CDs & DVDs
APRIL 2008
Weitere Reviews
im Archiv


WARREL DANE - Praises To The War Machine (Century Media/EMI)

Jemanden von der Qualität des Gesangs von Warrel Dane zu überzeugen, hieße sprichwörtlich Eulen nach Athen tragen – oder, um dem Klischee seiner Heimatstadt gerecht zu werden, es in Seattle regnen zu lassen.

Der NEVERMORE-Sangesgott stellt dieser Tage sein erstes Solo-Scheibchen in die Läden und zeigt sich darauf musikalisch von einer etwas anderen Seite. Klar ist den Tracks durch die prägnante Stimme immer noch der Originator anzumerken, doch zusammen mit dem ehemaligen SOILWORK-Klampfer Peter Wichers, ex-HIMSA-Saitendehner Matt Wicklund und SOILWORK-Drummer Dirk Verbeuren hat Meister Dane zwölf Tracks aus dem Ärmel geschüttelt, die keineswegs so heftig aus den Boxen ballern, wie man es von ihm gewohnt ist und zudem auch weniger abgefahren und straighter angelegt sind. Auf der Gegenseite hat Warrel aber in Sachen Tiefgründigkeit mächtig zugelegt und gibt obendrein auch mehr von seinem Seelenleben preis als üblich, wodurch das Album an Intensität kaum zu überbieten ist.

Wesentlich zum Gelingen dieses akustischen Gesamtkunstwerkes haben neben der Musik einmal mehr die Texte aus der Feder des Meisters beigetragen. Und sie sind es auch diesmal, die dem Album quasi das letzte Quäntchen an Tiefenwirkung verleihen. So singt Warrel unter anderem von seinem an Leukämie erkrankten Bruder (‚Brother’), von einem alten Mann aus der Bekanntschaft seiner Mutter (‚This Old Man’), der ihm als Kind immer wieder mit Geschichten erzählt hat und offenbart zudem einiges mehr aus seiner Privatsphäre (‚Let You Down’).

Aber nicht nur in den Lyrics hat sich Warrel mit älteren Personen befasst, auch an der Musik so mancher älterer Zeitgenossen scheint er noch immer Gefallen zu finden. Mit ‚Patterns’ versucht sich der Ami abermals gekonnt an Simon & Garfunkel, wenn gleich diese Version nicht ganz mit der Genialität der „Hackschnitzelversion“ von „The Sound Of Silence“ seiner Stammformation mithalten kann. Und auch die nicht mehr unbedingt jugendlichen THE SISTERS OF MERCY kommen auf diesem Album zu Ehren. Das dunkles Timbre von Warrel verleiht ‚Lucretia My Reflection’ einen im Vergleich zum Original wesentlich tiefschürfenderen Klang und lässt diese Coverversion zu einer der besten in letzter Zeit gedeihen.

Aber auch ohne Fremdkompositionen sollte „Praises To The War Machine“ als eines der ersten Highlights dieses Veröffentlichungsjahres gefeiert werden – und das nicht nur von, ähem, älteren Herren.

www.warreldane.com

Walter

THE AMBERLIGHT – Play (Superball/SPV)

PostRock? NewArtRock? WeissderGeierwasRock?

Ich fürchte, bei „Play“ muss man die ach so gern gebrauchte Kategorisierungen einfach mal beiseite lassen. Habe keine Ahnung, was genau nun aus den Boxen dröhnt, aber es ist mit einigen Abstrichen durchaus gut gelungen.

Was gefällt, sind die düster angehauchten Songs wie etwa der Opener “Moody“ oder auch die zweite Nummer „All over soon“ , die zum Teil an die gute alte Gothic Mucke (wollten wir nicht nicht kategorisieren??? Mist! *ggg*) a la LOVE LIKE BLOOD oder CHILDREN ON STUN erinnern - ein wenig unterproduziertes Drumming, herrliche Gitarrenlinien, gut akzentuierter Bass und perfekt aufgebautes Songwriting. Auch die langsamen Stücke wie „The deep twist“ sind durchaus überzeugend und schaffen durch ihren schwermütigen Touch jede Menge Atmosphäre. Der absolute Gänsehautsong ist jedoch der vorletzte Track „No love lost“ … psychedelisch, Endzeitstimmung, Depeche Mode lastig … ein Schmankerl!

Für meinen Geschmack hätten durchaus mehr Songs so ausfallen können, denn ich finde, dass THE AMBERLIGHT genau in solchen Momenten all ihre Stärken perfekt in Szene setzen und so richtig eigenständig klingen.

Was mich auf weiten Strecken des vorliegenden Albums allerdings nicht restlos überzeugt hat, ist der Gesang, denn er ist subjektiv betrachtet phasenweise ein wenig zu oberflächlich und kommerziell ausgefallen. Sonst jedoch kann ich „Play“ absolut weiter empfehlen, wobei jedoch Metal-und-sonst-nix-Freunde eher die Finger von diesem Silberling lassen sollten, da metallische Härte oder zumindest Einflüsse darauf kaum bis nicht vertreten sind.

www.theamberlight.de

Anita

ETHS - Tératologie (Season Of Mist)

Soso, das wird uns also als Metalcore angepriesen. Die aus Marseille stammenden ETHS kommen in erster Linie aber wie eine Mischung aus einer progressiven Gothic-Metal-Combo und einer ziemlich düsteren Version von ISIS rüber.

Strange vor allem der französische Gesang (sorry, Leute, an Texte in dieser Sprache werd ich mich wohl nie gewöhnen...). Das ganze klingt nicht mal uninteressant und bisweilen sogar ein wenig „krank“ – allem der Gesang von Candice, der zwischen Trällerelse und Grindcore-Gegrunze pendelt (Respekt, meine Dame!). Insgesamt ist „Tératologie“ ein ziemlich schwer verdaulicher Brocken, der durchaus seine faszinierenden Momente hat und für den man sich schon mal ein, zwei Stunden Zeit nehmen muss.

Etwas für alle, die wieder mal was anderes probieren möchten...

www.season-of-mist.com

MikerOwavE

DIVINITY – Allegory (Nuclear Blast/Warner)

Tja, was mach ich bloß mit „Allegory”? Auch beim x-ten Durchlauf springt der Funke nicht ganz über, irgendwie schwanke ich zwischen Gefallen finden und genervt sein.

Und das passiert leider mitunter innerhalb eines Songs, denn streckenweise prügeln die Kanadier herrlichen Death Metal aus den Boxen, der absolut professionell wirkt und durchaus mitreißt. Sekunden später wird jedoch genau die gleiche Nummer zu einem einzigen Mischmasch aus abgehackten Riffs, Tempogebolze und Gekreische, welches ohne Übergang in einem fast schon kitschigen Solo seine Unterbrechung findet, um dann wahlweise mit klarem Gesang in die Progressivrichtung abzudriften oder aber endgültig im Chaos zu versinken.

Abwechslung in allen Ehren, aber ich bin damit öfters schlichtweg überfordert und stelle mir die Frage, ob es wirklich notwendig ist, so viele Einflüsse in ein einziges Stück zu verpacken.

DIVINITY sind zweifellos ambitioniert und auch talentiert, sie versuchen, sich nicht in eine Schublade einordnen zu lassen, aber irgendwie überholen sich die Jungs mit ihrem Songwriting leider immer wieder selber frei nach dem Motto „weniger wäre mehr“. Solange sie kontrolliert beim brutalen Death Metal bleiben und selbigen mit einer Prise Metalcore würzen, überzeugen sowohl die Produktion wie auch die musikalischen Qualitäten dieser Band.

Bleibt zu hoffen, dass DIVINITY beim nächsten Album ein wenig schaumgebremster zu Werke gehen, dann haben sie sicherlich ihren Platz in der Nuclear Blast Riege verdient.

www.divinity.ca

Anita

ATROX – Binocular (Seasons Of Mist)

Vor eine relativ große Herausforderung wird man beim fünften Full-Length-Album der Norweger ATROX gestellt.

Hier wird druckvoller Powermetal mit relativ breitwandigen Elektronik-Spielereien veredelt, was das ganze mehr als einmal in die Nähe der Australier ALCHEMIST rückt. Anspruchsvoller, verspielter und nicht gerade beim ersten Hören in seiner Gesamtheit erfassbarer Metal ohne Anspruch auf irgendein Etikett – das ist gut so!

Tracks wie das hypnotisch-abgehackte „Traces“ , die Elektro-Rock-Walze „Tight Tie“ oder der jazzig-durchdachte Titeltrack zeugen von einer reifen Band, die alles andere als Trittbrett fährt und ihr Ding kompromisslos durchzieht. „Binocular“ bildet den bisherigen Schaffenshöhepunkt dieser schon seit 20 Jahren (!) existierenden Band und man sollte sich diese musikalische Traumreise auf keinen Fall entgehen lassen!

www.season-of-mist.com

MikerOwavE

ILLDISPOSED – The Prestige (AFM/Soulfood)

Also vorweg mal gesagt, der echte ILLDISPOSED Kenner war ich noch nie und ich habe mich zugegebenermaßen bislang auch nicht besonders mit dem Werdegang bzw. den Veröffentlichungen dieser Band befasst. Gekannt ja, live gesehen ebenfalls, aber das war es dann auch schon.

Nun ist mir vorliegende Promo in die Hände gefallen und ich hab mal vorab ein paar Reviews der Konkurrenz im Internet studiert, um mir ein Bild von der Band zu machen. Da ist die Rede von cleanen Vocals, Synthies oder Samples … interessant … denn von all diesen Effekten ist auf „The Prestige“ nix zu hören. Das Album bietet grundanständigen groovigen Death Metal, der relativ zeitlos klingt und der weder großartige US-Einflüsse noch massive Schweden-Death-Anleihen durchscheinen lässt.

Von Midtemposongs bis Galoppeinlagen gibt es die gesamte Bandbreite des Death Metal zu hören, die Vocals von Shouter Bo Summer grunzen relativ eintönig, aber nie nervig aus den Boxen und die Produktion ist absolut gekonnt ausgefallen. Mir persönlich gefällt vor allem die Gitarrenarbeit extrem gut, die zwar nicht unbedingt gravierende technische Meisterleistungen aufzeigt, den Songs aber immer einen herrlich melodiösen nachvollziehbaren Schliff verpasst.

Einziger Minuspunkt ist die kaum vorhandene Abwechslung, denn die einzelnen Tracks unterscheiden sich nicht wirklich besonders voneinander und nach einiger Zeit verfällt man als Hörer in eine gewisse Agonie, die erst ein Ende findet, wenn die letzte Nummer ausgeklungen ist.

Als ILLDISPOSED Dilletant kann ich durchaus zum Reinhören in diese Veröffentlichung aufmuntern, aber es scheint, als ob die Fanschar der Band offenbar wenig Liebe für „The Prestige“ aufbringen kann, was ich leider aufgrund zu Beginn angeführter Fakten nicht hundertprozentig nachvollziehen kann.

www.illdisposed.dk

Anita

BURNING SKIES - Greed.Filth.Abuse.Corruption (Lifeforce)

Das dritte Machwerk der aus Bristol stammenden Extrem-Metaller BURNING SKIES bringts auf den Punkt: in nicht mal einer halben Stunde wird alles kurz und klein gprügelt, was nicht bei Drei auf dem Baum ist (Vergleiche zu einer gewissen SLAYER-Platte drängen sich leider trotzdem nicht so wirklich auf...).

Da ist nichts überflüssig und auf die üblichen, langweiligen Strophe-Refrain-Schemata lassen die Fünf einen feuchten Furz. Bei Songlängen zwischen einer und drei Minuten aber trotzdem halbwegs technisch versiert zu klingen und noch dazu unterschiedliche Stilelemente vom Blackmetal bis zum Grindcore einzubinden ist das eigentlich Kunststück dieser ordentlich fetten Latte. Elf Voll-auf-die-Zwölf-Tracks (höhö!), wo keine Fragen offen bleiben. Geiles Zeuch!

www.burningskies.co.uk

MikerOwavE

COMMANDER – The Enemies we create (Bad Land Records)

„The Enemies we create“ ist für mich ein wirklich nicht leicht verdaulicher Brocken Extrem-Metal.

Das liegt wohl kaum daran, dass die Musik so wahnsinnig viel Innovation bietet, auch nicht an etwaigen komplizierten Songstrukturen oder sonstigem Firlefanz. Nein, ich werde einfach nicht zu hundert Prozent warm mit diesem Output und frage mich die ganze Zeit, woran das liegt, denn eigentlich liegt kein Grund für negative Emotionen vor.

COMMANDER sind durchaus gute Songwriter, die Umsetzung des Materials ist im Studio absolut gut gelungen und das Album bietet ein abgerundetes Hörvergnügen voller durchdachter Songs, die absolut ihre Daseinsberechtigung haben. Die Mischung aus Death Metal (Vader lassen grüssen?) und genrefremden Einlagen bei dem ein oder anderen Song wie cleaner Gesang, oder gut platzierte Thrash-Anleihen ist wirklich gut in Szene gesetzt, aber trotzdem bleibt bei mir der Begeisterungssturm a la MISERY SPEAKS (die ja wohl auch keine Weltmeister der musikalischen Neuerungen sind) aus.

Das liegt mit Sicherheit nicht am technischen Können der Musiker von COMMANDER oder gar an der soliden Produktion, die sich ohne Zweifel von der Veröffentlichungsflut der letzten Jahre abhebt. Irgendwo warte ich letztendlich bei jedem Durchgang auf den zündenden „Aha-Effekt“, der sich bislang noch nicht eingestellt hat und wohl auch ausbleiben wird.

Sorry für das etwas verwaschene Review, aber macht Euch am Besten selbst ein Bild ….

www.commander-crew.de

Anita

KARELIA – Restless (Season Of Mist)

Für alle diejenigen, welche die Franzosen auf ihrem Debutalbum „Usual Tragedy“ noch mit Bands wie KAMELOT verglichen haben, gibt’s hier wahrscheinlich erst mal die eine oder andere Überraschung: die Band zockt auf ihrem dritten Werk mittlerweile zugänglichen Electro-Gothic-Metal in der Tradition von OOOMPH! und Konsorten.

Bemerkenswert auch die Tatsache, dass auf „Restless“ gleich mal zwei Coverversionen auftauchen: REM`s „Losing My Religion“ in einer sehr verödeten Version und „Lift Me Up“ von MOBY, das mich in dieser etwas härteren Fassung dann doch halbwegs positiv überzeugen kann. Die acht regulären Tracks sind durchaus hör- und auch tanzbar, vorausgesetzt man steht auf die Fusion von Düsterrock mit massig Keybordwänden und auf fast schon schnulzige Refrains, die teilweise Techno-Niveau streifen. Dann ist nämlich an „Restless“ wenig bis gar nix auszusetzen...

www.season-of-mist.com

MikerOwavE



Copyright: Planet Music & Media 2008