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DAYS OF LOSS – Life Is Decay (Terrasound) Ich muss offen zugeben, dass ich mit den Wienern DAYS OF LOSS bislang noch nicht so richtig warm geworden bin. OK, ich hab´ mich auch noch nicht wirklich essenziell mit ihnen auseinandergesetzt. Dass sich die Umstände aber gar so schnell ändern, hätte ich mir nicht gedacht. Die Band hat mit „Life Is Decay“ (nach dem Demo „Lobotomy“ und „Sleeping Gods Lie“ das dritte Output der Truppe) einen Melodic-Deathmetal-Hammer eingespielt, wie er mir aus unserer Heimat selten bis noch nie untergekommen ist. Zwar mangelt es hier und da noch an Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert, aber das erscheint einem relativ wuarscht angesichts der zehn Hammersongs, die hier stramm in Reih und Glied stehen. Soundmäßig gibt’s nichts zu bemängeln (die heimischen Hinterhof-Studios sind schon länger ein Garant für solide und erdige Metalsounds), das Artwork ist vom allerfeinsten und rundet dieses überraschend toughe Teil auch optisch perfekt ab. Stilistisch bewegt man sich irgendwo im Spannungsfeld von Old-School-Trash, nordischem Zeugs aus der AMON AMARTH-Abteilung und kompromisslosem Melody-Death-Gebolze der Marke GOD DETHRONED. In den knapp vierzig Minuten wird die Angelegenheit kein einziges mal langweilig. Auch wenn das ein oder andere Riff vorhersehbar wirkt, kann man im nächsten Moment doch wieder mit überraschenden Twists und Turns punkten. Man kommt immer ziemlich flott auf den Punkt, tut nie lange mit irgendwelchen Parts herum - überhaupt scheint man die Lieder von unnötigem Ballast befreit und aufs wesentliche reduziert zu haben. „Unavoidable Obliteration“ und der Killer-Track „Falling Down“ haben dadurch einen irrsinnigen Drive und sollten erst mal für offene Münder sorgen... Nach mehreren Line-Up-Wechseln hat man mittlerweile auch technisch eine ziemlich kompetente Mannschaft am Start, die es ohne weiteres mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. Eine wirkliche Überraschung also in diesem an hervorragenden Veröffentlichungen eh schon nicht gerade armen Jänner. Goil! www.myspace.com/daysoflossband Mike FOLTERKAMMER - You Must Die (Mungluzen Rec.) FOLTERKAMMER mag man entweder voll, oder man hasst sie voll. Die eigenwilligen Wiener lassen sich in kein musikalisches Korsett zwängen, lärmen nach Herzenslust irgendwo zwischen Thrash und Death und klingen wie eine Mischung aus VENOM und MACABRE. Und wer morbiden Wiener Humor sucht, wird hier reichlich fündig: schon allein die kranken Texte sind den Kauf der CD wert; obskure Ergüsse wie „Brunzstone“ oder „The Unbelievable, Horrible Milkdrinking Bussibaer-Trilogy“ können eigentlich nur aus der FOLTERKAMMER kommen. Das Cover-Artwork ist zum Brüllen, noch nie wurde „Kill `em All“ dermaßen abstrus persifliert. Weiterer Pluspunkt: man versucht gar nicht erst, die werte Hörerschaft mit irgendwelchen ausgefallenen technischen Frickeleien zu beeindrucken. Stattdessen wird erdig und realitätsnah gelärmt, Oldschool-Granaten wie „Assholy Saint“ oder „Theophrastus Bombastus“ zünden dadurch bereits beim ersten Durchlauf. „You Must Die“ ist zwischendurch endlich wieder mal Metaller-Unterhaltung vom feinsten, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Superstar-Ambitionen. Ich verleihe dennoch den goldenen Klobesen für die momentan besten Metal-Entertainer Österreichs! Mike SUCKCEED - Sonication 24/7 (Eigenproduktion) Nach ihrem Erfolg beim österreichischen „Metal Battle“ und der daraus resultierenden Teilnahme am Wacken Open Air 2008 konnten die Burschen von SUCKCEED endlich auch einmal überregional einigermaßen durchstarten. Dieser Lauf sollte sich mit ihrem zweiten Album „Sonication 24/7“ problemlos weiterführen lassen, denn im direkten Vergleich zum Debüt zeigen sich SUCKCEED hinsichtlich des Songwritings merklich gereift und haben ein ordentliches Brett abgeliefert. Mit „Save My Soul“ steigt der Fünfer gleich mit einem hitverdächtigen, melodiebetonten Hammer ins Geschehen ein und liefert in Folge ein Rundum-Wohlfühlpaket für den Traditionsmetaller. Das Spektrum reicht dabei von mächtigen Bangern wie „Hiding Place“ über lässig intonierte Groover wie den Ohrwurm „Keep Me Sane“ bis hin zur gefühlvollen, kitschfreien Ballade „Set The World On Fire“ und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass die Jungs ihre Sache durch die Bank gut gemacht haben. Mitunter kommen zwar Inspirationsquellen wie beispielsweise W.A.S.P. zum Vorschein, doch für die abschließende Coverversion haben sich die Jungs dann doch eine Überraschung aufgehoben. Mit ihrer gelungenen Interpretation von Trent Reznor’s „Hurt“ runden SUCKCEED dieses Album gekonnt ab und lassen auf weitere Taten hoffen. Walter ORPHANED LAND - The Never Ending Way Of ORwarriOR (Century Media/EMI) Frage: wären ORPHANED LAND eine genauso innovative Band, wenn sie nicht aus dem krisengebeutelten Israel kommen würden? Wahrscheinlich nicht, denn gerade der politische und ethnische Background des Quintetts (das sich diesmal gleich um neun Gastmusiker verstärkt hat) macht den prickelnden Kulturen-Cocktail erst möglich. Mittlerweile wissen wir, wie schwer es Metal-Bands im von Religionswahn und Bruderkriegen geprägten Nahen Osten haben. Nach fünf Jahren Vorbereitung und über 600 Stunden in diversen Studios legen ORPHANED LAND mit „The Never Ending Way...“ ein absolutes Meisterwerk vor, nicht mehr und nicht weniger. Wem die Multikulti-Truppe schon bisher zu crossover war, der wird auch mit diesem Konzeptwerk seine liebe Not haben, das mit knapp 80 Minuten die Spielzeit einer CD beinahe sprengt. Aber genauso versucht die Band die Grenzen zumindest in den Köpfen der Menschen nieder zu reißen, Musik ist ja seit jeher schon Völker verbindend, und der Heavy Metal noch viel mehr. Natürlich kann man ein derartig komplexes Album (das noch dazu in drei thematische Bereiche unterteilt ist) momentan weder erfassen, geschweige denn vernünftig beurteilen. „Sapari“ und „From Broken Vessels“ zeigen gleich zu Beginn, dass sich arabische Folklore und Black Metal-Elemente nicht unbedingt ausschließen müssen. Das zweiteilige, fünfzehnminütige „The Path“ ist für mich der Höhepunkt der Platte und beweist, wie grenzenlos Musik sein kann, wenn man sich über Barrieren hinwegzusetzen weiß. Das zweite Kapitel hat einen eher melancholischen Unterton, hier kommen viele traditionelle Akustik-Instrumente zum Einsatz und das Kernstück „Disciples Of The Sacred Oath II“ erinnert ein wenig an nordische Folk-Avantgardisten wie VINTERSORG oder SOLEFALD. In der dreiteiligen Abschluß-Sequenz zieht man nochmals alle Register, legt ein wenig an Härte zu. Hier sticht vor allem das treibende „Barakah“ mit seinem Folk-Intermezzo hervor. Am Ende bin ich einfach nur baff, wie viel intensive Musik man in dieser relativ kurzen Zeit unterbringen kann, wie viel Emotionen, Anleihen aus verschiedenen Kulturen und Epochen, Bilder von verzerrter Schönheit. ORPHANED LAND sind immer noch einzigartig, und „The Never Ending Way...“ ist das klassische Zehn-Punkte-Meisterwerk, das ich hiermit jedem auch nur annähernd aufgeschlossenen Musikfreund wärmstens ans Herz lege. Und dass gerade der noch immer vielerorts verhasste Heavy Metal genau das fertig bringt, wo unsere lieben Politiker reihenweise scheitern, sollte einem auch noch zu denken geben. Mike VARG – Blutaar (NoiseArt/edel) Auch wenn es auf den ersten Blick etwas abstrus wirken mag: die deutschen Pagan/Viking-Metaller VARG singen zwar über Blut und Ehre, distanzieren sich aber gleichzeitig aufs schärfste von rechtem Gedankengut. Dass das recht gut funktioniert und man diese Musikrichtung zwischendurch auch mal gänzlich ohne allzu politischen oder religiösen Zusammenhang sehen darf, hat das Quartett bereits auf seinem Debüt „Wolfzeit“ bewiesen. Inzwischen haben sie mit NoiseArt einen kompetenten Partner in Sachen Metal im Rücken und es wurde ihnen gleich mal ein gewisser Andy Classen als Knöpfchendreher zugeteilt. Das Resultat kann sich dann auch hören lassen – hymnisch, heidnisch, harsch. Die zehn Songs bestechen einerseits durch einen rohen, ungestümen Appeal und sind trotzdem mit massig schönen Melodien durchsetzt, die im Ohr bleiben. Geschichten von Helden, Kriegen und Jagden prägen die gänzlich in Deutsch gehaltenen Texte – das mag für einige vielleicht peinlich und banal rüberkommen, passt hier aber zu einhundert Prozent zur Musik. VARG lassen nordische Strömungen in ihre Musik einfließen, Folklore-Elemente und natürlich auch klassischen Metal, klingen dadurch manchmal nach EINHERJER (wenngleich nicht ganz so verspielt) oder entfernt nach MANEGARM, auch wenn sie deren Klasse nicht erreichen. „Blutaar“ ist für ein Zweitlingswerk beachtlich hoch im Niveau und wird Freunden des Genres durchwegs gefallen. Als Anspieltipps seien hier das dramatische Mini-Opus „Seele“, der bangfreundliche Klopfer „Wilde Jagd“ (mit Text fast zum schmunzeln) und der astreine Viking-Kracher „Viel Feind Viel Ehr“ mit seiner eingängigen Hookline erwähnt. Mike DARK TRANQUILLITY - We Are The Void (Century Media/EMI) Dieses Album wird wahrscheinlich nicht nur von mir, sondern von Heerscharen an Metalheads sehnsüchtigst erwartet - „Fiction“ ist ja fast schon wieder drei Jahre her. Und das Warten hat sich gelohnt. Wer geglaubt hat, die sympathischen Göteborger hätten bereits ihre 15 Minuten Ruhm durch und ruhen sich nun auf ihren Ärschen aus, den wird „We Are The Void“ höchstwahrscheinlich ziemlich wegblasen. In knapp 50 Minuten klöppelt das Sextett einen Melo-Metal-Kracher nach dem anderen herunter. Melodien für die Ewigkeit quasi in Fliessbandarbeit. Daniel Antonsson (ex-SOILWORK), Neuzugang am Tieftöner, bereichert die ohnehin königliche Gitarrenfront Sundin/Henriksson noch um einen satten Groove. Mikael Stanne konzentriert sich diesmal wieder eher auf die deathigen Vocals, statt sich wie bei „Fiction“ im Wechselgesang zu versuchen, und verbreitet damit bisweilen sogar dezente Black Metal-Vibes. Und schlussendlich hat Producer Tue Madsen (jaja, der Madsen...Freizeit hat der wohl nicht viel...) das ganze noch in so ´ne Art Retro-Göteborg-Sound gepackt, so dass alles ein wenig back to the roots klingt – nicht so überkandidelt wie IN FLAMES und nicht so noisy wie AT THE GATES. Ja, es darf inzwischen ruhig das eine oder andere Freudentränchen verdrückt werden. „Shadow In Our Blood“ oder „At The Point Of Ignition“ sind nur zwei Beispiele dafür, wie man Gefühl und Härte, Metal- und gar Gothic-Elemente, Effizienz und natürliche Unaufdringlichkeit in Songs packt. Und wie man unvergessliche Hooklines in rauen Mengen raushaut. Das eher getragene „The Grandest Accusation“ ist der einzig schwache Song (wenn man hier überhaupt diesen Terminus gebrauchen darf), die wunderschöne Gänsehautsymphonie „Her Silent Language“ und das epische „Iridium“ sind einfach nur charmant umwerfend und nicht von dieser Welt. Süß duften die Räucherstäbchen, man hüpft kopfwackelnd und mit breitem Grinsen durch die rotweingeschwängerten Rauchschwaden in der abgedunkelten Wohnung, und die ewigen „Konkurrenten“ von PARADISE LOST können sich jetzt gleich mal warm anziehen. Zwei zu eins im Spiel Göteborg gegen Halifax. Alles gipfelt trotz durchgehend höchstem Niveau in „I Am The Void“ und dem rasanten „Surface The Infinite“ und hinterlässt schlussendlich einen völlig verblüfften, aber glücklichen Rezensenten. Und auch wenn es banal klingt – 2010 hat bereits jetzt einen Anwärter fürs Album des Jahres. „We Are The Void“ ist für mich die dickste Schweden-Bombe seit was weiß ich wann – ohne Scheiß! Mike DETENTE - History 1 (Cognitive Records) Den Namen DETENTE großartig vorzustellen, hieße einmal mehr die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu transportieren, denn diese Formation hatte im Jahr 1986 mit „Recognize No Authority“ ein Album anzubieten, das sich im Endeffekt mehr als nur nachhaltig erweisen sollte. Zum einen weil die Truppe ihren deftigen Thrash Metal - nicht zuletzt auch auf Grund der überaus sozialkritischen Texte - mit einer satten Hardcore-Schlagseite auszustatten wusste; zum anderen, weil Frontdame Dawn Crosby als eine der ersten Frontdamen im gesamten Musikbereich mit derbstem Gesängen aufwartete. Da es der Band während ihrer Existenz leider niemals gelingen konnte, auch nur annähernd jenen Bekanntheitsgrad zu erreichen, der ihnen an sich zugestanden wäre und DETENTE auch nicht gerade lange Zeit existent waren, könnte der Bandname selbst zwar eventuell ein wenig in Vergessenheit geraten sein, selbstredend aber nicht die Wichtigkeit dieser Band für die Szene. Die im Jahr 1996 verstorbene Dawn Crosby konnte sich zwar danach mit FEAR OF GOD einigermaßen Respekt erspielen, durfte es aber leider nicht mehr miterleben, wie gewaltig ihr Einfluss auf weitere Entwicklungen innerhalb der Szene sein sollte, war dieser damals doch noch gar nicht abzusehen. Ihre beiden ehemaligen Mitstreiter Steve Hochheiser und Caleb Quinn haben das Vermächtnis von DETENTE nicht nur am Leben gehalten, sondern in späterer Folge die Band erneut aktiviert. Mit der bis dato unbekannten Tiina Teal haben die Burschen zuletzt abermals eine neue Frontdame vorgestellt, mit der sie uns in Bälde auch erneut veröffentlichungstechnisch abermals die Ehre erweisen werden. Bis dahin wird jedoch noch ein wenig Zeit vergehen, während der man sich wahlweise mit dem vor einiger Zeit neu aufgelegten einzigen Album der Formation vergnügen kann, oder aber mit der vorliegenden Compilation. Darauf ist zunächst das erste Demo „Shattered Illusions“ aus dem Jahr 1985 in überarbeiteter Form zu vernehmen, das die urwüchsige Thrash Metal-Variante dieser Band herrlich dokumentiert. Ein Ohrenschmaus für jeden Thrasher! Danach gibt es die Tracks der beiden CATALEPSY-Demos „Evil Within“ (1987) und „Law And Disorder“ (1988) zu bestaunen, wobei uns von letzterem jedoch „Piece Of My Heart“ vorenthalten wurde. CATALEPSY war bekanntermaßen im Prinzip die direkte Nachfolge-Formation, als sich DETENTE anno 1986 aufgelöst hatten. Mit der späteren Produzenten-Legende Ross Robinson und Steve Hochheiser waren zwei ehemalige DETENTE-Musiker bis zum jähen Ende in das Geschehen involviert, während Caleb Quinn nur kurzeitig bei CATALEPSY am Start gewesen ist. Ein in späterer Folge zu einem der bekanntesten seines Faches gewordener Drummer namens Dave McClain vervollständigte die Instrumentalabteilung, die durch Veronica Ross am Mikro unterstützt wurde. Nicht zuletzt dadurch unterscheiden sich die Tracks der CATALEPSY-Phase auch sehr deutlich von den DETENTE-Kompositionen, denn Veronica verfügt über ein wesentlich wenig extremes Organ als die unvergessene Dawn. Allerdings war die damals neu formierte Band scheinbar dabei, sich auch stilistisch umzuorientieren, denn schon die Tracks des ersten CATALEPSY-Demos klingen deutlich weniger offensiv dargeboten. Auf „Law And Order“ waren die Amis dann fast schon beim Techno Thrash Metal angelangt, wozu die Stimme von „Roni“ verdammt gut gepasst hat. Leider gab es in Folge keinerlei weitere Lebenszeichen von CATALEPSY, an Hand von „History 1“ lässt sich das Potential jener Formation zumindest posthum in komprimierter Form nachvollziehen. Den Erwerb dieses Teils rechtfertigt aber ohnehin allein der Umstand, dass man sich „Shattered Illusions“ in CD-Form genehmigen kann. Sehr neugierig auf eventuelle weitere Taten diesbezüglich macht mich zuletzt der Umstand, dass vorliegender Silberling „History 1“ getauft wurde. Walter MNEMIC - Sons Of The System (Nuclear Blast/Warner) Ist das nicht einer der Lieblingsbands von METALLICA? Auch egal. Das vierte Output der dänisch-französischen Kooperation wird zumindest wieder jene Normalsterblichen befriedigen, die FEAR FACTORY oder MESHUGGAH zu ihren Faves zählen und auf melodiöses wie technisch anspruchsvolles Metal-Genudel stehen. Ich kann mich mit der Mucke jedoch nicht anfreunden – ein Umstand, der sich so schnell auch nicht ändern wird – was seltsam ist, da ich ja zumindest auf die beiden oben genannten Bands stehe. Vielleicht sind es die zwanghaft wirkenden Emo-Einschübe (hab ich heute schon von meiner Emo-Allergie gesprochen?), vielleicht ist es momentan bloß das doch etwas unübersichtliche Gesamtprodukt. „Sons Of The System“ braucht vielleicht Zeit, um zu reifen. Gerne würde ich dem Quintett eine gute Rezension schreiben, aber ich stehe momentan noch vor einem Puzzle, das es erst mal zusammenzufügen gilt. Der eröffnende Titeltrack hat jedenfalls schon mal ordentlich Ameisen im Hintern, Shouter Guillaume Bideau kann auf aggro und auch auf voll lieb. „Diesel Uterus“ ist dann wiederum was für die Mathematiker unter den Metallern (soll´s ja einige geben...). Schön breitwandig, fast schon Devin Townsend-isch ist der Sound, den Tue Madsen (was produziert der Typ eigentlich NICHT ?) den Jungs hier zurechtgezimmert hat. Und „Climbing Towards Stairs“ fetzt so schön, dass ich es zumindest gerade jetzt für den besten Track der ganzen Angelegenheit halte. „Elongeated Sporadic Bursts“ ist dann recht herzallerliebst anzuhören, bevor das finale „Orbiting“ fast schon so etwas wie einen satten Groove hat. Also, man gebe dem Teil vielleicht einfach Zeit, ich bin mir sicher, irgendwann zündet die Sache. MNEMIC sollten meines Erachtens nach jedenfalls noch eine rosige Zukunft haben, denn mit dieser Platte sind sie zumindest sehr nah am Puls der Zeit. Mike FINNTROLL – Nifelvind (Century Media/EMI) FINNTROLL können an und für sich gar nix mehr falsch machen, wenn sie ihren Stil einfach nur dezent weiterpflegen. Und das tun sie dann auf Opus Nummer fünf auch. Deftigen Metal mit Folklore zu verbinden ist an und für sich nichts Aufregendes und auch nicht sonderlich schwer oder gar neu, aber FINNTROLL bringen auf „Nifelvind“ alles wieder mal so exakt auf den Punkt, dass man sie mittlerweile getrost die alleinige Speerspitze des Pagan-Metal nennen kann (mit großem Respektabstand folgen dann irgendwann ELUVEITIE). Der galoppierende Opener „Solsagan“ mit seinen symphonischen Ausritten, die Schunkel-Hymne „Ett Norrskensdad“ oder das rasant-blackmetallische „I Trädens Sang“ beweisen das einmal mehr sehr deutlich und sind einfach nur typisch für die Band aus Helsinki. Vreth, Skrymer und Co. bringen genügend schwermetallische Härte und energiegeladenen Symphonie-Bombast in ihre Songs, ebenso wie ihren unverkennbaren (finnischen) Humor, Folkelemte und diese gewisse Leck-mich-am-Arsch-Attitüde. Das macht sie einerseits so liebenswürdig und andererseits so einprägsam. „Galgasang“ etwa ist eine wunderschön reduzierte Folknummer. Beim folgenden „Mot Skuggornas Värld“ werden schon wieder alle Register metallischer Tonkunst gezogen und bei „Fornfamnad“ wird beides miteinander verbunden, dass es brachialer kaum geht. Wo FINNTROLL draufsteht ist also auch diesmal wieder FINNTROLL drinnen, „Nifelvind“ enttäuscht mit Sicherheit nicht, zum Meilenstein in der Bandhistory reicht´s dann aber auch nicht. Was in Anbetracht des gewohnt hohen Niveaus und der atmosphärischen Dichte aber auch ziemlich wuarscht is. Mike METAL LAW – Lawbreaker (Metal On Metal Records) Der Name ist hier eindeutig Programm und schon ihr Debüt „Night Of The Wolf“ brachte dieser Band Lorbeeren in einschlägigen Kreisen ein. Auch wenn für viele die Klasse dieser Formation zum damaligen Zeitpunkt etwas überraschend wirkte, muss angefügt werden, dass es sich im Jahr 2007, als die Burschen debütierten, längst nicht mehr um Newcomer gehandelt hat. METAL LAW sind aus der damals bereits recht bekannten Band RAPID FIRE hervorgegangen, die wiederum vor mehr als zehn Jahren unter dem Banner REUDIG gegründet wurden. Aber ganz egal, wie auch immer dieses Unternehmen benannt gewesen ist: Tatsache ist, dass die vier Herren sich mit Leib und Seele dem traditionellen Metal hingegeben haben. Selbstredend gibt es auch auf „Lawbreaker“ ausschließlich Metal in besagter Machart zu vernehmen, wobei die Inspiration in erster Linie von den frühen MANOWAR stammen dürfte, aber auch JUDAS PRIEST, sowie PRIMAL FEAR und RUNNING WILD müssen unbedingt erwähnt werden, um die Gangart der Burschen zu beschreiben. Dass zu derlei Sounds auch dementsprechend „metallische“ Texte vorgetragen werden, versteht sich ebenso selbst. Wie auch klar sein sollte, dass die Attitüde der Burschen sehr authentisch rüberkommt. Mit dem Finale „Heavy Metal Is Forever“ spricht die Truppe im Endeffekt nicht nur ihrer Klientel direkt aus dem Herzen, sondern auch sich selbst: bei METAL LAW ist der Metal in der Tat Gesetz. Walter THROWDON – Deathless (Nuclear Blast/Warner) In Orange County geht´s wieder mal rund. Aus dem beschaulichen Landstrich südlich von LA kommt mittlerweile eine bemerkenswerte Menge an interessanten Bands (ATREYU, THRICE, AVENGED SEVENFOLD - um nur einige zu nennen (sind auch alle wirklich höööchst interessant... Andi)). Die ebenfalls dort beheimateten THROWDOWN gehen mit ihrer sechsten CD „Deathless“ einen weiteren Schritt weg von ihren Hardcore-Roots. Ein Song wie das schleppende „Tombs“ beispielsweise ist deutlich näher im Aktionsradius von PANTERA zu suchen als anderswo. „The Blinding Light“ und „Serpent Noose“ tönen aufgrund der Gesangsharmonien ein wenig nach ALICE IN CHAINS und an anderer Stelle erinnern mich die Jungs wiederum an die Belgier CHANNEL ZERO (R.I.P.). Diese Bands sollten als Orientierungsdreieck genügen, um den Status Quo von THROWDOWN anno 2010 einzugrenzen. Dave Peters’ ausdrucksstarkes Organ dominiert die von einfachen, aber effektiven Gitarrenriffs geprägten Songs, und gipfelt meistens in beeindruckend hymnischen Refrains. Session-Drummer Jarrod Alexander (DEATH BY STEREO, A STATIC LULLABY) wertet die zwölf überaus groovigen Tracks mit seinem unaufdringliche, dafür umso effektiveren Gekloppe zusätzlich auf. Dass so ziemlich alle Songs bis auf den Opener „The Scythe“ und „Headed South“ im Slow- bis Midtempobereich angesiedelt sind, stört nicht weiter, erhöht den Groovefaktor und auch die Übersichtlichkeit. Aber es macht die Sache auch ein wenig vorhersehbar und bisweilen sogar langweilig. Als Punkt in der Entwicklung von THROWDOWN ist „Deathless“ für mich nicht von so großer Bedeutung wie das wesentlich aussagekräftigere „Haymaker“. Wenn man zukünftig PANTERA’s Southern Rock-Appeal mit geilen Melodien und Riffs voll auf die Zwölf (wie im großartigen „Pyre & Procession“) kombinieren kann, wird die Sache durchwegs rosig aussehen. Diesmal reicht´s jedoch bloß für ein wenig überm Durchschnitt. Mike DEVILLE - Hail The Black Sky (Buzzville Records / Rough Trade) Mit „Come Heavy Sleep“ haben diese Schweden im letzten Jahr den Schlaf zwar förmlich herbeigesehnt, mit ihrer packenden Melange auf Basis von dreckigem Wüstenrock in Kombination mit klassischem 70er-Jahre Hardrock damit jedoch beim Zuhörer das Gegenteil bewirkt. Mittlerweile sind die Burschen aus dem Drei-Kronen-Land aus ihrem selbstauferlegten Dornröschen-Dasein erwacht, um nun dem verdunkelten Himmel zu huldigen. Dieser Titel lässt sich wesentlich einfacher nachvollziehen, auch wenn mir zu den Klängen von DEVILLE weniger von natur aus verdunkeltes Firmament einfällt, als viel mehr ein von verdrecktes Umfeld, in dem es schwer fällt, zu atmen. Platz für Luft haben die Burschen auch ihren Kompositionen keine vergönnt, hier wird direkt und schnurstracks nach vorne und direkt gerockt und das ohne Rücksicht auf Verluste. Die imaginäre Dreckwolke am Himmel lässt sich auch aus den Boxen vernehmen, denn DEVILLE lassen jeden Speaker zum Glühen und Qualmen bringen. Unbedingt erwähnt werden muss auch noch, dass DEVILLE ihr Vortragstempo im direkten Vergleich zu „Come Heavy Sleep“ offenbar ein wenig reduziert haben, wodurch der Druck der Kompositionen zusätzlich ansteigen konnte und der griffige Mix aus Desert, Stoner, Doom und Hardrock noch ein wenig intensiver aus den Boxen kommt. Auch wenn zum Durchbruch die ganz großen Hits noch immer fehlen, ist „Hail The Black Sky“ zumindest für Genrefreunde ein absolutes MUSS! Walter IHSAHN – After (Candlelight / Soulfood) Irgendwie trifft Ex-EMPEROR-Chef Ihsahn mit seinen Soloveröffentlichungen bei mir (und nicht nur da) genau ins Schwarze. Das progressiv-düstere Material, das er auf „The Adversary“ und „angL“ zelebriert hat, findet auf „After“ seine konsequente Fortsetzung – zum Abschluss dieser wundersamen Trilogie. Der gute Mann hat scheinbar irre viel Spaß am Ausloten seiner eigenen musikalischen Grenzen und dem permanenten Verschieben derselben in alle nur erdenklichen Richtungen. Unvorhersehbar und innovativ ist „After“ – ohne sich pseudointellektuell anzubiedern. Also kein Album für Musikstudenten, sondern für aufgeschlossene, neugierige Musikliebhaber. Mit den beiden SPIRAL ARCHITECT-Musikern Lars Norberg (b.) und Asgeir Mickelson (dr.) ergänzt sich Ihsahn diesmal aufs allerfeinste, Jorgen Munkeby von SHINING steuert hier und dort ein wenig Saxophon bei – und auch das passt hier ins Bild. Wer jetzt wieder schreit „Bah, dem ist doch nur fad, seit es EMPEROR nimmer gibt!“ dem sei erst mal der Track „Undercurrent“ als Warm-Up empfohlen. In diesem zehnminütigen Moloch konzentrieren sich sämtliche Facetten düsterer Musik zu einem Unikat an Stimmung und Aussagekraft. Hier wird deutlich, wie viel Liebe zum Detail Isahn in seine Songs einbringt: bei jedem mal Hören entdeckt man hier Neues. „Austere“ erinnert von den Vibes entfernt an KATATONIA, und der wütende Black Metal-Höllenritt „A Grave Inversed“ fällt zwar ein wenig aus der Reihe, dafür werden aber sämtliche Musikerkollegen aus dem Norden dankend auf die Knie fallen, dass es bisher kein weiteres EMPEROR-Album gegeben hat: hier hat man eine ungefähre Ahnung, wie ein solches klingen würde. So gesehen, schade eigentlich... Man sollte sich nicht täuschen lassen: trotz gelegentlicher Auflockerungen zwischendurch ist „After“ genauso schwer verdaulich wie die anderen Teile dieses Tryptichons. Weitab von jeglichem Kommerz operiert man hier in einem ganz eigenen Universum, die Zahl vergleichbarer Acts ist in etwa null. Rückblickend ist diese Trilogie zusammengenommen eine der bemerkenswertesten Veröffentlichungen der letzten zehn Jahre und hoffentlich nicht Ihsahns letzte Grosstat. Fazit: einfach nur geil. BRAINSTORM - Just Highs No Lows (12 Years Of Persistence) (Metal Blade/Sony) Zwar sind die Schwaben mittlerweile bei AFM Records unter Vertrag und haben mit „Memorial Roots“ auch bereits ein erstes Album für ihren neuen Vertragspartner abgeliefert, aber dennoch haben es sich Metal Blade nicht nehmen lassen, die Fanscharen noch ein letztes Mal zu bedienen. In Form einer sehr gelungenen Best Of-Compilation wissen die Macher ihre schwäbischen Zugpferde amtlich zu würdigen und aus ihren Fittichen zu entlassen (aber es geht keineswegs darum, ev. noch ein paar Cents damit zu verdienen... oder? Andi). Insgesamt 32 Songs sind auf diesem Doppel-Whopper vertreten, der seinen Titel absolut verdient hat, wobei man selbstredend die Entwicklung dieser Band auf imposante Weise nachvollziehen kann. Ob von ersten beiden Alben nur deshalb lediglich „Voices“ und „Liar’s Edge“ in Live-Aufnahmen zu finden sind, weil man seinerzeit noch nicht Andy B. Franck im Line-Up hatte, oder ob es diesbezüglich doch eher einen geschäftsbedingten Hintergrund geben sollte, entzieht sich meiner Kenntnisse, tut aber auch nicht viel zur Sache, zumal die Burschen ohnehin erst mit ihrem Metal-Blade-Debüt „Ambiguity“ so richtig durchstarten konnten. Von besagtem Werk sind deshalb, ebenso wie von „Metus Mortis“, vier Nummer zu hören. Jeweils fünf Songs stammen von „Liquid Monster“ und dem letzten Metal Blade-Studioalbum „Downburst“, während gleich ganze sechs Stück von „Soul Temptation“ stammen. Dieser „reguläre“ Best Of-Teil wurde zudem noch um eine ordentliche Anzahl von weiteren Schnittchen aufgeppet. So bekommen wir neben dem gelungenen JUDAS PRIEST-Classic „Before The Dawn“ auch die überaus unterhaltsame Version des Schlagers „Amarillo“ zu hören, mit dem BRAINSTORM für einige Zeit ihre Gigs zu beenden pflegten. Um den Kaufpreis, der ohnehin recht günstig gehalten wird, da dieser „Doppler“ zum Preis einer Einzel-Scheibe in die Läden kommt, endgültig zu rechtfertigen, bekommt der europäische BRAINSTORM-Jünger auch die bislang nur auf den japanischen Scheiben verewigten Songs „Breathe“, „Crawling in Chains“ und „Drowning“ zu vernehmen. Viel mehr BRAINSTORM in dermaßen kompakter und essentieller Form geht wohl kaum! www.myspace.com/officialbrainstorm Walter |
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