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| BULLET MONKS - Weapons Of Mass Destruction (Napalm/SPV)
Oha! Die Pseudonyme der Nürnberger Newcomer erinnern nicht zu unrecht an den L.A.–Sleazerock der Achtziger: Tyler Voxx, Dangerous Dan, Spreace Jackson und M. Dogg fahren dann – welch Überraschung – auch ein nur unwesentlich anderes Brett auf als die verblassten Kollegen der damaligen Hairspray-Generation. Einzig mit dem Unterschied, dass hier wesentlich vielseitiger zu Werke geschritten wird. Ein wenig Rock’n’Metal à la GLUECIFER hier, ein wenig grooviger Speed’n’Roll im Fahrwasser von MOTÖRHEAD dort. Dazwischen immer wieder Ausflüge nach Blues-Country, um LED ZEPPELIN mal eben hallo zu sagen. Und „I Am“ soll wohl ne Hommage an Axl und seine Gunners sein. Die BULLET MONKS kommen bei jedem ihrer elf Power-Songs ziemlich schnell auf den Punkt: die Musi soll einfach Spass machen. Hier brauchts kein hyperaktives Gefrickel und keine Drumpatterns, die man nur mit Cotangensfunktion entschlüsseln kann: Rock’n’Roll ist die Devise und für ein Debüt von ein paar Jungs Anfang Zwanzig klingt „Weapons...“ erstaunlich ausgereift. Es regieren die treibenden Rhythmen, die den mal bluesigen, mal speedmetalligen Gitarrenläufen perfekt den Arschtritt verpassen. Und Tyler Voxx lässt einen mit seinem Reibeisen-Organ zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise an ´ne Band aus Süddeutschland glauben. Wer bei „Under the Black Sun“ mit dezenten Jimmy Page-Licks und seinem geilen Refrain noch stillsitzen kann, der sollte spätestens beim AC/DC-auf-Hyperspeed-Fetzer „Canned Insantiy“ aber so was vom Stuhl fliegen! Sonst ist euch echt nimmer zu helfen. Also: bitte vergesst den leidigen Pseudo-Rock’n’Somewhat von VOLBEAT (was bitte ist an denen so toll? (hüstel, Andi)), vergesst THE ANSWER (hüstel, hüstel, Andi) – denn das hier ist um Lichtjahre besser und für mich jetzt schon eines der besten Alben 2009. The Monks rule! www.bulletmonks.com Mike MELY– Portrait of a Porcelain Doll (Silverwolf/SPV) Die Österreicher MELY sind bislang leider spurlos an mir vorüber gegangen, obwohl die Band bereits drei Veröffentlichungen unters Volk gebracht hat. Das hat sich nun mit „Portrait of a Porcelain Doll“ allerdings schlagartig geändert und ich hoffe, dass ich bald auch die älteren Veröffentlichungen der Jungs mein Eigen nennen darf. Die Musik von MELY ist der Düster/Gothic Rock Ecke zuzuordnen, phasenweise sind ANATHEMA -Anleihen zu hören, dann wieder erinnern die Gitarren / Keyboards ein wenig an die Glanzeiten von PARADISE LOST und natürlich ist auch eine Menge MELY in den Songs verpackt (a geh. Andi). Schwermut, Nachdenklichkeit, Tiefgang … all das sind Begriffe, die man mit „Portrait of a Porcelain Doll“ in Verbindung bringen kann, wobei am Ende doch irgendwie immer eine Prise Hoffnung durchscheint. Ich will damit sagen, dass die Band nie in die manchmal peinlich anmutende Depri-Rock Schiene abdriftet. Einzig der Gesang ist mir manches Mal ein wenig zu alternativ angehaucht, die rockigen rauchigen Passagen passen meiner Ansicht nach besser zum Gesamtkonzept von MELY. „Portrait of a Porcelain Doll“ ist mit Sicherheit keine leichte Kost und es braucht einige Anläufe, bis sich die ganze Pracht der Songs entfaltet, um dann so richtig Lust auf mehr zu machen. Eine mehr als nur respektable Leistung aus heimatlichen Gefilden! www.mely.at Anita FALLEN ANGELS - Rise From Ashes (Metal On Metal Records) Zwar wurden diese „gefallen Engel“ keineswegs aus der „Stadt der Engel“ verbannt, stammen aber sehr wohl von der Westküste der Vereinigten Saaten, genauer gesagt aus Seattle, Washington. Hinsichtlich des fetten Thrash Metal-Bretts, das FALLEN ANGELS auf ihrem Debütalbum „Rise from Ashes“ abliefern, kommt dem Zuhörer aber mehr als nur einmal der Gedanke, es würde sich hierbei um eine Truppe aus Kalifornien handeln. Die im Jahr 2002 von den Brüdern Brian und Eric Hansen gegründete Formation, die im Jahr 2004 bereits mit einem ersten Demo aufhorchen hat lassen und über einiges an Bühnenerfahrung verfügt, kredenzt gut 40 Minuten ausschließlich heftigstes Material, schafft es aber locker und mühelos, nicht in „ pures Gebolze“ oder Eindimensionalität abzudriften.. Der deftige US Thrash wirkt zudem keineswegs „retro“, lässt aber dennoch eindeutig die alte Garde des Genres als Einfluss erkennen. Neben den wohl „obligatorischen“ Inspirationen aus der Bay Area müssen für FALLEN ANGELS unbedingt auch weniger melodisch agierende Bands wie DARK ANGEL und die allmächtigen SLAYER erwähnt werden. Darüber hinaus wissen die Jungs sogar mit vereinzelten Anleihen aus der ersten Generation des Death / Thrash Metal aufzuwarten, wobei mir persönlich vor allem die Ostküsten-Rabauken DEMOLITION HAMMER dabei immer wieder in den Sinn kommen. Eine zwar nicht gerade einfühlsame, aber dafür umso effizientere Melange, die uns hier offeriert wird; spieltechnisch jedoch über jeden Zweifel erhaben und zudem, trotz latenter Brutalität, sehr zugänglich. Thrash-Lunatic, was willst du mehr? www.myspace.com/fallenangelsthrash Walter ADAGIO - Archangels In Black (Listenable Rec.) Wer nach Abwechslung im Power Metal-Sektor sucht, dürfte bei der neuen ADAGIO an der richtigen Adresse sein. Die Herrschaften aus dem französischen Montpellier klangen zwar auf ihren bisherigen Alben ein wenig seichter (und auch unzugänglicher), aber gerade diesem Genre tut ja der eine oder andere Stilbruch gut. Nicht, dass jetzt hier mal eben auf Deathmetal geswitcht wurde; aber ADAGIO klauen sich aus einigen Genres ihre Fragmente zusammen, welche dann zu schlüssigen Songs zusammengebaut werden, die mittlerweile auch durchwegs eine gewisse Eigenständigkeit durchschimmern lassen. Der Neuzugang am Mikro, der Finne Chris Palin (u.a. ESSENCE OF SORROW), passt mit seinem durchaus variablen Organ perfekt in die neun Songs, und begeht auch nicht den Fehler, sich in die Sphären des dreigestrichenen C vorzuwagen – was diverse Kollegen ja so gerne tun. Die zwischen synthesizer-lastigem Power Metal im Sinne von SYMPHONY X oder LABYRINTH und durchaus harten, treibenden Brutalo-Fragmenten angesiedelten Stücke verlassen zu keinem Zeitpunkt den Level eines relativ hohen Anspruchs. Andererseits kann sich der Hörer aber auch entspannt zurücklehnen – es erwarten ihn hier keine allzu anstrengenden musikalischen Gehirnficks á la DREAM THEATER, und man kann sich „Archangels In Black“ ohne Folgeschäden am Stück reinziehen. Eine angenehme Rezeptur, die eingefleischten Powermetal-Fans sicherlich genauso schmecken wird wie Freunden etwas härterer Kost wie EVERGREY oder gar NEVERMORE („The Fifth Ankh“). Der Opener „Vamphyri“ fährt schon mal schön weg. Als Anspieltipp muss aber natürlich der Neunminüter „Codex Obscura“ herhalten, der die gesamte Bandbreite von ADAGIO schön abdeckt. Feine Sache! www.adagio-online.com Mike QUEENSRYCHE - American Soldier (Warner) Eines vorweg: von der Erwartung eines weiteren "Empire", "Warning " oder "OP:Mindcrime" sollte man sich wohl endgültig frei machen. Und: "American Soldier" ist ein Werk das man nicht einfach so nebenbei hören sollte. Thematisch dreht sich alles um die US-Kriege seit dem Zweiten Weltkrieg. Erzählt wird aus der Perspektive der Soldaten an vorderster Front. Als Vorbereitung führte Tate Interviews mit zahlreichen Veteranen und „frisch eingezogenen“. Originalzitate aus den Interviews mit den Soldaten sind zwischen und in den Songs platziert, was der Authentizität deutlich zu Gute kommt. Auch die Tatsache, dass man sich hier nicht als Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger aufspielt, sollte positiv erwähnt werden. Musikalisch gibt man sich der Thematik entsprechend düster/melancholisch. Wo "Operation Mindcrime II" doch eher einer erzwungenen verkrampften Pflichtübung glich, sprühen Queensryche hier wieder vor Spielfreude und Kreativität. Die ausgefeilte Gitarrenarbeit von Michael Wilton, der erstmalig alle Klampfn alleine eingespielt hat, ergänzt sich mit den kraftvoll präzisen Drums von Scott Rockenfield. Und Geoff Tates einzigartige Stimme, die verschiedenste Stimmungen von Aggressivität bis Melancholie absolut authentisch rüberbringt, sucht auch heute noch ihresgleichen. Zudem sorgen Effekte wie Hubschraubergeknatter oder Sirenen für fesselnde Hörmomente und eine Atmosphäre, die teils an düstere "Promised Land" Zeiten erinnert. Eine weitere Bereicherung ist der vermehrte Einsatz eines Saxophons, das für gelegentliche Farbtupfer sorgt und nie deplaziert oder aufdringlich wirkt. Stilistisch fallen eigentlich nur die ersten beiden Songs ein wenig aus dem Rahmen (g´scheit platziert... Andi). Der harte Opener "Sliver" mit dem pushenden Intro ("On your feet... I'm gonna tell you what's up!") überrascht durch rap-artige, Crossover lastige Züge. Noch gewöhnungsbedürftiger das folgende "Unfraid" bei dem massiv mit Sprachfetzen der befragten Soldaten gearbeitet wird und Geoff Tate lediglich den Chorus singt. In weiterer Folge glänzt man denn doch mit zahlreichen, im typischen Queensryche-Stil gehaltenen Höhepunkten wie "Hundred Mile Stare", "A Dead Man's Words", "The Killer" oder "If I Were King". Somit bietet der neue Rundling der Seattle-Götter sowohl intensive, schwere als auch eingängige und melodiöse Kost. Und wird fraglos ein weiteres mal für kontroverse Reaktionen bei den Fans sorgen. Für mich persönlich ein rundum gelungenes, facettenreiches Album mit dem man sich allerdings gründlich auseinander setzen sollte. www.queensryche.com Ger-Hard RAZOR WIRE SHRINE - The Power Of Negative Thinking (Progressive Music Management) Flitzefinger-Fetischisten und Frickel-Freaks aufgepasst! Mit „The Power Of Negative Thinking" stellt das US-amerikanische Trio RAZOR WIRE SHRINE erneut seine Kompetenz an den Instrumenten unter Beweis - und das auf recht eindrucksvolle Weise. Zum zweiten Mal nach „Going Deaf For A Living" haben die Gebrüder Brett (Schlagzeug) und Chris (Bass, Rhythmusgitarren) Rodler zusammen mit ihrem Leadaxtstreiter Mike Ohm ein sehr ausgewogenes Album anzubieten und erneut auf Gesang verzichtet. Im direkten Vergleich zum genannten 2004-er Debüt zeigen sich die Herrschaften nunmehr zwar wesentlich heftiger, haben aber ihr angestammtes Feld, die Instrumentalmusik, keineswegs verlassen. Anstellte der damals zu vernehmenden lockeren, mitunter sogar rockigen und hardrockigen Klänge, darf man sich auf „The Power Of Negative Thinking" in erster Linie an Progressivem Metal in eher brachialer Ausführung erfreuen. Die von den Rodler-Brothers auf den Promo-Photos zur Schau gestellten Shirts von MESHUGGAH und LAMB OF GOD scheinen ihnen mehr zu bedeuten, als das bloße Bedecken des Oberkörpers (... Andi). Vor allem die Schlagzeugarbeit kommt mitunter tatsächlich an das abgefahrene und filigrane Spiel von Thomas Haake heran und zudem enthält das vorliegende Album ein selbst für den Progressive Metal-Bereich sehr variantenreiches Schlagzeugspiel, das vom dezenten Jazz-„Streicheln" der Kesseln, über druckvollen Groove, bis hin zu derben Blastbeats das gesamte Programm abzudecken weiß. Aber auch die Riffs und Gitarrenmelodien offerieren ein sehr breites Spektrum und lassen harsche Töne ebenso aus den Boxen dröhnen, wie auch verträumte und verspielte Nuancen. Die Kompositionen an sich wissen nicht zuletzt dadurch ebenso durch eine sehr mannigfaltige Erscheinungsweise zu beeindrucken. RAZOR WIRE SHRINE haben deshalb neben verspielten, komplexen Prog Metal-Kompositionen auch eher direkte und fast schon deftige Instrumentals am Start, die mitunter sogar Elemente aus dem modernen, brachialen Metal beinhalten. Für Freunde von instrumentalen Leckerlis ist „The Power Of Negative Thinking" mit Sicherheit ein Gewinn für das heimische Archiv, allerdings sollten sich auch „Normalos" für dieses Trio erwärmen können, denn keine einzige Nummer klingt „unvollständig", sprich so, also ob man schlichtweg vergessen hätte, einen Sänger ins Studio zu bitten. www.myspace.com/razorwireshrinemusic Walter FEJD – Storm (Napalm/SPV) Die schwedische Band FEJD hat sich mit Leib und Seele der Folkmusik ihrer nordischen Heimat verschrieben. Ich verwende bewusst den Begriff Folkmusik und nicht Folkrock, da man auf „Storm“ Parallelen zu Bands wie FINNTROLL oder ENSIFERUM vergeblich sucht. Die Band besteht aus den Mitgliedern des Folkduos RIMMERSFORS (Gesundheit! Andi) und einem Teil der Besetzung des Metalacts PATHOS. Diese Mischung macht sich bezahlt, denn obwohl keinerlei metallische Anleihen auf „Storm“ zu hören sind, kann man doch aus den Strukturen und aus der Atmosphäre der einzelnen Stücke metallastige Roots erkennen. Das mag kurz widersprüchlich klingen, aber bei den 12 Songs handelt es sich nicht wirklich um „liebliches“ Material, da eher die düstere, kämpferische und bisweilen sogar stürmische Seite des nordischen Folk zum Tragen kommt. FEJD verstehen es gekonnt, eine Reise in längst vergangene Zeiten zu vertonen und es fällt leicht, Bilder aus diesen Tagen vor dem geistigen Auge zu visualisieren. Diese Band hätte den Sprung auf das Billing einer der zahlreichen Pagan / Folk Metal Packages bzw. Festivals durchaus verdient, denn die Musik von FEJD ist durchaus live-tauglich (wenn auch keine Partymucke im herkömmlichen Sinn) und wird mit Sicherheit für frenetischen Jubel unter den Zuhörern sorgen. Ausgereifte Meisterleistung talentierter und erfahrener Musiker! www.fejd.se Anita RAZOR OF OCCAM - Homage To Martyrs (Metal Blade/SPV) Was die in London ansässigen Exil-Australier RAZOR OF OCCAM hier in knapp 34 Minuten vom Stapel lassen, trifft wahrscheinlich jeden unvorbereiteten Hörer mitten ins Gesicht. Nix Intro, nix Pause, nix Weichspüler. Gerader Durchmarsch in die Hölle. Sich links und rechts in den Metal-Supermarktregalen mal eben mit einigen Packerln Thrash und Death eindecken, dazu noch mit ein wenig Black aus der Feinkostabteilung versorgt, ab zur Kassa – zahlen bitte. Im Stile von Bands wie MELECHESH oder DESTRÖYER 666 (bei denen die halbe Belegschaft hier übrigens hauptberuflich lärmt) drischt man sich ohne Rücksicht auf irgendwas oder irgendwen straight durch die Musikwelt. Heisere, nervenzerreibende Vocals treiben uns in den Irrsinn. Mächtige, oldschoolige Brachialriffs treten uns von allen Seiten, sowohl in den Arsch als auch in die Magengrube. Rumpel-Drums mit massig Drive besorgen´s uns final ohne Gnade. „Homage To Martyrs“ ist zwar genauso schnell wieder vorbei, wie es angefangen hat – aber danach muss man sein Hirn wahrscheinlich erst mal mit dem Kärcher freiblasen. Roh, aggressiv, kompromisslos, derb, Tod, Teufel. Ein Album wie ein Wirbelsturm, ein Metal-Inferno mit Nachwirkungen. RAZOR OF OCCAM schlagen eine Schneise in deine ach so heile Welt. www.myspace.com/razoroccam Mike HATEBREED - Live Dominance (Century Media/EMI) Sind HATEBREED eine geile Metalband mit dicken Hardcore-Roots und massig Street-Credibility (was war das noch mal?), oder sind sie einfach nur schuld an der Verkommerzialisierung einer ganzen Subkultur? Nach Begutachtung ihrer ersten ofiziellen Live-DVD steht eines fest: HATEBREED sind mit Sicherheit eine der intensivsten Livebands des Planeten. Hier ist jeder mit vollem Herzen dabei, man spürt den Schweiss und den Dunst, der an diesem Abend im Detroiter Traditionsschuppen „Harpo’s“ die ausverkaufte Arena erfüllt hat. Da werden riesige Moshpits geformt, da recken sich Fäuste in die Luft, und bis in die hintersten Reihen des Schuppens ist jeder voll dabei. Jamie Jasta ist der Vollblut-Frontmann mit Kuschelbär-Faktor (und das gilt eigentlich für die gesamte Band), der sich bei den Fans immer wieder bedankt, ohne dabei arschkriecherisch zu werden, und dadurch immer eine gewisse Bodenständigkeit rüberbringt. Dass HATEBREED in gerade mal 80 Minuten zweiundzwanzig Songs runterklopfen, zeigt, wie dynamisch diese Band live agiert – und wie weit sie eigentlich im Hardcore verwurzelt ist. Da wird geklotzt und nicht gekleckert, all die Jahre on the road und on the stage machen sich hier schlussendlich bezahlt. Die Bonus-Sektion bietet neben den üblichen Interviews (Was’n jetzt eigentlich Street-Credibility? Wohl nicht, Gespräche neben einem Nightliner zu machen, dessen Aggregat lauter dröhnt als Sean „iron neck“ Martin reden kann...), eine Tattoo-Gallery (mit allen möglichen Motiven, die irgendwie was mit HATEBREED zu tun haben), kurze Pre-Concert-Shots aus Detroit und sechs zusätzliche Live-Shots aus New York und Connecticut. Am Schluss gedenkt man noch verstorbener Freunde und Weggefährten (u.a. Dimebag Darrell) in einer kleinen „R.I.P.“-Rubrik - auch mal was Neues. Das Hauptset wirkt trotz teilweise (absichtlich) verwackelter Sequenzen und Schnitten im Zweisekunden-Takt nie hektisch, sondern passt sich der Dynamik des Gigs optimal an – als wär man halt mittendrin statt nur dabei. Und auch der Sound ist natürlich von hervorragender Qualität. Übrigens: die gepimpte Version enthält die gesamte Show auch als Audio-CD. Man kann den Jungs aus New Haven, CT entweder immer wieder diverse Sellout-Vorwürfe an die Birne knallen, oder man akzeptiert sie einfach als sympathische, tolle (Live-)Band, bei deren Konzerten auch schon mal Blut fließt – wo aber am Ende dennoch alle zufrieden nach Hause gehen. „Live Dominance“ sollte auch die letzten Zweifler verstummen lassen. www.hatebreed.com Mike PAGANIZER - Carnage Junkie (Vic Records) Holla, da legt aber jemand wieder mal ordentlich was an Rotz und Scheissdrauf vor! „Carnage Junkie klingt wie ein vergessenes Relikt aus den seligen Tagen des rohen, unverbrauchten Deathmetals. Und stünde es nicht weiß auf schwarz auf der Promo drauf, man würde das Teil irgendwo in den early Nineties wähnen. Der Schweden-Dreier PAGANIZER versucht gar nicht erst, ach so trendige Mucke zu kreieren, warum auch. Stattdessen lärmt man froh und munter in der Tradition der Vorväter. Die zwölf Songs (plus fünf Bonus-Tracks !) können sogar mit ein paar Hard- und Grindcore-Vibes (der Fünfzig-Sekünder „Grinded & Exiled“ sagt hier wohl einiges...) überraschen. Sänger und Gitarrist Rogga Johansson ist ein ziemlich umtriebiger Kerl, und seine Ausflüge mit Bands wie EDGE OF SANITY oder DEMIURG wirken scheinbar bis heute nach. Bei durchschnittlichen Songlängen um die dreieinhalb Minuten kommt auch keine Langeweile nicht auf. Nach der Todesmetall-Flaute des beginnenden 21. Jahrhunderts scheinen sich nun immer mehr Bands auf die Roots zu besinnen und in ihren Werken („Carnage Junkie“ ist übrigens bereits das sechste PAGANIZER-Output!) alles auf das Wesentliche zu reduzieren. ENTOMBED, UNLEASHED und GRAVE feiern fröhliche Urständ, und die ganzen unverbesserlichen Emo-Metaller werden wieder schreien: alles alt und abgelutscht, ja so überhaupt nicht auf der Höhe der Zeit. Tja, meine Herren – aber DAS ist eben Metal! Geht weinen und hört euch von mir aus ITCHY PUPSKIND an Für Puristen (und zu denen zähle auch ich mich bisweilen) ist „Carnage Junkie“ also ein Freudenfest. Fünfzig Minuten Metal as Metal can be: ein glatter Durchmarsch ohne nennenswerten Ausfall – dafür allerdings auch ohne erwähnenswerte Höhepunkte. „Death plain and simple“ – wie es schon im Opener so schön heißt. Also bitte mehr davon! www.paganizer.com Mike AEONYZHAR – Ascension (Eigenproduktion) Schon der orchestrale Einstieg in dieses Album lässt vermuten, was den Zuhörer auf dem ersten Demo der seit 2004 existierenden Band AEONYZHAR erwartet. Auch wenn nach wenigen Sekunden eine sehr deftige Black Metal-Variante Einzug ins Geschehen hält, bleibt der orchestrale Anstrich dominant und lässt mich an vorwiegend an - von fünf Jungs auch im Infozettelchen angeführten - Inspirationen von Bands wie DIMMU BORGIR oder ARCTURUS denken. Während im eröffnenden „Pandemia - Goddess Of Pestilence“ nicht nur der schwarzmetallische Anteil, sondern auch eine gewisse Tendenz zu eher schwedisch anmutenden, melodischen Todesmörtel-Riffs zu vernehmen ist, wird, trotz abwechslungsreicher Gangart dennoch auch die noch fehlende Reife dieser Band offenkundig. Es ist den Jungs dabei leider noch nicht ganz gelungen, aus ihren vielen Ideen auch eine schlüssige und abwechslungsreich gestaltete Komposition mit nachhaltiger Wirkung zu kreieren, allerdings sind trotzdem mehr als nur gute Ansätze zu vermelden. Wie weit diese Jungs eigentlich schon sind, beweisen sie im folgenden „Death In Your Arms“. Zwar kommt auch hier ihre Vorliebe für synthetische Orchester-Passagen zum Vorschein, aber dennoch können AEONYZHAR an Hand dieses Exempels von sich behaupten, schon auf ihrem ersten Demo eine echte Black Metal-Hymne in symphonischer Version abgeliefert zu haben. Diese Klasse kann zwar auch das Finale „Palace Of Memories“ nicht ganz halten, aber auch hier zeigt sich der Ideenreichtum dieser Band und ebenso die Kompetenz der Burschen pechschwarzen Metal in orchestraler Form darzubieten, ohne zu sehr pathetisch zu klingen und die Kitschkiste erfreulicherweise dicht zu halten. Wahrlich kein schlechter Einstand in der Szene von einer Formation, von der man wohl in Zukunft noch einiges hören wird, zumal mit ihrem Sound mit Sicherheit jede Menge an Fans zu gewinnen sind. www.myspace.com/aeonyzhar Walter ELUVEITIE – Evocation I – The Arcane Dominion (Nuclear Blast/Warner) Frontmann Chrigel Ganzmann hat im Interview, welches ich mit im Zuge der Heidenfest Tour im November 08 in Wien führte, bereits angekündigt, dass ELUVEITIE in absehbarer Zeit zwei Akustikalben auf den Markt bringen werden. Die erste dieser beiden Scheiben befindet sich nun schon seit Tagen in meinem CD-Player und wächst mir mit jedem Durchlauf mehr ans Herz. Die Songs sind ausgesprochen abwechslungsreich, mal klingt es wehmütig aus den Boxen, danach wird auch ohne Stromgitarren heftig gerockt und zwischendurch entführen uns die Musiker auf eine verträumte Reise in die keltische Vergangenheit unserer Breitengrade. Die meisten der 15 vertretenen Stücke sind in gallischer Sprach gesungen und werden von Anna Murphy intoniert. Schützenhilfe bekommt sie unter anderem von A.A. Nemtheanga (PRIMORDIAL) und Oliver S. Tyr (FAUN), wobei zusätzlich im musikalischen Bereich der oder die eine oder andere Gastmusiker(in) ihr/sein Schärflein zu den Tracks besteuern durfte. Abschließend sei gesagt, dass mir ELUVEITIE in ihrer herkömmlichen Form noch eine Nuance besser gefallen, aber „Evocation I – The Arcane Dominion“ ist nichtsdestotrotz eine Meisterleistung im Bereich Folkrock und macht neugierig auf den zweiten Akustikoutput der Schweizer, dessen Veröffentlichung hoffentlich demnächst folgen sollte. www.eluveitie.ch Anita VIOLENT DEVOTIES - Within The Great And The Venom (Eigenproduktion) Good old Todesmetall from Klagenfurt. Das kredenzen uns VIOLENT DEVOTIES hier, die immerhin schon seit 2001 im Underground herumkrebsen. Genau deswegen verwundert mich hier die etwas holprige Produktion, denn obwohl die Hülle dieser 5-Track-EP vom Styling her durchaus punkten kann, erreicht der Inhalt im besten Falle Demokassetten-Niveau. Sollten die extrem oldschooligen Vibes allerdings absichtlich so ins Plastik gelasert worden sein, gebührt den Fünfen wiederum Respekt. Der (oft zweistimmige) Todes-Gesang ist streckenweise etwas zu präsent und übertönt den Rest auf gar uncharmate Weise. Jungs, Ihr habt sicherlich Talent. Und ihr könnt auch feine Todesmetall-Lieder schreiben, wie uns „Dominate A Zombie State“ toll beweist. Also bitte, bitte, bitte leistet euch ein Studio, das eure Musik mit einer repräsentativen Produktion veredeln kann! „Within The Great...“ ist allerhöchstens interessant für CANNIBAL CORPSE- und DYING FETUS-Jünger, die sonst schon alles haben. Wenn´s nächstes mal einen besseren Sound gibt (und den gibt’s mit Sicherheit!), bin ich vielleicht gnädiger. Das Potential ist auf jeden Fall mal da. www.myspace.com/violentdevoties Mike OVERLOAD – Zsarnok / Under The Heel (Eigenproduktion) Zu Beginn muss ich festhalten, dass die mir vorliegenden Songs zwar an sich nur die zweite Hälfte dieses Albums darstellen, es aber dennoch möglich war, dieses als Gesamtwerk zu beurteilen. Der Grund dafür liegt am Umstand, dass sich die Ungarn OVERLOAD dazu entschieden haben ihr aktuelles Material in zweifacher Version - und zwar mit ungarischen, aber auch mit englischen Texten - auf einer einzigen Scheibe zu verewigen. Vom Doppeltitel „Zsarnok / Under The Heel" war also für mich nur die zweite Hälfte vorgesehen, einen imposanten Eindruck haben die Jungs aber dennoch hinterlassen können. Den Drang auch überregional bekannt zu werden, verspürt man auf dieser Scheibe aber nicht nur an der zweisprachigen Ausführung der Songs, sondern auch an der überaus ambitionierten Vorgangsweise dieser Jungs. Sehr mutig gewählt ist der Einstieg (zumindest in die "englische" Version der Scheibe, an der Reihenfolge dürften die Jungs nämlich sehr wohl auch manipuliert haben) mit dem flotten, aber dennoch frickeligen Instrumental „Dream“, das zwar gelungen und sehr wohl als Song und nicht bloß als Intro zu verstehen ist, aber noch kaum Hinweise darauf gibt, was den Hörer in weiterer Folge erwartet. Da sich bei OVERLOAD mit Máté Bodor an der Gitarre und Daniel Czakó am Schlagzeug das halbe Line-up der Instrumental-Metaller LOST SYMPHONY wiederfindet, ist zumindest ein möglicher Hintergrund für diese Komposition gegeben und in Anbetracht der Kompetenz jener Truppe, sollte auch gar kein Zweifel an der Qualität diese Instrumentals aufkommen, etwas eigenwillig ist der Umstand aber dennoch. Eine gewisse Schlagseite hin zu verfrickelten Passagen ist OVERLOAD jedoch über die gesamte Spielzeit anzumerken, das Quartett konnte aber gerade dadurch eine ordentliche Dosis Eigenständigkeit erlangen, auch wenn es die Burschen an sich weniger auf instrumentale Feinheiten angelegt haben und uns ein sehr sattes und auch heftiges Brett, irgendwo in der Schnittmenge aus kraftstrotzendem und groovigem Thrash Metal offerieren. Die Gitarristen Máté und Gábor Fülöp haben es sich aber dennoch nicht nehmen lassen, immer wieder mit herrlichen Soli und vereinzelt sogar gen Neoklassik tendierenden Instrumentalpassagen aufzuwarten. Durch den rauen und mitunter sehr aggressiv anmutenden Gesang von Gábor schaffen es OVERLOAD aber locker, sich in erster Linie als heftig agierende Band in Szene zu setzen. Das Riffing an sich kommt deutlich vom 90er Thrash beeinflusst daher und zudem wussten die Ungarn auch eine ganze Wagenladung Groove in ihren Tracks zu integrieren. Das immerzu passende, aber dennoch ungewöhnliche Gitarrenspiel erweist sich obendrein als Gewinn und sollte die Truppe sowohl für Freunde von kräftigem Groove-Thrash, ebenso aber auch für Musikgourmets, die in erster Linie an der Fingerfertigkeit von Musikern an deren Instrumenten interessiert sind und beim Erwähnen des Begriffes „aggressiver, groovender Thrash" nicht sofort die Flucht ergreifen, interessant machen. http://overloadmetal.com Walter LAYMENT – Traces (Yonah Records) Keinen Dampf, wie ich die Musik der Deutschen LAYMENT auch nur annährend kategorisieren sollte, um eine passende Einleitung für dieses Review zu finden. Im Beiblatt zur vorliegenden Promo wird die Band als „eine Neuentdeckung für die Fans von SENTENCED, METALLICA oder auch IN FLAMES“ bezeichnet. Gut, ein Ansatz … ...aber so richtig zufrieden bin ich damit auch noch nicht. Erdiger Metal, ein wenig Gothic Rock -Anleihen, stille Momente, dann wieder schwungvolle Elemente, leicht nachvollziehbare Songstrukturen, abwechslungsreicher Gesang von clean bis Growls und richtig bösartigen Schreien (und das alles zum Teil in einem einzigen Song), druckvolle rotzfreche Produktion, gute Arrangements… diese Zutaten machen „Traces“ aus und verschaffen dem oder der geneigten Hörer(in) ein recht kurzweiliges Lauschvergnügen. Somit stehen die Zeichen grundsätzlich auf positiv, allerdings muss ich alte Sudertante (Obacht! Wer z´vü sudert.... Andi) dann doch anmerken, dass im Falle von LAYMENT weniger vielleicht ein bisschen mehr gewesen wäre. Kann aber auch sein, dass nur ich mit den vielen differenzierten Elementen des aktuellen Silberlings ab und zu überfordert bin. Mir fehlt halt einfach der rote Faden in den Stücken. Oder ist der etwa genau in den unzähligen Einflüssen bzw. Stilbrüchen zu finden? Am Besten selbst kurz antesten und entscheiden, ob es Euch so wie mir geht oder ob Ihr zu denen gehört, die restlos begeistert von „Traces“ sind. www.layment.com Anita THE EYES OF A TRAITOR - A Clear Perception (Listenable Rec.) Ideenreichtum ist gefragt, wenn man sich heute aus der unüberschaubaren Masse an X-Core-Combos hervortun will. Die Briten THE EYES OF A TRAITOR sind grade mal so um die 20, und wollen schon bei den ganz Grossen mitreden. Nun, ein wenig unaufregend ist „A Clear Perception“ trotz der hohen Dichte an Tempiwechseln und dem inflationären Gebrauch abstrakter Rhythmik dann doch. Das hat den einfachen Grund, dass man über weite Strecken hier genauso gut irgend eine andere total angesagte Mathcore-Band als Protagonisten einsetzen könnte. Zum Beispiel BRING ME THE HORIZON. Bei „Escape These Walls“ schwingt man mal eben die MESHUGGAH-Keule, und „Echoes“ hat ein bisserl was todesmetalliges. Ansonsten klingts immer ein wenig nach BETWEEN THE BURIED AND ME. Immerhin: ein Achtungserfolg ist dem Quintett aus Hertfordshire hier allemal gelungen. Man vermischt elegant Härte mit Gefühl, das Resultat ist natürlich ganz state of the art. Immer anspruchsvoll, selten aber wirklich überragend. Definitiv nichts für Vierviertel-Puristen, ansonsten ganz nett. Und mit ein wenig mehr eigener Note könnte aus diesen Jungs noch mal was werden...aber da ist wie gesagt Ideenreichtum gefragt. /www.myspace.com/theeyesofatraitor Mike BLACKGUARD– Profugus Mortis (Nuclear Blast) Die Kanadier BLACKGUARD sind die Gewinner des weltweiten Nuclear Blast My Space Band Contests 2008 und kamen so zu der Ehre, ihr Debut bei eben diesem Label zu veröffentlichen. Das Album ist beileibe nicht schlecht ausgefallen; was aber meiner Ansicht nach fehlt, ist die Eigenständigkeit. „Profugus Mortis“ bietet Partymusik a la FINNTROLL (Humpa lässt grüssen), die Gitarrensoli erinnern bisweilen stark an CHILDREN OF BODOM, der Gesang klingt ebenfalls schwer nach der einen oder anderen skandinavischen Pagan/Folk Metal Band und bei der Rhythmus-Sektion schließt sich der Kreis wieder in Richtung FINNTROLL. Diese Mischung ist durchaus treffsicher und wird von einer perfekt gelungenen Produktion abgerundet, aber mir stellt sich die Frage, ob einem aufstrebenden Newcomer ein paar Experimente bzw. ein wenig mehr Tiefgang nicht besser zu Gesicht gestanden wären? Tiefgang deshalb, weil man bei „Profugus Mortis“ Gefahr läuft, sich nach einiger Zeit satt zu hören, da es partout nix Neues zu entdecken gibt. Schade, denn die musikalischen Qualitäten von BLACKGUARD bestechen allemal und lassen absolut Hoffnung aufkeimen, dass die Band nach diesem Achtungserfolg beim nächsten Versuch ein wenig innovativer ans Werk geht. www.myspace.com/blackguard Anita ONLY ATTITUDE COUNTS - Triumph Of The Underdogs (Swell Creek / Superhero) Die selbsternannten „Kings of Vienna Style“ haben sich in den 15 Jahren ihres Bestehens still und heimlich bis an die Spitze des heimischen (und auch des europäischen) Hardcore hochgemosht und bringen ihre Songs immer noch mit genauso viel Trueness rüber wie in ihren Anfangstagen. Im Unterschied zu früher produziert die Scheiben heute aber kein geringerer als Tue Madsen (u.a. THE HAUNTED, ILLDISPOSED, DISBELIEF), und der lässt den knapp halbstündigen Gewaltausbruch auch nicht allzu überladen klingen, sondern herrlich reduziert aufs Wesentliche, durchaus oldschool und immer voll in die Fresse. Schreihals Mike Crucified hat ein schön nerviges HC-Organ und trotz zigfach gehörter Nullachtfuffzehn-Riffs fährt „Triumph Of The Underdogs“ von Anfang bis zum Ende wie Sau. Das Covermotiv passt dann auch super zur Beschallung (wen ham se da wohl im Auto erschossen? John Dillinger? Man weiss es nicht...). Also: schmiert eure Sprunggelenke, reisst euch das Shirt vom Leib und wuchtet eure verschwitzten, tätowierten Leiber in den Circlepit! www.onlyattitudecounts.com Mike PRETTY WILD - All The Way (SwedMetal Records) Es gibt Momente im Leben, da verlässt selbst einen an sich „geerdeten" Zeitgenossen jedes Vertrauen und er beginnt als Folge davon gewisse Tatsachen - selbst bei eindeutiger Beweislage - auf deren Richtigkeit mehrfach zu überprüfen. Meine Wenigkeit ereilte dieses „Schicksal" beispielsweise im Zusammenhang mit der noch recht unbekannten schwedischen Formation PRETTY WILD. Dieses Quartett hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, den „Stadionrock" der 80er Jahre erneut aufleben zu lassen und kommt auf „All The Way" dermaßen authentisch daher, dass ich immer wieder das Erscheinungsdatum dieses Albums kontrolliere und mich versichere, es nicht mit einem Druckfehler zu tun zu haben, oder einen Re-Release untergejubelt bekommen zu haben. Doch dem ist definitiv nicht so, diese Jungs scheinen viel mehr bereits in frühester Kindheit vom „Glam / Sleaze-Virus" infiziert worden zu sein und haben dieses offenbar in all den Jahren ihrer Existenz regelrecht zu gigantischem Ausmaß anwachsen lassen. Die insgesamt acht Tracks kommen allesamt locker-lässig aufgespielt aus den Boxen und lassen sofort Erinnerungen an die ganz große Zeit von Bands wie POISON („All The Way“), MÖTLEY CRÜE („Time“, „Dangerous“) oder auch AEROSMITH aufkommen, haben zudem auch eine mehr als nur deutliche GUNS’N’ROSES-Schlagseite („Let The Good Times Roll“) abbekommen und wissen durch die Bank für gute Laune zu sorgen. Die Schweden machen zudem eine dermaßen gute Figur, dass man ihnen nicht nur die Musik, sondern auch ihre Optik und offensichtliche Einstellung, die in Bandphotos dokumentiert wird, die ebenso gut auch aus der Vergangenheit stammen könnten, als es „in" war, sich als Formation vor einschlägigen Clubs wie dem „Roxy" oder dem „Rainbow" ablichten zu lassen, voll und ganz abnimmt. Nicht minder authentisch und auch sympathisch, kommt der Vierer auch deshalb rüber, weil es ihnen noch einmal im Traum eingefallen ist, in irgendeiner Form Einflüsse der letzten 20 Jahre zum Vorschein kommen zu lassen, sondern sich ausschließlich als Glam / Sleaze / Rock-Band zu präsentieren. Noch nicht einmal am Umstand, dass gesanglich auf „All The Way" nicht wirklich großes Kino geboten wird, sondern vor allem in den „Höhenlagen" sogar so manche schräge Töne zu vernehmen sind, scheinen sich PRETTY WILD gestoßen zu haben, was die natürliche Rotzigkeit dieser Burschen weiter unterstreicht. „ All The Way" ist in Summe ein wirklich imposanter und ungemein lässiger Trip zurück in jene Zeit geworden, als Musiker mit Artikeln aus dem Drogeriegroßmarkt zwar besser umzugehen wussten als mit ihren Instrumenten, aber dennoch nahezu ausschließlich fetzige Rocksongs für die Ewigkeit zu schreiben im Stande waren. www.myspace.com/prettywildrocks Walter ANOTHER LIFE - Memories From Nothing (Vic Records) Der ehemalige PAGANIZER-Gitarrist Andreas Karlsson geht seine eigenen Wege und setzt uns hier sein Debut vor, das auch durchaus ok ist – vorausgesetzt man kappt erst mal sämtliche Connections zu oben genannter Todes-Combo und begibt sich in die schwarzlackierten Gefilde des „Gothic Rock“ (wuahrg!). Neun straighte Songs sind hier verewigt, die Refrains bleiben allesamt durchaus gut im Ohr und haben ansatzweise schon so was wie Hitpotential. Der Mann weiß, wie man schmissige Lieder schreibt, die einerseits tragisch und melancholisch klingen, andererseits aber irgendwie doch flockig-locker beim Hörer ankommen und noch länger in dessen Unterbewusstsein nachhallen. Dan Swanö (EDGE OF SANITY, NIGHTINGALE), der hier sowohl produziert als auch die Keyboards bedient hat, hat zwischendrin immer wieder (unbewusst?) seine Trademarks hinterlassen: wuchtige, teils beängstigend straighte Riffkaskaden mit einem prägnanten Orgelteppich drunter. Und dann wäre da eben noch der Vorhersehbarkeitfaktor: an die 95 Prozent. Das Organ von Karlsson kann zwar durchaus mit dunklem Timbre punkten, aber alles in allem ist das Album trotz schöner Melodien recht unspektakulär. Selbst die überzeugenden Tracks wie „Falling Apart“ , „The Everflow“ und „Everlasting“ sind knapp unterhalb vom Kommerzäquator angesiedelt und werden wohl nur Freunde gotischen Dunkel-Rocks der Sorte PARADISE LOST hinterm Ofen hervorlocken. www.anotherlife.se Mike POSTMORTEM - Constant Hate (War Anthem Records / Soulfood) Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Höreindruck von POSTMORTEM erinnern. Ein Killer-Track (im wahrsten Sinne des Wortes... Andi) mit dem Titel „Albert "Cannibal" Fish“ (vom 1997er-Konzeptwerk „The Age Of Massmurder“) war es, der mich auf diese Formation aufmerksam werden hat lassen. Dieser wurde einst von den Machern des leider nicht mehr existierenden Audio-Zines „Zephyr“s Odem“ vorgestellt und entpuppte sich nachhaltig - trotz seiner Brachialität - als Ohrwurm der Sonderklasse. Die Band selbst war jedoch schon zu jenem Zeitpunkt längst kein Newcomer mehr, sondern stand voll im Saft und existiert mittlerweile in Summe bereits seit nahezu 20 Jahren. Allerdings geriet der kreative Output der Berliner kurz vor der Jahrtausendwende ein wenig ins Stocken, so dass „Constant Hate“ das erste „vollständige“ Album der Jungs seit der 1998er Scheiblette „Repulsion“ darstellt. Untätig waren die Burschen aber dennoch keineswegs, so wurde im Jahr 2003 die EP „Join The Figh7club“ in Umlauf gebracht, zu deren Gelingen auch Produzentenlegende Harris Johns sein Quäntchen beigetragen hat. An Gigs wurde bisher so ziemlich alles beackert, was die deutsche Metal-Landschaft an Möglichkeiten hergegeben hat. Von einem Auftritt in Wacken, bis hin zu kleinen Clubgigs und einer im Vergleich zu den zahlreichen Festival-Gigs, wohl nur schwach besuchten Tournee zusammen mit PRO-PAIN und CARNAL FORGE, haben sich POSTMORTEM noch nie lange bitten lassen und dort, wo es ihnen möglich war, auch aufgegeigt. Um den Fanscharen abermals die Chance zu geben, auch im heimischen Wohnzimmer ihren Klängen zu lauschen, haben POSTMORTEM ein abermals sehr sattes Brett im Angebot, das derben Thrash Metal und Death Metal der drückenden Art beinhaltet. Der Grooves wegen, kommen dem Interessenten mit Sicherheit mehr als nur einmal auch BOLT THROWER in den Sinn, viel stärker ist der Bezug zu den Briten aber wohl durch das aus der „Galerie neuer Meister“ der staatlichen Kunstsammlung Dresden stammende Covergemälde mit dem Titel „Der Krieg“, das im Original von Otto Dix stammt, denn besagtes Kunstwerk, wäre auch der „Bolzenschleuder“ ganz fabulös zu Gesichte gestanden. POSTMORTEM kommen in Summe einer musikgewordenen Abrissbirne gleich und wissen vor allem im Mid-Tempo den Zuhörer regelrecht zu erdrücken. Allerdings lassen die Riffs von Marcus Marth auch immer wieder an den guten alten Thrash Metal denken, auch wenn dieser von den Berlinern in eher "gemächlicherem" Tempo vorgetragen wird. Vor allem „Killing Days (To Ottis)“ und „Lobotomy“ erweisen sich als sensationelle Brecher und sind regelrecht prädestiniert dazu in der kommenden Festival-Saison für tobende Pits zu sorgen. Durch zahlreiche Tempowechsel erhält „Constant Hate“ aber auch das nötige Quäntchen Abwechslung, wobei das auflockernde Akustik-Instrumental „As The Blood Rushed Out Of Her Cutted Throat“ hervorsticht, da die Band hier - ganz im Gegenteil zum Titel - keineswegs mit dem erwarteten Gemetzel, sondern mit gefühlvoller Gangart aufhorchen lässt. An diese Nummer wurde mit „Hate, Kill, Destroy“ dann aber das ultimative Geballer geknüpft, mit dem sich die Jungs einmal mehr als Geheimtipp für die Fraktion der Groove-Deather empfehlen, bevor das leicht MOTÖRHEAD-lastige, ungemein räudige „Can“t Stop Killing“ den Reigen auf nicht minder beeindruckende Weise beendet. „Constant Hate“ ist eine sehr feine, wenn auch alles andere als feinfühlige, dafür aber mächtig rumpelnde Sache geworden, die beweist, dass POSTMORTEM nichts verlernt haben. Jetzt aber bitte unbedingt dran bleiben, die Herren, damit wir nicht wieder soooo lange warten müssen! www.myspace.com/postmortem1 Walter |
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