SIDDHARTA - Rh (edel)
In ihrer Heimat sind die sechs Slowenen, die sich
nach einem Roman von Hermann Hesse benannt haben, bereits Superstars. Enorm
aufwendige Stadion-Konzerte
vor mehr als 30.000 Fans sind keine Seltenheit. Nun schickt man sich, an
den Rest der Welt zu erobern. Ihr aktuelles Album überrascht durch
eine enorme Bandbreite. So gut wie unmöglich, diese Band einer bestimmten
Schublade zuzuordnen. Es erschließt sich ein ungewöhnlich breiter
Stilmix. Rock, Metal, Folk, etwas mittelalterliches Flair aber auch elektronische Segmente
sind im Gesamtsound vertreten. Das klassische Element betont man durch
die Unterlegung mit einem echten Streichorchester. Im ersten Moment fühlt
man sich durch die Stilvielfalt fast überfordert. Doch gleichzeitig ist
man durch die enorme Fülle an Ideen und Sounds fasziniert und
gefesselt. Es erwarten einen ständig neue Überraschungen. "Inside" und "Rain" weisen
typisch irischen Einflüsse auf und erinnern ein wenig an Dare bzw.
Gary Moore. Im krassen Gegensatz dazu knallt man uns im nächsten Moment
mit "T.H.O.R." einen wuchtigen Electro-Metal Stampfer um die
Ohren. Eine seltene Mischung, die man schwer in Worte fassen kann. Ein
Hybrid aus Goth-Rock, Streicher-Metal und einem Quäntchen Pop, dessen
eingängige Melodien und Refrains sich im Gehirn des Zuhörers
regelrecht festbeißen. Ein Album, für das man sich unbedingt
Zeit nehmen sollte, für Liebhaber extravaganter Musik ein Leckerbissen.
Ich denke von dieser Band wird man noch einiges sehen und hören.
Ger-Hard
SABATON - Primo Victoria (Black Lodge)
Wüsste ich`s nicht besser, ich hätte hinter Sabaton eine spanische
Band vermutet. Hört sich für mich wie eine metallische Ausgabe
der Heroes Del Silencio an. Was zu einem Gutteil wohl an der extrem tiefen
Stimme von Joakim Brodèn liegen mag, der das Material mit einer
gehörigen Portion Inbrunst und Pathos vorträgt die in diesem
Genre eher ungewöhnlich anmutet. Tatsächlich stammt das Quintett
jedoch aus dem neuen Metal-Eldorado Schweden. Stilistisch bewegt man sich
im leicht episch gefärbten, im Grunde aber klassischen Powermetal-Bereich
mit Schwerpunkt auf hymnenhafte, mehrstimmigen Refrains, stampfende Rhythmen
und erfreulich dezente Keyboardparts. Erinnert mich leicht an Virgin Steele.
Auf übertriebenen Bombast hat man zum Glück verzichtet. Thematisch
setzt man sich mit den großen Kriegen und Schlachten des 20. Jahrhunderts
auseinander, was die durchwegs düstere Grundstimmung des Albums erklärt.
Keyboarder und Sänger Joakim Brodén klingt dabei stets markant,
finster und ungeschliffen, was durchaus zu den kriegerischen Titeln passt.
Das Sabaton bereits seit 1999 existieren und erst 2005 ihr Debütalbum
zustande bringen, ist schwer nachzuvollziehen. Den druckvollen und gleichzeitig
differenzierten Sound hat man den Abyss Studios zu verdanken, in denen
ja bekanntlich die Tägtgren-Brüder an den Reglern sitzen. Ein überraschend
eigenständiges Debüt, welches True- und Power Metal Fans unbedingt
antesten sollten.
Ger-Hard
HAMMERFALL - Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken (Nuclear Blast/edel)
Also, Hammerfall sind schon ein Phänomen. Sie ziehen ihr True Metal
Ding kompromisslos, um nicht zu sagen: erbarmungslos, durch. Und der Erfolg
gibt ihnen recht. Musikalisch bleibt alles wie gehabt. Geradlinig nach
vorne stampfende Hymnen wie "Blood Bound", "Fury Of The
Wild" oder "The Templar Flame" bahnen sich unaufhaltsam
ihren Weg durch die Gehörgänge. Das instrumentale "Imperial" hätte
man sich eventuell sparen können. Und natürlich darf die obligatorische
Ballade ("Never, Ever") nicht fehlen. Nach wie vor reiht sich
bei Hammerfall Klischee an Klischee. Aber wen stört das schon (naja,
da fielen mir schon einige ein... Andi). Ist es nicht gerade das, was ihre
Fans so an ihnen lieben?! Ebenso wie bei Manowar sollte man das überzogene
Image bzw. Outfit nicht allzu ernst nehmen. Das finale "Knights Of
The 21th Century" birgt den doch noch eine kleine Überraschung.
Ist es doch mit über 10 Minuten der bislang längste Hammerfall
Song ever. Zudem konnte man hierfür Cronos von Venom zu einem allerdings
eher unspektakulären Gastauftritt gewinnen. Wer die Jungs bislang
nicht mochte, wird von "Chapter V." definitiv nicht bekehrt.
Egal. Das ist True Power Metal in bester Manier. Nicht mehr und nicht weniger.
Vor seinen Vorgängern braucht sich dieses Album sicherlich nicht zu
verstecken. Kommt in der Erstauflage auch als Metal-Box inklusive Video
und Making of "Blood Bound". Let the hammer fall!!!
Ger-Hard
DIO - Evil Or Devine (Spitfire/edel)
Ü
ber Sinn oder Unsinn dieser CD lässt sich streiten. Ist "Evil
Or Devine" doch leider nur der Soundtrack zur gleichnamigen DVD, die
bereits vor ca. einem Jahr erschienen ist. Und die somit jeder DIO Fan
längst sein eigen nennen dürfte. Das Album dokumentiert einen
Auftritt im legendären New Yorker Roseland Ballroom am 13. Dezember
2002. Zu DIOs Band gehörten damals Jimmy Bain (Bass), Simon Wright
(Schlagzeug), Doug Aldrich (Gitarre) und Scott Warren (Keyboards). Mit
Dio verhält es sich wie mit gutem Whiskey: Je älter, desto besser.
Zumindest, was seine Live-Auftritte betrifft. Musikalisch zelebriert man
ein Best of Programm, welches fast sämtliche Stationen seiner unglaublichen Karriere
abdeckt. An glorreiche Rainbow-Tage erinnern "Man On The Silver Mountain" und "Long
Live Rock`n`Roll". Aus der Black Sabbath Aera zitiert man "Heaven
And Hall" und "Children Of The Sea". Und neben DIO Klassikern
wie "Holy Diver", "Egypt", "We Rock" u.v.m.
steht auch Material neuerem Datums wie "Fever Dreams", "Killing
The Dragon", "Rock And Roll" und "Push" auf dem
Programm. Das einen deutlich stärkeren Eindruck hinterlässt als
auf den Studio-Alben. Aber wie gesagt, eingefleischte Ronnie Fans kennen
das Material sicher schon in- und auswendig. Alle anderen sollten den Kauf
dieses exzellenten Live-Mitschnitts nicht in Frage stellen.
Ger-Hard
ASTRAL DOORS - Evil Is Forever (Locomotive)
Ende 2003 haben die sechs Schweden mit ihrem Debütalbum "Of The
Son And The Father" einigen Staub aufgewirbelt und durften überwiegend exzellente
Kritiken einheimsen. Der zweite Streich „Evil Is Forever“ müsste
erneut auf wohlwollende Reaktionen stoßen. Denn wer auf klassischen
britischen Hardrock/Metal der Marke Deep Purple, Black Sabbath, Rainbow
und insbesonders DIO steht, wird von den Astral Doors bestens bedient.
Die stimmlichen Qualitäten von Frontmann Patrick Johansson, den man
auch von Wuthering Heights (Folk-Metal) und Space Odyssey (Malmsteen-Klon)
kennt, brauchen sich hinter stimmgewaltigen Vorbildern wie Tony Martin,
David Coverdale und sogar Ronnie James nicht zu verstecken. Ein größeres
Kompliment kann ich einem Metalsänger wohl kaum machen. Musikalisch
ist alles beim Alten geblieben. Die Astral Doors spielen nach wie vor Heavy-Rock,
der an die guten alten 80er erinnert - geradeaus, melodiös und kraftvoll.
Natürlich dürfen auch die obligatorischen Hammond-Klänge
("Evil Is Forever") nicht fehlen. Das Kunstück ist, dass
der Sound trotz aller Reminiszenzen an die Vergangenheit niemals verstaubt
oder altbacken klingt. Natürlich vermeint man so manches Riff bei
anderen Bands schon mal gehört zu haben. Aber wen soll es schon großartig
stören, dass z.B. der Anfang von "Path To Delirium" ein
wenig an "Sign Of The Southern Cross" erinnert. Denn zieht man
in Betracht, dass sich große Vorbilder wir Dio oder Deep Purple auf
ihren letzten Alben nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, hat ein Projekt
wie dieses durchaus seine Berechtigung. "Evil Is Forever" versprüht
dieses gewisse prickelnde Rock`n`Roll Felling, das nicht nur Nostalgiker
begeistern sollte. Fans der hier angesprochenen Bands sollten unbedingt
ein Ohr riskieren. Ihr werdet begeistert sein!
Ger-Hard
ANTHENORA - The Last Command (Locomotive/Al!ve)
ANTHENORA konnten sich bislang in ihrer Heimat Italien einen recht guten
Ruf als IRON MAIDEN-Coverband erspielen und hatten die Ehre. als Opener
für Nico MCBRAIN und sein MCBRAIN DAMAGE-Projekt zu fungieren (Wahnsinn...
Andi). Mit ihrem ersten vollständigen Silberling, dem eine Mini-CD
namens „The General´s Awakening“ vorangegangen war, beweisen
die Herrschaften, dass sie wesentlich mehr draufhaben als bloß das
Nachspielen von Klassikern. „The Last Command“ ist ein recht
heftiges Stück Heavy Metal geworden, bei dem das Gaspedal zumeist
ordentlich durchgedrückt wird. Die Riffs sind häufig recht Thrash
Metal-lastig, wie auch die gesamte Ausführung der Songs immer wieder
zwischen heftigem Power Metal, Speed und Thrash pendelt. Auch der raue,
sehr kräftige Gesang von Luigi Bonansea weiß zu gefallen und
ist auch noch recht variabel, wie in den gemäßigten Passagen
nachzuhören ist. Zwischendurch schimmern zwar. speziell was die Gitarren
betrifft, auch die Einflüsse der „eisernen Jungfrau“ durch,
dennoch überwiegt auf „The Last Command“ die Eigenständigkeit.
Das abschließende, knapp 13-minütige „The Fortress“ beweist
zudem, dass ANTHENORA auch im Stande sind epische Monumentalkompositionen
kitsch- und klischeefrei zu gestalten, weshalb dieses Album auch notorischen
Italo-Metal-Hasser zusagen sollte.
Walter
RED WINE – Cenizas (Arise/Point)
Spanischer RED WINE? Nun, ich bin zwar absolut kein Kenner der Materie,
aber so weit ich informiert bin, soll es auch in dieser Region so manch
bekömmliches Tröpfchen geben.
„
Cenzias“, so der Name der hiermit präsentierten Sorte Rotwein,
hat geschmacklich zum Glück wenig mit seinem Namen (cenzias bedeutet „Asche“),
sondern viel mit jenem Gebräu zu tun, das wir gewohnt sind, aus der
Hansestadt Hamburg zu erhalten. Vor allem der HELLOWE(I)N (Jahrgang 1988)
hatte ein sehr ähnliches Aroma (und Du scheinst heut a scho a Menge
gekippt zu haben... Andi). Im Abklang erinnert die vorgestellte Sorte aber
auch an die ebenfalls aus Norddeutschland stammende Sorte namens METALIUM,
vor allem hinsichtlich der Arrangements. RED WINE konnte sich bislang
schon dreimal auf der Weinkarte verewigen, der heurige Jahrgang zeigt allerdings,
dass die Geschmacksrichtung beibehalten werden konnte und kein unvorhergesehener
Nebengeschmack auf den Gourmet zukommen wird. Um ihre Herkunft noch
deutlicher hervorzuheben, vergessen die Weinbauern aus Spanien auch nicht
heimatliche Geschmacksverstärker zu verwenden, was sich vor allem
bei der Degustation von „Mi Universo“ als sehr schmackhaft
herausstellt. „Cenizas“ lässt sich als überdurchschnittlicher
Rotwein beschreiben, der wesentlich origineller schmeckt als zahlreiche
andere Mitbewerbsprodukte unterschiedlicher Weingegenden, allerdings noch
nicht die Einzigartigkeit weltberühmter Sorten innehat. In diesem
Sinne: Prost!
Walter (Du spinnst! Andi)
ARWEN - Illusions(Arise/Point)
Mit seinem aktuellen Werk versucht das spanische Oktett zum zweiten Mal
sein Glück bei den Fans. Wie schon beim Debüt „Memories
Of A Dream“ steht auch diesmal symphonischer Bombast-Metal auf dem
Programm. Angeführt vom Gesangsduo Nacho Ruiz und M. Carmen Castano
lassen uns die Musiker in ein Wechselbad der Gefühle eintauchen. Auf
der einen Seite lullen uns die (teilweise gar arg weichgespülten)
Keyboards ein, auf der anderen Seite prägen die Gitarren mit ihren
traditionellen Metal-Riffs das musikalische Geschehen. Ein ähnliches
Bild entsteht bei „Illusions“ auch, was den Gesang betrifft.
Auch diesbezüglich wird von hart bis gefühlsbetont so ziemlich
jede Nuance geboten. Mir gefallen ARWEN dann am besten, wenn traditionelle
Folklore-Elemente in den Songs mitverarbeitet werden. Als Beispiel hierfür
sollte unbedingt „Keltia“ testgehört werden. Als Vergleich
fallen mir generell die neueren Werke aus dem Hause ANGRA ein, obwohl bei
denen logischerweise der weibliche Gesang fehlt (wieso? Is des ka Frau,
die da singt... *g*? Andi). Wie die Brasilianer drücken auch ARWEN
von Zeit zu Zeit ordentlich aufs Tempo, was den Spanier ganz gut zu Gesicht
steht, nur bei „Touch The Sky“ liegen ARWEN zu nahe an Kai
Hansen und seinen „Strahlemännern“. Sehr gelungen ist
auch die Ballade „Lullaby“, die allerdings auch aus einem Musical
stammen könnte und ein wenig fehlplaziert auf der Scheibe wirkt. Trotz
dieser unterschiedlichen Stilistiken ist es ARWEN gelungen, ein Album abzuliefern,
dass über weite Strecken wie aus einem Guss klingt, weshalb Liebhaber
metallischer Melodien jeglicher Couleur hier bestens bedient sein sollten.
Walter
BELLGRAVE - My Soul Is My Gun (Locomotive/Al!ve)
Wenn die Seele ein Gewehr und somit eine Bedrohung darstellt, darf nicht
vergessen werden, dass auch die Stimmbänder von Sänger Danny
waffenscheinpflichtig sein müssten. Danny scheint wohl allmorgendlich
eine gehörige Portion Stahlstifte zu gurgeln (wahrscheinlich... Andi),
um derart raue Stimme zu erhalten. Das deutsche Quintett BELLGRAVE, das
uns hier ihr „Seelenleben“ preisgibt, zelebriert heftigen Düsterrock
mit der genannten derben Stimme in derart kompetenter Form, dass die Zielgruppe
nicht mehr länger gen Finnland blicken muss. Als Vergleich drängen
sich SENTENCED geradezu auf, obwohl BELLGRAVE noch eine Nuance heftiger
und vor allem rockiger vorgehen. Mit in Richtung Grundwasser gestimmten
Klampfen können Ulf und Alex für die richtige Untermalung der
bereits erwähnten Stimme sorgen und lassen das Album zu einem Genrehighlight
gedeihen. Vor allem der Opener „Cold Bleeding Angel“ und der
Titelsong haben noch dazu das Zeug in einschlägigen Tanztempel demnächst
zum Standardprogramm gezählt zu werden; wurden in jenen Songs doch
grenzgeniale Hooks eingebaut, die so schnell nicht mehr aus den Gehörgängen
zu entfernen sind.
Walter
DARK MOOR - Beyond The Sea (Arise/Point)
DARK MOOR zählen seit Jahren zu den festen Größen der spanischen
Metal-Szene und sind eines der Aushängeschilder ihres Labels. Auf
ihrem mittlerweile fünften vollständigen Werk, dem zweiten übrigens
seit der Umbesetzung – wir erinnern uns an die „Splittergruppe“,
die seit einiger Zeit unter dem Banner DREAMAKER für Furore sorgt
(natürlich, Walter, wir erinnern uns alle... Andi) – hat sich
stilistisch mit Ausnahme des Gesangs kaum etwas geändert. Noch immer
versucht sich das Quartett (ja, im Moment zählen tatsächlich
nur vier Musiker zum fixen LineUp, die Keyboards auf „Beyond The
Sea“ spielte Drummer Andy ein) an einer Melange aus traditionellem
Melodic Metal, einer ordentlichen Dosis Bombast und einigen progressiven
Einschüben. Auf „Beyond The Sea“ kommt allerdings deutlicher
als bisher die Liebe der Musiker zu beinahe poppigen Arrangements zum Tragen.
Auch produktionstechnisch wurde offensichtlich darauf geachtet, möglichst
glatt poliert zu klingen, was den Arrangements sehr zu Gute kommt, den
Nummern aber im Gegenzug leider zahlreiche Ecken und Kanten genommen hat.
Problematisch stellt sich meiner Meinung nach aber die Tatsache heraus,
dass den Songs auch die Hooks abhanden gekommen sind, weshalb das Material
auch nach dem x-ten Durchlauf nicht so recht haften bleiben will. Vielleicht
sollte man beim nächsten Album wieder ein wenig mehr an den Songs
an sich feilen und nicht nur an der Produktion und den Arrangements.
Walter
DAYSEND - Severance (Locomotive/Al!ve)
Moderner, melodiöser Todesmörtel wird schon längst nicht
mehr nur in Schweden gemischt. In Australien haben sich fünf Maurergesellen
(okay, eigentlich nur vier, denn mit Meredith Webster ist auch eine Gesellin
mit von der Partie) unter dem Namen DAYSEND zusammengefunden um ein derartiges
Produkt zu gestalten. Aus den Zutaten ARCH ENEMY, SOILWORK und neueren
ENTOMBED kreieren die Australier einen recht deftigen Mix, der ab und zu
noch von STRAPPING YOUNG LAD-lastigen Einschüben aufgepeppt wird.
Neben der Musik an sich weiß auch Sänger Simon Calabrese zu
beeindrucken. Zu den erwarteten tiefergelegten Vocals gesellen sich nämlich
gar nicht so selten melodiöse Gesangsparts, bei denen der Kerl beweist,
dass er auch in einer gemäßigteren Metal-Band seine Berechtigung
hätte. Weiteres erwähnenswert erscheint mir der donnernde Groove,
der in einem Großteil der Kompositionen zu vernehmen ist. Offensichtlich
hat Drummer Wayne Morris diesbezüglich in Charlie Benannte seinen
Meister gefunden. Diese Mischung aus den genannten Zutaten, purer
Aggression und dem dazu passenden druckvollen Sound ergeben ein mehr als
nur interessantes Album, auf dem keine Schwächen zu erkennen sind.
Walter
DREAMAKER - Enclosed (Arise/Point)
Der Grund, weshalb Elisa C. Martin, Albert Maroto (G) und Jorge Saez (D)
vor einiger Zeit DARK MOOR verlassen haben um unter dem Banner DREAMAKER
ihr Glück zu versuchen, war bereits auf dem Debüt „Human
Device“ nachzuvollziehen. Noch viel deutlicher wird der Ausstieg,
wenn man sich „Enclosed“ unmittelbar nach dem neuesten Werk
ihrer ehemaligen Mitstreiter zu Gemüte führt. Musikalisch hat
sich das Sextett in der Zwischenzeit so deutlich von Sound ihrer ehemaligen
Band entfernt, dass Unwissende nie im Leben auf einen Zusammenhang schließen
würden.DREAMAKER klingen mittlerweile nicht nur wesentlich härter,
sondern haben auch sehr moderne Rhythmen in ihre Musik einfließen
lassen. Auch Elisa´s Stimme kommt in dieser musikalischen Ausrichtung
wesentlich besser zur Geltung. Offensichtlich war die Dame immer schon
recht aggressiv, wurde diesbezüglich im „dunklen Moor“ aber
immer ein wenig eingebremst. „Enclosed“ ist eine coole Mischung
aus traditionellen und modernen Elementen geworden, die nicht nur in den
Halswirbel geht, sondern auch das Gebein zum Mitmachen animiert. Wäre
diese Band aus den Staaten, würde man DREAMAKER wohl demnächst
in den einschlägigen Musikkanälen bewundern können.
Walter
EYES OF SHIVA - Eyes Of Soul (Locomotive/Al!ve)
Das noch recht junge brasilianische Quintett EYES OF SHIVA hat das Glück,
sein Debüt über ein einigermaßen renommiertes Label veröffentlichen
zu können. Erst seit knapp vier Jahren aktiv, zeigen uns diese Südamerikaner
einmal mehr, dass es in dieser Region eine Unzahl junger hungriger Musiker
mit jeder Menge Talent zu geben scheint. „Eyes Of Soul“ ist
ein prächtiges, höchstmelodiöses Werk geworden, auf dem
EYES OF SHIVA von traditionellem Hardrock über HELLOWEEN-verdächtige
Melodiebögen bis hin zu dezent an DREAM THEATER erinnernden Einschüben
ein breite Bandbreite an Einflüssen zu einer eigenständigen Mischung
verarbeitet haben. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass offiziell
kein Keyboarder mit zum LineUp gehört, dieses Instrument jedoch eine
nicht zu verachtende Rolle spielt. Da Fabio Laguna, seines Zeichens Tastendrücker
bei ANGRA, die Scheibe produziert hat, nehme ich einmal an, dass der gute
Mann diesbezüglich Hilfestellung geleistet hat. Wie man die Musik
bei sich bietender Gelegenheit auf den Bühnen präsentieren wird,
bleibt abzuwarten, sollte aber kein allzu großes Problem darstellen.
Mit EYES OF SHIVA ist die brasilianische Szene ebenso um ein Juwel reicher,
wie auch das Label.
Walter
FROZEN TEARS - Metal Hurricane (Steelheart)
Das italienische Quintett FROZEN TEARS bekennt sich offenkundig zu seinen
Einflüssen, die auf die Namen JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN oder SAXON
hören. „Metal Hurricane“ ist wohl nicht zuletzt aus diesem
Grunde auch genau das geworden, was man diesbezüglich erwarten durfte.
Ein Album, das vor Metal in seiner ureigensten Form nur so strotzt. FROZEN
TEARS sind mitnichten Newcomer, denn vorliegendes Album ist bereits das
dritte der Band (na dann. Andi). Die beiden Vorgänger „Mysterious
Time“ (2000) und „Way Of Temptation“ (2002) erschienen über
das brasilianische Label Megahard, für das neue Werk hat man nun mit
Steelheart Records einen ebenfalls in Italien beheimateten Businesspartner
gefunden, was ein Arbeiten mit Sicherheit einfacher gestaltet. Das Quintett
rund um die Gebrüder Alessio (V) und Leonard Taiti (G) dürfte
sich seit den „Megahard“-Jahren allerdings sehr wohl ein wenig
weiterentwickelt haben. Auf „Metal Hurricane“ ist nämlich
zum ersten Mal kein Keyboarder mehr mit von der Partie, was dem traditionellen
Metal sicher zu Gute kommt. Begonnen beim Cover über die neun Eigenkompositionen
bis hin zum Finale Grande in Form einer mitreißenden Coverversion
von „Some Heads Are Gonna Roll“ ist auf dieser Scheibe schlicht
und ergreifend alles METAL geworden. Und das ist auch gut so.
Walter
VOYAGER - Element V (DVS Records/CM Distro)
Interessantes kommt wieder einmal aus dem fernen Australien auf uns zu.
Diesmal in Form von „Element V“, dem Debüt eines Quintetts
mit den Namen VOYAGER. Wie der Bandname bereits andeutet, begeben sich
die Jungs auf eine musikalische Reise (schnarch... Andi), deren Ziel es
zu sein scheint, möglichst viele „Destinationen“ zu erreichen
(jo. Weckts mi auf, wenn’s dort seids, danke. Andi). Die musikalische
Heimat der Band an sich dürfte der Progressive Metal sein, denn ein
Großteil der Kompositionen ist in diesem Bereich anzusiedeln. Allerdings
scheut man sich überhaupt nicht davor, auf musikalische Wanderschaft
zu gehen. So wissen die Aussies auch durch Einsprengsel des amerikanischen
Power Metal zu überzeugen, statten Götheborg eine Kurzvisite
ab und haben - wie im Techno- (oder wie auch immer diese Art von Musik
genannt wird…) -lastigen Titeltrack nachzuvollziehen - offensichtlich
auch schon an der „Love-Parade“ teilgenommen. Dabei scheinen
VOYAGER die Sprache einigermaßen erlernt zu haben (oida... wos is
des scho wieder für a Review?! Andi) und ließen es sich
nicht nehmen, in „The Eleventh Meridian“, einen Teil der Texte
auf Deutsch vorzutragen. Als gemeinsame Vorliebe des Fünfers darf
auch Italien angesehen werden, denn symphonische Passagen der RHAPSODY-Klasse
finden sich ebenfalls auf der „Element V“. Lasst Euch
mitnehmen auf eine interessante musikalische Reise, deren Ziel zwar nicht
genau definiert werden kann, die aber eine Vielzahl an Attraktionen zu
bieten hat!
Walter
LABYRINTH – Freeman (Arise/Point)
Eine recht deutliche Wende nahm die Karriere der Italiener LABYRINTH vor
einiger Zeit. Galt die Formation zu Zeiten ihrer ersten Veröffentlichungen
als Geheimtipp und wurde diesbezüglich in weiterer Folge von Metal
Blade unter Vertrag genommen und nach kurzer Zusammenarbeit mit HAMMERFALL,
PRIMAL FEAR und PEGAZUS auf groß angelegte Europa-Tournee geschickt,
so musste sich die Band auf Grund diverser Umbesetzungen und geschäftlichen
Ungereimtheiten mit besagtem Label alsbald wieder als „Underground-Act“ fieren
lassen. Nachdem das Line-Up wieder komplettiert war und LABYRINTH sich
dazu entschlossen, fortan auf ihre Pseudonyme zu verzichten, wagten die
Herrschaften mit einem wahrscheinlich nicht grundlos selbstbetitelten Werk
im Jahre 2003 bei Century Media quasi einen Neubeginn. Schon auf
dieser Scheibe wurde deutlich, dass man die Vergangenheit musikalisch hinter
sich zu lassen versuchte, denn besagtes Album verdeutlichte die musikalische
Umorientierung in Richtung progressiver Klänge. Nach einem abermaligen
Labelwechsel hat man heutzutage zwar mit Arise das bislang kleinste Label
als Partner, dafür wohl aber die Chance, intern zur Nummer Eins zu
werden. „Freeman“, so der Titel des aktuellsten Werkes,
erinnert vor allem durch das teilweise recht frickelige Vorgehen mitunter
an Genregrößen wie das „Traumtheater“, nachzuhören
beispielsweise im Opener „L.Y.A.F.H“, allerdings scheuen die
Italiener, wie in „Face And Pay“, nicht davor zurück gar
Elemente aus dem Jazz-Bereich mit in ihren runderneuerten Sound zu verarbeiten.
Andere Passagen wiederum lassen dem Hörer Gänsehäute ohne
Ende über den Rücken laufen, derart gefühlvoll gehen die
ehemaligen „Power Speedies“ zu Werke. Zwischen diesen
Extrema stehen LABYRINTH anno 2005 und eben diese stilistische Bandbreite
macht diese Scheibe in Verbindung mit den zahlreichen, erst nach einigen
Durchläufen zu entdeckenden Überraschungsmomenten, so interessant. „Freeman“ könnte
als Synonym für das Freispielen einer Band von den von ihr erwarteten
Klängen stehen, denn mit jenen hat dieses Album so gut wie NICHTS
mehr gemein.
Walter
LANFEAR - Another Golden Rage (Massacre/Soulfood)
Ich erinnere mich noch sehr genau an „Zero Poems“, jene Scheibe
mit der ich zum ersten Mal mit dem Namen LANFEAR Bekanntschaft machen durfte.
Damals (1999) klang die Musik dieser süddeutschen Formation noch recht
progressiv, aber dennoch einigermaßen kraftvoll. Im Laufe der Zeit
entwickelten sich LANFEAR immer mehr in Richtung Power Metal, was nicht
zuletzt an der Tatsache lag, dass mit Tobias Althammer ein neuer Sänger
ins Line-Up integriert werden konnte. Als erste Veröffentlichung dieser
Liasion erschien im Jahre 2003 „The Art Effect“, ein Album,
das von Presse und Fans gleichermaßen wohlwollend aufgenommen wurde.
Auf „Another Golden Rage“ beweisen die Herrschaften einmal
mehr, das Power Metal etwas Anderes ist, als jene Musik, mit der uns unzählige
Formationen aus aller Herren Länder versuchen ihre kompetent vorgetragenen,
aber gleichzeitig auch zu sehr glatt gebügelten, Melodiereigen unterzujubeln.
Auch wenn es LANFEAR inzwischen nicht mehr gerne hören, wenn ihre
Musik als „progressiv“ bezeichnet wird, ganz kommt man an diesem
Attribut nicht vorbei. „The Unrestrained“ beispielsweise erinnert
an MAGNITUDE 9, die ja auch mit besagter Form von Metal in Verbindung zu
bringen sind. Wie auch immer, „Another Golden Rage“, übrigens
ein Konzeptalbum, in dem die Geschichte von Göttern erzählt wird,
denen es nicht mehr bewusst ist, dass sie solche Wesen sind, zeigt LANFEAR
in Topform und mit einer gehörigen Portion Innovationsfreude. So enthält „Shades
of Black“ neben dem klaren Gesang von Tobias auch Black Metal-Gekreische
(von Bassist Alexander Palma gut und glaubwürdig intoniert), was für
Atmosphäre zu sorgen weiß und in „Eternally“, eine
der gefühlvollsten Balladen die mir in letzter Zeit zu Ohren gekommen
ist, kommt ein Saxophon zum Einsatz, das perfekt in das Gesamtbild des
Songs eingefügt werden konnte. In erster Linie ist es aber dennoch
die Durchschlagskraft der Songs, die den Zuhörer in ihren Bann ziehen
werden.
Walter
RAISING FEAR – Mythos (Dragonheart/NSM)
Bislang waren RAISING FEAR mit einem „Promo 2003“ genannten
Demo in Erscheinung getreten, auf welchem die Historien von Geschöpfen
der Geschichte und Mythologie vertont wurden. „Mythos“ setzt
diesbezüglich genau da fort, wenn auch mit „Gilgamesh“ und „Theseus“ nur
zwei Songs davon auf vorliegender Scheibe verewigt wurden. Musikalisch
sind sich die Italiener ebenso treu geblieben. Noch immer dominiert der
kraftvolle Metal, der zu gleichen Teilen von amerikanischen Vorbildern
und Größen der europäischen Szene inspiriert zu sein scheint.
Vor allem was den Gesang betrifft scheint Rob DF in Chris Boltendahl von
GRAVE DIGGER seinen Meister gefunden zu haben, aber auch „Uns Udo“ lässt
sich nicht verleugnen, wenn es darum geht musikalische Einflussquellen
hinsichtlich der Stimme zu erörtern. Abgesehen vom Gesang dominiert
auf „Mythos“ generell einmal mehr das Wechselspiel von Alberto
Toniolo und seines Mitstreiters Yorick an den beiden Gitarren. Sie wechseln
im Zusammenspiel zwischen heftigem Power Metal der VICIOUS RUMORS / METAL
CHURCH -Tradition und eher symphonisch angelegten Leads. Die Rhythmusfraktion
agiert unauffällig, aber effizient und lässt „Mythos“ somit
zu einem kompakten Werk werden. Auch der Sound ist dementsprechend druckvoll
ausgefallen und kann für Bonuspunkte sorgen, die allerdings für
das recht kitschige und vor allem farbtechnisch sehr unvorteilhaft gestaltete
Cover wieder abgezogen werden müssen.
Walter
RUNAMOK - Back For Revenge (Metal Axe/Point)
Lasst Euch bitte vom albernen Cover nicht täuschen! Die Musik ist
wesentlich besser geworden, als man es vermuten würde. Unter derBezeichnung
RUNAMOK haben sich STORMWITCH-Gitarrist Fabian Schwarz (hier auch für
den Gesang zuständig), der ehemalige TYRAN PACE-Gitarrist Oliver Kaufmann
sowie Freddy Schartl (B) und Mario Schmitt (D) zusammengetan, um ihrer
gemeinsamen Liebe zu frönen. Diese nennt sich wohl Speed und Thrash
Metal, wobei vor allem ANNIHILATOR, MEGADETH und PANTERA als Einflussquellen
zu erwähnen sind. Tempomäßig ist vom speedigen Up-Tempo-Banger
bis hin zu Stakkato-Riff-haltigen Songs ebenso die gesamte Bandbreite vorhanden,
wie man sie aus einer gedachten Schnittmenge der genannten Referenzformationen
erwartet. Da ein Teil der Musiker bereits längere Zeit in der Szene
aktiv ist, verwundert es zu dem kaum, dass man im Prinzip das Genre Thrash
Metal von den Anfangszeiten bis hin zu jenen Auswüchsen, die in den
90er Jahren als „modern“ bezeichnet wurden, geboten bekommt.
Auch die Stimme von Florian fügt sich gut in das Gesamtbild ein, obwohl
der Kerl nicht unbedingt zur Kategorie der „Barden“ zu zählen
ist, aber das kann man ja auch weder von Dave Mustaine noch von Jeff Waters
behaupten, um die Vergleiche fortzusetzen. Die Songs an sich sind
nachvollziehbar, verfügen mitunter auch über zwingende Hooks
und zeigen, dass es den Musikern offensichtlich wichtiger ist als Band
bei den Fans gut anzukommen, als sich selbst übertrieben in den Vordergrund
spielen zu müssen. So verzichtete man auf Soloeskapaden und anderen
Firlefanz, um dem Motto „Schuster bleib´ bei deinen Leisten“ treu
zu bleiben. Lediglich die Ballade „Deliverance“ ist, so hoffe
ich zumindest, als „Experiment“ zu betrachten, denn diese kann
mit den anderen Songs bei weitem nicht mithalten.
Walter
STAR RATS - Broken Halo (Adrenaline Records)
Lust auf klassischen amerikanischen Hardrock? Appetit auf richtig fetzige
Riffs und Melodien, wie wir sie vor einigen Jahren von SKID ROW, MÖTLEY
CRÜE und Konsorten gehört und geliebt haben?
Dann sofort ab zum Plattendealer Eures Vertrauens und nach dieser Scheibe
gefragt! Das dänische Quartett, deren Mitglieder schon mit Bands
wie PUSH oder PRIMETIME in der Szene aktiv waren, setzt uns mit „Broken
Halo“ ein Werk vor, das den Spirit der oben genannten Formationen
auch heutzutage noch problemlos versprühen kann. Neben gutgemachten
Eigenkompositionen offeriert uns die Band auch ein gelungenes Cover von
BILLY IDOL´s Hit „Dancing With Myself“, das sich gut
ins Gesamtbild einfügt, gegenüber dem Original aber einiges mehr
an Power zu bieten hat. Generell ist gute Laune ohne Ende angesagt, Melodien
sind ebenso zahlreich vorhanden und die dazugehörige Attitude passt
auch, was wollen wir also noch mehr? Konzerte der Band vielleicht,
denn diese Art von Musik gehört auf die Bühnen dieser Welt, was
das Quartett zumindest in ihrer Heimat bereits als Support-Act für
ALICE COOPER und SKID ROW beweisen durfte.
Walter
MADE OF IRON - Same (Sonic Age Records)
Wenn eine Band, die vor Jahren als IRON MAIDEN-Coverband begonnen hat,
diesen Querverweis in ihrem Bandnamen beibehält, ist im Prinzip der
Vergleich bereits vorgegeben. Vor allem was die Gitarrenarbeit von Nicko
Nikolaidis betrifft, liegt man diesbezüglich auch gar nicht so schlecht.
Der Gesang von Jim Over dagegen orientiert sich wesentlich weniger an Meister
Dickinson, sondern schafft es sogar, der Musik eine durchaus eigene Note
zu verabreichen. Zwischenzeitlich erinnern MADE OF IRON auch ein wenig
an die Schweden WOLF, aber bei denen sind ja MAIDEN auch allgegenwärtig. Überzeugend
an der Scheibe ist in erster Linie die Eingängigkeit, weshalb der
Grossteil der Kompositionen schon nach wenigen Durchläufen für
immer in den Gehirnwindungen des Hörers verewigt ist. Da auch eine
Menge andere Einflüsse, wie teutonischer Metal der MAJESTY-Kategorie
oder verhaltene, gefühlvolle Passagen (man beachte den Beginn von „Time
To Repent“) auf diesem Album verewigt wurden, ist der direkte Vergleich
zu den Jungfrauen wohl in erster Linie auf den nicht gerade optimal gewählten
Bandnamen zurückzuführen.
Walter
VALKIJA - Avengers Of Steel (Sonic Age Records)
Wer schon länger nach den legitimen Nachfolgern der alten WARLOCK
gesucht hat, mit der Musik von Fräulein Pesch in den letzten Jahren
aber nicht mehr allzu viel anfangen konnte und gleichzeitig ein Faible
für traditionellen, schwer in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts
verwurzelten Metal hat, sollte sich den Namen VALKIJA notieren. Diese aus
Italien stammende Band mit Frontdame Zoraija zelebriert geradezu diese
Art von Musik, die das Flair und die Unbekümmertheit früher WARLOCK,
ein wenig vom Pathos von ZED YAGO (man beachte den Gesang bei „Sign
Of the Hammer“) und dazu Einflüsse klassischer Metal-Formationen
mit Dame, wie MALTEZE oder gar HELLION gekonnt verknüpft. Die amerikanischen
Anteile sind zwar deutlich in der Unterzahl, lediglich am europäischen
Metal orientieren sich VALKIJA aber ebenfalls nicht. Zumeist wird ordentlich
aufs Gaspedal gedrückt, in den wenigen Verschnaufpausen schaffen es
die Italiener aber gekonnt für Gänsehautfeeling zu sorgen. Da
auch die Produktion diesbezüglich nostalgisch klingt und sich mit
Sonic Age wohl auch das rechte Label um die Belange der Band kümmert,
sollte die Zielgruppe feststehen. Eben diese wird „Avengers Of Steel“ auf
Anhieb in die metallenen Herzen schließen.
Walter
SECOND HEAT - Same (AOR Heaven/Soulfood)
Offensichtlich reicht den Herren Thomas Löyskä (B), Patrik Svärd
(G) und Niclas Olsson (K) ihre Beschäftigung bei den eher AOR-lastigen
ALYSON AVENUE nicht aus, um ihre musikalischen Ideen vollständig verarbeiten
zu können. Mit SECOND HEAT wurde ein neues Betätigungsfeld ins
Leben gerufen, bei dem sie von Roger Landin (D, CLOUDSCAPE, ex-ALYSON AVENUE)
und Thomas Bursell (V) unterstützt werden. Vielleicht waren die Songs
schlicht und ergreifend unpassend für ihre Stammformation, denn SECOND
HEAT gehen im Gegensatz zu ALYSON AVENUE heftiger zu Werke. Zwar haben
wir es immer noch mit melodiösem Hardrock zu tun, doch für SECOND
HEAT sind andere Anhaltspunkte zu geben, um deren Klang zu erfassen. Durch
die stimmliche Nähe von Thomas zu Gary Barden müssen unbedingt
MSG genannt werden, wenn auch härtemäßig eher jene
Phase von MSG als Vergleich herangezogen werden sollte, in der Robin McAuley
für den Gesang zuständig war. Aber auch die PRAYING MANTIS klingen
nicht unähnlich und passen nicht schlecht als Vergleich. Die Kompositionen
an sich sind sehr eingängig und leben, wie bei dieser Art von Musik
fast obligatorisch, vor allem vom Wechselspiel von Gitarre und Keyboard.
Da im Moment wohl keine der beiden Bands großartige finanzielle Erfolge
für die involvierten Musiker bringen kann, nehme ich einmal an, dass
die Herren wohl in Zukunft zweigleisig fahren werden, was auf Grund der
musikalischen Unterschiede zwischen ALYSON AVENUE und SECOND HEAT aber
durchaus Sinn macht.
Walter
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