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NOVEMBER 2007
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MISFYRE - Nothing Should Remain (Eigenproduktion)

Das aus Braunau stammende Quartett existiert seit dem Jahr 2004 und konnte sich bislang zumindest in der näheren Umgebung durch zahlreiche Gigs bereits einen respektablen Bekanntheitsgrad erarbeiten. Mit „Nothing Should Remain“ liefert die Formation nun ihr Debüt ab und begeistert vor allem durch sehr abwechslungsreich gestaltete Songs, die es schwer machen, diese Truppe zu beschreiben.

Während der Opener „Brickworks“ am ehesten mit Heavy Rock im Thrash-Gewand bezeichnet werden kann, folgt mit „Basement Flat“ ein getragener, aber immens heftiger traditionell anmutender Rocker auf dem Fuß. Ebenso abwechslungsreich wie das Tempo und der Heftigkeitsgrad der Tracks selbst, kommt auch der Gesang von Jack aus den Boxen. Von rau, wie im Opener, bis hin zu klar, aber dunkel („Feint Attack“) reicht sein Vortrag und weiß in allen Lagen durch nicht alltägliche Ausdruckskraft zu gefallen. Mit dem akustisch eingeleiteten und in Folge balladesk und sehr gefühlvoll intonierten „Pain And Sorrow“ beenden MISFYRE ihre Vorstellung und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es auch hierzulande um den schwermetallischen Nachwuchs gut bestellt ist.

www.misfyre.com

Walter

SOLRIZE – Demo CD (Eigenprod.)

Diese Combo aus der österreichischen Bundeshauptstadt setzt sich aus Ex-Mitgliedern durchaus bekannter Szene-Bands wie Only Attitude Counts, Mudbreed oder Psy-9 zusammen. Die nötige Erfahrung, um im Biz vielleicht etwas zu erreichen, bringen die Herren also mit sich. Die (zumindest mitunter ;-) nötige musikalische Klasse auch. Das wichtigste aber ist: Solrize rocken!

Die 6 Songs auf dieser Demo-CD sind zurecht als „Heavy Stoner Rock“ tituliert, denn irgendwo zwischen Monster Magnet, Kyuss (sowie natürlich deren Nachfolge-Bands) und den Genre-Urvätern Black Sabbath musizieren die dabei durchaus auch um Eigenständigkeit bemühten Wiener.

Im Frühjahr soll das Debüt-Album erscheinen, bis dahin kann man sich die Zeit mit diesem Teil hier bestens vertreiben, bietet es doch Wüsten-Rock vom Feinsten.

www.myspace.com/solrize

Andi

BLIND PETITION - Bloody Reunion (Eigenproduktion)

Die Geschichte der harten Rockmusik in Österreich ist ohne Wenn und Aber mit dem Namen BLIND PETITION verbunden.

Als Hannes „Fusel“ Bartsch im Jahre 1975 den Grundstein für diese Formation gelegt hat, war keineswegs abzusehen, in welche Richtung sich die Band und zudem auch die gesamte Szene hier im Osten der Republik entwickeln würden. Auch wenn man heutzutage gerne darauf vergisst, muss dringend erwähnt werden, dass die Mitglieder von BLIND PETITION mit zu jenen Individualisten gezählt werden müssen, denen wir so manche „Fixsterne“ unserer aktuellen Szene zu verdanken haben. Als sich die Herren einst nach geeigneten Veranstaltungsorten umgesehen hatten, begaben sie sich auf die Suche nach einem so genannten „Rockhaus“. Was aus diesem Kapitel im Endeffekt geworden ist, sollte sich herumgesprochen haben. Das als „Rockhaus“ bekannt gewordene Veranstaltungszentrum, das nach einer Umbenennung „Planet Music“ getauft wurde, ist auch weit außerhalb Österreichs bekannt und wird als einer der renommiertesten Clubs in die Annalen der österreichischen Kulturgeschichte eingehen, auch wenn dieses Gebäude in Bälde einem Wohnblock weichen muss.

Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass BLIND PETITION anno 1985 auf dem ersten in Österreich erschienen Sampler mit ausschließlich hart rockenden Bands mit dem Titel „Ready To Fire“ vertreten waren: ein weiterer Beleg für die historische Wichtigkeit dieser Truppe. Die Historie der Band selbst war zwar über all die Jahre ein ewiges Auf und Ab, die erfolgreichsten Jahre sind aber definitiv zwischen 1988 und 1992 gewesen. Mit dem Einstieg von BLOWIN' FREE-Sänger Gary Wheeler und den in Folge veröffentlichten vier Alben in jener Zeit konnten BLIND PETITION nicht nur in der Heimat auf allen zur Verfügung stehenden Bühnen für Furore sorgen, sondern waren zudem auch der österreichische Exportartikel in Sachen Rockmusik schlechthin.

Tourneen führten die Herrschaften nach Italien, Frankreich und Deutschland und auch gen Osten, wo man nicht nur Ungarn und die damals noch existierende Tschechoslowakei im Sturm einnehmen konnte, sondern es auch in der damaligen Sowjetunion zu Ruhm und Ehre brachte. Die Referenzliste der Größen, mit denen man die Bühne teilen hat dürfen, liest auch nicht gerade schlecht: MOTÖRHEAD, BLACKFOOT, KROKUS, SAXON und BLACK SABBATH stellen exemplarisch einen Auszug aus dieser dar, zu der es weiters zu sagen gibt, dass BLIND PETITION auch nach wie vor in Österreich zu den gerne gesehenen Bands auf etwaigen Bühnen zählen.

Im letzten Jahr formierte sich die Truppe in der Besetzung Hannes und Bertl Bartsch (beide Gitarre), Gary Wheeler, Mario Brodtrager (Schlagzeug, unter anderem für KINGDOM COME und SKEW SISKIN aktiv gewesen) und Bassist Reinhard Kochauf erneut und lädt zur „Bloody Reunion“.

Wie nicht anders zu erwarten, kredenzt uns „Fusel“ nebst Verwandtschaft und Anhang ein sattes und hart rockendes Album, das hinsichtlich der Einflüsse zwar die letzten 30 Jahre Musikgeschichte beinhaltet, aber dennoch in erster Linie ganz klar BLIND PETITION ans Tageslicht befördert. Während man mit dem Titelsong fast nach L.A. zur besten Phase klingt, offeriert uns die Band mit „The Big Things“ einen Southern Rocker in Tradition von Helden wie MOLLY HATCHET, Slidegitarre inklusive. „Good Under Me“ lässt nicht nur hinsichtlich der Gitarrenarbeit an AC/DC denken, sondern verfügt auch über einen Text, der gut und gerne auch aus der Feder von Bon Scott stammen hätte können. Auch in weiterer Folge kredenzen uns die Bartsch-Brüder einige prägnante und harmonische Gitarrenspielereien, die sich aber immerzu sehr homogen in das Gesamtgefüge einpassen und einmal mehr die Mannigfaltigkeit dieser Formation unter Beweis stellen.

Vom bluesgetränkten Rock („Follow The Rules“) über melodiösen Hardrock der alten Schule („Number One“), bis hin zu gefühlvollen Akustikgitarrenintonationen in „Even A Soldier“ und herrlichen Country-Einsprengsel im dennoch erfrischend rockenden „Aces“, reicht die Palette und sollte „Bloody Reunion“ daher nicht nur für österreichische Musikhistoriker interessant machen.

Darauf lautstark ein dreifaches „Tschingo Bingo“!

www.blindpetition.at

Walter

FURY ‘N’ GRACE - Tales Of The Grotesque And The Arabesque (Dragonheart / NSM)

Es gehört wohl auch eine Menge Mut dazu, ein Album mit einem dreiteiligen, in Summe 15 Minuten langen Epos zu eröffnen.

Doch wer sich stilistisch dermaßen breit gefächert präsentiert wie das italienische Quartett FURY ‘N’ GRACE, braucht sich überhaupt keine Sorgen zu machen, den Zuhörer damit nicht in seien Bann ziehen zu können. Nicht nur mir wird der Name dieser Formation bislang unbekannt sein, und das obwohl die Truppe bereits 1994 gegründet wurde. In dieser langjährigen Historie war nicht nur ein Kommen und Gehen verschiedener Mitglieder an der Tagesordnung, sondern offensichtlich auch stilistisches Experimentieren.

Nach eigenen Angaben versuchten sich FURY ‘N’ GRACE bereits an Klängen wie Grindcore oder experimentellen Sounds im Sinne eines John Zorn. Allerdings scheinen sich die mittlerweile in der Besetzung Gabriele Grilli (Gesang), Christian Grilli (Bass), Matteo Carnio (Gitarre) und Emiliano Bertossi (Schlagzeug) agierenden Italiener mittlerweile auf progressiven Metal geeinigt zu haben, den sie uns in sehr monströser und ungemein vielfältiger Art auf ihrem Debütalbum offerieren. Dem Titel entsprechend klingen auch immer wieder Anleihen aus dem arabischen Raum durch wenn die Jungs loslegen. Dazu kommen noch eine ganze Wagenladung Doom, vereinzelte Thrash-Elemente und auch Passagen, die eher dem konventionellen Heavy Metal zuzuordnen sind zum Vorschein.

Gabriele zeigt sich vor allem in den getragenen Momenten als europäische Antwort auf Robert Lowe. Vor allem im knapp vierzehnminütigen „Uncanny Midnights Of The Bride“ liegt dieser Kerl verdammt nahe am amerikanischen Sangesgott und singt auch nahezu dermaßen intensiv. Bandgründer und Gitarrist Matteo hat seinen großen Auftritt in „Burning Cathedrals“. Seine heftigen Riffs kommen hier ebenso gut zur Wirkung wie die stakkato-mäßig ausgeführten und lassen auch diese Nummer zu einem feinen Exponat der Schaffenskunst dieser Herren gedeihen.

Auch wenn FURY ‘N’ GRACE mitunter regelrecht verquer loslegen wie in „Black Art“, lassen sie einen roten Faden nicht vermissen. Soll heißen, hier passt jedes der geschätzten 5.674 Breaks perfekt, alle Übergänge kommen fließend aus den Boxen und keiner der Instrumentalisten verliert sich in etwaigen Soloausflügen, sondern bleibt banddienlich. Mit dem zu Beginn atmosphärisch dichten „The Buried“ in dem die Jungs herrlichen, aber auch ziemlich abgefahrenen Doom regelrecht zelebrieren, hat das Quartett ein wahres Schmankerl anzubieten. Mehr Prog und Doom innerhalb eines Songs geht wahrlich nicht mehr!

Durch eine Adrenalinüberdosis davon kurz vor dem Abnippeln, bewahrt die Band mit dem entspannenden, aber nicht minder intensiven „Maldoror“ den Zuhörer aber doch davor, lässt diesen aber unvermittelt zur Repeat-Taste greifen.

www.furyngrace.com

Walter

VP-1 - No Time For Second Thoughts (PSM Records)

Zunächst irritiert die etwas eigenwillige Art und Weise, wie uns die Mannheimer Jungs von VP-1 „No Time For Second Thoughts“ als Full-Length-Album präsentieren: Zwar geht die Gesamtspielzeit dafür locker in Ordnung, aber an der Art, wie uns dieses Album kredenzt wird, bleibt doch ein schaler Nachgeschmack. Nach den ersten sieben Tracks folgen nämlich vier Mal einige Sekunden Stille, damit uns drei weitere Songs quasi als „Bonüsse" präsentiert werden können. Die Band selbst wollte damit lediglich Songs aus unterschiedlichen Epochen ihrer Karriere getrennt wissen. Da jene drei Tracks aus einer anderen Periode stammen, aber dennoch mit auf dieses Album, das zunächst als EP angedacht war, kommen sollten, ist diese, etwas unkonventionelle Vorgehensweise aber problemlos erklärbar.

Das Quintett hat sich in ihrer Umgebung durch respektable Erfolge bei Bandwettbewerben einen sehr guten Namen erspielen können und mit „No Time For Second Thoughts“ ihre bereits vierte Veröffentlichung anzubieten. Darauf legen VP-1 in imposanter Art Zeugnis darüber ab, weshalb es ihnen bisher schon mehrfach gelingen konnte, den Namen ihrer Formation in Siegerlisten von einschlägigen Contests wieder zu finden.

Ihre Klänge aus Metal der modernen Art, Nu Metal der letzten Dekade und vereinzelten Hardcore-Passagen ergeben mit dem, ebenfalls in nicht zu vernachlässigender Menge vorhandenem, melodischen Emocore eine gelungene und wohl auch zeitgemäße Mischung, mit der sich bestimmt weltweit Freunde finden lassen können. Die Klampfen wissen zu braten, das Riffing ist durchaus eigenständig und zudem auch fällt die Rhythmusabteilung durch ihr ungemein dynamisches Spiel auf. Sänger Tobias Becker weiß durch seinen aggressiven Sangesbeitrag zu beeindrucken, sehr wohl aber auch in den klaren Gesangspassagen. Die Tatsache, dass gesangstechnisch regelrecht fließend ineinander übergegangen wird, vervollständigt das homogene Erscheinungsbild dieser Truppe, die aus den genannten unterschiedlichen Zutaten ein in sich stimmiges Ganzes erschaffen hat.

Ob es VP-1 gelingen wird mit dieser Mixtur auch international für Aufsehen zu sorgen, wird sich erst weisen, mit kleinen Hits wie dem massiven „Goodbye“, dem für ihre Verhältnisse regelrecht harschen „That Remains To Be Seen“ oder dem konzert-technisch wohl als programmatisch zu verstehenden „Floorfiller“ sollte es dieser Truppe aber nicht besonders schwer fallen reüssieren zu können.

www.vp-one.de

Walter

BOLAND - In My Corner (Artist Service / Music By Mail)

Keineswegs untätig scheint Dean Boland zu sein, seines Zeichens Gitarrist von RANDOM DAMAGE, der mit „In My Corner“ eine Solo-EP anzubieten hat.

Diese ist als Bonus „Human Flytrap“, dem Zweitwerk seines Hauptbetätigungsfeldes beigelegt und offeriert das Werk eines Musikers, der sich viel eher dem traditionellen Rock als dem Metal verschrieben hat. Während der Einstieg in Form des Titelsongs noch heftigere Klänge, wenn auch „nur“ im Sinne von melodischem Rock offenbart, die neben Dean übrigens ein Tastenmann namens Andrew Johns und Ray Hartmann am Schlagzeug eingespielt haben, geht es in „Too Late“ merklich ruhiger, aber auch düsterer und emotionaler zu. Im Vergleich zu vielen anderen Gitarristen, die sich als „Solisten“ mit derlei Alben zu präsentieren versuchen, sei angemerkt, dass die Kompositionen an und für sich in erste Linie den Song selbst im Vordergrund stehen lassen, was auch in der locker-flockigen Ballade „So Hard“ nachdrücklich festzustellen ist.

An Einflüssen erkennt man hier, wie auch in der an das Ende dieser Scheibe gestellten Akustiknummer „Only You“ ganz klar die BEATLES, während für das rockigere „Divine Or Evil“ wohl BLUE ÖYSTER CULT Pate gestanden haben dürften. Dean vermag brauchbare Songs zu komponieren und hält sich für einen Gitarristen hinsichtlich etwaiger Soloeskapaden geradezu unüblich vornehm zurück.

Zum Abschluss sei noch angemerkt, dass Dean auf der Website von BOLAND PLAN, seinem offenbar neuesten Projekt, für das im kommenden Jahr ein Album zur Veröffentlichung ansteht, bereits als Ex-Gitarrist von RANDOM DAMAGE geführt wird.

www.bolandplan.com

Walter

ANCIENT CREATION - Evolution Bound (Melissa Records)

Es ist schon phänomenal zu beobachten, dass exakt jener Sound, der vor allem hier in Zentraleuropa die meisten Fans finden kann, seit langen Jahren aus den USA importiert werden muss.

Nicht, dass es hier keine Formationen geben würden, die sich jener Art von Musik verschrieben haben, aber authentischer bringen trotz allem die Amis diese Art von Metal rüber. Auch ANCIENT CREATION stammen aus Übersee, genauer gesagt aus Kansas City und liefern mit „Evolution Bound“ ihr bereits zweites vollständiges Album ab. Ihr Debüt „The Uprising“ im Jahre 2005 wurde ebenso in Eigenregie in Umlauf gebracht wie ein Demo im letzten Jahr. Mit diesem konnte das Quintett auch einen Deal erlangen und als erste Kollaboration mit dem niederländischen Label Melissa records folgt nun „Evolution Bound“.

Auch wenn im Vergleich zur Konkurrenz hin sichtlich des Sounds hier massive Abstriche gemacht werden müssen, können mich die Amis mit ihrem Klangbild mächtig beeindrucken. Sie fabrizieren nämlich einen sehr mannigfaltigen Mix aus Power metal der typischen amerikanischen Art, vermengen diesen vor allem rifftechnisch mit mächtigen Anleihen aus der NWOBHM und fügen zudem auch noch reichlich Einflüsse aus dem progressiven Metal ihren Songs bei. Hinsichtlich der Atmosphäre kommt dieses Album in Summe recht aus den Boxen, wozu auch die des Öfteren als Kontrapunkt zum zwar gewöhnungsbedürftigen und manchmal von der Phrasierung her an OMEN / PHANTOM X-Sänger Kevin Goocher erinnernden Gesang von Steve Bentley gut passen. Die Tracks kommen zum Großteil im Up-Tempo-Bereich aus den Boxen, durch die an sich sehr abwechslungsreiche Gestaltung ihrer Kompositionen wissen ANCIENT CREATION aber natürlich auch hinsichtlich der Geschwindigkeit für Abwechslung zu sorgen.

In Summe ist „Evolution Bound“ trotz soundtechnischer Abzüge und der Tatsache, dass man dafür aus Mangel an Eingängigkeit mehrere Durchläufe benötigt aber dennoch ein gelungnes Album geworden, zumal Musik und vor allem Gesang wahrlich zu beeindrucken wissen.

www.myspace.com/ancientcreation

Walter

FLOWING TEARS - Invanity (Ascendance Records / PHD)

Mehr oder weniger als „Pausenfüller” bis zur Veröffentlichung ihres nächsten Studioalbums, das für Ende 2008 angekündigt worden ist, lässt uns diese Band einen Akustikgig, der am 10.März 2004 in der Passionskirche zu Berlin über die Bühne gegangen ist, im Wohnzimmer nachvollziehen.

Auch wenn im Studio mit Sicherheit ein wenig nachgeholfen werden musste um die neun darauf verewigten Songs dermaßen atmosphärisch klingen zu lassen, lassen sich die Vorzüge der Formation auch auf diesem Tondokument problemlos eruieren.

FLOWING TEARS offerieren hier ausschließlich Material ihrer Alben nach der Jahrtausendwende und vor allem die Songs von „Razorbliss“, ihrem letzen Werk, waren ja regelrecht auf die opulente und unter die Haut gehende Stimme von Frontdame Helen Vogt zugeschnitten. Deshalb sollte es auch kaum verwunderlich erscheinen, dass eben jene Dame auch „Invanity“ zu einem mächtig beeindruckenden Album macht. Neben den Eigenkompositionen gibt es als Draufgabe auch noch eine gewagte Coverversion von „Dead Skin Mask“ von SLAYER zu hören. Verdammt intensiv, meine Damen und Herren, allerdings muss dennoch erwähnt werden, dass mich „Raining Blood“ von TORI AMOS noch mehr zu beeindrucken wusste.

Als krönenden Abschluss bekommt man „The Weeping Song“ von NICK CAVE geboten. Begleitet von Johan Eklund (TIAMAT) am Mikro geben Helen und ihre, wenn man diversen Gerüchten Glauben schenken mag, zum Teil aus Rumänien stammenden Begleiter auch dazu gute Figur ab und machen in der Tat sehr neugierig auf kommende Studiotaten aus den Hause FLOWING TEARS.

Diese Experiment ist der Band jedenfalls definitiv gelungen und deshalb keineswegs der eingangs erwähnte „Füller“, sondern untermauert den Tiefgang der eigenen Kompositionen dieser Truppe.

www.flowingtears.de

Walter

SPACE EATER - Merciful Angel (I Hate Records)

Lust auf eine mächtige Dosis schwer nach vergangenen Tagen klingenden Speed Metal (gibt´s leicht auch nach erst kommenden Tagen klingenden Speed Metal?? Andi)?

Dann hier geblieben, denn genau dieser wird auch 2007 noch in bestechender Version geboten und zwar von SPACE EATER aus Serbien. Gegründet im Jahre 2003 aus den Überresten einer im Raum Belgrad sehr erfolgreichen IRON MAIDEN-Coverband mit Namen AFTER LIFE.

Auch wenn als Inspirationshilfe für die weitere Karriere Inspirationen bei Herrn Hansen und dessen Gammastrahlen eingeholt wurden, dürften sich die Serben aus musikalischer Sicht eher in Übersee zu Hause zu fühlen als in Europa. Mit Sirenengeheule startet das Quintett ihren Vortrag mit „MCMXCIX“ (einem für die band offenbar geschichtsträchtigem Jahr, schließlich begann hier der sinnlose Krieg im Kosovo) und in mächtig hurtigem Tempo geht es dann in Folge insgesamt neun Mal zur Sache.

Hinsichtlich der lyrischen Ausführung kommt dann das folgende „Bombs Away“ mit eindeutiger Message aus den Boxen, allerdings lassen sich auch eher persönliche Themen als Basis für die Texte von SPACE EATER finden. Was die Musik an sich betrifft, so lassen sich die Serben nicht nur eine sehr intensiv vorhandene Affinität zu den US of A erkennen, sondern zeitgleich auch eine Vorliebe für die 80er Jahre. Ihr Speed Metal wirkt aber keineswegs antiquiert, sondern kommt sehr frisch und vor allem authentisch und von einer immensen Spielfreude angetrieben aus den Boxen. Namen wie ANTHRAX zu deren Frühphase müssen als Vergleich hier ebenso genannt werden wie NUCLEAR ASSAULT, aber auch AGENT STEEL.

Der traditionsbewusste Banger mit ebenso ausgeprägter Vorliebe für Bands jener Zeit und Region wird sich bedingungslos dem Sound von SPACE EATER verschreiben und fortan mit Sicherheit auch dem „Merciful Angel“ huldigen (mit Sicherheit... Andi).

www.space-eater.com

Walter

THRESHOLD - The Ravages Of Time – The Best Of (Inside Out / SPV)

Da Andrew McDermott vor wenigen Monaten der Band wieder den Rücken zugewendet hat und mit Damian Wilson ein alter Bekannter in den Schoß von THRESHOLD zurückgekehrt ist, macht dieses Compilation in jeder Hinsicht Sinn.

Auch wenn die Briten erst seit dem Jahre 1993 veröffentlichungstechnisch am Start sind, sei angemerkt, dass diese Formation sehr wohl bereits seit gut 20 Jahren aktiv sind und auf zehn offizielle Alben, sowie einige nur über die bandeigene Website zu beziehende Werke zurückblicken können. „The Ravages Of Time“ überzeugt nicht nur durch die im Laufe der Jahre ausschließlich hochwertige Musik der Herrschaften, sondern ebenso durch das optisch ansprechende Booklet, das zudem auch eine Biographie und sämtliche Texte der auf dem Album zu vernehmenden Songs enthält.

Auf Grund der Fülle an gelungenen Tracks sollte es also nicht verwunderlich sein, dass wir es hier mit einem Doppel-Decker zu tun haben. CD Nummero Uno trägt den Untertitel „The Later Years“ und enthält ausschließlich Material der jüngeren Historie dieser Band. Brandaktuelle Hammertracks wie „Slipstream“ und „Pilot In The Sky Of Dreams“ bekommt man zwar „nur“ in den so genannten Kurzversionen, sprich „Radio Edits“ zu hören, doch da diese Versionen bislang unveröffentlicht sind, macht die Taktik des Labels durchaus Sinn.

„The Former Years“, wie CD 2 getauft wurde, enthält dem Titel entsprechend Songs der früheren Epochen und Besetzungen dieser Formation. Allerdings schließt sich dadurch irgendwie der Kreis zur Gegenwart, denn ein Wiederhören mit Damian Wilson könnte es ja auch auf dem nächsten Studioalbum geben.

Demnach geben sich THRESHOLD mit einer Textzeile aus einem ihrer wohl bekanntesten und besten Tracks das Motto für die nächste Jahre selbst vor: „Don’t Know What The Future Brings, But I Want To Be There“ – und ein „Phenomenon“ waren diese Briten ohenhin schon immer.

www.thresh.net

Walter

ISRAEL UNLEASHED - The Very Best Metal And Rock From The Holy Land (JMG)

Dass im heiligen Land amtlich gerockt und auch ordentlich schwermetallisch aufgespielt wird, wissen wir nicht erst seit BETZEFER, MELECHESH (mit Abstrichen, ich weiß) oder ORPHANED LAND, sondern bereits seit jenen Tagen als Formationen unterschiedlichster Couleur von ihren ersten Gastspielreisen aus Israel zu berichten hatten. Von euphorischer Stimmung und dankbarem Publikum war dabei, auch trotz mitunter nicht wirklich idealen Bedingungen, immerzu die Rede.

Aber auch die einheimische Underground-Szene scheint eine sehr aktive zu sein und in Form dieses Samplers erhalten insgesamt 15 Bands die Chance, sich auch auf internationalem Parkett zu präsentieren. Der Mix ist ein sehr vielfältiger und beginnt mit deftigem Stakkato-Thrash der modernen Art mit Metalcore-Anleihen und progressiven Einschüben sowie Death Metal-Gesang. Diese Band zählt scheinbar generell zu einem der Hoffnungsträger schlechthin in der Heimat, was sie mit diesem Kracher auch amtlich unter Beweis stellt.

Den Reigen von Alternative Rock-Bands eröffnen dann NOBLE BRATS mit „The Offer“, das auch hierzulande zu Radioairplay taugen würde (auf welchem Sender bitte? Scheurer Power Station? Andi).

Auch angeschwärzter Gothic Metal in Doom-Variante wird in Israel brauchbar produziert, wie uns DISTORTED mit „Redemption“ wissen lassen. Atmosphärisch dicht und sehr ansprechend kommen DISTORTED damit aus den Boxen und machen definitiv Lust auf mehr. SEVEN PERCENT MIND USAGE lassen dann eine herbe Hardcore-Schlagseite bei „Selfish“ erkennen, haben aber leider nicht ganz die benötigte Durchschlagskraft, die derlei Klänge innehaben sollten. Der längst nicht mehr innovative Bandname CROSSFIRE sorgte ja bekanntlich schon mehrfach für Qualität und demnach scheint es auch so, als ob sich die Israelis dieses Namens verpflichten fühlen würden, ebensolche Qualitätsware abzuliefern. Denn genau das tun sie auch. „Heartbreaker“ stellt unter Beweis, dass sie den traditionellen Hardrock nicht sehr nur zu schätzen wissen, sondern sehr wohl auch im Stande sind, diesen kompetent und mit Schmackes zu intonieren.

Ob BEHIND THE SUN mit „Sour Days“ lediglich ihre eher romantische Seite offenbaren oder diese Truppe generell eher mit poppigem Rock aufzugeigen pflegt, vermag ich nicht zu beurteilen, Fakt ist aber, dass besagte Nummer maximal als Pausenfüller zu betrachten ist. Auch MANGA sind in „My Secret Truth“ nicht wirklich heftig unterwegs, fabrizieren aber atmosphärisch anspruchsvolle Musik und haben zudem mit Yael Akron eine sehr talentierte Sängerin im Line-Up und lassen nicht zuletzt deshalb an THE GATHERING denken. JET SAM können mit „The Days“ dagegen nicht wirklich begeisterten. Diese an sich schon sehr seichte Nummer lässt keinerlei Emotionen aufkommen und trällert förmlich durch mich durch. Diesem JET SAM fehlt definitiv der FLOT(TE) SAM (und 50 Cent ins Wortspiel-Schweinchen. Andi).

Ganz anderes dann das über zehnminütige „Desolate Spirits“ von XENOLITH. Hier zeigt eine Band ein ungemein breites Spektrum, lässt sich stilistisch kaum zuordnen und weiß viel mehr mit einer geradezu sensationellen Melange zu beeindrucken. Akustische Passagen sind in Verlauf der Spielzeit ebenfalls zu vernehmen, wie auch verfrickelte, progressive Einschübe. Die Basis scheint jedoch ketzerischer Black Metal zu sein, denn dieser behält anteilsmäßig die Oberhand. Derber Death Metal wird in dieser Nummer problemlos von folkloristischen Elementen abgelöst und mit massiven Thrash-Riffs garnieren die Jungs obendrein noch diesen opulenten Hammertrack. Zunächst dachte ich eher an ein Medley, aber nein, XENOLITH scheinen in der Tat so etwas wie „World Metal“ zu spielen.

Danach sind DESERT an der Reihe, die uns „The Desert (In Your Soul)“ von ihrer Debüt-EP „Prophecy Of The Madman“ anzubieten haben. Ihr dezent dunkler Power Metal weiß fraglos zu gefallen, bloß an den meiner Meinung nach zu theatralisch angelegten Gesangstils von Alexei Raymar kann ich mich noch immer nicht recht gewöhnen. Noch eine Spur heftiger geht es dann bei EPIDEMIC zu. Diese Band scheint die Fahne des kraftvollen Metals hochzuhalten und macht dabei gar keine schlechte Figur, vor allem der Gesangmix aus klaren Passagen und deftigem Gegurgel passt verdammt gut zu dieser Nummer. MENS REA haben leider nicht ganz deren Klasse, schwach ist aber „Abandoned“ ebenfalls nicht ausgefallen und zumindest hinsichtlich der instrumentalen Fähigkeiten braucht auch diese Truppe keinerlei internationalen Vergleich zu scheuen. Der teilweise eher gesprochene Gesang dagegen ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig und vermag leider nicht wirklich für Atmosphäre zu sorgen.

Unterhaltung pur verspricht dann das im wahrsten Sinnes des Wortes „pfiffig“ eingeleitete „Blind Still Trill“ von XAMAVAR, und in der Tat verbreitet diese Truppe mit ihrem folkloristisch angehauchten Gute-Laune-Metal-Mix auch ebensolche. Schade nur, dass die Sängerin die Aufnahmen mit dem Vorsingen in einem Opernhaus verwechselt hat und mitunter völlig unpassend zur Musik gen Himmelspforte jodelt und trällert (Turunen goes Betlehem? Andi).

„Easy Does It“ von VULTURES kredenzt uns dann auch noch industrialisierte Klänge, allerdings in nicht wirklich berauschender Manier. Zu unspektakulär dröhnt dem Zuhörer dieser Mix entgegen. Dafür stimmt aber der Abschluss dieses Samplers den Metaller bestimmt erneut zufrieden: IMBLIZZE empfehlen sich mit dem dezent dunklen Neunminüter „Nighty Knight“ für weitere Taten und entpuppen sich damit als heißer Underground-Tipp auf dem Sektor des melodiösen und kraftvollen Metal mit Dunkelheimer-Schlagseite.

Auch wenn keinesfalls alles Gold ist, was im israelischen Underground glänzt, muss dieser Sampler dennoch all jenen Mitmenschen empfohlen werden, die sich für Rock und Metal aus vermeintlich „exotischen“ Ländern interessieren.

www.jewishmusicgroup.com

Walter

 



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