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SEPTEMBER 2007
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In der Herbstausgabe des Magazins angekündigt: >>> AOR-CDS online
(Diese Reviews und noch mehr Neuigkeiten unter MUSIC MAGAZIN auf www.planet,tt)

 

GROUND ZEROO - One Two (Eigenproduktion)
Mit geradezu entspannt intonierten Gitarrenklängen eröffnen die aus dem Raum Stuttgart stammenden GROUND ZEROO ihr aktuelles Album „One Two“. Zwar wird in „Mirror Image“ speziell durch den Gesang von Steph in Folge auch eine satte Dosis Aggression ins Spiel gebracht, dennoch bleibt der Opener ein klein wenig farblos, unspektakulär und im Nachhinein betrachtet auch die schwächste Nummer des Silberlings.

Schon im folgenden „Low“ gehen es die Jungs wesentlich heftiger und auch tempomäßig mit erhöhter Schlagzahl an und wissen damit wesentlich besser zu gefallen, zumal die immens wuchtigen, sich gen New Orleans verbeugenden Riffs perfekt mit dem latent nach Hardcore-lastigen Doomstern erinnernden Gesang harmonieren. Dass GROUND ZEROO mit langsamen, melancholischen Klängen wirklich mächtig zu beeindrucken wissen, beweist der dezent Blues-lastige Titeltrack, in dem erneut der vor Schmerz und Wut regelrecht triefende, aber keineswegs weinerliche, sondern schlicht der Welt auf diese Weise seine Emotionen vermittelnde Gesang von Steph perfekt zur Geltung kommt. Damit ist GROUND ZEROO zudem auch ein wahrer Ohrwurm gelungen, der auch keinerlei internationalen Vergleiche zu scheuen braucht.

Die Entführung in die „Zombienation“ ist dann abermals weniger spannend, hier wirkt die Handbremse zu sehr angezogen, sprich die Intensität des Songs will deshalb nicht wirklich zur Geltung kommen, auch wenn die Riffs und auch der Aufbau durchaus gelungen sind. Das mit einem massiv intonierten, nach Größen aus den sumpfigen Südstaaten der US of A erinnernde, Riff-Gewitter startende „Black“ hat dann aber sehr tiefschürfende, unter die Haut gehende Klänge zu bieten und erzeugt eine zentimeterdicke Gänsehaut, wie auch das doomige „In Memory Of..“, mit dem die Jungs ihr aktuelles Album beenden.

Auch wenn noch nicht alle Songs zu imponieren wissen, muss man dieser Truppe fraglos attestieren, reichlich Potential zu besitzen und zudem muss die Hingabe mit der die Jungs auf „One Two“ zu Werke gehen, erwähnt werden - denn GROUND ZEROO leben und sterben ihre Songs regelrecht.
www.ground-zeroo.de

Walter

LOW-DOWN HIGH – Same (Eigenproduktion)
Wer dachte, rotziger Rock’n’Roll wäre in Österreich nur dann zu hören, wenn internationale Gäste hier Station machen, der sollte sich schleunigst mit dem Debüt der Wiener Formation LOW-DOWN HIGH auseinandersetzen.

Das auf dem Covermotiv zur Schau getragene CBGB-Shirt würde man dieser Band durchaus auch als Tourneemitbringsel abnehmen, denn das Quartett versteht es herrlich, groovenden Rock mit mächtig Dreck von internationalem Format abzuliefern. Egal welchen der insgesamt fünf Tracks man auch anspielt, LOW-DOWN HIGH sorgen für feinsten, teilweise recht harten Rock; bringen diesen sehr glaubwürdig rüber und verfügen zudem auch über das nötige Gespür für zwingende Melodien.

Deshalb schaffen es die Jungs auch problemlos, sich mit allen Tracks im Langzeitgedächtnis des Hörers festzusetzen. Chewie (V, B), Bomba (G), Simon (G) und Robert (D) haben mit diesem selbstbetitelten Debüt einen bravourösen Einstand abgeliefert. Wenn diese Band ihre Spielfreude auch live an den Fan bringen und obendrein noch ein Label von ihren Qualitäten überzeugen kann, bin ich mir sicher, dass es auch auf internationalem Parkett klappt. Denn Vergleiche zu Größen müssen LOW-DOWN HIGH nicht wirklich scheuen.
www.myspace.com/lowdownhighrocks

Walter

FREUND HEIN - Chaos Immanent (Eigenproduktion)
Seit gut zehn Jahren treiben FREUND HEIN ihr Unwesen im österreichischen Metal-Untergrund und schon zu Zeiten, als sich das Unternehmen noch CRAVING FOR VALUSIA nannte, war diese Formation dafür bekannt, sich selbst und auch den Rest der Welt, nicht immer unbedingt todernst zu nehmen.

Daran scheint sich auch im Jahre 2007 nicht viel geändert zu haben, denn auf ihrem ersten Longplayer wird exakt das offenkundig. Eingangs muss jedoch eindeutig festgestellt werden, dass FREUND HEIN keinesfalls zur Sorte der „Comedy Metaller“ zu zählen sind, da sie nicht nur musikalisch sehr wohl einiges auf dem Kasten haben, sondern ihr Humor zum Teil eher subtil ausgefallen ist und eine wohldosierte Sarkasmus aufweist. Dass es dadurch mitunter ein klein wenig an Laufzeit bedarf, ehe sich einem der „Schmäh“ von FREUND HEIN erschlossen hat, sei obendrein gleich eingangs erwähnt, um etwaigen Enttäuschungen vorzubeugen. Ein von sehr abgefahrenen Comics veredeltes Booklet und ein ebensolcher Infozettel lassen aber keinen Zweifel aufkommen, dass FREUND HEIN mit zu den unterhaltsamsten Zeitgenossen im Metal-Business überhaupt zu zählen sind.

Die Klänge dieser Band selbst lassen sich allerdings nur sehr, sehr schwer beschreiben, denn die Niederösterreicher offerieren einen Mix aus sehr unterschiedlichen Anklängen, der auf den ersten „Horch“ wohl noch ein wenig wirr klingen mag, sich bei eingehender Hingabe aber sehr wohl erschließen lässt. Die Gitarristen lassen Riffs und Licks vom Stapel, die technisch sehr versiert klingen und zudem immer wieder auch aus den Prog-Bereich entlehnt sein könnten, in erster Linie aber wohl doch unter dem Einfluss des technischen Death Metal der älteren Schule entstanden sein dürften. Dazu offenbart uns Drummer „The Notorious Penta-Peil“ seine Fähigkeiten an seinem Arbeitsgerät, wo er nicht nur für mächtigen „Wumms“ sorgen kann, sondern obendrein mit Fills die Songs zu garnieren versteht, weshalb FREUND HEIN durch ihre zahlreichen verqueren Breaks und die mitunter fast schon abstrusen Keyboard-Melodien geradezu avantgardistisch klingen. Wenn nicht Sänger „Gorepheus Bloodimir Grindpa Heartbreaker Jesus Wurschtl Christ (Pseudo) Beatnik Hein a.k.a. Schmeichelkönig“ ebenso mannigfaltig, also sprich brüllend, schreiend, feixend, sehr wohl aber auch ganz normal singend ans Mikro gehen würde, könnt man befürchten der Kerl wäre überfordert mitzuhalten, so aber schafft er es problemlos sich perfekt ins entstandene Gesamtbild einzufügen.

Dazu passend kredenzen uns FREUND HEIN auch ihre nicht minder unterhaltsamen lyrischen Ergüsse in englischer und deutscher Sprache und setzen somit den fehlenden Puzzle-Stein in ein trotz allem ästhetisch anmutendes Gesamtkunstkunstwerk. In Anlehnung an einen ihrer Tracks mit dem philosophischen Titel „Der Tod Lässt Sich Nicht Berechnen“ ausgestatten haben, könnte man ebenso gut sagen: „FREUND HEIN Lassen Sich Nicht Berechnen“, um ihre Klänge auf den Punkt zu bringen.

Die den fünf Musiker zuzuordnenden, auf der Inlay-Card abgebildeten Skulpturen erinnern mich übrigens ein wenig an Marterpfähle (mhm, mhm, da war mal was...Andi), weshalb sich FREUND HEIN bei mir noch zusätzliche, natürlich rein subjektive, „Bonüsse“ abholen dürfen.
www.myspace.com/freundhein

Walter

WATCH ME BLEED - Prormo 2007 (Eigenproduktion)
Bei dieser, erst seit dem letzten Jahr existierenden Band sind mit Markus Pohl (Gitarre) und Steffen Theurer (Drums) zwei Mann von SYMPHORCE am Start, die mit jenem anderen Betätigungsfeld wohl nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass Sänger Andy B. Franck doch mit BRAINSTORM mehr eingespannt ist als es den Jungs von SYMPHORCE lieb sein kann, scheinbar nicht ausreichend ausgelastet sind. Klar, Markus ist zudem auch noch bei MYSTIC PROPHECY aktiv, aber da er ein wahrer Workaholic zu sein scheint, fanden er und Steffen ausreichend Zeit, vor allem aber Inspiration und Motivation um WATCH ME BLEED aus der Taufe zu heben. Basser Mark Knaus und KICKDOWN-Sänger Chris Rodens vervollständigen übrigens dieses Quartett, das sein erstes Demo im Laufe der letzten Monate eingespielt hat.

„Rise“ eröffnet dieses und ist ein sehr heftiger Up-Tempo-Banger mit recht harschem Gesang geworden. Die Gitarren klingen extrem modern und äußerst knackig, zudem wissen WATCH ME BLEED mit ungemein heftigen Rhythmen zu gefallen und Chris versteht es gekonnt, seine aggressiv tönende Stimme dazu einzusetzen. Vor allem die instrumental sehr abgefahren arrangierten Passagen in Verbindung mit den melodiösen Sangespassagen wissen zu gefallen, wobei hier ein wenig der Einfluss von NEVERMORE durchschimmert. Speziell die Kombination aus den teilweise extrem harten Gitarrenriffs und dem, vor allem im melodiösen Bereich fast hypnotisch anmutenden Gesang lassen dem Zuhörer diesen Vergleich in den Sinn kommen. Beschreiben lässt sich „Rise“ wohl am ehesten als modern intonierter heftiger Metal mit massiver Thrash-Schlagseite und reichlich Power-Metal-Anleihen. Nicht zuletzt durch den mitunter extrem rauen Gesang darf aber auch der Death Metal in moderner und melodiöser Art als Zutat hier nicht vergessen werden, denn auch dieser trägt sein Scherflein zum Gelingen bei.

Mit dem zweiten Track „SixSixSeven“ haben WATCH ME BLEED in ihrer erst kurzen Existenz bereits einen wahren Ohrwurm ins Leben gesetzt. Ein sehr rifflastiger Banger in massiver Ausführung bricht hier reglerecht über den Zuhörer herein. Kopf und Nacken wissen ohnehin bereits nach kurzer Spielzeit was zu tun ist und der sehr eingängige, nach ARCH ENEMY tönende Refrain tut sein Übriges zum Gelingen dieser Nummer. Zusätzlich darf auch der subtile Humor der Jungs, die hier mit einem Augenzwinkern ihre Nachbarschaft "besingen", nicht außer Acht gelassen werden, ihr wisst schon: „The Neighbour Of The Beast“ und so (hahaha, i lach mi deppat. Andi).

Last, but not least haben WATCH ME BLEED mit „The Game Is On“ danach eine weitere, sehr modern intonierte Metal-Nummer mit tiefer gestimmten Gitarren und eben solchem Gesang anzubieten, wobei hier aber ein ungemein eingängiger und melodiöser Refrain zu hören ist, der auch SYMPHORCE geradezu auf den Lieb geschneidert wäre. Generell lässt sich für mich nunmehr die etwas dunklere und heftigere Ausführung der letzten Scheibe von SYMPHORCE noch besser nachvollziehen, schließlich hat Markus Pohl in beiden Bands seine Fingerchen im Spiel, wenn es um das Komponieren der Songs geht, und dieses Handwerk versteht dieser junge Mann ohne Frage verdammt gut, was aber auch auf seine Mitstreiter zutrifft, die sich hier ebenso mit grandiosen Leistungen verewigt haben.

WATCH ME BLEED können sich mit diesem Demo mit Sicherheit problemlos und überall für einen Deal bewerben, weshalb diese Songs wohl die einzigen bleiben werden, die diese Band ohne einen Businesspartner in Umlauf bringen wird müssen. Und weil Fannähe bekanntlich bereits im frühesten Stadium einer Band beginnt, darf sich der Interessent auch alle drei Songs von der Webpage der Formation laden (was bin ich froh, dass die CD nur drei Tracks hat. Sonst tät dieses Review noch 17 Seiten dauern... Andi).
www.watchmebleed.com

Walter

VULVATHRONE – Bukkake (Eigenproduktion)
Lust auf eine satte Dosis unappetitlich versauten Grindcore / Death Metal mit derb-deftigen Porno-Texten (eigentlich net, danke. Andi). Dann sollte das erste Full-Length-Album der Slowenen VULVATHRONE mit dem Titel „Bukkake“ genau das Richtige sein.

Das Quintett aus Murska Sobota kredenzt uns musikalisch zwar nicht wirklich Innovatives, weiß aber mit seinen Klängen durchaus für Unterhaltung zu sorgen. Klar, die „PC“-Abteilung wird einen weiten Bogen um die Herrschaften machen, man muss jedoch erwähnen, dass VULVATHRONE offensichtlich zu jenen Formationen zu zählen sind, die sich selbst nicht ganz so todernst nehmen, weshalb man hier auch ein wenig differenziert an die Angelegenheit herangehen sollte, ehe man die Band verurteilt.

Hinsichtlich der Musik fallen mir in erster Linie PUNGENT STENCH als Verweis ein, deren Frühwerk in den „Longtracks“ hier als Einfluss nicht zu überhören ist. Zudem darf man auch die Urväter des Grindcore nicht außer Acht lassen und zudem muss erwähnt werden, dass die Slowenen durch ihre feine Produktion keinesfalls ein grindiges Werk abgeliefert haben. Vor allem die immerzu sehr zwingenden Gitarrenpassagen von Saso Herman und Davor Laposi verfehlen ihre Wirkung nicht und animieren zum Bangen was das Zeug, oder besser gesagt der Nacken, hält. Aber auch der immerzu affenartig hurtig zu Werke gehende Drummer Matjaz Kammnicar sollte nicht unerwähnt bleiben, schließlich sind seine Blastbeast ein ebenso wichtiger Bestandteil des Ganzen. Saso ist es auch, der mit seinem bestialischen Geröchel die Songs zu „veredeln“ weiß. Er schafft es aber auf jeden Fall immerzu verständlich zu bleiben, was bei derlei Klängen nicht unbedingt Usus ist, den Unterhaltungswert dieser Scheibe aber noch ein wenig verstärken kann.

Das knapp halbminütige „Porn, Porn, Porn“ sollte ebenso für Lachgarantie sorgen, wie „Marquise De Rous“ oder der krönende Abschluss „Bitch, Suck My Tich!!!“, das auch schon auf dem ersten Demo der Jungs zu finden war, nunmehr aber in einer abartigen „Extendend Version“ von knapp 50 Sekunden auf die Menschheit losgelassen wird. Auch wenn man über Geschmack streiten kann und VULVATHRONE mit Sicherheit jede Menge an herber Kritik für dieses Album einstecken werden müssen: über den Unterhaltungswert dieser Scheibe braucht nicht zu diskutiert werden, es sei denn man geht im Normalfall in das zweite Kellergeschoss, um sich zu amüsieren.
www.vulvathrone.tk

Walter

ORCSHOP - Hidden From Daylight (Eigenprod.)
„Violin Rock“ nennt das aus Hamburg stammende gemischte Quintett ORCSHOP seine Musik und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Während man zu Beginn noch eher poppige Klänge zu Gehör bekommt und der Opener „Minefield“ fast verhalten und ein wenig schüchtern aus den Boxen kommt, lassen es ORCSHOP im anschließenden „Ladies & Gentlemen“ deutlich mehr krachen und haben uns damit den ultimativen Einstieg in eventuelle Konzerte der Band anzubieten.

Der logischerweise von der Violine von Anette Arzet dominierte Rock geht dabei nicht nur gut ins Ohr, sondern auch verdammt gut ins Gebein und lässt den Zuhörer mehr als nur zufrieden im Takt wippen. Seit mittlerweile sieben Jahren sind ORCSHOP nunmehr bereits aktiv und ihr wirklich gut gemachter und ebenso arrangierter „Crossover“ aus Klassik, Rock, Pop, einer Prise Metal und einigen Anklängen aus dem Folk hat in der Tat das Zeug genreübergreifend für Furore zu sorgen. Die Grenzen von der reinen Unterhaltungsmusik hin zur E-Musik werden im Verlauf der Spielzeit immer wieder überschritten und lassen vor allem in den ruhigeren Passagen wohlige Gänsehaut entstehen.

Vor allem „My Contradiction“, das sehr schleppend ausgeführt ist, kann mit einer fast schon beängstigenden Anschmiegsamkeit aufwarten und animiert regelrecht zum Wohlfühlen. Weiter geht es dann mit „Over The Edge“, in dem auch dezente Einflüsse von bekannteren Bands wie LETZTE INSTANZ ans Tageslicht kommen. Auch wenn diese Nummer im Endeffekt ein wenig zu sehr gen Eingängigkeit gebügelt klingt, machen ORCSHOP ihre Sache dabei nicht schlecht. Mir persönlich gefällt die Sache aber in den getragenen Momenten wesentlich besser, wie beispielsweise auch in „Angelic“, einem sehr gelungen vorgetragenen Schlepper, in dem die Stimme von Stefanie Dorff-Ilchmann noch intensiver aus den Boxen kommt als in den flotteren Passagen, wodurch der bereits erwähnte „Gänsehaut-Faktor“ beinahe schon unerträglich angenehm ausfällt. Mit einer nach klassischer Kammermusik tönenden Einleitung eröffnen ORCSHOP dann den Abschluss von „Hidden In Daylight“ in Form von „What You See / What You Say“.

Mit dieser Ballade lassen uns die Hamburger zum Schluss einmal mehr wissen, dass ihre Musik nicht nur zur Entspannung phantastisch geeignet ist, sondern auch durchaus radiotauglich ist und ORCSHOP das Zeug haben, für Furore zu sorgen.
www.orcshop.de

Walter

R:I:P - ...Out To R:I:P All Nations! (Twilight Zone / Twilight)
Hinter R:I:P – die Abkürzung steht für RAW INTENSE POWER – verbirgt sich in erster Linie MAJESTY-Gitarrist Björn Daigger, der zusammen mit seinem Bruder Sven (K, vormals ANGUISH) und Birgit Öllbrunner (B, MIDNATTSOL), Chris Merzinsky (D, ebenfalls MIDNATTSOL), sowie Sänger Fabian Pospiech die Band am Laufen hat.

Die Formation legt nun mit „Out To R:I:P All Nations!“ ihr Debüt vor. Dieses kann mit sehr abwechslungsreich gestalteten und ausgeführten Klängen überzeugen. Als Basis muss zwar ganz klar Thrash Metal der melodiösen Art genannt werden, aber was R:I:P an Einflüssen noch alles anzubieten haben, lässt sich beinahe als Sammelsurium der letzen Jahrzehnte Metal-Historie bezeichnen: Während die Band im sehr melodiösen, aber dennoch knüppelharten Thrash Metal-Opener „W.A:N.T.E.D. (Dead Or Alive!??)“ gegen Ende hin mit schwarzmetallischen Einflüssen aufhorchen lässt, sind es im anschließenden „Crushing The Lies“ gen FEAR FACTORY verneigte Gitarrenpassagen, welche die Oberhand behalten. In „Bittersweet Pain“ meint man dann SOILWORK auf einem Power Metal-Trip zu vernehmen, ehe uns R:I:P mit „Fade Away“ gefühlvolle und balladeske Klänge zu offerieren haben und auch dabei gute Figur abgeben. Eine junge Dame namens Christine Müller unterstützt in „The Cold Place“ Fabian am Mikro und die Band lässt nicht zuletzt dadurch latente Einsprengsel aus dem Gothic-Bereich erkennen, ehe man mit „Craving For Unity“ unter Bewies stellt, dass sie auch extrem moderne Stampfer zu komponieren im Stande sind. Groovebetonter Thrash bestimmt zwar auch „From The Remains“, hier haben uns R:I:P zudem eine dezent orientalisch anmutende Melodie anzubieten, die diesen Track mit zu einem der Highlights des Albums macht. Erneut in Richtung Thrash Metal-Mucke mit fettem Groove ist dann „Crawling Through Broken Glass“ ausgeführt, wobei aber auch hier sowohl der Nacken, als auch das Tanz (oder besser: Sprung-) Bein angesprochen werden. Das schleppend eingeleitete „Sucking Life“ wird von einer fast schon penetrant eingängigen Melodie geprägt, ehe uns die Dame und die Herrschaften mit „Blink Of An Eye“ ihre Hingabe zu eher traditionell intonierten Thrash Metal offenbaren.

Mit dem bedrohlich eingeleiteten „Doomsday“ beenden R:I:P ihre Vorstellung, während der die Band die alte Schule in der Tat sehr gekonnt mit sehr vielen Zutaten der Neuzeit zu kombinieren vermag und deshalb auch für Metal-Fans jedweder Couleur interessant sein sollte.
www.rawintensepower.com

Walter

SUICIDE - The World Demise (Eigenproduktion)
Das „Heilige Land“ Tirol hat ja schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass der Heavy Metal in beinahe jeder erdenklichen Form dort zu Hause ist. Das gilt bekanntlich nicht nur für Bands, sondern ebenso für die Szene allgemein, schließlich kann das hübsche Wörgl mit dem „Komma“ mit einer der Top-Adressen in Sachen Clubs Österreichs aufwarten. Und genau dort ist die Band SUICIDE beheimatet, die mit „The World Demise“ ihre mittlerweile vierte Veröffentlichung vorlegt.

Das Quintett hat es sich schon vor längerer Zeit zum Programm gemacht, immerzu düstere Klänge abzuliefern, diese jedoch stilistisch sehr mannigfaltig zu gestalten und eben dieses Unterfangen gelingt SUICIDE auch mit „The World Demise“ eindrucksvoll. Nach einem fast schon Soundtrack-verdächtigen „Intro“, in dem uns die Jungs zum ersten Mal Gänsehaut-Atmosphäre spüren lassen, eröffnet „Regret“ so richtig den Reigen. Nach einer kurzen Keyboard-Einleitung offerieren uns die Tiroler ein sattes Stück kraftvollen Metal. Immerzu dunkel gefärbt und im getragenen Tempo, aber dennoch ungemein druckvoll, geht das Quintett hier zur Sache.

Im Verlauf der Spielzeit erweist sich vor allem das perfekte Wechseln von Tempo und Atmosphäre als der Bringer schlechthin, denn dadurch können SUICIDE ihre stilistische Bandbreite geradezu offenkundig präsentieren. Mitunter kredenzt uns die Truppe Passagen voll sattem Thrash Metal in harscher Form, kommt aber ebenso mit straff arrangierten und immer wieder gekonnt eingeflochtenen symphonischen Elementen daher und scheut auch, wie in „No Return“ nachzuhören, vor balladesken Momenten nicht zurück.

Die Band vermag diese Einsprengsel zusammen mit den dezent nach alten TIAMAT tönenden düsteren Elementen gekonnt zu einer fabulösen Melange mit dunkler Grundstimmung (wie schmeckt a Melange mit dunkler Grundstimmung bitte?? Andi) zu vermengen, so dass SUICIDE trotz all dieser unterschiedlichen Anleihen in Summe ein sehr homogenes Stück Musik abgeliefert haben. Es macht den Anschein, als ob der Zusammenhalt dieser Mannigfaltigkeit von den Jungs durch den rauen und harschen Gesang von Gitarrist Chris und Basser Hirzi sichergestellt wird, denn diese beiden jungen Männer scheinen sich geradezu die Seele aus dem Leib zu singen.

Um dem Zuhörer obendrein noch etwas für das Auge zu bieten, haben SUICIDE noch einen Multimedia-Track gepackt, der es in sich hat. Neben jeder Menge an Informationen und fotographischem Material beinhaltet dieser Bonus auch mit zahlreichen Bildern unterlegte Videos von „Mist Of Perishability“ und dem Titelsong. Demnach gebührt SUICIDE für ihr aktuelles Werk nicht nur hinsichtlich der gelungenen Songs selbst größter Respekt, sondern ebenso für diese „Fleißaufgabe“, von der sich auch so manches Label durchaus noch etwas abschauen könnte.
www.suicide-metal.de.vu

Walter

TASTE OF DOOM - The Chronicles Of Terror (Eigenproduktion)
Recht herben Thrash Metal haben uns die fünf Herrschaften von TASTE OF DOOM auf ihrer mittlerweile vierten Veröffentlichung „The Chronicles Of Terror“ zu bieten. Seit der Gründung der Band im Jahre 2003 sind die Jungs im Underground sehr aktiv, waren zusätzlich auf einigen Samplern vertreten und konnten für ihre beiden Demos und natürlich auch für ihre letzte EP mit dem Titel „All Quiet On The West Front“ reichlich wohlwollende Worte seitens der Presse einheimsen.

Hinsichtlich der Musik muss erst einmal angeführt werden, dass TASTE OF DOOM auf „The Chronicles Of Terror“ ihren Thrash mit deutlicher Schlagseite der alten Schule ausgestattet haben, zum größten Teil geshoutete Refrains zu bieten haben und vor allem spieltechnisch sehr versiert unterwegs sind. Alle fünf Tracks verfügen über sehr eingängige Melodien, wissen aber dennoch mit reichlich Härte zu beeindrucken und gefallen nicht zuletzt durch die raue und markante Stimme von Frontmann und Gründungsmitglied Björn Weber. An Einflüssen lässt sich der deutsche Thrash der ersten Generation hier ebenso ausmachen wie diverse Anleihen an amerikanische Bands jener Epoche. Auch wenn nicht unbedingt musikalisch, dafür aber umso mehr hinsichtlich der Attitüde und der sozialkritischen Texte fallen mir als Vergleich die legendären Thrasher von SACRED REICH ein, denen die Jungs auch durchaus zu huldigen scheinen. Ein T-Shirt auf einem Bandphoto verrät nämlich oft mehr als tausend Worte, hehe.

Bis TASTE OF DOOM die Klasse dieser Truppe erreicht haben werden, wird es wohl noch ein wenig dauern, aber geduldig wie wir sind, wollen wir uns gerne erneut mit diesen Jungs zu einer Hörprobe verabreden und umtriebig und agil wie TASTE OF DOOM nun einmal sind, wird es wohl auch nicht allzu lange dauern, bis wir erneut unsere Häupter zu feinen Thrash-Exponaten in ähnlicher Machart wie dem Opener „Reign Of Terror“, dem mächtigen „March“ oder dem nicht minder gelungenen „Path Of War“ schütteln dürfen. Nur weiter so und nur nicht unterkriegen lassen, Jungs!
www.tasteofdoom.de

Walter

SANCHEZ – Same (Artistservice / Music By Mail)
Sänger, Namensgeber und Hauptkomponist Jose Sanchez, ein gebürtiger Chilene, ist bereits seit gut 20 Jahren in der Hardrock-Szene unterwegs und hat zuvor bei den schwedischen Formationen LIES und EMPIRE SAINT gesungen. Zudem sollte er aber auch Metallern ein Begriff sein, schließlich war Jose einst bei FIERCE CONVICTION aktiv und veredelte mit seinem Organ auch deren Scheibletten, die in den späten 90er Jahren erscheinen sind.

Wohl nicht zuletzt deshalb klingt auch die Besetzung der nach ihm benannten Formation nicht ganz unbekannt. Drummer Martin Tilander war ebenso bei FIERCE CONVICTION mit von der Partie, während Gitarrist Thomas Josefsson unter anderem auch bei Deathern von EVOCATION in die Saiten drischt. Leadgitarrist Kenneth Jonsson, ein Student der Gitarre, war zuletzt mit THE CITADEL unterwegs und Bassist Jörgen Andersson zählte zu BLOODBOUND, ehe er zusammen mit Martin und Thomas SOUL SOURCE ins Leben gerufen hat. Jose hat sich also weder unbekannte, noch unbedarfte Musiker gekrallt um nun sein Solo-Debüt einzuspielen.

Seine Vorliebe für Glam-lastigen Hardrock der „guten, alten Zeit“ ist auf diesem Album allgegenwärtig und wird zudem auch sehr kompetent vorgetragen. Insgesamt elf Mal lässt uns der Meister quasi eine Zeitreise unternehmen, wobei allerdings angefügt werden muss, dass die Scheibe soundtechnisch sehr wohl den Brückenschlag in die Moderne geschafft hat und keineswegs altbacken klingt. Vor allem dann, wenn SANCHEZ abrockt (oder doch besser abrocken, wenn man SANCHEZ als „Bandname“ verwendet), wie weiland diverse Formationen aus dem amerikanischen Westen, und der Zuhörer dadurch bedingt unmittelbar nach Haarspray zu suchen beginnt, um abends auch gut gestylt im Stadion zu erscheinen, wo seine Heroen aufgeigen werden, wissen zu beeindrucken.(Oida, wos woar denn des scho wieder für ein Satz... hach, Andi).

Dass auf derlei Alben Balladen unvermeidbar sind, sollte sich ebenso von selbst verstehen wie die Tatsache, dass die Texte auf einem solchen Album nicht unbedingt sozialkritisch ausgeführt wurden. Die Quotenballade „Don’t Treat Like A Fool“ gibt es wohl nicht zuletzt auf Grund der Wurzeln des Masterminds auch in einer spanischen, von lateinamerikanischen Rhythmen unterlegten, Version am Ende der Scheibe, wodurch „Sanchez“ zu einem interessanten Abschluss kommt und nicht nur deshalb dem Hardrocker der alten Schule durchaus ans Herz gelegt werden kann.
www.myspace.com/sanchezkicks

Walter

RAMESSES - Misanthropic Alchemy (Feto Records / Cargo)
Hier sind in Form von Tim Bagshaw an der Gitarre und Mark Greening am Schlagzeug zwei ehemalige ELECTRIC WIZARD-Musiker mit von der Partie und eben jene Vorgeschichte lässt sich auch auf dem ersten vollständigen Album dieser Briten durchaus heraushören. Nicht, dass RAMESSES bislang noch nicht in Erscheinung getreten wären, aber dass durch Bassist und Sänger Adam Richardson vervollständigte Trio,war bislang lediglich durch Demos, eine Single, eine EP und eine Split-CD zusammen mit NEGATIVE REACTION veröffentlichungstechnisch am Start, weshalb „Misanthropic Alchemy" nun das eigentliche Debüt der Jungs darstellt.

Der Opener „Ramesses Part 1“ ist mit gerade einmal zwei Minuten Spielzeit nicht nur diesbezüglich eine Ausnahme, sondern auch die musikalische Ausführung davon mag nicht so recht zum Rest des Songmaterials passen. Während RAMESSES in jener Nummer eine extrem räudige, aber dennoch sehr rockige Variante von Doom in regelrecht überhöhter Geschwindigkeit anzubieten haben, kredenzen uns die Briten mit Fortdauer des Albums exakt jene Klänge, die man auch erwarten durfte.

Der ungemein schäbige, extreme und immerzu in Richtung Noise intonierte Doom ist es, den uns RAMESSES mit Hingabe offerieren, dass dem Zuhörer mit schwächeren Nerven wohl schon nach kurzer Zeit der Geduldsfaden reißen wird (was auch für Lektoren mit schwächeren Nerven bei Deinen Reviews passieren würde... Andi). Zähflüssigkeit in musikalischer Form ist hier Programm, die Riffs dröhnen bösartig aus den Boxen und zudem lassen uns die Herrschaften immer wieder durch experimentelle Verfremdungen ihrer Klänge auch ihre Nähe zu „undoomigen" Noise-Formationen hören. Durch die extreme Zähflüssigkeit versteht sich auch die – ausgenommen im Eröffnungstrack - immerzu überdurchschnittlich lange Dauer der einzelnen Tracks. Es ist allerdings sehr schwierig einzelnen Songs zu folgen, da diese nicht wirklich konventionell aufgebaut sind und mitunter fast fließend ineinander übergehen, weshalb Anspieltipps mit Ausnahme von „Ramesses Part 3“ nur schwierig auszumachen sind. Erst nach intensiver Hingabe konnte ich mich für das bedröhnende „Coat Of Arms“ und den gnadenlos bösartigen Rauswurf in Form von 'Earth Must Die' entscheiden, wobei letztgenannte Nummer in der tat als programmatisch verstanden werden darf, denn einen intensiveren „Abgesang" für Mutter Erde hat noch kein Musiker zuvor komponiert (Amen. Andi).

Weshalb die Jungs aber „Ramesses Part 2“, das schon mehrfach auf den bisherigen Veröffentlichungen verewigt wurde, nicht zwischen Part 1 und Part 3 positioniert haben, wie es die Logik erwarten würde, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis dieser Band. Aber exakt derlei Angelegenheiten machen auch diese Formation interessant. Allerdings muss nochmals angemerkt werden, dass Werken und Wirken von RAMESSES sich dem Zuhörer auch auf „Misanthropic Alchemy“ erst nach einer gewissen Gewöhnungsdauer offenbaren wollen. www.myspace.com/ramesses666

Walter



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