CDs
März 2004

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KNIGHT AREA – The Sun Also Rises (The Laser´s Edge/Musica)
Das amerikanische Label The Laser´s Edge ist ja für nicht gerade alltägliche Klänge bekannt. Immer wieder verblüffen uns die Amis auch mit europäischen Formationen, die hier kein Mensch entdeckt und die dadurch unbekannt bleiben. Erst vor wenigen Monaten schafften es die Ungarn NEMESIS so, mich voll und ganz zu überzeugen. Anfang des Jahres 2004 schickt man nun mit KNIGHT AREA eine niederländische Formation ins Rennen. Mit Ritterhymnen oder ähnlichen Schlachtgesängen hat diese Band entgegen den Erwartungen auf Grund des Bandnamens aber nichts am Hut. Die aus insgesamt 11 Musikern bestehende Formation, deren Kern im Prinzip das Brüderpaar Gerben (K,D) und Joop (Flöte) Klazinga ausmacht, ist in wesentlich gemäßigteren, situierteren musikalischen Gefilden beheimatet. Die Niederländer orientieren sich ein wenig an Größen des Prog Rocks, wobei mir sowohl englische Helden wie MARILLION, IQ oder ältere GENESIS, wie auch amerikanische Proggies vom Schlage SPOCK`S BEARD in den Sinn kommen. Immer wieder werden auch sehr symphonische Elemente in den Gesamtsound eingebracht, wodurch KNIGHT AREA besondere Spannungselemente aufbauen. Trotz aller Prog-Anleihen und opulenter Instrumentierung schaffen es die Herrschaften aber, ihre Kompositionen relativ kurz zu halten. Welche Proggies schaffen es schon, innerhalb von fünf Minuten „fertig“ zu sein und dennoch einen fein konzipierten Song abzuliefern?  Die knapp zwei Jahre, die nötig waren um „The Sun Also Rises“ fertig zustellen, haben sich bezahlt gemacht.
Walter
 
 
GLASS HAMMER – Shadowlands (Aurion/Justforkicks)
Es ist immer wieder erstaunlich, welche Perlen unterschiedlichster musikalischer Ausrichtung im Underground zu finden sind. Erwähnenswert aus der Prog-Ecke sind in jedem Fall die Amis GLASS HAMMER. Die Band existiert bereits seit 1992 und hat mittlerweile auch schon sieben Alben veröffentlicht, die aber kaum eine Menschenseele kennt. Daran sollte sich aber mit ihrem aktuellen Werk „Shadowlands“ etwas ändern, denn der noch recht neue, aber ungemein aktive deutsche Vertrieb und Mailorder Just For Kicks Music (www.justforkicks.de) kümmert sich ab sofort um die Belange der Band hier in Europa.  So spröde und zerbrechlich der Name auch klingen mag, die Kompositionen klingen durchaus standfest. Die langjährige Erfahrung ist den Musikern anzumerken. Die Initiatoren namens Fred Schendel (V, G,K ,D) und Steve Babb (B, K) verstehen ihr Handwerk vorzüglich und auch die ihnen zur Seite stehenden Vokalisten Walter Moore, Sarah Snyder und Susie Bogdaowicz fallen im Vergleich nicht ab. Die insgesamt fünf vorgetragenen Prog-Epen verzaubern den Zuhörer geradezu mit vorzüglichen Arrangements, wobei vor allem die immer wieder eingesetzten mehrstimmigen Gesangspassagen für Gänsehaut sorgen. „Shadowlands“ ist ein rundum schönes Werk, bei dem trotz vermutlich geringem Budget auch der Sound und vor allem das von Travis Smith entworfene Cover gelungen sind.
Walter
 
 
MELODINE – Out Of Your Hands (Atenzia/Musica)
Ich dachte zunächst, dass es sich hier um ein Solo-Projekt handelt. Evan Frankfort, die treibende Kraft hinter MELODINE, tritt nämlich nicht nur als Sänger und Songwriter in Erscheinung, sondern auch als Produzent. Wie auch immer, MELODINE werden als Band betrachtet; soll uns auch recht sein. Als solche konnte man bereits 2001 ein Werk namens „Appreciation“ in Umlauf bringen. „Out Of Your Hands“ ist eine Gratwanderung zwischen herkömmlichem, aber recht rockigem Pop und Gitarrenrock geworden. Ab und zu klingt die Sache nach Brit Pop, wobei hier die Grenze zwischen Pop und Rock ohnehin noch nie wirklich ganz deutlich zu erkennen war. Radiotauglich sind die Kompositionen allesamt, wenn auch die für einen „Hit“ zwingenden Melodien fehlen. Für den herkömmlichen Popmusikkonsument sind MELODINE wahrscheinlich zu heftig, während der Hardrocker die Scheibe eher gegen Schlafstörungen verwenden wird.
Walter
 
 
INNERSELF – Emotional Disorder (Locomotive/NSM)

Auf der vor kurzem zu Ende gegangenen Tour von GRAVE DIGGER durch Spanien hatten INNERSELF die Ehre, im Vorprogramm auftreten zu dürfen. Dadurch wird die Band ihren Status in der Heimat mit Sicherheit noch weiter ausbauen können. In unseren Breitengraden sind INNERSELF aber noch unbekannt, was auch nicht verwundert, denn bei „Emotional Disorder“ handelt es sich um das Debüt dieser erst seit 2001 existierenden Band. Das Quintett präsentiert uns recht gefälligen Power Metal, der dezent thrashig klingt und vor allem aufgrund der „Schrubb-Gitarren“ ab und zu an die Frühwerke von MORGANA LEFAY erinnert. Die Stimme von Fernando Mateos ist relativ rau und tief, im Stimmumfang allerdings einigermaßen limitiert, weshalb den Songs auf Dauer auch ein wenig mehr musikalische Abwechslung gut getan hätte. In den Ansätzen kann man der Band aber durchaus Potential bescheinigen und da dies erst der Anfang einer musikalische Karriere ist, sehe ich kein Problem genanntes Manko schon beim nächsten Album verbessert präsentiert zu bekommen.
Walter
 
 
DEACON STREET PROJECT – Same (AOR Heaven/Musica)
Hinter diesem Projekt verbirgt sich einmal mehr eine Kooperation diverser Musiker, die ihren Überschuss an musikalischer Kreativität nicht verbergen wollen. Das ist auch gut so, denn schon häufig wurden wir durch Projekte erst so richtig auf bestimmte Musiker bzw. Bands aufmerksam. Bei DEACON STREET PROJECT haben wir es mit der Liasion Tony Denander (G, u.a. RADIOACTIVE) und Chris Demming (V, AOR) zu tun. So ganz nebenbei konnten, neben anderen, die Herren Marcel Jacob, Jeff Northrup und Lars Chriss zur Mitarbeit überredet werden - klingende Namen, die keiner weiteren Erklärung bedürfen. Mit AOR Heaven fand sich auch das zur Musik passende Label, denn wer sich nach Songtitel wie „Before I Loved Just You“ oder „Love Got A Hold On Me“ noch immer nicht ganz im Klaren ist, welche stilistische Bandbreite hier geboten wird, dem sei durch das Label geholfen. Als Vergleiche fallen mir immer wieder JOURNEY oder GIANT ein, wobei deren musikalische Klasse (hä? Andi) aber nicht ganz erreicht wird. Für den hoffentlich demnächst kommenden Frühling ist dieses Album aber schon einmal die optimale musikalische Einstimmung.
Walter

GRIP INC. ­ Incorporated (Steamhammer/edel) >>> Interview
Es hat ja reichlich lange gedauert, bis uns die deutsch-amerikanische Thrash Metal-Formation GRIP INC. endlich wieder mit einem neuen Album erfreuen konnte. Warum, weshalb und weitere Infos zur neuen Scheibe lest Ihr im INTERVIEW, das uns Waldemar Sorychta gegeben hat. „Incorporated“ entstand zwar unter recht üblen Vorrausetzungen, lebt aber im Endeffekt dennoch nicht nur von purer Aggression. Dafür sind die in der Band involvierten Musiker (Waldemar Sorychta (G), Dave Lombardo (D) und Gus Chambers (V)) technisch zu versiert und offensichtlich auch als Songwriter zu begnadet. An Ideen mangelte es der Band beim Songwriting nämlich überhaupt nicht. Viel eher besteht die Gefahr, dass die Scheibe bei traditionell veranlagten Thrashern für Probleme sorgen könnte. Neben einer schwer modern donnernden Produktion sind nämlich auch Elektronik-Einsprengsel und gar Industrial-angelehnte Passagen zu vernehmen. Zum Glück ist die Basis des Werkes aber immer noch heftigster Thrash. Was uns die Herren in ihren Texten zu vermitteln versuchen, ist mitunter (logischerweise, wer die Entstehungsgeschichte kennt) fast schon mit punkiger Attitüde gleichzusetzen. Mir fallen auf Anhieb nur die längst verblichenen Thrasher SACRED REICH ein, die auf ähnliche Weise politische Missstände aufgezeigt haben. Aber dieser Vergleich bezieht sich nur auf die Songtexte, denn musikalisch sind GRIP INC. eigenständig genug, um mit dieser Scheibe wieder einmal aus der Masse herauszuragen.
Walter

AFTER FOREVER ­ Exordium (Transmission/Musica)
Diese Niederländer sollten in Prog-Kreisen genau so bekannt sein wie bei Freunden von gothisch angehauchten Klängen. Das Mikro schwingt hier mit Floor Jansen eine der begnadetsten Sängerin Europas. Nicht umsonst hat Arjen Lucassen sie immer wieder auf seiner Gästeliste, wenn es darum geht, ein neues AYREON-Werk einzuspielen. Mit jener Art von Musik haben AFTER FOREVER aber weniger gemeinsam. Die vorliegende Mini-CD, die jedoch als Special-Edition noch eine DVD enthält, soll zeigen, in welche Richtung die Musik der Niederländer in Zukunft gehen wird. Nach einem Instrumental als Opener werden zunächst die Gothic-Freunde mit „Beneath“ erfreut. Das folgende „My Choice“ entpuppt sich als relativ kitschige Ballade, die aber dennoch im Stande ist Gänsehaut zu erzeugen. Wesentlich heftiger geht es dann bei „Gloryfing Means“ zur Sache, was auch am abwechselnden Gesang zwischen der Engelsstimme von Floor und dem derb-aggressiven Shouting von Sander Gomanns, dem Gitarristen der Band, liegt. In weiterer Folge wird mit „The Evil That Men Do“ ein Metal-Klassiker (nojo... Andi). vorgetragen. Die AFTER FOREVER Version des alten MAIDEN-Schinkens ist zwar durchaus geglückt, aber auch nicht unbedingt umwerfend. Mit „One Day I´ll Fly Away“ von Randy Crawford versuchen sich AFTER FOREVER auch noch an einer Pop-Nummer, die ich aber im Original nicht kenne, weshalb mir ein Vergleich nicht möglich ist. Generell passt aber auch diese Nummer recht gut zur Formation. Ich denke, wir werden in Zukunft noch abwechslungsreichere Songs von den Niederländern aufgetischt bekommen. Warten wir erst einmal die demnächst erscheinende CD ab.

Walter

SHUGAAZER ­ Shift (Atenzia/Musica)
Nicht ganz meine Welt, die Musik von SHUGAAZER. Aber die Amis rund um den ehemaligen DANGER DANGER-Sänger Paul Laine haben durchaus das Zeug im Pop/Rock-Bereich für Furore zu sorgen. Zwar weiß ich nicht, ob klischeefreier Gitarrenrock seinen Sendeplatz in den bekannteren Radiostationen bekommen wird, für Rock-orientierte Sender muss diese Band aber doch von Interesse sein. Mit ihrer Mischung aus weniger rauen NICKELBACK-Gesängen, erdigen Gitarren, die jedoch eher unverzerrt gespielt werden und einer Prise Brit-Pop, lassen sich mit Sicherheit jene Fangruppen erschließen, die nicht zwingend METAL zum Frühstück serviert bekommen müssen, aber auch vom Pseudo-Punk der Konsorten wie SUM 41 die Schnauze voll haben.
Walter



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