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JUNI 2009
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GOD DETHRONED - Passiondale (Metal Blade/SPV)

Alter Schwede! Alter Holländer!

Ein so heftiges Album hat nach dem vergleichsweise gemäßigten „The Toxic Touch“ wohl niemand erwartet. GOD DETHRONED sch***en aber auf die Berechenbarkeit, gehen wieder einen Schritt in Richtung eigene Wurzeln und liefern mit „Passiondale“ eine Schwarte ab, die von vorne bis hinten ohne markanten Ausfall durchkracht. In einer knappen dreiviertel Stunde handeln Henri Sattler und Henk Zinger (die sich mit Susan Gerl an der Stromgitarre und ihrem früheren Drummer Sander Van Hoof verstärkt haben ) das Thema „Passchendaele“ ab, jenes Erste Weltkrieg-Trauma Belgiens, das auch IRON MAIDEN bereits durchgekaut haben. Und so wie die Schlacht um dieses unbedeutende Dorf, die als Synonym für die abartige, sinnlose Dimension des Krieges an sich herhalten kann, sind auch die zehn Songs: brutal, rücksichtslos, und manchmal ein wenig zu berechenbar.

Noch blitzen immer wieder kleine Lücken auf, die an „The Toxic Touch“ und „The Liar Of The White Worm“ erinnern, wie etwa bei ‚Poison Fog’ , beim Titeltrack mit seinem typischen GOD DETHRONED-Refrain oder im eingängigen ‚Behind Enemy Lines’. Aber insgesamt klingt die Platte noch mehr wie aus einem Guss als ihr Vorgänger, auch wenn der rote Faden erst nach einer Weile sichtbar wird. Die Holländer können sich hier noch mal deutlich steigern, klingen tighter und homogener als je zuvor.

„Passiondale“ ist ohne viel Herumgerede ein kleines Death Metal Masterpiece. Zwar mit Ecken, Kanten und manchmal etwas vorhersehbar, dafür jedoch weit weniger kommerziell als sein Vorgänger.

www.goddethroned.com

Mike


MAGNUM - Into The Valley Of The Moonking (Steamhammer / SPV)

Die allerorts herrschende Begeisterung, die das letzte Studioalbum „Princess Alice And The Broken Arrow“ ausgelöst hatte, versetzte den Mannen rund um Sangesikone Bob Catley und „Chef vom Dienst“ Tony Clarklin offenbar einen derartigen Motivationsschub, dass sie sich noch mehr ins Zeug gelegt haben, um uns würdigen Nachfolger zu bescheren.

Und „Into The Valley Of The Moon“ hält, was die Herrschaften versprochen haben und entpuppt sich einmal mehr als überaus eingängiges Album inklusiver sämtlicher Trademarks der Band. Aber nicht nur der Inhalt ist einmal mehr vom Feinsten, auch optisch gibt die Scheibe etwas her. Großmeister Rodney Matthews hat einmal mehr seinen Pinsel mit überaus imposantem Ergebnis geschwungen (hüstel. Andi). Auch hinsichtlich der Musik ist ausschließlich „typisches“ MAGNUM-Material enthalten, doch wozu Experimente wagen, wenn man selbst und auch die Klientel nichts anderes erwartet, als exakt das, wofür eine Band seit langen Jahren berühmt ist? Eben. Und aus exakt diesem Grund enthält „Into The Valley Of The Moonking“ erneut saftige Rockriffs, die sich in bandtypischer Manier mit einschmeichelnden Melodien abwechseln. Herrliche Keyboard-Klänge ergießen sich über der mitunter durchaus deftigen Gitarre von Meister Clarkin und dazu passt wie immer auch die Stimme von Bob Catley. Über dessen Sangeskünste muss erst gar nicht zu diskutiert werden, was ebenso auch auf seine Kompetenz als Texter zutrifft, die das Gesamtpaket einmal mehr perfekt abrunden. Als besonderes Zuckerl kommt die Scheibe wahlweise als Digipack inklusive einer Bonus-DVD, oder aber als Doppel-Vinyl (!) in die Läden.

www.magnumonline.co.uk

Walter


DARKNESS BY OATH – Fear Yourself (Cyclone Empire)

Die Spanier DARKNESS BY OATH bieten mit ihrem Zweitlingswerk „Fear Yourself“ Schweden Melodic Death Mucke vom Feinsten, wobei streckenweise ganz ordentlich aufs Gaspedal gedrückt wird.

Man fühlt sich an die Blütezeit *nostalgier* von AT THE GATES oder IN FLAMES erinnert, um damit nur einige offensichtliche musikalische Inputs beim Namen zu nennen. Die vorliegende Scheibe donnert also vom ersten bis zum letzten Song wie ein hochsommerliches Gewitter aus den Boxen, ohne je langatmig oder eintönig zu klingen, da erfreulicherweise auch die Highspeedparts immer von kongenialen Melodien untermalt werden. Klar werden einige kritische Stimmen mit hoch erhobenem Zeigefinger anmerken, dass DARKNESS BY OATH nichts Eigenständiges kreiert haben. Das mag zweifellos stimmen, aber ich denke, dass die Jungs auch keinerlei Wert darauf gelegt haben, eine Marktnische zu besetzen oder gar ein neues Segment zu definieren. Fairerweise muss man auch anmerken, dass es heutzutage kaum noch möglich ist, im ausgereizten Melodic Death Bereich wahnsinnig innovativ zu sein.

Für die wuchtige Produktion zeichnet sich Mastermind Dan Swanö verantwortlich und er hat seinen Job einmal mehr klasse erledigt. Wer also Altbewährtes mag, ist mit „Fear Yourself“ bestens bedient und wer sich bislang noch nicht mit dem melodischen Death Metal Bereich auseinander gesetzt hat, könnte hier seine Einstiegsdroge gefunden haben.

www.darknessbyoath.com

Anita


VOIVOD – Infini (Nuclear Blast/Warner)

Als Denis “Piggy” D’Amour 2005 während der Aufnahmen zu “Katorz” den Kampf an den Krebs verlor und VOIVOD in seinem Gedenken das Album fertig stellten, haben die meisten die frankokanadische Kultband bereits für immer abgehakt.

Ob nun „Infini“ wirklich das definitiv allerletzte Lebenszeichen von VOIVOD ist? Wahrscheinlich, denn Michel „Away“ Langevin hat für die 13 Songs scheinbar die einzig noch vorhandenen Gitarrenfragmente vom Laptop des verstorbenen Gitarristen zusammengekratzt und uns daraus ein paar echte Granaten gebastelt. Man könnte meinen, der gute Mann weile noch immer unter uns, denn sämtliches Material wurde rund um diese allerletzten Gitarrentakes konstruiert - und man kann die Bedeutung des bescheidenen Ausnahmegitarristen für VOIVOD hier nur nochmals hervorheben. Trotz alledem (oder gerade deswegen?) klingt „Infini“ aber wie aus einem Guss – den Arrangierkünsten von Belanger, Newsted und Langevin sei’s gedankt. Als wären sich alle vier im Studio gegenübergestanden, was aber zu keinem Zeitpunkt der Fall war.

Ich weiß nicht, ob ich nun weinen soll oder mich freuen – wem hier nicht der Schauer über den Rücken läuft, der ist taub, selber schuld, ein gefühlskaltes Arschloch oder hat mit VOIVOD sowieso noch nie was anfangen können. Hier geht es ausnahmsweise mal nicht darum, dass ein Album voll genial ist, sondern einzig und allein darum, dass es dieses Album überhaupt gibt! Rein zufällig ist „Infini“ aber dann auch noch so genial und so dermassen VOIVOD, dass der Abschied gleich noch mal doppelt so schwer fällt. Vom exzellenten Opener „God Phones“ bis zum finalen, schwer an MOTÖRHEAD erinnernden „Volcano“ lassen VOIVOD ihre gesamte Karriere Revue passieren und bescheren uns (mit Piggys Segen!) ein geniales, schräges, punkig-psychedelisches, allerletztes Vermächtnis.

Und aus allen diesen Gründen kann – nein, muss! - dieses Album die Höchstnote einfahren – weil es eben eine Ausnahme ist. Die Ehren-Höchstnote natürlich. Standing Ovations, bitte! Der letzte Vorhang fällt.

www.voivod.net

Mike


UFO - The Visitor (Steamhammer / SPV)

Über diese Institution großartig zu berichten, hieße einmal mehr die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu transportieren (können´sase nemman Ivanschitz aufs Bankl hocken, Andi). Freuen wir uns einfach darüber, dass die Herren rund um Phil Moog und Andy Parker, die beide zu den Originalmitgliedern zählen (auch wenn Parker nicht durchgehend mit von der Part(ie)y gewesen ist) im heurigen Jahr ihr – ACHTUNG - 40 jähriges Jubiläum als Band feiern können!

Zwar ist mit Ober-Rocker und Rampensau Pete Way an sich noch ein Herr seit den Anfängen bei UFO aktiv, doch Pete konnte zu „The Visitor“ leider nichts beitragen, da er im Moment mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat.. Der an sich ebenso zum „Inventar“ zählende Paul Raymond und Gitarrero Vinnie Moore vervollständigen auch anno 2009 das Line Up und in besagter Besetzung ging es zum bereits 20.(!) Mal ins Studio. Das Ergebnis imponiert einmal mehr mit griffigem und erdigem Rock, den diese Herrschaften erneut in ihrer ureigenen, groovenden Version zu kredenzen pflegen. Dabei sind sie sich selbst zwar durchaus treu geblieben und zelebrieren ihre Tracks in jener Gangart weiter, wie sie es schon auf ihren letzten Studioalben taten, scheinen aber zudem im Vorfeld auch eine Art „Retrospektive“ auf das eigene Schaffen gehalten zu haben. Mitunter fühlt man sich ob der herrlich blues-lastigen Gitarrenklänge von Vinnie nämlich sogar an die Frühzeiten der Truppe erinnert, selbstredend jedoch ohne den Space Rock-Anteil, der einst Wunderwaffen der Kategorie „Prince Kajuku“ ausgemacht hat. Dieser wurde durch zusätzlichen Groove und an Southern Rock erinnernde Elemente substituiert, wobei sich Phil’s abermals mächtiger Gesang nicht nur als perfekt passend entpuppt, sondern ebenso als Trademark verstanden werden kann, schließlich kann man sofort erkennen, wer hier loslegt.

In wie fern die Absenz von Pete dieses Album im Endeffekt doch weniger hardrockig klingen hat lassen, vermag ich nicht zu beurteilen, als gelungen kann man „The Visitor“ trotzdem zweifelsfrei betrachten. Wollen wir nur hoffen, dass sich der gute Mann in Bälde von seiner Krankheit erholt hat, damit man UFO auch bei uns wieder in ihrer seit nunmehr doch schon einigen Jahren anhaltenden, überaus starken Live-Form landen sehen darf.

www.ufo-music.info

Walter


DRUDKH – Microcosmos (Seasons of Mist)

Eieieiei, was lese ich denn da auf der Rückseite der Promo (keine Ahnung. Die Tracklist vielleicht? Andi)? Die Jungs von DRUDKH verweigern jegliche Fotos, Interviews, Webseite, etc. und werden daher von einem mystischen Hauch umweht oder gar mit Gerüchten um etwaige politische Unkorrektheit konfrontiert...?

Bitte goar sche, wir schreiben das Jahr 2009 und irgendwie ist es an der Zeit, diesen black metallischen Kinderkram ad acta zu legen. Zu DARKTHRONE oder BATHORY Zeiten mag das ja noch Kult gewesen sein, aber langsam entlocken diese Faxen auch dem eingeschworensten Schwarzmetaller nur noch ein Gähnen.

Musikalisch ist das am 22. Juni erscheinende Werk „Microcosmos“ gar nicht mal soooo schlecht, wobei allerdings die etwas wabbelige Produktion den Hörgenuss von Anfang an ein wenig schmälert. Der Grundtenor des Albums bilden melancholische, stark Black / Folk Metal lastige Töne, schwer atmosphärisch verpackt und im steten Wechsel von langsamen zu hyperschnellen Beats gehalten. Stimmlich wird feste im Old School Black Metal Stil gekreischt, was perfekt zum Gesamtbild von „Microcosmos“ passt. Da auch die Lyrics der Band strikt geheim sind, kann ich nur annehmen, dass es sich vermutlich um alte Volksweisheiten aus der Ukraine, dem Heimatland von DRUDKH, handeln dürfte (vermutlich.... Andi).

Wer die Band bereits kennt und mag, kann bedenkenlos zugreifen … sonst würde ich empfehlen, erst mal reinzuhören, denn meiner Ansicht nach ist „Microcosmos“ nur für echte Fans dieser Musikrichtung geeignet.

Anita


TÝR - By The Light Of The Northern Star (Napalm/SPV)

Gleich beim Opener “Hold The Heathen Hammer High” fällt mir eines auf: die Färinger TÝR dürften auf ihrem dritten Release nicht mehr ganz so vertrackt zu Werke schreiten wie noch auf “Land” (2008).

Zwar entstehen die Songs immer noch rund um die teils steinalten Wikinger-Gesänge, die auf dem kleinen Eiland in der Nordsee seit Generationen mündlich überliefert wurden. Aber diesmal gestalten sich die Lieder übersichtlicher, scheinen strukturierter, und die Refrains sind teilweise richtig feine Sing-Alongs („Hear The Heathen Call“), die vor allem live sehr gut funktionieren werden. Durch den vermehrten Einsatz von straighten Doublebassläufen sind die neun Kompositionen auch zunehmend Banger-freundlich, weil überwiegend im Uptempo-Bereich angesiedelt.

Aber TÝR klingen dabei immer noch genau so authentisch wie seit jeher, und es gibt momentan keine einzige Viking-, Pagan- oder Wasweissich-Kapelle, die sich auch nur annähernd mit ihnen vergleichen liesse. Vom Kommerzgeschreddere sind die vier Herren etwa genauso weit entfernt wie ihre schnuckelige Insel vom europäischen Festland. Und es gibt wohl auch keine Truppe, die traditionelles nordisches Liedgut und klassischen Metal so eindrucksvoll zu einem gänzlich neuen Stil verbindet. Songwriter Heri Joensen und seine Nordmänner haben somit immer noch einen echten Ausnahmestatus in der Szene, den sie hier mit eindrucksvollen Schlachtgesängen wie „Into The Storm“ oder „Ride“ untermauern.

www.tyr.net

Mike


STORMHAMMER - Signs Of Revolution (Silverwolf / SPV)

In ihrer mittlerweile gut fünfzehnjährigen Geschichte hatte diese deutsche Formation zwar durchaus achtbare Erfolgserlebnisse zu vermelden, doch leider auch immer wieder mit Besetzungsproblemen zu kämpfen.

Von daher ist es auch kaum verwunderlich, dass auch auf dem aktuellen Silberling der Band neue Gesichter zu sehen sind. Im aktuellen Line-Up finden sich mit Manny Ewander (Gitarre) und Horst Teßmann (Bass) nur noch zwei „alte“ Recken, wobei sich im Endeffekt allerdings lediglich der abermalige Wechsel am Mikro auf das Gesamterscheinungsbild ausgewirkt hat. Anstelle des auf „Cold Desert Moon“ und „Lord Of Darkness“ noch brillierenden einstigen DRIFTER-Sängers Tommy Lion hat sich die Band nunmehr den ehemaligen NEVERLAND- und DREAMSCAPE-Frontmann Mike Zotter ins Boot geholt und genau dieser Umstand lässt STORMHAMMER anno 2009 auch deutlich anders klingen.

Verängstig braucht allerdings kein Fan der Band zu sein, denn STORMHAMMER kredenzen noch immer traditionell intonierten Heavy Metal der mit heftigen und kraftvollen Passagen ebenso ausgestattet ist, wie mit melodiösen Elementen. Von den Kompositionen her besteht auch nicht unbedingt ein großartiger Unterschied zu früher, auch wenn ich meine, dass „Lord Of Darkness“ als Gesamtheit doch eine Ecke härter ausgefallen ist als der brandneue Rundling. Durch Mike's etwas weniger deftigen Gesang konnten für mein Dafürhalten vor allem die melodischen Momente besser zur Geltung gebracht werden, was aber nicht bedeuten soll, dass STORMHAMMER keine Abgeh-Tracks mehr in petto hätten. Im Gegenteil, mit „Omens Of Agony“ oder „Ride On A Razorblade“ lassen die Bayern nämlich sogar Einflüsse von mächtigen US Power Metal-Truppen erkennen und ziehen sich dabei mehr als nur achtbar aus der Affäre. Zu den eher gemäßigteren, melodiebetonten Nummern von „Signs Of Revolution“ passt Mike für meinen Geschmack sogar besser, weshalb auch das ungemein zwingende, höchst melodiöse „Kiss At The Abyss“ auch mit zu den absoluten Highlights dieses Albums zu zählen ist. Nicht ganz mithalten mit ihrer eigenen Vergangenheit kann die Band im direkten Vergleich dafür mit der aktuellen Ballade „Bridges To Eternity“, auch wenn mir klar ist, dass man eine Jahrhundert-Komposition wie „Wise Old Man“ nicht alle Tage aus dem Ärmel zu schütteln im Stande sein kann.

Als Fazit lässt sich für „Signs Of Revolution“ demnach feststellen, dass STORMHAMMER sich selbst von Grund auf treu geblieben sind und nach wie vor ausnahmslos ehrlichen und handgemachten Heavy Metal darbieten, sich aber - nicht zuletzt auf Grund der Besetzungswechsel - nunmehr doch ein wenig anders als in der Vergangenheit anhören. Die erläuterten Unterschiede lassen zumindest für mich dabei erkennen, dass die Burschen damit aber keinerlei qualitative Abstriche zu verbuchen haben, sondern diesbezüglich zumindest ein Unentschieden „gegen sich selbst“ einfahren konnten.

www.stormhammer.de

Walter


DAMNATION ARMY – Circle of the Brave (Mascot Records)

“Circle of the Brave” ist das zweite Studioalbum des Einmannprojekts DAMNATION ARMY. Hinter diesem Namen steht Thomas Nyholm, der sowohl für das Songwriting als auch für die musikalische Umsetzung des Materials verantwortlich zu sein scheint.

Reife Leistung, denn die neun Tracks sind allesamt scheißgut gelungen, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf (Du darfst (aufs Brot) Andi). Ich würde die Mucke am ehesten in den Bereich Schweden Death Black mit Anleihen von AMON AMARTH bzw. DISSECTION sowie einem Touch von DISMEMBER einordnen, wobei „Circle of the Brave“ durchaus mit einer kräftigen Portion Eigenständigkeit punkten kann. Die Songs sind eingängig, grundsolide komponiert und bleiben immer abwechslungsreich, was gerade in dieser Sparte Metal eine wichtige Komponente ist, da sonst recht flott Genossin Langeweile ihren üblen Pesthauch verbreitet. Besonders begeistert bin ich von den Riffs, die Meister Nyholm scheinbar mühelos aus seinen Ärmeln zu schütteln scheint.

Auch die Produktion von „Circle of the Brave“ steht unter einem guten Stern und vollendet somit das perfekte Hörvergnügen made im hohen Norden. Strikte Kaufempfehlung von meiner Seite und ein starker Wunsch nach Livepräsentation dieser Gustostückerl … es werden sich doch wohl dafür geeignete Gastmusiker auftreiben lassen!

www.myspace.com/damnationarmyswe

Anita


MAGENTA - Art And Accidents (AT&MT)

Wenn MAGENTA-Mastermind Anders Odden im Pressetext kundtut, dass “diese Band die Spielwiese ist, wo ich so abwechslungsreich wie nur möglich musizieren kann” dann steht ‚abwechslungsreich’ wohl eher in der Bedeutung von ‚ Abwechslung zu seiner üblichen Beschäftigung’. Diese besteht hauptsächlich aus APOPTYGMA BERZERK und dem Herumtreiben in illustren Combos wie SATRICON, CELTIC FROST oder gar MINISTRY.

Bei MAGENTA ( nicht zu verwechseln mit den Waliser Prog-Rockern gleichen Namens! (oder der unseligen Tussi aus „Taxi Orange“, falls sich an das noch irgendwer außer mir erinnern kann... Andi)) lebt der gute Herr aus Stavanger unüberhörbar seinen Hang zu dunkler, halbwegs tanzbarer Gotikmucke aus – irgendwo im Spannungsfeld zwischen den SISTERS OF MERCY und TIAMAT. Besonders „To Die For“ (featuring GOTHMINISTER) klingt wie ein Mash-Up aus „This Corrosion“ und „Brighter Than The Sun“. Immer schön straight (und bei „Untouchable“ schon wahnsinnig knapp am Abgrund der peinlichen Radiotauglichkeiten entlang), die Beats stets in tanzbodentauglichem Midtempo-Utz-Utz gehalten, lebt die Musik auf „Art And Accidents“ grossteils vom Wiederholen der üblichen Strophe-Refrain-Schemata. Halt eher in moll. Und sie lebt auch auch vom Gesang Vilde Lockerts. Die gute Frau hat ebenfalls schon mit APOPTYGMA BERZERK gearbeitet, und auch ARCTURUS leiht sie ab und an mal ihre Stimme. Der Opener „Darkest Dreams“ und der heimliche Hit „Fallen Angels“ sind hier erwähnenswert, und auch wenn die gesamte Stunde über das Niveau nicht wirklich auf grottentief absinkt, so ist das Gehörte doch irgendwie schon dreitausentachthundertsiebenundvierzig mal irgendwo durchgewurstelt worden.

Somit hat sich „Art And Accidents“ – übrigens das dritte Full-Length-Teil von MAGENTA – zumindest das Prädikat „na, eh recht nett“ verdient.

www.magentamagenta.com

Mike


NO INNER LIMITS - The Phoenix Is Rising (Eigenproduktion)

Ehrlich gesagt dachte ich nicht einmal mehr im Traum daran, jemals wieder etwas von dieser Formation zu hören, schließlich liegt die letzte Veröffentlichung „The Planet's Pulse“ mittlerweile zwölf Jahre zurück.

Leider war es der Band damals aber trotz durchwegs positiver Resonanz nicht vergönnt, Kapital daraus schlagen zu können. Es war wohl zu jener Zeit auch nicht gerade einfach mit ihrem Metal-Sound, der sich irgendwo in der Grauzone zwischen Power und Progressive Metal bewegte und Härte mit Melodik geschickt und unkonventionell verknüpfte, durchzustarten, so dass der Band nicht mehr blieb, als die Gewissheit ein „Geheimtipp“ im Underground zu sein. Die Burschen haben sich aber keineswegs unterbuttern lassen und offerieren anno 2009 abermals einen vielschichtigen und sehr gelungenen Mix. Der Titel „The Phoenix Is Rising“ hätte zutreffender nicht sein können und stellt unter Beweis, dass die Jungs auch nach langer Abstinenz nichts von ihren Stärken eingebüßt haben. Demnach reduziert sich auch der einzige Kritikpunkt den ich zu dieser Veröffentlichung anbringen möchte auf die Spielzeit. Gerne hätte ich noch mehr von NO INNER LIMITS gehört, doch nach drei Songs (oder einer knappen Viertelstunde) ist schon wieder Schluss im Schacht. Positiv hat sich wohl auch ausgewirkt, dass es trotz der „Pause“ nur eine einzige Veränderung innerhalb des Line-Ups gegeben hat und zwar am Schlagzeug. Die für meinen Geschmack essentiellen Bestandteile des Sounds der Jungs, die kraftvollen und dennoch abgefahrenen Riffs und Gitarrenmelodien sind zum Glück ebenso erhalten geblieben, wie auch der markante und positiv aufdringliche Gesang von Frontmann Daniel Fischer.

Mit dem Einstieg „Judas In Us“ lassen uns die Burschen sofort wissen, dass sich ihre Intention Musik zu machen ebenso wenig geändert hat, wie auch ihre Inspirationsquellen, die offenbar immer noch jenseits des Atlantiks beheimatet sein dürften. Wer die frühen QUEENSRYCHE zu schätzen weiß, wird sich auch nach wie vor ebenso mit dieser Truppe anfreunden können, wie auch jene Zeitgenossen, die in erster Linie CRIMSON GLORY zu schätzen wissen. Komplex, aber doch nicht zu sehr breaklastig, melodiös, aber dennoch nicht zu durchschaubar, haben die Burschen auch „The Journey“ angelegt, wobei dabei der Band dabei ein imposanter Einstieg gelungen, der durch Mark und Bein geht. Härte, aber in eher gemäßigten Ausmaß, geschickt verpackt in anspruchsvolle Arrangements dominiert auch den abschließenden Titlelrack, der zudem durch einen überaus positiven Texte hervorsticht und mich geradezu danach betteln lässt in Bälde wieder mehr von NO INNER LIMITS hören zu dürfen!

www.noinnerlimits.com

Walter


CHRISTIAN DEATH - Catastrophe Ballet (Re-Release, Season Of Mist)

“Catastrophe Ballet” war das zweite Album dieser vielleicht einflussreichsten amerikanischen Gothic-Rock-Band überhaupt.

1984 konnten aber weder der exzentrische Rozz Williams noch der damals frisch hinzugekommene Valor Kand (der die Band bis heute am mehr oder weniger zweifelhaften Leben erhält) erahnen, welche langfristigen Auswirkungen dieses genreprägende Werk auf die Nachwelt haben sollte. Weder der Deathrock späterer Jahre, noch Acts wie MARILYN MANSON oder NINE INCH NAILS wären ohne diese melancholisch-düstere Kakophonie denkbar gewesen. Und wahrscheinlich wäre der Begriff „Gothic“ heute nur noch ein verstaubtes Unwort aus den Achtzigern. Der Tod Rozz Williams (auf den die Gruppe nur allzu gerne reduziert wird) 1998 hob CHRISTIAN DEATH überhaupt in den Olymp der überirdischen Rockbands. Unabhängig von der Tatsache, dass die Band in ihren mannigfaltigen Inkarnationen danach bis auf zwei, drei Alben (darunter „Ashes“ und „Atrocities“) eigentlich nichts mehr allzu weltbewegendes geschaffen hat. Auf „Catastrophe Ballet“ definierte die noch junge Truppe ihre eigenen Grenzen, mischen Glam-Aspekte mit morbiden Fantasien, schrägen Deathrock mit genialem, überbreiten Pathos und lassen hier und da sogar Sid Barrett-Einflüsse durchschimmern. Das Re-Release auf Season Of Mist kann zudem mit dem bislang unveröffentlichten Track „Beneath His Widow“ überraschen, der das Album eröffnet und sich fast wie selbstverständlich in das Gesamtkunstwerk einfügt. Auch das originale Coverartwork mit Texten in englisch und französisch wurde quasi eins zu eins von er Vinylversion übernommen.

Für hoffnungslos in der Romantik dahinschwelgende Berufsgruftis ist „Catastrophe Ballet“ sowieso ein Must Have. Für alle anderen aber vielleicht ein Anreiz für den Einstieg in ein durchaus interessantes Kapitel der dunklen Rockmusik.

www.christiandeath.com

Mike


HARDCORE SUPERSTAR – Another Lesson in Violence (Nuclear Blast/Warner)

Street Metal ist laut Infoblatt von Nuclear Blast eine Mischung aus Thrash und Sleaze Metal. Na gut, man lernt offensichtlich nie aus, wobei ich vorab gleich anmerken möchte, dass ich bei „Another Lesson in Violence“ kaum bis keine Thrash Einflüsse entdecken konnte (vielleicht meinen sie auch „Trash“, ohne h vorne... Andi). Mich erinnert das Material viel mehr extrem an Highlights, die uns Bands wie MÖTLEY CRÜE, FASTER PUSSYCAT oder auch die LA GUNS seinerzeit um die Ohren geknallt haben.

Oberflächlicher (bitte nicht im negativen Sinn verstehen!), spaßiger, dreckiger Rock, der perfekt dazu geeignet ist, gute alte „I scheiß mir nix“ Zeiten aufleben zu lassen. Die Stücke sind abwechslungsreich, eingängig, plätschern herrlich aus den Boxen und sind noch dazu allerfeinst produziert. Viel mehr kann man dazu nicht sagen, denn es gibt bei HARDCORE SUPERSTAR keinerlei komplizierte Songstrukturen zu analysieren, Feinheiten rauszupicken oder gar etwaige Kritik anzumerken. Das, was sie machen, machen sie gut - ob man es mag oder nicht, ist eine andere Sache! Mir gefällt es auf jeden Fall und ich denke, dass „Another Lesson in Violence“ auch eine Menge anderer Rock- und auch Metalfans begeistern wird.

www.hardcoresuperstar.com

Anita


AS WE FIGHT - Meet Your Maker (Dockyard 1 / Soulfood)

Herkunft: Dänemark
Produzent: Jacob Bredahl
Konzerte in der Vergangenheit zusammen mit: HEAVEN SHALL BURN, HATESPHERE, NAPALM DEATH, EXODUS
Weitere Fragen?

Wohl kaum, allerdings ist das berühmt-berüchtigte dritte Album von AS WE FIGHT keineswegs eines, das trotz der entsprechenden Erwartungshaltung unbeachtet bleiben darf. Das Sextett hat sich nämlich im Laufe der Jahre merklich gesteigert. Während mir vom Debüt „Black Nails & Bloody Wrists“ und auch vom Zweitling „Midnight Tornado“ trotz mächtigem Vortrag kaum Songs in Erinnerung geblieben sind, wird sich genau dieser Umstand mit „Meet Your Maker“ ändern. Nicht, dass ich jetzt mit irgendeiner Therapie begonnen hätte, es liegt einzig und allein an der Truppe selbst, die sich auf ihrem aktuellen Silberling gerade diesbezüglich wesentlich verbessert präsentiert und ihre Tracks nun deutlich besser auf den Punkt zu bringen vermag.

Die musikalische Melange an sich ist jedoch kaum merklich verändert worden. Die Dänen kredenzen noch immer eine satte, druckvoll produzierte und schmissig dargebotene Mischung aus deftigem Thrash der zeitgemäßen Version, Metalcore der brutalen Bauweise und einigen weiteren, zumeist recht aggressiv dargebotenen Versatzstück unterschiedlicher metallischer Provenienz. An sich nicht gerade spektakulär, aber durch das gewiefte Songwriting, beim dem sowohl auf etwaiges „Gesuder“, wie auch auf abgefahrene Frickeleien verzichtet wird, klingt der Großteil der Nummern ungemein eingängig und ist wohl auch von nachhaltiger Wirkung. „Meet Your Maker“ ist keineswegs die Neuerfindung der heftigen Metal-Gangart, sondern schlicht und ergreifend ein gelungenes, deftiges Brachial-Metal-Werk. Nicht mehr, aber schon gar nicht weniger.

www.aswefight.com

Walter


SARKE – Vorunah (Indie Recordings)

Ja, genau ! Der Herr Sarke lärmt ansonsten mit KHOLD (und fallweise auch mal mit OLD MANS CHILD) herum. Aber bekanntlich ist jeder norwegische Musiker mit bloss einer Band chronisch unterfordert. Darum hat Sarke (der ja hauptberuflich Schlagzeuger ist) für „Vorunah“ auch gleich mal den Vier- und den Sechssaiter selber in die Hand genommen. Nur die Vocals hat er dem ebenfalls sehr umtriebigen Herrn Nocturno Culto von DARKTHRONE überlassen. Der grölt sich recht verzweifelt und verzweifelnd durch die acht Tracks, die irgendwo zwischen Uralt-Blackmetal á la CELTIC FROST und derbem Rotz-Doomrock angesiedelt sind.

Mal wird eher geradeaus drauf los gerotzt („Primitive Killing“ , „Old“), zwischendurch wird auch schon mal das Bremspedal bis in den Asphalt durchgedrückt ( bei „13 Candles“ gibt man sich relativ brav doomig samt Piano und so Zeugs, und das coole „Frost Junkie“ ist auch kein Geschwindigkeitsrekord – dafür ist der Text aber supi!). Im abschliessenden „Dead Universe“ prügelt man sich dann eher am Anschlag in einer zweiminütigen Blastbeat-Orgie durch dunkle nordische Wälder und macht genügend Kleinholz für drei Winter.

Das Bedürfnis, irgendwas zu machen, was voll nach vor zwanzig Jahren klingt, dürfte bei vielen Musikern momentan extrem gross sein. „Vorunah“ ist eine hübsche, kurzweilige Black Metal-Lektion für alle, denen DARKTHRONE schon zu pissed-off sind, und für alle die eine neuerliche CELTIC FROST-Reunion schon abghakt haben . Und wer auf Sounds steht, die nach Achtspur analog klingen, der ist hier sowieso goldrichtig. Immerhin hat man das Album ja auch in „old fashioned 70ies style“ (O-Ton Sarke) aufgenommen...

www.indierec.no

Mike


MINOTAUR – God may show you mercy ... we will not (I Hate Records)

Unfassbar, dass im Jahr 2009 ein Album wie „God may show you mercy … we will not“ überhaupt noch veröffentlicht wird. Typisch deutscher Thrash Metal a la frühe KREATOR oder DESTRUCTION im Galoppstil, ohne großartige Soli und mit kreischenden Vocals rattert aus den Boxen und ich kann mir den einen oder anderen Lachkrampf zwischendurch kaum verbeißen (Hallo??!! Andi). Das deshalb, weil ich es einfach nicht für möglich gehalten habe, dass es noch Bands gibt, die diesem Zweig des Metal ihr Hauptaugenmerk widmen.

Die vorliegende Scheibe ist altmodisch von A bis Z und auch der Sound klingt dementsprechend so, als ob es seit den 80er Jahren keinerlei technische Weiterentwicklung gegeben hätte. MINOTAUR sind aber nicht zu unterschätzen, denn selbst wenn alles altbacken ohne Ende klingt, haben die Herrschaften sowohl spieltechnisch wie auch musikalisch einiges auf dem Kasten. Weiters sind sie offenbar wirkliche Verfechter des Teutonen-Thrash und legen keinerlei Wert auf einen kommerziellen Durchbruch, denn der wird ihnen mit diesem Release wohl kaum gelingen. Aber Respekt, wem Respekt gebührt und abschließend sei noch bemerkt, dass die Coverversion von W.A.S.P.’s „Animal (F**k like a Beast) ziemlich rult!

www.minotaur-thrashers.de

Anita


DISBELIEF - Protected Hell (Massacre Records / Soulfood)

Unglaublich, aber wahr. Die deutschen Extremisten von DISBELIEF sind in der Zwischenzeit tatsächlich schon bei Veröffentlichung Nummero 8 (!) angelangt. An Erfahrung hat das Quartett rund um Frontmann „Jagger“ aber nicht nur eine imposante Diskographie vorzuweisen, sondern auch Gigs und Konzertreisen mit dem „Who is Who“ der (extremen) Metal-Szene. Von daher lässt sich auch jene Reife, die „Protected Hell“ auszeichnet, erklären.

Nicht, dass DISBELIEF nun etwa auf „kommerziellen“ Erfolg aus wären, aber ihr markanter Stil klang nie zuvor dermaßen zugänglich wie auf ihrem aktuellen Dreher. Die Jungs entführen uns förmlich auf einen ungemein intensiven Trip in die Abgründe der Existenz, der einem Wechselbad der Gefühle gleichkommt. Ein solches kredenzt uns die Band aber nicht nur aus lyrischer Sicht, sondern vor allem musikalisch. DISBELIEF lassen gefühlvolle Akustikgitarren zusammen mit Dampfwalzenriffs in heftigster BOLT THROWER-Manier aus den Boxen erschallen und das ohne in irgendeiner Form verquer zu klingen. Emotional bewegend und musikalisch vielschichtig klingen die Burschen schon länger, auf „Protected Hell“ sind sie allerdings zum ersten Mal auch ohne längere Gewöhnungsphase konsumierbar!

www.disbelief.de

Walter


PSYOPUS - Odd Senses (Metal Blade/SPV)

Wieviel Fick verträgt eigentlich so ein Gehirn? Es gab früher mal eine Zeit, da scheiterte der Verstand des Metallers bereits an SIEGES EVEN’s „Life Cycle“ oder an „Control And Resistance“ von WATCHTOWER (der Dark Lord hab sie allesamt selig!). Heutzutage lässt man sich diesbezüglich dann eben von DILLINGER ESCAPE PLAN oder CATTLE DECAPITATION die Ganglien durchnudeln.

Apropos: „Odd Senses“ der New Yorker PSYOPUS ist besser als Erstere und schlimmer als Zweitere. Wer trotzdem ohne Folgeschäden durch „The Burning Halo“ oder die Vokalsample-Orgie „Boogeyman“ kommt, braucht erst mal ne Zeit lang überhaupt keine Musik mehr, und der beruhigende Kaffee wird wahrscheinlich mehr verschüttet als getrunken. „Choker Chain“ ist dann die astreine Psychofolter, mit der man sich alle seine Feinde auf einmal gefügig machen kann. Da erscheint einem die abschliessende, progressiv-schräge Streich-Sonate „A Murder To Child“ schon direkt als angenehm...

Ich würde ja gerne mal die Noten für diese Songs sehen – so es überhaupt welche gibt. Vor allem die überaus grausamen fiep-fiep-blurp-blurp-Gitarrenexzesse sind mit der zeit extrem nervtötend. Denkt man sich diese jedoch weg, kann man den zehn Songfragmenten durchaus noch ein wenig was positives abgewinnen. Und sei es nur die Tatsache, dass es danach nur noch besser werden kann. „Odd Senses“ ist wie schon der Vorgänger „Our Puzzling Encounters Considered“ (restlos geiler Titel auch!) nix für labile Teenager und auch nix für Menschen, die gerne mal headbangen. Alle, die bei DILLINGER ESCAPE PLAN einschlafen, werden nach „Odd Senses“ zumindest die ein oder andere nervöse Zuckung haben. Und auch Leute, die den Freundeskreis gerne mal mit „ach so trendigen, weil noch viel schrägeren Bands als man sie je gehört hat“ nerven wollen, werden diesen einstündigen Wasweissich-Brüllzirp-Exzess sehr schnell ins Herz schliessen.

Am Ende weiss ich nicht, ob ich das grausame Teil jetzt schon wieder genial oder immer noch furchtbar finden soll. Denn die Art seelische Verstimmung, in der ich solche Frickeleien brauche, hab ich bislang noch nicht erfahren. Und es bleibt mir hoffentlich auch noch eine zeitlang erspart.

www.myspace.com/psyopus

Mike


SCARECROW N.W.A. – Ishmael (PH-Music)

Scarecrow N.W.A. (das seltsame Kürzel steht für New World Annihilation (wahnsinnig interessant. Andi)) bieten auf „Ishmael“ recht experimentierfreudigen Death Metal, der über weite Strecken vor allem musikalisch zu gefallen weiß. Die Songs sind zum Teil recht verschachtelt und wirken trotzdem gut durchdacht, weiterer Pluspunkt ist herrlicher Abwechslungsreichtum, da die Band auch das eine oder andere Mal Einflüsse aus den diversen anderen Bereichen des Metal in die Stücke eingebaut hat.

Die technischen Fähigkeiten der einzelnen Musiker überzeugen ebenfalls und auch der Gesang ist perfekt gelungen, solange Shouter Bernd bei den Death Metal Growls bleibt. Wenn er jedoch in die klare Stimmlage wechselt, bin ich nicht mehr ganz so zufrieden, da diese Art der Vocals meiner Ansicht nach gar nicht ins Gesamtbild von „Ishmael“ passen will. Beim Sound wäre ebenfalls mehr drinnen gewesen, da vor allem die Produktion des Schlagzeugs recht dürftig ausgefallen ist und somit dem Album viel von seiner Schlagkraft (10 Cent ins Wortspiel-Schweinderl, Andi) genommen hat. Abgesehen davon gehören SCARECROW N.W.A. jedoch mit Sicherheit in die Oberliga der heimischen Bands und haben Eure lautstarke Unterstützung bei den anstehenden Festivalgigs im kommenden Sommer in jeder Hinsicht verdient!

www.scarecrow.at

Anita


CUSTARD - Forces Remain (Dr. Music)

Neues Label, neues Glück? Man kann es nur hoffen für die deutschen Metaller von CUSTARD, die uns mit „Forces Remian“ ihr bereits viertes Werk kredenzen.

Das Quintett aus Herne hat sich stilistisch schon seit langer Zeit auf treibenden Heavy Metal in traditioneller Ausführung festgelegt und ebenso solchen hat der Fünfer auch auf seinem neuesten Album in ansprechender Art und Weise anzubieten. Zwar hatte die Band zuletzt nicht nur auf die Suche nach einem neuen Businesspartner zu gehen, sondern obendrein auch einige Besetzungswechsel vorzunehmen, doch das Ergebnis lässt uns wissen, dass sich auch die neuen Leute (Gitarrist Robert Resinek und Oliver Strasser am Mikro) pudelwohl im Line-Up zu fühlen scheinen. An Spielfreude haben CUSTARD im Vergleich zu ihren bisherigen Scheiben offenbar noch ein wenig zugelegt. Härte und Melodien werden zwar noch immer sehr gelungen kombiniert, doch dazu kommt neuerdings eine gewisse Lockerheit, mit der die Burschen loslegen.

Klar erfinden CUSTARD den Heavy Metal nicht neu, aber ihre Melange klingt dennoch überaus gelungen, zumal sich neben „Branchenriesen“ wie JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN auch einige deutsche Bands heraushören lassen, die leider schon länger nicht mehr existent sind. Ich persönlich meine als Inspiration für „Creature“ HEAVEN’S GATE heraushören zu können, während mir bei „Poke The Flame“ die späten ANGEL DUST in den Sinn kommen (na, das sind ja Referenzen! Da kann ich auch damit angeben, dass ich mit Osama und George W. im Förder-Unterricht war... Andi). Zudem zeigt sich Oliver als sehr variabler Barde, der sowohl in den Höhenregionen zu überzeugen weiß (sozusagen der Custrad von Custard, Andi), wie auch mit kraftvollem und rauem Gesang. Dazu passend haben die Herren auf „Forces Remain“ vom Up-Tempo-Hämmerchen, bis hin zu epischen Kompositionen in Melodic Metal-Breitband-Manier („Kind Of Peace“) das volle Programm zu bieten und das ohne etwaige eklatante Mangelerscheinungen.

Trotz ihrer „Runderneuerung“ in Sachen Line-Up lassen CUSTARD ihre Vergangenheit aber nicht ruhen, sondern offerieren noch einmal ihren mittlerweile mehr als zehn Jahre alten Power Metal-Kracher „God of Storm“ in überarbeiteter Version. „Forces Remain“ ist in Summe durchaus gelungenes Album zu bezeichnen, das unter Beweis stellt wie abwechslungsreich man kraftvollen Metal „europäischer“ Machart präsentieren kann.

www.custard.de

Walter


VOMITORY - Carnage Euphoria (Metal Blade/SPV)


Auch VOMITORY sind eine dieser Bands, die eigentlich auf jeder Platte dasselbe machen. Allerdings auf einem immens hohen Niveau, und so weiss der geneigte Konsument bereits, was ihn so etwa erwartet.

Eigentlich müssten die Schweden schon längst in einer Liga mit CANNIBAL CORPSE und Genossen spielen. Warum das nicht so ist? Ich weiss es nicht, und es ist auch relativ wurscht. „Carnage Euphoria“ ist ein weiteres starkes Album – nicht mehr und nicht weniger. Der Sound stimmt, die Songs sind allesamt schwer in Ordnung und während alle anderen lieber in Richtung IN FLAMES schielen, zelebrieren die Herren Rundqvist (die Rülps-Vocals sind mittlerweile echt erträglich geworden!), Östlund und die beiden Gustafssons lieber gediegenen, arschtighten Deathmetal mit Kill-Faktor. Da ist es dann auch scheissegal, dass hier absolut nichts Neues passiert. Vom Riffing erinnert so manche Passage an OBITUARY oder BOLT THROWER, diverse klassisch-melodiöse Einschübe lockern das Geschehen auf und nach vierzig Minuten betätigt man wie von selber erneut die Play-Taste.

Solange VOMITORY auf diesem Niveau dahinrumpeln, können sie eigentlich gar nix falschmachen – „Carnage Euphoria“ zählt heuer sicher zu den Top-Releases am Death-Sektor! Zum Antesten eignen sich übrigens „Serpents“ und „Ripe Cadavers“ recht gut!

www.vomitory.net

Mike


VANNA - A New Hope (Epitaph/edel)

Was uns hier fälschlicherweise als “Post-Hardcore” verkauft wird, ist eher der nächste Kandidat für die Kiste mit der Aufschrift “Metalcore, den man nicht wirklich braucht”. Ok, bei „Trashmouth“ und ganz vielleicht noch bei „Sleepwalker“ schimmert dezent ein HC-Ansatz durch. Ansonsten ist hier Business as usual angesagt.

In den Strophen versucht sich das Quintett aus New England als progressive Kompliziertmetal-Combo zu verkaufen, und ansatzweise zündet das sogar. Und auch die druckvolle Produktion kickt einem ordentlich den Hintern. Aber in den Refrains setzt man zu oft auf diese zweistimmigen Nummer-Sicher-Singalongs, die die Band dadurch desöfteren in die Nähe von BULLET FOR MY VALENTINE rücken. Und irgendwie passt dann alles nimmer so richtig zusammen. Unter den zwölf Tracks befindet sich für mich kein einziger, wo mir auch nur ansatzweise die Emotionen hochgehen würden. Nach knapp 43 Minuten denkt man sich so ganz nebenbei „Ach, schon wieder vorbei?“.

Vergleiche mit den sehr ähnlichen THE SORROW sind durchaus gerechtfertig. „A New Hope“ steht somit in krassem Gegensatz zu seiner Bedeutung – ein Album mehr, das wir eigentlich gleich wieder vergessen haben werden. Wäre „A New Hope“ eine Frau, würde ich wohl sagen „schlecht im Bett, aber sonst ganz nett“ (interessant wäre auch, was die Frau über Dich sagen würde.. Andi).

www.myspace.com/vanna

Mike


EX DEO – Romulus (Nuclear Blast/Warner)

Maurizio Iacono ist die treibende Kraft hinter EX DEO und bei diesem Projekt widmet er sich dem epischen Death Metal und findet so offenbar sein Ventil für Ideen, die bei seiner Hauptband KATAKLYSM nicht ganz ins Konzept passen würden.

Unterstützung erhält er dabei von der den restlichen KATAKLYSM-Mitgliedern sowie von Francois Mongrain (MARTYR) und Jonathan Leduc (BLACKGUARD). Weiters sind Gastmusiker von BEHEMOTH, NILE und auch KEEP OF KALESSIN mit am Start, was vermutlich schon vor der Veröffentlichung von „Romulus“ für jede Menge Furore und Neugier gesorgt haben dürfte. Nun, die illustren Herrschaften konnten die an Sie gerichteten Erwartungen meiner Ansicht nach nicht nur erfüllen, sondern haben diese auch noch übertroffen. „Romulus“ bietet elf kultgeniale Tracks, die kaum noch zu toppen sind. Soundeffekte, die an Filmmusik erinnern, umhüllen kraftvollen und unter die Haut gehenden Death Metal, der vor Intensität nur so strotzt und durch die perfekt inszenierten Vocals den letzten Schliff bekommt. Die eine oder andere Passage erinnert natürlich an die letzten KATAKLYSM Alben, aber das ist bei der Besetzung von EX DEO auch nicht wirklich verwunderlich.

Einzig die Produktion hätte noch um das berühmte Euzerl klarer ausfallen können, aber vielleicht bin ich ja diesbezüglich eine kleine Hysterikerin. Abgesehen davon ist „Romulus“ ein metallisches Meisterwerk, das EX DEO mit Sicherheit viele Fans und jede Menge Erfolg bescheren wird.

www.myspace.com/exdeo

Anita


MALEFICE - Dawn Of Reprisal (Metal Blade/SPV)

Das Quintett aus Reading legt mit “Dawn Of Reprisal” bereits das dritte Werk vor, und schön langsam scheint sich bei den Briten die angestrebte Stilrichtung herauszukristallisieren. Neben all den Göteborg-Querverweisen blitz selten, aber doch, unverkennbar der Frühneunziger-Thrash durch. Meiner Meinung nach könnte der Gesang ein wenig öfter clean sein. Das passt MALEFICE nämlich recht gut, wie etwa der Nackenbrecher „Hatred Justified“ sehr schön zeigt.

Wer auf eine relativ ausgewogene Mischung aus Melody-Leads, dem üblich getriggerten Stop-and-go-Drumming und fetten Metalcore-Hooks steht wird sich mit diesem Teil wohl schnell anfreunden. Und auch wenn die Herrschaften noch ein wenig uneigenständig durch die Botanik wabern – THE HAUNTED, IN FLAMES und KILLSWITCH ENGAGE scheinen auf der To-Play-List des Berkshire-Fünfers ganz oben zu stehen – so ist doch genügend Substanz da, um die Band der Eurometal-Chefliga ein grosses Stück näherzubringen. „Dawn Of Reprisal“ ist ein kraftvolles Metalteil ohne bewusste Anbiedereien, das erst nach mehrmaligem Hören so richtig zündet.

www.myspace.com/malefice

Mike


GLITTERTIND – Landkjenning (Napalm Records)

Die aus Norwegen stammende Band GLITTERTIND hat sich dem Folk Metal verschrieben, wobei die Musik der Herren aber nicht wirklich dem plakativen Zweig dieser Metalschiene zuzuordnen ist.

Irgendwie sind die auf „Landkjenning“ vertretenen Stücke eine kuriose Mischung aus Folk, Rock, Party, Schlager … diese Liste könnte man fast unendlich weiterführen, denn beim genauen Hinhören findet man Anleihen aus vielen verschiedenen Musikrichtungen. Der Gesang ist in norwegischer Sprache gehalten, was perfekt zur Musik von GLITTERTIND passt, denn englische Lyrics wären hier definitiv fehl am Platz. „Landkjenning“ ist auf seine Art ein recht eigenständiges Werk, da man sich wie schon eingangs erwähnt von der breiten Masse der Folk Metal Bands abhebt. Auf der anderen Seite ist das Material doch eigenwillig und es braucht einige Durchläufe, bis man damit vertraut wird, denn GLITTERTIND sind eben GLITTERTIND (na dann. Andi).

Der Sound von „Landkjenning“ ist ganz passabel ausgefallen, wobei es vermutlich keine massiven technischen Raffinessen benötigt, um solche Tracks im Studio zu arrangieren. Bleibt zu sagen, dass das vorliegende Album niemanden weh tut, aber auch nicht unbedingt den Weg in jede CD-Sammlung finden muss.

www.glittertind.net

Anita


TRAIL OF TEARS – Bloodstained Endurance (Napalm/SPV)

Mehr als ein Jahrzehnt geistern die Norweger TRAIL OF TEARS nun schon durch die Welt des Gothic Metal und auch 2009 schaffen sie es noch, ihre Fans mit einem hochkarätigen Album zu verzaubern.

Einerseits punktet die Band mit einer ausgewogenen Mischung aus romantisch-tragischen Stücken und mitreißenden Midtempo-Nummern, die streckenweise direkt rockig angehaucht sind und andererseits lebt auch diese Scheibe vom zweistimmigen Gesang, der perfekt aufeinander abgestimmt ist. Über die Qualität von Shouter Ronny Thorsen braucht man wohl keine großartigen Worte mehr zu verlieren, aber es ist vor allem Sängerin Cathrine Paulsen, die sich mit ihrem ausdrucksstarken Organ einmal mehr vom Grossteil der weiblichen Stimmen in diesem Genre abhebt. Der Rest der Musiker braucht sich hinter den soeben Genannten allerdings nicht zu verstecken, denn sowohl die Gitarren- als auch die Rhythmusfraktion haben ihr Schärflein zum Gelingen von „Bloodstained Endurance“ beigetragen.

Schön, dass es Bands wie TRAIL OF TEARS gibt, auf die man betreffend Songwriting und Sound verlassen kann und die uns wieder und wieder mit ihren Outputs das Leben verschönern. Absolute Kaufempfehlung!

www.trailoftears.net

Anita


MENCHEN - Red Rock (Retroactive Records/Code 7)

Bands und Alben, an denen Bill MENCHEN beteiligt ist, sind in erster Linie von der christlichen Weltanschauung des Musikers gekennzeichnet, aber auch von seiner, Art Gitarre zu spielen. Bill ist knietief im traditionellen Hardrock / Heavy Metal verankert und von daher wird sich der Fan „seiner“ Bands TITANIC, THE SEVENTH POWER oder FINAL AXE auch am Solo-Lauf von Bill MENCHEN ergötzen können.

Unterstützung erhielt der gute Mann für vorliegendes Album von Robert Sweet (STRYPER) am Schlagzeug und Ken Redding (HIS WITNESS) am Mikro, sowie von Bass-Legende Tony Franklin. Im direkten Vergleich zu seinen anderen Spielwiesen hat sich Bill nebst Gefolgschaft auf „Red Rock“ deutlich weniger auf schwermetallische Klänge festgelegt, sondern kredenzt uns stattdessen ein sehr locker-lässig losbretterndes Hardrock-Teil. Dominierend und sehr gediegen kommt logischerweise die Klampfe des Chefs aus den Boxen, ohne allerdings, dass sich der Initiator des Unternehmens dabei zu sehr in den Vordergrund stellen würde. Viel eher erweckt die Intensität der Tracks den Eindruck, die Musiker hätten sich schon vor sehr langer Zeit als Band zusammengetan, um gemeinsam im Namen des Herrn amtlich loszurocken.

Daran ist auch nichts Negatives auszusetzen, schließlich offerieren MENCHEN durchwegs gelungene Nummern, die gefällig aus den Boxen kommen und das gesamte Spektrum des traditionellen Hardrocks - von treibend, über stampfend, bis hin zu gefühlvoll - abdecken. Wirklich große Momente sind zwar leider nicht enthalten, weshalb „Red Rock“ doch einige Durchläufe mehr benötigt als so manches Referenzwerk, um auch nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

www.myspace.com/menchenmusik

Walter


DEVIATED PRESENCE - Fractured Mind (Yonah Records / Alive)

Na ufff! Ein harter Brocken, den uns die Ruhrpöttler DEVIATED PRESENCE hier vorsetzen. Bereits im eröffnenden, elfminütigen Titelstück passiert unglaublich viel und man wird hier beim ersten Mal wohl heillos überfordert sein.

Die zehn Tracks liegen alle über der Fünfminuten-Verdaulichkeitsbarriere und scheinen in erster Linie für die Mathematiker unter den Hobbymusikern gemacht worden zu sein. Keine Frage, ich ziehe den Hut vor so viel spielerischem Ideenreichtum, vor so viel Abwechslung, vor so viel Können. Und ich möchte nicht wissen, wie oft das Trio so im Proberaum rumhängt. DEVIATED PRESENCE haben zwar mittlerweile endlich auch einen Drummer aus Fleisch und Blut, aber mein geschultes Ohr glaubt hier zumindest vereinzelte Drumspuren aus der Konserve zu vernehmen. Egal, denn das macht das Kraut auch nicht fetter, oder besser: das Teil auch nicht leichter konsumierbar.

Erstmal reihen sich hier total unschlüssige Parts aneinander, die nur nach und nach ihre wahre Bedeutung preisgeben. Es müsste mit unrechten Dingen zugehen, wenn diese überaus talentierte Truppe mit diesem Album die breite Metaller-Masse erreicht. Achtzig Minuten (!) Achterbahn, vom „Unstraight Melodic Deathmetal“ (Eigendefinition) rein in den Artrock, dort nicht lange verweilt und wieder rüber zum Prog-Thrash, und irgendwann wieder retour in den progressiven Jazzmetal. Hie und da Pagan-Passagen, die ein wenig an SOLEFALD erinnern. Und immer wieder diese bemerkenswerte Dualität aus Gekrächze und fast hymnisch-opernhaften Gesangseinlagen. Das führt auch dazu, sich hier eher in einem hörspielartigen Musiktheater zu wähnen als in der Gedankenwelt einer deutschen Metalcombo.

Bitte, hört euch „Fractured Mind“ wenigsten einmal an – auch wenn es schwer ist, denn hier ergibt zunächst nichts wirklich Sinn. Mastermind Felix Gebhart hat hier seine eigene Welt erschaffen, zu der wohl nur wenige auserwählte Zugang finden werden. Aber hat mal das Portal einmal entdeckt, offenbart sich einem ein wunderbarer musikalischer Kosmos, der in dieser Zusammensetzung bislang beinahe unbekannt war.

www.deviated-presence.de

Mike


SONS OF SEASONS – Gods of Vermin (Napalm/SPV)


Obwohl wir Mitte Mai haben, hängt draußen der Nebel in den Bäumen und die Landschaft hüllt sich in depressive Grautöne. Passend dazu sind die Klänge, die uns das Debut von SONS OF SEASONS beschert, denn der symphonische Dark Metal wäre bei regulärem Maiwetter absolut fehl am Platz.

Die treibende Kraft hinter dieser neuen Band ist Oliver Palotai, den die meisten von uns wohl aufgrund seiner Mitarbeit bei DORO oder KAMELOT kennen dürften. „Gods of Vermin“ ist ein vielschichtiges Werk, welches bei jedem Durchlauf an Kraft gewinnt, da sich viele Facetten der Musik erst nach und nach so richtig entfalten können. Mal dominieren symphonisch klassische Klänge, dann wieder scheint das Album das einer progressiven Metalband zu sein, um kurz später richtig schön altmodisch heavy zu werden. Es regiert das Düstere, manchesmal wird es für den Hörer regelrecht beklemmend, aber zum Glück gönnen uns die Kompositionen von Oliver Palotai aufgrund rockiger Einlagen doch immer wieder eine kleine Verschnaufpause. Die Leistung von Sänger Henning Basse (METALIUM) ist absolut herausragend, seine Stimme mutet bei SONS OF SEASONS wie ein zusätzliches Instrument an und harmoniert bestens mit der von Gastsängerin Simone Simons.

Die Produktion von „Gods of Vermin“ ist ebenfalls ein Gustostück und sorgt für die perfekte Abrundung dieses Meisterwerks. Hochachtung und Lob für erstklassiges Material, geniale Musiker sowie den guten Riecher von Napalm Records, die mit SONS OF SEASONS ein weiteres aufstrebendes Pferd („aufstrebende Pferde“?? Andi) in ihrem Stall eingestellt haben

www.sonsofseasons.com

Anita


ROTTING CHRIST - Non Serviam – A 20 Year Apocryphal Story (DVD, Season Of Mist)

Mit einem opulenten DVD/CD-Package erfreut uns Griechenlands bekanntester Metal-Export anlässlich seines Zwanzigers.

Hübsch aufgemacht und vollgepackt mit allem, was das Fan-Herz begehrt, verteilt sich der bunte Reigen auf vier Silberlinge: Nummer eins beinhaltet (natürlich!) einen kompletten Gig aus dem Athener Gagarin-Club vom November 2007, der zwar relativ unspektakulär ist, dafür aber schön tight und routiniert abgespult wird. Das Bildmaterial ist halbwegs ok, nur die Reaktionen im Publikum sind für ein Heimspiel nicht gerade überschwänglich. Irgendwie scheinen alle nur auf den titelgebenden Hit „Non Serviam“ ganz am Schluss zu warten. Die Setlist mit 26 Songs in rund zwei Stunden ist relativ ausgewogen, alle wichtigen Veröffentlichungen der Band sind damit relativ schön abgedeckt.

DVD Numero zwo bietet dann den mittlerweile zum Standard avancierten Interview-, Backstage- und Tourdiary-Reigen. In knapp zwanzig Minuten erzählt uns Sakis die Story seiner Band, natürlich auf der Akropolis sitzend mit der Athener City als Backdrop. Sehr schön. Homevideo-Shots vor allem aus Südamerika zeigen die Band während der letzten beiden Tourneen hauptsächlich bei Radio-Interviews, Autogrammstunden, in Flugzeugen, mit Fans oder in lustigen Musikläden mitsamt allerhand lokaler Freaks. Zwischendurch wurden viele Live-Sequenzen reingeschnitten, die scheinbar von Fans gefilmt wurden und die Band in teils furchterregend engen Clubs zeigen. Das unterstreicht aber nur die Tatsache, dass sich ROTTING CHRIST nach wie vor auch für zwanzig Anwesende den Arsch abspielen und sich für nichts zu schade sind. Erwähnenswert wären noch die 12 Bootlegs in teilweise recht guter Qualität und vier offizielle Videoclips. Wie man das mittlerweile halt so gewöhnt ist auf Musik-DVDs.

Scheibe drei und vier schlussendlich beinhalten den gesamten Athener Gig noch mal in Audio, und sogar noch sieben Tracks von einer anderen Show in Larissa sind dabei. Der Fan hält mit „Non Serviam“ ein innen wie aussen gelungenes Teil in der Hand, das value for money bietet, wie man es mittlerweile bei Season Of Mist gewohnt ist. Einziges Manko ist die spärliche englische Untertitelung – auch wenn die meisten Bilder für sich selber sprechen. Aber wenigstens kann man hier sein Griechisch gleich für den nächsten Urlaub wieder auffrischen (was einem viel bringt, wenn zb in Ägypten, Spanien oder Papa Neuguinea urlaubt... Andi).

www.rotting-christ.com

Mike


KORPIKLAANI – Karkelo (Nuclear Blast/Warner)


„Spielmann / Pelimanni Metal“ wird der Stil von KORPIKLAANI beschrieben … finde ich putzig! Ich würde es ja eher als „Alki Metal „bezeichnen, denn die auf „Karkelo“ vertretenen Songs animieren einmal mehr dazu, die Korken knallen zu lassen, um dann so schnell wie möglich die guten Manieren im Suff zu begraben (do brauch ma oba kane Korpiklaani dazua... Andi).

Zumeist geht’s flott zur Sache, die üblichen Humpa Metal Einlagen wie z.B. das Akkordeon sind auch dieses Mal mit von der Partie und wie man es von den Finnen gewohnt ist, sind auf vorliegendem Silberling ein Haufen genialer Songs mit fast hundert Prozent Wiedererkennungswert am Start. Mir aber gefallen KORPIKLAANI noch um eine Spur besser, wenn Sie sich wie etwa beim vierten Track „Mettänpeiton Valtiaalle“ ein wenig auf die „ernsthaftere“ (zumindest musikalisch, die Lyrics entziehen sich meiner Kenntnis) Pagan Metal Schiene begeben, denn dann zeigt sich erst so richtig, was die Band kompositionstechnich auf dem Kasten hat. Hinsichtlich der Produktion gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, denn die Stücke tönen druckvoll und fett (und schon wieder 10 Cent ins Wortspiel-Schweinderl, Andi) aus den Boxen, wie man das von Profis wie KORPIKLAANI mittlerweile auch erwarten darf.

In diesem Sinne „Oans, Zwoa, Gsuffa“ und viel Spaß beim Partymachen!

www.korpiklaani.com

Anita


JUNGLE ROT - What Horrors Await (Napalm/SPV)

Trotz massiver Besetzungswechsel in der Vergangenheit waren JUNGLE ROT aus Wisconsin immer ein Garant für hochwertigen, enrgiegeladenen Thrash-Metal.

Und auch auf der sechsten Veröffentlichung kann das Quartett problemlos sein hohes Level halten. Die vierzehn Vorschlaghämmer auf „What Horrors Await“ haben einfach alles, was ein geiles, unkompliziertes Metal-Album ausmacht: treibende Drums, die dir im bangerfreundlichen Mid- bis Uptempobereich den Saft raushauen. Wunderhübsch abgemischte, melodiös-garstige Gitarren. Und mit Dave Matrise einen Frontgrunzer (und Gitarristen), der ausnahmsweise mal nicht nach fünf Minuten nervt. Zeitlose Tracks wie „Two Faced Brigade“ , der saugeile Titeltrack oder das flotte „Atrocity“ werden trotz Anleihen bei OBITUARY, UNLEASHED oder SIX FEET UNDER nicht nur Freunde der einfach nachvollziehbaren Metalkost erfreuen. Als kleines Zuckerl covern die Amis dann tatsächlich noch die DESTRUCTION-Uraltnummer „Invincible Force“!

Ein klasses Teil!

www.junglerot.net

Mike


BLACK SUN AEON – Darkness Walks Beside Me (Cyclone Empire)

BLACK SUN AEON ist ein Nebenprojekt von BEFORE THE DAWN Mastermind Tuomas Saukkonen, beim dem weiters einige hochkarätige Gastmusiker wie Tomi Koivusaari (AMORPHIS) oder Ville Sorvali (MOONSORROW) mit am Start sind.

Im Beiblatt zur Promo CD sind als musikalische Referenzen frühe KATATONIA oder PARADISE LOST Werke angeführt, dem kann ich allerdings kaum bis gar nicht zustimmen. Mich erinnert „Darkness walks beside me“ zum Beispiel eher an „Light of Day, Day of Darkness“ von GREEN CARNATION, da die Scheibe sehr durchstrukturiert ist und vom ersten Ton an eine musikalische Reise in die Abgründe der menschlichen Seele bietet. Hin und wieder scheint es Licht am Ende des Tunnels zu geben, doch dieser Eindruck täuscht, denn spätestens beim übernächsten Riff reißt einen der nächste Strudel in die Tiefe. Normalerweise tendieren solche Alben furchtbar schnell zu Kitsch und Pomp, aber BLACK SUN AEON wissen dies bei allen neun Tracks gekonnt zu verhindern.

Abwechslungsreichtum ist allerdings nicht unbedingt etwas, auf das die Band beim Songwriting zu „Darkness walks beside me“ Wert gelegt haben dürfte, denn trotz aller Kompaktheit schleicht sich manchesmal eine gewisse Eintönigkeit ein, was mit Sicherheit an den allzeit vorherrschenden ziemlich schleppenden Doom-Grooves liegt. Produziert wurde die Scheibe von Tuomas Saukkonen himself, was den Stücken einmal mehr den Grauschleier seiner BEFORE THE DAWN zum Trotz depressiven musikalischen Psyche verleiht.

Interessante Sache, allerdings nicht für Jedermann zu allen Tages- und Nachtzeiten geeignet … im Notfall vorher die Seelsorger-Hotline kontaktieren!

www.blacksunaeon.com

Anita


WISHMASTER - Trucizna (Agonia Records)

Ob das vierte Werk der polnischen Combo WITCHMASTER nun thrashlastiger Blackmetal, Blackmetal-lastiger Thrash oder punklastiger Blackthrash sein soll möchte ich mal so im Raum stehen lassen.

Fakt ist, dass Bandchef Reyash (u.a. INCANTATION, VADER) mit seinen drei Kumpanen ein kurzes, aber umso heftigeres Lärmmonument zusammengekleistert hat, das jedem Oldschool-Metaller die Tränen und den Schweiss gleichermassen rauspressen dürfte. Es stört nicht mal grossartig, dass der langjährige Drummer und Motor der Band, Inferno, die Stöcke an einen gewissen Bastis übergeben hat und sich nun voll und ganz auf BEHEMOTH konzentriert. Im Gegenteil, der Jungspritzer an der Schiessbude macht auf seine ureigene Weise massiv Dampf und kloppt sich ungemein songdienlich durch die neun Abrissbirnen.

Der Sound ist (absichtlich) rau und fast schon punkig, dennoch klar und strukturiert. Die monumental-brachialen Ausbrüche (inklusive SEPULTURA’s „Troops Of Doom“ in der Schepper-Variante !) haben dadurch diesen rotzigen Charme und hauen dir immer wieder aufs neue die Rübe ab. Retro hin oder her – wenn’s in diese Richtung geht, dann immer her damit!

www.myspace.com/wishmastermetal

Mike



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