CDs
Juni 2003

Weitere Reviews >>> REVIEW ARCHIV

CDs

SHAARK - Promo 02 (Eigenprod.)
Die doppelt scharfen Haie gehen von tschechischen Gewässern aus zum vierten Mal auf großen Raubzug. Mit ihrer 02´er-Scheibe liefern sie in punkto Spielwitz, Technik und wohldosierter Aggression ein Vorzeigewerk zwischen wirklichem und "Neo"-Thrash Metal ab. Zur Aggression trägt der Sänger den größten Teil bei. Jedoch nicht durch - wie von vielen Möchtegern-Härtlingen exerziert - extrem verzerrte Dauer-Schreierei, sondern durch eine ausgewogene und sich sehr gut einfügende Vielfalt, die vom haßerfüllten Gebrüll bis zur gut klingenden Mischung aus Melodie und Rotzigkeit reicht. Verdammt ausgewogen fällt auch die musikalische Darbietung aus; von groovigen Gitarren dominiert und von einer stetig rollenden Rythmus-Abteilung zum Erlebnis getrieben. Unglaublicherweise schaffen Shaark eine Vereinigung des alten Thrash-Geistes mit der (leider oftmals produktionstechnisch überladenen u. vom Dschungelfieber befallenen) moderneren Ausrichtung dieser Variante. Es liegt wohl an der Klasse der Band, daß diese Vereinigung so mächtig und gut klingt. Check it out!
www.volny.cz/records99
Kari



INFERNAL LEGION - Sculptured Humans (LSP)
Schon seit einiger Zeit ist mir klar, daß die meisten schnell spielenden Black Metal Bands einfach nur anders klingende Thrasher sind. Ein überzeugend klingender Beweis dafür ist diese Scheibe hier. Reiner Black-Death-Thrash ist den belgischen Keyboard-Hassern aber zu wenig, sodaß man an passenden Stellen eine Vielzahl von Auflockerungsmomenten zu hören bekommt. Zum Bleistift mystisch klingende, schleppende Parts oder in stampfender Banger-Art vorgetragene Übergänge, die wiederrum teilweise in düstere BM-Atmosphären gehüllt werden. Und plötzlich glaubst du auf einmal, du stehst bei Destruction oder Exodus auf der Bühne! Sozusagen eine Fusion aus 80´er-Feeling und Black Metal-Mystik. Besonders tauglich finde ich den erdigen, rauen, dreckigen und aber auch leicht düsteren Sound, mit dem die Infernale Legion ihr Werk versehen hat. Fazit: Brachialer und abwechslungsreicher Metal, der gehört werden will!
www.lsp-company.com
Kari



INTO THE GORE - Pain Must Be Amplified (MetalAge)
Dieses Teil ist ein Musterstück für einen der neuen Wege, die in letzter Zeit im brutalen Death-Metal oft beschritten werden. Die Griechen agieren mit überzeugenden DM-Riffs, mit der Derbheit des Grind Core, mit musikalischen Grüßen aus Florida und mit der Wildheit eines Raubtiergeheges (guat drauf heit, Kari, hm? Andi). Und: sie meinen es ernst (Du leider auch, oder? Andi). Die Gitarrenläufe sind sehr abwechslungsreich und so aufeinander folgend, dass sie immer eine steigendere Wirkung in den Songs erzielen. Auch scheut sich hier keiner, von Zeit zu Zeit effektive, melodische oder verrückt klingende Leads einzustreuen. Verbunden mit den vielzählig eingesetzten Breaks und guten Übergängen sind das die ersten Schritte zum Wiedererkennungswert. Ein anderer Schritt wird durch die Schreiduelle gesetzt, die sich der tief brüllende Frontman und ein oftmals hoch und/oder verzerrt schreiender Gitarrist liefern: total intensiv und voll krank (dann bewirb Dich mal bei denen... Andi). Logo, daß da nur ein Drummer mithalten kann, der mit seinem Set verwachsen ist und wie vom Hass geritten trotzdem auf dieses drauflos prügelt. Auf dieser Basis haben ITG ein recht eigenständiges, genüsslich zu hörendes, aber tödlich wirkendes Scheiblett´chen zusammenen geschustert. Noch dazu ist es ihnen gelungen, daß sich jedes Lied vom folgenden hörbar abhebt. Ein Album für den kurzen, schmerzvollen Genuß also. Wie es sich gehört.
www.metalage.sk
Kari



SIGNS OF DARKNESS - Beyond The Autumn Leaves (LSP)

Bereits mit dem herbstlichen Prologe - Klavierspiel! - beginnt sich die musikalische Welt von Signs Of Darkness zu entfalten. Dann setzt die Sängerin mit romantischer Stimme ein und wird kurz darauf vom böse schreienden Bassisten unterstützt (... wer hätte es geahnt? Andi). Das Fundament schließlich ist eine gelungene Mischung aus antreibenden, stampfenden, aber auch melodiös-verspielten Gitarrenläufen und einer mächtigen Rythmus-Crew, die auch bei den zahlreichen schleppenden Passagen sehr heavy rüberkommt. Der Tastenmann wiederrum setzt seine Untermalungen für eine passende Hintergrund-Stimmung ein, wofür ich ihm dankbar bin. Der markanteste Punkt hinter den Herbstblättern ist jedoch die beeindruckende Synthese aus Härte, Dunkelheit, Melancholie, Verträumtheit und Heavy Metal. Dadruch sind S.O.D. (nicht die... Andi). in der Lage, den Hörer mitzureissen in die Tiefen der harten Musik. Obwohl die Band noch Newcomer-Status hat, liefert sie hiermit einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung. Sehr fein.
www.lsp-company.com
Kari



GUERRILLA - On Target (Eigenprod.)
Verdammt genau haben Guerrilla ihr Ziel anvisiert. Sodaß sich eine Band präsentiert, die in stampfender, schnalzender und krachender (Kari, samma do beim Musikantenstadl oder wie? Andi) Manier ein extrem abwechslungsreiches, vielschichtiges und für eine Eigenproduktion sehr gut klingendes metallisches Werk zuwege gebracht hat. Im Sinne der Zeiten von Bands, die ihnen das Musizieren schmackhaft gemacht haben, ist den Kölner Jungs eine echte Granate ausgekommen. Um diese zu erkennen, ist es jedoch angebracht, sich langsam und stetig in die von allerlei Tempi-Wechsel, Übergängen, Breaks und aufbauend/relaxten Akustikgitarren durchzogene Klasse-Songs reinzuhören. Gut so. Nur ganz selten rutscht (noch) ein schwierig nachvollziehbares Sprenksel in den spannenden und dramatischen Guerrilla-Thrash. Einer der Höhepunkte der Scheibe ist ein klassisch geprägtes, saugeiles Gitarren-Duell, nachzuhören auf Track # 5, "Red Moon Rising". Wahnsinn! Die beiden duellieren sich nicht allein mit den Äxten, sondern auch noch (mit Sägen? Andi) mit den Stimmbändern, sodaß der Gesang desgleichen abwechslungsreich ausgefallen ist. Tja, die Burschen sind Könner, definitiv. Wenn die Truppe konsequent so weitermacht, folgt der Treffer ins Schwarze in Bälde.
www.g
uerilla-metal.com
Kari

CRIMSON MOONLIGHT - The Covenant Progress (Rivel Records)
Wie schon unlängst bei BRIGHTEYE BRISON erwähnt, handelt es sich bei Rivel Records um ein neues, aufstrebendes Label aus Schweden, dessen Eigentümer Christian Rivel als Sänger von NARNIA bekannt sein sollte. Mit Musik wie der von BB hab´ ich ja noch gerechnet, doch was CRIMSON MOONLIGHT hier vom Stapel lassen haut mich förmlich aus den Socken. Nicht ob meiner Begeisterung, die hält sich nämlich aufgrund der stilistischen Ausrichtung eher in Grenzen, sondern viel mehr wegen des von dieser Band fabrizierten Drucks der dem Zuhörer entgegen donnert. Bereits der Opener ³Mist Of The Spiritual Dimension„ zeigt deutlich, dass hier keine ³Gute Laune„ ö Musik vorgetragen wird. Viel mehr haben wir es mit einer heftigen Death/Black/Thrash-Mischung zu tun, die durch den abwechselnden Grunz- und Kreischgesang allerdings niemals eindimensional klingt. Interessant erscheint mir vor allem die lyrische Seite der Herrschaften, denn nicht nur in ihrer Dankesliste erscheint Gott als einer der Allerersten. Höchstwahrscheinlich war das der Grund für Meister Rivel (oder Liljegren) die Band unter Vertrag zu nehmen. Freunde des Black und Death Metals sollten CRIMSON MOONLIGHT jedenfalls unbedingt antesten, denn es könnte sich hierbei um die legitimem Nachfolger der christlichen Deather MORTIFICATION zu handeln (super... Andi). Bei Interesse kontaktiert www.rivelrecords.com , dort könnt Ihr mehr über die Band erfahren.
Walter




ETERNAL REIGN - Crimes Of Passion (TTS Media/Al!ve)
„Frechheit siegt!, sagt der Volksmund. Stimmt, sage ich. Denn nach direkter Kontaktaufnahme mit dem Label war bereits kurze Zeit später dieses Werk in meinem Postkasterl. Wohlwissend, dass vorliegende Veröffentlichung bereits mehrere Monate auf dem ³Buckel„ hat, komme ich dennoch nicht daran vorbei Euch dieses Werk vorzustellen. Was 1997 unter dem Namen PERFACT CRIME begann und unter anderem sogar zu einem Beitrag auf der ³Unerhört!„ ö Samplerreihe des Rock Hard führte, endete in rechtlichen Problemen des Namens wegen. Nach der Umbenennung in ETERNAL REIGN erblickte also im vergangenen Jah ³Crimes Of Passion„, das Debut dieser in Bremen ansässigen Combo das Licht der Welt. Prominentestes Mitglied ist Mick Sebastian, der in ³grauer Vorzeit„ bei SECRECY (es folgt eine kurze Andachtskundgebung meinerseits.....) aktiv war. Lassen wir aber die Vergangenheit ruhen und widmen uns der Gegenwart bzw. der Zukunft dieser Band. Melodiöser Power Metal wird geboten, der allerdings auch als üppiger Melodic Metal betrachtet werden darf. Auf dem fast einstündigen musikalischen Vortrag stelle ich klare Strukturen fest, aber auch die Abwechslung kommt nicht zu kurz, wodurch ³Crimes....„ der Band einen Platz in der Oberliga der genannten Genres einbringen sollte. Hoffentlich gibt es demnächst wieder etwas über diese Band zu vermelden.
Walter



VOIVOD - Same

Da ist sie nun also, die vielerwartete Comeback-Scheibe der kanadischen Metaller VOIVOD. Nach dem tragischen Unfall von Eric Forrest und der daraus resultierenden Umbesetzung am Mikro Ex Sänger Denis Belanger konnte wieder an Bord geholt werden - ist mit Jason Newsted auch gleich ein neuer Bassist zu bestaunen. Wie und warum Jasonic„ nun in die Band gekommen ist, lassen wir unkommentiert und widmen uns lieber der neuen Scheiblette. Voivod„ ist das mittlerweile 13. Album in der langjährigen Historie der Formation und soviel gleich vorweg es klingt wieder einmal wie keines der Alben davor. Natürlich wird die abgedrehteste Form des Thrash-Metals, wie in den Anfangstagen der Band ebenso nie wieder erreicht werden, genauso wenig die Brachialität der Forrest Phase, da Snake„ einfach ein wesentlich melodischeres Organ sein eigen nennt. Wenn ein Vergleich zur Geltung kommen kann, dann höchstens, dass The Outer Limits„ in gewissen Phasen durchschimmert. Im Großen und Ganzen haben VOIVOD allerdings eine Spur mehr auf Geradlinigkeit geachtet als bisher, was wahrscheinlich auch auf die nicht mehr so prägnanten Bassmelodien zurückzuführen ist. Enttäuscht muß allerdings kein VOIVOD Fanatiker sein, denn Song wie Gasmask Revival„ oder The Multiverse„ haben durchaus die Klasse in einer Reihe mit den bisweilen veröffentlichten Klassikern aus dem Schaffen der Kanadier zu stehen.
Walter



FADING STARLIGHT - Lost (TTS Media/Al!ve))
Die Talentscouts bei TTS scheinen einen guten Riecher für melodiös ausgerichteten Metal zu haben (toll... Andi). Auch was Frauengesang angeht, waren die Herren bereits erfolgreich, wie uns die letzte BACKSLASH-Scheibe vor einiger Zeit beweisen konnte (Ich weiß, diese CD erschien bereits VOR der letzten BACKSLASH, aber ich schreibe mein Review eben erst später...) Lost„ erschien im September des Vorjahres und klingt nicht nur einige Monate später immer noch frisch, sondern beinhaltet Musik ohne Ablaufdatum. Stilistisch kann man FADING STARLIGHT grob zwischen BLIND GUARDIAN, HAMMERFALL und GAMMA RAY einordnen, wobei durch die Stimme von Inga Scharf ein hoher Wiedererkennungswert gegeben ist. Diese erinnert mich zwar ein wenig an die Dame von WHITE SKULL, aber das war es dann auch schon wieder. In Zeiten wie diesen wird es bestimmt nicht einfach internationale Erfolge einheimsen zu können, aber Ohrwürmer wie ³Lost„, das durch geniale Background-Vocals veredelte "Salvation„ oder die Ballade "Once A Time„ sollten nicht nur mich von der Qualität der Band überzeugen können.
Walter



BURNING POINT - Feeding The Flames (LMP/edel)
Das kurze Intro "Entzünden eines Streichholzes" deutet bereits an, daß auf den 12 vorgetragenen Songs ein wahres Feuerwerk entzündet wird. Das finnische Quartett BURNING POINT feuert geradezu eine Metal-Hymne nach der anderen ab. Die Kompositionen sind wohldurchdacht, gut strukturiert und eingängig, ohne dabei auch nur ein einziges Mal in Belanglosigkeit zu verfallen. Speziell der ³Ohrwurm-Faktor„ scheint den Herren ein Anliegen zu sein, denn ihre Melodien wollen sich so gut wie nicht mehr aus den Gehirnwindungen des Zuhörers entfernen lassen (muß ja auch gar nicht sein..). Wer sich eine Mischung aus RAINBOW, MALMSTEEN, ACCEPT und den PRETTY MAIDS vorstellen kann und genannte Bands zu seinen Favoriten zählt, darf bedenkenlos zugreifen. Es muß auch erwähnt werden, dass RHAPSODY der Band nicht unbekannt sein dürften, nachzuhören in ³Stray Bullet„. Besonders auffällig, und positiv zu vermelden, ist noch die Tatsache, dass ihre finnische Heimat, bzw. der dafür mittlerweile schon fast typische Sound zu keiner Zeit durchschimmert. Der Zielgruppe ist hoffentlich klar, was zu tun ist.....
Walter



WUTHERING HEIGHTS - To Travel For Evermore (Lucretia Records)

Der Bandname erinnert mich an ANGRA (zwar sollte eher Kate BUSH als Einflussquelle angegeben werden, stammt doch besagter Song, den die Brasilianer auf gekonnte Weise umsetzten, von ihr) und bereits nach dem ersten Durchlauf wird mir bewusst, dass meine Einschätzung gar nicht so weit daneben liegt. Diese ³europäische„ Band (drei Dänen, zwei Schweden und ein Italiener) schafft es mühelos mit den Brasilianern mitzuhalten, und zwar nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Als weitere Anhaltspunkte müssen noch SYMPHONY X und LABYRINTH genannt werden, deren Sound auch nicht allzu weit von ³To Travel....„ entfernt ist. Im Prinzip kann fast schon von einer ³Underground-Supergroup„ gesprochen werden, denn mit Lorenzo Deho (B, der Italiener, vormals TIME MACHINE) , Kristian Andren (V, einst bei MEMENTO MORI, TAD MOROSE und FIFTH REASON) und Henrik Flyman (G, nebenbei ZOOL, zuvor MOAHNI MOAHNA) sind drei zumindest im Untergrund bekannte Gesichter am Werk. Bandgründer Erik Raven (G), Drummer Morten Sörensen und Keyboarder Rune Brink (die drei Dänen) vervollständigen das Line-Up von WUTHERING HEIGHTS. Mit ³To Travel For Evermore„ sollte der Sprung aus dem Untergrund gelingen.
Walter



RITUAL - Think Like A Mountain (Tempus Fugit/SPV/edel)
Unter der Bezeichnung Progressive Rock/Metal werden deratig viele, stilistisch absolut nicht vergleichbare Bands geführt, daß es sehr schwierig ist, sich genau vorstellen zu können, wie so manche Band tatsächlich klingt. Ein besonders schwierig einzuordnendes Album stellt "Think Like A Mountain„, das aktuellen Werk der Schweden RITUAL dar. Freunde außergewöhnlicher Klänge sollten jedenfalls unbedingt weiterlesen, denn hier sind sie genau richtig. Beim Hören dieses Werkes fühle ich mich zwar des öfteren an unterschiedlichste Formationen erinnert, was andererseits die Eigenständigkeit der bereits seit gut 15 Jahren existierenden Band bestätigt. So kommen wir beispielsweise THE FLOWER KINGS (bei "Explosive Past"), TRANSATLANTIC (nachzuhören in "Once The Tree Would Bloom"), aber auch die BEATLES ("Moomin Took My Head" klingt wie Lennon auf LSD) oder GYPSY KYSS in den Sinn. Eine ungemein abwechslungsreiche Scheibe, die nach dazu bei jedem Durchlauf neue Facetten ans Licht bringt. Unbedingt Anhören!
Walter



RADIOACTIVE - Yeah (MTM/edel)

Das schwedische Gitarrentalent Tony Denander hat unter dem Deckmantel RADIOACTIVE diverse illustre Gäste im Studio versammelt um dieses Werk einzuspielen. Die Gästeliste beinhaltet prominente Musiker wie Fergie Frederiksen, Steve Overland, Marcel Jacob oder Matti Alfonzetti (wahnsinnig prominent sind die alle... Andi). Herausgekommen ist dabei ein 12 Nummern umfassendes Album, das stilistisch dem melodiösen Hardrock zugeordnet werden kann, teilweise aber recht stark in Richtung Pop tendiert. Diese Tatsache würde noch nicht einmal das größte Problem darstellen, vielmehr sind die Kompositionen bis auf wenige Ausnahmen zu vorhersehbar. Dadurch fehlen auf ³Yeah„ nicht nur die Überraschungsmomente, die Angelegenheit wird phasenweise gar recht belanglos. Was lernen wir daraus? Große Namen alleine machen noch keine gute Scheibe.
Walter



XYZ - Letter To God (MTM/edel)
Monat für Monat kommen mittlerweile mehr oder wenige berühmte Musiker, die bereits vor Jahren in der Szene aktiv, in letzter Zeit jedoch weg vom "Schuß" waren, mit sogenannten Comebackalben auf den Markt. Im Zuge dieses Booms hat es nun also auch XYZ erwischt. Sänger und Mastermind Terry Ilous hat zwar nur seinen ehemaligen Drummer Paul Monroe zum Mitmachen animieren können, jedoch sind mit Jeff Northrup (G, ex-SHORTINO) und Sean Mcnabb (B, ex-Quiet Riot) zwei bekannte neue Gesichter an Bord. Warum die Band zu ihrer Blütezeit nicht über Insiderstatus hinaus gekommen ist, liegt vermutlich an der Tatsache, dass die Kompositionen vermutlich für die "Plüsch"-Abteilung (Grins, den merke ich mir . Webmaster) zu heftig waren, für die Metaller aber dennoch ein wenig zu zahm. Auch mit "Letter To God" wird der große Durchbruch aus kommerzieller Sicht verwehrt bleiben, denn der Stil ist der gleiche geblieben, allerdings steckten nie zuvor derart viel Herzblut und persönliche Emotionen in den Ilous´schen Kompositionen. XYZ gefallen sowohl mit rockigen LED ZEPPELIN-lastigen Groove-Nummern (speziell der Opener "What´s On Your Mind" geht in Richtung der ZEPs) als auch mit gefühlsbetonten Nummern wie dem Titelsong (wem bei dieser Nummer, die Terry seinem tragischerweise verstorbenem Sohn widmet, keine Gänsehaut über den Rücken läuft, muß völlig gefühlskalt sein). Auch dann, wenn die Akusitkklampfe ausgepackt wird, schaffen es die Herren zu überzeugen, so ist ihnen mit "Deny" ein wahres Highlight auf dem Balladensektor gelungen.
Eine absolut gelungene Comebackscheibe, die der Band Ruhm und Ehre (und natürlich auch Geld...) einbringen sollte.
Walter



STORMWIND - Rising Symphony (Massacre)

Der ehemalige Karate-Champion Thomas Wolfe läßt sich nicht unterkriegen. Schon seit mehreren Jahren versucht er die Fans mit seinen Kompositionen davon zu überzeugen, dass er ein guter Gitarrist ist und mit STORMWIND auch eine feine Formation am Start hat.
Beides ist ohne Wenn und Aber der Fall, wobei vor allem Sänger Thomas Vikström (Ex- CANDLEMASS) mit seiner famosen Stimme für Furore sorgen kann. Der Hauptanteil der Kompositionen ist dem bombastischen Melodic Metal zuzordnen, irgendwo in der Schnittmenge der "hübschen Mädels", HAMMERFALL und älteren STRATOVARIUS, wobei vor allem "Strangers From The Sea", dessen Melodie im Refrain an VANGELIS´ "Conquest Of Paradis"„ erinnert, das Zeug zum Hit hat. Auch das Bekenntnis zur Vergangenheit in Form einer gelungenen Version des QUEEN ö Tracks "White Man" kann voll überzeugen. Dennoch ist nicht alles eitel Wonne. Speziell die drei Balladen machen deutlich, dass Emotionen und Kitsch sehr nahe liegen. Vor allem bei "Streets Of Prishtine" trieft das Schmalz förmlich aus den Boxen und der Kitschfaktor ist dadurch ungemein hoch. Der Song könnte als Beitrag zum Songcontest durchgehen, selbst in diesen Kreisen wird heutzutage aber schon geistig anspruchsvolleres Liedgut gewünscht. Nie zuvor war mir bewusst, wie nahe Metal am Schlager ist, eine Tatsache, die nicht unbedingt sein muß, oder (net wirklich... Andi).
Walter



John WETTON - Rock Of Faith (GEP/SPV/edel)
Der ehemalige URIAH HEEP und ASIA Sänger John Wetton, der im letzten Jahr seinen 50er in Wien feierte, war von der Stadt dermaßen beeindruckt, dass ihn diese Eindrücke schlussendlich zu "Rock Of Faith" inspiriert haben. Schön für Mr. Wetton. Aber wo auch immer der gute Mann seinen Geburtstag gefeiert hätte, ich denke nicht, dass die Scheibe anders ausgefallen wäre. Schon allein ein Blick auf die Besetzungsliste, die Namen wie Geoff Downes (K, ASIA), John Mitchell (G, ARENA) oder Steve Christey (D, JADIS) enthält, genügt um die Musik zuordnen zu können. Wunderschöne Rocksongs mit dezent Prog-Einsprengsel werden geboten, wobei manche Passagen schon fast zu schön geworden sind, soll heißen, ein wenig mehr "Biß" gebrauchen könnten. Die Arrangements und Produktion aus dem Hause Clive Nolan und Karl Groom können auch wie üblich überzeugen; die Klientel weiß was zu tun ist.
Walter



JADIS - Fanatic (Inside Out/edel)

Vogelgezwitscher eröffnet diese Scheibe, gefolgt von feinstem Art-Rock oder auch "Soft-Prog". Die Engländer rund um Sänger und Gitarristen Gary Chandler vollbringen auch auf ihrem aktuellsten Werk das Kunststück trotz verschachtelter Arrangements und teilweise fast ausladender Kompositionen immer noch eingängig zu klingen. Auf Frickeleien wird verzichtet, viel mehr merkt man Songs wie "The Great Outside" oder der Ballade "Each & Every Day" das Herzblut an, das beim Songwriting geflossen ist. Das Titelstück, ein atmosphärisches Instrumental, fügt sich spitzenmäßig in das Gesamtbild ein. Als weiteres Highlight möchte ich noch "I Never Noticed" erwähnen, dass ein wenig wie GENESIS mit Tribal Drums klingt. Ob JADIS mit dieser Scheibe ihren Bekanntheitsgrad vergrößern können, weiß ich zwar nicht, ist aber schlußendlich auch nicht relevant, denn Musik wie diese wird wahrscheinlich immer nur ganz bestimmte Kreise ansprechen. To Prog Or Not To Be!
Walter



BYFIST - Adrenalin (Saba Records)
Nicht mehr ganz aktuell, da bereits im Jahr 2000 aufgenommen, ist diese 4 Track CD der amerikanischen Metaller BYFIST. Insidern sollte zumindest der Name der Band geläufig sein, zählen doch die beiden Gitarristen Davey Lee und Natcho Vara mittlerweile auch zum Line-Up von REVEREND, jener Band deren Mastermind niemand Geringerer als David Wayne ist. Dieser hat die Scheibe auch produziert und mit Jay Wegener ist mittlerweile auch der Bassist von REVEREND in den Reihen von BYFIST. Jawohl, Metal-Inzucht gibt es eben nicht nur in Skandinavien (auch in Neustadt-Umgebung, oder wie? Andi). Melodiöser, teilweise recht harter US-Metal ist das Metier dieser Herren und mit Rob Steele verfügen sie dazu über einen Sänger, der die Tradition klassischer Metalkunst am Leben hält. Der gute Mann jagt uns bei seinen hohen Gesangspassagen die Freudentränen in die Augen. Zum Abschluß noch der Überhammer: Schreibt einfach eine Mail an Sabarecords2000@yahoo.com, denn dann wird auch EUCH diese CD wird auf Anfrage GRATIS zugeschickt! Das nenne ich fanfreundlich!
Walter



Copyright: Planet Music & Media 2002