SUIDAKRA – Crogacht (Wacken Records/SPV)
Waren die ersten Werke von SUIDAKRA noch hie und da ein wenig unausgegoren und sperrig, zählt die Band wohl seit ihrem letzten Output „Caledonia“ endgültig zur Oberliga im Bereich Pagan / Folk Metal.
Das nun erschienene Nachfolgealbum „Grogacht“ zündet vom ersten Moment an und bietet eine fantastische Mischung aus erdigem Death Metal, abwechslungsreichen Akustik-Einlagen, stimmlichen Höchstleistungen von Shouter Arkadius bzw. diversen Gastsänger/innen und einer großartigen Rhythmussektion. Das Songwriting befindet sich auf höchstem Niveau, denn SUIDAKRA verpacken die unterschiedlichsten Elemente in einen Track, ohne dabei den roten Faden aus den Augen zu verlieren. Das sorgt für eine erfrischende Stimmung und hält den Hörer bei Laune. Die Germanen klingen zu keinem Zeitpunkt peinlich pathetisch oder kitschig, was für zusätzliche Freude sorgt.
Der Sound hätte besser nicht ausfallen können und verleiht dieser Scheibe den perfekten Schliff. „Crogacht“ ist mit Sicherheit eines der Highlights der letzten Monate und sollte in keiner Pagan / Folk Metal Sammlung fehlen.
www.suidakra.com
Anita
DESTRUCTIVE BEHAVIOR – The Fear Within (Eigenveröffentlichung)
Vergesst alles, was in letzter Zeit irgendwie nach Melodic-Death Metal geklungen hat, denn diese bislang relativ unscheinbare Band aus Dinslaken hat es faustdick hinter den Ohren!
Gleich beim eröffnenden Titeltrack lassen kurz mal JUDAS PRIEST grüßen, allerdings mit Growlgesang veredelt anstatt mit Metzger-Sopran. Als ganz vagen Orientierungspunkt könnte man alte AT THE GATES ins Spiel bringen. Wo alle anderen am Retro verzweifeln und bei Wiederbelebungsversuchen des klassischen (Death-) Metal scheitern, klopfen diese fünf Jungs Anfang Zwanzig so selbstverständlich Maiden- und Priest- Riffs von der Stange, dass man des öfteren denkt „Bist du deppert!“.
DESTRUCTIVE BEHAVIOR haben anno 2002 eigentlich als Black Metal-Truppe begonnen, sind aber mittlerweile – „The Fear Within“ ist bereits ihre dritte Veröffentlichung – weit über den Provinz-Status rausgewachsen und haben ihr musikalisches Spektrum hörbar erweitert. Diese Band gehört auf die Bühnen Europas, um „Old Mans End“ (Junge, was für Leads !), das treibende „Excess For Lust“ oder vielleicht auch das geniale Rausschmeißer-Instrumental „The Final Booze“ vor einer Kulisse zu performen, die ihrer würdig ist!
Die zwei klitzekleinen Mankos sind relativ schnell abgehandelt: die Scheibe dauert erstens nur knapp über ne halbe Stunde, und zweitens täte es sowohl Christoph Fengels als auch dem Gesamtbild gut, wenn er hie und da auch mal cleane Vocals einbauen würde. „The Fear Within“ kriegt mit Sicherheit nicht den Originalitäts-Orden, aber ich habe selten eine Nachwuchs-Combo gehört, die so entschlossen, tight und einfach nur geil klingt wie DESTRUCTIVE BAHAVIOR. Wenn’s hier Punkte zu vergeben gäbe, dann wären das glatt acht von zehn. Das Teil kann für 5 Euro bestellt werden bei
Jens@destructive-behavior.de
Mike
PURE REASON REVOLUTION - Amor Vincit Omnia (Superball/SPV)
Die Revolution der reinen Vernunft – sounds good to me! Auch klar, dass es sich hierbei um Studenten handeln muss, die mal in Kant’s “Kritik der reinen Vernunft“ reingeschnüffelt haben. Ähnlich „groß“ angelegt und verkopft die Musik. Oberflächlich klingts nach Indie-Rock, doch die teilweise in 12 Minuten ausartenden Songs sind vermutlich eher im Bereich des Progressive Rock einzuordnen und teilen sich eine Epik und Güte von Größen wie Trail Of Dead oder Oceansize. Kein Zufall: es wurde bereits gemeinsam getourt und man veröffentlicht nun sogar auf dem selben Label (Superball Music). Feine Sache.
www.myspace.com/purereasonrevolution
Alfred
HDK - System Overload (Season Of Mist/rebeat)
Wenn Sander Gommans mal nicht mit AFTER FOREVER beschäftigt ist, dann schraubt er neuerdings an seinem Zweitwagen rum, der sich HDK nennt – was soviel wie HATE DEATH KILL heissen soll, aber auch gerne als “Age Decay” interpretiert werden darf. Und weil der gute Sander letztens mal ein Burn-Out hatte, kam ihm „System Overload“ (wie schön umschrieben!) gerade recht als Ventil, um mal gehörig den Dampf abzulassen.
Mit AFTER FORVER hat das ganze aber wenig zu tun, denn HDK (deren harter Kern übrigens noch aus dem Jazzmusiker Peter Vink am Bass und GOD DETHRONED-Trommeltier Arien van Weesenbeek besteht) zocken technisch einigermaßen überladenen Breitwand-Deathmetal, der sowohl Anleihen im Black-Bereich nimmt, aber auch den Trip ins Brutalo-Bombast-Reich von PAIN und Co. nicht scheut. Mit der Zeit kristallisieren sich hier durchaus echte Hitgiganten heraus, so etwa das wuchtige „Breakdown“ oder der Arschtreter vor dem Herrn „Fight Or Flight“ (super Songtitel auch, Andi). Als Gastmusiker hat das holländische Gitarren-Viech neben seinem Bandkollegen Jost van der Broek (Keyb.) unter anderem auch ANGRA-Sirene Andre Matos und Multitasking-Kaiser Arjen Lucassen (G.) aufmarschieren lassen.
„Sytem Overload“ präsentiert sich als tightes Package, alles ist wie aus einem Guss, die spärlichen Aussetzer halten sich dezent im Hintergrund, die Power drückt nach vorne und alles ist fein. Da hat jemand wirklich ne ganze Menge Hass und Frust in seine Arbeit gesteckt. Bleibt zu hoffen, dass am Schluss auch noch ein bisserl was davon für AFTER FOREVER übrig bleibt...
www.myspace.com/sandergommans
Mike
THURSDAY - Common Existence (Epitaph/Edel)
Als Protest-Band bereits etabliert, erteilen Thursday abermals der Widerspenstigen Zähmung eine Abfuhr und machen viel Lärm um viel, wie es uns gefällt. DieP ost-Hardcore-Veteranen mit Hang zum Experimentellen und zu Emotionen haben eine vielschichtige Platte abgeliefert, die sowohl voll auf die Zwölf schlägt als auch Gefühlvolles nicht vernachlässigt. Klasse Teil!
www.thursday.net
HCV
NAPALM DEATH - Time Waits For No Slave (Century Media / EMI)
Auch wenn es zu Beginn der Laufbahn dieser Briten keineswegs den Anschein gemacht hatte, dass sie diese einst darauf ausgelegt hätten, als „nachhaltig“ in die Geschichtsbücher der Musikbranche einzugehen, muss wohl auch der heftigste Kritiker dieser Band neidlos und voll Respekt eingestehen, dass sie exakt das geschafft haben und auch jetzt, knapp drei Jahrzehnte später, noch immer mit zu den mächtigsten Formationen im extremen Metal zu zählen sind (das stimmt schon, Walter. Aber noch so ein Fünfzeilen-Satz mit 667 Beistrichen und Einfügungen, und ich... Andi).
In ihrer beeindruckenden Karriere haben es die Herrschaften in der Zwischenzeit auf insgesamt 27 „Bandjahre“ und zeitgleich beachtenswerte 14 Studioalben gebracht. Angemerkt zu diesen Fakten sie zudem noch, dass es sich bei NAPALM DEATH um eine der wohl emsigsten und tourfreudigsten Bands im gesamten Business handelt. Von mangelnder Auslastung oder dergleichen konnte bei dieser Truppe ohenhin noch nie die Rede sein. Diese wahrlich imposante Statistik lässt darauf schließen, dass NAPALM DEATH wohl den Dreh heraus haben müssen und anhand ihres aktuellen Silbertellers „Time Waits For No Slave“ lässt sich problemlos nachvollziehen, weshalb die Herrschaften noch immer mit zu den essentiellsten Formation im extremen Metal zu zählen sind.
Die Urväter aller ultra-brutalen Sounds haben uns darauf insgesamt 14 Tracks zu offerieren, die zum einen ganz klar ihre imposante Brutalität manifestieren und die Stärken der Band dokumentieren, auf der anderen Seite waren die „gereiften Helden“ aber dann doch so frei, auch persönliche Einflüsse und Vorlieben ans Tageslicht zu befördern. Neben fiesen und räudigen Grindcore-Bastarden, die einmal mehr der Konkurrenz weltweit zeigen, weshalb NAPALM DEATH schon so lange "On Top" sind, kommen dadurch auch massig „fremdartige“ Anklänge zum Zug, die perfekt zur Vorgangsweise der Combo passen und ungemein homogen ins Erscheinungsbild eingefügt werden konnten.
So scheinen sich die Herren nunmehr verstärkt auf wuchtige Grooves im Mid-Tempo festgelegt zu haben, die aber allesamt ebenso mit schier unglaublicher Brutalität aus den Boxen gedonnert kommen. Hier wird wohl gar kein Hehl daraus gemacht, dass die ganz alten CELTIC FROST mit zu den „gemeinsamen Nennern" im Bandgefüge zu zählen sind, wenn von „Favoriten“ die Rede ist. Zudem lässt sich für mich auch des Öfteren die versiffte Grind-Punk-Räudigkeit von Größen wie DISCHARGE vernehmen, kein Wunder eigentlich, denn auch diesbezüglich haben sich NAPALM DEATH immer wieder im Laufe ihrer Historie als eingefleischte Fans geoutet.
Wie ebenso zu erwarten war, kommt die Chose auch einmal mehr mit nicht minder heftigen Lyrics um die Ecke. Entsprechend dem Album-Titel haben sich NAPALM DEATH mit der aktuellen Variante der Sklaverei auseinandergesetzt. Ein Thema, das trotz des vermeintlich "historisch" anmutenden Hintergrundes, auch in der "Moderne" leider immer noch reichlich Stoff zu bieten hat.
Fazit (endlich...Andi): NAPALM DEATH sind im Extrem Metal Bereich immer noch eine der aller ersten Adressen!
www.napalmdeath.org
Walter
ÁSMEGIN - Arv (Napalm/SPV)
Die steirische Dunkelschmiede Napalm überrascht neuerdings durch einen ziemlich abwechslungsreichen Artist-Rooster, in dem auch immer wieder geniale Bands zu finden sind. Die Norweger ÁSMEGIN sind eine solche, und ihre Marschrichtung ist in etwa nordischer Avantgarde-Folk.
Ähnlich wie bei den Kollegen von TYR – mit denen ÁSMEGIN des öfteren gröbere Überschneidungen aufweisen - setzen sich die Songs teils aus traditionellem, landestypischen Liedgut und zu nicht unwesentlichen Teilen aus Anspruch und Eigensinn zusammen. Auch an exotischem Instrumentarium mangelt es nicht, unter anderem werden Mandolinen, Maultrommeln, norwegische Zithern (was immer das auch genau sein mag...) oder ein Mellotron aufgefahren. Zwei wunderbar angenehm aufeinander abgestimmte Gastsängerinnen behübschen die Songs, und driften bei „Fandens Maelkebotte“ oder dem bittersüssen „Prunkende, Stolt I Jukumsol“ fast schon ins Chanson-Fach ab. So wie überhaupt die acht Lieder allesamt eine sehr melancholische Grundstimmung transportieren.
„Arv“ wird von mal zu mal intensiver, besser, genialer. Eine Truppe, die sich angenehm vom Mainstream-Folk abhebt, und die sich mit ihrem Zweitling außer ein paar Landsleuten wohl auch keine großen Käuferschichten erschließen wird. Ein feines Teil für neugierige, offene Gemüter, die SOLEFALD (deren eine Hälfte Lars Nedland übrigens beim Gesang aushalf), ENSLAVED und VINTERSORG toll finden und tiefer in diese Richtung vorzudringen gedenken. Bitte mehr davon!
www.asmegin.com
Mike
SAMAEL – Above (Nuclear Blast/Warner)
Die Schweizer SAMAEL, eine der dienstältesten Black Metal Bands unserer Breitengrade, bringen mit „Above“ ein neues Album unters metallische
Nach einigen Durchläufen bestätigen sich die von Sänger Vorph vorab getätigten Aussagen von wegen „back to the roots“ bzw. „durch und durch Metal“ zu hundert Prozent und die vorliegende Scheibe besticht durch eine ausgewogene Balance zwischen altem und neuem SAMAEL Material. Industrial Black Metal mit vielen Tempowechsel, atmosphärischen Soundbögen und eine herbe Portion Bösartigkeit garniert mit den für Vorph so typischen Vocals tönen vom ersten bis zum letzten Song aus den Boxen, wobei die Tracks im Vergleich zu den letzten Alben verdammt brutal ausgefallen sind. Mir wäre zwar nicht zu Ohren gekommen, dass es sich bei „Above“ um ein Konzeptalbum handelt, aber trotzdem gehen die einzelnen Stücke fließend in einander über und bilden eine unzertrennbare Einheit, was als weiterer positiver Aspekt zu bewerten ist.
Überhaupt strahlt die Scheibe eine fast schon beängstigende Dynamik aus und es fällt wirklich schwer, einzelne Anspieltipps zu geben, da keine Nummer schlechter als die andere ist. Am Sound hätte man noch ein wenig feilen können, da der Drumcomputer das eine oder andere Mal kurz eigen vor sich hin klickert, aber das war dann auch schon alles an Kritik, was ich anzubringen hätte. Geniales Album einer Kultband.
www.samaelinfo.com
Anita
DIE KRUPPS - Volle Kraft Voraus ! & Die Krupps I (Re-Releases) Synthetic Symphony / SPV
Wer DIE KRUPPS nur aus dem „Headbanger’s Ball“ auf MTV kennt (lief in den Neunzigern, remember? (Nein Mike, wir sind alle schon senil... Andi)), der sollte Vorsicht walten lassen, wenn er sich mit den Frühwerken der Düsseldorfer auseinandersetzt.
Die Metal-Schiene, die später auf „I“ und „II“ gefahren wurde, ist auf „Volle Kraft Voraus!“ (original 1981 erschienen) nämlich völlig abwesend – no na ned, immerhin brach da grad die Neue Deutsche Welle aus. Das dritte volle Album von Jürgen Engler & Genossen erinnert an KRAFTWERK genau so wie an DAF, die Anarchie in der Musik ist hier noch zum Greifen nahe. Man zeigt Mut zum Experiment und dreht alles auf minimal, die Beats kommen aus dem Atari, und die Melodien erinnern eher an Kinderlieder in ihrer Einfachheit. Das Original wurde digital remastert, und - wie könnte es anders sein – es liegt natürlich auch die ganze CD in einer aufgepimpten (sprich: remixten) Bonusversion vor, für alle die es dann doch etwas lauter und heftiger mögen.
Apropos „heftig“: was DIE KRUPPS dann eine Dekade später auf „I“ abliefern, wird die Blaupause für den Remix-Wahn der Neunziger, und alle Metaller wollen plötzlich einen Synthesizer haben, weil es ist ja sooo trendy. Auch „I“ hat bis heute nichts von seinem Reiz verloren, Klassiker wie „The Dawning Of Doom“ oder „Metal Machine Music“ laufen auch anno 2008 auf Gothic-Clubbings genauso wie bei Metal-Parties und sind Dauerbrenner im KRUPPS-Liveset.
Man kann es für gut halten, kann DIE KRUPPS als Brückenbauer zwischen Electro und Metal verehren. Aber vielleicht ist es auch einfach bloß ein Phänomen, die Ich-AG von Jürgen Engler, die in zwei Dekaden so viele Menschen glücklich und noch mehr Gastmusiker unglücklich gemacht hat? Egal – die Re-Issues dieser beiden so unterschiedlichen, aber dennoch wegweisenden Werke (natürlich auch inklusive Bonustracks, so zb. auch endlich mal „Dr.Mabuse“!) ist vor allem für Quereinsteiger interessant. Beide Alben waren in letzter Zeit schwer erhältlich, was an den wirren Restklauseln diverser Plattenverträge lag. Ich persönlich bevorzuge übrigens jeweils die Remix-Version, auch wenn die Originale zweifelsohne ihren ganz ureigenen Charme besitzen.
/www.die-krupps.de
Mike
VOODOMA – The Anti Dogma (Eigenproduktion)
Die Band nennt ihren Musikstil „Dark Metal“; so ganz dunkel klingt es meiner Meinung nach nicht, denn über weite Strecken lassen sich auch traditionelle Power Metal Einflüsse erkennen.
Das Material auf vorliegender Scheibe punktet durch Eingängigkeit, melodiöse Gitarrenlinien und einen guten Songaufbau. Auch die untermalenden Keyboardeinlagen wissen zu gefallen und verleihen dem Material durchaus Radiotauglichkeit. Womit ich mich allerdings nicht anfreunden kann, ist der Gesang von Shouter Michael Thionville, da dieser recht oft nicht mit der Musik harmoniert und zu sehr aus der sonst so homogenen musikalischen Einheit heraus sticht. Ein weiterer Minuspunkt ist die mangelnde Abwechslung, denn so gut das Grundrezept von „The Anti Dogma“ auch gelungen ist, wird es spätestens nach dem sechsten Song ein wenig breiig. Es entsteht der Eindruck, dass die Deutschen lieber auf Nummer sicher gegangen sind anstatt das eine oder andere Experiment zu wagen, schade.
Am Sound dieser Scheibe gibt es hingegen nichts auszusetzen - vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass es sich hier um eine Eigenproduktion handelt. „The Anti Dogma“ ist somit ein Album, das weder besonders positiv noch besonders negativ ausfällt … vielleicht springt beim nächsten Mal der zündende Funke über.
www.voodoma.com
Anita
BLOODWORK - The Final End Principle (Dockyard 1)
Talentiert sind die Burschen aus dem norddeutschen Paderborn allemal, auch wenn die Schicht, die hier gefahren wird, alles andere als überraschend ist. Desöfteren denkt man an SOILWORK oder an die Kollegen von KILLSWITCH ENGAGE. Auch die mixen nämlich einigermaßen durchdacht Härte mit Melodie, und die zwölf Tracks auf diesem Debut sind recht griffig und gehen ins Ohr.
Was nicht zuletzt den ausnahmslos hitverdächtigen Refrains zu verdanken ist, die ihrerseits wiederum oft an INTO ETERNITY erinnern. Wenn sie auch nicht ganz die Klasse der Kanadier erreichen, ein Song wie „Drowning Stone“ (mit einem fast schon überirdischen Gitarrensolo) beweist, dass hier ne Menge Potential vorhanden ist. Der Brückenschlag zum traditionellen Metal gelingt auch relativ gut, was man beispielsweise bei „Hellbound“ sehr schön hört. Für den Anfang ist „The Final End Principle“ ein ziemlich starkes Teil, das in bemerkenswert kurzer Zeit eingetütet wurde, und die Songs konnten bereits auf der Demoversion viele Musikmedien überzeugen. Natürlich hat man Metalcore oder Melodic Death Metal wie diesen bereits zig-fach gehört, aber einige Bands schaffen es trotzdem immer wieder, positiv aufzufallen und aus der unüberschaubaren Masse an Plagiaten wenigstens ein wenig hervorzustechen.
Von BLOODWORK wird man jedenfalls noch hören, da bin ich mir sicher.
www.myspace.com/bloodworked
Mike
CATTLE DECAPITATION - The Harvest Floor (Metal Blade/SPV)
Man mag zu den militanten Weltverbesserern aus San Diego stehen wie man will. Aber CATTLE DECAPITATION sind nach wie vor eine höchst originelle Band. Im Lyrik-Bereich echauffiert man sich halt wieder mal über Umweltzerstörung und Tierquälerei anstatt Beelzebub zu huldigen (na, solche Ungustln aber auch.... Andi).
Warum auch nicht. Dass „The Harvest Floor“ das volle, abstrakteste Grind-Brett bietet, ist natürlich eh von vornherein klar. Auf diverse Schrägheiten, Millionen Tempiwechsel und zuhauf Dissonanzen darf man sich auch auf dieser Scheibe freuen. Die Produktion ist gut und transparent (was bei dieser Ereignisdichte auch zwingend notwendig ist!), die Sicko-Vocals von Travis Ryan sind nervenaufreibend wie eh und je, und alles klingt immer noch so, als würde man MACABRE-Platten auf dreifacher Geschwindigkeit abspielen. Bei dem Tempo und den wirren Breaks, die Neuzugang David McGraw an den Drums hier teilweise vorlegt, wundert´s mich dann auch nicht mehr, dass der Herr mal grob geschätzt bereits der zwölfte Drummer ist, den die Rindsviech-Enthaupter verschleißen.
Wenn DILLINGER ESCAPE PLAN mit CANNIBAL CORPSE im Schlachthaus jammen: es müsste dann ungefähr so klingen. Eine Freudenfest für alle Krachfetischisten, denen NAPALM DEATH schon zu kommerziell ist und die erst aus der Kiste kommen, wenn die Beats per Minute den IQ übersteigen und -fordern.
Obs den armen Viecherln wirklich hilft, wenn die Vocals teilweise nach elendiglich verendenden Säugetieren klingen, möchte ich mal bezweifeln. Fakt ist: würde ich mir „The Harvest Floor“ beim nächsten Steakessen reinziehen, ich würde wohl nur noch Grünzeug essen. Höhepunkt des Spektakels: das flockig lockere, höchst fleischlose „The Product Alive“ - extremer geht’s wohl kaum. Es lebe der intellektuelle Lärm!
www.cattledacapitation.com
Mike
DEGRADEAD - Out Of Body Experience (Dockyard 1)
DEGRADEAD sind – wenn man so will – die Entdeckung von IN FLAMES-Gitarrero Jesper Strömblad (aber nur, wenn man so will?? Andi). Und so wurde das Debut „Till Death Do Us Apart“ dann auch gleich von der gesamten IN FLAMES-Belegschaft produziert, gemixt und fertig eingetütet.
Für den ebenfalls netten Zweitling wurde man nun an die Kollegen Jonas Kjellgren und Daniel Bergstrand weitergereicht, die „Out Of Body Experience“ im Abyss-Studio in die rechte Form gebogen haben. Die vierzehn Tracks bringen Altbewährtes, das man momentan leider viel zu oft zu Gehör bekommt, und wo wahrscheinlich nicht nur mir schön langsam schon der Überblick fehlt. Nicht falsch verstehen, die Burschen verstehen ihr Handwerk, und so nette Nackenbrecher wie „Archive The Sky“ oder „V.X.R.“ sollten erste Zweifel beseitigen und als Visitenkarte herhalten können. Und „Out Of Body Experience“ ist mir immer noch hundertmal lieber, als der einmillionste, zeitgeist-gestylte SONIC SYDICATE-Pseudo-Auswurf. Meine großen Fragen gehen eher in die Richtung „wer braucht das alles noch?“ und „wo zur Hölle kommen eigentlich diese ganzen megatalentierten Bands her, die dann alle gleich klingen???“
Für Metalcore-Süchtler und Menschen, die wirklich jeden (immerhin noch sehr ordentlich produzierten) IN FLAMES-Aufguss brauchen, könnte das hier interessant sein. Ansonsten: nett aber relativ langweilig und ohne wirklichen Höhepunkt.
www.myspace.com/degradead
Mike
THIS ENDING - Dead Harvest (Metal Blade/SPV)
Der Erstling der Band rund um AMON AMARTH-Drummer Fredrik Andersson und den ehemaligen A CANOROUS QUINTET-Recken war ja schon mal recht vielversprechend, auch wenn keine musikalischen Pioniertaten vorlagen. Mit „Dead Harvest“ schlägt die bunte Truppe aber irgendwie einen etwas anderen Weg ein. Statt sattem Midtempo-Gestampfe gibt’s hier eher Blastbeat-Meterware, und diverse Triggering- und Sampling-Effekte erinnern oft an die Kollegen von FEAR FACTORY („Machinery“).
Anstatt wie bei AMON AMARTH in eher gemächlichen Hymnen zu verschunkeln, lässt Andersson hier sein ganzes Können vom Stapel und tritt auch schon mal ordentlich das Gaspedal durch. Das Songwriting kann sich sehen und hören lassen, auch wenn sich die vermeintlichen Hits hier auf drei Tracks beschränken: das hymnisch arrangierte „Army Of The Dying Sun“ besticht trotz seiner Kürze durch eine gewisse Vielschichtigkeit und klingt wie AMON AMARTH auf Hyperspeed. Der unmittelbar folgende Titeltrack ruht rhythmisch eher auf Hardcore-Fundamenten, wird aber durch sehr feines Melody-Riffing in good old Viking Fashion verfeinert. Erwähnenswert ist auch noch „Death Trade“, wo man noch mal mit grossen, dramatischen Gitarren-Fitzeleien begeistern kann.
„Dead Harvest“ ist irgendwie also weder Fisch noch Feisch, denn für Death Metal ist es irgendwie zu klinisch und gekünstelt, wenn nicht gar zu vorhersehbar. Und für Industrial-Metal ist es wiederum viel zu melodiös und urwüchsig. Beim Gesang wurde immerhin nachgebessert, der ist jetzt schon mal viel abwechslungsreicher als auf dem Debut „Inside The Machine“ von 2007. Aber wie gesagt sind die Doublebass- und Chinabecken-Attacken großteils ein wenig zu steril gehalten. Die wuchtigeren Songs liegen hier eindeutig in der zweiten Hälfte verborgen. Ich denke, „Dead Harvest“ wird wohl eine Weile brauchen um sich voll zu entfalten – auch bei mir.
www.thisending.com
Mike
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