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JUNI/JULI 2008
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im Archiv


SHAI HULUD - Misantrophy Pure (Metal Blade/SPV)

Und wieder mal Futter für alle Freunde des mathematisch abstrakten Metals. Wer mit DILLINGER ESCAPE PLAN mittlerweile chronisch unterfordert ist, kann sich mit dem neuen Release der US-Formation SHAI HULUD selber vollbedienen.

Songstrukturen? weitestgehend Fehlanzeige - dafür sind hier die Riffs scheinbar mit der Fibonacci-Reihe als Grundlage aneinandergeklatscht worden. „Misantrophy Pure“ ist eine knappe Dreiviertelstunde gekonnte Sinnesverwirrung auf oberem Härtelevel, und nachher sollte man erst mal ne Pause einlegen und seine Ganglien wieder freiblasen (vielleicht mit MORBID ANGEL oder so?).

Da ich schon wieder zu Übvertreibungen neige, hier noch ein paar knackige Facts: die Band aus New York State, die sich übrigens nach den Sandwürmern aus Frank Herberts „Wüstenplaneten“ benannt hat (hätten wir das auch geklärt), eignet sich für jeden, der AS I LAY DYING, EARTH CRISIS oder sogar VOIVOD nett findet.

Einziger Nervfaktor sind die auf Dauer recht mühsam zu ertragenden Vocals, denen man ruhig ein wenig mehr Handlungsspielraum einräumen hätte sollen. Seis drum, trotzdem ein recht amtliches Teil mit Einflüssen aus Hardcore und Metal gleichermassen, und noch dazu auf oberstem Techniklevel.

www.hulud.com

MikerOwavE

KATAKLYSM – Prevail (Nuclear Blast/Warner)

Ich bin mir relativ sicher, dass „Prevail“ bei denjenigen, die sich schon für das Vorgängeralbum „In the Arms of Devastation“ begeistern konnten, erneut wie eine Granate einschlagen wird

Fans der ersten Stunde werden vermutlich wieder Argumente wie „Kommerz, Massentauglichkeit, Identitätsverlust“ vom Stapel lassen… Sei es, wie es sei. Mir persönlich gefällt „Prevail“ ausgesprochen gut. Eine enorm groovende Rythmussektion (die aber auch nicht verlernt hat, wie man richtig losbolzt), keine allzu komplizierten technischen Verschachtelungen, herber abwechslungsreicher Gesang, supergeile Riffs und insgesamt wunderbar melodiöse Songs, die spätestens beim dritten Durchlauf des Longplayers ihr volles Potential entfalten. Vielleicht mangelt es ein wenig an Abwechslungsreichtum, aber dieses Manko wird durch ungebremste Spielfreude und dem Beherrschen der Instrumente sowie der superfetten Produktion vollkommen ausgeglichen.

Als Anspieltips würde ich „As Death Lingers“ oder die Instrumentalnummer „The Last Effort „Renaissance II) empfehlen. Auch wenn KATAKLYSM jetzt vermutlich für ein breites Metalpublikum zugänglich sind und damit unter Umständen so manches eingefleischte Fan-Urgestein vergraulen, haben sie mit „Prevail“ unbestritten ein solides Werk ohne nennenswerte Schnitzer und Ausfälle abgeliefert. Feine Sache!

www.kataklysm.net

Anita

TÝR – Land (Napalm/SPV)

Unsere Lieblings-Färinger TÝR (sprechen sich übrigens „Tuir“ aus) knüpfen mit „Land“ dort an, wo das Durchbruch-Album „Ragnarok“ endet.

Damit meine ich einerseits, dass man aus den vermeintlichen Fehlern des Vorgängers gelernt hat, und die Songs diesmal kompakter geraten sind – wenngleich sie sich immer noch in sehr abstrakten Breichen bewegen. Andererseits bewegt man sich auf dem damals eingeschlagenen Weg noch mal ein Stück in Richtung Perfektion. TÝR sind eben nicht eine dieser typischen Schwert-und-Blut-Truppen wie etwa AMON AMARTH, sie sind weitaus authentischer und bodenständiger als viele der selbsternannten Viking-Bands. Mit „Ocean“ und dem Titeltrack finden sich auch zwei überlange Epen auf „Land“, die allein die vollste Aufmerksamkeit des Hörers einfordern, ihn jedoch dafür mit wunderschönen, überlieferten Gesängen der Wikinger-Vorväter belohnen. Alles, was TÝR anpacken, hat irgendwie Jahrhunderte alte Vibes, atmet die Geschichte der nordischen Völker und wegen dem durchgehend cleanen Gesang fliesst das Liedgut auch angenehm und rund ins Ohr.

„Land“ ist zwar kein Riesenschritt im Vergleich zu „Ragnarok“, dafür ein wohlüberlegter und sicherlich einer in die richtige Richtung. Ein Must-Have für Genre-Freunde!

www.tyr.net

MikerOwavE

THE MORPHEAN – Divine (Eigenproduktion)

Absolut geile Sache, die THE MORPHEAN mit dieser Eigenproduktion abliefern. Es handelt sich dabei um extrem melodiösen Göteborg-Death Metal mit herrlichem Grunzgesang, einer super aufgebauten Rythmussektion, tollen Riffs und gut akzentuierten Soli.

Weiteres Highlight ist die Produktion von „Divine“, die sich durchaus mit etlichen Outputs von bereits unter Vertrag genommenen Bands messen kann. Natürlich ist an dieser Stelle anzumerken, dass die Herren Biermayr und Co. mit „Divine“ den Death Metal nicht neu erfunden haben, aber sie drücken dem Göteborg Stil durchaus ihren eigenen Stempel auf und erspielen sich damit einen wohl verdienten Platz in diesem Genre. THE MORPHEAN sollten in Zukunft vielleicht nur noch ein wenig drauf achten, dass sie mehr Abwechslung in die Songs bringen, da sonst bei einem vollen Longplayer eventuell leichte Ermüdungserscheinungen auftreten könnten. Abgesehen davon kann ich die Mucke der Jungs jedoch bedingungslos weiterempfehlen und bleibt zu hoffen, dass unsereiner die Songs bald live um die Ohren geknallt bekommt!

www.myspace.com/themorphean

Anita

CRYTOPSY - The Unspoken King (Century Media/EMI)

Bereits das sechste Full-Length-Teil der Frankokanadier CRYPTOPSY kracht uns Ende Mai in die Bude. Und wieder geht`s gewohnt ohne Kompromisse zur Sache, noch dazu derb wie Sau und anspruchsvoller als je zuvor.

„The Unspoken King“ ist defintiv nichts für schwache Nerven und lebt vom ständigen Wechsel zwischen archaischer Härte mit Blast-Gebolze und Brüllorgien und den doch etwas melodiöseren Parts, die ein gewisses Härteniveau aber trotzdem niemals verlassen. Alex Auburn und Brüllwürfel-Neuzugang Matt McGachy liefern sich hier vokaltechnisch ihre Scharmützel, die von Ausnahmedrummer Flo Mounier in gewohnter Weise von hinten darniedergewalzt werden. Wer etwa auf KATAKLYSM steht, wird auch das hier mögen – mit der Ausnahme, dass man sich eventuell gleich ein Flascherl Baldrian für danach bereitstellen sollte.

Wo hier genau die ebenfalls neu verpflichtete Keyboarderin Maggy Durand ihr Können unter beweis stellt, konnte ich allerdings selbst nach mehrmaligem Durchlauf von „The Unspoken King“ nicht genau festmachen. Egal, es knallt wie Hölle und ist technisch fast schon einen Tick zu abgehoben als dass man es in einem Atemzug erfassen könnte.

www.cryptopsy.net

MikerOwavE

HOLLENTHON – Opus Magnum (Napalm/SPV)

Sieben Jahre musste die gespannte Hörerschaft auf das neue Werk der Österreicher HOLLENTHON warten, da Mastermind Martin Schirenc zwischenzeitlich sein Hauptaugenmerk offensichtlich eher auf PUNGENT STENCH gerichtet hatte.

Tja, eines sei vorweg gesagt … es war und ist eine nahezu unlösbare Aufgabe, ein Meisterwerk wie „With Vilest Worms To Dwell“ zu toppen und meiner Ansicht nach ist es den Herrschaften auch nicht zu hundert Prozent gelungen. „Opus Magnum“ ist von den Arrangements her um eine Ecke orchestraler und klassischer wie das Vorgängeralbum ausgefallen, im Gegensatz dazu stehen jedoch die absolut heavy aus den Boxen tönenden Gitarren. Die mittelalterlichen folkloristischen Parts fehlen eigentlich komplett, dafür bekommt man allerdings die eine oder andere skurrile Einlage geboten – das orientalisch anmutende, direkt drogenlastige Fideln beim Schlussong „Misterium Babel“ kann einfach alles - Kult!

Diese unverkennbar aus der Feder von Herrn Schirenc stammende Mischung wird von einem perfekten Schlagzeugsound abgerundet und auch an der glasklaren Produktion aus dem hauseigenen Studio gibt es nichts auszusetzen. Alles in allem grundsätzlich ein klarer Fall von Daumen hoch, aber ich hadere ein wenig mit dem streckenweise uneingängigem Songmaterial und mit dem manchesmal schon zu bombastischem Chorgesang. In diesem Fall wäre für mich weniger in jedem Fall mehr gewesen … ich habe mich auch nach etlichen Stunden Beschäftigung mit „Opus Magnum“ noch nicht ganz an diese neue Seite der Band gewöhnt. Aber ich denke, dass so was Geschmackssache ist und ich kann trotz der kleinen Kritikpunkte die neue HOLLENTHON Scheibe jedermann bedenkenlos weiter empfehlen!

www.hollenthon.com

Anita

HAIL OF BULLETS – … Of Frost And War (Metal Blade Records)

Die Memberlist von HAIL OF BULLETS liest sich wie ein Who is Who der Death Metal Szene. Martin van Drunen (ex Pestilence / Asphyx), Ed Warby (Gorefest), Theo van Eekelen (Ex Houwitser / Thanatos) sowie Paul Baayens und Stephan Gebedi (beide Thanatos). Da kann wohl nicht mehr viel schief gehen, wenn diese genrebekannten Haudegen ihr musikalisches und songschreiberisches Können in einen Topf werfen und kräftig darin umrühren.

Genau aus diesem Grund zählt „… Of Frost And War“ definitiv zu den bisherigen Death Metal Highlights des Jahres 2008. Man könnte es schlicht und ergreifend auch „mitten in die Fresse“ Metal nennen, wobei HAIL OF BULLETS gekonnt die eine oder andere Midtempo Einlage in ihr Kampfgeschwader verpacken, um jedoch umgehend wieder das Gaspedal durch zu treten. Dominantes Element auf „… Of Frost And War“ ist die röchelnde, heisere Stimme von Martin van Drunen, die nach wie vor von der ersten Sekunde an unverkennbar ist. Wäre interessant, in welcher Verfassung seine Stimmbänder nach all den Jahren im Death Metal Geschäft wohl sind? Weiterer Megapluspunkt auf vorliegendem Album ist die grenzgeniale Gitarrenarbeit, die den Songs den absoluten Schlachtmusikcharakter (es handelt sich um ein Konzeptalbum über Hitlers Wehrmacht mit Hauptaugenmerk auf den Russlandfeldzug!) verleiht.

Abgerundet wird dieses Inferno von der fulminanten Arbeit der Rythmussektion sowie den Fähigkeiten und der Erfahrung von Dan Swanö, der diese Scheibe abgemischt hat. Bleibt zu hoffen, dass die Herren von HAIL OF BULLETS beizeiten den Weg auf Österreichs Bühnen finden, damit man sich von diesen Klängen auch live in den metallischen Wahnsinn treiben lassen kann.

www.hailofbullets.com

Anita

ICE AGES - Buried Silence (Napalm/SPV)

Richard Lederer hat es also wieder mal getan. Und das immerhin acht Jahre nach „This Killing Emptyness“. Das Sideproject des SUMMONING-Masterminds, der ja auch noch bei den VERBANNTEN KINDER EVAS zugange ist, sieht sich als Kontrapunkt zum eher Metal-orientierten Hauptbetätigungsfeld des Multitalents.

Die düsteren, unterkühlten Industrialsounds, die noch dazu richtig bedrohlich wirken und nicht wirklich ein System hinter den archaischen Strukturen vermuten lassen, entpuppen sich bei näherem Hinhören als durchaus feine Dark-Ambient-Spielereien, wenn vielleicht auch nicht unbedingt als gut tanzbare. Nicht unbedingt der grosse Stimmungsbringer - aber wie der Name schon sagt: hier wird keine Lagerfeuerromantik verbreitet, sondern der Industrial zelebriert – reduziert, distanziert, entrückt. Das perfekte Kühlmittel also, für alle, die ab 20 Grad zu schwitzen beginnen.

www.iceages.info

MikerOwavE

NAER MATARON – Praetorians (Season Of Mist/rebeat)

Nein ihr könnt beruhigt sein, euer CD-Player hat nix. Das passt schon so.

Dass die Griechen NAER MATARON erst mal so klingen, als würde die CD zu schnell im Schacht zirkulieren, liegt eventuell an der streckenweise etwas dünnen Soundstruktur, aber hauptsächlich am enormen Tempo, das einem hier vorgelegt wird. Leute, so schnell kann doch keiner Doublebass und Blastbeats spielen?! Oder etwa doch...? Wer bisher dachte, Hellhammer wäre das Mass aller Dinge am Extreme-Drumkit, der sollte mal den Herrn Warhead (!) hier ins Ohr fassen. Der Style von „Praetorians“ lässt sich durchwegs als lupenreiner Blackmetal der norwegischen Machart umreissen, und die Vocals sind sogar doppelt gemoppelt: einmal eher gegrunzt und einmal mehr gekreischt, beides jedoch gleichzeitig – was erst mal so klingt, als hätte Gollum Brechdurchfall.

Aber man gewöhnt sich irgendwann ja eh an alles. In die streckenweise arg monotonen, hyperschnell galoppierenden Passagen kann man beim Headbangen schön reinkippen, technisch spielt sich hier dann auch einiges ab und unterm Strich sind NAER MARTARON gar nicht mal schlecht, besitzen mittlerweile sogar ein gewisses Kultpotenzial, Pandabären-Trueness (oder sollte es „Truth“ heissen?) vom feinsten. Da kann man ruhig mal reinhören – aber nur, wenn man einigermassen gute Nerven hat und zu den Blackmetal-Puristen zählt. Lustig, diese Griechen kommen mittlerweile ernsthafter und vor allem nordischer rüber als diverse Bands aus dem hohen Norden. Verkehrte Welt...

www.naermataron.com

MikerOwavE

DOWN TO THE BONE - Münchhausen Stellvertreter Syndrom (Eigenprod.)

Also das hat man auch nicht jeden Tag. Da kommt ne CD einer doch recht hoffnungsvollen oberösterreichischen Formation namens DOWN TO THE BONE daher – nach „Angelmountain“ von 2006 übrigens schon das zweite ofizielle Release – und dann findet man im Factsheet ganz am Schluss die nüchterne Feststellung, dass es die Band eigentlich gar nicht mehr gibt.

Man hat sich aufgelöst. Sehr seltsam, aber wenn man das Argument mit der „Situation für Musikschaffende in Österreich“ heranzieht, dann erscheint es plausibel, dass das Trio mit seinem anspruchsvollen Mix aus Rock mit weiblichen Power-Vocals und fast schon avantgardistischem Metal wahrscheinlich bei sämtlichen Radiosendern und Agenturen angeeckt ist. „Münchausen Stellvertreter Syndrom“ (das gibt’s übrigens wirklich!) präsentiert sich dennoch als mutiger Schritt hin zu einer hierzulande ungewöhnlichen Eigenständigkeit, der den Musikern bei ihren zukünftigen Tätigkeiten (u.a. bei den Progmetallern METATHALAMUS und dem Akustik-Cover-Projekt THE UNPLUGGED) doch die eine oder andere Türe öffnen könnte.

Als Trost für die vorzeitige Trennung gibt’s das gesamte Album auf www.down-to-the-bone.net völlig legal und gratis zum runtersaugen! Na, ist doch auch was....

MikerOwavE

GODS OF EMPTINESS – Consumption Is Freedom? (Bad Lands Records)

Pfuh, die Welt des Grindcore hat sich mir noch nie wirklich aufgetan. Grundsätzlich ist das für mich eher unstrukturierter Lärm ohne Rhythmus, der von gutturalen Lauten begleitet wird. Im Falle von GODS OF EMTPINESS ist das ähnlich, wobei die Lärmmaschinerie glücklicherweise das eine oder andere Mal von Death Metal Einlagen unterbrochen wird.

Objektiv betrachtet ist „Consumption Is Freedom“ vermutlich kein schlechtes Werk, die Songs rumpelpumpeln räudig aus den Boxen, die Produktion ist schön schmutzig und die Spielzeit von gerade Mal einer halben Stunde passt auch wunderbar ins Konzept des Grindcore. Der Innovation sind natürliche Grenzen gesetzt, dem Abwechslungsreichtum ebenfalls … Riesenbonuspunkte gibt es von meiner Seite allerdings für die Lyrics, die zwischen Gesellschafts / Religionskritik und herrlichem Humor pendeln. „Tribute to Mundl“ ist einfach unschlagbar. Danke für diese Sternstunde!

Bevor ich mir jetzt weitere unqualifizierte Kommentare aus den Fingern sauge, empfehle ich jedem Grindcorefetischisten, in die vorliegende Scheibe zumindest reinzuhören. Der Rest der Metallermeute sollte eher die Finger von „Consumption Is Freedom“ lassen, da sonst der musikalische Frust vorprogrammiert ist.

www.myspace.com/godsdofemptiness001

Anita

HATCHET - Awaiting Evil (Metal Blade/SPV)

Soso, die Burschen aus San Francisco - der Urheimat aller Thrashkapellen – wollen also den guten alten Bay-Area-Style retten. Ein gar rühmliches Unterfangen für ein paar Wichte anfang Zwanzig, die die Blütezeit des erwähnten Metal nur noch vom Hörensagen kennen (jaja, lang ists her...).

Umso erstaunlicher ist die Authenzität, die der Debutsilberling „Awaiting Evil“ versprüht. Hier ist man scheinbar wirklich sehr zielorientiert zu Werke geschritten, und das Ergebnis ist eine feine Thrash-Zeitreise back to the Eighties. Sogar dem entsprechenden Sound (remember Drums mit massig Hall drauf?) wurde hier Tribut gezollt, und wenn man das Album zum ersten mal hört, kann man es zeitmässig original mal gar nicht einordnen.

„Awaiting Evil“ macht aufgrund dieser Tatsachen auch total Spass, weil hier allen Trends entgegengearbeitet wurde (lässt man den Retro-Wahn mal ganz bewusst aussen vor), überraschenderweise mal nicht Timbaland der Produzent war und die Jungs noch dazu obergeile Thrashgranaten auffahren, die einem die Nostalgietränen ins Äuglein treiben. Natürlich ist HATCHET hier kein bahnbrechendes Monumentalwerk gelungen, und angesichts der massiven Welle an Bands, die sich gerne „Old-School“ nennen möchten, ist „Awaiting Evil“ vielleicht nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber hier zählt allein der Wille zur Ehrlichkeit, das konsequente Hochhalten der Metal-Flagge. Und genau das haben ja andere Kollegen zugunsten des Kommerz schon längst wieder sein lassen (Namen werden hier keine genannt, you know who you are!).

Also meinerseits ein andächtiges „Bravo!“, ich werde jetzt meine alten EXODUS-Platten und vielleicht auch die eine oder andere SLAYER-Langrille aufpolieren gehen...

www.myspace.com/hatchet2006

MikerOwavE

DEAD SHAPE FIGURE - The Grand Karoshi (Season Of Mist/rebeat)

Zwischendurch mal wieder ordentlich Butter bei die Fische gibts von den Finnen DEAD SHAPE FIGURE, die ihr erstes ordentliches Langspielteil Ende Mai in die Regale wuchteten. Einigen wird die Band vielleicht von der CHIAMAIRA / MAROON – Tour im Frühjahr in Erinnerung sein.

Mit einem ziemlich derben Mischmasch aus Hardcore, Deathmetal und vereinzelt auch Grind-Versatzstücken klingt „The Grand Karioshi“ zwar nicht unbedingt originell wie Sau, dafür kann man aber mit einer wuchtigen, druckvollen Produktion punkten und auch technisch sind die Fünf alles andere als grün hinter den Ohren. Wer`s also etwas würziger mag und wem bei den Songs anderer Metalcore- und Deathmetalbands schon die Füsse einschlafen, dem sei hier ein riskiertes Ohr empfohlen. Vor allem im hinteren Drittel wird hier extrem schmissiges Liedgut aufgefahren, an dem unsere Krachfetischisten ihren Spass haben werden.

www.deadshapefigure.fi

MikerOwavE

LACRIMAS PROFUNDERE – Songs for the last view (Napalm/SPV)

Ganz passabel, was LACRIMAS PROFUNDERE auf “Songs for the last view” bieten, aber irgendwie fehlt mir bei diesem Stück Gothic Rock ein wenig das ganz echte Herzblut, welches Bands dieser Art in den späten 80ern und zu Beginn der 90er in ihre Alben fließen haben lassen.

„Songs for the last view“ ist bei Gott kein schlechtes Werk, aber in meinen Ohren dümpeln die Songs ein bisschen zu radiotauglich vor sich hin und lassen den für diese Musikrichtung so typischen Tiefgang vermissen. Es gibt natürlich auch Ausnahmestücke wie etwa „Veins“, „God’s Ocean“ (hier schrammt der Gesang wunderbar hart an der Kitschgrenze, überschreitet sie aber nie wirklich) oder „Dear Army“ (für mich das Highlight dieser CD!). Bei diesen Tracks zeigen LACRIMAS PROFUNDERE, was sie wirklich drauf haben. Es steht der Musik der Jungs einfach besser zu Gesicht, wenn sie sich von den radio-rockigen Elementen entfernen und ihr Augenmerk auf die dunkle Seite ihres Schaffens richten.

Für die Produktion zeichnet sich einmal mehr John Fryer verantwortlich und er hat seinen Job auch dieses Mal wieder perfekt erledigt. LACRIMAS PROFUNDERE Freunde und solche, die es noch werden wollen, können beruhigt einen Lauschangriff starten, auch wenn das vorliegende Album zumindest mich nur zu 85 Prozent überzeugt hat.

/www.lacrimas.com

Anita



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