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CDs
IRON SAVIOR Battering Ram (Noise/NSM)
Mit ihrem mittlerweile fünften Werk hat die
deutsche Band IRON SAVIOR ihr mit Sicherheit stärkstes und zugleich
auch heftigstes Album vorgelegt. Die Formation rund um Mastermind, Sänger,
Gitarristen und Produzenten Piet Sielck hat zum ersten Mal auf den Einsatz
eines Keyboards verzichtet, was sich im Endeffekt positiv auf den Gesamteindruck
ausgewirkt hat. Nicht, dass IRON SAVIOR bislang verwässert
geklungen hätten, aber die auf Battering Ram ungemein
drückenden Gitarren wirken so noch eine Spur dominanter. Generell
fühle ich mich nicht zuletzt auf Grund des Gitarrensounds und der
Riffattacken immer wieder an JUDAS PRIEST erinnert. Piet ist ja als PRIEST-Fan
bekannt, doch so offensichtlich hat der gute Mann seine Liebe zu den Priestern
noch nie zur Schau gestellt. Weiters fällt auf, dass Battering
Ram auf keiner Konzept-Story basiert und nur noch zum Teil Science
Fiction-lastige Songtitel anzubieten hat. Persönlich angesprochen
fühle ich mich vor allem vom Rausschmeißer mit
dem verheißungsvollen Titel H.M. Powered Man, mit dessen
Text ich mich voll und ganz identifizieren kann. Zwar ist der Song als
Piet´s Hommage an die von uns allen von ganzem Herzen geliebte Musik
gedacht, die Seelenverwandtschaft zwischen Musikern und Fans
wird hier aber wieder einmal deutlich.
Walter
BLAZE Blood & Belief (Steamhammer/emv)
Seit seinem Ausstieg bei IRON MAIDEN
entpuppt sich Blaze Bailey als wahres Arbeitstier. Blood & Belief
stellt immerhin das vierte Album innerhalb von fünf Jahren dar. Okay
die letztjährige Veröffentlichung As Live As It Gets
war ein Live-Album, aber im Vergleich zu anderen Bands, die in diesem
Zeitraum noch nicht einmal Gitarrensaiten für den Studiobesuch eingekauft
haben, ist es schon eine gewaltige Arbeitsleistung, die BLAZE vollbracht
haben. Noch dazu, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass
die Band in der Zwischenzeit auch zahlreiche Gigs absolviert hat. Auf
dem aktuellen Werk ziehen BLAZE sämtliche Register ihres Könnens.
Auffällig ist zunächst der gnadenlos drückende, von Andy
Sneap perfekt in Szene gesetzte Gitarrensound. Der Großteil der
Songs klingt so zwar mächtig heavy; durch das Vermögen gute
Songs zu schreiben, bleiben aber auch zahlreiche Melodien im Gehör
hängen. Über den Umfang und das Volumen der Stimmbänder
des Herrn Bailey kann man diskutieren, wie man will. Tatsache ist, dass
es sich um einen Sänger der Rubrik Love Them or Hate Them
handelt. Wer sich also noch nie mit der Stimme von Blaze anfreunden konnte,
wird auch weiterhin gewisse Schwierigkeiten damit haben. Ein Wort sei
noch zu den lyrischen Ergüssen angemerkt. Durch seine langjährigen
Drogen- und Alkoholprobleme verarbeitet Blaze in seinen Texten einiges
aus seinem wahrscheinlich eher fragwürdigen Erfahrungsschatz,
wodurch sämtliche Vokalpassagen immens persönlich, ja fast schon
als Seelenstriptease, zu verstehen sind.
Walter
MOB RULES Among The Gods (Steamhammer/emv)
Beständigkeit zahlt sich immer aus, natürlich
auch in der Welt der Musik. Bestes Beispiel dafür sind die norddeutschen
MOB RULES. Nachdem mit Among The Gods ihr mittlerweile viertes
Werk innerhalb von fünf Jahren erscheint, die Band in den letzten
Jahren unzählige Male auf den Bühnen dieser Welt zu bewundern
war und so ganz nebenbei auch als eine der wenigen Formationen
von sich behaupten kann, noch nie einen LineUp-Wechsel hingenommen haben
zu müssen, kann man den Herrschaften schon einmal Fleiß und
Ausdauer bescheinigen. Abgesehen davon hat sich das Sextett im Laufe der
Zeit aber auch musikalisch prächtig entwickelt. Während auf
den ersten beiden Veröffentlichungen zwar gut gemachter, aber ein
wenig unspektakulärer Melodic Metal teutonischer Prägung enthalten
war, zeichnete sich im Laufe der Zeit eine musikalische Weiterentwicklung
ab. Schon auf dem letzten Studiowerk Hollowed Be Thy Name
war zu bemerken, dass es MOB RULES durch feine Arrangements spielerisch
gelungen ist, sich vom HELLOWEEN-geprägten Sound zu lösen. Auf
der aktuellen Veröffentlichung zeigt sich die Band noch weiter gereift.
Von den Arrangements her sehe ich MOB RULES einigermaßen in der
Nähe der späteren SAVATAGE, mit Klaus Dirks verfügt man
noch dazu über einen eigenständig klingenden Sänger, weshalb
Among The Gods einen weiteren Schritt nach oben für die
Band darstellen sollte. Wie man die Herrschaften in der Zwischenzeit kennt,
wird es auch nicht allzu lange dauern, bis und die aktuellen Songs auch
im Rahmen einer Gastspielreise präsentiert werden.
Walter
JERRY GASKILL Come Somewhere (Inside Out/emv)
Irgendwie war es abzusehen, dass nach den Solo-Aktivitäten
der Herren Doug Pinnick und Ty Tabor auch KING`S X-Drummer Jerry Gaskill
eines Tages mit einem Solo-Album aufkreuzen würde. Come Somewhere
stellt zwar sein Debüt dar, der Begriff ist aber einigermaßen
zu relativieren, da Jerry ja seit gut 15 Jahren mit seinem Schlagzeugspiel
die Werke des amerikanischen Trios veredelt. Die insgesamt 15 auf dieser
CD verewigten Songs hat Jerry nicht nur komponiert, sondern auch musikalisch
umgesetzt. Allerdings hat er nicht nur das Schlagzeug eingespielt, sondern
auch den Gesang übernommen und war für einen Teil der Gitarren
und Keyboards zuständig. Come Somewhere ist ein richtiges
Familienalbum geworden, denn Jerry´s Bruder Herb hat
ihm bei den Kompositionen unter die Arme gegriffen, während sein
Langzeit-Gefährte Ty Tabor neben einigen Gitarrenparts auch den Bass
und die Produktion übernommen hat. Noch deutlicher als bei seiner
Stammband werden BEATLES-Einflüsse erkennbar, manche Passagen haben
sogar eher einen Art Singer/Songwriter-Flair, was durch Jerry´s
Vorliebe für diese Art von Musik zu erklären ist. Come
Somewhere ist somit die optimale Scheibe zum Relaxen geworden!
Walter
SHAMAN RituAlive (NTS/Point)
Nach nur einer Studioscheibe gleich mit einer
Live-Scheiblette aufzuwarten, ist eine äußerst gewagte Sache
(man könnte auch den Termus Schwachsinn verwenden, Andi).
Im Falle der brasilianischen Bombast-Melodic Metaller SHAMAN kommt die
Angelegenheit noch dazu als Kombipack mit einer DVD in den
Handel. Aufgenommen wurde ein wildumjubelter Auftritt in der Credicard
Hall zu Sao Paolo am 5. April des Vorjahres. Offensichtlich war die Band
an jenem Abend in Topform, denn den ehemaligen ANGRA-Komplizen Andre Matos
(V), Luis Mariutti (B) und Ricardo Confessori (D), sowie ihrem Bandkollegen
Hugo Marutti (G) und Gastkeyboarder Fabio Ribeiro ist die Spielfreude
sowohl anzusehen wie auch anzuhören. Logischerweise kommen zum größten
Teil Songs des SHAMAN-Debütalbums zum Zug, auf der DVD sind zusätzlich
noch einige ANGRA-Schmankerl (Lisbon, Carry On und Lasting
Child) vertreten und auch üppige Solo-Parts für die Ewigkeit
festgehalten. Als Special Guests konnten an diesem Abend die HELLOWEEN-Recken
Andi Deris und Michael Weikath, die zusammen mit den Shamanen
Eagle Fly Free zum Besten geben, sowie Sascha Paeth und Tobias
Sammet für den AVANTASIA-Song Sign Of The Cross gewonnen
werden. Die für DVDs üblichen Specials wie Hintergrund-Informationen
und Tourberichte sind ebenfalls vorhanden, weshalb RituAlive
für Ohren und Augen gleichermaßen empfehlenswert ist. Ein wenig
lächerlich wirkt allerdings die Angabe Discography bei
Vorhandensein lediglich eines Werkes einer Band.
Walter
PYRAMAZE Melancholy Beast (NTS/Point)
Das Cover mit einem in Flammen aufgegangenen Roboter-artigen
Wesen lädt zwar nicht gerade dazu ein, sich mit diesem Album auseinander
zu setzen. Noch dazu ist die Zeichnung nicht gerade beeindruckend ausgefallen
und ein Melancholy Beast hatte ich mir einfach irgendwie anders
vorgestellt. Wie auch immer, in diesem Fall ist der Inhalt wesentlich
besser als die Verpackung. Die Geschichte von PYRAMAZE begann erst im
Jahre 2001, als der dänische Gitarrist Michael Kammeyer seiner ehemaligen
Formation DAMION den Rücken zukehrte um einen neue Band zu gründen.
Innerhalb kürzester Zeit war das LineUp nahezu komplett und über
das Internet konnte man den amerikanische Keyboarder Jonah Weingarten
für das bereits entstandene Material begeistern. Das stilistisch
irgendwo zwischen Progressive und Power Metal anzusiedelnde, mit reichlich
Melodien versehene, Material bedurfte nur noch eines Sängers. Zunächst
nahm Michael diese Position ebenfalls ein, auf Anraten des Managements
wurde jedoch versucht, sich diesbezüglich noch nach Verbesserungen
umzusehen. Als geeigneter Kandidat erwies sich dabei Lance King, ein Ami,
der hierzulande zumindest durch seine Arbeit mit BALANCE OF POWER bekannt
sein sollte. Seine mittelhohe, prägnante Stimme macht aus den Kompositionen
die irgendwo zwischen älteren KAMELOT und ANGRA mit einer kleinen
Prise MAIDEN einzuordnen sind, ein wohlklingendes Album, das, mit Ausnahme
einiger zwingender Ohrwürmer, die meiner Meinung nach noch fehlen,
den angegebenen Referenzbands in Nichts nachsteht.
Walter
PERSUADER Evolution Purgatory (Noise/NSM)
Das schwedische Quartett PERSUADER war deshalb
in die Schlagzeilen geraten, weil es bei dem von ihrem nunmehrigen Label
Noise ins Leben gerufene Wettbewerb Young Metal Gods bis ins
Finale gekommen war. Als Prämie durfte eben jener Vertrag bei Noise
unterschrieben werden, dazu kam noch eine von Piet Sielck perfekt umgesetzte
Produktion. Soweit zur Vorgeschichte der Zusammenarbeit. Die Band existiert
schon seit längerer Zeit und kann schon auf die Veröffentlichung
einer Split-CD mit FRETERNIA und ein Debüt namens The Hunter
zurückblicken. Im Gegensatz zu BEYOND SURFACE, einer der anderen
Siegerbands, regiert bei PRESUADER der traditionelle Metal. Durch die
bereits erwähnte Produktion donnern die Drums ungemein und auch die
Gitarren klingen rasierklingenscharf. Über die gesamte Spielzeit
wird mächtig Gas gegeben, was den zwar sehr melodiösen, aber
dennoch brettharten, Nummern sehr zu Gute kommt. Dazu gesellt sich mit
Jens Carlsson ein Sänger der am ehesten mit dem jungen Hansi Kürsch
zu vergleichen ist, allerdings ein wenig rauer rüberkommt. Das eigentliche
Potential der Band verbirgt sich allerdings im Songwriting. Selten habe
ich in letzter Zeit einen Silberling gespickt mit so vielen Ohrwürmern
zu Gehör bekommen. Testet Songs wie Sanity Soiled oder
Godfather einfach an und Ihr werdet wissen, was ich meine.
Walter
REQUIEM Mask Of Damnation (Sound Riot/Twilight)
In Finnland, genauer gesagt in Haapajärvi,
gründeten drei junge Burschen im Jahre 1999 eine Band namens REQUIEM
(toll... Andi). Zugegeben, dieser Name war nicht erst einmal in Gebrauch,
allerdings dürften sie im Moment kein Namensproblem haben. Nach einigen
Besetzungswechseln und zwei Demos konnte man im Jahre 2002 das Debüt
namens The Arrival veröffentlichen. Für die Zeit
während der Aufnahmen verfüge man über ein konstantes LineUp,
wobei die bekanntesten Musiker wohl SONATA ARCTICA-Keyboarder Henrik Klingenberg
und ALTARIA-Sänger Jouni Nikula sein dürften. Letztgenannter
zählt allerdings in der Zwischenzeit nicht mehr zum LineUp. Während
REQUIEM zu Anfangszeiten eher im melodiösen Death Metal beheimatet
waren, hat sich im Laufe der Zeit musikalisch einiges geändert. Melodien
sind zwar immer noch sehr zahlreich vorhanden, nun allerdings mit reichlich
neoklassizistischen Elementen angereicht. Gesangstechnisch ist auf Mask
Of Damnation ebenfalls keinerlei Bezug zur bandeigenen Vergangenheit
erkennbar. Meister Nikula verfügt über eine klare, relativ hohe
Stimme, die jedoch mitunter zu sehr in den Hintergrund gemischt wurde.
Durch zahlreiche Breaks aufgelockert und vor allem durch die immer wieder
eingestreuten Prog-Passagen wird Mask Of Damnation zu einer
mehr als nur hörenswerten Angelegenheit.
Walter
STORMHAMMER Lord Of Darkness (Mausoleum/Soulfood)
Da schau, her, alte Bekannte! Nach zwei recht
guten Veröffentlichungen (Cold Desert Moon, 2000 bzw.
FireBall, 2001) und der Ehre, die BLIND GUARDIAN-Tournee 2002
als Opener bestreiten zu dürfen, sowie auf deren Open Air zu gastieren,
haben sich die fünf Recken nun mit Mausoleum zusammen getan, um der
Metal-Szene wieder einmal zu zeigen, wo der Sturm-Hammer hängt.
Das deutsche Quintett präsentiert auch auf Lord Of Darkness
nichts anderes als traditionellen, gut gemachten Heavy Metal. Neben einem
formidabel aufspielenden Gitarrenduett (Alex Heigl bzw. Many Ewender)
und einer ebenso druckvollen, wie mächtig musizierenden Rhythmusfraktion
(Horst Teßmann (B) und Chris Widmann (D)) haben STORMHAMMER vor
allem einen Könner am Mikro anzubieten. Niemand Geringerer als der
ehemalige DRIFTER-Barde Tommy Lion ist hier zu hören (super... Andi).
Noch immer schafft es der Kerl mit seine Röhre Kompositionen wie
Ace In The Hole oder Meduza´s Head, die
ohnehin schon druckvoll genug sind, noch heftiger klingen zu lassen (na
dann; es lebe seien Röhre... Andi). Aber Tommy zeigt uns auch seine
sanfte Seite. Mit der Ballade Wise Man ist STORMHAMMER eine
zeitlose, kitschfreie Nummer geglückt, die für mich zu den Höhepunkte
dieser Metal-Scheibe zu zählen ist, die zwar auch bereits vor gut
15 Jahre auf dem Markt kommen hätte können, aber auch heute
noch voll und ganz ihre Berechtigung hat.
Walter
VINTERSORG The Focusing Blur (Napalm/Rebeat)
Ein kurzes Intro namens Prologue Dialouge
The Reason, von Violinen sehr gediegen vorgetragen, leitet
dieses Album ein. Nahtlos folgt dabei der Übergang in einen elektronischen
Part, der seinerseits von dunkel klingender Orchestrierung abgelöst
wird. Ohne Pause folgt dann der eigentliche Eröffnungssong The
Essence, der von Akusikgitarren dominiert wird, die sich mit brachialen
Knüppelparts abwechseln. Bereits der Beginn dieses Albums beweist
dem Hörer die musikalische Vielfalt des norwegischen Duos. Ebenso
abwechslungsreich gestaltet ist der Gesang, der zwischen düster,
tief und traditionell melodiös hin- und herpendelt. Selbst
eher traditionell veranlagten Metallern wie meiner Wenigkeit fällt
bei intensivem Genuss von The Focusing Blur in erster Linie
die musikalische Vielfalt in höchster Form auf. Nicht unerwähnt
bleiben darf das abermals perfekte Zusammenspiel der angeheuerten Rhythmusabteilung
Asgeir Mickelson (D) und Steve Di Giorgio (B). Diese beiden Herren sind
im Moment schon beinahe Usus im extremen Metal, wie zuletzt
bei LUNARIS. Der nahezu permanente Stimmungs-, Rhythmus- und Instrumentierungswechsel
lässt den Zuhörer in ein Wechselbad der Gefühle eintauchen
und macht The Focusing Blur zu einem der wohl mannigfaltigsten
Hörerlebnisse der letzten Zeit.
Walter
MEMORIZED DREAMS Theater Of Life (Sound
Riot/Twilight)
Die Geschichte dieser Band begann im Jahre 1999
unter dem Namen SYMPHONICA DIVINE. Während man damals noch vom eher
gemäßigten Power Metal angetan war und solchen zum Besten gab,
entwickelte sich das Septett im Laufe der Zeit eher in Richtung progressiver
Klänge. Nach den üblichen LineUp-Wechseln in der Anfangszeit
konnte schließlich im Jahre 2002 eine Demo-CD namens Mirror
Of Life eingespielt werden, die den Norwegern einen Plattenvertrag
eingebracht hat. MEMORIZED DREAMS, deren bekanntestes Bandmitglied wohl
DIVIDED MULTITUDE-Drummer Olav Skei sein dürfte (ach, ja, der!...
Andi), haben musikalisch und stilistisch eine Menge zu bieten. Anklänge
aus dem Power Metal sind genauso zu hören wie progressive Passagen.
Die ganze Angelegenheit ist auch noch mit reichlich bombastischen Arrangements
und Keyboard-Klängen versehen und dazu noch mit unzähligen orchestralen
Fragmenten veredelt worden. Speziell was die Arrangements betrifft, lässt
sich der Einfluss der klassischen Musik deutlich heraushören.
Soweit also alles im Lot bei MEMORIZED DREAMS, allerdings klingt Sänger
Terje Haroy in manchen Passagen ein wenig unpassend. Ich kann zwar nicht
behaupten, dass ich die Stimme nicht gut finden würde, aber der Kerl
verfügt über ein recht dunkles Timbre, das bei den ersten Hörtests
ein wenig eigenartig wirkt und nicht unbedingt zu den eher lieblichen
Klängen passen will. Weiters singt Terje phasenweise deutlich langsamer
als die Musik vorgetragen wird. Nach wenigen Durchläufen hat man
sich jedoch an diese Konstellation gewöhnt und kann sich auf die
Songs an sich konzentrieren, die von melodiös und heftig-metallischen
Power-Songs (Haloes And Wings oder Revelating Paradise)
bis hin zur Gänsehautverursachenden Piano-Ballade (Sea Of Oblivion)
ein breites Spektrum abdecken. Eher nervig sind allerdings die immer wieder
in den Sound integrierten poppigen Synthie-Klänge, die den positiven
Gesamteindruck einigermaßen schmälern.
Walter
DREAMS
..OF WHAT LIFE COULD HAVE BEEN
The Ultimate Sludge Compilation (PsycheDOOMelic)
Wie der Name schon verrät, handelt es sich
hier um eine Zusammenstellung nicht gerade lebensbejahender, freundlicher
Klänge. Auf dieser Compilation sind sieben Bands mit insgesamt 10
Songs vertreten, bei denen ausnahmslos der extrem derbe, langsame Rock,
auch Sludge genannt, regiert. Die Gitarren sind teilweise in Richtung
Grundwasser gestimmt, die Riffs zum größten Teil einfach, prägnant,
und natürlich auch ungemein träge. Zu den bekannteren Bands
dürften wohl die Engländer RAMSSES und die Amis NEGATIVE REACTION
zählen, beide erst unlängst auf einer Split-CD von PsycheDOOMelic
verewigt. Weiters vertreten sind die Belgier THEE PLAGUE OF GENTLEMEN
sowie die Amis GRIEF, SOUL PREACHER und FISTULA. Zu den derben, abgrundtiefen
Klängen und Gesängen passend ist auch das Artwork gestaltet.
Infos zu jeder Band sind jeweils auf einer Seite des Booklets verewigt,
im Hintergrund ist dazu eine unheimlich trostlose Abbildung zu sehen,
die zwischen Industrieruinen- und Bahnhofstristesse verdeutlichen soll,
mit welcher Art von Musik es der Hörer zu tun hat. Dreams
ist mit Sicherheit keine Scheibe für Schöngeister und nervenschwache
Mitbürger geworden, sehr wohl aber eine prima Zusammenstellung für
alle, die immer schon wissen wollten, wie sehr man das Genre Doom
ausreizen kann. Für € 13,- bei Mark Hegedüs,
Mauerbachstraße 42/2/6, 1140 Wien zu erhalten.
Walter
FREEDOM CALL Live Invasion (Steamhammer/emv)
Nach drei Studioalben haben die süddeutschen
Melodic Metaller FREEDOM CALL nun ihren Taragon-Zyklus abgeschlossen.
Um die Sache stilgerecht zu vollenden, präsentiert uns das Quintett
auf Live Invasion, einer Doppel-CD, zunächst einmal einen
bunten Querschnitt der ersten drei Alben, aufgenommen während dreier
Gigs, die im Rahmen der Tour als Vorgruppe von BLIND GUARDIAN in München,
Stuttgart und Düsseldorf absolviert wurden. Da Charlie Bauerfeind
und dessen Equipment anlässlich der Tour zur Verfügung standen,
haben FREEDOM CALL die Chance genützt, um ihre Songs aufnehmen zu
können. Die Stimmung konnte dadurch optimal eingefangen werden und
Songs wie Metal Invasion oder Warriors haben ohnehin
genügend Klasse, um auch in einigen Jahren noch in Erinnerung der
Fans zu sein. Als besonderes Schmankerl bieten uns die Franken auf der
zweiten CD ihre, in Zentraleuropa bislang nur sehr schwer erhältliche,
Debüt-EP Taragon. Dazu kommen noch drei Cover-Versionen,
die ansonsten in den Archiven verschimmelt wären. Mit Dancing
With Tears In My Eyes von ULTRAVOX und dem alten Disco-Knüller
Hiroshima beweisen FREEDOM CALL musikalischen Weitblick, während
das für einen HELLOWEEN-Tribut Sampler gedachte Dr. Stein
die Kritiker der Band wieder einmal laut werden lässt, die behaupten,
dass es sich bei FREEDOM CALL ohnehin nur um eine weitere Band aus dieser
Richtung handelt. Aber was soll´s; durch die Klasse der Songs
und den auch auf der Live-Scheibe nachvollziehbaren Fähigkeiten der
Band lässt sich ganz klar feststellen, dass FREEDOM CALL längst
zu einer ernstzunehmenden Formation emporgestiegen sind, über deren
Songqualität und musikalische Fähigkeiten schon längst
nicht mehr diskutiert werden muss.
Walter
ANNIHILATOR All For You (AFM/NSM)
Neues Spiel, neues Glück. Oder sollte es
vielleicht besser heißen: Ein neues LineUp, ein neues Album? Jeff
Waters, einer der wohl begnadetsten Gitarristen der Metal-Szene schlechthin,
hat wieder einmal eine neue Scheibe in runderneuerter ANNIHILATOR-Besetzung
anzubieten. Mit dem bereits auf den letztjährigen Sommer-Festivals
vorgestellten jungen Sänger Dave Padden und dem ehemaligen Steve
VAI und EXTREME-Drummer Mike Mangini hat Jeff zumindest zwei Posten wieder
besetzen können. Ein neuer Bassist sollte nach dem finanziell bedingten
Ausstieg von Russell Bergquist folgen. So ganz nebenbei liefern ANNIHILATOR
auch ihre erste Studio-Scheibe für AFM Records ab, nachdem die Zusammenarbeit
ja mit der Live-Doppel-CD Double Live Annihilation schon recht
erfolgreich begonnen hat. All For You enthält neben
den Waters-typischen Thrash-Riffs aber auch jede Menge musikalischer Neuigkeiten.
So sind mit The One und Holding On gleich zwei
radiotauglliche Balladen vorhanden, die von Dave´s variabler und
melodiöser Stimme getragen werden. Aber der Knabe kann auch Thrash-Metal-Songs
famos intonieren. Als bestes Beispiel lässt sich die Wundernummer
Both Of Me nennen, die mit zu den besten ANNIHILATOR-Songs
überhaupt zu zählen ist. Schwache Songs hat Jeff ohnehin
noch nie komponiert, das größte Problem hat er
sich wahrscheinlich selbst zuzuschreiben. Wer Alben wie Alice In
Hell und Never, Neverland gleich zu Beginn seiner Karriere
aus dem Ärmel schüttelt, wird auf ewige Zeiten daran gemessen
werden und die Klasse dieser Jahrhundertalben erreichen ANNIHILATOR auch
mit All For You nicht.
Walter
VEHEMENCE Helping The World To See (Metal Blade/NSM)
Inwiefern es den Amis VEHEMENCE gelingen wird,
ihren Albumtitel in die Tat umzusetzen, vermag ich nicht zu kommentieren.
Es ist der Band allerdings schon mit ihrem Debüt God Was Created
im Jahre 2002 gelungen, die Welt auf sich aufmerksam werden zu lassen,
also haben sie zumindest Helping The World To Hear bereits
erreicht. Zugegeben, es war nicht die ganze Welt, aber immerhin
jener Anteil der Bevölkerung, welcher heftigen Death Metal mit vereinzelten
Grind-Passagen, zahlreichen technischen Finessen und einer nicht zu überhörenden
Portion Thrash zu den persönlichen Vorlieben zählt. Für
mich überraschend perfekt klingt dabei der Sound, der trotz aller
Vehemenz einzelne Instrumente glasklar klingen lässt
und nie als Brei endet. Mit Nathan Gearhart hat die Band einen
Sänger in ihren Reihen der die musikalische Vielfalt noch ein wenig
erweitert. Bei seiner Vorstellung pendelt er zwischen traditionellem Death
Metal Gesang und hektischem Black Metal-Keifen hin und her. Unterstützung
erhält Nathan beim Gesang auch von Basser Mark Kozuback, der immer
wieder spitze Schreie von sich gibt und so für ein wenig Auflockerung
sorgt. Da die Band aber nicht nur im Studio sehr fleißig zu Werke
geht, sondern auch häufig die Bühne entert, kann man für
VEHEMENCE nur hoffen, dass dieses Arbeitspensum beibehalten wird, denn
dann sollten VEHEMENCE schon mit dem nächsten Album in die Death
Metal-Oberliga aufsteigen können.
Walter
SKYFIRE - :// Spectral (Arise/Point)
Im Underground sind SKYFIRE längst keine
Unbekannten mehr. Nach zwei Alben, die über das mittlerweile nicht
mehr existierende Label Hammerheart Records erschienen sind, versuchen
es SKYFIRE nun mit einem anderen Label im Hintergrund. Musikalisch hat
sich nicht sehr viel geändert. Noch immer zelebrieren die Schweden
extrem keyboard-lastigen, melodiösen Death Metal. Generell erinnert
die Band bei ihrem musikalischen Vortrag einigermaßen an ältere
DARK TRANQUILITY oder IN FLAMES. Durch den - teilweise ein wenig
übertriebenen Einsatz des Tasteninstruments schaffen es SKYFIRE
aber dennoch, ihre eigene Note zu bewahren. Sänger Henrik Wenngren
wirkt mitunter ein wenig übermotiviert, denn die über seine
Stimme vermittelte Aggression klingt phasenweise zu sehr gekünstelt.
Durch die Kombination Keyboards, aggressiver Gesang und massig Melodien
fielen mir beim Hören von :// Spectral immer wieder CHILDREN
OF BODOM ein, deren Songs allerdings über das größere
Hitpotential verfügen. Gerade diesbezüglich besteht Nachholbedarf,
obwohl Anhänger der genannten Bands mit Sicherheit ihre Freude an
:// Spectral haben werden
Walter
THE ORDEAL Kings Of Pain (Mausoleum/Soulfood)
Recht gewöhnungsbedürftig klingt Kings
Of Pain, das Debüt einer französisch-deutschen Liasion
namens THE ORDEAL. Die einzelnen Musiker haben allesamt bereits jahrelange
Erfahrung im Musikgeschäft sammeln können, jedoch sind die im
Infozetterl angeführten Bands wie ZENO, wo Drummer Philippe Candras
mit von der Partie war, oder JANE, bei denen Gitarrist Kai Reuter für
kurze Zeit aktiv war, überhaupt nicht mit THE ORDEAL in Verbindung
zu bringen. In ihren Songs verarbeitet das Quartett jede Menge Einflüsse
der NWOBHM, ebenso sind Thrash Metal-lastige Passagen auszumachen, die
aber immer mit ausreichend Melodien versehen sind, um nicht im Stakkato-Riffing
unterzugehen. Manche Songaufbauten sind durch stark Rhythmusgeprägtes
Spiel gekennzeichnet, was die Band in die Nähe von groove-betonten
Thrash Metal bringt. Diesbezüglich fallen mir ANTHRAX - abzüglich
deren Donnerdrums und vor allem der Klasse und Genialität, aber wer
hat die schon? und die längst verblichenen Amis von MARAYA
ein, die nicht unähnlich musiziert haben. Zu den recht abwechslungsreich
gestalteten Songs an sich gesellt sich noch die nicht minder variable
Stimme von Oliver Oppermann, der sich mit seiner Stimme perfekt an den
jeweiligen Song anpasst und Kings Of Pain zu einem prima Album
macht. Eher nervig dagegen ist die Tatsache, dass die Songtitel nicht
in der angegebenen Reihenfolge auf dem Silberling verewigt wurden. Dafür
wird aber wohl nicht die Band zuständig gewesen sein, weshalb das
auch kein Kritikpunkt sein sollte, sondern lediglich eine Feststellung.
Walter
DEATH BY DESIGN Discreation (Thunderring/Twilight)
Aus dem französischen Rambouillet stammt
dieses Quintett, dessen Geschichte als NO SOBRIETY begonnen hat. Damals
durfte man an einem Tribute-Sampler für die französische Band
S.U.P. mitwirken und konnte zwei in Eigenregie veröffentliche Scheiben
in Umlauf bringen. In ihrer Heimat scheinen die Herrschaften schon damals
einen recht guten Ruf gehabt zu haben, der nicht zuletzt auf zahlreiche
Konzerte zurückzuführen ist. DEATH BY DESIGN tragen sehr abwechslungsreichen
Death Metal vor. Begonnen bei diversen, fast schon Doom-lastigen Instrumentalpassagen
über traditionelle, MAIDEN-beeinflußte Gitarrensoli bis hin
zu Thrash Metal und derbem Gebolze haben die fünf Jungs eine sehr
breite Palette an Musik anzubieten. Negativ fällt an Discreation
lediglich die Gesangsleistung von Sänger Marc auf. Trotz der im Booklet
angeführten lyrischen Ergüsse ist es dem Zuhörer nahezu
unmöglich, auch nur einer Silbe zu folgen. Zum einen ist der Gesang
leider nicht ausreichend kräftig genug in Szene gesetzt worden, andererseits
lassen sich die Gutturallaute schlicht und ergreifend auch nicht als gesungene
Textpassagen entziffern. Lediglich wenn der Knabe kreisch-keifend sein
Mikrophon anbrüllt, wird für Abwechslung gesorgt. Im Endeffekt
trübt diese Darbietung eine ansonsten durchaus formidable Leistung.
Walter
THE ETERNAL The Sombre Light Of Isolation
(Firebox/Twilight)
Welch opulentes Werk! Was zuvor unter dem Banner
CRYPTAL DARKNESS begonnen hat, wird nun als THE ETERNAL fortgesetzt. Nach
nur einer einzigen Promo-CD konnte ein Deal mit dem ebenso unbekannten
wie agilen finnischen Label Firebox an Land gezogen werden. Die Australier
kredenzen eine gar melancholische Melange unterschiedlicher Klänge,
die jedoch allesamt von Schwermut geprägt sind. Manche Passagen sind
vom traditionellen Doom Metal beeinflusst, während vor allem jene,
von Streichinstrumenten perfekt untermalten, Fragmente einen Hauch typisch
britischer Melancholie versprühen. Ältere ANATHEMA oder MY DYING
BRIDE sind diesbezüglich die Wegweiser für den Pfad, den THE
ETERNAL ihren Fans vorgeben um ihrer Musik zu folgen. Durch die düstere
Stimmung, die ebenso gestimmten Gitarren und vor allem ob der Atmosphäre,
erinnert die Band ab und zu an ihre Landsleute VIRGIN BLACK. Doch während
die Letztgenannten eher in den Gothic Bereich abdriften, ist THE ETERNAL
immer wieder ihre Liebe zum Metal anzumerken. Für mich zählen
die Australier zusammen mit WHILE HEAVEN WEPT zur momentanen Speerspitze
im melancholischen Doom. The Sombre Light Of Isolation wird
für diese, noch recht junge, Formation mit Sicherheit einen Riesenschritt
auf der Erfolgsleiter nach oben darstellen.
Walter
THE SHITHEADZ Dirty Pounding Gasoline (Locomotive/Al!ve)
THE SHITHEADZ stammen aus Mönchengladbach
und existieren bereits seit über 10 Jahren. Nach einem Demo und einem
Beitrag auf dem Unerhört-Sampler vom Rock Hard, erscheint
nun das Debüt des Quintetts. Die Herrschaften zelebrieren eine Mischung
aus traditionellem Hardrock, einer Prise Stoner-Rock, einem Schuss Metal
und einer Messerspitze Punk. Hier ist nichts überproduziert oder
gar aufgesetzt, sondern klingt genau so, wie es im Proberaum entstanden
ist. Hier stimmt der Groove, hier rockt, bangt, hüpft, tanzt
(oder was sonst auch immer) DEATH BY DESIGN der Zuhörer; kurz gesagt:
eine Scheibe, die gute Laune ohne Ende verbreitet. Auch Sänger Christoph
Birx´s Stimme passt hervorragend zur musikalischen Melange der Scheißschädl´n,
weshalb ich Dirty Pounding Gasoline für Rockmusik jeglicher
Art liebende Zeitgenossen wärmstens empfehlen kann.
Walte
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