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DEMIANS - Building On Empire (Inside Out / SPV) Wenn eine junge Band einen prominenten Fürsprecher hat, ist das zumeist ein Qualitätsmerkmal, weshalb die Prog-Community wohl voll Hingabe diesem Debütalbum lauschen wird. Die Franzosen haben in Steven Wilson nämlich einen Fan gefunden und eben jener zeigt sich von „Building On Empire“ dermaßen begeistert, dass er DEMIANS gleich zu einem der atemberaubendsten Newcomer aller Zeiten hochstilisiert. Dieser Mann verfügt zweifelsfrei nicht nur über kompositorische Fähigkeiten, sondern offenbar auch über Fachwissen und zudem auch über reichlich Einfluss. Deshalb ist es auch wirklich nicht gerade erstaunlich, dass die Franzosen mit mächtiger PORCUPIE TREE-Schlagseite daherkommen. Das von Sänger und Multiinstrumentalist Nicolas Chapel gegründete Projekt DEMIANS, das nun aber sehr wohl auch als Band agiert und in Bälde auch auf den Bühnen ihr Material präsentieren kann, verfügt über ähnlichen Tiefgang wie ihn uns Steven Wilson und seine Bands immer wieder präsentieren. Auch wenn musikalisch hier eine Spur dynamischer zu Werke gegangen wird und das Riffing eher nach US-amerikanischen Proggies vom Schlage ENCHANT klingt, lassen sich weder PORCUPINE TREE noch BLACKFIELD als Inspiration abstreiten. Durch seinen immens hingebungsvoll intonierten Gesang, der nicht nur Gänsehäute erzeugt, sondern auch die lyrischen Ergüsse von „Building On Empire“ perfekt an den Zuhörer zu vermitteln im Stande ist, steht Nicolas wohl im Vordergrund, die luftigen Arrangements geben allerdings den Instrumenten ausreichend Platz zur Entfaltung. Im weiteren Verlauf lassen uns DEMIANS auch noch Zitate zu Gehör kommen, die entfernt an PINK FLOYD und MARILLION erinnern, weshalb diese Band wohl ein besonderes Schmankerl für den Proggie jedweder Geschmacksrichtung darstellen sollte! Walter MOONSPELL - Night Eternal (Steamhammer / SPV) Nach der Vergangenheitsbewältigung auf „Under Satanae“ widmen sich unsere Lieblings-Portugiesen wieder ihrer musikalischen Gegenwart mit Blickrichtung Zukunft. „Night Eternal“ ist überraschenderweise auf dem gleichen Härtelevel wie „Memorial“ angesiedelt (mit leichter Tendenz nach oben) und knallt erst mal ordentlich vor den Latz - was auch Herrn Sorychtas Power-Produktion zu verdanken ist. Der geile Opener „At Tragic Heights“ gibt das (gottseidank wieder) überaus düstere Niveau vor, das in den restlichen acht Stücken nur selten verlassen wird. Auch wenn MOONSPELL seit jeher ein eher zwielichtiges Image pflegen und so manche Fanschar zu spalten wussten, so muss man ihnen immerhin zugestehen, heute eine der konstantesten und besten Metalbands Europas zu sein. Die erwähnte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit beschert uns hier solch grossartige Tracks wie erwähnten Breitwand-Opener , das hypnotische „Dreamless“ (erinnert gar ein wenig an FIELDS OF THE NEPHILIM!) oder die astreinen Metal-Arschtreter „Night Eternal“ , „Shadow Sun“und „Spring Of Rage“ Starkes Teil ohne nennenswerte Qualitätseinbussen.! MikerOwavE TESTAMENT - The Formation Of Damnation (Nuclear Blast/Warner) In den letzten Jahren schien es nicht wirklich gut um diese lebende Legende aus der Bay Area bestellt zu sein. Nach der (gottlob überstandenen) Krebserkrankung von Chuck Billy und den in der ersten Zeit danach erschienen Studioalben war zu befürchten, dass uns die Truppe zwar wohl erhalten bleiben, aber leider nur noch mit, im Vergleich zu den ersten Scheiben ihrer Existenz, durchwachsenen Veröffentlichungen die Ehre erweise würde. Nichts gegen die Alben jener Phase und schon gar nix gegen die Kompetenz der an jenen Scheiben involvierten Musiker, aber TESTAMENT klangen immer dann am effektivsten, wenn Chuck zusammen mit Eric Peterson und Alex Skolnick den Kern des Line-Up gebildet hat. Genau damit haben wir es auch heutzutage wieder zu tun, mit Greg Christian am Bass ist zudem ein weiterer, alter Bekannter in den Schoß der Truppe zurückgekehrt, die nunmehr mit Ausnahme von Drummer Louie Clemente, der von Paul Bostaph ersetzt wird, im Line-Up des Debütalbums am Start ist. Nicht zuletzt dieser Umstand wird wohl einer der entscheidenden gewesen sein, weshalb „The Formation Of Damnation“ als Rückbesinnung auf die Frühzeit der Band betrachtet werden kann. Aber keine Angst, die Songs kommen keinesfalls als altbackener Aufguss von Thrash Metal aus den Boxen, sondern haben von Andy Sneap ein sehr zeitgemäßes Soundgewand erhalten und die Band selbst hat es perfekt geschafft, die alte Schule mit den brachialen Ergüssen der „The Gathering“-Phase zu einer homogenen Melange zu verquicken. Die Dominanz des brillanten Gitarrenspiels von Alex Skolnick kommt keineswegs übertrieben auf den Zuhörer zu, der gute Mann hat sich abermals in die Dienste der Band gestellt und lässt auch seinen Kollegen ausreichend Freiraum um sich zu entfalten. Auch Chuck Bill scheint abermals in Bestform zu sein und röhrt melodiös wie schon lange nicht mehr, in erster Linie aber dürfen TESTAMENT-Jünger über die wohl effizientesten Kompositionen seit langen Jahren applaudieren. Kurzum: Mit einem dermaßen imposanten Album war nicht zu rechen und TESTAMENT haben bereits jetzt die Vorgabe für die gesamte Szene gelegt, wenn in wenigen Monaten über das „Album des Jahres 2008“ abgestimmt werden wird! Walter EPICUREAN - A Consequence Of Design (Metal Blade/SPV) Mit ihrem ersten Album für ihr neues Label Metal Blade gehen die offenbar noch recht jungen Amis von EPICUREAN ins Rennen. Das Sextett aus Minneapolis schafft auf „A Consequence Of Design“ problemlos den Brückenschlag von unterschiedlichsten Genres und hat dabei eine, zwar gewöhnungsbedürftige, zugleich aber auch sehr imposante Melange kreiert, die bislang wohl wirklich nur sehr selten dagewesen ist. Kreativität und Mut zu Neuerungen scheinen bei dieser Truppe an der Tagesordnung zu stehen, wodurch im Endeffekt auch elf Kompositionen entstanden sind, die es in mächtig sich haben. Hinsichtlich der wesentlichen Bestandteile sollte man erwähnen, dass gesangstechnisch herber Thrash/ Metalcore regiert, John Laramy jedoch auch unter Bewies stellen darf, dass er auch mit Klargesang zu überzeugen weiß. Die Keyboards von Jared Schneider sind in erster Linie als „Füller“ der mitunter sehr harmonischen Doppelgitarren eingesetzt, wenn man dem Kerl aber genügend Freiraum gewährt, kann er Einflüsse von symphonischen Metal nicht verbergen und kredenzt flächendeckende Keyboardteppiche, die zusammen mit der teilweise sehr vertrackt agierenden Rhythmusabteilung ein perfektes Fundament für das talentierte Gitarrenduo John Major und Jarod Mills darstellen („sehr vertrackt“ sind heute wohl nicht nur die Rhythmusabteilungen, sondern wieder mal die Satzbauten des Herrn Scheurer... Andi). Die beiden letztgenannten Herrschaften scheinen den Metal in jedweder Form in sich aufgesogen zu haben. Deshalb gibt es gitarrentechnisch auf „A Consequence Of Design“ auch die ultimative Breitseite. Von brutalsten Thrash-Riffs der King-Schule, über melodische, aber dennoch harsche Speed Metal-Passagen, bis hin zu schwer von der alten Schule des Heavy Metal geprägten Leadgitarrenattacke ist ebenso alles vorhanden, wie auch der progressive, verfrickelte Metal nicht zu kurz kommt und eine Vorliebe für moderne Metal-Sounds beim Produzieren ebenso Einzug gehalten hat. Auch wenn es mitunter wirklich schwerfällt die Strukturen von EPICUREAN zu begreifen: hinsichtlich des Hörgenusses muss man dieser Formation schlichtweg zu diesem Album gratulieren, denn es wächst nicht nur mit jedem Durchlauf, sondern klingt zudem auch mit jedem Versuch kompakter und gedeiht dadurch in Summe zu einer abgefahrenen, brutalen, aber dennoch immerzu melodischen Einheit. Walter ECLIPTICA – Impetus (Eigenproduktion) Die einheimischen Melodic Metaller von ECLIPTICA sind zwar mittlerweile auch aus dem Fernsehen bekannt - wenn auch nicht unbedingt aus musikalischem Grund, aber auch an hier aus nachträglich nochmals Respekt an den KollegenJ) - in erster Linie kennt und schätzt man die Band aber auf Grund ihrer musikalischen Leistungen, denn nicht nur für ihr Debütalbum „The Awakening“ konnten erste Lorbeeren eingeheimst werden, auch von der Live-Front hat man bislang nur Positives über ECLIPTICA vernommen. Wenn man sich zudem auch noch vor Augen führt, dass diese Band, die ursprünglich als Soloprojekt von Gitarrist Markus Winkler gegründet wurde und erst knapp ein Jahr in einem konstanten Line-Up zusammenspielt, ihre Live-Premiere als Opener für DEADSOUL TRIBE geben durfte, dazu den einheimischen „Metal Battle“-Contest im letzten Jahr für sich entscheiden konnte und dadurch logischerweise auch in Wacken spielen durfte, darf man getrost von einem vielversprechendem Karriereverlauf reden. Zudem ist sehr positiv zu erwähnen, das sich das Sextett danach keineswegs auf diesen Lorbeeren auszuruhen gedachte, sondern mehr oder weniger unmittelbar nach einer kurzen Club-Tour und einer Umbesetzung am zweiten Sangesmikro (ex-FIRESTORM-Dame Elisabeth Fangmeyer ersetzte Evelin Pieler) bereits mit den Aufnahmen zu „Impetus“ begann. Besagtes Werk kommt als 10-Tracker auf den Hörer zu. Dabei schaffen es die Herren und Dame, sehr abwechslungsreiche Kompositionen abzuliefern, die hinsichtlich Stimmung, Tempo, Emotionsgehalt und Atmosphäre ungemein variabel gestaltet worden sind, aber dennoch zu einer sehr homogenen Melange gedeihen konnten. Basierend auf melodiösem Heavy Metal mit dezentem Bombast-Anteil wissen die Herrschaften an den Instrumenten durch vertrackte Rhythmen und komplex arrangierte Passagen der Chose auch noch einen dezent progressiven Anstrich zu verleihen. Nicht zuletzt dadurch kommen die an sich sehr ohrwurm-stichigen Tracks wie „Carry On“, das definitiv das Zeug zum Single-Hit hat, nicht nur musikalisch hochwertig, sondern auch völlig kitschfrei aus den Boxen. Ebenso frei von jedwedem Schmalz kommen auch die balladesk intonierten Tracks aus den Boxen, die eher schlicht und straff wirken, aber dennoch jede Menge an Emotionen zu vermitteln wissen (die „balladesk intonierten Tracks“ also... Andi). Zu erstehen gibt es „Impetus“ ab sofort über die Website der Band oder aber im gut sortierten Fachhandel, denn zumindest ein Vertrieb konnte in Form von Rebeat gefunden werden. Über die Sache mit dem Deal, der nach der Veröffentlichung von „Impetus“ wohl wirklich nur noch eine Frage der Zeit sein kann, äußere ich mich dann anlässlich des nächsten Albums, über das ich gerne wieder berichten werde! Walter FOREVER SLAVE - Tales For Bad Girls (Wacken Records/ SPV) Was soll denn das bedeuten? Dürfen denn nur böse Mädels dem aktuellen Werk der Spanier FOREVER SLAVE lauschen (wahrscheinlich, Walter, wahrscheinlich. Andi)? Das wäre in der Tat sehr schade, denn die Truppe hat sich im Vergleich zum Debüt „Alice’s Inferno“ erheblich steigern können. Das Quintett, in dessen Reihen sich mit Lady Angellyca eine der angeblichen Aspirantinnen für die Nachfolge von Tarja bei NIGHTWISH befindet, hat vor allem hinsichtlich der Strukturen der Songs immens nachgebessert. Was in der Vergangenheit noch zu vorhersehbar und nach Klischee-behaftetem Gothic-Allerlei klang, ist nunmehr zu einer ausgereiften Melange geworden, die vom Metal bis hin zum Pop ein sehr breites Spektrum abdeckt und diesbezüglich auch gefällig ist. Zugegeben, FOREVER SLAVE sind noch immer nicht unbedingt originell, aber vor allem mit den amtlich gen Popo abzielenden Tracks wie dem Opener „Dickhead!“ oder „My Girl (She Loves Her)“ ist es der Formation sehr gut gelungen in Erinnerung bleibende Kompositionen abzuliefern. Auch wenn die Band nach wie vor wohl in erster Linie an der Performance der Sängerin gemessen werden wird und nicht zuletzt dadurch auch am unverzichtbaren Vergleich zu den bereits erwähnten Finnen vorbeikommen wird, ist ihnen zum Großteil der Sprung aus diesem ohnehin übermächtigen Schatten gelungen. Allerdings sei sehr wohl auch angefügt, dass sich die Spanier mit „Afterlife“ wohl das Eigentor des Jahres geschossen haben. Damit haben sie nämlich einen wirklich gelungenen Track erschaffen, der Lady Angellyca abermals ins Gespräch bringen könnte, sollte die aktuelle Besetzung der Finnen nicht von langer Dauer sein... Es scheint also nicht ganz so einfach zu sein, sich von den Vorbildern zu lösen, auch wenn die eingeschlagene Richtung der Spanier definitiv die richtige ist. Walter TRIBE AFTER TRIBE - M.O.A.B. (Stories Of Deuteronomy) (Rodeostar/SPV) Vor etwas mehr als 20 Jahre emigrierte der Musiker Robbi Robb aus seiner Heimat Südafrika und versuchte von den US Of A aus die damals erschütternden Zustände seines Heimatlandes auf musikalischem Wege aufzuzeigen. Seit den Anfängen durfte man seine Band TRIBE AFTER TRIBE nicht bloß auf deren Klänge selbst reduzieren, sondern musste diese viel mehr als Instrumentarium für sein Engagement betrachten. Daran hat sich auch über all die Jahre nichts geändert, weshalb auch der aktuelle Silberling „M.O.A.B.“ als mehr als nur ein neues Album zu betrachten ist. Was auch immer die Abkürzung bedeuten mag, Interpretationsmöglichkeiten gibt es zur Genüge, doch auf derlei Kleinigkeiten will ich hier erst gar nicht eingehen. Die Essenz des Albums, das abermals als komplexes, in sich geschlossenes Werk aus den Boxen kommt und groovt, als ob es kein Morgen mehr geben würde, ist gemäß dem Künstler Robb diesmal weniger politisch inspiriert und beschäftigt sich viel mehr mit der Existenz des Menschen an sich. Sprich auf „M.O.A.B.“ geht es noch weiter in die Tiefe als es bei TRIBE AFTER TRIBE ohnehin immer schon der Fall war. Zur kunterbunten groovigen Rockmelange gesellen sich teilweise indianisch anmutende Sequenzen, verquere Rhythmen jedweder Art und sogar arabisch-orientalische Fragmente sind auszumachen. Kurz gesagt, TRIBE AFTER TRIBE verkörpern in ihrer Gesamtheit meiner Meinung nach exakt den Begriff „World Music“, wobei sich davon, nicht zuletzt auf Grund des amtlichen Rockanteils, der zu einem nicht unerheblichen Teil auf das einmal mehr exzellente, pumpende und grooveorientierte Bassspiel von Joey Vera zurückzuführen ist, sehr wohl auch Metaller mit breitgefächertem Geschmack angesprochen fühlen sollten. Walter THRASHING LIKE A MANIAC - Sampler (Earach/edel) Es ist kein Geheimnis mehr, dass der Thrash Metal momentan ein Revival feiert! Daran sind nicht nur erneut brillante Scheibletten von alteingesessenen Haudegen wie TESTAMENT oder DEATH ANGEL „schuld“, sondern sehr wohl auch unzählige junge Formationen, derer es 16 Exemplare auf diesem Sampler zu bewundern gibt. Der Untertitel „16 Ripping Cuts Of New School Thrash“ stimmt nicht ganz, denn hier regiert in erster Linie die „alte Schule“. Schon der Einstieg von BONDED BY BLOOD, die ‚Immortal Life’ zum Besten geben und ihrem Namen entsprechend EXODUS-Gedächtnisriffs aus dem Ärmeln schütteln, lassen keinen Zweifel daran aufkommen, worüber sich der Thrash Metal-Lunatic über die gesamte Spielzeit erfreuen darf. Zwar lassen einige der Formationen auch den Thrashcore wieder aufleben, aber auch dieser kommt mit eindeutiger Inspiration aus der Vergangenheit aus den Boxen. Von EVILE, WARBRINGER, FUELED BY FIRE und DEKAPITATOR konnte man auf Grund der Tatsache, dass sie bereits Deals einsacken konnten und ihre Veröffentlichungen dadurch einfach zu erstehen sind, bereits mehrfach hören, aber auch bislang noch nicht wirklich in Erscheinung getretene Truppen wie die Schweden DECADENCE, die mit einer Sängerin am Start sind, die an die junge Sabina Classen erinnert, die Iren GAMA BOMB und die Amis von LAZARUS dürfen Songs beisteuern und können qualitätstechnisch das Niveau ihrer Mitstreiter halten. Bleibt bloß zu hoffen, dass der Thrash Metal anno 2008 nicht zu einer kurzen Revial-Mode verkommt und durch unzählige Nachahmer wieder den Bach hinunter gehen muss. Der Sampler selbst ist sowohl für Alt-Freaks eine Empfehlung, als auch für etwaige Neueinsteiger um sich ein Bild der neuen Generation von Thrash Metal-Bands machen zu können! Walter POWER QUEST - Master Of Illusion (Napalm/SPV) Warum auch immer es dieser Formation bisher nicht gelingen konnte, mit ähnlich aufspielenden Bands aus Finnland, Schweden oder auch Italien gleichziehen zu können, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Mit ihrem melodiösen und kraftvollen Metal, der immer wieder mit neoklassizistischen Zitaten versehen aus dem Boxen kommt, sollte es für diese italienisch-englische Freundschaft zumindest stilistisch, aber auch spieltechnisch kein Problem sein, bei jener Zielgruppe für Freude zu sorgen. Nachdem POWER QUEST nun endlich ein rühriges Label im Hintergrund haben, sollte das Problem für den, nach wie vor unterbewerteten und teilweise wohl noch immer geradezu unbeachteten, Status dieser Band zumindest nicht mehr businesstechnisch zu suchen sein. Hinsichtlich der musikalischen Ausrichtung hat sich im Vergleich zu den erst im letzten Jahr wiederveröffentlichten ersten Scheibltetten „Wings Of Forever“, „Neverworld“ und „Magic Never Dies“ nicht viel geändert, zwingende Melodien bestimmen nach wie vor das Geschehen, für mein Dafürhalten haben sich die Burschen hinsichtlich ihrer songwriterischen Fähigkeiten sogar noch weiter steigern können, denn auf „Master Of Illusion“ sind reichlich Perlen der genannten stilistischen Machart verewigt worden, die zudem auch perfekt umgesetzt und soundtechnisch veredelt zu hören sind. Walter KING’S X – XV (Inside Out / SPV) Auch nach mindestens 20 Jahren im Business und mit dem mittlerweile 15., stilvoll und schlicht „XV“ betitelten Album am Start, haben sich die Herren Ty Tabor, Jerry Gaskill und Doug Pinnick keinen Millimeter von ihrer ureigenen Form des Songwritings entfernt. Anstelle es endlich einmal bewusst damit zu versuchen, auch nur eine „Hit-Single“ abzuliefern, was eben ganz und gar nicht der Intention der drei Künstler entsprechen würde, belassen es KING’S X viel lieber dabei, mit jenen Klängen aufzuwarten, für die sie ihre Fans seit ihrem Debütalbum „Out Of This Silent Planet“ lieben. Gerade diese Attitüde ist es wohl auch, die das Trio zu einem der wohl originellsten im gesamten Musikbusiness werden hat lassen. Kaum eine andere Formation (ausgenommen RUSH, die es trotz ähnlich eigenwilliger Kauzigkeit dennoch zum Superstar-Status geschafft haben) geht mit dermaßen locker-flockigen, immerzu groovigen Tracks und ohne etwaige Trends im Augenwinkel an den Start, liefert Album für Album qualitativ hochwertige Kost ab und ist trotz enormer Musikalität und Anspruch dennoch auch für Nicht-Musiker von Bedeutung. Auf „XV“ scheinen sich die Herren, wenn auch nicht direkt, zumindest aber hinsichtlich der Intention verstärkt, an ihrer eigenen Vergangenheit orientiert zu haben und lassen abermals Songs erklingen, die tonnenweise Groove enthalten, phasenweise amtlich losrocken, und zudem auch ihre seit langen Jahren bekannte Inspirationsquelle, die den Namen THE BEATLES trägt, heraushören lässt. Die erneut von Großmeister Michael Wagener perfekt umgesetzte multiinstrumentale Werkschau aus dem Hause KING’S X enthält essentielle Kompositionen ohne Ende und macht auch schlussendlich „XV“ für jeden Musikliebhaber ohne Scheuklappen interessant. Walter TRIPPING HORSE – Same (Poison Tree Records) Was sich zunächst ein klein wenig nach Größenwahn anhört, nämlich , dass die ursprünglich aus Kärnten stammenden TRIPPING HORSE über den Umweg Los Angeles die Welt zu erobern versuchen, macht schlussendlich durchaus Sinn. Zum einen, weil die zwei Damen und Herren offenbar verdammt gute Kontakte nach Übersee haben und es keineswegs fehlerhaft sein kann, so etwas auszunutzen. Zum anderen sei aber auch erwähnt, dass ihre Klänge sehr wohl auch in den Staaten Freunde finden könnten. Mit einem eigenwilligen und eigenständigen Mix aus hartem Rock, Metal, einer kleinen Portion modernem Thrash und einer wohligen Dosis Stoner Rock geht das gemischte Doppel ins Rennen und versteht es zudem auch bereits sehr gut, mit markanten Melodien aufzuwarten. Die Produktion kann ebenso als „internationalen Standards entsprechend“ bezeichnet werden und zudem beweisen TRIPPING HORSE auf diesem Debüt nicht nur den Mut, eine sehr eigenbrötlerisch wirkende Mischung zu veröffentlichen, sondern darüber hinaus auch ihre Kompetenz Songs zu schreiben. Diese sind in Summe trotz schier unvereinbarer Anleihen zu einer in sich stimmigen Melange gediehen und lassen zu Recht auf Erfolg hoffen. Vor allem „Frightened Out Of Heaven“ geht mächtig ins Ohr, ja, damit haben TRIPPING HORSE definitiv einen Track mit mächtig Hitpotential am Start. Mit diesem, im weitersten Sinne als “Alternative Metal-Mix” zu bezeichnenden, Stilgebräu haben die Kärntner durchaus das Zeug um amtlich durchzustarten, und das nicht nur zwischen Villach und Klagenfurt, sondern sehr wohl auch in allen anderen Metropolen fernab ihrer Heimat. Walter WALLS OF JERICHO - Redemption (Trustkill/SPV) Was auch immer diese Band dazu bewogen haben mag mit einem Akustik-Album aufzuwarten, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, doch die an sich schwer im derbsten Hardcore verwurzelten WAALLS OF JERICHO wissen hiermit definitiv zu überraschen. Auf „Redemption” machen uns die Amis nicht nur auf ihre offensichtlich vorhandene, romantische Ader aufmerksam, sondern stellen zudem auch unter Beweis, dass sie es nicht nur drauf haben, mächtigen Krach zu machen. Zusammen mit Produzent Corey Taylor (ja, genau DER!) hat das Quintett fünf Tracks eingespielt, die lediglich von akustischen Gitarren getragen werden und mitunter regelrecht zerbrechlich wirken, von Streicherarrangements aber gehalten werden und zudem geradezu charttauglich ausgefallen sind. Zusätzlich kann auch Frontdame Candace Kucsulain beweisen, dass ihre Singstimme eine verdammt angenehme und unter die Haut gehende ist. Von wegen, das Mädel brüllt sich bloß die Lungenflügel aus dem Körper! Corey selbst unterstützt Band und Sängerin am Mikro in ‚Ember Drive’, ‚My Last Stand’ und im finalen ‚Addicted’, einer Nummer für die er wohl mit STONE SOUR unvermittelt Anspruch auf einen Hitparadenplatzierung hätte. Ob das auch WALLS OF JERICHO gelingen kann, bliebt abzuwarten, aber gut gemacht haben die Amis ihre Aufgabe sehr wohl, auch wenn wir „House Of The Rising Sun“ schon wesentlich besser umgesetzt gehört haben. Walter HEIDEVOLK - Walhalla Wacht (Napalm/SPV) Pagan / Folk Metal ist im Moment gerade zu einer Art „Selbstläufer“ geworden, wie nicht zuletzt auch das ausverkaufte „Paganfest“ in unseren heiligen Hallen unter Beweis gestellt hat. Dass neben den nunmehrigen Genreführern aber wohl demnächst auch noch zahlreiche weitere Bands in diesem Segment aufspielen werden, und das in wohl unglaublicher Vielzahl, steht dabei auf einem anderen Blatt. Allerdings existieren sehr wohl auch Gruppen, die sich bereits seit langen Jahren dieser Musik mit Haut und Haar (bzw. Fellröckchen oder was auch immer…) verschrieben haben und demnach definitiv nicht als Trendreiter zu bezeichnen sind. Mit zu den altgedienten Formationen zählt das niederländische HEIDEVOLK, das seit gut sieben Jahren aktiv und im Underground keinesfalls mehr unbekannt ist. Das Septett hat es nach zwei EPs, einem Longplayer und unzähligen Gigs nun endlich geschafft bei einem Label unterzukommen und wird diesen Umstand in Zukunft hoffentlich auch zu nutzen im Stande sein. „Walhalla Wacht“ kommt, wie dessen Vorgänger auch, ohne Pomp und Firlefanz aus, kredenzt uns einmal mehr die extreme folkloristische Variante von Metal und das mit mächtig Druck und nur ganz wenig Bombast. Soll heißen, HEIDEVOLK zelebrieren ihre Musik unverfälscht, das Instrumentarium ist zwar üppig, aber wahrlich passend und ebenso puristisch wie auch der Metal-Anteil unverfälscht aus den Boxen kommt. Zudem kredenzen uns die Herrschaften ihre Klänge mit Texten in ihrer Muttersprache, wodurch die Originalität noch wenig ansteigt. Um etwaige Anschuldigungen gleich von Beginn an auszuschließen, hat die Band auf ihrer Website unmissverständlich klar gemacht, mit politischen Aussagen nichts am Hut zu haben. In ihren Tracks behandelt die Formation zwar sehr wohl geschichtliche Themenkreise und lässt uns einigermaßen die Welt der Friesen und Sachsen eintauchen (juhu. Andi), doch das auf völlig wertungsfreie und ganz und gar nicht bedenkliche Weise. Als Vergleich sind vor allem hinsichtlich der mitunter recht harschen Vorgangsweise am ehesten TURISAS zu nennen, ansonsten schafft es das HEIDEVOLK sehr eigenständig zu klingen. Walter KREATOR - At The Pulse Of Kapitulation (Steamhammer / SPV) Mille und seine Mannschaft nehmen uns auf diesem üppigen Tondokument, das aus einer DVD und einer CD besteht, mit auf eine musikalische Reise ins Jahr 1990. Die Band war kurz davor mit „Coma Of Souls“ durchzustarten und die Welt mit ihrem Thrash Metal zu erobern und genau das taten KREATOR in Folge auch. In eben jener Zeit hatte die Band zudem die Ehre, in der damals noch existierenden, wenn auch bereits im Zerfall befindlichen, DDR zu gastieren. „At the Pulse Of Kapitulation“ beinhaltet das erste Konzert der Band im damaligen Ostberlin, genauer gesagt in der „Werner-Seelenbinder-Halle“ anlässlich eines von ihrer damaligen Plattenfirma organisierten Festivals. Zusammen mit TANKARD, CORONER und SABBAT ließen KREATOR den Osten Berlins erbeben und die Herzen der ostdeutschen Thrasher mit unvergesslichen Perlen von „Extreme Aggression“, über „Toxic Trace“ und „Riot Of Violence“, bis hin zu „Love Us Or Hate Us“ höher schlagen. Die zu jenem Zeitpunkt in der Halle zu spürende Stimmung konnte sehr gut auf Tondokument festgehalten werden und so kommt der Livemitschnitt nicht nur authentisch, sondern auch druckvoll und mächtig aus den (Fernseh)boxen. Würde man den Jungs nicht optisch anmerken, dass einige Jahre vergangen sind, könnte man durchaus auch meinen, einem „KREATOR goes back to roots“-Gig beizuwohnen. Neben diesem fulminanten Auftritt enthält die DVD zudem auch eine sehr umfangreiche Doku mit dem Titel „The Past And Now“ und obendrein auch noch ein Remake des anlässlich der Veröffentlichung von „Coma Of Souls“ gedrehten Horrorfilm „Hallucinative Comas“. Sämtliche anno dazumal der Zensur zum Opfer gefallenen Sequenzen sind in diesem „Director’s Cut“ enthalten und machen „At The Pulse Of Kapituation“ zu einem umfangreichen und intensiven Thrash Metal-Vergnügen. Walter WINTER’S VERGE - Eternal Damnation (LMP) Zypern zählte für mich bislang zu den noch unbefleckten Plätzen dieser Welt, wenn es um das Vorkommen von Metal-Bands gegangen ist. Doch mit WINTER’S VERGE schickt auch diese Mittelmeerinsel einen Vertreter ins Rennen. Ganz neu und unerfahren ist das aus Nicosia stammende Quintett aber auch wieder nicht. Bereits im Jahre 2005 erschein ein erstes Demo mit dem Titel „Another Life…Another End“. Die vier Tracks davon wurden danach auch auf dem ebenso betitelten ersten Longplayer, der 2006 im Umlauf gebracht werden konnte, verewigt. Davon beeindruckt waren wohl auch die Macher von LMP, denn man bot den Zyprioten einen Deal an und veröffentlicht nun das „wirkliche“ Debütalbum „Eternal Damnation“. Eigentlich haben wir es ja eher mit einem Re-Release zu tun, denn es handelt sich lediglich um die Neuaufnahme dre Tracks von „Another Life…Another End“, die jedoch von MYSTIC PROPHECY-Fronter und Soundbastler R.D.Liapakis mächtig aufgefettet wurden. Nicht zuletzt deshalb haben es WINTER’S VERGE geschafft ihren an sich sehr melodiösen Metal mit einer immensen Ladung Power auszustatten. „Lia“ scheint sich vor allem um die Gitarren und Drums angenommen zu haben und so brilliert Tastendrücker Stefanos in den eher komplexer angelegten Momenten und epischen Passagen, ansonsten lässt er seinem Kollegen an der Gitarre den Vortritt. Im direkten Vergleich zu manchen skandinavischen Formationen, die ähnlich zu Werke gehen, fehlt es der Truppe leider noch an zwingenden Hooks, weshalb das Quintett auch noch nicht wirkliche potentielle Hits am Start hat. Doch vor allem in den eher straighteren Tracks wie ‚A Secret Once Forgotten“ wissen die Inselbuben bereits sehr wohl zu beeindrucken und fahren ein sattes Metal-Brett, das aber dennoch Melodien ohne Ende in petto hat. Vielleicht täte es gut ihre Kompositionen beim nächsten Mal generell ein klein wenig straffer zu arrangieren, denn so kommt die Sache schon gut aus den Boxen. Ungemein wichtig scheint es mir aber, erneut R.D. mit der Produktion zu beauftragen, denn dann klappt es bestimmt auch, den Zuhörer auch in den Popo zu treten, was auf „Eternal Damnation“ leider nur mit einigen Tracks gelingt. Walter TORTURE SQUAD – Hellbound (Wacken Records/SPV) Diese Brasilianer scheinen einen ganz besonderen Bezug zu Norddeutschland zu haben. Nicht nur, dass sie ihre Heimat im letzten Jahr beim „Metal Battle“ anlässlich des Wacken Open Airs vertreten durften und schlussendlich daraus als Sieger hervorgegangen sind - die Inhaber von Wacken Records (und Macher jenes Mega-Events) haben sich die Band auch gleich gekrallt und unter ihre Fittiche genommen, um der Welt nunmehr das neue Album (das bereits fünfte Studioalbum übrigens, denn es handelt sich hierbei keineswegs um Newcomer) des Quartetts mit dem Titlel „Hellbound“ zu präsentieren. Darauf bietet die Formation ein Intro und insgesamt neun Exemplare von räudig-sympathischen, dezent rumpeligen, aber keineswegs schwachbrüstigen Thrash Metal mit reichlich Inspirationen von der alten Schule. Mitunter kommen auch Death Metal-Einflüsse hinzu, doch diese bleiben über die gesamte Spielzeit eindeutig in der Unterzahl und fetten lediglich den Tracks auf. Zudem machen TOTURE SQUAD offenkundig auch kein Hehl aus ihrer Herkunft und unterspicken ihre Tracks mitunter gar mit heimatlichen Klängen. Soll heißen lateinamerikanisch anmutende Gitarrenklänge sorgen zusätzlich immer wieder für Abwechslung. Trotz ihrer an sich recht herben Mischung gelingt es diesen Burschen aber dennoch die Songs mit Hooks und zwingenden Melodien auszustatten, so dass „Hellbound“ ein in Summe sehr gelungenes Gesamtwerk geworden ist, aus dem aber mit „Chaos Corporation“, „The Beat Within“ und „Twilight Of Mankind“ sogar noch einige Hitkandidaten herausstechen. Walter BEARDFISH - Sleeping In Traffic: Part Two (Inside Out/SPV) Wie unschwer am Titel zu erkennen ist, setzen die Herrschaften von BEARDFISH auf ihrem aktuellen Silberling musikalisch dort an, wo sie im letzten Jahr mit „Sleeping In Traffic: Part One“ aufgehört haben. Darüber hinaus geht aber auch die von der Formation damit begonnene Geschichte selbst weiter. Die, wenn auch von den Schweden nicht als solche titulierte, Konzeptstory handelt von einem Tag im Leben eines Menschen. Was mit dem Sonnenaufgang auf „Part One“ begonnen hat, setzten die vier Musiker als Lauf jenes Tages nun fort und beenden ihr Werk mit dem Titeltrack, in dem der Protagonist abermals zur Nachtruhe begibt und zu träumen beginnt. Hinsichtlich der Texte muss auch noch hinzugefügt werden, das BEADRFISH keinerlei großartigen Moralitäten zum Besten geben, sondern ebenso locker und querbeet durch Realität und Fiktion texten, wie sie auch aufgeigen. Musikalisch betrachtet geht es ebenso mannigfaltig und kunterbunt zur Sache. Basierend auf fein strukturiertem Prog Rock der von Altmeistern wie GENESIS ebenso inspiriert scheint wie von aktuelleren Formationen dieses Genres, kredenzen uns die Nordlichter abermals herrlich luftig arrangierte, mitunter gar von an Musicals erinnernden Sequenzen durchzogene Kompositionen, die durch das fulminante Spiel Richard Zackrisson an der Klampfe aber auch mehr als nur einmal in Richtung Heftigkeit tendieren. Herzstück dieses Album (und auch des gesamten „Werkes“) ist logischerweise der Titeltrack, der es auf knapp 36 Minuten Spielzeit bringt und die stilistische Vielfalt der Band in relativ geballter Form offenbart. Sehr gespannt darf man auf die in Bälde stattfindende Tournee von BEARDFISH sein, welche diese Truppe zusammen mit THE TANGENT und RITUAL absolvieren wird. Leider macht der Tross zwar vorerst einen Bogen um die Alpenrepublik, aber ganz aufgeben sollte man BEARDFISH noch nicht, schließlich weiß man nie, mit wem die Herrschaften von CONXIOUS noch so alles befreundet sind... Walter |
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