CDs & DVDs
NOV/DEZ 2008
Weitere Reviews
im Archiv


AYREON - Timeline (Inside Out/SPV)

Nach sieben Ayreon Konzeptalben (+ der Raritäten-Compilation "Ayreonauts Only") hat sich Arjen Lucassen, kreativer Kopf und Mastermind des holländischen Prog-Projekts, dazu entschieden, eine umfassende Best Of Zusammenstellung zu veröffentlichen. Der legendäre Multi-Instrumentalist, Komponist, Produzent und Sänger hat in den Neunzigern das Genre der Rockoper quasi im Alleingang wiederbelebt. Seither erntet er regelmäßig weltweites Kritikerlob und feiert mit seinen Alben Charts-Erfolge in zahlreichen Ländern.

Dreizehn Jahre nach der ersten Ayreon-Veröffentlichung beendet Lucassen nun seine Saga von der Geburt und dem Untergang der Menschheit mit einer finalen Compilation namens "Timeline". Auf drei CDs (32 Tracks = 4 Stunden Musik!) können wir die Geschichte noch einmal komplett Revue passieren lassen. Begonnen beim blinden Minne-Sänger, der Botschaften von Wissenschaftlern aus der Zukunft empfängt, über den letzten Menschen, welcher virtuell durch vergangene Leben wandert bis hin zum außerirdischen Volk, das seine DNS lange vor uns auf die Erde schickte.

Timeline ist kein herkömmliches "Best Of" sondern die Zusammenfassung der kompletten Ayreon-Geschichte. Den Hörer erwartet eine musikalische Reise durch sämtliche bisher veröffentlichten Ayreon-Alben. Dabei sind die einzelnen Tracks nicht willkürlich angeordnet, sondern in chronologischer Reihenfolge. Angefangen beim Debütalbum „The Final Experiment“ bis hin zur aktuellen Scheibe „01011001“ ist jeder Abschnitt der Story mit mindestens vier Songs vertreten. Die ausgewählten Tracks veranschaulichen wunderbar die stilistische Breite der epischen Science-Fiction-Rockopern. Psychedelische Pink Floyd-Klangnebel treffen auf Beatles-Pop, melodischen Bombast, Folk, jede Menge analoger Synthesizer und facettenreichen Progressive Rock. Als Abschluss der letzten Scheibe überrascht zudem der bisher unveröffentlichte neunminütige Epilog "The Memory Remains".

"Timeline" stellt einen hervorragenden Überblick über Ayreon's Schaffenswerk dar. Es zeigt anschaulich die Weiterentwicklung des Ayreon-Projektes unter tatkräftiger Mithilfe von Musikgrößen wie James LaBrie, Anneke van Giersbergen, Floor Jansen, Jorn Lande, Hansi Kürsch, Neal Morse, Bruce Dickinson und vielen anderen. Man zählt stolze 77 Sänger und Musiker. Das ausführliche Begleitheft enthält neben einer detaillierte Besetzungsliste alle Songtexte der versammelten Songs, zahlreiche Fotos, Liner Notes zu jedem Album, eine Ayreon-Zeitleiste sowie ein Poster, auf dem noch einmal per Zeitstrahl die wichtigsten Etappen der Ayreon-Story festgehalten sind. Eine musikalische Zeitreise der Extraklasse.

Auch die üppig bestückte DVD bietet noch zusätzliche zwei Stunden Material. Zum Beispiel einige Songs im 5.1.-Mix, großzügigen Auszüge aus den Live-DVDs von Star One und Stream of Passion (die Ayreon Songs performen), schon bekannte als auch unveröffentlichten Videoclips, Features zu den Alben "The Human Equation", "Actual Fantasy" sowie einen zehnminütigen Bericht mit Impressionen von der Release-Party zu "01011001".

Für Neueinsteiger ist "Timeline" schlichtweg genial. In weiterer Folge ist man ohnedies mit dem Ayreon Virus infiziert und wird sich gierig auf den Backkatalog, der zum Teil bereits in Form gediegener Re-issues zu haben ist, stürzen. Doch auch echte Fans werden hier dank der gelungenen Aufmachung, dem überarbeiteten Sound und einigem unveröffentlichten Material freudig zugreifen.

www.ayreon.com

Ger-Hard

DIVERSE – WORLDWIDE METAL (Earache/edel)
Das perfekte Weihnachtsgeschenk für den Extreme Metal Fan kommt aus dem Hause Earache und entpuppt sich als Box mit 5 CDs (ideal für den Fünffach-Wechsler also) und einem PC-Game.

Dem Titel „Worldwide Metal“ entsprechend sind die Silberlinge geographisch unterteilt. CD 1 bringt demnach harte Töne aus den US of A, unter anderem von Morbid Angel, Brutal Truth, Adema, Deicide oder Hate Eternal. Bands aus dem United Kingdom toben sich dann auf der zweiten Scheibe aus, etwa Napalm Death, Carcasss, Bolt Thrower, Cathedral oder Extreme Noise Terror. Der Wechsler wandert weiter nach Skandinavien und offeriert Kultiges von At The Gates, Entombed, Cult Of Luna, Carnage und nebst vielen weiteren Mortiis (und jetzt lüg, Pinochio, lüg). # 4 führt uns noch mal nach Amerika, dort besuchen wir u.a. Massacre, Confessor, December oder Usurper. Die fünfte und letzte CD bietet Qualitäts-Lärm aus good old Europe, von Vader, Severe Torture, Ephel Duath, Lost Soul und vielen anderen.

Als Bonus liegt wie gesagt noch ein PC-Spiel bei, aber nicht irgendeines, sondern „Earache Extreme Metal Racing; das etwas andere Autorennen mit viel Blut – und viel Metal.

Das Beste zum Schluss: Das Paket liegt zum Richtpreis von läppischen 20 Euro im Laden oder aber zweimal in unserer Verlosungs-Box. Wenn Du es da rausholen (sprich: gewinnen) willst, dann schick eine e-mail mit dem Betreff „Worldwide Metal“ an metal@planet.tt (Anschrift nicht vergessen) und mit etwas Glück bringt Dir das Christkind heuer mal wirklich was Vernünftiges!.
www.earache.com

Andi


PIG DESTROYER – Natasha (Relapse/Rebeat)

Die Grindcore Legende Scott Hull (u.a. Agoraphobic Nosebleed, Japanese Torture, Anal Cunt) knallt uns mit seinen Mannen einen schwerverdaulichen Brocken vor den Latz.
Dieses Minialbum wurde schon auf der Limited Edition des 2004er Outputs „Terrifyer“ als Audio DVD released. Untypisch noisiges Downtempo – irgendwo zwischen Godflesh und Melvins beheimatet, bricht die Ode über Verlust und Trauer über den geneigten Hörer nieder, wie jährlich Steißbeine an der Kitzbühler Hausbergkante (autsch. Andi). Aalglatt ist was anderes…
www.myspace.com/therealpigdestroyer

Tompte


GAMMA RAY - Hell Yeah!!! - The Awesome Foursome (Steamhammer/SPV)

Die Anzahl jener Bands, denen man die Hamburger Urgesteine als Einflussquelle überdeutlich anhört, ist schier unendlich, aber Kai Hansen uns seine Burschen sind längst noch nicht müde geworden, sondern stehen voll im Saft.

Beweise dafür gibt es genügend, einer davon ist mit Sicherheit die Tatsache, dass die Hanseaten im letzten Jahr zum ersten Mal in ihrer langjährigen Karriere für eine Amerika-Tournee als Headliner gebucht wurden. Exakt davon existiert nun ein Tondokument, dass es sowohl in audiovisueller Variante, aber auch als „konventionelle“ Doppel-CD in die Läden kommt.

GAMMA RAY pur, ohne Netz und doppelte Boden also, in imposanter Live-Variante bekommt der Fan geboten. Stimmungsmäßig haben die Jungs ohnehin schon seit langen Jahren den Dreh raus und Göttergaben des melodischen, aber dennoch kraftstrotzenden Metals wie ‚Man On A Mission’, ‚Valley Of The Kings’ oder Rebellion In Dreamland’ funktionieren nun einmal überall auf dieser Erde. Den Beweis für die Tauglichkeit auf dem amerikanischen Kontinent tritt die Band mit ihren aktuellen, wahrlich beeindruckenden Live-Mitschnitten an, fehlt wohl nur noch Afrika, um das von GAMMA RAY ins Leben gerufenen ‚Heavy Metal Universe’ vollständig beackert zu haben.
www.gammaray.org

Walter


JARBOE - Maha Kali (Season Of Mist/Rebeat)

Jane Jarboe ist und bleibt eine Ausnahmeerscheinung. Ob früher, als sie noch bei den legendären SWANS ihr Unwesen trieb, oder seit jeher mit ihren Solo-Aufnahmen und Projekten: Die umtriebige Dame ist Performance-Künstlerin, Musikerin, Ikone und Workaholic in Personalunion, hat mit unzähligen Künstlern und Bands (von NEUROSIS über Blixa Bargeld bis BACKWORLD) kooperiert und so einen regelrechten Mythos um ihre Person geschaffen.

Jarboe steht genau dort, wo viele NICO gerne gesehen hätten – in einem kreativen Epizentrum, das nie zur Ruhe kommt, und in dem man auch ohne Drogen zu überirdischen Leistungen fähig ist. JARBOE kreiert eine Welt der Mystik, stark inspiriert durch die indische Mythologie – die sechzehn Stücke, Zwischenstücke, Überleitungen, Tantras und Ritualgesänge auf „Maha Kali“ scheinen auf den ersten Blick wirre Gedankenfetzen und Klangkaskaden einer überdrehten Wahnsinnigen zu sein. Aber wer die Vibes von VELVET UNDERGROUND zu schätzen weiß und wer die Weltuntergangs-Epen, die John Cale später der Warhol-Grazie NICO auf den Leib geschneidert hat, zu seinen Lieblingssongs zählt, wird auch von JARBOE’s aktuellem Solo-Werk fasziniert sein.

Als Gäste konnte die rüstige Mittfünfzigerin diesmal MAYHEM’s Attila Csihar gewinnen, der auf „The Soul Continues“ den dunklen Gegenpart zu JARBOE’s Falsett-Gequietsche gibt, sowie ex-PANTERA- und DOWN-Frontgott Phil Anselmo - der gurgelt sich einen a la Shane McGowan auf „Overthrown“ ab. Daneben noch herausragend auf dieser Ansammlung von Wahnsinn das ewig lange „Transmogrification“ und das gruselige Mantra „Mouth Of Flames“. Prädikat: schräg.
www.thelivingjarboe.com

Mike


CRADLE OF FILTH – Godspeed On The Devil’s Thunder (Roadrunner/edel)
Glaubt man den diversen Vorabinformationen, die via Internet gepostet wurden, so handelt es sich bei „Godspeed On The Devil’s Thunder“ um das schwärzeste, härteste und gruseligste CRADLE OF FILTH Album, welches von den britischen Black Metallern je erschaffen wurde.

Nach einigen Durchläufen kann man das mehr oder minder so im Raum stehen lassen, denn die Mannschaft um Dani Filth hat dieses Mal die handelsüblichen CRADLE OF FILTH Zutaten Pathos, beklemmende Atmosphäre, Härte, Abwechslungsreichtum, interessante Lyrics - „Godspeed On The Devil’s Thunder ist ein Konzeptalbum und beschreibt das Leben des mittelalterlichen Massenmörders Gilles de Rais, welcher Seite an Seite mit Jeanne d’Arc gekämpft hat, schließlich aber eine andere „Karriere“ eingeschlagen hat – und die unverkennbaren CRADLE Vocals zu einer wirklich genialen Scheibe verbraten.

Der Silberling wird zu keiner Zeit langweilig und sorgt bei jeder neuen Runde für Überraschungsmomente, die man vorher noch nicht wahrgenommen hat. Auch die Produktion, die Andy Sneap und CRADLE selbst übernommen wurde, bietet keinen Anlass für Kritik und rundet somit dieses Meisterwerk des vampiristischen Black Metals glamourös ab. Die einzelnen Tracks zu kommentieren, macht keinen Sinn, da die Songs fließend in einander übergehen und nur als Ganzes ihre volle Kraft entfalten. Daumen hoch für eine Band, die es auch 2008 noch schafft, auf den bereits ein wenig ausgetretenen Pfaden des Black Metal kreativ, impulsiv und einzigartig zu bleiben!
www.cradleoffilth.com

Anita


EDGUY - Tinnitus Sanctus (Nuclear Blast/Warner)
Durch den “Schmäh” von Frontmann Tobias Sammet waren EDGUY bisher in erster Linie wohl eher als Band im Gerede, die geradezu sensationell polarisierten. Lieb haben oder doch hassen, das war die Frage, die sich die Fans zumindest hierzulande stellen mussten, völlig unabhängig vom musikalischen Treiben der Herrschaften.

Allerdings muss man den Burschen sehr wohl zugestehen, dass sich vom einstigen „BLIND GUARDIAN-Klone“ zu einer eigenständigen, amtlich rockenden Formation gemausert haben. Diese Metamorphose kulminiert nun in „Tinnitus Sanctus“, dem mittlerweile elften Album der Jungs. Das Quintett präsentiert uns eine geballte Ladung mächtig Popo-tretender Songs, die dabei vom knackigen Hardrock, über dezent düstere Banger und fette Midtempo-Stampfer, bis hin zu (semi)balladeskem Material ein ebenso breitgefächertes, wie kompetent intoniertes Spektrum abdeckt. Zwar haben die Jungs mitunter auch gar poppig anmutende Melodien in einige Tracks integriert, doch diese bleiben zum Glück deutlich in der Unterzahl.

In Summe ist „Tinnitus Sanctus“ das meiner Meinung nach bislang reifste Album von EDGUY geworden, nicht zuletzt deshalb, weil es der Band gelungen ist, fast ausschließlich beeindruckende Songs abzuliefern, Ich bin schon gespannt, ob es den Burschen gelingen kann damit auch ihre schärfsten Gegner zu „konvertieren“ - vom musikalischen Aspekt spricht jedenfalls nichts dagegen.
www.edguy.net

Walter


PARSIFALL – Tears To Wine (Noisehead/Rebeat)
Beherzten Düster-Metal, Growls direkt von Satans Saunaplatzerl, beklemmende Schauder-Atmosphäre und meditative Midtempo Schrauben. Dies und noch viel mehr bietet uns das neueste Noisehead Signing.

Hätten Neurosis und Sepultura ein Kind bzw. einen Teufelsbraten gezeugt, so hieß dieses wahrscheinlich Parsifall (wahrscheinlich... Andi). Verdammt ausgefeiltes Songwriting; sei es bei angezogener Handbremse wie auch bei hochgeschraubter Bpm-Anzahl. Einer der besten Noisehead Releases ever!
www.parsifall.de

Tompte


OhGr - Devils In My Details (SPV)
Wenn´s mal länger nix von SKINNY PUPPY zu hören gibt, dann taucht mit erschreckender Vorhersehbarkeit entweder ein Soloalbum von cEvin Key oder – wie in diesem Fall – von seinem Partner Nivek Ogre auf.

Nach „Welt“ (2001) und „SunnyPsyOp“ (2003) holt die exzentrische Frontsau der kanadischen Industrial-Pioniere gemeinsam mit Mark Walk zum dritten Rundumschlag aus und presst elf Perlen zwischen Industrie-Sound, Polka und Allerwelts-Elektronik ins Polycarbonat.

Im Gegensatz zum letzten SKINNY PUPPY-Elaborat „Mythmaker“ klingt „DIMD“ aber überraschenderweise relativ spontan, avantgardistisch und ungezügelter. Der Mut zum Experiment hat die glattgebügelten Klanglandschaften von „SunnyPsyOp“ wieder ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Das Resultat: zeitlos schräge Elektronikstandards wie der MINISTRY-esque Opener „Shhh“, der feine Ambient-Rapper „Whitevan“ oder das an die EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN erinnernde „Three“. Völlig durch gehen Ogre (der heißt übrigens eigentlich Kevin Graham Ogilvie (interessant. Andi)) die Pferde aber bei „Timebomb“, wo John Lennon auf die DRESDEN DOLLS und THROBBING GRISTLE trifft.

„Devils In My Details“ ist wieder mal feines, düsteres Kopfkino von einem der kreativsten Wahnsinnigen der Industrial-Szene. Genau so hätten sich viele wahrscheinlich das letzte SKINNY PUPPY-Output gewünscht. Wunderbar!
www.ohgr.org

Mike


SATYRICON - The Age Of Nero (Roadrunner/edel)

Sigurd “Satyr” Vongraven und Kjetil “Frost“ Haraldstad denken auch anno 2008 nicht im Traum daran, irgendetwas an ihrem Stil zu ändern – außer mal die eine oder andere Frisur.

Wie schon auf „Volcano“ und „Now, Diabolical“ nachzuvollziehen, beschränken sich die beiden eher auf das Ausfeilen ihrer Techniken, der Kompression des Wesentlichen auf ein Minimum und dem kategorischen Weglassen von Unnötigem. „The Age Of Nero“ klingt nicht nur zu hundert Prozent nach SATYRICON, es weist mit der veritablen Hitsingle „Black Crow On A Tombstone“ und dem schleppenden Rausschmeisser „Den Siste“ (erinnert nämlich verdammt an „Black Lava“) auch noch vage Parallelen zum 2002er-Output „Volcano“ auf.

Sich selber kopieren? Satyr und Frost dürfen das. Auf Gitarrensolis wird immer noch rigoros verzichtet, und das ist auch schön so. Nur kurz erschallt am Ende ganz im Hintergrund ein Satz Hörner – der Rest ist schnörkelloser, manchmal vielleicht ein wenig überproduzierter (who cares?) und vorhersehbarer (who even cares?) Black Metal. Bei „Die By My Hand“ , „Den Siste“ oder „The Sign Of The Trident“ können´s SATYRICON richtig gut, überhaupt wie immer dann, wenn’s länger dauert als fünf Minuten.

Die acht Tracks sind voll von typischen Trademarks der Norweger und irgendwie schaffen es die beiden Herren erneut, der Platte diese eigenartig bedrohliche Untergangs-Stimmung einzuhauchen, die die Band schon seit jeher ausmacht. „The Age Of Nero“ wird somit mit Sicherheit niemanden enttäuschen. Vielleicht kein Meisterwerk – aber wie immer solides, qualitativ hochwertiges Handwerk.
www.satyricon.no

Mike


MANZANA – Babies Of Revolution (Dynamic Arts/Rebeat)

Bombastischer Rock/Metal aus Finnland driftet soeben gekonnt in mein Mittelohr.

Lieblich-zerbrechlicher Frauengesang gepaart mit wunderbaren Arrangements wird uns hier geboten, wobei sich die Kapelle das Wort “Abwechslung” auf die Fahnen geheftet hat. Manchmal sehr progressive, mal glatte Pop Sing-A-Longs, dann wieder ein Blues Gitarren Solo, welches nahtlos in eine Metal Riffwalze übergeht. Das Quartett überzeugt auf ganzer Linie. Kein Anspieltipp – ein klassisches „Das-lass-ma-jetzt-mal-durchlaufen“-Album.
www.manzana.fi

Tompte


Axel Rudi PELL - Tales Of The Crown (Steamhammer/SPV)
17 Scheiben in 19 Jahren sprechen für sich, offenbar macht Wattenscheids berühmtestes Blondchen doch alles richtig.

Die Klientel wird sich auch am aktuellen Silberling des Herrn und Meisters an der Klampfe ergötzen können, wie auch die Kritiker einmal die Messer wetzen dürfen. Axel Rudi scheinen diese aber definitiv „blunzn“ zu sein, denn er zieht seinen Stiefel (der stil- und genretreu wohl zumindest ein Schlangenlederimitat sein müsste) durch und offeriert einmal mehr eine geballte Ladung melodischen Hardrock in Kombination mit dezenten Anleihen aus dem melodischen Metal. Selbstredend geprägt von der Pell’schen Gitarre, die - auch wenn er es nicht hören will - schwer nach Großmeister Blackmore zur besten Zeit anmutet. Dazu, wie schon seit längerer Zeit, passt der famose Gesang von seinem Sidekick Jonny Gioeli wie der berühmte A… auf den Eimer.
www.axel-rudi-pell.de

Walter


GONIN-ISH - Naishikyo-Sekai (Seasons Of Mist/rebeat)
Wirklich schräg, was uns die Japaner GONIN-ISH da auf dem bereits 2005 in ihrer Heimat erschienenen (und jetzt auch in der restlichen Welt erhältlichen) Werk vor den Latz knallen.

Das Quintett rund um Sängerin Anoji Matsuoka pickt sich aus so ziemlich allen Genres die Rosinen heraus und kocht damit ein sehr, sehr, sehr eigenwilliges Süppchen, das irgendwo zwischen Artrock, Progressive Metal und Fusion Jazz seine Feinschmecker finden wird. Wer ein offenes Ohr für unkonventionelle Songstrukturen und vor allem für japanischen Gesang hat, der sollte das hier mal austesten. Es erwartet den Hörer eine intensive Klangreise, eine Achterbahnfahrt durch mannigfaltige Gefühlswelten. Die meist überlangen Songs, von denen vor allem das perkussive „Muge No Hitu – The Free Man“ heraussticht, verlangen dem Konsumenten einiges ab. Das Ganze gipfelt in dem fast zwanzigminütigen Progressive-Ausbruch „Akai Kioku – The Crimson Memory“: hier wurde so ziemlich alles verwurstet, was bei drei nicht auf den Bäumen war. Ergebnis: der grandioseste Longtrack seit MOONSORROW’s „Tulimyrsky“ !

Brainfood for Maniacs also, und noch dazu die Gelegenheit, in fremde Kulturen einzutauchen: die Lyrics und Settings der Songs setzen sich aus traditioneller japanischer Literatur und uralten Nippon-Geschichten zusammen. Auch wenn man den Kauderwelsch nicht versteht – die Musik transportiert hier die Gefühle, und die Landschaften vor dem inneren Auge entfalten sich dadurch perfekt.
www.myspace.com/goninish

Mike


ARKONA – Vo Slavu Velikim (Vic Records)
Die russische Band ARKONA rund um Frontfrau Masha Scream bietet auf „Vo Slavu Velikim“ eigenwilligen, aber sehr interessanten Folk / Pagan Metal, der von seinen östlichen Roots dominiert wird.

Es braucht einige Zeit, bis das Material zündet, aber wenn man sich mit dem Album erst einmal vertraut gemacht hat, findet man bei jedem Durchlauf neue Komponenten, die nach und nach ins Ohr gehen und dort wie der berühmte Wurm haften bleiben. Vordergründig ist zweifellos die Stimme von Masha, denn die Dame beherrscht sowohl das fast schon Black Metal-artige Geschrei genauso wie das tiefstimmige Grunzen und auch der klare folktypische Gesang kommt nicht zu kurz, wobei mir letztgenannte Stimmlage eigentlich am Besten gefällt. Außerdem präsentieren ARKONA als Untermalung vielstimmige Choreinlagen, die Bilder von durch die Steppe reitenden Mongolen aufblitzen lassen (wieder mal beim Punsch-Standl eingekehrt auf´m Heimweg?? Andi).

Für Eigenständigkeit sorgen weiters die in russischer Sprache vorgetragenen Lyrics, die eine tolle Abwechslung zum nordisch gurgelnden Gesang der meisten anderen Pagan Bands bieten. Musikalisch geht es variabel zur Sache, Finntroll-ähnliche Sounds wechseln sich mit Dudelsack Parts ab, die fast ein wenig an IN EXTREMO erinnern, hin und wieder wird es extrem düster und Vergleiche mit Bands wie EINHERJER drängen sich ebenfalls auf.

Die Produktion von „Vo Slavu Velikim“ hätte eine Spur druckvoller sein können, gerade deshalb, weil es sich bei dieser Veröffentlichung um ein Re-Release handelt. Aber abgesehen davon kann ich jedem Folk / Pagan / Viking Metal Fan und selbstverständlich allen anderen interessierten Metalfreunden ARKONA bedenkenlos weiterempfehlen, denn die Russen haben sich bemüht und verdienen mehr als nur Respekt für ihre Musik.
www.arkona-russia.com

Anita


ARKONA – Lepta (Vic Records)
Hierbei handelt es sich um das Vorgängerwerk von „Vo Slavu Velikim“ und auch „Lepta“ wurde von Vic Records wiederveröffentlicht. Nachdem ich mich schon im ersten ARKONA Review ausführlich über die Qualitäten der Band ausgelassen habe, bleibt hier nicht allzu viel Zusätzliches zu sagen bzw. zu schreiben.

Die Produktion von „Lepta“ ist meiner Ansicht klar besser ausgefallen, dafür kann ich mich mit den Songs nicht zu hundert Prozent anfreunden. Die Nummern klingen streckenweise eine Spur unausgegorener und nicht ganz so gut strukturiert wie es bei „Vo Slavu Velikim“ der Fall ist. Dieses Manko dürfte aber an daran liegen, dass ARKONA „Lepta“ relativ rasch nach ihrem Debüt auf den Markt geworfen haben und sich möglicherweise nicht ganz so viel Zeit für das Songwriting genommen haben. Stilistisch gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen den beiden Alben und sowohl die Herren an den Instrumenten als auch Shouterin Masha gehen ähnlich beherzt ans Werk wie beim zuvor rezensierten Output. Zusammenfassend sei noch einmal erwähnt, dass es sich bei den Russen ARKONA um eine talentierte Band handelt, die bei Napalm Records mit Sicherheit eine gute Heimat gefunden hat und von der man hoffentlich noch öfters hören wird.
www.arkona-russia.com

Anita


GIRLSCHOOL – Legacy (Steamhammer/SPV)

" 30 Jahre und kein bisschen leise“, so könnte man das rege Treiben der britischen Institution wohl am einfachsten beschreiben. Die „Mutter aller All-Girl-Bands“ im Rockgeschäft hat uns allerdings keineswegs Abschiedsalbum anzubieten, sondern ihr brandaktuelles Album.

Darauf gibt es logischerweise abermals deftigen, harten Rock, für den die Damen berühmt geworden sind. Mit dabei langjährige Wegbegleiter wie Ronnie James Dio, Tony Iommi, die TWISTED SISTER-Musiker Eddie Ojeda und J.J. French und, wie nicht anders zu erwarten das mehr oder weniger maskuline Pendant der Band, MOTÖRHEAD.

„Legacy“ haben die Damen ihrer im letzten Jahr verstorbenen Mitstreiterin Kelly Johnson gewidmet, die im Opener ‚Everything’s The Same’ als „Special Guest“ mit von der erneut deftigen (Hard)Rock-Party gewesen ist.
Rest in Piece, Kelly – Keep On Rockin’, GIRLSCHOOL!
www.girlschool.co.uk

Walter


EDEN’S CURSE - The Second Coming (AFM/Soulfood)
Bandchef Michael Eden hat erneut aus den Vollen geschöpft und neben seiner Band zahlreiche Gäste (u.a. Tony Harnell (TNT), Doogie White (RAINBOW, YNGWIE MALMSTEEN), Carsten Schulz (EVIDENCE ONE) und Pamela Moore (die „Sister Mary“ von QUEENSRYCHE) ins Studio gebeten, um auch „The Second Coming“ zu einem „Bringer“ werden zu lassen.

Dieses Unterfangen ist dem Herrn gelungen, denn auch auf dem zweiten Album unter diesem Banner kredenzt er uns eine geballte Ladung knackigen Hardrock, Melodic Metal und herrlich gefühlvollen Balladen. Die Tracks verfügen über tonnnenweise Hooks - und auch markante Riffs haben EDEN’S CURSE im Angebot, so dass man dieses Album jedem Freund von melodiösem Metal nur wärmstens empfehlen kann.
www.edenscurse.com

Walter


STUCK MOJO - The Great Revival (Napalm/SPV)
Rich Ward wills noch mal wissen.

Dass er mittlerweile das einzige Originalmitglied der Georgia-Rapmetaller STUCK MOJO ist, scheint den Wrestling-Fan nicht sonderlich zu stören. Nachdem „Southern Born Killers“ vor zwei Jahren vom Publikum relativ gut aufgenommen wurde, legt man mit „The Great Revival“ jetzt noch mal einen nach. Aber der Titel hält nicht, was er verspricht. Von „Great“ kann man hier auf keinen Fall reden – höchstens von „nettem Versuch“.

Die zehn Songs haben natürlich ein paar Lichtblicke: der flotte Opener „15 Minutes Of Fame“ , das düstere „The Flood“ oder die kurze, aber heftige Eruption „The Fear“ (erinnert am ehesten noch an die frühen Alben) können erst mal ein wenig Land gutmachen. „Now That You’re All Alone“ geht auch noch einigermaßen, aber beim Rest sinkt das Niveau teilweise auf das von KID ROCK ab. Vor allem die völlig unsägliche „Country Road“-Version hätte man sich schenken können. Frontrapper Lord Nelson kann dem durchgeknallten Fonz zu keiner Sekunde das Wasser reichen, auch wenn einige Duette mit Singer/Songwriterin Christie Cook die Szenerie ein wenig aufzulockern versuchen.

Andy Sneap hat das Album wenigstens mit dem passenden Sound behübscht, was „The Great Revival“ aber nicht davor bewahrt, gerade mal Mittelmass zu sein. „STUCK MOJO in 2008 - A crooked figurehead?” Noch nicht. Es geht mit Sicherheit besser!
www.stuckmojo.us

Mike


ALMAH - Fragile Equality (AFM/Soulfood)
Die offenbar einberaumte “kreative Schaffenspause” bei ANGRA hat Sänger Edu Falaschi im letzten Jahr genutzt, um ein Solo-Projekt zu starten. Aus ALMAH, wie das Unternehmen schon damals genannt wurde, ist mittlerweile eine Band mit fixer Besetzung geworden, weshalb sich das Zweitwerk nicht nur besetzungstechnisch vom selbstbetitelte Debüt deutlich unterscheidet.

Offenbar ist das Line-Up gefestigt und die Ideen konnten fokussieret bearbeitet werden. Nicht zuletzt deshalb kommt die neue Scheibe straffer und auch ein Quäntchen heftiger aus den Boxen. Die Markenzeichen - also bombastisch intonierter Melodic Metal und Edu’s Stimme - sind zwar gleich geblieben, jedoch wurden die Stärken deutlicher hervorgehoben und lassen dadurch die Kompositionen wesentlich essentieller klingen.

Für Fans von ANGRA (no na), KAMELOT oder auch SERENITY ein absoluter Pflichtkauf!
www.myspace.com/almahedufalaschi

Walter


BORN FROM PAIN – Survival (Metal Blade/SPV)
Wie so richtig zorniger Hardcore anno 2008 zu klingen hat, beweisen die Holländer BORN FROM PAIN mit dem fünften Longplayer (ok, 35 Minuten sind nicht wirklich „long“).

Old- und NewSchool (treffen hier unvermittelt aufeinander) mit verdammt melodiösem Metal-Patchwork zu geilen Riffwalzen aufgepimpt – „Sons Of A Dying World“ , „Endgame“ oder „ Never Die“ sprechen da unter anderem eine ziemlich eindeutige Sprache. Das Sängerproblem wurde inzwischen auch elegant gelöst: Ur-Basser Rob Franssen ersetzt den langjährigen Fronter Che Snelting und schreit seine Meinung mit rotziger Urgewalt in die Welt hinaus. Music with a message – ein weiterer interessanter Aspekt dieser Combo, die aber immer noch weit genug von einer rein „politischen“ Aussage entfernt ist (die paar genretypischen CNN-Vocal-Einspieler mal ausgenommen).

Auch wenn die fünf auf dem Backcover immer noch aussehen wie eine südamerikanische Guerilla-Eingreiftruppe: hier hat man es ohne Zweifel mit einer der fähigsten europäischen Hardcore-Formationen der heutigen Zeit zu tun! „Survival“ liefert einmal mehr den Beweis, dass man Alt und neu Neu auch ohne grosse Klischees miteinander vereinen kann. Und jetzt: ab in den Moshpit!
/www.bornfrompain.com

Mike


BLACK LIGHT BURNS - Cover Your Heart (edel)
Ok, ein Album mit Coverversionen ist fein. Auch eines von LIMP BIZKIT-Glubschauge Wes Borland (ist mittlerweile bei Mr.Manson eingestiegen).

Was soll man davon jetzt halten? Nun, eigentlich ist das Album ja zweigeteilt: im ersten Part hat sich Workaholic Borland zehn fast vergessener Perlen aus seiner eigenen (Musik-)Vergangenheit angenommen. In eigenwilliger Art und Weise werden so unter anderem DURAN DURAN („Hungry Like The Wolf“) genauso durch die Wurstmaschine gedreht wie LARD („Forkboy“), FIONA APPLE („On The Bound“) oder JESUS LIZARD („The Art Of Self Defense“). Das ist bis auf wenige Ausnahmen auch recht gut gelungen, und bis auf die etwas nervigen Vocals von Wes auch fast am Stück zu ertragen.

Der zweite Part beschäftigt sich dann - als Kontrastprogramm sozusagen – sieben Tracks lang rein instrumental mit liegengebliebenen Fragmenten aus den Sessions zur Debütscheiblette „Cruel Melody“. Hier agiert Borland mit seinen drei Mitsreitern fast schon an der Grenze zu schrägem Jazz, Kaufhausmuzak und New Age, was nach den doch etwas gewöhnungsbedürftigen Covertracks fast schon wie Balsam für die Ohren ist. Ich kann mir nicht helfen – es hat stellenweise was von der Unverdrossenheit früher FAITH NO MORE.

Dem Package liegt auch eine DVD bei, die mir aber leider vorenthalten wurde. Drauf zu finden sind eine Tour-Reportage und die bisherigen Videos der Combo. Hier können auch Leute zugreifen, die die mittlerweile in die Bedeutungslosigkeit abgedrifteten LIMP BIZKIT nicht ausstehen konnten. Wes Borland ist auch nach der großen Karriere sein eigener kreativer Dreh- und Angelpunkt geblieben.
http://www.myspace.com/blacklightburns

Mike


EVOCATION – Dead Calm Chaos (Cyclone Empire Records)
Oh mein Metalgott … vielen vielen Dank für „Dead Calm Chaos“.

Ich konnte es gar nicht glauben, als ich dieses Album das erste Mal in den CD-Player gesteckt habe. Wir schreiben das Jahr 2008 und es gibt doch tatsächlich eine Band, die Schwedentodesblei bietet, wie er selbst zur Hochblüte dieser Metalkultur nur von wenigen auserwählten Bands zelebriert wurde.

EVOCATION können auf eine bewegte Bandgeschichte zurückblicken … hoffnungsvolle Demos Anfang der 90er Jahre, unnötige interne Quereleien, die zur Auflösung der Band führten, 2001 Reunion und endlich der verdiente Plattenvertrag, Wartezeit bis 2007 auf „Tales from the Tomb“ und nun verhältnismäßig kurze Zeit später die Veröffentlichung von „Dead Calm Chaos“. Vielleicht ist es gar nicht mal so schlecht, dass dieses Meisterwerk erst jetzt erschienen ist, denn in der Veröffentlichungsschwemme der Elchtod-Periode hätte das Risiko bestanden, dass das Album nicht ganz die verdiente Aufmerksamkeit bekommen hätte. EVOCATION bieten uns 12 hochkarätige Nummern, die gekonnt die Balance zwischen Highspeed und Midtempo halten, wobei eindeutig der „Arschtritt-Groove“ dominiert. Die Songs sind extrem abwechslungsreich, druckvoll, sehr melodiös und werden von den typisch dumpfen Basslinien untermalt. Musikalisch würde ich die meisten Stücke am ehesten mit ENTOMBED’s „Left Hand Path“ Album vergleichen, stimmlich erinnert Shouter Thomas Josefsson entfernt an GOD DETHRONED Mastermind Henri Sattler. Die Gastauftritte von Anders Björler (THE HAUNTED) und Dan Swanö (EDGE OF SANITY) sind ein kleiner weiterer Bonuspunkt von „Dead Calm Chaos“, genauso wie die perfekte Produktion, die rührselige Tränen aus meinen Augenwinkeln blubbern lässt.

Zum Schluss noch eine Bitte an die diversen Tourveranstalter: Könnte man so nett sein und EVOCATION in eines der nächsten Packages aufnehmen?“ Und das so schnell wie möglich bitte … diese Band und ihre Songs darf man dem Publikum nicht lange vorenthalten!
www.evocation.se

Anita


EPSILON - From This Pain EP (Eigenveröffentlichung)
Dass auch im eher beschaulichen St.Pölten der Underground brodelt, haben uns EPSILON bereits mit der Debüt-EP „Simple Life“ und diversen Konzerten (u.a. mit OBITUARY und EKTOMORF) bewiesen.

Dieser Dreitracker (plus ein Livesong) hat gute Old-School Vibes , die fünf Burschen versuchen gar nicht erst, sich in die unüberschaubare Riege an NuMetal-Kollegen einzureihen. Im Gegenteil: ein wenig BENEDICTION, ein wenig POWERMAD (wenn die noch wer außer mir kennt...(ja, ich zum Bleistift. Andi)), ein wenig HYPOCRISY. Teilweise auch ein kleines bisschen AMON AMARTH (zumindest bei „As The Sea“). Alles aber nur periphär angedeutet. EPSILON bringen fette (und damit meine ich echt RICHTIG fette!) Riffs zustande, wie man sie sonst eher von SloMo-Kings wie CROWBAR kennt, motzen das Ganze dann aber teilweise so melodiös auf, dass man glaubt, der Tägtgren-Peda war da zumindest irgendwo an den Reglern. War er aber nicht – höchstens als Inspirationsquelle.

Und EPSILON klingen dabei nicht ansatzweise nach ´ner Combo aus der Ösi-Provinz. Der Versuch, einen Sound einzufangen, der nach einer Band vor 15 Jahren klingt, geht hier ausnahmsweise mal nicht ins Höschen, wahrscheinlich auch deswegen, weil sich EPSILON nirgends richtig anbiedern können und wollen. Wozu auch? Stattdessen wird beinhart die Thrash-Schiene gefahren und das ohne viel Kompromisse. Mosh- und Hops-Faktor 10, Retro-Quotient 8.
Wird zeit für ein ganzes Album, Jungs! Echt jetzt!
www.epsilonmusic.at

Mike


PRESTO BALLET - The Lost Art Of Time Travel (ProgRock Records/SPV)
Kurdt Vanderhoof scheint sich im Moment in einer unglaublich kreativen Phasen zu befinden, denn nur knapp nach dem aktuellen Langeisen seiner METAL CHURCH steht der alte Haudegen mit einer aktuellen Scheibe seines Prog-Rock-Sideprojektes am Start.

Darauf gibt es einmal schwer von den 70er Jahren inspirierten, aber zeitgemäß klingenden Prog-Rock, der irgendwo in der Grauzone der Blütezeiten von KANSAS, STYX und YES anzusiedeln ist. Allerdings geht Kurdt immer wieder der Hardrocker in ihm durch, so dass mitunter auch Gitarrenpassagen zu vernehmen sind, die eher nach den britischen Dinosauriern URIAH HEEP oder DEEP PURPLE anmuten. Mit Scott Albright, der seit VANDERHOOF-Tagen zum treuen Begleiter von Kurdt gewordne ist, hat man zudem auch die ideale Besetzung am Mikro für derlei Sounds gefunden.

Feine Sache, herrlich antiquiert, aber keinesfalls altbacken!
www.prestoballet.com

Walter


PAIN - Cynic Paradise (Nuclear Blast/Warner)
Herr Tägtgren hat´s wieder mal getan.

Die Metal-Gehirnhälfte deaktiviert und auf die Industrial-Gehirnhälfte umgeschaltet. Lustigerweise kann er bei Bedarf auch ziemlich schnell zwischen den beiden Sphären hin-und-her-switchen. Und genau das ist es, was PAIN seit jeher ausmacht. Sechs Alben hat der gute Peter mit seinem „Sideproject“ bislang rausgehauen, und „Cynic Paradise“ reiht sich ohne wenn und aber in die Spalier seiner übrigen Tanzboden-Presslufthämmer ein.

„I`m Going In“ und „Follow Me“ (hier und auf dem abschließenden „Feed Us“ ist NIGHTWISH-Neuzugang Anette Olzon am Trällern) geben wieder mal prima Hitsingles ab. „Have A Drink On Me“ ist ein wenig mit Country-Klampfe eingefärbt, und auf „Don`t Care“ und „Live Fast / Die Young“ dürfen zum ersten mal auch Tägtgren`s Livemusiker ran und unterstützen die Songs mit realem „Drum’n’Bass“ - Sound. Danach kann sich auch das etwas runtergebremste Doppel „Generation X“ (mit absolut chefmässigem Refrain!) und „No One Knows“ sehen lassen. Und überhaupt: wo nimmt dieser Mensch all seine Ideen her? Rein statistisch, nach etwa 3.569 Alben, müssten ihm die nämlich schön langsam ausgehen. Aber scheinbar ist dem nicht so, und er schöpft immer noch aus einem nie versiegenden Melodien- und Ideen-Fundus.

„Cynic Paradise“ ist demnach wieder einmal so dermaßen PAIN, dass es schon irgendwo wehtut, vielleicht dadurch auch ein wenig vorhersehbar. Aber was solls? Immerhin lädt „Cynic Paradise“ fast durchgehend zum rumhopsen ein - also: rauf auffe Tanzfläche!
http://www.pain.cd

Mike


SCRATCHED SURFACE - Nine Novembers Fall (Dr.Music / Rough Trade)
Das Cover verheißt schon mal nix gutes: dunkle Gewitterwolken ziehen auf, die Apokalypse naht.

Und das aus Göppingen stammende Quintett SCRATCHED SURFACE legt auf seinem Debüt (lässt man die 2004er-EP „Look Away Blind“ mal außen vor) auch gleich mal in diese Richtung los. Für die blutjungen Schwaben ist dezenter Metalcore das Gebot der Stunde, was aber nicht heißt, dass man den 35-minütigen Gewaltausbruch nicht mit ein paar Essenzen Schweden-Death a la THE HAUNTED verschönern darf. Und auch ein paar zackig-vertrackte Arrangements dürfen natürlich nicht fehlen, SLIPKNOT und diverse Ami-Hardcore –Truppen lassen grüssen.

Die Combo bringt es aber auch fertig, die – von Andy Classen fein, aber fast ein wenig zu fett gemasterte – Lärmwand nicht unbedingt nach reiner Abkupferei klingen zu lassen. Wer sich im dichten Metalcore-/ NuMetal-Dschungel auskennt, der wird hier auch schnell ein paar originelle Feinheiten herausgehört haben. Die Gitarrenwände werden wohl jeden umblasen, nur die Doublebass klingt ein wenig zu getriggert („Phoenix“) – but what the heck? Bei zwei Songs (einer davon ist das ultra-eingängige „Hold The Lights You Own“) hat übrigens END OF GREEN – Fronter Michelle Darkness am Mikro ausgeholfen.

Insgesamt strotzt das Teil nur so vor Hass und Aggression. Bleibt zu hoffen, dass sich der Fünfer diese Attribute auch in Zukunft bewahren kann – dann wird nämliche auch relativ rosig ausfallen. Toller Einstand!
www.scratchedsurface.de

Mike


HEAVENWOOD – Redemption (Recital Records)
Endlich mal wieder ein Gothic Dark Metal Album, das von der ersten bis zur letzten Sekunde rockt und keinen Augenblick langatmig zu werden droht.

Die Portugiesen HEAVENWOOD (neben MOONSPELL wohl die beste Metalband ihres Heimatlandes) haben nahezu eine Dekade seit der Veröffentlichung ihres letzten Werkes „Swallow“ verstreichen lassen, bis sie nun wieder lautstark von den Totgeglaubten auferstanden sind. „Redemption“ besticht durch eingängige Songstrukturen, Melodien mit hundert Prozent Wiedererkennungsfaktor und auch durch eine geniale Produktion, die dem Können von Jens Bogren (der schon beim letzten AMON AMARTH Werk bewiesen hat, wozu er fähig ist) zu verdanken ist.

HEAVENWOOD verarbeiten in ihren Songs viel Gefühl und Leidenschaft, werden aber nie zu pathetisch oder gar kitschig. Was dominiert, sind die Gitarren und der Gesang, wobei mich am meisten die herrlichen Riffs beeindrucken, die man nach wenigen Durchläufen mitsummen kann und die zumindest auf mein Gesicht ein glückliches Grinsen zaubern. Die stimmlichen Einlagen sind vielleicht nicht jedermanns Sache, HEAVENWOOD wechseln zwischen Grunts und klarem Gesang, was in meinen Augen für zusätzlichen Schwung sorgt, von einigen meiner Freunden aber auch schon als „eigen“ kommentiert wurde. Die Jungs konnten außerdem prominente Unterstützung von Musikern wie Jeff Waters oder Gus G gewinnen, die jeweils ein Gitarrensolo zu „Redemption“ beigesteuert haben.

Alles in allem bin ich der Meinung, dass die vorliegende Scheibe nicht nur mich in Begeisterungsstürme versetzen wird, wobei ich abschließend anmerken möchte, dass HEAVENWOOD durchaus auf bekannten Pfaden wandeln und vermutlich auch gar nicht versucht haben, ihren Musikstil in außerirdische Dimensionen zu katapultieren. Anspieltipps sind der Opener „13th Moon“ oder „Fragile“ … Daumen hoch für das Comeback-Album von HEAVENWOOD!
www.myspace.com/heavenwood

Anita


SUICIDAL TENDENCIES - Suicidal For Life (1994) & Controlled By Hatred – Feel Like Shit / Déjà Vu (1989) (Steamhammer SPV)
Und weiter gehts im Wiederveröffentlichungs-Reigen bei den SUICIDAL TENDENCIES. Steamhammer hat wie schon bei „Lights, Camera...Revolution“ die Sachen in schmucke Digipacks gewuchtet und mit zusätzlichem Artwork bzw. neuen Booklets versehen.

„Controlled...“ war damals als EP erschienen (trotz fast 40 Minuten Spieldauer!) und hatte zwischen den Kultalben „How Will I Laugh Tomorrow...“ und „Lights, Camera...Revolution“ relativ leichtes Spiel, quasi als Lückenbüsser. Rückwirkend gesehen ist das Teil allerdings das letzte wirklich ursprüngliche Album der Kult-Thrasher aus Venice Beach. Und es greift unbewusst bereits ein wenig auf die nachfolgenden, etwas „kommerzielleren“ Werke vor. Unübertroffen bis heute sind das rasante „Just Another Love Song“ , der Moshpit-Standard „Feel Like Shit“ sowie die beiden „How Will I Laugh...“-Versionen.

Ganz anders verhält es sich mit dem fünf Jahre später erschienenen „Suicidal For Life“: die Megaseller-Phase war bereits wieder vorüber und der Grunge tat sein übriges. Die elf Songs plus Intro/Outro hätten allesamt auch auf einer INFECTIOUS GROOVES-Scheibe stehen können (das ST-Sideproject brachte zur selben Zeit sein letztes wirklich relevantes Album raus): der Sound ist brillant, die Songs sind Fun und grooven funkig-metallisch dahin. Diverse augenzwinkernde Seitenhiebe auf die eigene Vergangenheit sind hier natürlich irgendwie obligatorisch. Aber der große Reibach war mit diesem Teil nicht mehr zu machen – trotz grandioser Kleinode wie „What You Need’s A Friend“ und
„Don`t Give A Fuck“.

Je mehr ich mich wieder mit dieser Band (nach Jahren wieder!) beschäftige, desto mehr wird mir klar, welch Geschenk der Welt mit den SUICIDAL TENDENCIES gemacht wurde: so klang vorher niemand und nachher schon gar nicht. Mike Muir ist und bleibt ein Freak, und der Style der Kapelle sucht bis heute seinesgleichen. Bass-Tier Rob Trujillo ist halt mittlerweile in die Millionärsliga aufgestiegen - was aber eine Reunion des Original Line-Ups nicht unbedingt ausschließt. Bis dahin kann man sich ja auch mit dem einigermaßen umfangreichen Back-Katalog der Kalifornier beschäftigen und auf ein neues Lebenszeichen von Muir, Clark und Konsorten hoffen. No Bullshit!
www.suicidaltendencies.com

Mike


PARENTAL ADVISORY - The Wither Process (Nice To Eat You Records)
Die österreichischen Grindcore-Hopefuls aus dem HOLLENTHON-Umfeld (Gregor Marboe hat produziert und ein Solo geklampft, Herr Schirenc himself ein paar Vocals beigesteuert) setzen mit ihrer aktuellen Full-Length-Dampfwalze zwar nicht unbedingt neue Masstäbe in Härte und Geschwindigkeit. Dafür gibt’s aber den wohlbekannten Grind-meets-Death-Gemüseeintopf, den wir bei diversen Live-Auftritten des Quartetts ja bereits kennen und schätzen gelernt haben.

Zwar hat man ab und zu vergessen, die Höhen- und Mitten-Regler ein wenig nach oben zu schieben, aber die zwölf Tracks knallen trotzdem halbwegs ordentlich. Dass man PARENTAL ADVISORY aus der unüberschaubaren Masse an Grind-Plagiaten dadurch nicht unbedingt gleich beim ersten mal herauskennt, macht dabei eigentlich gar nichts. Die Burschen haben sich Mühe gegeben, Spaß dabei, und „The Wither Process“ kann mit ´ner guten Dreiviertelstunde gepflegtem Krach punkten – für eine Grindcore-Latte ist das schon ordentlich lange.

Ich für meinen Teil finde die Grunz-, Fiep-, Zirp- und Rülpslaute von Sänger/Gitarrist Sic auf die Dauer zwar etwas nervtötend, aber das hat sicher damit zu tun, dass ich mir Grind am Stück nicht unbedingt immer anhören kann, ohne Platzangst zu bekommen. Whatever, ein mehr oder weniger nettes Teil.
www.myspace.com/parentaladvisorydeathmetal

Mike


DARKANE – Demonic Art (Massacre Records)
Schwere Aufgabe, denn vorweg gesagt, bin ich persönlich nicht begeistert von DARKANE, aber objektiv betrachtet sind sie zweifellos eine qualitativ hochwertige Band, die ihre technischen und musikalischen Fähigkeiten nicht mehr unter Beweis zu stellen braucht.

Dementsprechend hat auch „Demonic Art“ durch die Bank positive Kritiken erhalten, was ich absolut nicht in Frage stellen möchte. Die Songs sind sehr gut strukturiert, eingängig und knüppeln vom Anfang bis zum Ende des Albums energiegeladen, aber nie unkontrolliert aus den Boxen. Der neue Sänger Jens Broman braucht sich im Übrigen keine Sekunde hinter seinem Vorgänger Andreas Sydow zu verstecken, er geht streckenweise sogar noch eine Nuance aggressiver und ungezügelter ans Werk.

Die progressiv trashige Mucke der Schweden klingt sehr abwechslungsreich; die zahlreich aus dem Ärmel geschüttelten Riffs werden hie und da mit einer Prise Industrial gewürzt und auch das etwas bombastische Intro steht dem Gesamtkonzept gut zu Gesicht. Der Sound von „Demonic Art“ untermalt die die Dynamik der Songs und verdient ebenfalls einen Pluspunkt. Fazit: Wer DARKANE bzw. deren Musikstil ins Herz geschlossen hat, wird mit dem fünften Output der Schweden gnadenlos bedient und Leute wie ich zollen ihre Anerkennung, um sich dann wieder den eigenen musikalischen Vorlieben zuzuwenden.
/www.darkane.com

Anita



Copyright: Planet Music & Media 2008