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| In der Herbstausgabe des Magazins angekündigt: >>> AOR-CDS online |
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NIGHTWISH - Dark Passion Play (Nuclear Blast/Warner) Bereits im Opener "The Poet And The Pendulum" schickt man uns auf eine 14minütige Reise durch ein vielschichtiges Epos voller opulenter Orchesterparts, Dramatik und großer Melodien. Ein komplexes, beeindruckendes Meisterstück mit all dem Bombast und Kitsch, der für Nightwish so typisch ist. Was für ein Glücksfall Marco als Zweitsänger für die Band ist, zeigt sich bereits beim nächsten Song, dem straight nach vorne gehenden „Bye Bye Beautiful“. Die Singleauskoppelung "Amaranth" kommt mir persönlich ein wenig zu poppig daher. Nach dem eher durchschnittlichen 'Cadence Of Her Last Breath' folgt mit dem ausschließlich von Marco interpretierten "Master Passion Greed" das wohl härteste Stück der Bandgeschichte. Der Song wird bei der anstehenden Tour sicher für rotierende Matten sorgen. Die Ballade "Eva" dümpelt danach etwas farblos dahin. Was hätte Tarja wohl aus diesem Lied gemacht?! Womit wir bei "der Stimme" wären. Anettes Stimme ist schön und lieblich, singen kann die Dame zweifellos. Die von Tarja transportierten Emotionen weiß sie allerdings in keinster Weise zu vermitteln. Für mich klingt sie wie eine von zig anderen Sängerinnen ähnlich orientierter Bands. Da hätte man sich schon etwas mehr erwartet. Man sollte nicht vergessen, das Nightwish gerade zu Beginn ihrer Karriere zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dank Tarjas Gesang so einzigartig und erfolgreich war. Die gewaltige Lücke, die Mrs. Turunen hinterlassen hat, wurde eindeutig nicht gestopft. Möglich das dieses Album neue Türen öffnet und die Band noch größer machen wird. Schließlich konnte nicht jedermann mit den opernhaften Elementen etwas anfangen. "Sahara" betört mit orientalischen Klängen während "Whoever Brings The Night" und "For The Heart I Once Had" nicht unbedingt zu den Highlights zählen. Wobei vor allem Letzteres gewaltig abstinkt. Nach dieser rund 50-minütigen musikalischen Achterbahnfahrt zeigen die Finnen mit dem von Marco hervorragen interpretierten „The Islander“ und dem instrumentalen „Last Of The Wilds“ eine völlig neue Seite und überraschen mit keltischen Elementen und Irish Folk. Ganz große Klasse! "7 Days To The Wolves" entwickelt sich mit seinen vielen Breaks nach mehreren Durchläufen ebenfalls zu einem Höhepunkt. Zum Abschluss werden am Ende der Halbballade "Meadows Of Heaven" noch Gospelchöre und eine Soulsängerin aufgefahren. Das hätte Tarja wohl auch ohne fremde Hilfe geschafft. Logisch, das sich bei 13 Stücken in stattlichen 75 Minuten nicht jeder Song als Ohrwurm entpuppt. Von all diesen Punkten und allen Diskussionen abgesehen ist "Dark Passion Play" trotz allem ein Meisterwerk. Auch ohne Tarja lässt man die Konkurrenz immer noch meilenweit hinter sich. Aus einer Opernsängerin mit Band ist eine Band mit Sängerin geworden. Ich bin ja schon sehr gespannt wie "die Neue" auf der anstehenden Tour die alten Songs interpretieren wird. Der Limited Edition liegt das komplette Album nochmals als instrumentale Version bei. Ger-Hard SERJ TANKIAN - Elect The Dead (Warner) Serj Tankian ist einer der beiden Masterminds hinter System of A Down. Nach „Mezmerize“ und „Hypnotize“ beschloss man, eine künstlerische Pause einzulegen, um den Musikern Zeit für eigene Projekte zu geben. Stilistisch hat sich Serj, der alle Instrumente außer den Drums selbst eingespielt hat, erstaunlich wenig vom Sound seiner Stammcombo entfernt. Bereits im Opener, dem ebenso agressiven wie eingängigen "Empty Walls", drängt sich schon allein aufgrund der unverwechselbaren Vocals der der Vergleich zu SOAD auf. Zuckersüße Melodien, unvermittelt nach vorne galoppierende Gitarren, teils recht abgefahrene Songstrukturen und über allem Serj Tankians exzentrisch-charismatischer Gesang. Es ist eine typische Berg- und Talfahrt gespickt mit perfekt ausbalancierten Laut/Leise Attacken. Für sein erstes Soloalbum hat sich der in Beirut geborene Armenier zudem ein spezielles Promo-Tool ausgedacht. So soll es für jeden Song einen individuellen Videoclip geben, diese kann man nach und nach auf Serjs Homepage bestaunen. Vieles von dem, was "System"-Fans kennen und schätzen, werden sie auch beim Alleingang des 40-jährigen Frontmannes wiederfinden. Auch wenn ein paar Überraschungen dem Werk sicher nicht geschadet hätten: Die Durststrecke bis zum nächsten SOAD Album lässt sich mit "Elect The Dead" bestens überbrücken. Ger-Hard IRON HEARSE – Same (PsycheDOOMelic Records) Nach drei Demos und einer EP mit dem programmatischen Titel „Peddle The Metal“ legen die britischen Doomster nun endlich ihr erstes Album vor. Um den Fans auch wirklich etwas für ihr Geld zu bieten, hat sich das Trio (nebst Label natürlich) nicht lumpen lassen: man offeriert nicht nur 10 Studiosongs, sondern als Bonus vier Liveaufnahmen eines Auftrittes in Bath (UK) im letzten Dezember. Besucher des letztjährigen „Doom Shall Rise“-Festivals werden sich bestimmt an diese Band erinnern, schließlich hatten IRON HEARSE die Ehre den Freitag einzuläuten. Die Energie eines Liveauftrittes lässt sich auch in den erwähnten Bonus-Songs verdammt gut nachvollziehen und erzeugt zudem Stimmung ohne Ende. Die Musik dieser Herren liegt irgendwo im Dunstkreis von dreckigen Doom und althergebrachten Rock der eher konventionellen Art und vermag durch sehr gelungene Gitarrenharmonien zu gefallen. Nicht selten erinnert die Chose an eine Art „saubere“ Variante von THE OBSESSED, der raue Gesang von Grant Powell verleiht IRON HEARSE aber sehr wohl einen räudigen Anstrich. Dadurch relativiert sich die mitunter recht feinfühlige Gitarrenarbeit zwar ein wenig, in erster Linie verstehen es IRON HEARSE aber ohnehin zu rocken und das logischerweise im unteren Tempobereich. Bei Interesse besteht wie immer die Gelegenheit die Scheibe für € 15,- über das Label direkt zu beziehen: PsycheDOOMelic Records, c/o Mark Hegedüs, Fürst Liechtenstein Str. 18/11, A - 1230 Wien, Walter SUBWAY TO SALLY - Bastard (Nuclear Blast/Warner) Nach dem Ende der umjubelten "Nackt" Akustiktour gehen die sieben Vollblutmusiker wieder voll in die Offensive. Das mittlerweile neunte Album wurde live im Studio aufgenommen, um es lebendiger und rauer klingen zu lassen. Waren bislang fast ausschließlich Bodenski und Ingo Hampf für die musikalische Seite verantwortlich, waren diesmal erstmalig auch Geigerin Frau Schmitt und Schlagzeuger Simon Michael in den musikalischen Songwriting-Prozess involviert. Dudelsack, Schalmei und Drehleier wurden zugunsten knalliger Metal-Riffs etwas in den Hintergrund gedrängt. Auf "Bastard" gelingt es den Potsdamern, die packende Dynamik und Spielfreude ihrer Live-Konzerte zu 100% auf Langrille umzusetzen. Bereits im Opener "Meine Seele brennt" fügen sich mittelalterliche Lyrics gekonnt in ein metallisches Fundament ein. Bei Track 4 ("Umbra") leiten mehrstimmige, chorale Gesänge die erste ruhige Nummer ein. Mit arabischen Frauengesängen und fesselnder Tribal-Rhythmik geht es im fast schon beängstigenden "Voodoo" weiter. Unglaublich wie wütend, fies und bedrohlich Frontman Eric Fish in diesem Song klingt: "Ich verfluch dich, such dich heim, dring in dich ein weil ich dich hasse, bis ich wieder von dir lasse, bin ich dein Fluch." Wow! Wer noch immer seeligen Mittelalter-Rock Zeiten hinterher trauert, wird an dem groovende "Tanz auf dem Vulkan" und "Fautum" seine helle Freude haben. Aber auch auf die für S.T.S. so typischen Balladen braucht man nicht zu verzichten. Textzitat aus "Wehe Stunde": "Mein Mund er findet einen Weg zu deinem bleichen Munde, so gehen wir beide nun zugrund in dieser wehen Stund". "Bastard" besticht durch brachiale Hymnen, atmosphärische Folk-Einschübe, enorme Dynamik und fast schon überirdische Ohrwürmer, die zu einem ungewohnt dichten Klangteppich verwoben wurden. Um es auf den Punkt zu bringen: dieser Silberling begeistert von der ersten bis zur letzten Sekunde. Und lässt ein unvergessliches Konzerterlebnis im Rahmen der anstehenden Tour hoffen. “Wir stören euch in eurer Ruh, wenn euch die Ohren gellen, dann Pauken wird den Takt dazu, auf euren Trommelfellen.“ Und jetzt der Schrei!!! Ger-Hard KRAUTROCK - Sampler (Revisited Records/ SPV) Die Musikszene in den 70er Jahren war eine sehr breit gefächerte und ungemein kreative. In Deutschland entstand zu jener Zeit ein Phänomen, das niemals wieder in ähnlicher Form aufkommen konnte und das seit jener Epoche auch das Bild der deutschen Musikszene nachhaltig prägen sollte. „Krautrock“ ist heute noch ein Synonym für die damals zu vernehmenden Klänge, die im Prinzip vom psychedelischen Rock, über Jazz und Fusion-Sounds, bis hin zum (damals noch dezenten) Hardrock alles umfassten und von den verschiedensten Gruppen auf ihre eigene Art und Weise dargeboten wurde. Von der britischen Presse wurde ob der Herkunft dieser Bands und Formationen der Begriff „Krautrock“ in Anlehnung an die nicht unbedingt noble Bezeichnung „Krauts“ für alle Deutschen, erfunden und eben jener Begriff hat sich am Laufe der Jahrzehnte regelrecht als Gütesiegel etabliert. Im Rahmen ihres umfangreichen Re-Release-Programms haben sich die Macher des Labels Revisited Records nun auch dazu entschieden, einen sehr imposanten, allumfassenden und einen sehr guten Überblick verschaffenden Sampler zu veröffentlichen. Auf „Krautrock“ sind die wohl wichtigsten Bands jenes Genres vertreten, von denen der Großteil heutzutage leider nur noch einem sehr eingeschworenen Fankreis bekannt sein dürfte. Abgesehen von einer, ebenfalls auf dieser Compilation verewigten, damals noch völlig unterschiedlich zum weiteren Verlauf ihrer Karriere agierende Truppe namens SCORPIONS, die es später zu Weltruhm bringen sollte (a geh? Andi) bekommt der Fan hier sehr viele wirklich relevante Bands des Krautrocks zu Gehör. Neben Kompositionen von NOVALIS (Yes! Andi) HARMONIA und EPITAPH darf man sich unter anderem auch an Songs von JANE, GURU GURU, FAUST oder KING PIN MEH erfreuen. Ältere Semester (sprich jene Zeitgenossen, die diese Phase wirklich miterleben konnten) werden wohl höchstens aus sentimentalen Gründen zu dieser CD greifen, da die Originale ohnehin in regelmäßigen Abständen auf den heimischen Plattenteller kommen. Wem diese Bandnamen bisher noch nicht wirklich bekannt vorkommen, der sollte sich als Einstieg diese wirklich sehr interessante und ebenso liebevoll, wie informativ zusammengestellte Compilation zulegen um sich ein Bild von jener Szene machen zu können. Sollte die eine oder andere Formation in Folge davon von Interesse sein, sei hier auch noch darauf hingewiesen, dass sich dieses Label auf die Wiederveröffentlichung von Exponaten des Krautrocks spezialisiert hat und der Fan nunmehr die Möglichkeit hat, sich die wichtigsten Scheibletten in CD-Format zuzulegen. Walter SODOM - The Final Sign Of Evil (Steamhammer / SPV) Was irgendwie als „b’soffene G’schicht” anlässlich des 25-jährigen Bühnenjubiläums dieser deutschen Thrash Metal-Institution begann, kommt nun als neue Scheibe der Band in die Läden: Anlässlich des Geburtstags der Band fanden sich bekanntlich jede Menge ehemaliger Sodom-Musiker zu einem einzigartigen Gig zusammen und als Folge davon wurde beschlossen, sich erneut an die Ursprünge der Formation heranzuwagen. Eingeholzt vom damals aktuellen Line-Up Tom Angelripper (B; V), Grave Violator (G) und Witchhunter (D) offerieren uns die Jungs aus dem Pott neben Neueinspielungen der damals auf „In The Sign Of Evil“ im Jahre 1984 veröffentlichten Tracks insgesamt sieben aus jener Zeit stammende Songs, die es damals nicht auf die EP geschafft hatten. Stilistisch ist also logischerweise rumpeliger „Gründerzeit“-Thrash angesagt, und weil Breaks damals noch nicht unbedingt an der Tagesordnung waren, holzen sich SODOM über die gesamte Spielzeit herrlich primitiv durch ihre Tracks. Die bislang unveröffentlichten Nummern werden bewusst nicht als Bonus-Tracks vermarktet, denn „The Final Sign Of Evil“ ist nun endlich jenes Album geworden, dass an und für sich bereits vor über 20 Jahren veröffentlicht werden hätte sollen, was aus businesstechnischen Gründen aber nicht geklappt hat. Durch den soundtechnischen Transfer in die Moderne geht zwar ein wenig der Charme der Songs verloren, aber schon allein aus musikhistorischen Gründen ist die Anschaffung dieser Scheibe Pflicht, denn ohne SODOM wäre die aktuelle Szene nicht nur um eine Attraktion ärmer, sondern wohl auch irgendwie anders, denn der Einflussbereich des Trios war und ist einfach gewaltig und reicht über alle Genres der musikalischen Extremitäten hinaus. Walter SHADOW GALLERY - Prime Cuts (Magna Carta) Die einst als zweite Band nach MAGELLAN beim Anfang der 90er Jahre gegründeten Label Magna Carta unter Vertrag genommene Formation scheint, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bands in diesem Geschäft, noch immer gut auf ihre ehemalige Plattenfirma zu sprechen zu sein. Die Musiker der Band selbst haben nämlich für diese „Best Of“ die Songs ausgewählt, was leider nicht immer erlaubt ist. Zudem bekommt der Fan mit „Rule The World“ auch einen bislang unveröffentlichten Track geboten. Dieser kann zwar nicht ganz mit der Qualität der bereits bekannten Songs mithalten, ist aber dennoch ein sehr edles Stück des progressiven Metal geworden. Für eben jenen sind SHADOW GALLERY im Laufe ihrer Karriere bekannt geworden und haben bereits auf ihren ersten vier Alben, die für diese Compilation aus businesstechnischen Gründen berücksichtigt wurden, ausnahmslos feinstes Material abgeliefert. Vom selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 1992 sind zwei Songs vertreten, ebenso von „Carved In Stone“ (1995). Von „Tyranny“ (1998) kommen vier Songs erneut zu Ehren und „Legacy“, das letzte gemeinsame Album von Magna Carta und der Band aus dem Jahre 2001 wird uns in Form von „The Crusher“, „Colors“ und dem Titelsong erneut präsentiert. Die zwölf Songs geben eine sehr homogene und interessante Mischung ab, weshalb die Musiker bei dieser Zusammenstellung für die Tracklist aber nicht chronologisch vorgegangen sind, verstehe ich nicht. Die Konzept-Stories der Band lassen sich an Hand einiger Exzerpte (wie meinen? Andi) zwar leider ohnehin nicht nachvollziehen, aber die ganze Sache wäre dennoch irgendwie übersichtlicher geworden. Für Neueinsteiger ist „Prime Cuts“ aber fraglos eine ebenso empfehlenswerte Angelegenheit geworden, wie auch für „Komplettisten“. Walter IRON SAVIOR – Megatropolis (Dockyard 1 / Soulfood) Auch wenn es den Anschein machte, dass Piet Sielck mit SAVAGE CIRCUS kurzfristig erfolgreicher sein sollte als mit seinem Hauptbetätigungsfeld, hat sich das deutsche Metal-Urgestein abermals zusammen mit seinen drei Komparsen im Studio verschanzt (na juhu, Andi), um erneut ein sehr beeindruckendes Machwerk unter dem Banner IRON SAVIOR abzuliefern. Die schon auf den letzten Alben zu bemerkende JUDAS PRIEST-Schlagseite kommt auf „Megatropolis“ noch eine Spur deutlicher ans Tageslicht, offensichtlich liegt Piet und Co. eben jene Ausführung von Metal im Blut. Gut gemacht sind die Songs erneut allesamt und Experimente haben IRON SAVIOR auch gar nicht nötig, man verlässt sich auf seine Fähigkeiten und der Fan weiß, was er erwarten darf. Die neun Tracks kommen sehr gefällig aus den Boxen und zudem ist es IRON SAVIOR dieses Mal auch gelungen, ein Album voll bepackt mit Hits abzuliefern. Das mittlerweile sechste Album dieser Band ist abermals sehr abwechslungsreich geworden, kann mit Up-Tempo-Geschossen, wie dem fulminanten Start in Form von „Running Riot“ ebenso aufwarten, wie mit druckvollen Mid-Tempo-Stampfern (der Titeltrack ist schlicht und ergreifend ein mächtiger METAL-Song wie aus einem Lehrbuch) und weiß über die gesamte Spielzeit durch zwingende Eingängigkeit zu überzeugen. Die Songs erklingen allesamt klassisch-metallisch, die Jungs wissen Soli perfekt zu intonieren, können in Summe mit ihrem kompetenten Vortrag beeindrucken und verfügen nunmehr auch über stadiontaugliche Refrains (Titelsong, „Cybernatic Queen“, „Cyber Hero“, und, und, und….), weshalb IRON SAVIOR nun endgültig die ihnen gebührende Beachtung finden müssten. Viel mehr an klassischem Heavy Metal kann man auf einem Album im Moment kaum erhalten. Walter FROM GRACE - Frayed End Network (Stagefright Records) Fünf dem Augenschein nach noch ganz junge Burschen zelebrieren auf ihrem Debüt moderne Klänge der angesagten Art. Mit einer opulenten Melange aus Aggressionen und Emotionen verpackt in ungemein druckvollen Sound lassen uns die Jungs wissen, dass sie sowohl den Metalcore zu schätzen wissen, aber ebenso auch Punkrock der poppigen Art spielen können. Zudem kommen auch einige Metal-typische Soli zum Vorschein, die ebenso gut ins Gefüge passen wie der abwechselnd harsche und melodische Gesang. Die Songs wirken bereits kompakt und gefällig, die wirklichen Hits lassen aber noch auf sich warten. Auf der Insel scheint der Durchbruch unmittelbar bevor zu stehen, was nicht zuletzt auch an einer durchaus positive Kritik im „Kerrang!“ liegen dürfte (na dann. Andi). http://www.myspace.com/stagefrightrecords Walter Axel Rudi PELL - Diamonds Unlocked (Steamhammer / SPV) Als Pausenfüller von sehr hohem Unterhaltungswert offeriert uns einer der letzten echten europäischen Gitarrenhelden nun ein Coveralbum. Dabei kredenzt uns Axel Rudi nicht nur seinen breitgefächerten Musikgeschmack, sondern stellt auch unter Beweis, dass man als Hardrocker von Welt sehr wohl auch genrefremde Songs interpretieren kann, ohne deren Struktur zu verändern bzw. deren Charakter zu zerstören und wie man zudem dem jeweiligen Track auch eine eigene Note verpassen kann. Diesbezüglich müssen „Like A Child“ (THE MISSION), „In The Air Tonight“ (Phil COLLINS) und „Beautiful Day“ von U 2 genannt werden, die man nicht wirklich erwarten durfte. An jenen, dem Augenschein nach besser zur Formation passenden Coverversionen von Songs wie „Love Gun“ (KISS), „Heartbreaker“ (FREE) oder auch „Rock The Nation“ (MONTROSE) gibt es aber ebenso nichts zu meckern, wobei Sänger Jonny Gioeli seinen variablen und immerzu passenden Gesang erneut unter Beweis stellt und uns einmal mehr wissen lässt, dass er im Hardrockbereich mit zu den im Moment besten Vokalakrobaten zu zählen ist. Ob es jedoch wirklich schlau war „Warrior“ von RIOT zu covern, wird sich erst zeigen, denn dieser Formation sind im Laufe der Jahre schön öfters Sänger abhanden gekommen und durch seine famose Vorstellung in eben jenem Track hat sich Jonny mehr oder weniger unabsichtlich in den engsten Kandidatenkreis gesungen, wenn Mark Reale wieder einmal auf der Suche nach einem Mann am Mikro sein sollte. Walter ROAD TO RUIN – Same (Metal Heaven / Soulfood) Da braucht der gute Lars Chriss endlos lange, um uns erneut mit einem weiteren Output seines Hauptbetätigungsfeldes LION'S SHARE erfreuen zu können und dann, wie aus heiterem Himmel, erscheint nur wenige Monate später das Debüt eines weiteren Acts mit seiner Beteiligung namens ROAD TO RUIN. Aber ganz so unmittelbar ist es nun doch nicht passiert, dass uns der Kerl erneut die Ehre erweist. Als sich Lars nämlich im Jahre 2005 mit Sampo Axelsson, der bei GLENN HUGHES seine Brötchen verdient, zusammengetan hat, entstanden auch reichlich Songideen, die für LION'S SHARE schlicht unbrauchbar waren, allerdings auch viel zu schade um verworfen zu werden. Kann ich gut nachvollziehen (im Gegensatz zu Deinen endlosen Satzbauten... Andi), denn dafür rocken die neun Tracks dieses Werks in der Tat zu sehr. Nachdem mit Thomas Broman (u.a. ELECTRIC BOYS, AUDIVISION) ein geeigneter Drummer gefunden wurde, kontaktierten die Jungs den ehemaligen SKINTRADE-Sänger Matti Alfonzetti, um mit ihm an der Fertigstellung von „Road To Ruin“ zu arbeiten (und? wo ham´sase ´troffen? was ham´s getrunken dabei? Irgendwelche Witzerln erzählt, Anekdoten ausgetauscht,... ?! Andi). Matti war dann auch nicht nur für den Gesang, sondern auch für den Mix zuständig und das vorliegende Ergebnis lässt für den Freund des klassischen Hardrocks in der Tat keine Wünsche offen. Auch wenn der Opener „The Only One“ nicht der ideale ist, weil die Nummer im Endeffekt nicht wirklich zu den Highlights dieses Albums zu zählen ist, lässt sich schon hier erahnen, dass dieses Quartett im Verlauf der Spielzeit ihren Vorbildern ein Denkmal zu setzen gedenkt und dementsprechend ganz im Stile großer, alter Meister aufspielt. In „Pale Rider“ kommen großartige Grooves aus den Boxen, die in Summe einen fetten Hardrocksong ausmachen, für den durchaus auch LED ZEPPELIN Pate gestanden haben könnten, wenn auch die Orgel im Hintergrund eher DEEP PURPLE als Inspiration vermuten lässt. Ebenfalls nach längst vergangen Tagen klingt das getragene, von sattem Orgelspiel eröffnete „Face OF An Angel“, in dem Lars zudem ein dezent an Meister Schenker anmutendes Solo integrieren konnte. Der Ohrwurm „Pleasure And Pain“ könnte dann ebenso gut aus dem Fundus von David Coverdale stammen, bevor ROAD TO RUIN die Feuerzeuge der Zuhörer fordern (weil sie die CD verbrennen wollen? Andi), denn die gefühlvoll intonierte Halbballade „For Your Soul“ hält, was ihr Name verspricht. Ihr modernstes Stück lassen uns die Herrschaften dann in Form von „Walk The Line“ hören, denn hier fühle mich eher an die PRETTY MAIDS erinnert als an die ganz alten Helden. Danach haben ROAD TO RUIN den Blues und das in mächtiger Form. „Thorn In My Side“, so der Titel, kommt mit mächtiger BAD COMPANY-Schlagseite aus den Boxen, wird aber von einer Bluesgitarre dominiert, wie sie selbst Gary MOORE nicht besser hinbekommen hätte (Review-Schreiber Schule, heute am Programm: „wie viele Band-/Musiker-Namen kriege ich in einem Review unter?“... Andi). Erneut dem Titel entsprechend, folgt mit „Crawling“ ein Groove-Monster auf dem Fuß, furztrocken und drückend überfällt uns dieser Track, dass man fast befürchtet, die Boxen würden bersten. Mit einem gediegenen, getragen intonierten Rocksong der alten Schule beschließen ROAD TO RUIN in Form von „Until I See The Sun“ ihr Debüt und lassen mich innig darauf hoffen, dass es sich bei dieser Formation nicht nur um eine kurzzeitige Kollaboration handelt. Walter THROWDOWN - Venom & Tears (Trustkill / SPV) Im Laufe der Zeit hat sich das aus Orange County, Kalifornien, stammende Quintett immer weiter vom Hardcore-lastigem Punk hin zu schwermetallischen Klängen entwickelt. Auf ihrem aktuellen Album ist der Hardcore nur noch in geringen Dosen zu hören, während vor allem rifftechnisch in den insgesamt 13 Songs der Metal das Sagen hat. Vor allem eine, leider nicht mehr existierende, Band scheint es THROWDOWN angetan zu haben. „Venom & Tears“ könnte gut und gerne auch als „verlorenes“ PANTERA-Album in die Annalen eingehen, zumal nicht nur die Riffs von Mark Choiniere immer wieder an das Lebenswerk von Darrell Lance Abbott (RIP) erinneren, sondern auch der Gesang von Dave Peters mittlerweile mit massiver Phil Anselmo-Schlagseite aus den Boxen kommt. Ihre Eigenständigkeit beweisen THROWNDOWN aber sehr wohl, denn abgesehen von dieser massiven Einflussquelle lassen sie uns sehr wohl auch wissen, dass sie mit zu den Originatoren des Metalcores zu zählen sind und haben auch selbstredend nicht zu unterschätzende Anteilsmengen davon in ihren Sound integriert. Aus diesen Zutaten kreierten THROWDOWN „Venom & Tears“, ein Album, das an Aggressivität kaum zu übertreffen ist und zudem unter Beweis stellt, weshalb diese Formation vor allem in den Saaten ihren Durchbruch längst geschafft hat. Walter OVERLOADED – Regeneration (Eigenproduktion) Mit zu den fleißigsten Bands gehören mit Sicherheit diese Amis. Nach dem Debüt „Hail The Kingdom“, der EP „Hellfire“ und einer selbstbetitelten Compilation dieser beiden Scheiben, die allesamt innerhalb der letzen zwei Jahre in Umlauf gebracht werden konnten, folgt anno 2007 mit „Regeneration“ erneut ein Longplayer. Auch wenn es dieser Silberling auf lediglich 35 Minuten Spielzeit bringen kann, kredenzen uns die Jungs aus der einst von KISS besungenen „Detroit Rock City“ neun Songs die allesamt in jenem Stil gehalten sind, mit dem uns das Quintett bereits seine ersten Werke offeriert hat. Auf „Regenration“ sucht man zwar Innovation vergeblich, diese fünf Jungs haben den sleazigen Hardrock und Heavy Metal, für den Bands wie LIZZY BORDEN oder RATT bekannt geworden sind, intus und das offenbar bereits seit frühester Kindheit. Zudem legen OVERLOADED eine Rotzigkeit an den Tag, wie man sie ansonsten nur von Größen wie MÖTLEY CRÜE oder SKID ROW zu deren Blütezeit kannte. Kurioserweise klingt Sänger Chris Gillen, dessen Stimme merklich gereift ist, in der Zwischenzeit ein wenig nach seinem leider viel zu früh von uns gegangenen Namenskollegen Ray. Aber nicht nur in Sachen Gesang kann man Fortschritte bei OVERLOADED feststellen, die Songs haben in Summe an Durchschlagskraft zugelegt und „Regeneration“ verfügt dadurch über eine durchaus den genannten Referenzbands gerecht werdende Hitdichte. http://www.overloadedmusic.com Walter KIANA – Reflections (Eigenproduktion) Auch wenn der Bandname eher nach dem Solo-Projekt einer Sängerin anmutet, haben wir es hierbei mit einem Buben-Quintett zu tun. Dieses stammt aus Hyvinkää in Finnland und hat somit mehr oder weniger eine Tradition zu erfüllen, nämlich jene, Musik mit Hitcharakter abzuliefern. KIANA schaffen es auf ihrer ersten EP, der lediglich ein selbstbetiteltes 3-Track Demo vorangegangen war, auch problemlos jene Hitdichte zu offenbaren, für die zahlreiche ihrer Landsleute berühmt geworden sind. Womit schon einmal diesbezüglich alles im grünen Bereich für das erst seit knapp drei Jahren existierende Quintett ist. Zudem haben die Herrschaften aus dem hohen Norden aber auch eine sehr schmackhafte, abwechslungsreich gestaltete und wohl auch momentan sehr angesagte Melange zu bieten. Ihre Songs lassen in erster Linie Einflüsse von schwedischen Nachbarn wie SOILWORK und IN FLAMES erkennen, wobei KIANA mit „Free Fall“ und dem Titelsong ebenso Hits im Talon haben wie jene Zeitgenossen. Hinsichtlich der Gitarrenarbeit scheinen zusätzlich auch technisch noch anspruchsvoller agierende Formationen wie SCAR SYMMETRY die Finnen nachhaltig beeindruckt zu haben, wie man in „Sickness In Me“ nachvollziehen kann. Der Gesang von Jani Hytönen kommt zwar zumeist in rauer Art aus den Boxen, der Kerl versteht es jedoch immer wieder auch melodiöse Gesangsparts einzustreuen, was nicht nur perfekt zu den ebenso abwechslungsreich gestalteten Tracks passt, sondern darüber hinaus zu einem Erkennungsmerkmal für KIANA gedeiht. Mit dem Ohrwurm „Garden Of Eve“, den auch Größen wie KILLSWITCH ENGAGE nicht eingängiger komponieren hätten können, endet diese, voraussichtlichte letzte in Eigenregie unters Volk gebrachte, Vorstellung von KIANA, die auf zukünftige Großtaten einer weiteren Band aus dem unerschöpflichen Fundus an musikalischen Talenten aus dem Land der tausend Bands und Seen hoffen lässt. Walter GENERAL STORE BAND - Vision Of Diversity (Brennus / Just For Kicks) Schon nach wenigen Minuten erscheint vor dem magischen Auge des Zuhörers eine im Wind wehende Südstaaten-Flagge, von vier Typen mit entsprechendem Stolz gehisst, wie es eben für jene Region üblich ist. Aber die vier Herrschaften der GENERAL STORE BAND, die bereits seit 15 Jahren unter diesem Namen zusammen musizieren, kommen mitnichten aus des den Vereinigten Staaten, sondern aus Europa, genauer gesagt aus Frankreich. In und um ihre Heimatstadt Bordeaux herum hat sich die Formation längst einen guten Ruf erspielen können und zudem existieren auch bereits mehrere Veröffentlichungen dieser Band. Man orientiert sich aber stilistisch eindeutig an den Helden aus dem Süden der US of A, und es ist lediglich der charmante, mitunter jedoch verräterische, Akzent der auf Fronkreisch als Herkunft der GENERAL STORE BAND hinweist. Ansonsten lassen es die vier Herren in Tradition von Gruppen wie MOLLY HATCHET krachen, erinnern mitunter an THE BLACK CROWES, spricht auf „Vision Of Diversity“ rockt es über die gesamte Spielzeit munter drauflos. Neben harten Gitarrenpassagen hat die Truppe aber auch fette Keyboardsounds im Talon und weiß durch ungemein eingängige Kompositionen zu gefallen. Auf dieser Scheibe geht rockmäßig wahrlich die Post ab, die Musik macht zudem permanent gute Laune und auch dementsprechend Gusto auf die eine oder andere Hopfenkaltschalen. Zu eben diesen schmecken die locker aus der Hüfte gespielten und entsprechend rau aufgenommenen Songs auch am besten, weshalb auch hiermit offiziell mit einem gut gekühlten, frisch gezapften Bier angestoßen werden und – wenn auch in Anbetracht eines dezenten trinkkulturellen Fehlgriffes - ein raukehliges PROST gen Bordeaux gebrüllt werden darf um der Band zu diesem Album zu gratulieren! http://www.generalstoreband.com Walter TORMENTOR – Dystopia (Eigenproduktion) TORMENTOR? So hießen doch KREATOR in ihrer Anfangszeit. „Dystopia“? Auch dazu fällt mir sofort Mille und seine Band ein. Aber diese TORMENTOR, die ihr aktuelles Werk denselben Titel gegeben haben wie KREATOR einst einem ihrer Songs, haben mit den Klängen dieser deutschen Metal-Institution nicht viel am Hut (dafür aber einen an der Waffel und/oder keine Ahnung und, sonst täten sie nicht diese Namen/Titel verwenden... Andi). Seit dem Jahre 2003 existieren diese TORMENTOR nun bereits und haben es in dieser Zeit auch schon auf unzählige Auftritte zusammen mit Größen wie CONTRADICTION, GODDESS OF DESIRE oder PERZONAL WAR (na bumm. Was für Größen! Andi) gebracht. Der Einstieg in das Debüt der Truppe erfolgt in Form von „War“, kommt in zwei Teilen aus den Boxen und weiß den Zuhörer mit traditionellem, recht hurtig gespieltem Metal zu erfreuen. Auch wenn die Sache spieltechnisch teilweise noch ein wenig holprig wirkt, weiß der pure, rohe Metal dieser Jungs zu gefallen, denn an sich verfügen die Kompositionen bereits über reichlich Druck. Der dezent rock'n'rollige Touch des zweiten Teils stellt ein erstes Highlight dar, denn diese Nummer ist live sicher ein Abräumer vor dem Herrn. Die Gemüter dürfen dann mit Hilfe von „In Death It Ends“ wieder abgekühlt werden, dezent balladeske Klänge stehen auf dem Programm, wobei die kratzbürstige Stimme von Matthias Zöllig gerade in dieser Nummer sehr charmant rüberkommt. Stampfender Metal in traditioneller Ausführung und in unterschiedlichen Tempi regiert dann „In This Hell“ und „Rise Of Dead Nation“, wobei diese Songs auch mächtig Eingängigkeit innehaben. „Trail Of Blood“ ist dann sehr hurtig ausgefallen und weiß mit wieselflinken, hammerhart gespielten Riffs zu beeindrucken, als Referenz muss hier der Name OVERKILL genannt werden, in deren Vorprogramm TORMENTOR bestimmt bestens aufgehoben wären. „ Apocalypse...Not Today“ kommt in ähnlicher Art aus den Boxen und mit dem Bonus in Form von „Forbidden Times“ beenden TORMENTOR in bester Speed Metal-Manier ihr Debüt, mit dem diese Herrschaften aus dem Raum Siegburg ihren Bekanntheitsgrad locker vervielfachen können sollten. Walter TAINT - Secrets And Lies (Rise Above / Soulfood) Wenn stilistisch auf den ersten Horch nicht unbedingt passend, so muss man diesen Walisern schon nach wenigern Durchläufen attestieren, sehr wohl perfekt in das Produktportfolio des feinen Labels Rise Above zu passen. Auch wenn TAINT weniger mit doomigen Klängen zu tun haben, so merkt man dem Trio ihre ehrliche Art und Weise wie sie ihre ungemein rockigen Songs zum Besten geben sofort an. Eben jene Kompromisslosigkeit lässt dieses Album auch zu einem Leckerbissen für Freunde von harten Rockklängen jedweder Art werden. Auch wenn mitunter eine massive Schlagseite gen Stonerrock auszumachen ist, von „benebelt“ sind die Jungs hier weit weg. Viel eher gehen sie mit Nachdruck ans Werk, lassen die Gitarren in Manier alter Helden aufjaulen, den Bass mächtig knarzen und wissen zudem auch immer wieder mit eingängigen Melodien zu gefallen. Ich weiß zwar nicht wie lange TAINT wirklich für die Aufnahmen von "Secrets And Lies" gebraucht haben, es wäre aber nicht wirklich verwunderlich, wenn diese Truppe in kürzestmöglicher Zeit ihre Arbeit abgeschlossen hätte, denn viel bodenständiger und geradliniger kann man derlei Klänge nicht von sich geben. Einzig der im Laufe der Spielzeit etwas monoton wirkende, immer wieder nach „Morgen danach“ tönende Gesang bedarf einer Überholung. Nehmt eurem Sänger bitte den „Guten-Morgen-Whiskey“ weg, in spätestens zwei Jahren kann man von seinen Gesangspassagen ansonsten nämlich gar nichts mehr verstehen! Walter VENI DOMINE - Tongues (MCM Music) Es tut mir immer wieder weh (Deine Reviews zu lesen? Geht mir auch so. Andi), wenn ich miterleben muss, dass überaus talentierte Formationen, die im Laufe ihrer Karriere ausschließlich feinstes Material abgeliefert haben, auf Grund der Tatsache, dass ihre Klänge niemals dem Zeitgeist entsprochen haben, nach einigen Kooperation mit Plattenfirmen irgendwann mehr oder weniger in Eigenregie ihre Alben veröffentlichen müssen und somit quasi erneut am Anfang ihres Musikerdaseins stehen. Nichts gegen MCM Music, die sehr bemüht sind und sich um ihre Schäfchen kümmern, zu denen neben SAVIOR MACHINE und einigen mehr auch VENI DOMINE gehören, aber weshalb keines der bekannten Labels Interesse an dieser schwedischen Band zeigt, ist mir mehr als nur schleierhaft. Seit mittlerweile bereits 20 Jahren ist die Formation rund um die Brüder Thomas und Torbjörn Weinesjö aktiv und lieferte im Laufe ihres Bestehens wahre Meisterwerke des metallischen Sounds ab. Mit „Tongues“, ihrer sechsten Scheiblette gelingt ihnen dieses Kunststück erneut und das in beeindruckender Manier. Wie bislang, ist es allerdings auch an Hand von „Tongues“ relativ schwierig diese Band stilistisch eindeutig zuzuordnen, da VENI DOMINE ungemein vielschichtig zu Werke gehen. Die Basis der Songs ist wohl immer noch der Doom in metallischer Form, doch wie schon auf dem letzten Album „23:59“, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, haben Thomas (Drums), Torbjörn (Gitarren, Gesang) und Sänger Fredrik Sjöholm, die für „Tongues“ am Bass von Andreas Ohlsson (NARNIA, Rob ROCK), Peter Carlsson (JERUSALEM) und Ez Gomer (JET CIRCUS) unterstützt wurden und sich die Arbeit an den Keyboards im wahrsten Sinne des Wortes brüderlich geteilt haben, eine massive Schlagseite aus dem progressiven Metal-Bereich aufzuweisen. Vor allem der immer wieder regelrecht hypnotische Gesang trägt ein mächtiges Scherflein zum Gelingen der Musik von VENI DOMINE dar. Diesbezüglich fallen mir des Öfteren SAVIOUR MACHINE ein, und zwar weniger auf Grund eventueller stimmlicher Ähnlichkeiten, als viel mehr von der Phrasierung und der Intensität her, mit der Fredrik seinen Gesang vorträgt. Da auch VENI DOMINE seit Beginn ihrer Karriere kein Hehl aus ihrer Zugehörigkeit zum christlichen Glauben gemacht haben, ist wohl ein weiterer Querverweis zu diesen Amis nachvollziehbar. Auf „Tongues“ regiert in erster Linie die immer wieder ungemein intensiv intonierte Gitarre von Torbjörn, der Riffs ohne Ende aus dem Ärmel schüttelt und dabei nicht nur an Großmeister der doomigen Klänge erinnert, sondern auch an Heroen des progressiven, melodiösen Metal denken lässt. Doch richtig zur Wirkung kommt bei dieser Band alles erst dann so richtig, wenn die Formation im Kollektiv auftritt und genau das exerzieren VENI DOMINE über die gesamte Spielzeit. Geradezu wehklagend gehen die Schweden dieses Album an, für den Fan besteht jedoch absolut kein Grund zur Traurigkeit. Der mehr als nur verdächtig nach einem Hit tönende Opener „October“ lässt das Blut in Wallung geraten und auch das folgende, mit einem fulminanten Solo und abgefahrenen, geradezu wirren Passagen gesegnete „Scream“ weiß zu beeindrucken. „The Bell Of A Thousand Years“ kann gut und gerne auch als stampfender Doom in Heavy Rock-Ausführung bezeichnet werden, ehe uns „The Rider On The White Horse“ heimsucht und VENI DOMINE dabei an eine metallische Variante von Eric Clayton und seinen Mannen erinnern. In „Two Times“ zeigt die Band dann ihre düstere Doom Metal-Seite, bevor die Halbballade „Bless My Pain“ Gänsehaut ohne End entstehen lässt. „Stay With Me“ startet dann ordentlich durch und zeigt uns abermals die rockigere Seite dieser Formation, bevor erneut todtrauriger, melodiöser Doom in Reinkultur in Form von „You Leave Me Cold“ den Raum erfüllt. An das Ende dieser Scheibe haben VENI DOMINE dann die beiden längsten Nummern gestellt. „Tree Of Life“ offeriert dabei die mannigfaltige Ausführung des gesamten Klangbildes dieser Band auf imposante Art. Klare Gitarrenpassagen wechseln sich perfekt mit verzerrten ab, dazu prägen polyrhythmische Strukturen das Bild und mit extrem in die Länge gezogenen Gesangpassagen betont Fredrik die fast schon irrsinnig anmutenden Gitarrenfrickeleien, die hier ebenfalls zu hören sind. Mit dem mehr als fünfzehnminütigen Titelsong entlassen uns die Herren dann aus ihrem aktuellen Meisterwerk, natürlich nicht ohne nochmals eine geballte Ladung ihres Könnens zu offenbaren. Auf ein monolithisches Riff-Monster aufbauend, zelebrieren VENI DOMINE hier Doom Metal in Reinkultur, ehe es ab der Hälfte der Spielzeit in höchst melodischer Form progressiv wird. „Tongues“ ist definitiv ein Pflichtalbum für einschlägig vorbelastete Individuen und alle die es noch werden wollen! Walter |
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