SHINEDOWN - The Sound Of Madness (Warner)
Shinedown stammen aus Jacksonville/Florida. Gegründet 2001, veröffentlichten sie 2003 ihr hierzulande unverständlicherweise nicht erschienenes Debüt "Leave a Whisper". In den USA kassierte man dafür gleich Platin und tourte u.a. mit 3 Doors Down, Saliva und Van Halen. Für den Nachfolger "Us And Them" (2005) gab es immerhin noch Gold.
Auch ihr aktueller Longplayer "The Sound Of Madness" stieg auf Anhieb in die Top Ten der US-Charts ein. Hier dominiert perfekt in Szene gesetzter Alternative Rock mit deutlichen 70/80er Anleihen. Geschickt pendelt man zwischen kernigem Hardrock, deftigen Metal-Riffs und gefühlvollen Balladen. In den Achtzigern wäre man mit einem Ohrwurm wie "Breaking Inside" definitiv eine ernsthafte Konkurrenz zu Größen wie Def Leppard, Skid Row oder Mr. Big gewesen.
Bei allem Traditionsbewußtsein weist "The Sound Of Madness" auch jede Menge moderne Einflüsse auf. Geschickt vermengt New Rock à la Godsmack, Disturbed ("Devour") oder Monster Magnet („Cry For Help") mit eingängigen Melodien die von Nickelback oder 3 Doors Down stammen könnten. Eine Rockhymne jagt die andere. Ein abwechslungsreicher Mix aus Rock-Songs („Sin With A Grin“, „Sound Of Madness“) und einfühlsamen Balladen („What A Shame“, „Second Chance“), die teilweise mit einem 20-köpfigen Orchester verstärkt werden. Und dass Frontman Brent Smith manchmal verdammt nach Chris Cornell klingt, ist ja nun nicht wirklich ein Fehler.
Vorläufig gelten Shinedown hierzulande noch als Geheimtipp. Was sich mit ihrem neuen Album "The Sound Of Madness" bald ändern sollte. Denn genau so sollte Rockmusik heutzutage klingen.
Live am 23. 10. als Support von Disturbed im neuen Planet.tt im Gasometer!
http://www.myspace.com/shinedown
Ger-Hard
NEGATIVE – Karma Killer (edel)
Viel Glam Rock, eine kräftige Prise HIM-Melancholie und ein Hauch Pop. NEGATIVE präsentieren auf dem vorliegenden Album eine herrlich erfrischende Mischung aus all diesen Komponenten.
„Karma Killer“ wird zu keiner Zeit langweilig, da sich trotzige Rocknummern wie zum Beispiel der Opener „Devil on my Shoulder“ mit wunderbar schwermütigen Songs a la „Won’t let go“ perfekt ergänzen. NEGATIVE können ihre finnische Herkunft kaum verleugnen, es scheint, als ob dieses Volk einen Hang zur Depression, zu promilleverdächtigem Rock sowie eine Spur morbiden Glamour im Blut haben würde. „Karma Killer“ strotzt vor Spielfreude, Ideen und perfekt umgesetzten Songs, an deren Arrangements es ebenfalls nichts auszusetzen gibt. Klar, SENTENCED-Hymnen waren tiefsinniger, AMORPHIS-Werke sind bei Gott intellektueller, aber NEGATIVE bleiben in der Veröffentlichungsschwemme der letzten Jahre ein absolutes Highlight, was ihre Auszeichnung mit einem MTV Award nur zu unterstreichen scheint.
Alle, die ihren Musikgeschmack nicht nur auf extreme Metalmucke beschränkt haben, können ohne weiteres einen Lauschangriff riskieren, denn „Karma Killer“ bietet eine angenehme Musikuntermalung zu jeder Tages- und Nachtzeit! Mein persönlicher, absolut kitschiger Lieblingstrack ist „An Ornament“… *dahinschmelz* J
http://www.negative.fi
Anita
ARTAS - The Healing (Napalm/SPV)
Erstaunlich, mit welcher Kompromisslosigkeit die Österreicher ARTAS auf ihrem Debüt los legen.
Das Quintett schwimmt zwar unüberhörbar auf der Nu-Metal-Welle daher, kann aber immer noch seine eigenen Trademarks einbauen – so etwa den teilweise mehrsprachigen Gesang und ein wenig augenzwinkernden Humor (bei „Fick Das Fett“ unüberhörbar – grossartig!). Oder man covert einfach mal eben den COOLIO-Fusseinschläfer„Gangsta`s Paradise“ in einer beängstigend eigenständigen, amüsanten Version.
Da sich ARTAS genre-mässig aber nicht wirklich festlegen wollen, spannen Songs wie das spanisch gesungene „Bastardo“ , „Rhagenfels“, „The Butcher`s Gulit“ (mit kleinen Seitenhieben auf den Nordic Metal) oder das eher klasische „From Dirt We`ll Rise“ einen schönen Bogen über die meisten der momentan relevanten Metal-Spielarten. Die Burschen sind gut! Kein Wunder, dass man das „Metalchamp“-Finale für sich entscheiden konnte – und die Siegesprämie hält man mit „The Healing“ auch bereits in Händen.
Von ARTAS wird man noch einiges hören, denn diese gnadenlose (von Jacob Hansen massig fett produzierte) Mischung aus ZIMMERS HOLE, den APOKALYPTISCHEN REITERN und DISASTROUS MURMUR gibt’s momentan nämlich nur dieses eine mal.
http://www.myspace.com/artasmetal
MikerOwavE
KIVIMETSÄN DRUIDI – Shadowheart (Century Media/EMI)
Unaussprechlicher Bandname, aber dafür ist das musikalische Schaffen der Finnen (unerschöpflichen Vorrat an guten Bands birgt dieses Land!) umso ansprechender.
Bevor ich mich als Pagan-Folk-Epic-Metal-Fan (Herr Appel, schweig bitte! (zu Befehl! Andi)) in meinen Lobeshymnen ergieße, starte ich mit dem einzig schmerzhaften Kritikpunkt, den ich anbringen möchte: Trollmetal mit weiblichem Gesang a la TRISTANIA ist eine Kombination, die einfach gar nicht geht. Leeni-Maria hat durchaus eine tolle Stimme, aber irgendwie wäre sie meiner Ansicht nach in einer anderen Metal-Sparte weitaus besser aufgehoben. Aber es wird mit Sicherheit Fans geben, die genau diesen weiblichen Gesang im Bereich Pagan Metal als innovativ und bereichernd bewerten werden … bleibt wohl Geschmackssache.
Abgesehen davon bietet „Shadowheart“ jedoch genau das, was man von einem Album dieses Genres erwartet. Treibende Riffs, in die Schlacht galoppierende Drums, Finntroll-ähnliches männliches Kreischen und jede Menge epische Keyboarduntermalung plus fröhliches Gefiedel im Hintergrund. Der fette Sound rundet vorliegendes Album perfekt ab und somit sollte dem Durchbruch dieser jungen Band nicht allzu viel im Wege stehen. Bleibt zu hoffen, dass sich KIVIMETSÄN DRUIDI in absehbarer Zeit im Rahmen eines der nächsten Viking/Folk Metal Packages ein Stelldichein in unseren Breitengraden geben werden.
http://www.kivimetsandruidi.com
Anita
THE CUMSHOTS – Just Quit Trying (Rodeostar/SPV)
Max Cargo ist in seiner norwegischen Heimat bekannt wie ein bunter Hund. Der Entertainer und Musiker sch***t auf jegliche Konventionen und geigt mit seinen vier Brüdern im Geiste zusammengefasst unter dem schönen Namen THE CUMSHOTS feinen Metal mit Rock`n`Roll-Schlagseite auf.
Ist zwar nicht unbedingt neu, aber dennoch nicht uninteressant – ein wackerer Cocktail aus Südstaaten-Rock (REBEL MEETS REBEL lassen grüssen!) und massiv überproduziertem Hardrock von fast schon ENTOMBED-esquer Schönheit. Die richtige Mucke zum Holzhacken, Vögeln oder Blumen umtopfen eben (eben. Andi).
Dass die Partie ein sicheres Händchen für den guten, gepflegten Refrain hat, sei hier nur am Rande erwähnt . „Just Quit Trying“ wird sicher kein musikalischer Edelstein in der Metal-History, aber für die nötige Aufmerksamkeit wird’s allemal noch reichen. Wer`s nicht glaubt, sollte sich mal „Punchdrunk On Death“ mit fettem SLAYER-Riffing oder den mit einem netten Refrain versehenen Stampfer „Broken“ reintun. Tough, that!
http://www.thecumshots.org
MikerOwavE
CYNIC - Traced In Air (Season Of Mist/rebeat)
Der Moment ist eigentlich weniger emotional als ich es erwartet hätte. Der Moment, in dem ich mir endlich das erste in Plastik gelaserte Lebenszeichen von CYNIC seit 15 Jahren in die Gehörgänge fließen lassen darf.
Die Kult-Band aus Florida, die sich aus den zeitweiligen DEATH-Mitstreitern Paul Masvidal und Sean Reinert, dem Jazz-Bassisten Sean Malone und dem relativ unbekannten, belgischen Gitarristen Tymon Kruidenier rekrutiert (und somit nur um einen Musiker – Gitarrenwunderkind Jason Gobel war für eine Zusammenarbeit nicht mehr zu begeistern– von der Originalbesetzung aus dem Jahr 1993 abweicht!) hatte ja schon auf diversen Festivals angedeutet, dass neues Material in Arbeit und eine CD nur noch eine Frage der Zeit ist.
Und hier ist nun endlich: „Traced In Air“ – ein mehr als würdiger Nachfolger zu „Focus“, das man ohnehin niemals wird toppen können. Und das ist auch gut so. Musiker entwickeln sich in 15 Jahren ja auch ein wenig weiter, und auch wenn CYNIC schon in ihren Anfangstagen technisch meilenweit vom Rest der Musikwelt entfernt waren, so schliesst sich hier der Kreis: die zwischenzeitlichen GORDIAN KNOT- und AEON SPOKE-Ausflüge der Herren spielen auch bei „Traced In Air“ noch ein wenig mit rein, über weite Strecken ist das knapp 35-minütige Album dadurch etwas ruhiger als „Focus“, man möchte fast schon sagen: erwachsener. Aber dafür nicht minder genial. Immer noch zehren die Bandmitglieder vom Jazz genauso wie vom Death Metal, und die strangen, zweistimmigen Gesangslinien sind – wenn auch in reduzierter Form – immer noch zugegen. Und immer noch bewegen sich CYNIC Lichtjahre entfernt von Otto Normalmusiker. Die neun Tracks sind insgesamt zugänglicher als „Focus“ –jedoch in sicherer Entfernung zu den AEON SPOKE-Kommerzausflügen. Immerhin: das bereits von diversen Festivals her bekannte „Evolutionary Sleeper“ oder „Integral Birth“ haben beinahe schon Ohrwurm-Charakter. Den einzigen Fehler, den CYNIC hätten begehen können, wäre gewesen, gar kein Album zu machen.
Der Moment ist – wenn ich’s genau überlege – dann eigentlich doch ein sehr emotionaler. Der Moment, in dem der letzte Track „Nunc Stans“ verklingt und wie von Geisterhand sofort wieder das Intro „Nunc Fluens“ folgt...
http://www.cynicalsphere.com
MikerOwavE
DIGNITY - Project Destiny (Napalm/SPV)
Eine österreichische Formation mit internationaler Beteiligung verbirgt sich hinter dem Deckmantel DIGNITY.
Als Bandgründer fungierten Schlagzeuger Roland Navratil, der lange Jahre bei EDENBRIDGE den Takt vorgab, und der aus Rumänien stammende, aber auch in Österreich lebende Tastenhexer Frank Pitter. In Martin Mayr (Gitarre) und John Boy Bastard (Bass) konnten im näheren Umfeld in recht kurzer Zeit Mitstreiter gefunden werden, bloß nach einem Sänger musste die Suche über die Grenzen hinaus erweitert werden. Da zu jenem Zeitpunkt bereits erste Songs komponiert waren, sollte es jedoch nicht allzu lange dauern, ehe ein geeigneter Vokalist gefunden werden konnte. Dieser nennt sich Jake E., stammt aus Schweden und kann bereits auf eine recht umfangreiche Karriere zurückblicken. Zunächst war Joacim Lundberg (unter diesem, seinem Taufnamen) mit INFINTY am Start, die jedoch nach einigen Demos die Segel strichen, um in weiterer Folge in fast identischer Besetzung als DREAMLAND wieder aufzutauchen. Eben dort ist Jake E. als Jake Steel (der hat´s wohl a bissi mit den Namen... Andi) noch immer mit von der Partie und zwischenzeitlich war er als Jake E. Berg (Oida... Andi) auch bei DREAM EVIL involviert, doch nur für ganz kurze Dauer. In DIGNITY hat Jake jedenfalls ein neues Betätigungsfeld gefunden und mit „Project Destiny“ lassen uns die Herren nun zum ersten Mal ein Ergebnis der österreichisch-rumänisch-schwedischen Kooperation DIGNITY hören.
Ungemein melodische Songs sind es in erster Linie, die uns auf diesem Album dargeboten werden, stilistisch nicht wirklich darauf erpicht, sich in irgendeiner Richtung festzusetzen, dafür aber umso mehr auf Eingängigkeit getrimmt. Basierend auf diesen Merkmalen kredenzt uns das Quintett ein Sammelsurium aus Ohrwürmern und Hooklines in mannigfaltiger Ausführung. Die Einflüsse auf die Band scheinen in erster Linie vom klassischen Hardrock der melodischen Art mit Vorzeigebands wie RAINBOW oder THIN LIZZY zu stammen, reichen jedoch über QUEEN zu Frühzeiten, bis hin zum melodischen Hardrock der Variante EUROPE oder TNT. Aber auch Bands wie STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA müssen genannt werden, um die Melange von DIGNITY in vollem Umfang beschreiben zu können. Wer sich Tracks wie den eröffnenden Titeltrack, das megaeingängige „Icarus“, oder auch „Inner Demons“ erst einmal angehört hat, wird sich der Anziehungskraft dieser Kompositionen nicht entziehen können. Hier wird der Hörer permanent mit regelrecht klassischem, melodiösem Hardrock in straff und bombastisch arrangierter, zeitgemäßer Variante konfrontiert und die Tracks mit Sicherheit schon nach kurzer Zeit allesamt intus haben, denn songschreiberisch gibt es hier definitiv nicht zu meckern. Mitunter haben die Jungs hinsichtlich der Bombastanteile vielleicht eine Spur übertrieben, doch von Kitsch sind sie dennoch meilenweit entfernt.
Lediglich die „Verabschiedung“ hätte besser ausfallen können, aber das liegt wohl daran, dass mich „Don't Pay The Ferryman“ von Chris De BURGH noch nie so wirklich erwärmen konnte und mir bislang nur die, auch schon wieder vor gut zehn Jahren eingespielte Version von DARK AT DAWN zugesagt hat. Die Intensität von Buddy Kohlrausch und Konsorten erreichen DIGNITY in diesem Track, trotz einwandfreier Darbietung, bei weitem nicht, aber das soll jetzt den positiven Gesamteindruck dieses Albums keineswegs schmälern.
http://www.dignityband.com
Walter
THE HAUNTED – Versus (Century Media/EMI)
Nach dem kontroversen Album „The Dead Eye“ haben sich THE HAUNTED nun mit „Versus“ wieder ein wenig back to the roots bewegt. Allerdings nicht in dem Masse, wie das ein Teil ihrer Fans wohl gerne gesehen hätte.
„Versus“ ist in groben Zügen ein sehr Thrash-lastiges Album, das eine Menge Aggression und Brutalität in sich birgt, aber leider das eine oder andere Mal doch den Anschein erweckt, mit Gewalt ein breiteres Publikum ansprechen zu wollen. Bei Songs wie zum Beispiel „Pieces“ mag mich der cleane Gesang nicht so recht überzeugen, da er Erinnerungen an zweifelhafte Schauspieler-Rockbands weckt und von Zeit zu Zeit überfordert mich die Kombination experimenteller Thrash / Prise Metalcore / Alternativgesang / krächzende Stimme im Gesamten, da ich verzweifelt nach einer roten Linie im Album suche (Beispiel „Skuld“ und das darauf folgende „Crusher“).
Ein Riesenlob gibt es allerdings von meiner Seite für die Produktion des vorliegenden Albums, welches im Studio live eingespielt wurde und genau deshalb absolut spontan und zu keiner Zeit überkandidelt klingt. Super Sache!
Abschließend sei gesagt, dass „Versus“ genau das bietet, was der Albumtitel wohl aussagen möchte: alte THE HAUTED versus neue THE HAUNTED… Ob die Mischung dieses Mal zu hundert Prozent gelungen ist, wage ich zu bezweifeln, aber trotzdem lohnt es sich auf alle Fälle, in „Versus“ rein zu hören.
http://www.the-haunted.com
Anita
ROSS THE BOSS - New Metal Leader (AFM/Soulfood)
Keine Angst, der Begriff „New Metal Leader” bezieht sich hier keineswegs auf die Musikrichtung, als viel mehr auf einen scheinbar offensichtlichen Fingerzeig des ex-MANOWAR-Gitarristen Ross „The Boss“ Friedman in Richtung seiner ehemaligen Komparsen. Während Joey und Co. mittlerweile den Heavy Metal nur noch in der Theorie aufrecht erhalten und stattdessen mit „Hörspielen“ und einem sehr eigenwilligem Verhalten bei ihren Festivals zu glänzen wissen, bleibt Ross nebst Gefolge seiner ursprünglichen Intention treu und kredenzt uns eine satte Dosis traditionellen Heavy Metal, bei der fraglos zum Ausdruck kommt, dass er einst bei den Meilensteine der Amis ein sehr wichtiges Wörtchen mitzureden hatte (Oh. Siehe da. Der Satz hat einen Punkt! Andi).
Auch wenn „New Metal Leader“ logischerweise nicht ganz an jene Heldentaten herankommt und der als „Berufsbezeichnung“ gemeinte Titel des guten ROSS ein wenig übertrieben erscheint, lässt er zusammen mit seinen Mitstreitern, zu denen neben Drummer Matthias Mayer (ex-DIVINUS) die Herren Patrick Fuchs (Gesang) und Carsten Kettering (Bass) zählen, die von der deutschen Power Metal-Formation IVORY NIGHT stammen und seit geraumer Zeit auch als MEN OF WAR aktiv sind um das Vermächtnis der alten MANOWAR hochzuhalten, die einst großen Helden des Heavy Metals hinter sich. Vor allem die prägende, schwermetallische Epik, die bei De Maio und seiner Mannschaft zuletzt durch bombastischen Kitsch substituiert wurde, ist hier in recht gelungener Ausführung zu finden. Die Zielgruppe sollte von Anfang klar definiert sein, alle „Brothers And Sisters Of Steel“, denen die Machenschaften ihrer ehemaligen Lieblingsband mittlerweile auf den, oder im besseren Fall am Allerwertesten vorbei gehen, kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten.
http://www.ross-the-boss.com
Walter
SUBWAY TO SALLY - Schlachthof: Bastard Tour (CD & DVD) (Nuclear Blast/Warner)
Bereits den dritten Konzert-Augenschmaus (nach “Live” 2003 und der Akustik-Tour “Nackt” 2006) legen unsere Potsdamer Lieblingsrocker mit „Schlachthof“ vor. Auf satten 120 Minuten Konzert zelebrieren Eric Fish, Bodenski, Frau Schmitt & Konsortium 24(!) Tracks, eingefangen im „Alten Schlachthof“ zu Dresden – einem würdigen Ambiente für einen DVD-Mitschnitt, mit knapp 2.000 Nasen ordentlich prall gefüllt und auch gleich Namensgeber dieses Doppelwhoppers.
Professionell und routiniert musizieren sich die sieben Subways durch ein Best-Of-Set aus knapp anderthalb Dekaden, dem dadurch allerdings auch ein wenig die Schnörkel fehlen – ein wenig zu vorhersehbar agieren die Musiker bisweilen, trotz netter Feuereinlagen und einem bestens gelaunten Frontmann, der die Audienz immer wieder zum Ausrasten anstiften kann und sogar einmal seinen Text vergisst.
Dafür gibt’s dann das volle Rahmenprogramm: neben einer etwas abgespeckten Audio-CD mit „nur“ sechzehn Tracks (allerdings auch in anderer Reihenfolge) beinhaltet das Package ein rund fünfzigminütiges „Behind The Scenes“, das die Truppe mal von der etwas entspannteren Seite zeigt, und das wie schon auf „Nackt“ hauptsächlich von Drummer Simon Michael gefilmt wurde. Unter anderem kann man die Genossen beim „Kontaminieren des Raucherbusses mit Nicht-Rauchen“ begleiten, und bekommt auf ironische Weise serviert, wie man seine Roadies verscheißert oder Fans im Foyer vorm Konzert zu Antworten nötigt und sprachlos macht. Tourleben halt – es kann tatsächlich auch amüsant sein!
Heißt unterm Strich insgesamt fast vier Stunden gepflegte Unterhaltung, wenn auch ein wenig zu gesittet und glatt, dafür aber mit Unterhaltungswert und sowieso unerlässlich für jeden Subwayaner.
http://www.subwaytosally.com
MikerOwavE
PRONG - Rude Awakening Re-Release (Steamhammer/SPV)
Wie schon “Beg To Differ” und “Cleansing” landet nun auch das 1996er Album “Rude Awakening” der New Yorker Groove-Metaller erneut in den Regalen.
Und Im Gegensatz zu den anderen beiden Platten – die ja ohne Bonusfeatures auskommen mussten – gibt’s hier gleich vier zusätzliche Tracks. Okay, eigentlich ist es nur ein Track, nämlich die allseits bekannte Single „Rude Awakening“ in drei mehr oder weniger ambient-lastigen Remixes. Dazu wurde noch am Booklet ein wenig herumgebastelt, das ganze ins schmucke Digipack gewuchtet und schon ist ein überaus hübsches Re-Release fertig. Für alle, die von PRONG noch gar nix ihr eigen nennen, wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt, die CD-Sammlung mal ordentlich nachzurüsten.
Das in der Besetzung Victor, Parsons und Raven (Gott hab ihn selig!) eingeklöppelte „Rude Awakening“ gehört zweifelsohne zu den stärksten PRONG-Releases und steht ganz in der Tradition seines Vorgängers „Cleansing“ – und danach sollte dann mal sieben Jahre gar nix kommen. Die dreizehn Songs haben bis heute nichts von ihrem Reiz verloren und stellen - retrospektiv gesehen - das letzte grosse Aufgebot dieser legendären Truppe dar. Zumindest bis heute.
http://www.prongmusic.com
MikerOwavE
MALEVOLENT CREATION - Live At The Whiskey A Go Go (Massacre/Soulfood)
Auch wenn es sich bei MALEVOLENT CREATION längst um eine Institution im Death Metal handelt, dürfen die Fans erst jetzt endlich über ein Live-Album der Amis jubilieren.
Obwohl, ganz so neu sind die Aufnahmen eigentlich gar nicht, denn der hier tondokumentierte Auftritt (der „tondokumentierte Auftritt“ also *fingerwackel* Andi) aus dem renommierten „Whisky A Go Go“-Club, fand bereits im Jahr 1999 statt. Die damalige Besetzung - das Line-Up war ja bei MALEVOLENT CREATION noch nie wirklich eine Sache von langer Haltbarkeitsdauer - bestand aus Brett Hoffman am Mikro, den Gitarristen Rob Barrett und Phil Fasciana, sowie Bassist Gordy Simms und Drummer Dave Culross und gab sich, weil nicht anders zu erwarten, spieltechnisch keinerlei Blöße. Der Anlass des seinerzeitigen Gastspiels war ein Gig während der damaligen Konzertreise für „The Fine Art Of Murder“, das mit fünf Tracks („Manic Demise“, „To Die Is At Hand“, „Mass Graves“, „The Fine Art Of Murder“ und „Scorn“) auch den Löwenanteil der Setlist ausmachte. Natürlich hatten die Herrschaften aber auch reichlich Material von den Werken zuvor am Start und so kamen auch Songs der Alben „The Ten Commandments“ („Ìmpaled Existence“, und „Multiple Stab Wounds“), „Retribution“ („Slaughter Of Innocence“, „Eve Of The Apocalypse“, sowie das Doppel „Coronation Of Our Domain“/„Monster“) und „Eternal“ („Blood Brothers“ bzw. „Infernal Desire“), zur Aufführung.
Dass MALEVOLENT CREATION mit zu den brutalsten aller Bands gehören, sollte hinlänglich bekannt sein. Der ungemein rohe, aber ebenso authentische Sound dieser Aufnahmen lässt den Freund dieser Band bei intensivem Genuss dieses Albums frei nach dem alten DSF-Slogan wahrlich mitten drinnen sein, auch wenn er damals nicht dabei gewesen sein konnte (ein schlichtes „nicht dabei war“ hätte es nicht getan? (tun hätte können?) ... Andi). Als nicht gerade förderlich stellen sich einzig die Pausen durch die Zusammenschnitte einzelner Tracks heraus, hier leidet die Authentizität doch darunter, keineswegs aber die Brutalität.
Als Vollbedienung auf roheste, spieltechnisch aber dennoch gehobene Art, kommt „Live At The Whisky A Go Go“ aus den Boxen und ist zu einem lohneswerten Stück Death Metal geworden, dessen Intensität durch die nicht gerade zimperliche Vortragsweise der Burschen auf der Bühne noch dazu gewinnen konnte.
http://www.malevolent-creation.com
Walter
UNSUN – The End Of Life (Century Media/EMI)
Was hat sich der ehemalige VADER Gitarrist Mauser wohl gedacht, als er sein Hauptaugenmerk auf UNSUN richtete? Gothic Rock in allen Ehren, aber um die vorliegende UNSUN Scheibe unbeschadet zu überstehen, braucht man schon ein starkes Nervenkostüm sowie strapazierbare Gehörgänge.
Musikalisch wird wie bereits erwähnt auf seichten Gothic Rock mit schwer poppigem Touch gesetzt, einzig die Gitarrenarbeit lässt erkennen, dass hier doch ein Meister seines Faches am Werken ist. Wobei man mit einigen Abstrichen (so ist z.B. der letzte Song „Indifference“ mehr oder minder komplett überflüssig) „The End Of Life“ musikalisch noch als Pausenfüller verwenden könnte, um den Kater vom Vortag auszukurieren oder eine kuschelige Sexnacht damit zu untermalen.
Was allerdings untragbar ist und oben angeführte nervliche und organische Stärke verlangt, ist die Stimme von Sängerin Aya. Die Dame trällert fröhlich vor sich hin, das kann objektiv betrachtet bei einem MTV Chartbreaker ganz putzig klingen, sorgt im Bereich Gothic Rock allerdings für durch Grauen verursachte Gänsehaut. Was Mauser und seine Mitstreiter songtechnisch ausmerzen können, wird durch den Gesang prompt wieder zertrümmert und hinterlässt als Ganzes betrachtet einen mehr als fragwürdigen Eindruck. Fans dieser Musikrichtung sollten lieber bei LACUNA COIL oder NIGHTWISH bleiben und die Mauser-Anhängerschaft darf getrost die alten VADER Scheiben liebkosen … UNSUN sind weder für die einen noch für die anderen die richtige Kost.
http://www.myspace.com/unsunmusic
Anita
ALL SHALL PERISH - Awaken The Dreamers (Nuclear Blast/Warner
Die Kalifornier überraschen auf ihrem dritten Output mit deutlich feinfühligerem Songwriting als zuvor: zwischen Brutalo-Monstern wie dem brachialen Opener „When Life Meant More...“ und der vetrackten Midetempo-Schwarte „Gagged, Bound, Shelved And Forgotten“ stehen plötzlich immer wieder auch herzallerliebste Melodien, die gar an OPETH erinnern.
„The Ones We Left Behind“ oder „Miserys Introduction“ bremsen zwar die alles vernichtende Dampfwalze aus Death, Grind und Metalcore – aber sie lockern die Atmosphäre auch unheimlich auf, nehmen den Druck von den Ohren und machen durstig auf den nächsten Gewaltausbruch, der auch nicht lange auf sich warten lässt. „Stabbing To Purge Dissimulation“ (mein Gott, welch ein Titel!! Könnte von CARCASS sein...) beispielsweise wuchtet sich unvermittelt mit enormen Blastbeats mitten in die Ruhe von “Memories Of A Glass Sanctuary”. Ober-Screamo Hernan Hermida lässt diesmal des öfteren von seinen hysterischen Schrei/Grunz-Attacken ab und versucht sich auch mal im cleanen Metier, was der Combo recht gut zu Gesicht steht.
Die Jungs aus Oakland sind definitiv auf dem richtigen Weg zur eigenen Identität, haben genug Feingefühl, Raffinesse und Wahnwitz, um es mit den vermeintlich „Grossen“ der Szene aufzunehmen. Daumen ab...ähm, hoch!
http://www.allshallperish.com
MikerOwavE
EPHRAT - No One’s Words (Inside Out / SPV)
Auch wenn es zunächst eher den Eindruck erweckt, „No One’s Words“ wäre das Solo-Projekt das israelischen Musikers Omar Ephrat, handelt es sich hierbei sehr wohl um eine Band, zu der neben dem Mastermind als Gitarrist, Keyboarder und Songwriter auch Gili Rosenberg (Bass), Tomas Z. (Schlagzeug) und Sänger Lior Seker gehören. Mit Namen wie Petronella Nettermalm (PAATOS), Daniel Gildenlöw (PAIN OF SALVATION) und Steven Wilson (PORCUPINE TREE) kann sich auch die Gästeliste mehr als nur sehen lassen und spätestens jetzt muss klar sein, welche Art von Musik uns EPHRAT anzubieten haben.
Progressive Rock ist es logischerweise, der, auf Grund der Herkunft kaum verwunderlich, um reichlich orientalische Elemente aufgepeppt wurde und zudem mitunter gar heftig losrockt. Abgesehen davon sind es wohl vor allem die aufgrund der Gästeliste geradezu logischen Reminiszenzen an PAATOS und PAIN OF SALVATION, die dieses Album zu einem Schmankerl für die Proggies machen. Petronella glänzt in „Haze“ mit ihrer unter die Haut gehenden Stimme, während Meister Gildenlöw im knapp zehnminütigen „The Sum Of Damage Done“ offenbart, dass „Be“ , trotz eher durchwachsenem Erfolg mit zu den favorisierten Alben seiner Stammband zählt, könnte dieser Track doch durchaus auch von jenem Epos stammen. Absoluter Höhepunkt ist meiner Meinung nach aber das fast 20minütige „Real“ in dem sich die Vokalisten allesamt von ihrer besten Seite zeigen. Allein dieses tiefschürfende, aufwühlende Monumentalwerk progressiver Epik lohnt die Anschaffung dieser Veröffentlichung.
Eine rundum feine Sache also und zudem von Steve Wilson soundtechnisch perfekt umgesetzt.
http://www.myspace.com/omerephrat
Walter
MENDEED – Positive Metal Attitude / From Shadows Came Darkness (Rising Records/SPV)
Verschämt zu Boden blickend muss ich gestehen, dass ich bislang noch nichts von dieser Band gehört habe und daher war mir beim Einlegen dieser Promo CDs auch nicht bewusst, dass es MENDEED seit 2006 nicht mehr gibt. Das Label Rising Records hat die Band seinerzeit unter Vertrag genommen, offenbar haben MENDEED später jedoch zu Nuclear Blast gewechselt. Nun hat Rising Records die beiden Scheiben „Positive Metal Attitude“ und „From Shadows Came Darkness“ wiederveröffentlicht, um MENDEED nach deren musikalischem Ableben nochmals zu würdigen.
„Positive Metal Attitude“ war bislang nur als limitierte Tour-Edition erhältlich und somit dürfte diese Neuauflage ein absolutes Schmankerl für die Fans der schottischen Haudegen sein. Das Album bietet eine nach wie vor frisch klingende Mischung aus Metalcore, Thrash und traditionellem Metal und zündet vom ersten bis zum letzten Track. Die druckvolle Produktion verpasst der Scheibe den letzten Schliff und rundet das ohnehin erstklassige Material von „Positive Metal Attitude“ perfekt ab.
Die auf „From Shadows Came Darkness“ vertretenen Songs klingen weitaus ungeschliffener und dreckiger, der Gesang bewegt sich zwischen brutalen Death Metal Grunts und bösartigem Gekreische, was den Nummern zusätzliche Härte verpasst. Diese Scheibe hat absoluten Undergroundcharakter und der sehr positive Eindruck wird nur durch seltsam anmutende genrefremde Gesangs- und Melodieeinlagen wie etwa bei „Fatal Poison Whisper“ gemindert.
Alles in allem kann ich diese Re-Releases von MENDEED jedem Metal-Fan nur wärmstens weiterempfehlen. Und in Zeiten der vermehrten Reunions stirbt die Hoffnung zuletzt. Vielleicht bekommen wir die Tracks ja nochmals live um die Ohren geknallt?!
http://www.mendeed.co.uk
Anita
FALCONER - Among Beggars And Thieves (Metal Blade/SPV)
Stefan Weinerhall scheint sich nach einer zwischenzeitlichen (auch Line-Up bedingten) Umorientierung erneut gefunden zu haben und kredenzt uns auf dem zweiten FALCONER-Album mit „Heimkehrer“ Matthias Blad abermals eine satte Ladung folkloristisch anmutender Melodien im schicken Metal-Gewand
Zwar gehen FALCONER sehr häufig im Up-Tempo-Bereich zu Werke, doch gerade durch ihren variantenreichen, unvorhersehbaren und variablen Vortrag schaffen es die Schweden einmal mehr für Spannungsreichtum, Abwechslung und in erster Linie Freude bei den Fans zu sorgen. Hinsichtlich der folkloristischen Anleihen hat sich Stefan einmal mehr Inspirationen aus der Heimat geholt, die er dann auch in seine Texten einfließen hat lassen. Aus diesem Grund haben die Burschen nunmehr auch gleich drei Titel in ihrer Heimatsprache in petto, die man gut ins Gesamtbild einfügen konnte. Ein weiteres, nun in schwedisch vorgetragenes Stück, nämlich „Vi Sålde Våra Hemman", das der Digipack-Ausgabe als Bonus Track enthalten ist, wird den Kennern der Band bereits bekannt vorkommen, denn die Nummer war als „We Sold Our Homesteads" bereits auf „Chapters From A Vale Forlorn" enthalten. Aber nicht nur der Text wurde nun in geänderter Form aufgenommen, die Nummer kommt nunmehr generell runderneuert und in straff arrangiertem, symphonischem Gewand aus den Boxen.
Die „Selbstfindungsphase“ scheint Stefan Weinerhall und FALCONER gut getan zu haben, denn mit „Among Beggars And Thieves“ ist der Truppe abermals ein feines Stück Edelmetall geglückt. Bleibt zu hoffen, dass auch die nunmehr eingekehrte Stabilität im Line-Up erhalten bleibt.
http://www.falconermusic.com
Walter
OVERCAST - Reborn To Kill Again (Metal Blade/SPV)
Alle, die mit dieser US-Band so absolut gar nix anfangen können, sollten sich mal mit dem Werdegang etwas bekannterer Combos wie KILLSWITCH ENGAGE oder SHADOWS FALL auseinandersetzen.
Dreadlockmodel Brian Fair, Sänger der letztgenannten, und Mike D’Antonio, Bassist der ersteren, zockten nämlich von 1991 bis 1998 in dieser Band, die jetzt reanimiert wurde. Mit ihnen auch ein gewisser Pete Cortese, der später sein Glück in der Southern-Rock-Kapelle SEEMLESS versuchte. „Reborn To Kill Again“ sollte dann auch mehr als Spielwise für unterbeschäftigte Musiker denn als Neuerfindung des Rades gehandelt werden. Etwas (absichtlich) angestaubter, teilweise sehr Hardcore-lastiger (die Jungs kommen nun mal schließlich aus Boston) Metal mit dem gewissen Mosh-Faktor der frühen Neunziger. Obwohl man sich hier keineswegs selbst zu kopieren versucht. Aber man hört den dreizehn Tracks – von denen elf allerdings „nur“ Neuaufnahmen alter Stücke sind – durchaus an, dass die Herren das hier in erster Linie um des Spasses willen getan haben.
Für alle, die auf Mittneunziger-Mucke stehen, ist „Reborn To Kill Again“ (so gesehen eigentlich ein schöner Titel!) sicherlich ein Gewinn, ebenso wahrscheinlich für all jene, die von SHADOWS FALL und KILLSWITCH ENGAGE schon wirklich jeden noch so klitzekleinen Sch*** daheim haben. Oder für diejenigen, die wissen wollen, wo denn der sagenhafte Metalcore nun wirklich seinen Ursprung hatte...
http://www.overcast.cc
MikerOwavE
SINISTER – The Silent Howling (Massacre)
Dem Death Metal der alten Schule haben sich die Niederländer SINISTER auch auf ihrem neuen Machwerk „The Silent Howling“ verschrieben.
Nach einer zweijährigen Pause sind die Herren um Frontmann Aad Kloosterwaard wieder zurück im metallischen Geschehen und das vorliegende Album weiß über weite Strecken zu überzeugen. Die sieben Tracks zeichnen sich durch eine saubere Produktion, sägende Riffs und eine solide Rhythmusfraktion aus. Abgerundet wird diese Mischung von brutal aus den Boxen tönenden Death Metal Grunts, die keinen Zweifel daran lassen, dass SINISTER noch lange nicht zum alten Eisen gehören
„The Silent Howling“ zündet allerdings nicht beim ersten Durchlauf, dazu sind die Songs phasenweise zu verschachtelt strukturiert und erfordern eine Menge Konzentration des werten Zuhörers. Im Grossen und Ganzen kann ich für die vorliegende Scheibe absolut eine Kaufempfehlung aussprechen, allerdings bleibt zu erwähnen, dass es SINISTER als eine weitere von vielen Bands nicht geschafft haben, einen wirklich markanten Meilenstein in der Geschichte des Death Metal zu setzen. Trotz aller Perfektion und Spielfreude gibt es auf „The Silent Howling“ nix Neues oder gar Unbekanntes zu hören, was jedoch anno 2008 auch kommerziell erfolgreicheren Bands schwer gelingen dürfte.
http://www.sinister-hailthebeast.com
Anita
SONIC SYNDICATE – Love And Other Disasters (Nuclear Blast/Warner)
Die Jungspunde von SONIC SYNDICATE sind musikalisch nicht hundertprozentig einzuordnen, da sie von Schweden-Death Einflüssen bis hin zu melodiösem Rock mit poppigen Anleihen so ziemlich alles in ihrem zweiten Output „Love And Other Disasters“ einfließen lassen.
Die Mucke ist äußerst eingängig, die Produktion ist gelungen und was besonders ins Auge sticht, ist die absolut perfekte Gitarrenarbeit der Herren Sjunnesson. Bezüglich des Songwriting muss ich allerdings anmerken, dass sämtliche Songs relativ ähnlich bis gleich klingen, was aufgrund des hohen songwriterischen Niveaus grundsätzlich kein gravierender Minuspunkt ist, allerdings den Wiedererkennungswert der einzelnen Stücke ein wenig mindert. Stimmtechnisch kommt die Mischung aus typisch schwedischen Death Grunts und klarem Gesang gut an und lockert das Songmaterial erfrischend auf. Bei all diesen durchaus positiv gestimmten Eindrücken muss ich dann aber doch einwerfen, dass SONIC SYNDICATE irgendwie brav klingen: elterntauglicher Augezudrück-Metal der Marke „Ach, diese schwierige Phase wird schon wieder vorüber gehen, wenn die Kinder erst älter sind…“ (*prust* Andi). Dieser Beigeschmack wird im Übrigen durch das Outfit der Band noch schwer verstärkt.
Abgesehen davon haben Nuclear Blast einmal mehr einen Riecher für eine kommerziell erfolgreiche Metal-Band bewiesen, von der man in naher Zukunft sicherlich noch viel hören wird.
http://www.sonicsyndicate.com
Anita
STICK TO YOUR GUNS - Comes From The Heart (Century Media/EMI)
Schon erstaunlich, wie viele talentierte Brutalo-Bands es mittlerweile gibt, die einerseits unter dem klaren Einfluss von Metalcore stehen, aber auch unüberhörbar von Bands wie IGNITE oder TERROR geprägt wurden.
STICK TO YOUR GUNS aus dem sonnigen Orange County, California, können auf ihrem zweiten Longplayer bereits mit einem relativ toughen Cocktail aus NY-Hardcore, modernen Metalriffs und technisch anspruchsvollem Gefrickel überzeugen, belegen auf einer Innovationsskala von Null bis Zehn aber bloß einen Platz im Mittelfeld. Shouter Jesse Barnett brüllt immerhin recht amtlich, die Burschen wissen wie man beeindruckend arrangiertes Gefrickel auf den Punkt bringt, und es gibt zwischendurch immer wieder unerwartete Momente des Staunens – wenn etwa bei „Impact“ der Gesang plötzlich auf clean geswitcht wird, bei “Accessory Children“ die Gitarrensalven beinahe MESSHUGGAH-like aus den Boxen dröhnen oder „Tonights Entertainment“ einen doch glatt an BIOHAZARD denken lässt.
Die CD wurde von Century Media um vier EP-Tracks erweitert, mit einer Songlänge von durchschnittlich drei Minuten erfüllt die Scheiblette nämlich ein weiteres HC-Kriterium – die addierte Spielzeit lässt mit etwas mehr als ´ner halben Stunde jedoch etwas zu wünschen übrig. Diese Band wird wachsen und die Circlepits vor ihrer Bühne ebenfalls. Ist erst mal recht gut, aber mehr (noch) nicht.
http://www.myspace.com/styg
MikerOwavE
DAGOBA - Face The Colossus (Season Of Mist/rebeat)
Auf ihrem dritten Longplayer fahren die Franzosen DAGOBA gleich von Beginn an alles auf, was an Geschützen so verfügbar war.
Zu breitwandigem, druckvollem Death-Gebolze gesellen sich schon im eröffnenden Titeltrack Klaviermelodien und Powermetal-Zwiegesänge. Und etwa in dieser Manier geht’s dann auch weiter: epische Soundwalzen, begleitet von einem teilweise fast schon leidenden Gesang, und ganz dezent im Hintergrund treiben auch noch etwa 32 Keyboardspuren ihr Unwesen. Klingt vielleicht beim ersten mal ein wenig überladen, aber man kann sich mit der Zeit durchaus mit der etwas eigenwilligen Mucke der Jungs aus Marseille anfreunden. Am ehesten – wenn auch nur entfernt - vergleichen könnte man DAGOBA mit den Australiern ALCHEMIST.
Wer auf druckvoll produzierten (Tue Madsen saß hier an den Reglern!), nicht grade alltäglichen Metal mit ausnahmsweise auch mal erträglichen Vocals steht, wird DAGOBA auf Anhieb mögen! Anspieltipps: das hymnische “The World In Between”, das ziemlich ohrwurmige „Silence #3“ und die Dampfwalze „The Crash“ !
http://www.dagobaonline.com
MikerOwavE
Blaze BAYLEY - The Man Who Would Not Die (Blaze Bayley Recordings)
Der Name Blaze Bayley sollte den Metal-Fans weltweit nicht nur durch seine Zeit bei IRON MAIDEN ein Begriff sein. Der Kerl ist schon viel länger im Business aktiv und konnte bereits zuvor mit seiner damaligen Truppe WOLFSBANE reüssieren, auch wenn ihn kurz vor dem Durchbruch der große Name einst gerufen hat und die „Wölfe“ im Bau verschwanden. Aus seiner Sicht ist es wohl nur zu verständlich, dass der Kerl dem Ruf der Jungfrau gefolgt ist. Aber auch seit seinem Ausstieg bei MAIDEN ist Blaze alles andere als untätig und so kommt er nun nach vier Scheiben unter dem Banner BLAZE mit einem neuen Werk, jedoch unter seinem vollständigen Namen aus dem Quark („aus dem Quark“?? Andi).
Musikalisch ist aber alles bei alten geblieben. Traditioneller, typisch britischer Heavy Metal ist auch weiterhin Programm und diesen beherrscht Bayley fraglos. Auch seine aktuellen Mitstreiter beweisen Kompetenz und wissen die Stimme ihres Herrn und Meisters mit heftigen, aber immerzu harmonischen Metal-Klängen zu untermauern. Ob die Umbenennung der Formation irgendetwas damit zu tun hat, dass der gute Mann nun auch ein eigenes Label am Start hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Tatsache ist jedenfalls, dass sich erneut herrliche „altschulige“ Tracks unter den Kompositionen befinden, die es schaffen werden, von der Bühne aus präsentiert für dampfende Auditorien sorgen zu können. Wer sich von der Live-Power dieses Kerls schon einmal beeindrucken hat lassen, wird wissen, dass BLAZE offenbar dafür geboren ist, live zu spielen - aber auch in der Studiofassung weiß „The Man Who Would Not Die“ zu imponieren.
Ehrlicher, handgemachter Heavy Metal ohne Schnörkel und Firlefanz ist hier ebenso wie der auf den Mastermind zutreffende Titel definitiv Programm.
http://www.planetblaze.com
Walter
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