menge Einflüsse aus dem Prog-Bereich schaffen es PANTOKRATOR jedoch mühelos enorme Spannungsbögen aufzubauen und machen die Sache somit ungemein interessant. Auch in der Gothic-Ecke hat man sich bedient und Elemente daraus dieser Metal-Melange beigefügt. Richtig heftig wird es allerdings, wenn der Gesang von Karl Walfridsson einsetzt, denn dieser ist den tiefsten Abgründen des Death Metals zuzuordnen. Die musikalische Ausrichtung könnte grob als Mischung aus alten MY DYING BRIDE und den Frühwerken ANATHEMA´s durchgehen, wenn sich diese seinerzeit schon an diversen Prog-Helden orientiert hätten. Was die Texte betrifft, kann ich leider keinerlei Auskunft geben, da diese in schwedisch vorgetragen werden. Ich gehe davon aus, dass PANTOKRATOR eher im christlichen Bereich anzusiedeln sind, denn zum einen steht Gott in den Dankeslisten sehr weit oben, zum Anderen denke ich auch nicht, dass ein bekennender Christ wie Labelbesitzer Christian Rivel blasphemische oder gar antichristliche Formationen unter Vertrag nehmen würde. Für Fans der genannten Bands sind PANTOKRATOR sicher interessant. Wendet Euch bei Interesse am Besten an die Label-Homepage www.rivelrecords.com um nähere Informationen zu erhalten.
Walter

FRONTEARS - Committer/Victim (TTS Media)
Vor mittlerweile acht Jahren begannen die Herren Jens Kramer (G) und Matthias Henke (V) unter dem Namen FRONTEARS gemeinsam aufzuspielen. Nach einem Demo im Jahre 1996, das mit durchwegs positiven Kritiken versehen wurde, konnte im Jahr darauf ein Vertrag bei TTS Media unterzeichnet werden. Seit jener Zeit ist die Band zum Quintett herangewachsen und wurde bereits mit dem Debut "Dreamhealer" wohlwollend von den Rezensenten aufgenommen. Mit dem Nachfolger "Pull Push Power" (1999) konnte der gute Ruf weiter ausgebaut werden. Mit ihrem nunmehr dritten Album "Committer/Victim" werde nun auch ich endlich mit der Band konfrontiert. Zugegebenerweise ist mir da bisher Etwas entgangen. Bei besagten "Drittling" handelt es sich um ein Konzeptalbum zum Thema Massenmord, wobei keine durchgehende Geschichte aufgetischt wird, sondern sämtliche elf Songs sich mit diesem Thema beschäftigen. Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen zu dieser Thematik beschäftigen sich FRONTEARS allerdings mit den psychologischen Hintergründen (gähn... Andi). Wie auch immer, wir beschäftigen uns im Endeffekt doch eher mit der Musik, die als melodiebetonter Power Metal bezeichnet werden kann. Sangesbarde Matthias Henke verleiht der ganze Sache mit seiner ausdrucksstarken Stimme noch mehr Energie, ganz zu schweigen von den phasenweise schlicht brillanten Duettpassagen, für die als Background-Sängerin BACKSLASH-Röhre Heike Grebita ins Studio eingeladen wurde. Hier stimmt einfach die Mischung aus Kraft, Energie und Emotionen! Wer bei einer Nummer wie "Victim´s Ballad" keine Gänsehaut bekommt, sollte ernsthaft seine Gefühlswelt (oder zumindest die Ohren....) untersuchen lassen.
Walter

LYNCH/PILSON - Wicked Underground (Spitfire/edel)
Die Herren George Lynch und Jeff Pilson bedürfen ja hoffentlich keiner besonderen Vorstellung, denn sie sollten als Musiker von DOKKEN mehr als nur bekannt sein. Nach ihrem Ausstieg gingen sie getrennte Wege. Lynch mit seinem MOB, Pilson war mit WAR & PEACE und später UNDERGROUND MOON in den Schlagzeilen. Nach kurzer abermaliger Zusammenarbeit mit Mr. Don DOKKEN erscheint nun also eine, gemeinsam von den Herren Pilson, der neben dem Bass auch für den Gesang zuständig ist, und Lynch, wie immer an der Klampfe, eingespielte Scheiblette. Für Komplettisten sei noch erwähnt, dass Michael Frowein die Drums übernommen hat. Wie der Bandname bereits verdeutlicht, sind beide Herrschaften im gleichen Ausmaß beteiligt. Das bestätigt auch der Titel, dieser setzt sich nämlich aus "Wicked Sensation" von LYNCH MOB und UNDERGROUND MOON zusammen. Musikalisch ist das Ganze dem melodiösen Hardrock zuzuordnen, wobei Gitarrenfideleien im Gegensatz zu LYNCH MOB im Hintergrund bleiben und die "Moderne", die bei UNDERGROUND MOON noch vorhanden war, ebenfalls vernachlässigt wird. Was bleibt sind also die, zumindest meiner Meinung nach, wichtigsten Elemente jener Formationen mit denen die Herrschaften bislang in Erscheinung traten. Stadiontauglicher, melodiöser Hardrock lautet die wahrscheinlich treffendste Bezeichnung der gebotene Musik. Ob damit heutzutage allerdings noch Stadien zu füllen sind, darf bezweifelt werden (do geht se net amoi mehr da Sportplatz Katzelsdorf aus... Andi).
Walter

ELSEPHERE - Blind Leading The Blind (Lucretia Records/Intromental)
Es kommt nicht allzu häufig vor, daß Stilbeschreibungen in Platteninfozetterln und Musik tatsächlich übereinstimmen. Doch im Falle der schwedischen Power Proggies ELSEPHERE hat der zuständige Verfasser den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Beschreibung des Stils als Mischung aus DREAM THEATER, FATES WARNING und MEMENTO MORI kann demnach ohne Einwände unterschrieben werden. Natürlich ist es bis zum Erreichen der Qualität der angegebenen Referenzen noch ein gutes Stück Arbeit, doch die Basis, die als solide Mischung aus Power und Prog Metal mit einer gehörigen Menge an Doom-Anteilen beschrieben werden kann, ist vorhanden. Mehr noch, mit Nummern wie "Hole Inside My Head", dem vom Tempo her verschärft vorgetragenem "Lunar Sea" oder dem ein wenig melancholisch anmutenden "Last Night On Earth" würde ich der Band sogar bescheinigen das Niveau der Genannten erreicht zu haben. Den anderen Nummern fehlt es noch ein wenig an Genialität. Weitere Acts an die ich mich erinnert fühle, sind so unterschiedlich musizierende Truppen wie HEXENHAUS, MEMORY GARDEN und ABSTRAKT ALGEBRA, was aber durchaus als Kompliment verstanden werden darf. Wenn es beim nächsten Mal auch noch gelingt dermaßen zwingende Hooklines wie in den besagten Songs zu erschaffen, steht einer großen Karriere sicherlich NICHTS mehr im Wege.
Walter

GORDIAN KNOT - Emergent (Sensory/Point)
GORDIAN KNOT nennt sich das Instrumental-Prog-Rock-Fusion-Projekt des ehemaligen CYNIC-Bassisten Sean Malone. Mit "Emergent" liegt bereits das zweite Werk benannten Projektes vor. Malone hat sich wieder einmal zahlreiche Freunde und Gäste eingeladen um gemeinsam dieses Album aufzunehmen. Mit von der Partie sind Jason Göbel (G, ex-CYNIC), Bill Bruford (D, ex-YES, KING CRIMSON), Steve Hackett (G, ex-GENESIS), Sean Reinert (D; ex-CYNIC) und Paul Masdival (G, ex-CYNIC). Ihr merkt schon, fast kann von einer Reunion von den amerikanischen Prog-Deathern die Rede sein. Weiters ist auch noch FATES WARNING-Gitarrist Jim Matheos zu hören. Ich denke, dass dies als Freundschaftsdienst an Sean für seine Teilnahme an OSI zu sehen ist. Auf Grund dieser Besetzung darf logischerweise hochwertigste Kost erwartet werden, was auch bestätigt werden kann. Metal-Puristen, die für Prog nicht besonders zugänglich sind, werden kaum Freude an "Emergent" finden, da die Kompositionen mit Metal absolut NICHTS zu tun haben. Weiters könnte es für den "Normalverbraucher" ein Problem darstellen, diese Musik genießen zu können, da die Songs zu vielschichtig konzipiert sind und damit volle Konzentration verlangen. Was mich an Instrumentaltracks immer schon wunderte, fällt mir auch bei GORDIAN KNOT auf. Wie kommt man beispielsweise auf die Idee, ein Instrumental "Muttersprache" zu betiteln ? Die Prog-Fraktion mit Hang zur Instrumentalmusik hingegen darf schon einmal den nächsten gutsortierten Plattenladen aufsuchen, der Rest sollte zumindest einen Versuch wagen den gordischen Knoten zu lösen.
Walter

SINPHONIA - The Divine Disharmony (Lucretia Records/Intromental)
SINPHONIA, ein Quintett mit Dame am Gesang, zeigt uns, das auch diese Konstellation möglich is, ohne gleich an die diesbezüglich leider immer häufiger zitierten Referenzcombos zu erinnern. Obwohl die Historie der Band erst 1998 begann, konnten bereits mit dem Debut "When The Tide Breaks" im Jahre 2000 durchaus positive Kritiken eingeheimst werden. Das besondere an "The Divine Disharmony" ist vor allem die wirklich packende Atmosphäre, die im Endeffekt durch die feinen Progressive Metal-Kompositionen ausgelöst wird. Sängerin Monika Pedersen schafft es mit ihrer betörenden Stimme die Zuhörerschaft derart in ihren Bann zu ziehen, dass bereits der Einstieg "Prologue" zu einem Highlight wird. Positiv fällt auf, dass es sich die Herren der Schöpfung verkneifen durch "Gesangsdarbietungen" ins Rampenlicht zu treten. Durch Grummel- oder Grunzgesänge wäre meiner Meinung nach die bedrückende Stimmung dieses Werkes nämlich eher flöten gegangen.
Walter

REDEMPTION - Same (Sensory/Point)
Diese Scheibe entsprang dem Gehirn des amerikanischen Musiker Nick Van Dyk, der neben den Kompositionen auch einen Großteil der Texte verfasst hat. Weiters ist der gute Mann auch für Teile der Gitarrenparts sowie den Bass und vor allem für die Keyboards zuständig. Noch dazu scheint Nick einen recht prominent besetzten Bekanntenkreis zu haben, denn nur so lässt sich eine Besetzungsliste, die folgendermaßen lautet, erklären: Jason Rullo (D, SYMPHONY X), Bernie Versailles (G, AGENT STEEL; ENGINE) und Rick Mythiasin (V, ex-STEEL PROPHET, eventuell NEW EDEN). Als Gäste zu hören sind Mark Zonder (D; FATES WARNING), Ray Alder (V; FATES WARNING; ENGINE) und Michael Romeo (G; SYMPHONY X). Als Produzenten fungierten Ray Alder und (wer hätte das gedacht?) Joey Vera. So, jetzt haben wir einmal sämtliche Beteiligten erwähnt. Was wird geboten ? Ein wahrlich musikalischer Gourmethappen, der mich des öfteren an die letzteren Werke aus dem Hause FATES WARNING erinnert. Vor allem, weil "Something Wicked This Way Comes" eine fast 25 minütige Komposition, die das Herzstück der Scheibe darstellt, auf eben diesen auch nicht fehl am Platz gewesen wäre. Im Unterschied zu FW sind allerdings die Kompositionen wesentlich Keyboard-lastiger ausgefallen. Auch die Texte sollten nicht unerwähnt bleiben. So ist "Something..." die Vertonung eines Buches von Ray Bradbury, während das in vier Teilen vorgetragene "Despairation" auf Stephen King´s gleichnamigem Schmöker basiert. Ein Meisterwerk!
Walter

EKPYROSIS - After War (Mausoleum/Soulfood)
Irgendwie konnte ich es zunächst gar nicht glauben, daß es sich bei diesen EKPYROSIS tatsächlich um die einheimische Band dieses Namens handelt. Da rund um die Formation nach ihrer letzten in Eigenregie veröffentlichten Scheibe "Fire" im Jahre 2001 so gut wie Nichts zu hören war, wähnte ich die "EKIS" bereits in den ewigen Jagdgründen. Doch zum Glück ist dem nicht so. Mittlerweile gab es Umbesetzungen an Gitarre und Bass und, was das wohl wichtigste ist, man konnte einen lukrativen Plattenvertrag unterzeichnen. Da man nun mit Mausoleum noch dazu eine der europäischen Metal-Legenden als Label im Hintergrund hat, sollte es von nun an bergauf gehen. "After War" ist im Prinzip die bereits erwähnte Scheibe namens "Fire", wurde jedoch um zwei Bonustracks aufgepeppt. Die Entwicklung der Steirer seit Ihrem Debut "Last & Only" ist recht bemerkenswert. Spätestens durch die Integration eines Keyboarders in das Line-Up hat sich der Stil in Richtung Eigenständigkeit entwickelt. Vergleiche anzustellen ist relativ schwierig, denn auf der einen Seite wird riffbetont und heavy musiziert, gleichzeitig aber auch beinahe verträumt psychedelisch. Die Songs klingen dadurch hart, zugleich aber melodiös, die zumeist raue Stimme von Christian Gruber fügt sich perfekt in das entstandene Klangbild ein. Im Gegensatz zum eher Fantasy-mäßigen Cover der Scheibe bleiben die Texte wie immer im sozialkritischen Bereich angesiedelt. Man macht sich unter anderem Gedanken über den Schönheitswahn ("Miss World") oder, wie der Plattentitel vorwegnimmt, den Krieg ("Suffer"). Mit einigem Glück und der nötigen Unterstützung ihres Labels sollte es für EKPYROSIS endlich möglich sein, auch über die Grenzen unseres Landes hinweg bekannt zu werden.
Walter

TECHNOCRAZY - Same (Mausoleum/Soulfood)
Da meinte ich ein eventuell "großes Ding” vor mir zu haben, wird schon wieder von der Auflösung dieser Band gesprochen, wodurch das Review zu einer Retrospektive auf diese Band wird. TECHNOCRAZY waren die gemeinsame Band von Phil Demmel (G, ex-VIO-LENCE , jetzt offiziell MACHINE HEAD, weshalb TECHNOCRAZY mittlerweile Historie sind) und Sänger Steve Machado. Ihre Heimat – die Bay Area – schimmert klar in den einzelnen Songs durch, wobei hier eher der aktuelle Sound jener Region gemeint ist. Wichtige Bestandteile der Musik sind auch die zahlreichen Keyboard und Elektronik-Passagen. Über alldem kann sich Steve mit seiner klaren, in manchen Momenten ein wenig an Keith Caputo (LIFE OF AGONY) erinnernden, Stimme in Szene setzen. Ich hätte der Band gute Chancen für internationale Erfolge gegeben, da ich denke, dass diese Mischung aus MACHINE HEAD-lastigem Thrash, FEAR FACTORY-angehauchter Brachialelektronik und LOA-mäßigem Gesang durchaus zeitgemäß ist und nicht zuletzt deshalb auch weggehen sollte wie warme Semmeln. Aber wie bereits erwähnt, TECHNOCRAZY existieren (zu mindest im Moment) nicht mehr.
Walter

EVEN VAST - Outsleeping (Mausoleum/Soulfood)
In hauptsächlich langsamer Geschwindigkeit kommt die Musik der italienischen Band EVEN VAST auf die Hörerschaft zu, wobei der Term "Doom" durchaus seine Berechtigung diesbezüglich hat. Allerdings muß hinzugefügt werden, dass auch dezente Gothic-Anleihen zu vernehmen sind. Da noch dazu eine Dame das Gesangsmikro bedient, fallen mir als direkter Vergleich am ehesten die Schweden LEFT HAND SOLUTION oder die Dänen SINPHONIA ein. Allerdings klangen erstgenannte in ihrer Frühphase metallischer als EVEN VAST, während die letzte Veröffentlichung der Schweden noch gothischer eingefärbt war. Wo bei SINPHONIA verzwickte Prog-Passagen den Ton angeben, bleiben EVEN VAST trotz Keyboarduntermalung doomiger. Ihr seht also, dass es gar nicht so einfach ist einen Vergleich zu erstellen. Frauengesangsfetischisten können blind zugreifen, Fans der angegebenen Formationen ebenfalls. Für den Rest sei ein Probelauf empfohlen, der unbedingt "Just Because Of You" und "Dawning Gloom" enthalten sollte um die Klasse dieser Band zu entdecken.
Walter

NATIVE INSTINCT - First Born (Mausoleum/Soulfood)
Es gibt ihn also noch, den vor einigen Jahren als "modern” bezeichnetet Thrash Metal im Stile von MACHINE HEAD´s Debutalbum oder PANTERA zu deren Blütezeit. Die Belgier NATIVE INSTINCT lassen sich grob in diese Schiene einordnen, denn derart riffbetont geht heute kaum noch jemand zu Werke. Obwohl die Geschichte der Band erst im Jahre 1999 begann, ist es dennoch vermessen, die Herren als Newcomer zu bezeichnen. So ist mit Rudy Van De Sype ein ehemaliger CROSSFIRE – Musiker an der Klampfe zu hören, der schon auf langjährige Erfahrung in diesem Business zurückblicken kann. Nach einer Mini-CD im Jahre 2000 und jeder Menge absolvierter Gigs in ihrer Heimat (u.a . als Support von SKYCLAD, DORO und Paul DI´ANNO) konnte ein Kontrakt bei Mausoleum ergattert werden.
Mit diesem Debüt, das Thrasher aller Länder erquicken sollte, wird wohl der Schritt über die Grenzen Belgiens hinaus problemlos zu schaffen sein. Warten wir ab, was die Zukunft für NATIVE INSTINCT bringen wird. Albumtitel für die nächsten Veröffentlichungen hätten wir ja bereits.....
Walter

KILLER - Broken Silence (Mausoleum/Soulfood)
Es gibt Bands die immer mit bestimmten Labels in Verbindung gebracht werden, da diese Arbeitsgemeinschaften für alle Beteiligten sehr zum Bekanntheitsgrad und als logische Konsequenz zu Ruhm, Ehre und nicht zuletzt auch Geld führten. Als bestes Beispiel sei hier die Kooperation METALLICA / METAL BLADE genannt. Ohne die Unterstützung von Brian Slagel in ihren Anfangszeiten wären die Herrschaften heute mit Sicherheit nicht dort, wo sie jetzt zu finden sind. Auch GAMMA RAY / NOISE bietet sich als Vergleich an, oder eben die Kombination KILLER / MAUSOLEUM. Bereits in den Anfangstagen des Labels gehörte diese belgische Metal-Institution fix zur Klientel des Labels. In jenen Jahren als Mausoleum weg vom Fenster waren, wurde es auch um KILLER (Achtung: Reim!) etwas stiller (vielleicht warn´s da beim Billa? Andi). Was liegt also näher, als in diesen Tagen, da sich das Label abermals in der Szene etabliert, als ein neues KILLER-Album zu erwarten? Dieses nennt sich "Broken Silence" und macht deutlich, dass es auf Grund eines beinahe vollständig neuen Line-Ups (von der Stammbestzung ist lediglich "Shorty" (G,V) dabei) und der Integration eines Keyboards in das Klangbild unmöglich ist ohne stilistische Änderungen aufzuspielen. Der ehemals MOTÖRHEAD-lastige Sound wurde durch eben jenes Keyboard deutlich melodiöser und rumpelt dadurch wesentlich weniger. Zwar ist durch "Shorty´s" Stimme immer noch klar zu erkennen, dass es sich nur um KILLER handeln kann, die Songs als solche tendieren jedoch in deutlich melodischere Gefilde. Was soll´s, "Broken Silence" ist dennoch ein Album geworden auf dem der Rock´N´Roll regiert und darum geht es schlussendlich. Welcome Back!
Walter

DAVID SHANKLE GROUP - Ashes To Ashes (Nuclear Blast/edel)
Als Mitglied von MANOWAR hat sich der amerikanische Gitarrist David Shankle einen guten Ruf in der Metal-Szene erspielt. Da diese Zusammenarbeit aber nicht zu seinem erklärten Lebensziel gemacht werden konnte, verließ David die Band um anschließend Jazz- und klassische Konzertgitarre zu studieren. Da auch dieses Unterfangen positiv abgeschlossen wurde und Mister Shankle im Herzen trotz allem ein Metaller geblieben ist, versammelte er junge, größtenteils unbekannte Musikanten um sich um uns nun das Debut der nach ihm benannten Band vorzustellen. Musikalisch hat er sich von MANOWAR nicht allzu sehr entfernt. Traditionellen Heavy Metal präsentieren uns die Herrschaften, wobei sich David bei gelegentlichen Ausflügen in den klassischen Bereich aber mit Spielerei dezent zurückhält. Generell würde ich das Album bedenkenlos zum Kauf empfehlen, wäre da nicht Trace Edward Zaber, dessen Stimme auf Dauer einfach zu lasch klingt, wodurch die Songs an Kraft verlieren. Ich zwar generell ein Anhänger kopflastiger, hoher Stimmen (is net wahr? Andi), aber in diesem Fall vermisse ich die Power.
Walter

MYSTIC PROPHECY - Regressus (Nuclear Blast/edel)
Hier haben wir es wieder einmal mit der Frage "Band" oder doch nur "Projekt" zu tun. Zwar handelt es sich bereits um die zweite Veröffentlichung von MYSTIC PROPHECY, dennoch haben alle Beteiligten andere Betätigungsfelder. Sänger R.D. Liapakis (V) und Bassist Martin Albrecht werkeln bei VALLEY`S EVE, Drummer Dennis Ekdahl verdrischt die Felle für RAISE HELL und bei Gitarristen Gus G. spare ich mir die Aufzählung, weil ohnehin monatlich ein neues Werk auf den Markt kommt, auf dem er zu hören ist (hat eigentlich jemandem bemerkt, dass Mr. G. alle seine Betätigungsfelder bei unterschiedlichen Labels unterbringen konnte?, dürfte auch ein schlaues Bürschchen sein....). MYSTIC PROPHECY gehen mit Volldampf zur Sache und erzeugen eine wunderbare Power Metal Mischung aus knackigen Melodien und knallharten Riffs. Unbedingt erwähnt werden sollte auch R.D., dessen raues Organ diese vor Power nur so strotzenden Kompositionen zusätzlich veredelt. Egal welchen der Songs ihr euch auch anhört, das Ergebnis wird immer dasselbe bleiben. Trotz aller Kraft und Heavyness kommt die Melodie nie zu kurz und das wiederum verursacht "Ohrwürmer".
Walter

SECRET SPHERE - Scent Of Human Desire (Nuclear Blast/edel)
Was für eine Überraschung! Bislang war mir lediglich der Vorgänger "A Time Nevercome" aus dem Jahre 2001 bekannt, ein Album, das zwar bei Gott kein schlechtes war, jedoch ein wenig zu sehr "verspielt", was den Wiedererkennungswert doch deutlich geschmälert hat. Anno 2003 kommt das italienische Sextett SECRET SPHERE mit einer Art "runderneuertem" Sound in Form von "Scent Of Human Desire" auf uns zu. Die Progressive–Anteile sind im melodiös ausgerichtetem Power Metal zwar noch immer vorhanden, jedoch geschickter und stimmiger arrangiert. Dadurch bleiben die Songs nicht nur in den Gehörgängen kleben wie der Inhalt von HIPP-Gläschen im Haar, es gelingt der Band sogar notorische Italo-Metal-Hasser in ihren Bann zu ziehen. Was aber auch nicht verwundert, da sie auf Grund ihrer Mannigfaltigkeit über genügend Eigenständigkeit verfügen. Weiters kommen auch keinerlei Elemente aus der Klassik zum Einsatz. Eine Tatsache, die für Bands aus Italien sonst ja eher zur Tagesordnung gehört. In Anlehnung an den Bandnamen kann man getrost von einem GEHEIMTIPP sprechen.
Walter

ALKEMYST - Meeting In The Mist (Nuclear Blast/edel)
Französische Metal-Bands gelten hierzulande noch immer ein wenig als Exoten. Auch wenn ich mit meiner Meinung diesbezüglich allein dastehe, aber an die Klasse von Formationen wie SORTILEGE oder H-BOMB kam bei uns Niemand heran. Ein schlechter Vergleich, ich weiß, denn auch in ihrer Heimat haben diese Bands einen Status der unerreicht bleiben wird und keine der mir bekannten aktiven Bands aus Frankreich wird es schaffen diesen Thron zu besteigen. Mit ALKEMYST schicken nun auch Nuclear Blast eine Bands ins Rennen um genau das zu erreichen. Doch, um es vorweg zu nehmen, es wird ALKEMYST (zumindest mit dieser Scheibe) nicht gelingen. Qualitativ hochwertige Kost wird uns zwar in Form von melodiösen Metal-Songs aufgetischt, jedoch vermisse ich ein wenig den sogenannten roten Faden. Irgendwie scheint noch nicht ganz klar zu sein, ob HELLOWEEN die größere Inspirationsquelle sein sollten, oder doch Freund YNGWIE. Am Besten gefallen mir jene Passagen, die auf Grund der Progressivität ein wenig an ältere SYMPHONY X erinnern. In genau diese Richtung sollten sich ALKEMYST entwickeln, dann kann Einiges daraus werden. Sänger Ramon Messina, hauptamtlich bei SECRET SPHERE, kommt hier zuwenig zur Geltung. Der Mann verfügt über eine gute Stimme, scheint sich aber nicht ausreichend entfalten zu können. Zur Zeit noch nicht das "Gelbe" vom Ei, aber wer weiß, was uns ALKEMYST als nächstes anzubieten haben.
Walter

CHIMAIRA - The Impossibility Of Reason (Roadrunner/Musica)
Plattenfirmeninfozetterl sind ja sehr häufig mit purer Angeberei vollgeschrieben. Was sich Roadrunner jedoch dabei gedacht haben, CHIMAIRA gleich als Vorreiter eines neuen Genres zu präsentieren, schlägt wohl dem Fass den Boden aus. Von einer "New Way Of American Heavy Metal" ist da die Rede, so wie seinerzeit die NWOBHM. Ist den Herrschaften eigentlich klar, mit welch geschichtsträchtiger Musikform sie es da zu tun haben? Die unzähligen amerikanischen Bands, die diese Bezeichnung viel eher verdienen würden, will ich erst gar nicht aufzählen. CHIMAIRA können aber wohl nur wenig für diesen Stumpfsinn, also beruhigen wir uns erst mal und nehmen die Band genauer unter die Lupe. Voll im Trend, oder etwas überspitzt formuliert "typisch Roadrunner" fällt mir spontan zu CHIMAIRA ein. Die Herrschaften überrumpeln uns mit ihrem Soundgebräu aus Thrash Metal, (hier vor allem MACHINE HEAD und SLAYER), Hardcore (der "Gesang" tendiert in diese Richtung) und modernen Elektronik-Einsprengseln geradezu. Da damit im Moment große Erfolge zu erzielen sind, könnte ich mir vorstellen, dass RR hier eine lukrative Geldquelle mehr im Stall haben. Vielleicht bin ich für Musik wie diese schlicht zu alt, aber mir gefallen die Amis dann am Besten, wenn es eher "ruhig" zur Sache. Vor allem der abschließende Instrumentaltrack "Implements Of Destruction" überzeugt durch feine Strukturen, die sonst in der Stilvielfalt leider nicht zu hören sind. Auch Kerry King zählt zum Fankreis von CHIMAIRA und war für besagtes Instrumental gar für einen Gastauftritt zu gewinnen.
Walter

CALLENISH CIRCLE - My Passion//Your Pain (Metal Blade/NSM)
Eine Gratwanderung zwischen Thrash der brachialsten Sorte und Death Metal stellt dieses Album dar. Mit ihrer bereits vierten Veröffentlichung werden die Niederländer Fans beider Genres begeistern können. CALLENISH CIRCLE haben mit Patrick Savelkoul einen Sänger mit einer derben, aber nicht abgrundtief klingenden Stimme in ihren Reihen, was abermals auf eine Berechtigung in beiden Genres hindeutet. Dem gegenüber stehen technisch ausgeklügelte Finessen des Gitarrenduos Ronny Thyssen und Remy Dieteren. Nicht nur deshalb kommen mir in manchen Passagen gar PESTILENCE in den Sinn, ihren Landsleuten wird auch in Form einer Coverversion gehuldigt. Begonnen hat alles im Jahre 1992, als man als Coverband Songs von DEATH, BOLT THROWER oder eben PESTILENCE zum Besten gab. Nach der Umbenennung in CALLENISH CIRCLE und einigen Demotapes (wo sind die Zeiten?) wurde 1996 das Debut "Drift Of Empathy" eingespielt. Nach einer "Escape" betitelten Mini-CD und dem Nachfolger "Graceful...Yet Forbidding" kam es schließlich zur Vertragsunterzeichnung bei Metal Blade. Diese Zusammenarbeit brachte zunächst "Flesh-Power-Dominion" und schließlich das aktuelle Album hervor. Diese beiden Scheiben wurden übrigens von Andy Classen in den Stage One Studios überaus druckvoll produziert, was diesem Sound ebenfalls sehr zugute kommt. Nachdem man kürzlich von den "No Mercy"-Festivals ein- und wieder ausgeladen wurde, hat die Band die Chance flächendeckend durch Europa zu touren und zwar in Form der im Oktober über die Bühnen gehenden "Bonded By Metal Over Europe"-Festivaltour mit u.a. EXODUS und AGENT STEEL.
Walter

AFTER ALL - Mercury Rising (Mausoleum/Soulfood)
Auf ihrem neuen, mittlerweile vierten Scheibchen "Mercury Rising” zeigen die Belgier AFTER ALL deutlich, wo ihre Wurzeln zu suchen sind. Diese sind breitgefächert und in mehreren Epochen schwermetallenen Schaffens anzusiedeln. Die Basis des durchaus eigenständigen Sounds ist mit Sicherheit die NWOBHM, aber auch die Blütezeit der Bay Area scheint nachhaltig imponiert zu haben. Darüber hinaus sind noch Doom-Versatzstücke und gelegentliche Psychedelic-Elemente zu vernehmen. Eine mehr als ausgewogene Mischung also, die das Abwechslungsreichtum des Albums verdeutlicht. Da mir bislang lediglich die 97er Veröffentlichung "Transcendent" bekannt war und diese noch dazu nicht einmal wirklich in Erinnerung geblieben ist, glaube ich nicht, dass es übertrieben ist, den Herren einen ordentlichen Fortschritt in Sachen Songwriting bestätigen zu können. Für die Produktion zeichnet Altmeister Harris Johns in gewohnt powervoller Art verantwortlich, was den Songs ebenfalls zu Gute kommt. Immerhin konnte die Band seit der Vertragsunterzeichnung bei Mausoleum bereits die im Frühling über die Bühne(n) gegangenen ANTHRAX-Tour als Vorgruppe absolvieren. Mit "Mercury Rising" in der Hinterhand sollte es wahrlich kein Problem sein, weiterhin für Furore zu sorgen. Power Metal-Fanatiker aber auch Thrasher dürften von AFTER ALL nicht enttäuscht werden!
Walter

NUCLEAR ASSAULT - Alive Again (Steamhammer/edel)
Nach langjähriger Absenz melden sich die NY-Thrasher NUCLEAR ASSAULT nun also lautstark zurück. Nach den absolvierten Gigs im Rahmen der "No Mercy"-Festivals folgt auch noch ein neues Scheibchen. Wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein Live-Album. Im direkten Vergleich zur 92er Scheibe "Live At The Hammersmith" bleibt "Alive Again" aber ein wenig blass, da diesmal soundtechnisch einige Feinheiten schlichtweg untergegangen sind. Was die Songauswahl betrifft, wird keine Kritik aufkommen, denn von "Critical Mass" über Game Over" bis hin zu "Hang The Pope" sind alle Highlights der Karriere NUCLEAR ASSAULT `s verbraten worden. Als Lebenszeichen einer wiederbelebten Formation geht das Album in Ordnung, warten wir ab, ob auch neue Songs dieser Klasse auf uns zu kommen, ein neues Studioalbum wurde nämlich bereits angekündigt.
WalterRay

WILSON - Change (Inside Out/edel)
Solo-Alben klingen zumeist deutlich unterschiedlich zu jenem Sound, mit denen man die Damen und Herren Musiker in Verbindung bringt. Ray Wilson, ehemaliger Sänger von STILTSKIN und GENESIS versucht sich nun also auch als Solist. Mit GENESIS hat diese Scheibe schon einmal überhaupt Nichts gemeinsam, zum Thema STILSKIN kann ich leider keine Auskünfte erteilen. Viel eher musiziert Ray im Sinne eines Singer/Songwriters und präsentiert uns dabei akustische Rocksongs, die sehr häufig in Richtung Pop tendieren. Mir ist natürlich bewusst, dass eingeschworene Banger gar nichts mit dieser Scheibe anfangen werden. Aber ganz ehrlich, jeder hat seine romantische Seite und genau DIESE wird mit "Change" angesprochen.
Walter



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