CDs & DVDs
JUNI/JULI 2008
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GOD FORBID - Beneath The Scars Of Glory And Progression (Century Media/EMI)

Eine vom Umfang her schon mal relativ beeindruckende Doppel DVD bekommen wir von den Krachmachern aus New Jersey zu ihrem zehnjährigen Jubiläum serviert.

In beinahe vier (!) Stunden deckt das Doppelteil so ziemlich alles ab, was man als Fan der Band sehen will. Neben einem einstündigen Heimspiel-Gig im Starland Ballroom, NJ – die Band agiert arschtight, der Saal kocht, aber der Kameramann wackelt etwas zu nervös herum - gibt es auf Scheibe eins noch alle Videos der sympathischen Band, sechs Stück um genau zu sein. Dass einen hier auch akustisch die volle Breitseite erwartet, brauche ich nicht extra zu erwähnen – GOD FORBID sind halt einfach eine der geilsten Thrash/Metalcore-Combos der Ostküste.

Der wahre Overkill erwartet einen dann aber auf DVD Numero zwo: Mit über zwei Stunden schlägt die Doku „Rated R For Real“ zu buche, in dem man ironische, intime, schräge und aufschlussreiche Einblicke in die Band, ihre History, das Backstage-Leben und sonstige Albernheiten bekommt. Der Dreh dürfte den fünf Jungs – vier davon sind übrigens afroamerikanischer Abstammung – sichtlich eine Menge Fun bereitet haben, verarschen sie sich doch selber am laufenden Band, kramen in Kindheitserinnerungen (inklusive kultigen Highschool-Fotos !), präsentieren stolz ihre Mütter und Motorräder und verarschen am Ende noch den Blackmetal (...get it?!). Dazu gibt’s noch Einzelinterviews mit allen Fünfen, und am Ende glaubt man echt schon, man gehört zur Familie – klar, denn so sympathisch und ungezwungen hat kaum eine andere Band der harten Abteilung jemals die Hosen runter gelassen.

Einzig die Untertitel sind Mangelware – die gibt’s weder in deutsch noch in Englisch. Das macht aber nichts, im Grunde genommen versteht man mit normalen Englischkenntnissen alles relativ gut. Prädikat: absolut sehenswert.

www.godforbid1.com

MikerOwavE

PERZONAL WAR – Bloodline (AFM / Soulfood)

Bis zur Veröffentlichung ihrer 2005er Scheibe „When Times Turn Red“ mussten die Siegener PERZONAL WAR immer wieder Vergleiche zu METALLICA über sich ergehen lassen. Das wäre an sich auch nicht so schlimm gewesen, hätte man nicht der Truppe (fälschlicherweise, wie ich noch immer meine) unterstellt, bloß ein Plagiat der Amis zu sein.

Doch wie auch immer, mit jener Veröffentlichung hat sich die Formation definitiv davon frei gespielt, auch wenn ihr einst recht ruppiger, aber immerzu melodischer Thrash Metal seit dieser Scheibe auch eine ganze Ecke moderner ausgeführt aus den Boxen ballert. Mit „Bloodline“ setzen die Jungs nun ihren Weg in Richtung völliger Eigenständigkeit nicht nur eindrucksvoll weiter fort, sondern viel mehr noch ist auffällig, dass PERZONAL WAR nunmehr nicht nur ausschließlich das Gaspedal durchdrücken, um geniale Tracks abzuliefern. Dermaßen abwechslungsreich klangen die Jungs bisweilen noch nie, dennoch ist den Songs nicht zuletzt durch die markante Stimme von Frontmann Matthias Zimmer mehr als nur ein „roter Faden“ anzumerken.

Besonders hervorzuheben ist der meiner Meinung nach jetzt schon als „Klassiker“ des Genres zu bezeichnende Hammer namens „Two Borders“, bei dem die Band Schmier und SACRED REICH-Mann Wiley Arnett als Gäste begrüßen durfte. Aber auch der „Rest“ der Scheibe, egal ob ultra-heftig („All Sides Black“), groovig –thrashig „Shred“ mit Gus Chambers und Manni Schmidt als Gästen) oder schlichtweg Old-schoolig mit besten Grüßen gen Bay Area („Dying Race“) - PERZONAL WAR haben sich mit dieser Scheibe als Fixstern der europäischen Thrash-Elite etabliert, und schon jetzt eine der essentiellsten Thrash-Granaten dieses Jahres abgeliefert.

www.perzonalwar.de

Walter

SUICIDAL TENDENCIES - Lights...Camera...Revolution! (1990) / Still Cyco After All These Years (1993) (Steamhammer/SPV)

Zusammen mit ANTHRAX, den CIRCLE JERKS und D.R.I bildeten die SUICIDAL TENDENCIES aus Venice Beach Ende der Achtziger die Speerspitze dessen, was landläufig “Skater-Metal” genannt wurde.

Der erst später aufgeworfene Begriff „Crossover“ brächte es mehr auf den Punkt: die Tendencies fingen eigentlich als Punkband an und wurden im Laufe der Zeit immer Metal-lastiger. „Lights...Camera...Revolution“ bildet sozusagen den Höhepunkt der Metal-Phase dieser sooft missverstandenen Band rund um Front-Psycho Mike Muir. Immer wieder wurde die Combo ob ihrer doch recht eigenwilligen Optik in die Nähe von L.A.-Gangs gerückt, was sogar zu einem mehrjährigen Auftrittsverbot in der Stadt der Engel gipfelte.

„Still Cyco...“ ist nichts anderes, als das allererste, selbstbetitelte Album nochmals neu aufgenommen. Deswegen passt es musikalisch auch nicht ganz in den Nineties-Kontext – ist aber umso interessanter innerhalb dieses Packages hier: diese beiden Platten in einem Digipack, eine recht eigenwillige Kombination. Hier das solide, Metal-lastige „Lights...Camera...Revolution!“, das damals in sämtlichen Magazinen Spitzenpositionen belegte, dort das ungezwungene, punkig-rotzige „Still Cyco“ (zum Zeitpunkt der Neuaufnahme natürlich auch schon mit einem dezenten Schwermetall-Touch belegt). Eine interessante Konstellation und ein feiner Doppelwhopper für alle, die SUICIDAL TENDENCIES nicht nur mit dem jetzigen METALLICA-Basser Rob Trujillo (der bei beiden Scheiben mit dabei war) in Verbindung bringen.

Still Cyco? Solange das seit Jahren versprochene Comeback-Album auf sich warten lässt, auf alle Fälle!

www.suicidaltendencies.com

MikerOwavE

PRONG - Beg To Differ (1990) & Cleansing (1994) (Steamhammer /SPV)

Ohne Tommy Victors fabulöses Dreigestirn (oder besser: Dreizack!) würde die heutige Metalwelt wohl anders aussehen. Bands wie KORN, NINE INCH NAILS oder MARILYN MANSON berufen sich immer wieder vor allem auf die frühen Werke dieser außerordentlichen Band.

„Beg To Differ“ brachte dem Trio - damals noch mit Ted Parsons (ex-SWANS) an den Drums und Mike Kirkland am Bass – erste Erfolge, und sogar James Hetfield musste damals zugeben, dass die New Yorker ihrer Zeit weit voraus waren. Die eher raue, spontane Attitüde dieses Meilensteins hat auch heute nichts von ihrem Charme verloren – im Gegenteil: Achtzehn Jahre und zig Trends später erweist sich erst, wie zeitlos und visionär „Beg To Differ“ immer noch ist.

Der wirklich große Durchbruch kam aber erst mit „Cleansing“. Was vielen Fans damals aber schon zu tanzbar und charts-orientiert war, ist seitdem aus keinem Metalschuppen mehr wegzudenken. Wer hat nicht sein damals noch vorhandenes Haupthaar zu „Snap Your Fingers, Snap Your Neck“ oder „Whose Fist Is This Anyway“ geschüttelt (ich zum Beispiel. Andi)? Am Bass taucht hier auch ein gewisser Paul Raven (KILLING JOKE, MINISTRY) auf – dessen Leben dreizehn Jahre später ein ziemlich abruptes Ende nehmen sollte.

Die Re-Releases kommen im schlichten, aber schicken Digipack daher, leider ohne zusätzliches Material, dafür mit überarbeiteten Booklets mit Liner-Notes von Jerry Ewing und Malcolm Dome. Bei „Beg To Differ“ wurden einige Feinheiten im Sound herausgearbeitet, wohingegen beim ursprünglich eher klinischen „Cleansing“ die Gesamtstimmung etwas rotziger gestaltet wurde, dadurch klingen sich beide Platten ähnlicher als zuvor.

Natürlich darf man nicht auf „Prove You Wrong“ (1991) vergessen, das ja noch zwischen den beiden Releases stand. Für PRONG-Sammler wird hier nicht viel abfallen, für Neuentdecker hingegen sind diese Wiederveröffentlichungen durchaus empfehlenswert – wo es sich doch bei beiden mittlerweile um echte Kultalben handelt.

www.prongmusic.com

MikerOwavE

KAMPFAR – Heimgang (Napalm/Rebeat)

Ich muss gestehen, dass ich eher mit gemischten Gefühlen an den Lauschangriff auf die vorliegende Scheibe heran gegangen. Warum, das kann ich eigentlich gar nicht so genau sagen …

... aber schon das Intro hat mich eines Besseren belehrt. Meinetwegen könnten die Herren aus dem hohen Norden dieses Riff drei Mal so lang aus den Boxen tönen lassen und es wäre mir immer noch nicht langweilig. Im Anschluss daran lässt der Opener „Inferno“ sofort erkennen, was der Hörer auf „Heimgang“ geboten bekommt. Pagan Folk Metal der feinsten Sorte, gewürzt mit viel Melodie, gut platzierten Tempowechsel und abgerundet durch die bösartig kreischenden Vocals von Shouter Dolk. (Dolk? Dolk to me, baby! Let´s Do The Dolk Walk! I am the Nightdolker! usw. Andi).

KAMPFAR lassen unverkennbar eine kräftige Prise Black Metal in ihre Mucke einfließen, was sich aber nur positiv auswirkt, denn mir persönlich ist die eine oder andere Pagan Scheibe der letzten Zeit ein wenig zu fröhlich ausgefallen. „Heimgang“ wirkt wie eine Ode an die guten alten SATYRICON, DARKTHRONE und Co. -Zeiten und lässt viele wehmütige Erinnerungen aufleben, ohne deshalb verstaubt oder abgekupfert zu wirken.

Napalm Records preisen in ihrem Infoblatt eine glasklare Produktion, dem kann ich nicht unbedingt zustimmen, denn für mich klingt der Sound eher nach Understatement, was wiederum den Flair der 90er Jahre unterstreicht. Anspieltipps zu geben fällt mir schwer, da jede einzelne Nummer für sich ein Kracher ist, aber als Einstiegsdroge eignet sich meiner Ansicht nach „Dodens Vee“ am Besten. Riesendank an die talentierten Nordmänner für dieses Klassealbum!

www.kampfar.com

Anita

SOPOR AETERNUS - Like A Corpse Standing In Desperation – Part 3 (Soulfood)

Es handelt sich hier weder um neues Album noch um eine "Best Of. Sondern um einen Re-Release der dritten und letzten Disc der gigantischen (ausverkauften) Fan-Box "Like a Corpse Standing In Desperation".

„La Chambre D’Echo“ wurde mit der dazugehörigen Schwester „Flowers In Formaldehyde“ in einer Auflage von 2000 Stück veröffentlicht, welche einen Teil der CD-Trilogie der Fan-Box bildete. Dieses Minialbum komplettierte mit zusätzlichen 8 Stücken das letzte reguläre Studiowerk. Ein 32-seitiges Booklet zeigt unveröffentlichte Fotos aus der Aufnahme-Session.

Kurz und bündig: Pflichtkauf für alle Fans.

www.soporaeternus.de

Susanne

KYPCK – Cherno (Century Media/EMI)

Dass die Finnen ein wenig anders sind als Resteuropa, ist allgemeint bekannt. Und sie sind auch ein bisserl...seltsam.

Diesmal gibt es deshalb keinen Rotwein-geschwängerten Liebesmetal und auch kein Humppa-Humppa. Es gibt Doom-Metal mit russischen Texten... jawoll. Die nach der Stadt bzw. dem U-Boot KURSK benannte Combo ist das Geisteskind des ehemaligen SENTENCED-Gitarristen Sami Lopakka, und er macht gemeinsame Sache mit Produzentenlegende Kai H.M.Hiilesmaa (u.a. SEPULTURA, HIM, MOONSPELL), der hier an den Drums sitzt – aber natürlich auch produziert hat.

Das Ergebnis ist über weite Strecken extrem düsterer, schleppender (eh kloa!) Doom-Metal, der fast schon bedrohlich und angsteinflössend wirkt. Da der Sound auch noch ziemlich verzerrt und roh klingt und die Herrschaften ihr gesamtes Erscheinungsbild (inklusive Lyrics) völlig ins Russische transportieren, haben wir am Ende ein sehr stranges Klangelaborat, dass aber durchaus interessant erscheint. Man fühlt sich hie und da an TYPE O NEGATIVE erinnert, bloß dass die New Yorker Düsterheimer im Vergleich zu KURSK nahezu wie Fahrstuhlmusiker wirken.

Die Abhandlung von Themen aus der Russischen Geschichte („Stalingrad“, „1917“, „Christmas In Murmansk“ (Songtitel des Monats, Andi) fügt dem Ganzen eine weitere, dunkle Facette hinzu. „Cherno“ (=Schwarz) wälzt sich lavalangsam aber unaufhaltsam durch einen lichtleeren Raum. Eine schiarche Platte – im positiven Sinn.

www.kypck-doom.com

MikerOwavE

DESPERADOZ - An Eye For An Eye (AFM / Soulfood)

„Aug’ um Auge, Zahn um Zahn“, was auch sonst, als auf Vergeltung erpichte Revolverhelden, erwartet man von einem guten Western-Film und logischerweise auch von einer Band die sich dem „musikalischen Wilden Westen“ verschrieben hat.

Die deutschen Scharfschützen von DESPERADOZ, allen voran deren „Ober-Bandit“ Alex Kraft, haben auch auf ihrem aktuellen Silberteller insgesamt zwölf Kompositionen mit massig Schmackes in der Hinterhand anzubieten, mit denen sie wohl nicht nur die unzähligen Saloon-Damen da draußen erfreuen werden... Die Riffs kommen zielsicher dort an, wo sie auch hingehören, eben ganz im Stile von großen Revolverhelden und auch die Tatsache, dass sich diese Banditen an fremdem Eigentum vergreifen, muss auf Grund der wahrlich gelungenen Version des THE DOORS-Klassikers „Riders On The Storm“ durchaus positiv bewertet werden.

In diesem Sinne: Keep your guns loaded, guys!

/www.losdesperadoz.com

Walter

POISONBLACK – A Dead Heavy Day (Century Media /EMI)

Ich kannte von POISONBLACK bislang nur den Erstling „Escapextacy“ und war dementsprechend von den Klängen der vorliegenden Scheibe etwas überrascht, da ich total verpasst habe, dass Ville Laihiala nun auch die Arbeit am Mikro übernommen hat.

Weiters habe ich den Musikstil der Finnen irgendwie anders in Erinnerung gehabt, aber nach einigen Tagen Gewöhnungsphase kann ich mich nun durchaus mit mehr als 95 % des auf „A Dead Heavy Day“ vorhandenen Songmaterials mehr als nur anfreunden und bin zu dem Schluss gekommen, dass das Album mit einigen wenigen Abstrichen als weiteres Highlight im Schaffen der Jungs um Mastermind Ville zu bewerten ist.

Ich habe allerdings nach wie vor ein Problem mit Songs der Marke „Diane“, da deren flotte Parts meiner Meinung nach einfach nicht dem musikalischen Rahmen entsprechen, welcher der unverkennbaren Stimme von Ville den richtigen Touch verleiht. Gott sei Dank ändert sich das schon in Windeseile beim nächsten Track „Left Hand Behind“, bei dem sowohl Riff als auch Keyboarduntermalung den passenden Schliff für eine verrauchte stimmliche Emotionalattacke bieten. Erster Höhepunkt ist für mich der Titeltrack „A Dead Heavy Day“, wo es so richtig herrlich schwermütig und schaumgebremst zur Sache geht. Bei den folgenden Songs lassen POISONBLACK noch das eine oder andere Mal das eingangs erwähnte „Diane“-Syndrom in die Musik einfließen, aber zu meiner hellen Freude überwiegen doch die tiefsinnigen bzw. düstermelodischen Momente. Bei der Schlussnummer „Only You Can Tear Me Apart“ geht es nochmals wunderbar depressiv und schwermütig zur Sache … Gänsehautsong!

Soundtechnisch hätte man dem Album kein besseres Gewand verpassen können und somit kann ich trotz einiger kleiner Schwachstellen„A Dead Heavy Day“ bedenkenlos zum Kauf empfehlen.

www.poisonblack.com

Anita

WALL OF SLEEP - ..And Hell Followed With Him (I Hate Records)

Diese ungarischen Doomies sind mittlerweile auch bereits bei Langeisen Numero Drei angelangt. Im Anbetracht der Tatsache, dass sich die Burschen, die zu Beginn der 90er Jahre als MOOD ihre Karriere begonnen haben, seit den Anfängen dem traditionellen Doom in Machart der Großmeister des Genres verschrieben haben, braucht man etwaige Veränderungen und Weiterentwicklungen hinsichtlich einer Öffnung des Gesamtklangbildes für „Fremdeinflüsse“ erst gar nicht erwarten und dementsprechende Kost liefern die Magyaren auch ab (Mal im Ernst: wer kapiert solche „Sätze“ beim ersten mal lesen?? Andi).

Pate standen einmal mehr BLACK SABBATH, THE OBSSESSED und SAINT VITUS, aber auch Elemente von „metallischeren“ Doomstern wie CANDLEMASS oder SOLITUDE AETURNUS gibt es auf diesem knapp vierzigminütigen Exkurs in die Welt der Langsamkeit es zu entdecken.

Immerzu basierend auf jenen Klängen, zelebrieren die Burschen ihre Songs, scheuen jedoch auch nicht davor zurück, mitunter geradezu hurtig loszurocken. Auch dabei schaffen es WALL OF SLEEP aber ihre Authentizität zu bewahren und lassen eine mächtige Ladung Dreck aus den Boxen dröhnen. Die Herrschaften aus Ungarn haben einmal ein herzerwärmendes Doom-Gulyas zu offerieren und wie wir alle wissen, ist ein solches auch dann immer noch sehr schmackhaft, wenn es bereits mehr als nur aufgewärmt wurde.

www.wallofsleep.net

Walter

END OF GREEN – The Sick’s Sense (Silverdust/Soulfood)

Autsch. Schon wieder eine CD, die ja eigentlich grundanständig ist, mit der ich aber leider nicht wirklich viel anzufangen weiß. Zu poppig? Zu gekünstelt? Zu angepasst? Ich bin mir nicht sicher, warum der Funke nicht überspringen mag, aber letztendlich ist das wohl auch nicht ausschlaggebend.

Wie soll ich „The Sick’s Sense“ am Besten beschreiben? Die Musik der Jungs pendelt irgendwo zwischen 80er Jahre Gothic-Einflüssen, Pop-Elementen, radiotauglichem Metal, Alternativmucke, ... irgendwie klingt es meist auch gar nicht so schlecht, aber ich kann in den Songs einfach nicht den Tiefgang erkennen, den andere Kollegen der schreibtechnischen Zunft entdeckt haben wollen.

Gesanglich überzeugt Shouter Michelle Darkness genau dann, wenn es eher gothic-mässig zur Sache geht und er sich in den tieferen Stimmlagen bewegt. Bei den rockigen Parts sind mir allerdings auch die Vocals ein wenig zu kommerziell, wobei anzumerken bleibt, dass die abwechslungsreiche Stimme von Michelle durchaus von gesanglichem Können zeigt. Auch an den Fähigkeiten der restlichen Bandmitglieder wage ich nicht zu zweifeln, denn die technische Umsetzung des Songmaterials ist den Germanen sehr gut gelungen.

Somit muss man trotz aller Kritikpunkte fairer weise sagen, dass das vorliegende Album sicherlich abseits der eingefleischten Extrem-Metal Fanmasse großen Anklang finden könnte, da das Material eingängig ist und von einer sauberen Produktion abgerundet wird. Schade, dass ich nicht mehr positive Worte finden konnte, aber schließlich soll man ja auch ehrlich seine Meinung niederschreiben, oder (jo. eh. bist eh brav... Andi)

www.endofgreen.de

Anita

HAGGARD - Tales Of Ithiria (Drakkar/SonyBMG)

Nachdem der Veröffentlichungstermin mehrere Male verschoben wurde – insgesamt um knapp ein Jahr! – steht nun endlich das neue, von vielen mit Spannung erwartete, vierte Album der 15-Mann-Combo HAGGARD in den Regalen.

Asis Nasseri, Chef des ganzen Kammerorchesters und Hauptsongwriter, hat sich diesmal eine eigene kleine Fantasy-Story ausgedacht (das übliche Gut-gegen-Böse-G´schichterl...) und in ein Konzeptalbum verpackt. Eigentlich ist es eine Geschichte mit sieben Kapiteln, dazwischen immer wieder erzählerische Überleitungen. Als erstes fällt mir die relativ kurze Spieldauer auf: 42 Minuten unterm Strich sind nicht grad lange, vor allem wenn gleich vier Songs die 6-Minuten-Grenze überschreiten.

Viel Neuigkeiten gibt’s musikalisch auch nicht zu vermelden – in einer Zeit, wo jede zweite Band irgendwas mit Mittelalter macht, ist HAGGARD eben nicht mehr dasselbe Unikat wie noch vor zehn Jahren. Nasseri`s Gegrowle kontrastiert wie gehabt mit lieblichem Operngeträller, Streicher und Holzbläser duellieren sich wie gewohnt mit Doublebass und zackiger Gitarrenarmada. Mike Terrana – seines Zeichens als Drummer für u.a. RAGE oder MASTERPLAN (und ca. 665 andere, Andi) bekannt – gibt den Erzähler (super. Andi), der uns durch die fantastische Geschichte führt.

„Tales Of Irthiria“ muss man einige Male hören, denn trotz der Kürze passiert hier erwartungsgemäß enorm viel. Wo andere selbsternannte Mittelaltercombos sich immer mehr dem zeitgenössischen Rock anbiedern, bleiben sich HAGGARD wenigstens vollends treu. So birgt dieses Werk keine großen Überraschungen, aber auch keine nennenswerten Enttäuschungen.

/www.haggard.de

MikerOwavE

WOLFS MOON - Unholy Darkness (Pure Steel Records/Twilight)

Zu den Wiederholungstätern aus Überzeugung zählen mit Sicherheit auch die Herren von WOLFS MOON, die mit „Unholy Darkness“ bereits zum sechsten Mal mit einem Langeisen vorstellig werden.

Wie üblich kredenzt uns das Quartett feinsäuberlich strukturierten und wenn schon nicht unbedingt komplexen, dafür mächtig gelungenen, traditionellen, eingängigen und kraftvollen Heavy Metal, der es in sich hat. Nach dem man auf den ersten Alben eine Art durchgehende Geschichte verfolgte, durfte der Titelheld „Duke Of Damnation“ mit dem letzten Werk „Keep Metal Alive“ seine selige Ruhe finden.

Für „Unholy Darkness“ haben sich die Burschen nunmehr ein neues Konzept ausgedacht, als Helden fungieren nunmehr ein gewisser „Kayne“, ein Vampir, und seine Schwester Seline (... ham´s denen in den Grünen Tee g´schifft?? Andi) Auch wenn derlei Stories eher typisch für die Gothic-Ecke sein dürften, wissen WOLFS MOON sehr geschickt ihren traditionellen Metal damit auszustatten, ohne auch nur ansatzweise gen jenen Bereich zu schielen. Die insgesamt elf Tracks basieren zum Großteil auf sehr einprägsamen und dynamisch vorgetragenen Riffs, die Rhythmusfraktion werkt an sich brav und unspektakulär, dafür mit reichlich Punch. Zudem ist das Album von unzähligen Breaks gekennzeichnet und nicht zuletzt dadurch vor zu eindimensionalem Vortrag sicher.

Der aggressive, aber dennoch melodische Gesang von Carsten Pasemann fügt sich gut in das Gesamterscheinungsbild ein und kommt sowohl bei den zahlreichen Up-Tempo-Bangern, ebenso aber auch in den gefühlvolleren Tracks wie „Prayers For The Storm“ harmonisch aus den Boxen. Derlei Sequenzen sind jedoch deutlich in der Unterzahl, zumeist geben WOLFS MOON ordentlich Gas und erfreuen ihre Klientel mit mächtigem Old School-Metal, der zwar nicht gerade vor Innovationsgeist strotzt, aber der Zielgruppe, die sich wohl in erster Linie aus Fans von ACCEPT und JUDAS PRIEST bis hin zu RUNNING WILD zusammensetzen wird, einmal mehr Grund zum Jubilieren geben wird.

www.wolfsmoon.de

Walter



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