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April 2007
Weitere Reviews
im Archiv

SUPERBUTT - Black Soup (Warner)
In ihrer Heimat Ungarn zählen SUPERBUTT längst zu den bekannten Größen der Szene, doch außerhalb der Landesgrenzen hat es bisher noch nicht so richtig – trotz Tourneen u.a. mit Soulfly! - mit einem durchschlagenden Erfolg geklappt. Doch mit „Black Soup“ könnte sich nun endlich etwas ändern. Dieses Album beinhaltet nämlich sämtliche Anleihen, die zurzeit erfolgreiche Bands in den Genres Nu Metal und Crossover ausmacht. In „Better Machine“ kommt der Gesangstil jenem der im Moment gerade voll durchstartenden Dänen VOLBEAT zum Teil verdächtig nah und auch der Refrain ist ein wenig Country-lastig gestaltet. Ansonsten ist diese Nummer, ebenso wie der Opener „Broken Nose“ ein Live-Abräumer geworden, der wohl von der Bühne aus präsentiert für hüpfende Körper und zerstampfte Böden sorgen wird. In „Mother Goose“ kommen dann Erinnerungen an die Crossover-Götter PRIMUS auf, ehe man in „Wounds To Heal“ entfernt an weniger hektische SYSTEM OF A DOWN erinnert. Mit einem sehr genialen Basslauf beginnt „Here And Now“, eine Nummer die wir so ähnlich und mit der passenden Keyboard-Melodie wohl auch von FAITH NO MORE akzeptiert hätten, allerdings muss hier auch angemerkt werden, dass Sänger Andras Voros mit seiner relativ tiefen Stimme auch in so mancher Düster-Kappelle gute Figur abgeben würde und mitunter fast zu dunkel für die Klänge der Band klingt. Doch nach einer gewissen Eingewöhnungsphase sollte diese Kollaboration kein Hindernis darstellen, sich eingehend mit SUPERBUTT zu befassen und sich von Ungarn in ihren Bann ziehen zu lassen.Was dieser Band jedoch noch fehlt, ist nur noch ein richtiger „Hit“ Zu einem solchen könnten „Better Machine“, das eher getragene „Washaway“ oder der Up-Tempo-Bolzen „Jonny Bravo“ werden! Lassen wir uns überraschen, was uns die Ungarn in Zukunft bieten werden... www.superbutt.net
Walter

KOTIPELTO – Serenity (AFM / Soulfood)
Als langjährige Zugehörige der Szene wissen wir, dass Nebenprojekte dazu da sind, um Musikern jenen Spielraum zu lassen, den sie benötigen, damit ihre Stammbands nicht mit jenen Ideen und Songs konfrontiert werden müssen, die an und für sich stilistisch nicht ganz dazu passend erscheinen. Auch Timo Kotipelto, seines Zeichens Sänger (vormals Ex-, später aber dann doch wieder…) der Finnen STRATOVARIUS startete im Jahre 2001 mit dem Album „Waiting For The Dawn“ ein Soloprojekt unter seinem Namen, dem schon zwei Jahre später mit „Coldness“ ein weiteres Album und zudem eine Tournee im Vorprogramm von KAMELOT und EPICA folgen sollte. Seit dem letzten Soloalbum ist einige Zeit verstrichen, unter anderem hat sich Timo mit seinem Vornamensvetter (und STRATOVARIUS-Mainman) Tolkki ausgesöhnt und ist auch bei STRATOVARIUS wieder mit an Bord. Auf seinem aktuellen Solo-Scheibchen wird KOTIPELTIO übrigens unter anderem auch von Lauri Porra unterstützt, der ja seit geraumer Zeit ebenfalls bei STRATOVARIUS den Bass zupft. Dadurch erscheint zwar die stilistische Ausführung von „Serenity“ noch eine Spur deutlicher, denn KOTIPELTO’s aktuelles Silberscheibchen ist wohl exakt jenes geworden, dass sich alle Fans vor einiger Zeit anstelle des doch recht mauen, selbstbetitelten Werkes dieser finnischen Institution erwartet hätten. Dadurch dass STRATOVARIUS nunmehr nur noch selten an ihre Großtaten erinnern, wirkt es fast so, als ob Mister Kotipelto im Schilde führen würde, eben jenes Vermächtnis am Leben zu erhalten. Die Single-Auskoppelung „Sleep Well“ hätte nicht nur auf „Stratovarius“ das absolute Highlight dargestellt, auch in den Jahren zuvor konnten Tolkii und Konsorten mit keinem Song derart überzeugen. Auch der Titelsong oder der grandiose, in bester HELLOWEEN (ähem..)-Manier aus den Boxen dröhnende Opener „Once Upon A Time“ wissen zu überzeugen, wobei letztgenannter Song gewissermaßen autobiographisch für die Vergangenheit des Herrn Kotipelto gemeint sein könnte. Zudem hat sich Timo aber auch an diversen Hardrock-Größen der Vergangenheit orientiert, was nicht nur seiner Stimme sehr gut passt, sondern auch seinen Weitblick als Songwriter offeriert. Auf „Serenity“ zeigen uns KOTIPELTO nun also ihre Intention von melodiösem Metal, die sehr gefällig ausgefallen ist und zudem auch eine wesentlich größere Hitdichte als die letzten Veröffentlichungen seiner „anderen“ Band aufweist. Für den Fall, dass gewisse Medikationen wieder einmal nicht ausreichen sollten, sollte Herr Kotipelto auf jeden Fall wissen, was zu tun ist.
www.kotipelto.com
Walter

WALTARI - Release Date (Dockyard 1/Soulfood)
Die finnische Crossover-Legende WALTARI war noch nie dafür bekannt, etwas Vorhersehbares ins Leben zu setzen. Für ihr neuestes Machwerk haben es sich die Finnen auch gleich erspart eine Namen zu finden, es würde mich nicht wundern, wenn so etwas Programm macht und in Bälde erste Alben mit bedeutungsschwangeren Titeln wie „T.B.A.“ auftauchen würden. Aber wie schon oft in ihrer Karriere haben WALTARI auch diesbezüglich die Nase vorn, was Innovation betrifft. Musikalisch haben sich die Herren im Vergleich zu ihrer letzten Veröffentlichung „Blood Sample“ abermals (und auch erwartungsgemäß) umorientiert und sind nunmehr wieder weniger geradeaus rockend unterwegs. An unterschiedlichen Stilelementen ist auf „Release Date“ vom melodiösen Rock über dezente Punk-Einsprengsel und Pop-Zitate bis hin zu vereinzelten brachialen Metal-Eruptionen so gut wie alles verwurstet worden, was gemeinhin als „U-Musik“ angeboten wird. Das Können der Finnen liegt meiner Meinung nach klar darin, dass sie es wie kaum eine andere Band schaffen, trotz unterschiedlichster Stilmittel eine in sich stimmige Melange zu kreieren, die zum einen sowohl ins Gebein geht und einen hohen Tanzfaktor aufweist, zum anderen aber durchaus auch Headbanger-kompatibel ist und demnach in erster Linie als jene Art von Musik bezeichnet werden muss, die WALTARI über all die Jahre entscheidend mitgeprägt haben: Crossover. Ein genialeres Referenzstück für derlei Klänge als das knapp 40(!!)-minütige „Cityshamaani“ dafür hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben! Und es stellt einen weiteren kreativen Höhepunkt in der Karriere von WALTARI dar.
www.waltarimusic.com
Walter

SERENITY - Words Untold And Dreams Unlived (Napalm/SPV)
Im Jahre 2001 wurde im „Heiligen Land“ Tirol eine Band gegründet, die seit jenem Zeitpunkt mit zu den Aushängeschildern der österreichischen Szene zu zählen ist. SERENITY durften bereits mehrfach ihre Künste auf den Bühnen der Heimat, in erster Linie natürlich in ihrem zweiten Wohnzimmer, dem „Komma“ zu Wörgl, unter Beweis stellen. Unter anderem dufte man dort für Größen wie DIO oder METAL CHURCH das Publikum in Stimmung bringen, bei Gott keine schlechte Referenz, aber noch längst keine vollständige Liste jener Truppen, mit denen man SERENITY bereits live erleben konnte. Aber nicht an der Live-Front sind SERENITY ein heißer Tipp in Sachen „Nachwuchsband“ und „Hoffnungsträger“, auch was ihre Veröffentlichungen betrifft, haben die Tiroler immer schon Qualitätsware abliefern können. Bereits für ihre Demos „Starseed V.R.“ (2003) und „Engraved Within“ konnte die Band durchwegs gute Kritiken einheimsen. Wem der Namen SERENITY bislang noch nicht bekannt sein sollte, dem sei mitgeteilt, dass sich diese Herrschaften in erster Linie dem melodiösen Metal verschrieben haben, diesen aber durch eine Unzahl an Zutaten aufgepeppt präsentieren. Die Besonderheit an dieser Band ist eben jene Mischung, denn kaum eine andere Truppe schafft es im Moment unterschiedlichste Stilmittel so zu verquicken, dass dennoch eine derart eigenständige Melange dabei zum Vorschein kommt, wie es den Tirolern auf „Words Untold And Dreams Unlived“ gelungen ist. Klar lässt sich nicht von der Hand weisen, dass SERENITY aus dem progressiven Metal der SYMPHONY X – Kategorie ihre Einflüsse ebenso beziehen wie von einer deutschen Institution mit Namen BLIND GUARDIAN, aber was die Jungs daraus gemacht haben, klingt dennoch recht eigenständig, vor allem aber sehr eingängig und gefällig. Zudem lassen sich auch einige SAVATAGE-Elementen vernehmen, wie auch einige Versatzstücke des traditionellen Power Metals herauszuhören sind, die in Summe den nötigen Härtegrad des Albums ausmachen. Aber auch die Prog-Vergangenheit der Band selbst (SERENITY starteten in anderem Line-Up als reinrassiges Prog Rock-Unternehmen und erst nach einigen Besetzungswechseln kristallisierte sich die derzeitige Ausrichtung nebst Besetzung heraus) kommt noch immer ab und an zum Vorschein und wird harmonisch und passend in das Gesamtbild eingeflochten. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass man hier selbst innerhalb einzelner Songs völlig problemlos und ohne dabei den roten Faden zu verlieren, zwischen unterschiedlichsten Stilmittel hin- und herpendelt, gedeiht „Words Untold And Dreams Unlived“ zu einem wahren Ohrenschmaus für den Metal-Gourmet. Mit Georg Neuhauser hat das Quintett darüber hinaus noch eines der wohl größten Sangestalente unserer Republik überhaupt im Line-Up. Ein Glück, dass der Kerl ein Metaller geworden ist und nicht irgendwelche Pop-Songs zum Besten gibt, was mit dieser Stimme an sich gar kein Problem wäre.
www.serenity-band.com
Walter

PSYOPUS - Our Puzzling Encounters Considered (Metal Blade/SPV)
Wer sich schon seit längerer Zeit für musikalisch geradezu Abartiges erwärmen kann und dessen Körper bei kompositorischen Amokläufen geradezu von heftigen Glücksgefühlen durchzuckt wird, dem sei hiermit das aktuelle Silberscheibchen von PSYOPUS mit dem Titel >> Our Puzzling Encounters Considered<< ans Herz gelegt. Anno 2002 taten sich die Herren Christopher Arp (G) und Greg Herman (D) mit Fred DeCoste (B) und Adam Frappolli (V) zusammen um fortan der Welt zu zeigen, dass alles, was bislang als das Non-Plus-Ultra in Sachen verquerer Sounds und abgefahrener Klänge gehandelt wurde, noch lange nicht bis in den Extrembereich ausgereizt worden ist. Das von PSOYPUS auf diesem Werk verbreitete Chaos ist zwar mit Sicherheit nicht für jedermann leicht zu verdauen, an musikalischer Vielfalt und Können mangelt es auf diesem Album aber keineswegs. Vor allem Christopher, der mit Sicherheit nicht zu Unrecht einen Endorsement-Deal bei Ibanez einsacken konnte und zudem auch als Kolumnist für das „Decibel Magazine“ tätig ist, zaubert aus seiner Klampfe Riffs und Gitarrenmelodien, die in jeder Hinsicht bemerkenswert sind. Vom brachialen Thrash-Riff bis hin zur Jazz-Disharmonie bekommt man auf diesem Album so ziemlich alles zu hören, was an Tönen aus einer elektrischen Gitarre herauszuholen ist. Dazu rührt sein kongenialer Partner Greg die Kessel in ebenso mannigfaltiger Manier und kredenzt vom satten Grindcore-Geblaste bis hin zum behäbigen Beat ein ebenso reichhaltiges Menü. Auch Basser Fred steht seinen Kollegen in Nichts nach und vermag mit seinem dynamischen Spiel ebenso für Akzente zu setzen. Und als ob es nicht schon schwierig genug wäre PSYOPUS bei ihren nur sehr schwer als „Songs“ zu bezeichnenden Kompositionen zu folgen - von „Nachvollziehbarkeit“ des Songmaterials sind wir hier ohnehin meilenweit entfernt - zerfetzt Adam mit einer Mischung aus Gebrülle und Geschrei jede Art von eventuell aufkommender Melodie. >>Our Puzzling Encounters Considered<< zählt mit zu jenen Alben, welche die Bezeichnung „krank“ auf einen neues Level hieven. www.psyopus.com
Walter

XENESTHSIS - Straight To Infinity (Eigenproduktion)
Im Osten Österreichs konnten sich XENESTHIS in letzter Zeit zwar in erster Linie durch zahlreiche Gigs einen guten Namen machen, doch auch auf Silberling weiß deren Musik zu beeindrucken. Schon der Ohrwurm in Form des eröffnenden Titelsongs braucht wohl kaum Vergleiche zu scheuen. Mit ihrer recht eigenwilligen Mischung aus düsterem Rock, Prog und zahlreichen Groove-Parts scheinen die nach einer Kreuzspinne benannten fünf Musiker offenbar eine noch nicht besetzte Nische gefunden zu haben. Vor allem die Rhythmusabteilung sorgt immer wieder für heftige Zwischenspiele, während die Melodien an sich ziemlich einschmeichelnd, aber auch relativ dunkel geworden sind. Sängerin Katrin Bernhardt verfügt über eine sehr voluminöse und verhältnismäßig tiefe Stimme, was ja auch nicht unbedingt oft zu hören ist. Zudem dürfen Raffael Trimmel und Thomas Bauer des Öfteren an ihren Gitarren mit gekonnten Soli aufwarten um die Songs regelrecht zu würzen. Eine satte Dosis Melancholie ist dieser Band immerzu anzuhören, vor allem aber in „Perpetuum Mobile“ vorherrschend, jener Nummer, in der Frontfräulein Katrin geradezu brillieren kann. Das anschließende „On Special Offer“ ist zwar stilistisch nicht unähnlich, vermag aber diesbezüglich nicht dermaßen zu beeindrucken, sondern lebt eher vom später diesen Song beherrschenden Gitarrenspiel. Mit heftigem Groove starten XENESTHIS dann in den finalen Track „Lines“, in dem das bereits perfekt harmonierende Zusammenspiel der Rhythmusabteilung und der Gitarristen auffällt, ehe aus diesem Track durch den Gesang ein moderner Song im Grenzbereich von dunkler Schönheit und komplexem Prog wird. Auch wenn man es der Formation kaum anhört, sei hier angemerkt, dass diese Band tatsächlich erst seit dem Jahre 2004 existiert und mit dieser, ihrer zweiten Veröffentlichung, mehr als nur eine Talentprobe ablegt. Seit wenigen Wochen ist übrigens das aktuelle Silberscheibchen der Truppe mit dem Titel „Shades“ zu erhalten und über einen Mangel an Konzerten dieser Truppe kann sich der österreichische Osten auch in Zukunft nicht beklagen, denn XENESTHIS sind sehr häufig zu sehen. Es scheint, als ob da jemand weit nach oben strebt. Mal sehen, was zu schaffen ist... www.xenesthis.com
Walter

SPELLBINDER - Fractured Mirror (Eigenproduktion)
>Bereits für ihre bisher veröffentlichten Scheiben „Under The Spell“ (1999), „ An Invalidated Dream Pt. 1“ (2000) und „Seal The Fate“ (2004) konnte das US-amerikanische Quintett SPELLBINDER ausschließlich positive, wenn nicht gar euphorische Kritiken einheimsen. An Vergleichen wurden diesbezüglich immer wieder die Namen CRIMSON GLORY, QUEENSRYCHE in deren jungen Jahren und LETHAL genannt und schon nach den ersten Durchläufen kann man diese Vergleiche nur zu gut nachvollziehen. Vor allem Sänger Mike Blair lässt immer wieder Erinnerungen an den jungen Geoff Tate und Tom Malicoat (LETHAL) aufkommen, aber auch musikalisch sind SPELLBINDER, vor allem durch die immerzu sehr intensiven Gitarrenklänge von Jim Springer, der zusammen mit Mike zuvor bei DESCENDING FATE aktiv war, aus denen im Endeffekt SPELLBINDER hervorgegangen sind, sehr nahe an den genannten Referenzbands. Nach einem mehr oder weniger unspektakulärem Intro mit dem Titel „The Unknown“ steigen die Amis in „Twisted Man“ zum ersten Mal so richtig ins Geschehen ein. Getragen von einem sehr episch intonierten Gitarrenthema ist es vor allem der Gesang von Mike auf dem diese Nummer aufgebaut ist. In Folge steigert sich aber auch die Instrumentalisten-Abteilung schwer in diesen Song hinein und lässt den Zuhörer geradezu mit gen Erdmittelpunkt geklappten Kauleisten stehen. Im Titelsong stellen SPELLBINDER dann nachdrücklich unter Beweis, dass ihre Songs nicht zu Unrecht mit jenen von CRIMSON GLORY verglichen werden, auch auf „Transcendence“ wäre „Fractured Mirror“ ein Highlight gewesen. Das von einem lässig intonierten Bassthema eröffnete „Shattered“ deutet dann die Fähigkeit der Band an, auch Up-Tempo-Banger komponieren zu können, bevor „Never Ending Pain“ balladesk beginnt und in Summe mit zu den atmosphärisch dichtesten Nummern gezählt werden muss, die ich in letzter Zeit hören durfte. „The Black“ nennen SPELLBINDER ein kurzes und intensiv aus den Boxen tönendes Instrumental, ehe mich die Amis nach dem kurzen und ungemein gefühlvoll und balladesk intonierten Akustik-Track „Somewhere“ unmittelbar nach der Repeat-Taste suchen lassen. Wenn sich ein Label für derlei Klänge finden lässt und die Band in Zukunft ein wenig mehr Augenmerk auf den mitunter doch recht dünnen Drumsound legen würde, steht einem Durchbruch auf breiter Ebene wohl nichts mehr Wege.
Walter

MIDDIAN - Age Eternal (Metal Blade/SPV)
Hervorgegangen sind MIDDIAN aus den Doomstern YOB, die vor zwei Jahren mit ihrem letzen Album >>The Unreal Never Lived<< zwar einiges an Ansehen erlangen konnten, schon kurze Zeit später aber nicht mehr waren als ein kurzer Eintrag in den Annalen der Rockmusik. Von deren letzter Besetzung ist bei MIDDIAN, die als AGE gegründet wurden, nur noch Mike Scheidt (V, G) mit von der Doom-Party, mit Will Lindsay (B, V) und Scott Headrick (D) konnte er aber in recht kurzer Zeit neue Musiker um sich scharren. Musikalisch hat sich dagegen bei MIDDIAN gegenüber YOB nicht übermäßig viel geändert, Mister Scheidt und seinen Kumpanen offerieren uns auch unter anderem Namen exakt das, wofür YOB bekannt geworden sind. Unterschiedlich dagegen, und das in nunmehr wesentlich vehementerer Ausführung, ist die Atmosphäre geraten. Wo bei YOB immer wieder BLACK SABBATH-lastige und eher an Jamsessions anmutende Instrumentalpassagen das Geschehen bestimmten, verkörpern MIDDIAN geradezu die dunkle Seite des Doom. Die Herrschaften gehen mit einer immensen Hingabe zu Werke und lassen dabei mehr als nur einmal ihre schwarze Seite überdeutlich zum Vorschein kommen. Eben jene äußert sich zum Teil auch in den garstig anmutenden Gesängen, die so manchen Black Metal-Keifer regelrecht zu einem Chorknaben degradiert. In Summe wissen die insgesamt fünf Kompositionen, die es aber auf eine satte Spielzeit von insgesamt 56 Minuten bringen, nicht nur mit herrlich waberndem Doom zu beeindrucken, sondern auch durch eine bedrückend kalte und düstere Atmosphäre, weshalb man Mister Scheidt zu MIDDIAN nur gratulieren kann, da er seinen Weg fortgesetzt hat. Für >>Age Eternal<< ist aber auch eine Empfehlung für alle Interessenten in diesem musikalischen Nische auszusprechen, denn mit MIDDIAN sollte sich jeder Liebhaber düsterer und atmosphärischer Lavasounds beschäftigen.
www.middian.org
Walter

METAL OSTENTATION - Volume 9 (Enclave Records)
Auch wenn Sampler für Metaller nicht ausschließlich lohnende Investitionen darstellen, sei hiermit nochmals auf die „Metal Ostentation“-Serie aus dem Hause Enclave Records hingewiesen, deren Erwerb sich mit Sicherheit für Fanatiker der heftigeren Formen des Heavy Metal auszahlt. Die mittlerweile neunte Ausgabe besagter Compilation-Reihe hat wieder einmal einige interessante Bands aus den Tiefen des Undergrounds zu bieten und wie für Enclave Records üblich, ist man auch dieses Mal auf Internationalität ebenso bedacht wie auf stilistische Vielfalt. Ausgabe 9 bietet dem geneigten Fan insgesamt 22 Songs, die sehr unterschiedlich ausgefallen sind. Der Reigen beginnt mit UNDER THY GUN aus Schweden, die uns einen sehr heftigen Song in der Schnittmenge aus Thrash und Death Metal abliefern. BLOODY MARIA aus dem Osten Deutschlands zelebrieren dann geradezu räudigen Todesmörtel, ehe die Spanier NULL SYSTEM mit modernen, FEAR FACTORY-infiltrierten Klängen aufwarten. SEPTER stehen für exquisiten Power Metal amerikanischer Prägung, während die Deutschen POSTNUCLEAR DEATHMASS die NAPALM DEATH-Schule absolviert haben dürften. Die Russen MORRAH kredenzen uns ein PUNGENT STENCH-lastiges Nümmerlein, bevor schrammeliger, harter Rock der MOTÖRHEAD-Schule bei den Franzosen HEELSCARCK angesagt ist. VOPOS aus den Niederlanden rocken dann dezent punkig durchs Unterholz, bevor bei den Schweden FAITHFULL DARKNESS schwedischer Todesmetall an der Tagesordnung steht. Mit OUTER SKIN aus Portugal wird es ein wenig düsterer, bevor uns die multinationale Reise nach Finnland führt, wo SEASONS IN AUTUMN RAIN Up-Tempo-Metal der europäischen Art zu bieten haben. INFENSUS aus Norwegen verbreiten dann angeschwärzte Atmosphäre um von den Spaniern NOCTE abgelöst zu werden, die weniger brachial, dafür aber dezent elektronisch zu Werke gehen. Die Bayern WOLFCHANT sind im Underground ohnehin kein Unbekannten mehr und zeigen uns, dass auch im Süden Deutschlands Wikinger-Klänge fabriziert werden. EVADNE sind eher im doomigen Death Metal zu Hause und danach kredenzen uns die Belgier REALITY Todesmetall der alten Schule. Die Holländer ANGRY MINDED legen dann noch einen Zahn in Sachen Brachialität zu, bevor D.F.A. aus Spanien mit Nu Metal und spanischem Gesang für Exotisches sorgen. SCREAMING SHADOW aus Italien besorgen es uns dann mit Thrash Metal in Kombination mit Todesgeröchel, ehe MONGOLOID WITCHCRAFT mit Grindcore-Klängen auffahren. Den Abschluss bestreiten das englische Ein-Mann-Projekt BABA YAGA mit rohem Black Metal sowie KRATORNAS, eine ebensolche One-Man-Show, mit einem kurzen, aber brutalen Gemetzel. Auch wenn die vor allem die Soundqualität nicht immer die beste ist, so kann man sich auch an Hand dieser Compilation einen guten Überblick über einen Teil des Undergrounds verschaffen.
www.enclaverecords.cjb.net


Walter

METAL OSTENTATION - Volume 10 (Enclave Records)
>Da Enclave Records noch nie zu den untätigen Firmen zu zählen waren, liefern sie nahezu zeitgleich mit Ausgabe 9 dieser Sampler-Reihe auch gleich den zehnten Teil ab. Dieser wird von POTENTIAL THREAT aus San Francisco mit Thrash Metal der alten Schule eröffnet, die von den Ungarn NADIR abgelöst werden, denen man ihre langjährige Erfahrung und die Gigs zusammen mit Bands wie CROWBAR, die merklich Einfluss auf diese Band hinterlassen haben, anhören kann. CANOPY setzen die Tradition von hochwertigem Metal aus ihrer Heimat Schweden fort und kredenzen uns kraftvollen Metal mit rauem Gesang, ehe die Amis von INFLICTED brutalen Death Metal in Florida-Tradition vom Stapel lassen. Mit THORNS OF IVY kommt auch wieder einmal eine österreichische Band zum Zug um ihre Klänge, in diesem Fall symphonischen Black Metal, abzuliefern. HORDAK (Utzelglutzel. Waren Drachenkämpfer-Skeletor, Man At Arms oder Clamp Champ als Bandnamen schon vergeben? Andi) aus Spanien zelebrieren Pagan Metal in ungehobelter Form und die Griechen LUNAR OBSCURA erfüllen die Hütte mit atmosphärischen Klängen im Stile von MOONSPELL. RAVENSTORM klingen dann (bewusst oder unbewusst) wie die internationale, englisch singende Antwort auf KNORKATOR (supa. Andi). Die musikalische Reise führt uns in Folge erneut nach Schweden, wo THE ARSON PROJECT kurz und schmerzvoll mit deftigstem Death / Thrash losknüppeln und DODESKADEN grindigen Thrash-Punk zum Besten geben. Auch die Franzosen STRAIGHT offerieren deftig-derbe Klänge, und das obwohl eine Dame für die Vocals zuständig sein soll, was sich aber nur an Hand von vereinzelten Backing Vocals nachvollziehen lässt. Deren Landsleute von BALAAM lassen schon auf Grund des Corpsepaints keinen Zweifel an ihrer musikalischen Ausrichtung aufkommen, bevor uns HELLGENOM aus Japan beweisen, dass die alte Schule des Thrash Metal auch im Lande der aufgehenden Sonne noch immer hochgeschätzt wird. Ebenso aus Japan stammen EXOFORCE, die ebenfalls knüppelharten Thrash/Death zu bieten haben. MAGGOTS aus Deutschland liefern derben Grind-Death, bevor uns MY EMPTY ROOM aus Dänemark ein sehr interessantes, prog-lastiges Nümmerlein zu bieten haben, das die stilistische Bandbreite dieses Samplers noch ein wenig erweitert. Sehr düster, aber dennoch eingängig, zeigen sich D.EYE aus Schweden, während AQEYO aus Norwegen vor allem für Freunde von abgefahrenen Sounds interessant sein dürften. Melodiösen Death Metal aus ihrer Heimat haben dann die Schweden TO THE DARKER GROUNDS anzubieten und zum krönenden Abschluss dürfen wir auch noch orchestrale, doomige Klänge aus Spanien, intoniert vom Duo ETHERKALL genießen. Man darf jetzt schon auf die kommenden Ausgaben von „Metal Ostentation“ gespannt sein, ich bin sicher, auch dort ist wieder für (fast) jede Geschmacksrichtung etwas dabei.
www.enclaverecords.cjb.net
Walter

SONIC REIGN - Raw Dark Pure (Metal Blade/SPV)

Besser und essentieller hätte man den Stil von SONIC REIGN gar nicht beschreiben können, als ihn das Duo Ben (V, G, B) und Sebastian (D) auf seinem neuesten Album selbst zum Titel gemacht hat. >>Raw Dark Pure<< trifft den Nagel absolut auf den Kopf und lässt das als MEGIDDO gegründete und seit mittlerweile sieben Jahren als SONIC REIGN aktive Duo mit zu den im Moment wohl wichtigsten Schwarzwurzel-Jüngern Mitteleuropas werden. Fernab von jedwedem Keyboard-Kleister offerieren uns die beiden Herrschaften ein sehr kompaktes, in sich stimmiges Machwerk dunkelsten Metals, das keineswegs Vergleiche zu internationalen Größen zu scheuen braucht. Musikalisch wird aber keineswegs gebolzt, sondern viel mehr Abwechslungsreichtum in Reinkultur geboten. Wenn auch die Atmosphäre immerzu an bedrückende Endzeitstimmung denken lässt, so scheuen SONIC REIGN keineswegs davor zurück mitunter gar rockig(!!) zu Werke zu gehen. Zudem wagen sich die beiden Musiker auch an traditionellen Speed Metal heran (>Tyrant Blessed<), orietieren sich mitunter in Richtung aktueller progressiver Düster-Sounds (> To Rebel And To Fail<), knallen aber des Öfteren auch in derbsten Thrash Metal Manier ein Riffgewitter der Sonderklasse gen Zuhörerschaft. Mit karger Schönheit überzeugen SONIC REIGN in den eher einfühlsam intonierten Momenten, um in Folge abermals den Knüppel aus dem Sack zu lassen und so den Interessenten gleichsam zum Zuhören zu verdammen. Es scheint als ob uns SONIC REIGN mit ihren Klängen regelrecht dazu zwingen würden zuzuhören. Notwendig ist das ohnehin in jedem Fall um sich zur Gänze mit deren Material vertraut zu machen. Die opulente Ansammlung unterschiedlicher Zutaten, die auf >>Raw Dark Pure<< verewigt wurden, offenbart sich dem Hörer nämlich nur im Falle von vollständiger Hingabe.
www.sonicreign.de
Walter

THUNDERSTORM - As We Die Alone (Dragonheart / SPV)

Obwohl die Italiener THUNDERSTORM in erster Linie traditionelle Doom-Klänge anzubieten haben, ist es den Jungs rund um Mastermind Fabio Bellan (G, V) mit ihren bisher veröffentlichten Alben >>Sad Symphony<< (2000), >>Witchhunter Tales<< (2002) und >>Faithless Soul<< (2004) immerzu gelungen auch Fans, die nicht nur der musikalischen Langsamkeit frönen, für sich zu begeistern. Der Hauptgrund dafür ist wohl in erster Linie in den immerzu knackig arrangierten und sehr abwechslungsreich gestalteten Songs zu suchen gewesen, die THUNDERSTORM seit jeher auszeichneten. Ihr aktuelles Silberscheibchen >>As We Die Alone<< sollte diesbezüglich sogar noch ein wenig mehr an Ruhm einbringen können. Das Trio schafft es nämlich nicht nur mit ungemein intensiven Klängen im Lavasound-Tempo zu überzeugen, sondern hat auch jede Menge an Mid-Tempo-Kompositionen anzubieten, die stilistisch schlicht und ergreifend als Hardrock zu bezeichnen sind. Zudem lassen sich THUNDERSTORM ihre Einflüsse, die in erster Line aus den späten 60 und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zu stammen scheinen, auf ihrem aktuellen Silberling noch ein wenig deutlicher anmerken, schaffen es aber dadurch noch einen Schritt weiter in Richtung Eigenständigkeit zu gelangen. Da die einschlägigen Formationen, an denen sich THUNDERSTORM im Laufe der Jahre orientiert haben, mit zum Besten gehören, was die Musikhistorie überhaupt hervorgebracht hat, darf man den Herrschaften ohnehin nicht nur zu ihrer Musik gratulieren, sondern durchaus auch zu ihrem Geschmack. In ihren Coverversionen manifestierten die Herrschaften diese Einflüsse ja schon in der Vergangenheit und auch diesbezüglich setzen ihren Weg konsequent fort. Nach BLACK SABBATH (>Electric Funeral< auf >>Witchhunter Tales<<) und IRON BUTTERFLY (>In A Gadda da Vida< auf >>Faithless Soul<<) versuchen sich THUNDERSTORM nun an >Voodoo Chile (Slight Return)< von JIMI HENDRIX und verstehen auch diesen Track perfekt zu intonieren ohne dabei schlicht „nachzuspielen“, aber auch ohne das Flair großartig zu verändern. Generell darf man THUNDERSTORM attestieren, sich trotz dem Verharren an eingesessenen Verhaltensweisen permanent weiterzuentwickeln, was sich vor allem hinsichtlich der Fähigkeit der Italiener ausdrückt, dass sie es mittlerweile schaffen geradezu „fröhlich“ klingende Doom-Songs mit Ohrwurm-Charakter ins Leben gesetzt zu haben. Obwohl mich das Schaffen von THUNDERSTORM schon immerzu beeindrucken konnte, behaupte ich, dass >>As We Die Alone<< das bisher reifste Werk dieser Band geworden ist. www.thunderstorm-doom.com
Walter

EMPYRIOS - …And The Rest Is Silence (Burning Star Records / SX Distribution)
Die Einflussquellen auf jene fünf Italiener, die seit dem Jahre 2001 als EMPYRIOS gemeinsam Musik machen, sind recht schnell dingfest gemacht. Da hätten wir in erster Linie einmal SYMPHONY X, deren Gitarrist Michael Romeo wohl von Simone Mularoni allabendlich sein Kerzchen angezündet bekommt, aus Dankbarkeit, aber wohl auch um für die Zukunft vorzubeugen, damit Meister Romeo noch lange als Inspirator aktiv sein möge. Des weiteren haben die Italiener auch bestimmt mehr als nur eine Scheiblette der Schweden EVERGREY im Schrank stehen und auch aus Seattle haben sich EMPYRIOS bestimmt schon einige CDs besorgt, vor allem die neueren NEVERMORE dürften als „Vorgabe“ hinsichtlich der Intensität auch recht weit oben auf der Playlist dieser Herrschaften stehen. Überragend ist bei EMPYRIOS vor allem Sänger Silvio Mancini, der in höheren Passagen ebenso überzeugen kann wie in gemäßigten Regionen, wo er mich entfernt an Russell Allen (SYMPHONY X) erinnert. Durch die immer wieder recht dominanten Keyboards von Emanuele Casali wird zwar die schier unfassbare Power des Gitarrenspiels einigermaßen in Zaum gehalten, aber von verwässert ob des überaus mannigfaltigen Einsatzes der Tasten kein keine Rede sein. Zu den genannten Klängen gesellen sich auch noch ab und an balladeske Einsprengsel sowie dezent melancholisch angelegten Kraftakten in musikalischer Form. Kurz gesagt: wer sich gerne von schlicht und ergreifend „Progressive Power Metal“ genannten Klängen verzaubern lässt, kommt an dieser Scheibe kaum vorbei. Wer zudem auch noch seinen Kopf zu derlei abgefahrenen Songs mit teilweise beängstigend frickeligen Passagen, schüttelt, darf schon einmal prophylaktisch den Chiropraktiker heimsuchen, denn mit „….And The Rest Is Silence“ verursacht nicht nur ungemeine Sucht nach diesem Werk, sondern hat auch das Zeug beim Zuhörer bei der benötigten Hingabe Genickstarre oder gar Bandscheibenvorfälle zu verursachen.
www.empyrios.it
Walter

HOG MOUNTIN / MÖSE - Split-CD (PsycheDOOMelic Records)
Zwei extreme Metal-Formationen, die Amis HOG MOUNTIN und die Belgier MÖSE (deren Bandname übrigens in flämischer Sprache nicht anderes als „Sludge“ bedeutet, oder hätte jemand etwas anderes gedacht? (auf keinen Fall. Andi)), geben auf dieser Split-CD jeweils drei Songs zum Besten, die allesamt stilistisch dem so genannten Sludge Doom zuzuordnen sind. In zeitweise regelrecht nervenaufreibender Slow-Motion haben zunächst die HOG MOUNTIN die Ehre und offerieren dreimal ungemein rohen und dreckigen Brachialensound, der es immerzu auf über zehn Minuten Spielzeit bringt, durch die mitunter gar krank klingenden Gesangspassagen von Judd aber keineswegs monoton wirkt, sondern regelrecht fesselnd und vor allem aufwühlend aus den Boxen kommt. Nicht ganz unähnlich, aber nicht dermaßen berührend klingen die Songs der Belgier. Obwohl sich diese Herrschaften zumindest hinsichtlich der Dauer ihrer Songs offenbar zurückhalten (zweimal knapp über sechs Minuten und nur im finalen Track „Atlas Shrugging“ mit knapp unter elf Minuten mit den Amis auf „Gleichstand“) sind MÖSE stressiger anzuhören. Vor allem an den schier endlosen Gitarrenpassagen, die bei HOG MOUNTIN doch einigermaßen geordnet und rifflastig ausgeführt werden, mag ich mich nicht wirklich gewöhnen. Aber eben jene Musik ist ja auch keineswegs zum bloßen Zuhören gedacht, sondern soll den Zuhörer aufkratzen und genau das schaffen diese beiden Bands mühelos. www.myspace.com/hogmountin
>Walter

LEATHER NUN - All Your Kin (PsycheDOOMelic Records)
„Wow, das klingt wie einige Bands, die damals von Hellhound Records veröffentlicht wurden“, war mein erster Gedanke, als ich das bereits dritte Album der Amis von LEATHER NUN zum ersten Mal gehört habe. Schon der Opener „Overdope“ lässt mich an Formationen wie UNORTHODOX denken, in Summe sind es aber nahezu alle der insgesamt neun Nummern, die musikalisch ähnlich wie viele Veröffentlichungen seinerzeit aus den Boxen dröhnen und zudem auch den Charme jener Musik versprühen, die damals von zahlreichen Bands dieses legendären Labels gespielt wurde. Dass LEATHER NUN in „Wino“ ihren Meister gefunden haben, offenbart sich ebenfalls fast über die gesamte Spielzeit, wobei mich die Chose allerdings eher an THE OBSSESSED erinnert als an SAINT VITUS. LEATHER NUN variieren nicht nur hinsichtlich des Tempos immer wieder zwischen Doom in Reinkultur und Midtempo Heavy Rock, sondern verstehen es auch noch durch diverse Akustikspielereien und Soli für Abwechslung zu sorgen. Dazu kommen auch noch einige Hammond-Orgel-Passagen und Verneigungen gen 70er Jahre Hardrock, wodurch „All Your Kin“ zu einem sehr abwechslungsreichen, roh und dreckig produzierten und, nicht zuletzt dadurch, zu einem sehr authentischen Album feinster, schwerer Doom-Kunst der alten Schule gediehen ist! www.myspace.com/leathernunamerica
Walter

WORLD BELOW – Repulsion (PsycheDOOMelic Records)
>Auf ihrem mittlerweile dritten Album kredenzen uns die schwedischen Doomies von WORLD BELOW abermals ein schwer melodisches Werk innerhalb der Grenzen dieses Genres. Ich würde sogar sagen, melodiöser hat diese Truppe nie zuvor geklungen. Hinsichtlich des Gesangs orientiert sich Mikael Danielsson nunmehr eindeutig an OZZY, oder aber auch an seinen doomenden Landsmännern von COUNT RAVEN. Der Opener „Monsters In The Closet“ (toller Songtitel auch.. Andi) erinnert in seiner Gesamtausführung, auch was das Tempo betrifft, zwar eher an OZZY’s ganz frühe Solo-Alben als an die „üblichen Verdächtigen“, doch dieser Track stellt dann doch eher die Ausnahme auf „Repulsion“ dar. „731“ ist eher ein geradezu rabiater Doom-Hammer geworden, vor allem der extrem verzerrte und dadurch ungemein böse klingende Gesang lassen hier von einem regelrecht derben Song sprechen. In „Gilgamesh“ orientieren sich WORLD BELOW dann sehr wohl an den alten BLACK SABBATH, ehe mit „The Old Ones“ der zumindest gitarrentechnisch heftigste und schnellste Song dieses Albums vorgetragen wird. Zum Abschluss offerieren uns die Herrschaften rund um Mastermind Jonas Kjellgren dann noch ein dem Titel entsprechendes „Monument“, mit dem sie unter Beweis stellen, dass auch WORLD BELOW im Stand sind, herrlich epischen Doom Metal zu komponieren, diesen unglaublich intensiv vortragen können und zudem durch vereinzelte Sprachpassagen „Monument“ wahrlich zu einem solchen gedeihen haben lassen. Feine Sache für alle Liebhaber von episch angelegter Langsamkeit!
www.worldbelow.tk
Zu beziehen ist dieses Werk (wie natürlich auch die beiden zuvor genannten) auch auf direktem Weg über das Label: PSYCHEDOOMELIC RECORDS, c/o Mark Hegedüs, Fürst Liechtensteinstraße 18/11, A–1230 Wien,mark@psycheDOOMelic.com
Walter

CROWBAR - Live: With Full Force (DVD) (Candlelight / Plastic Head)
Das „musikalische Brecheisen“ hat sich in den letzten Jahren ein wenig rar gemacht und das nicht nur hier bei uns. Doch immerhin liefern uns CROWBAR nun eine DVD ab, die zwar auch kein wirklich neues Material enthält, aber zumindest die Wartezeit auf ein hoffentlich doch in absehbarer Zeit zu erwartendes weiteres Studioalbum angenehm verkürzt. Auf „Live: With Full Force“ haben die Herrschaften rund um Kirk Windstein in erster Linie ihren Auftritt vom 2004er „With Full Force“-Festival (wer hätte dies angesichts des Titels gedacht?! Andi) gepackt, und das in wirklich überzeugender Qualität. Zwar brachte es besagter Gig nur auf gut 40 Minuten, eine längere Spielzeit wurde den Herrschaften aus New Orleans damals aber eben leider nicht einberaumt. Die Intensität, für die CROWBAR bekannt sind, lässt sich aber dennoch bestens nachvollziehen und wenn Kirk seine Texte ins Mikro röhrt, merkt man dem Kerl die Hingabe an, mit der er zur Sache geht. „I Am Forever“ und der „Überhit“ der Jungs „All I Had (I Gave)“ waren (zumindest meiner Meinung nach) die Highlights jenes Auftritts, der in Summe als gelungen und erwartungsgemäß intensiv betrachtet werden darf. Klar, bewegungstechnisch ist bei CROWBAR noch nie wirklich viel gegangen, aber die Klänge dieser Amis waren ja ohnehin nie auf etwaige „Showelemente“ angelegt und CROWBAR ließen schon immer die Musik für sich sprechen. Da dieser Auftritt aber nicht ausreichend formatfüllend gewesen wäre, bekommt der geneigte Fan zudem auch noch eine Dokumentation zur damals gelaufenen Tournee, die CROWBAR anlässlich ihrer letzten Studioscheiblette „Lifesblood For The Downtrodden“ nach Europa geführt hat. Zudem bekommt man Kommentare von Kirk zu allen bisherigen Alben der Band zu hören und zu sehen und auch Jimmy Bower (u.a. DOWN) und Jamey Jasta (HATEBREED) dürfen ihren Senf abgeben. Weshalb diese Sequenzen nicht als eigener Menüpunkt auf der DVD verewigt wurden, sondern irgendwie ungeordnet in den Live-Mitschnitt integriert wurden, weiß wohl nur der Produzent selbst. Mehr gibt es aber auch nicht zu meckern an dieser Veröffentlichung. Viel eher darf sich der CROWBAR-Jünger (und natürlich jeder, der es noch werden will) an den bisher gedrehten Videoclips der Band erfreuen. Jenes zu „Slave No More“ feiert auf vorliegender DVD überhaupt seine Premiere und macht noch ein wenig mehr Appetit auf weitere Studioalben.Natürlich kann man eine DVD informativer und qualitativ hochwertiger gestalten als „Live: With Full Force“, aber hinsichtlich des Titels und der wohl damit verbundenen Intention aller Beteiligten, kann man das Ergebnis als durchaus ansprechend bewerten und so gesehen sollte es die Zielgruppe auch zufrieden stellen können.
www.crowbarmusic.com
Walter

VIOLENT STORM - Storm Warning (Gold Storm Records)
Auf dem Backcover von „Storm Waring“ sind nicht nur die Band selbst, sondern auch die Herren Yngwie Malmsteen und K.K. Downing abgebildet, was schon einmal verdächtig nach „Nachhilfe“ riecht. VIOLENT STORM konnten sich nicht nur die Dienste des JUDAS PRIEST-Gitarristen als Produzenten sichern, sondern haben den guten Mann auch gleich für zwei Gastsoli angeheuert. Zudem darf auch Großmeister Malmsteen in die Saiten greifen und ebenfalls zwei Soli abliefern, ebenso auch noch Roy Z., der jedoch fototechnisch nicht auf der Scheiblette verewigt wurde. Wer aber steckt hinter dieser Band, die mit einer derlei üppig besetzten Gästeliste aufwarten kann? In erster Linie Mick Cervino, der als Bassist bereits mit Yngwie Malmsteen auf Tournee war, aber auch bei BLACKMORE’S NIGHT gespielt hat. Auf „Storm Warning“ ist Mick aber auch als Gitarrist zu hören. Ihm zur Seite stehen bei VIOLENT STORM neben den bereits genannten Gästen Drummer Mike Sorrentino (ebenfalls ex-BLACKMORE’S NIGHT), Matt Reardon (V) und Dean Sternberg (G). Wie auf Grund der Gäste kaum anders zu erwarten, haben sich VIOLENT STORM eindeutig der „Traditionskost“ verschrieben und offerieren ein sehr schmackhaftes Menü, das aus klassischem Heavy Metal, einer Menge an NWOBHM-Zutaten und einer satten Prise Hardrock der 80er Jahre besteht. Die Kompositionen gehen allesamt gut ins Ohr, krallen sich im Nu in den Gehirnwindungen fest und verbleiben ebendort auf lange Zeit. Obwohl der Einsteig ins Geschehen mit den beiden heftigen Metal-Krachern „War No More“ und „Fire In The Unknown“ ein wenig irritierend, weil in Summe nicht unbedingt richtungweisend ist, schaffen es VIOLENT STORM auch in den anschließenden, ein wenig dezenteren Nummern für ausreichend Druck zu sorgen und können auf „Storm Warning“ in allen Lagen überzeugen. Da die Musik dieser Truppe auf der Bühne mit Sicherheit sehr wirkungsvoll ist, darf man dem Auftritt dieser Band bei der heurigen Ausgabe des „Bang Your Head“-Festivals schon jetzt gespannt entgegen blicken. Zum Abschluss darf jedoch berechtigt die Frage gestellt, wie VIOLENT STORM klingen würden, könnten sie nicht auf ein derart mannigfaltiges „Hilfsprogramm“ zurückgreifen... www.violentstorm.net
Walter

Alan Byrne - Die Abenteuer von Phil Lynott & THIN LIZZY (Iron Pages Verlag)
Der unmissverständliche Titel dieses Buches macht schon vor Beginn des Lesevergnügens klar, das sich der Autor hier nicht nur mit der Geschichte der Band THIN LIZZY auseinandergesetzt hat, sondern sich darüber hinaus auch eingehend mit jenem Charakter befasst, der diese Formation quasi personifizierte: Phillip Parris Lynott.
In insgesamt 15 Kapitel, die den Werdegang von Lynott und seiner Band chronologisch abgehandelt, lässt Autor Alan Byrne die Geschichte jenes Mannes noch einmal Revue passieren, der Zeit seines Lebens immerzu mit grenzgenialen Kompositionen aufhorchen hat lassen, jedoch nahezu zeitgleich auch von seinen persönlichen Problemen gestoppt wurde. Recherchiert und aufgearbeitet wurde die Geschichte des Künstlers Lynott, begonnen bei seiner Herkunft und weit über seinen Tod am 4.Jänner 1986 hinaus. Zudem wurde auch mit Bildmaterial nicht gespart, so dass neben unzähligen gelungenen Live-Shots auch einige Impressionen aus dem Privatleben des Phillip Lynott in diesem Buch zu bestaunen sind.
Zunächst muss festgehalten werden, dass es sich wohl um das erste deutschsprachige Buch handelt, in dem die Historie dieses Mannes und seiner Bands abgehandelt wird, doch das Original von Alan Byrne wurde bekanntlich bereits im Jahre 2004 unter dem Titel „Thin Lizzy“ veröffentlicht. Die Übersetzung von Ulf Imwiehe lässt keine Fragen offen und scheint sich sehr nahe an das Original gehalten zu haben. Zusätzlich hat Alan Byrne eine einführende und offenbar aktualisierte Danksagung dem Inhalt vorangefügt, aus der hervorgeht, dass der Autor satte fünf Jahre für dieses Buch gearbeitet hat. Respekt und zugleich Gratulation zu einer sehr umfangreichen, aber dennoch keineswegs verwirrenden Umsetzung dieser Fülle an Details.
Der Autor beleuchtet zunächst die Kindheit des Künstlers Lynott, der ab dem Zeitpunkt seiner Geburt damit zu kämpfen hatte ein dunkelhäutiges Kind, das noch dazu ohne Vater aufwachsen musste, im Dublin der 50er Jahre gewesen zu sein. Bedeutender als bei anderen Personen war und ist die Mutter des Künstlers Philomena Lynott. Da sie dem Kindsvater Cecil Parris, einem Brasilianer afrikanischer Herkunft, einen Heiratsantrag ausschlug, war das Schicksal für Philomena und Phil wohl einigermaßen besiegelt. Der Vater diente in der Army, während Philomena es vorzog den Sohn alleine großzuziehen. Schon vor der Geburt des Kindes war sie mit unzähligen rassistischen Vorurteilen konfrontiert, schließlich war diese Tatsache im erzkatholischen Irland zu jener Zeit nicht unbedingt das, was man sich unter „Moral“ vorstellte. Ab dem Zeitpunkt von Philips Geburt am 20.August 1949, als Philomena nach England übersiedelt war, um ihrem Job nachzugehen, prägte sein Umfeld die spätere Karriere. Aufgewachsen war Philip bei den Großeltern mütterlicherseits in Irland, da das Geld trotz eines ständigen Jobs der Mutter für die beiden einfach nicht reichte. Philip musste ebenfalls seit frühester Kindheit unzählige rassistische Anspielungen über sich ergehen lassen. Dadurch von der Realität offenbar schwer enttäuscht, flüchte sich der Knabe fortan in seine eigene Welt. Durch einen Onkel kam Phil in frühester Jugend nicht nur mit dessen Schallplattensammlung in Kontakt, sondern wurde von diesem auch dazu animiert selbst Musiker zu werden. Nachdem man ausreichend über die Jugend des Protagonisten des Buches in Kenntnis gesetzt werden konnte, widmet sich der Autor ebenso detailverliebt der Abhandlung der musikalischen Geschichte von Phil Lynott:
Über besagten Onkel fand Phil auch Anschluss an seine erste Band, einer kompositorisch kaum bedeutenden Covertruppe namens BLACK EAGLES. Trotzdem darf diese Formation musikhistorisch als wichtig betrachtet werden, schließlich kreuzten sich dort die Wege von Phil und seinem späteren Langzeitgefährten, dem Schlagzeuger Brian Downey. Mit den BLACK EAGLES begann die musikalische Laufbahn des damals noch blutjungen Philip Lynott, die trotz ihrer Kürze unzählige auditive Diamanten ans Tageslicht befördern sollte. Die Namen SKID ROW und ORPHANAGE werden dem Liebhaber harter Rockmusiker mit Sicherheit bekannt sein, doch aufgemerkt, diese Bandnamen existierten bereits vor langer Zeit und sind in erster Linie in unmittelbarem Zusammenhang mit Phil Lynott zu bringen, erst wesentlich später wurden diese Bandnamen „wieder entdeckt“ und abermals verwendet. Als sich die seinerzeitige Ansammlung an jungen hungrigen Musikern dazu entschied den Namen THIN LIZZY (der aus einem Comic namens „The Dandy“ stammt, in dem ein weiblicher Roboter mit Namen TIN LIZZIE vorkommt und zugleich auch ein Tribut an das erste Auto darstellte, das Ford jemals gebaut hat, die so genannte TIN LIZZY, das jedoch in der Heimat der band auf Grund der irischen Aussprache ohnehin zu „thin“ statt „tin“ wurde) für ihre Band auszuwählen, war der Band mit Sicherheit nicht bewusst, dass sie im Laufe der lediglich knapp mehr als zehnjährigen Existenz dieser Formation Musikgeschichte schreiben sollten.
Die selbstbetitelte, auf dem legendären Label Decca veröffentlichte, LP im Jahre 1971 setzte den Startschuss, eine mittlerweile wohl nur nach einem Lottogewinn oder mittels kurzfristigem Kleinkredit zu erwerbende EP mit dem Titel „New Day“, die im selben Jahr veröffentlicht wurde, sollte folgen und durch kreative Vielfalt im Laufe der Jahre zu einer Unzahl an hochklassigen Veröffentlichungen führen, deren Einfluss auch heutzutage nicht aus der hartrockenden Musikgemeinde wegzudenken ist
Während andere Formationen im Laufe ihrer Zeit das Auslangen damit fanden ihren eigenen Stil zu kreieren und diesen im besten Fall im Laufe der Zeit zu optimieren, war bei THIN LIZZY kein Album dem anderen gleich. Natürlich gab es über die Jahre hinweg Kompositionen, deren Entstehung durch Einflüsse aus dem eigenen Repertoire bedingt war, aber in Summe lassen sich Veröffentlichungen von THIN LIZZY nur sehr schwer miteinander vergleichen. Daran war aber nicht nur der offensichtlich sehr unterschiedliche emotionale Zustand des Hauptkomponisten Lynott die Schuld, sondern wohl auch die Tatsache, dass bei THIN LIZZY über die gesamte Existenz viele unterschiedliche Musiker tätig waren und durch ihren Stil jenen der Band entscheidend mitprägten. Eine Liste der ehemaligen THIN LIZZY-Musiker liest sich wie eine Art „Who Is Who“ im Musikgeschäft, oder sollte es tatsächlich Liebhaber des harten Rocks geben, die mit Namen wie Brian Robertson, Gary Moore oder John Sykes, um nur einige der Gitarristen zu nennen, die im Laufe der Zeit Seite an Seite mit Phil für ausverkaufte und umjubelte Konzerte weltweit sorgten, nichts anzufangen wissen sollte?
Abgesehen von den auf Grund ihrer stilistischen Mannigfaltigkeit in der Presse immer wieder unterschiedlich aufgenommen Scheibletten, die Alan Byrne detailliert und mit zahlreichen Kommentaren zu Charteinstiegen und Hintergründen in diesem Buch dokumentiert hat, waren es die Konzertreisen die Erfolg von THIN LIZZY ausmachten und dazu dürfen natürlich auch Backgroundstories dieser unzähligen Tourneen nicht fehlen. Phil und Co. waren demnach nicht immer eine beliebte Band, mit der man auf Tour gehen „durfte“, mitunter war deren Gehabe hinter der Bühne so ganz und gar nicht mit dem der anderen Band zu vereinbaren. Das Paradebeispiel dafür waren wohl die Mormonen von BACHMAN TURNER OVERDRIVE, die mit THIN LIZZY absolut nicht harmonierten, weshalb kann man sich wohl lebhaft vorstellen. Trotz hochwertiger Alben konnte man aber an erhoffte, und teilweise auch erwartete Charterfolge nicht wirklich herankommen. Im Gegenteil, im Laufe der Zeit wurden die Verkaufszahlen immer geringer und Phil verfiel bedingt durch seine Alkohol- und Drogensucht körperlich immer mehr. Zudem war die in der Anfangszeit als Stabilitätsfaktor zu betrachtende Familienharmonie (Phil war verheiratet und hatte zwei Töchter) nicht zuletzt durch sein nicht gerade zurückhaltendes Leben schwer ins Wanken geraten.
Bedingt durch den Markt und auch der Tatsache, dass sich einige seiner wichtigsten Kollegen mehr ins Privatleben zurückzogen, startete Phil mit der Intention unter dem Namen GRAND SLAM einen Neubeginn zu starten, da THIN LIZZY nach der Veröffentlichung des Doppelalbums „Life“ mehr oder weniger Geschichte waren. GRAND SLAM starteten perfekt in die neue Karriere und konnten trotz der Tatsache noch kein Veröffentlichung vorweisen zu können, auf ausgedehnte Tournee gehen Diese Band hatte aber auch ein sehr interessantes Live-Programm zu bieten, bestehend aus Lynott-Kompositionen, die von seinen Solo-Alben stammten, einigen THIN LIZZY-Nummern und zusätzlichen Coverversionen. Doch leider blieb GRAND SLAM nicht nur der Durchbruch, sondern Zeit ihres Bestehens sogar eine Veröffentlichung, verwehrt. Zum einen weil das Business sich schwer tat, die Band von THIN LIZZY zu differenzieren, zum anderen weil Phil selbst im Jahre 1984 körperlich und wohl auch seelisch, am Ende zu sein schien. Die Trennung von seiner Frau einhergehend mit der Tatsache, dass er dadurch seine beiden Töchter nach richterlichem Beschluss nicht so häufig sehen dürfte, wie er es wollte, taten ihr übriges zum ohnehin von Alkohol und Drogen bedingten schwachen Zustand des Künstlers. Nichtsdestotrotz versuchte Lynott noch einmal durchzustarten und das noch nicht einmal mit geringem Erfolg um sich abermals in der Musikgeschichte zu verewigen. Zusammen mit Gary Moore glänzte Lynott auf ‚Out In The Fields’, jener Nummer, von der wohl Moore auf Lebenszeit seine höchsten Chartplatzierungen innehaben wird. Plötzlich war der Name Phil Lynott wieder in aller Munde, sein Antlitz war sogar in unzähligen Fernsehstationen zu sehen, schließlich galt es die Single in einigen Fernesehshows auch durch Auftritte amtlich zu promoten. Doch das abermals entfachte Feuer sollte leider nicht lange brennen, denn trotz aller Bemühungen von Phil seine eigene, und auch die Karriere von GRAND SLAM nochmals voranzutreiben, hatte sich sein Gesundheitszustand weiterhin verschlechtert. Als letztes Werk kam es zu einer Kollaboration mit Paul Hardcastle für einen Song mit dem Titel ‚Nineteen’, der Hardcastle einen Hit beschert hatte. Doch mehr als ein letztes Aufblitzen der künstlerischen Genialität Lynotts sollte es nicht mehr kommen.
An Weihnachten des Jahres 1985 fiel er in ein Koma, aus dem er nicht wieder erwachen sollte. Am 4. Jänner 1986 verstarb Phil schließlich an den Folgen, in den letzten Tagen zu keiner Sekunde von seiner Mutter allein gelassen. Die Tragödie rund um den in den Monaten zuvor wohl absehbaren Tod dieses Künstlers sollte aber keineswegs das Ende des Mythos rund um die Person Phil Lynott bedeuten. Im letzten Kapitel widmet sich der Autor den Aktivitäten seiner ehemaligen Mitstreiter und jenen Veröffentlichungen, die posthum ans Tageslicht gelangten.
Da Phil seine Heimatstadt Dublin immerzu würdigte und seine Herkunft niemals verleugnete, hatte ihm diese auch posthum eine Ehre erwiesen, die wohl kaum einem Künstler zur Ehre wird. Am 19.August 2005 wurde in der Grafton Street ein Denkmal von Phil errichtet, das uns auf ewige Zeiten an diesen genialen Musiker erinnern soll. Eine gebührende Ehrerbietung wie ich meine, aber seine Songs werden auch ohne dieses für immer weiterleben.
>Die insgesamt 256 Seiten lesen sich, wie für Veröffentlichungen aus dem Iron Pages Verlag geradezu Usus, leicht verständlich und sind sehr anschaulich gestaltet. Das eingestreute Bildmaterial harmoniert perfekt mit den Worten und lockert das Lesevergnügen auf. Die Geschichten und zahlreichen Interviews bringen Tatsachen auf den Tisch, die auch weit über das eigentliche Thema hinausgehen und somit weitere musikhistorisch interessante Daten liefern. Es wundert mich nun ehrlich gesagt nicht mehr, weshalb beispielsweise Brian Robertson nicht unbedingt lange bei MOTÖRHEAD aktiv war. Führt man sich nämlich vor Augen, dass dieser Gitarrist schon bei THIN LIZZY in der damaligen Besetzung als der eher feinfühligere, sensiblere Musiker galt, wundert es wohl kaum noch, dass er neben Lemmy nicht wirklich glücklich werden konnte. Aber das ist nur eines der vielen Details am Rande, die es im Laufe des Lesevergnügens - ein solches ist dieses Buch mit Sicherheit geworden - zu entdecken gibt. Ein allumfassende Diskographie wäre zwar noch eine abrundende Angelegenheit gewesen, aber diese gibt es mittlerweile ohnehin unzählige Male im Netz zu finden. Empfehlenswert ist der Schmöker aber nicht nur für eingeschworene Fans der Band, sondern für jenen Musikfanatiker, dem der Name THIN LIZZY bisher nur aus anderen Biographien und / oder Informationen bekannt ist.
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Walter


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