| COMMUNIC - Conspiracy In Mind (Nuclear
Blast/edel)
An sich macht es mich skeptisch, wenn ein Album
schon im Vorfeld als eine der besten Platten aller Zeiten abgefeiert wird.
In diesem Fall sind die Lobeshymnen allerdings mehr als gerechtfertigt.
Ich denke, dass man Communic schon jetzt zumindest als DIE Entdeckung
2005 bezeichnen darf. Im März 2003 starteten die beiden in Norwegen
beheimateten Scariot-Musiker Oddleif Stensland (g., voc.) und Tor Atle
Andersen (d.) ein Projekt, dem man den Namen Communic gab. Mit dem Einstieg
von Erik Mortesen (b.) war die Band wenig später komplett. Ihr erstes
Demo wurde vom Rock Hard im Mai 2004 zum "Demo des Monats" gekürt,
was dem Trio in weiterer Folge zu einem Vertrag bei Nuclear Blast verhalf.
Vom stimmlichen her assoziert man Communic zunächst unwillkürlich
mit Sanctuary bzw. Nevermore. Musikalisch geht es allerdings wesentlich
vielschichtiger zur Sache, da man klassischen wie modernen Metal zu einem
höchst eigenständigen Klangteppich von enormer atmosphärischer
Dichte verwebt. Der Bogen spannt sich von melodischer Power bis zu knüppelhartem
Thrash mit enormem Groove und monumentalen, leicht progressiv angehauchten
Arrangements. Der kürzeste der insgesamt 7 Songs ist bereits stattliche
6:44 Minuten lang und mit "They Feed Our Fear" und "Silence
Surrounds" erreicht man gleich zweimal die 10 Minuten-Marke. Von
Langeweile oder Durchhängern dennoch keine Spur. Genialn wie diese
Band gefühlvolle Melodien und brutalste Riffs miteinander verknüpftn
ohne je den roten Faden zu verlieren. Hier werden uns die Hammerriffs
gleich serienweise um die Ohren geschmettert, die Rhythmsection reiht
ein geniales Break ans andere und Sänger Oddleif Stensland packt
enorm viel Seele in seinen Gesang und brilliert in allen erdenklichen
Stimmlagen. Als Vergleich würde ich ganz vorsichtig die Schnittmenge
aus Testament, Iced Earth, Judas Priest, frühen Savatage und natürlich
Nevermore heranziehen. Anspieltipp kann ich in diesem Fall keinen empfehlen,
"Conspiracy In Mind " enthält definitiv keine Ausfälle.
Mein persönlicher Favorit ist das finale 11minütige "Silence
Surrounds", das den Facettenreichtum Communics wohl am eindrucksvollsten
widerspiegelt. Ich habe schon lang kein Album mehr erlebt, dass selbst
nach dem x-ten Hördurchgang noch immer weiter wächst und schlichtweg
süchtig macht. Communic haben mit ihrem Debüt ein höllisch
gutes Stück Schwermetall geschmiedet, das die Klientel sämtlicher
metallischer Lager ansprechen sollte. Weltklasse!
Ger-Hard
FOZZY - All That Remains (SPV/edel)
Eigentlich hatte ich Fozzy als zweitklassige 80er
Metal Coverband von eher zweifelhaftem Unterhaltungswert in Erinnerung.
Gegründet wurde die Band von dem Wrestler Chris Jericho (voc.) und
dem Gitarristen Rich Ward (Ex-Stuck Mojo). Auf dem bislang dritten Album
beschränkt man sich nun erstmals ausschließlich auf Eigenkompositionen
und überrascht mit einer erstaunlich modern klingenden Produktion.
Schon der zweite Song "Enemy" besitzt eindeutig Hitqualitäten.
Fozzy vermischen verschiedenste Stile wie modernen Rock/Hardrock mit Nu
Metal und einer Prise Metalcore ("Born Of Anger"). Die Songs
sind heavy, strotzen vor Energie und sind extrem vielfältig. Chris
Jericho entpuppt sich als erstaunlich talentierter Sänger, dessen
Stimme fallweise eine deutliche Ozzy-Schlagseite aufweist. Zudem hinterlassen
die Auftritte namhafter Szenegrößen wie Zakk Wylde (Ozzy),
Marty Friedman (Ex-Megadeth) und Marc Termonti (Creed, Alter Bridge) ihre
Spuren und dürften Fozzy zusätzliche Publicity verschaffen.
Die von „Bone Crusher“ eingerappten Parts bei „It’s
A Lie“ sorgen für ebenfalls Abwechslung, werden bei Traditionalisten
allerdings fraglos auf Ablehnung stoßen (hübsch formuliert
hamma das... Andi). Als groben Vergleich würde ich den Fozzy-Sound
als Crossover aus Ozzy, 3 Doors Down, Alter Bridge und Disturbed chrakterisieren.
Wobei Vergleiche hier zwangsläufig hinken, da jeder Song eigenen
Reiz und Ausstrahlung besitzt. Hier war man deutlich hörbar um Eigenständigkeit,
Abwechslung und Kreativität bemüht. Die Scheibe macht durchgehend
Spaß und sei allen jenen die modern angehauchten Metal mögen
wärmstens ans Herz gelegt.
Ger-Hard
IOMMI with GLENN HUGHES - The 1996 DEP Sessions
(Sanctuary)
Sein Name wird auf ewig untrennbar mit Black Sabbath
verbunden sein. Er hat zweifellos einige der großartigsten Riffs
der Rockgeschichte geschrieben. 1986 veröffentlichte Toni Iommi nach
einem kurzen Intermezzo mit Ian Gillan als Black Sabbath-Sänger ("Born
Again") das von Glenn Hughes eingesungene "Seventh Star"-Album,
welches ursprünglich als Iommi Soloalbum geplant war und schlussendlich
aus marketingtechnischen Gründen als "Black Sabbath feat. Toni
Iommi" veröffentlicht wurde. Meiner Meinung nach das wohl unterbewertetste
Sabbath-Album überhaupt. Mitte der 90er bat Iommi dann Hughes neuerlich
um seine Mitarbeit. Bedauerlicherweise wurde das Material nie veröffentlicht
und geisterte jahrelang unter dem Titel "Eight Star" in Form
minderwertiger mp3s durch diverse Tauschbörsen. Im Frühjahr
2004 entschloss sich Iommi die Originalaufnahmen nochmals zu überarbeiten
und die Drumparts von Jimmy Copley neu einspielen zu lassen. Stilistisch
bewegt sich das Material zwischen dem ´86er Iommi/Hughes-Album Seventh
Star und der düsteren Heaviness der frühen Black Sabbath Jahre.
Mit gewohnter Lässigkeit lässt Iommi eine Riff-Dampfwalze nach
der anderen auf den Hörer zurollen und Glenn Hughes drückt den
Songs mit seinem kraftvollen souligen Gesang einen unverkennbaren Stempel
auf. Diese Musik ist zeitlos und klingt trotz einer Spanne von 9 Jahren
zwischen Aufnahme und Veröffentlichung in keinster Weise angestaubt.
Anspieltipps: der wuchtige Opener "Gone" bzw. das von Glenn
grandios gesungene "Time Is The Healer". Die Spielzeit ist mit
knapp 38 Minuten für heutige Verhältnisse zwar etwas dürftig.
Für Black Sabbath Fans (und nicht nur die) dennoch definitiv ein
Pflichtkauf.
Ger-Hard
SETH – Era-Decay (Avantgarde Music)
Bereits seit mehreren Jahren ist diese französische
Formation im Untergrund aktiv. Auf ihrem mittlerweile vierten Album zelebrieren
die Herrschaften eine brutale Mischung aus Death und jeder Menge Black
Metal, wobei vor allem Sänger Black Messiah mit seinem mitunter recht
hysterischen Gekreische eindeutig zum zweit genannten Genre zu zählen
ist, obwohl seine Stimme doch einigermaßen tiefer klingt als bei
vielen seiner Sangeskollegen. Auffällig an der Musik von SETH ist
die Liebe zur Abwechslung, denn vorhersehbar ist die Musik der Franzosen
zu keiner Sekunde. Die Gitarrenfraktion agiert auf höchstem technischem
Niveau, was sich allerdings ein wenig negativ auf die Nachvollziehbarkeit
der Songs auswirkt, da diese dadurch ein wenig zerfranst wirken. Trotz
aller Perfektion an den Instrumenten sollte überdacht werden, ob
es nicht sinnvoller wäre, ein wenig mehr songdienlich zu operieren.
Walter
STEEL ATTACK – Enslaved (Arise/Point)
Runderneuert zeigt man sich im Lager der schwedischen
Melodic Metaller STEEL ATTACK. Nicht nur ein neuer Businesspartner konnte
gefunden, auch im Line-Up hat es Veränderungen gegeben und selbst
die Musik hat sich im Vergleich zu jener, die wir unter dem Banner STEEL
ATTACK gewohnt waren, einigermaßen verändert. Während
die Schweden in der Vergangenheit Gefahr liefen, in den großen Topf
der HELLOWEEN / GAMMA RAY – Kopisten eingeordnet zu werden, ist
auf „Enslaved“ wesentlich mehr an Eigenständigkeit festzustellen.
Klar, eine Neuerfindung des melodiösen Metal durften wir von Herrschaften
ohnehin nicht erwarten, die Veränderung kommt allerdings zum besten
Zeitpunkt. Vor allem das Gitarrenduo Johan Jalonen und John Allen versteht
es perfekt, Melodien und Härte zu einer feinen Melange zu verarbeiten,
ohne dabei die oben angeführten Bands großartig zitieren zu
müssen. Auch der ehemalige LACK OF FAITH-Sänger Ronny Hemlin
kann für zusätzliche Pluspunkte sorgen, klingt sein Organ doch
wesentlich „voller“ als jenes seines Vorgängers. Daneben
ist auch das lyrische Konzept der Scheibe ein interessantes. STEEL ATTACK
haben sich sehr intensiv mit dem Thema Religion auseinander gesetzt, jedoch
kein Konzeptalbum an sich fabriziert, sondern es dabei belassen, die Texte
zu sämtlichen Songs in dieser Thematik anzusiedeln. In dieser Verfassung
sollten STEEL ATTACK eigentlich keinerlei Feindseligkeiten mehr entgegentreten,
denn musikalische Fähigkeiten sind in ausreichendem Maße vorhanden
und offensichtlich hat sich das Umdenken in Sachen Songwriting ebenfalls
positiv ausgewirkt.
Walter
BEHOLDER – Lethal Injection (Dragonheart/NSM)
Das Wechselspiel zwischen Weiblein und Männlein
am Mikro ist ja bei Gott schon lange nicht mehr neu. Allerdings muss ein
solches nicht gleichzeitig auch bedeuten, dass Gothic Metal auf dem Speiseplan
steht. Als Paradebeispiel für kraftvollen Metal in Kombination mit
einem Gesangspärchen dürfen ruhigen Gewissens die Italiener
BEHOLDER genannt werden. Patrick Wire und seine kongeniale Partnerin Leanan
Sidhe liefern sich über weite Strecken dieses Albums, dem mittlerweile
dritten der Band, regelrechte Sangesduelle. Auffällig daran ist auch,
dass es offensichtlich nicht um das bekannte Spielchen „Gut und
Böse“ bzw. Engel und Dämon, sondern um zwei gleichgestellte
Sangesbarden handelt. Im Gegensatz zu den Vorgängerwerken haben BEHOLDER
ihre Songs ein wenig an Atmosphäre abgespeckt um im Gegenzug ein
Quäntchen mehr Härte in die Songs zu packen. Was die Texte betrifft
haben BEHOLDER aber immer noch einen Hang zur Melancholie, wobei die lyrischen
Ergüsse allerdings perfekt mit der Musik harmonieren.
Walter
CIBORIUM – Overgrowing Human Void (Recital)
Eine recht rüde Mischung aus modernem Thrash
und Death Metal kredenzen uns diese Portugiesen, die unter dem Banner
CIBORIUM nun schon seit nahezu zehn Jahren zusammen musizieren. Zu diesen
Hauptbestandteilen gesellen sich allerdings auch teils recht melancholische
Passagen mit klaren Gesang, die vor allem aufgrund der etwas weinerlichen
Stimme in Richtung ALICE IN CHAINS tendieren. Für ausgefeilte Arrangements
scheinen CIBORIUM ebenfalls ein Faible zu haben, denn die Herrschaften
schaffen es ihre Kompositionen ungemein spannend zu gestalten und schrecken
auch nicht davor zurück artfremde Einflüsse zu verarbeiten.
Als Beispiel sei „Skyshaper“ genannt, bei dem durch den Einsatz
von Mandolinen ein angenehm entspanntes Flair entstanden ist und so die
Scheibe weiter aufgelockert wird. Was den Sound betrifft konnte das Optimum
aus den Instrumenten herausgeholt werden, wodurch „Overgrowing Human
Void“ zu einem wahren Schmankerl gedeihen konnte.
Walter
EMINENCE – Humanology (Timeless Records/TwoFatMen)
EMINENCE stammen aus Brasilien, existieren seit
10 Jahren und haben mit Jairo Guedz ein ehemaliges SEPULTURA-Mitglied
in ihren Reihen. Jairo war bis zur Veröffentlichung von „Schizophrenia“
mit an Bord des (ehemaligen) brasilianischen Thrash Metal-Aushängeschilds
und ist nun eben mit seiner aktuellen Formation drauf und dran auch in
Europa Fuß zu fassen. „Humanology“, das in der Zwischenzeit
dritte Album von EMINENCE, beinhaltet, wie nicht anders zu erwarten, zum
größten Teil brachialen Thrash Metal. Allerdings klauen die
Herren zu keiner Sekunde bei ihren prominenteren Landsleuten, sondern
verstehen es ihren eigen Stil zu kreieren. Zu herkömmlichen Thrash–Versatzstücken
der SLAYER-Schule gesellen sich Industrial-Einflüsse und eine betont
modern agierende Rhythmus-Abteilung (Stichwort: MACHINE HEAD). Dadurch
und nicht zuletzt durch die hammerharte, ungemein druckvolle Produktion,
erinnert mich „Humanology“ ein wenig an die letzten Werke
der Chilenen CRIMINAL, die eine ähnliche Atmosphäre erzeugen
konnten. Fans von modernen Thrash Metal- Klängen sei diese Band dringend
ans Herz gelegt!
Walter
BLOODSTAINED – Greetings From Hell (Cult
Metal Classics)
In Griechenland wird traditioneller Power Metal
hochgeschätzt. Aber nicht nur der Erfolg von Formationen wie ICED
EARTH, die in Hellas eine riesige Fangemeinde haben, deutet darauf hin,
auch einheimische Bands verstehen es in diesem Subgenre feinste Töne
von sich zu geben. Die an Hoffnungsträgern ohnehin nicht gerade arme
griechische Metal-Szene sollte, vor allem was den Power Metal betrifft,
in absehbarer Zeit auch zu internationalem Ansehen kommen. Als besonderer
Geheimtipp seien BLOODSTAINED erwähnt. Das Quintett besticht auf
seinem Debut „Greetings From Hell“ mit Power Metal Kompositionen,
die alle Trademarks, die der geneignte Fan erwarten darf, beinhalten.
Egal, ob gnadenlos drückend, wie im Opener „Die By My Sword“
oder eher getragen bis episch wie in „Sacrifice“, die Griechen
wissen voll und ganz zu überzeugen. Mit Theodoros Gourlomatis hat
das Quinett noch dazu einen Sänger in seinen Reihen, der der häufig
an Harry Conklin von JAG PANZER erinnert, was keinesfalls als Kritikpunkt
zu werten ist, sondern eher als Qualitätsmerkmal zu verstehen ist.
BLOODSTAINED zählen mit diesem Album für mich zu den Entdeckungen
des vergangenen Jahres!
Walter
PERZONAL WAR – Faces (AFM/NSM)
Seit dem Beginn ihrer Karriere, damals zwar noch
PERSONAL WAR genannt, aber musikalisch durchaus schon auf dem noch heute
eingeschlagenen Weg, haftet dieser deutschen Band der Vergleich mit METALLICA
an den Fersen. Dabei hat „Faces“ musikalisch mit den Amis
nur noch wenig gemeinsam, allerdings hat Sänger Matthias Zimmer eine
sehr stark an James Hetfield erinnernde Stimme, weshalb diese Vergleiche
nicht so einfach aus der Welt zu schaffen sind. Zwar haben PERZONAL WAR
im Laufe der Jahre ihren Sound einigermaßen „aktualisiert“,
also ein wenig in Richtung „Moderne“ geschielt, allerdings
hat das Songwriting –Team der Band die Fähigkeit Ohrwürmer
geradezu aus dem Ärmel zu schütteln. So überzeugt „Faces“
mit vierzehn Kompositionen zwischen richtig heftig und eher getragen,
aber immer mit Schmackes und zwingenden Melodien. Die genial in Szene
gesetzte Produktion tut ihr übriges zu diesem gelungenen Werk, das
der Band hoffentlich überall den längstverdienten Zuspruch einbringen
wird.
Walter
OCEANS OF SADNESS - …Send In The Clowns
(Apache Productions/Sony)
Trotz des recht düster klingenden Bandnamens
hat sich das belgische Sextett OCEANS OF SADNESS keineswegs ausschließlich
tieftraurigen Melodien verschrieben. Zugegeben, auch derlei Klänge
sind in der exquisiten Melange der Herrschaften vorhanden, aber nur als
eine von zahlreichen Zutaten. Die Geschichte der Formation reicht ins
Jahre 1995 zurück, in dem auch das erste Demo „Forgotten Symphony
I“ eingespielt wurde. In weiterer Folge konnte man damit nahezu
ausnahmslos positive Kritiken einheimsen, was sich auch mit dem im Jahre
2001 erschienenen Debut „For We Are“, sowie dem im Jahr darauf
erschienenen „Laughing Tears – Crying Smile“ fortsetzen
ließ. Die zahlreichen Auftritte in den vergangenen Jahren mit unterschiedlichsten
Acts sind wohl ebenfalls nicht spurlos an den Musikern vorbeigegangen
und haben sich in Folge auch auf das ungemein mannigfaltige Songwriting
ausgewirkt. „….Send in The Clowns“ überzeugt mit
der eingangs erwähnten Melange unterschiedlichster Elemente, wobei
symphonischer Black Metal, Melodic Death Metal und nahezu frickelige Progressive
Metal Passagen die Hauptbestandteile der Musik der Belgier darstellen.
Dazu wurden gekonnt Elemente aus der Gothic-Ecke und dem traditionellen
Doom in die Songs gepackt, ohne dabei den berühmten „roten
Faden“ zu verlieren. Mit Tys Vanneste hat das Sextett noch dazu
einen Sangesakrobaten in seinen Reihen, der in allen genannten Subgenres
eine gute Figur abgeben würde und der es noch dazu schafft mit seinem
recht dunklen Timbre den Songs einen Hauch Melancholie zu verabreichen.
Nicht zu verachten ist auch die ungemein druckvolle Produktion, wobei
für den Mix Altmeister Attie Bauw zuständig war, der ja unter
anderem bereits für JUDAS PRIEST und CHANNEL ZERO an den Reglern
beste Arbeit geleistet hat. Von einer Mischung wie dieser sollte sich
nahezu jeder Metaller angesprochen fühlen!
Walter
CATARACT – With Triumph Comes Loss (Metal
Blade/NSM)
Die Schweizer CATARACT haben sich durch zahlreiche
Gigs und Tourneen mit BIOHAZARD, SICK OF IT ALL oder S.O.D. in den letzten
Jahren einen recht guten Ruf erspielen können. Doch nicht nur auf
den Brettern, die die Welt bedeuten funktioniert die Musik des Quintetts
einwandfrei, auch auf Tonkonserve verewigt wissen CATARCT zu überzeugen.
Ihre Mischung aus Thrash Metal, wobei ich hier vor allem Einflüsse
von SLAYER zu vernehmen meine, und Hardcore, diesbezüglich kann ich
für meinen Teil die NYC-Schule heraushören, ist an Durchschlagskraft
kaum zu überbieten. Zwar haben PRO-PAIN schon seit Jahren ein ähnliches
Stilgemisch fabriziert, allerdings scheinen die Herren rund um Gary Meskil
ihrer Zeit schlicht zuvor gekommen zu sein, denn anno 2004 ist nennt sich
diese Stilform „Metalcore“ und ist plötzlich „in“.
Auch mit ihrem aktuellen Silberling werden die Schweizer auf den Bühnen
der halben Welt präsent sein und man kann für die Herrschaften
nur hoffen, dass nach ihrem momentanen „Triumph“ nicht unmittelbar
der „Loss“ eintritt.
Walter
IMPIOUS – Hellucinate (Metal Blade/NSM)
“Höllisch” im wahrsten Sinne
des Wortes geht es auf diesem Silberling zu. Dabei meine ich keineswegs
irgendwelche satanistisch veranlagten lyrischen Ergüsse, sondern
das Tempo und die Brachialität mit der die Schweden IMPIOUS zu Werke
gehen. Zumeist legen die Gitarristen ein Tempo vor, dass für die
übrige Besetzung nur recht schwer zu halten ist, allerdings erweisen
sich Schlagzeuger Mikael Noren und Basser Erik Peterson als kompetente
Musiker, denen ein dermaßen hurtiges Tempo keinerlei Mühe bereitet.
Wer mit dem Namen IMPIOUS bereits vertraut ist, wird wissen, was ihn erwartet.
Für alle Anderen sei erwähnt, dass die Band seit 1994 existiert
und bereits mehrere Demos sowie zwei Cds veröffentlicht hat, wobei
ich ob meiner Unkenntnis dieser Werke keinen Kommentar zu etwaigen stilistischen
Änderungen geben kann. „Hellucinate“ ist in jedem Fall
ein amtlicher Brecher irgendwo in der Schnittmenge aus Thrash und Metalcore
geworden.
Walter
FATES WARNING – FWX (Metal Blade/NSM)
Lange hat es gedauert, für manche Zeitgenossen
eventuell zu lange, bis uns Jim Matheos und seine Mannen wieder ein neues
FATES WARNING-Album abgeliefert haben. Das schlicht „FWX“
betitelte Album setzt auf der einen Seite zwar die seit „A Pleasant
Shade Of Gray“ melancholische, dezent ins Depressive führende,
Marschrichtung fort, allerdings nur was die Stimmung des Albums betrifft.
Die Musik an sich zeigt sich abwechslungsreich und unvorhersehbar wie
nicht anders zu erwarten. Trotz seiner Führungsposition innerhalb
der Band schafft es Jim auch Songs zu komponieren, die auf Ray Alder geradezu
maßgeschneidert wirken, „Heal Me“ beispielsweise könnte
auch von Ray´s Side-Project ENGINE stammen. Dazu scheinen auch seine
eigenen Nebenaktivitäten nicht ganz spurlos an Meister Matheos vorüber
gezogen zu sein, so klingen einige Songs, oder zumindest Fragmente davon,
deutlich nach OSI. Im Gegensatz zu „Disconnected“, der letzten
Veröffentlichung von FATES WARNING finden die Songs allesamt wesentlich
schneller Zugang und bleiben trotz partieller Sperrigkeit problemlos in
den Gehörgängen haften. Mit der Tatsache, dass diese Band nie
wieder so klingen wird wie zu seligen „Awaken The Guardian“-Zeiten,
sollte sich mittlerweile auch der hartnäckigste, eingeschworenste
Fanatiker der Truppe abgefunden haben. FATES WARNING anno 2004 klingen
nun mal völlig anders als damals und kein Mensch sollte über
diese musikalische Leistung lästern, denn als gelungen muss „FWX“
in jedem Fall bezeichnet werden. Ich persönlich würde mir lediglich
ein bisschen weniger elektronische Spielereien und stattdessen mehr Gitarrengustostückerl
aus den Handgelenken des Herrn Matheos wünschen. Aber wer weiß,
vielleicht hat er diesbezüglich ja schon wieder einiges für
ein weiteres Solo-Album in der Schublade.
Walter
APOCALYPTICA - Apocalyptica (Universal)
Diese Band wird ja mit Sicherheit jedem ein Begriff
sein. Vor 9 Jahren gab es das erste, bis heute unvergessene Output "Apocalyptica
- Plays Metallica By Four Chellos" zu kaufen, welches weltweit gleich
rund 800.000 Mal über die Ladentische ging. Nach diesem Debüt
wurden "hauseigene" Songs komponiert und Drums als Umrandung
eingeführt, für welche man sich niemand anderen als Slayer Drummer
Dave Lombardo aussuchte, der die Band bis zum nun vorliegenden Album "Apocalyptica"
tatkräftig unterstützt, diesmal aber leider nur beim Song "Betrayal/Forgiveness".
Die restlichen Songs wurden von Drummer Mikko Siren eingespielt. Weiters
begann man, immer mehr Gesang in die Kompositionen einzubauen. Dafür
holte man einige Gastsänger wie Nina Hagen, Ville Valo (HIM) und
Lauri Ylönen (The Rasmus) an Bord. Die zwei letzteren wirken beim
neuen Album "Apocalyptica", mit und zwar bei der mittlerweile
schon bekannten Singleauskopplung "Bittersweet"und beim Song
"Life Burns!". Letzterer ist der Opener des neuen Meisterwerks
und als ich die CD zum ersten Mal in meinen CD Player einlegte, war ich
der festen Meinung, ich hätte die falsche CD erwischt. Ich glaube,
dass es vielen so gehen wird, denn der Song "Life Burns!" fällt
völlig aus dem gewohnten Stil von Apocalyptica! Eine moderne fetzige
Rocknummer mit Ohrwurmmelodie erwartet euch nämlich. Ihr werdet euch
wundern! Danach geht es aber ganz im einzigartigen Apocalyptica Stil weiter,
so, wie wir es gewohnt sind. Auf der einen Seite sehr klassisch, auf der
anderen Seite aggressiv und schnell. Schöne Beispiele für einen
"apokalyptischen Metal Song" sind "Distraction" und
vor allem "Fatal Error" und "Betrayal/Forgiveness",
wo man die Metal-Riffs nur so raushört, beinahe unglaublich sowas
auch mit dem Chello zu schaffen. Einer der ruhigsten Nummern ist die Singleauskopplung
"Bittersweet", ein schöner Song zum Entspannen. Das neue
Album ist auch aufnahmetechnisch noch einen Tick mehr gelungen und klingt
aggressiver als der Vorgänger "Reflections". Fazit: Apocalyptica
haben es mit dieser CD einmal mehr geschafft, die perfekte Symbiose zwischen
Metal/Rock und Klassik zu finden. Sowohl Metal/Rock-Fans als auch Klassik-Liebhaber
werden damit gleichermaßen zufrieden sein und wer beides gerne hört,
so wie ich, der kommt an Apocalyptica nicht vorbei. Also: Zugreifen und
staunen! Apocalyptica spielen am 11. 04. 05 live im Wiener Gasometer.
Dominik
DARK DECEPTION - Spiritual War (Eigenprod.)
Nun ist es endlich so weit! Dark Deception beglücken
uns mit ihrem ersten professionellen Studioalbum! Dieses hört auf
den Namen "Spiritual War"und umfasst 7 Nummern inklusive Intro
und Instrumental-Zwischenstück. Ihr kennt Dark Deception nicht? Okay,
hier eine kurze Übersicht: Dark Deception kommen aus der kleinen
Provinz Großnondorf in Niederösterreich und existieren nun
schon seit 1998. Die sechsköpfige Horde, bestehend aus den zwei Gitarristen
Thomas und Helmut, Sänger Markus, Drummer Chris, Keyboarder Pepal
und Basser Wals, haben ihre erste Demo CD im Jahre 2001 released. Danach
folgte das letzte Output, die Mini CD "Path Of Damnation", mit
welcher sich die Band im Underground einen Namen machte. Soviel mal im
Groben zur History. Jetzt, knappe 2 Jahre nach "Path Of Damnation"
folgt der "Spiritual War". Was fällt auf? Zum ersten gleich
mal die Professionalität und Qualität der Aufnahmen, die es
von Dark Deception so noch nicht gab. Nach den ersten Songs wird klar,
dass der Death/Black Metal von Dark Deception nun mehr in die Richtung
des Black Metals gelenkt wird, allerdings immer wieder durch geniale "Abwürger",
(im positiven Sinn) verbunden mit Tempowechseln aufgelockert und aufgewertet
wird. Dark Deception sind verdammt schnell geworden und hämmern den
Hörer den Schädel ein. Positiv fällt auch die stimmliche
Weiterentwicklung von Sänger Markus auf, die ja schon seit jeher
genial war und wahrscheinlich auch zusätzlich durch die professionelle
Aufnahme im Studio mächtiger und brachialer rüberkommt. Meine
persönlichen Favoriten sind der Opener "Rebellion Of The Damned"und
"Satanic Revenge". Aber auch die weiteren Songs wie die Titelnummer
oder "Tower Without Return" können einiges und verlieren
nicht an der richtigen Abstimmung von Brutalität, Melodie und Mystik,
besonders durch das Keyboard, welches perfekt eingesetzt wurde. Fazit:
Dark Deception gehen mit "Spiritual War" einen weiteren sehr
großen Schritt vorwärts und beweisen, dass guter Black/Death
Metal nicht immer nur aus Norwegen & Co. kommen muss. Hut ab, Gratulation
und hoffentlich viele Gigs, um das Album dem Metal-Club auch live präsentieren
zu können.
www.darkdeception.at
Dominik
DVDs
EVANESCENCE - Anywhere But Home (Epic/Sony) DVD+CD
Mit "Bring Me To Life", ihrem Beitrag zum Soundtrack zu "Daredevil",
wurden Evanescence quasi über Nacht zu Superstars. Ob es Sinn macht
nach nur einem, wenngleich mulitplatin veredelten Album, gleich eine Live-CD
nachzuschieben, sei dahingestellt. Aber warum nicht? Kohle lässt sich
damit bestimmt machen (a geh – Andi). Was definitiv Sinn macht, ist
die beigepackte Bonus-DVD. Denn somit kann man den Live-Mitschnitt
aus dem Zenith in Paris nun auch als audiovisuelles Vergnügen geniessen.
Neben fast allen Titeln von "Fallen" (nur "Hello" fehlt)
spielt man mit "Breathe No More" und "Farther Away" auch
zwei ältere Songs, die bislang wohl nur Insidern bekannt waren sowie
ein Cover von Korn´s "Thoughtless". Das mir völlig
unbekannte "Missing" ist nur auf der CD, keine Ahnung warum dieser
Titel auf der DVD fehlt. Was die Bilder betrifft ist der Auftritt perfekt
in Szene gesetzt. Mit 14 Kameras gefilmt, aufwendige Lichtshow, zahlreiche
Schwenks ins Publikum, die Live Atmosphäre ist perfekt. Unverständlicherweise
ist der Sound auf CD wesentlich besser als auf DVD (normalerweise umgekehrt).
Dafür lässt der Bonusteil keine Wünsche offen. Hier finden
sich die Videoclips zu "My Immortal", Everybody`s Fool", "Bring
Me To Life" und "Going Under". Das absolut Highlight ist
allerdings die knapp einstündige "Behind The Scenes"-Doku,
welche sich in die Kapitel "Life On The Road", "Showtime", "Bloopers" und "Unleashed" unterteilt.
Vor allem die beiden Letzteren sind überaus unterhaltsam und vermitteln
einen rundum sympathischen Eindruck von Amy & Co. Da dieses Package
zum Preis einer Normalo-CD erhältlich ist, kann man hier eine uneingeschränkte
Kaufempfehlung aussprechen.
Ger-Hard
ILL NINO - Live In The Eye Of The Storm" (Roadrunner/edel)
Während Sepultura immer mehr in der Bedeutungslosigkeit zu versinken
drohen, scheinen die aus den unterschiedlichsten südamerikanischen
Regionen stammenden Ill Nino kurz vor dem großen Durchbruch zu stehen.
Ill Nino steht für eine brodelnde Mixtur aus exotischen Rhythmen,
harten Riffs und einem ausgeprägten Gespür für eingängige
Refrains. Ein unablässiges Wechselbad aus Melodie und Härte,
dem der Wechsel zwischen den Spanisch und Englisch gesungenen Lyrics einen
zusätzlichen Reiz verleiht. Nun wurde es natürlich Zeit für
die heutzutage unumgängliche erste DVD. Zuallererst stellt sich die
Frage, wo finde ich was?! Als besonders übersichtlich kann man
die Menüführung nicht bezeichnen. Hat man sich erstmal orientiert,
kann man unter "Ill Nino`s Real World" einen knapp 40minütigen
Blick in den Backstagebereich der Latino Metaller riskieren. "Scandalous
Confessions" enthält Interviews mit den einzelnen Musikern. Beides
leider ohne Untertitel. Der Link zu "Vampire Baby" führt
ins Leere, in "Caught on Tape" sind alle 5 bislang erschienenen
Videoclips versteckt und mit "Ill Nino Ravages Cities" sind wir
endlich bei dem auf dem DVD-Cover groß angekündigten "A
Full Concert" angelangt. Das mit knapp 40 Minuten etwas dürftig
ausgefallen ist. Was sich hinter "Spic-tacular Photo Gallery" verbirgt
ist wohl unschwer zu erraten. Für Fans der Band, trotz einiger Mängel,
ein definitives MUSS. Obwohl hier definitiv mehr möglich gewesen wäre.
Ger-Hard
V.A. - Roadrage 2004 (Roadrunner/edel)
Bereits zum dritten Mal rollt der "Roadrage"-Monstertruck durch
die Regale der DVD-Shops. Das Konzept „viel Musik für wenig
Geld“ sei zur Nachahmung wärmstens weiterempfohlen. Hier finden
sich so ziemlich alle "Roadrunner-Combos" die derzeit angesagt
sind. Wessen Herz für Slipknot, Killswitch Engage, Crazyfists, Ill
Nino, Soulfly, Machine Head, Fear Factory, Chimaira oder Hatebreed schlägt,
sollte sich diese Teil nicht entgehen lassen. Ausserdem sind noch Devildriver,
Red Tape, Dirty Americans, Everytime I Die, Scarlet, Stone Sour, Murderdolls,
From Autumn To Ashes, 40 Below Summer, To My Surprise, Twelve Tribes, Thornley,
E-Town Concrete und Nickelback vertreten. Obwohl der Schwerpunkt eindeutig
bei Nu-Metal und seinen Begleiterscheinungen liegt, sollten auch Traditionalisten
ein Auge bzw. Ohr riskieren. Aufwendige Specials sucht man vergebens, das
kann man bei 26 Clips zu einem Preis von knapp 10 Euro aber locker verschmerzen.
Sofern man den neu-metallischen Urgewalten zumindest ein bißchen
zugetan ist, kann man mit "Roadrage" eigentlich nichts falsch
machen.
Ger-Hard
LETZTE INSTANZ - Live (Soulfood)
Vor knapp einem Jahr ist die Letzte Instanz quasi in ihre Einzelteile
zerfallen als Robin (Gesang), Tin (Gitarre) und FX (Bass) überraschend ihren
Ausstieg verkündeten. Deshalb dürfte das vorliegende, im November
2003 im Kesselhaus/Berlin aufgenommene Konzert wohl einen der letzten Auftritte
der Ur-Formation dokumentieren. Leider lässt sich die magische Atmosphäre,
die einen bei den Gigs der Instanz stets gefangennahm, nur vage wiedergeben.
Ausserdem waren Spielzeiten von weit über 2 Stunden obligat, somit
bekommt man hier mit spärlichen 74 Minuten nur einen unzureichen Eindruck
dessen vermittelt, was sich normalerweise auf als auch vor der Bühne
abspielte. Es ist eine Tatsache, das die "Instanzler" live wesentlich
mehr zu fesseln wussten als auf Tonträger. Diese einzigartige Mischung
aus Rockknallern, Techno-Elementen, Folk, Metal, Hip-Hop-Anleihen und exzessivem
Cellospiel war schlichtweg genial. Es macht ganz einfach Spaß an
dieser Stelle nochmal den nachdenklich bis lustigen Texten zu lauschen
und sich an übermütigen Mitgröhlrefrains und Stampf- und
Klatschorgien zu erfreuen. Höhepunkte sind natürlich "Rapunzel", "Ganz
oder gar nicht" sowie das "6 in 1" Medley. Im Bonusteil
findet sich das bislang unveröffentlichte BACH-Programm, hier werden
25 Minuten lang Werke des Meisters interpretiert. Nicht eben leichtverdaulichl
aber in keinster Weise uninteressant. Im finalen "Inside" stellt
sich die Band persönlich vor und gestattet uns einen amüsanten
Blick hinter die Kulissen des Touralltags. Alles in Allem eine gelungene
Rundschau über die 8 ersten (und wahrscheinlich auch letzten) Karrierjahre
der Band. Denn ohne den charismatischen Frontman Robin kann ich mir die
Letzte Instanz ganz einfach nicht vorstellen. "Jeder Irrtum bringt
uns an ein neues Ziel und jeder Augenblick ist ein Teil vorn Dir, wie alles
begann das weiß keiner mehr, am klügsten ist man doch immer
hinterher." Kopfkino 2001.
Ger-Hard |