FIRESTORM - The Outsiders (Eigenproduktion)
FIRESTORM aus dem Weinviertel, eine der wohl aktivsten einheimischen
Bands, haben mit „The Outsiders“ eine neue EP am Start. Der
von der Band eingeschlagene Weg, sich irgendwo zwischen traditionellen
Metal-Klängen
und modernen Tönen zu bewegen ohne dabei an Größen der
Szenen zu erinnern, wird konsequent fortgesetzt. Der Opener „Down“ ist
eher im traditionellen und melodiösen Bereich anzusiedeln, ohne dabei
aber auf knallhartes Riffing zu vergessen. Zudem überzeugt die Nummer
durch einen sehr eingängigen Refrain. Der Titeltrack beginnt rockig
und steigert sich im Laufe der Zeit zu einem riffbetonten und griffigen
und vor allem sehr eigenständigen Metal-Song, der mich trotz intensiver
Nachforschung an keine andere Band erinnern will. Sehr viel zur Eigenständigkeit
der Band trägt die Gesangsdarbietung bei, zumal David Stawa über
eine recht ausdrucksstarke Stimme verfügt und außerdem in manchen
Passagen gekonnt von seiner Partnerin Beate Schleining unterstützt
wird. Seit fast zehn Jahren spielen FIRESTORM nun schon zusammen und haben
es geschafft fernab von jedweder Anbiederung an etwaige mehr oder weniger
angesagte Richtungen ihre eigene Nische zu finden. Nur weiter so! www.thefirestorm.com
Walter
KING TIGER - When The Music Hits (Rebeat)
Wenn dieser Königstiger zum Tanz bittet, oder besser gesagt, wenn
einen die Musik dieses Viechs trifft, bleibt wohl kein Mensch ruhig sitzen.
Es ist aber keineswegs die Gefahr, die dieses possierliche Tierchen ausstrahlt,
die den Menschen zum Aufspringen bringt. Nein, es sind die unterhaltsamen
und rockigen Klänge, die das Quartett mit Namen KING TIGER aus Wien
von sich gibt. Zeitlose Rockmusik ist es, die uns diese Königstiger
anzubieten haben. Das Quintett schert sich offenbar einen feuchten Furz
darum, ob und wie man damit ankommen könnte, sondern zieht seinen
Stiefel gnadenlos durch. Abgesehen von dieser zeitlosen Musik, die uns
von den Herren Mario David (V), Bomber (B), King Ozam (D), Jorge Deluxe
und Pierre Legere (beide G) geboten wird, haben KING TIGER wohl auch eine
gehörige Portion Humor und kredenzen ihre Songs immer wieder mit einem
gewissen Augenzwinkern,das zu einem Schmunzeln beim Zuhörer führt.
Für ihre Qualitäten auf der Bühne sind KING TIGER ohnehin
schon bekannt, aber ihr Schmäh funktioniert auch auf Silberscheibe
ganz gut. Fangt euch diesen KING TIGER. Denn wer weiß schon was passiert
wenn er euch erst einmal hat. Ein Entkommen ist unmöglich! www.kingtigerrock.com
Walter
STRAPPING YOUNG LAD – The New Black
(Century Media/EMI)
Sie sind schon eine ganz eigene Truppe, diese kranken und lustigen Kanadier,
die mittlerweile seit Jahren in der Starbesetzung Gene Hoglan (ex-Death,
ex-Dark Angel), Byron Stroud (auch Fear Factory) Jed Simon, Willy Campagna
und Mastermind Devin Townsend agieren.
Bekannt für witzige Lyrics a la "Shitstorm" oder "Rape
Song", wartet das neue Meistwerk mit Songtiteln wie "You Suck" und "Fucker" auf.
Das Album "Alien" (2005) war so derartig druckvoll und schnell,
das bei sämtlichen Hörern Gehirnerschütterungen aufgetreten
sind. Obwohl bei "The New Black" die unverkennbaren Techniken
und Trademarks von Strapping Young Lad enthalten sind, überraschen
sie mit mid-tempo Songs, vielen cleanen Vocals und rockigen Parts, also
Elementen, die auf "Alien" kaum bis nicht zu finden waren.
Dies alles spricht für Strapping Young Lad, die sich noch nie in
eine Schublade haben schieben lassen und immer das machten, worauf sie
gerade Lust hatten.
Die musikalische Bandbreite von "The New Black" zu beschreiben,
ist unmöglich, vielmehr geht das nur beim persönlichen
Anhören. Sogar da bedarf es mehreren Durchläufen, um die unglaublichen
Songstrukturen, Solis, Riffgewitter, Tempowechsel und Gesänge zu
behirnen. Wie ein Labyrinth bahnen sich die 11 Songs in die Gehörgänge
und beamen den Hörer in eine andere Welt. Der Opener "Decimator" ist
einer der besten Nummern dieses Konstrukts, der Song "Antiproduct" beinhaltet
Saxophon und Trompeten, die zum Jazz aufrufen,
oder doch nicht? Produziert wurde "The New Black" von Mike Fraser,
seines Zeichens auch verantwortlich für Produktionen von Metallica
und Aerosmith. Fazit: Strapping Young Lad übertreffen sich hier selbst
und legen ein Meisterwerk für höchste Ansprüche hin, bei
dem es vieles zu entdecken gibt.
www.centurymedia.de
Dominik
REVELATION PROJECT – Same (Eigenproduktion)
Christlich angehauchte u. inspirierte Musik scheint in den letzten Monaten
wieder ein wenig in Mode gekommen zu sein. Egal, ob die jeweilige Formation
dabei eher poppig-kitschig vor sich hin düdelt oder gar derbe Metalcore-Klänge
fabriziert, im Glauben sind diese Bands vereint um ihrem Herrn zu dienen
(juchu. Andi). Wie der Name der vorliegenden Band es schon vermuten lässt,
handelt es sich auch bei REVELATION PROJECT um ein christlich orientiertes
Quartett aus den Vereinigten Staaten, das mit seiner Musik in erster Linie
seinen Glauben unter das Volk zu bringen versucht. Vom Inhalt her geht
es auf diesem Album um die Offenbarung des Johannes, die hier in mehr oder
weniger abgewandelter Form besungen wird. Wichtiger als das ist aber die
Tatsache, dass REVELATION PROJECT ihr musikalisches Handwerk verstehen.
Irgendwo in der Schnittmenge aus DREAM THEATER und SHADOW GALLERY lassen
sich die insgesamt 14 Songs prima einordnen, wobei aber hinzugefügt
werden muss, dass noch keine wirklich eigene Duftmarke versprüht werden
kann und zudem vor allem die Keyboards das Bild prägen und dieses
Instrument sehr dominant ist. Zwar reichen die Kompositionen der „Offenbarer“ noch
nicht an jene ihrer musikalischen Idole heran („offenbar“,
haha, Andi). aber mit dem Glauben an ihre Taten und der nötigen Unterstützung
von Oben wird man wohl in Zukunft auch mehr von REVELATION PROJECT zu hören
bekommen, denn Ansätze für hochwertigen Progressive Metal sind
auf jeden Fall vorhanden und müssen nur noch in Richtung Eigenständigkeit
ausgebaut werden, denn im Moment mangelt es daran noch ein wenig.
www.revelatioproject.com
Walter
REINO ERMITANO - Brujas Del Mar (PsycheDOOmelic Records)
Aus dem fernen Peru stammen REINO ERMITANO (was soviel bedeutet wie „Einsiedler-Königreich“)
und besingen auf diesem Album die „Hexen der See“ („Brujas
Del Mar“). Das besondere an dieser Formation ist aber keineswegs
ihre exotisch anmutende Herkunft, sondern in erster Linie ihr völlig
eigenständiger, wenn auch ein wenig eigenwilliger Stil. Mit Tania
Duarte steht ein Mädel am Mikro und haucht den psychedelisch geschwängerten
Doom-Kompositionen ihrer drei Bandkollegen zusätzlichen Reiz ein.
Irgendwo in der Schnittmenge von SAINT VITUS, PENTAGRAM und BLACK SABBATH
liegen die Wurzeln des musikalischen Schaffens dieses Quartetts aus den
Anden, doch darüber hinaus scheint man auch eine gewisse Vorliebe
für den Sound der 60er Jahre, für den beispielsweise ein Jimi
HENDRIX hochgeschätzt wurde, innezuhaben, wie man auch Einflüsse
von psychedelischen Formationen vom Schlage HAWKWIND bei REINO ERMITANO
ausmachen kann. Wer sich an derlei unterschiedlichen Klangeskapaden
in erfrischender Form und auf Basis großer Doom-Songs ergötzen
kann und noch dazu an spanischem Gesang seine Freude hat, sollte sich umgehend
mit dem Label direkt in Verbindung setzen, denn dort ist „Brujas
Del Mar“ auf jeden Fall zu erstehen: PsycheDOOMelic Records, c/o
Mark Hegedüs, Fürst Liechtensteinstraße 18/11, 1230 Wien
www.psychedoomelicrecords.com
www.reinoermitano.com
Walter
STARCHILD - Born Into Eternity (PsycheDOOMelic Records)
Mit STARCHILD betreten neue „Stars” die Doombühne. Aus
dem Bundesstaat Georgia stammend, haben sich Richard Bennett (V,G), Kenneth
O´Bara (B) und Frank Sikes (D) vor einigen Jahren zusammengetan um
fortan ihren gemeinsamen musikalischen Vorlieben zu frönen. Diese
dürften wohl in erster Linie aus England stammen und BLACK SABBATH
heißen, denn die Herrschaften rund um Tony Iommi sind allgegenwärtig,
wenn man sich das mittlerweile zweite vollständige Album dieser Amis
zu Gemüte führt. Der Name Iommi steht deswegen hier repräsentativ
für BLACK SABBATH, weil sein Riffing bei STARCHILD viel intensiver
nachempfunden wurde als es bei manch anderen Doomies der Fall ist und die
dennoch immer wieder mit BLACK SABBATH in Verbindung gebracht werden. Auf
Anhieb fallen mir hier COUNT RAVEN ein, deren Nähe zu den Briten ja
in erster Linie durch den OZZY-lastigen Gesang verursacht wird, was bei
STARCHILD überhaupt nicht der Fall ist. Richard klingt wesentlich
dreckiger als der „Madman“ und hätte wohl auch bei jeder
eher traditionell orientierten Hardrock-Band seine Berechtigung. Aber
so ist es nun einmal im Doom-Genre, in irgendeiner Form hängt der
Schatten von BLACK SABBATH immer über den jüngeren Bands. „Born
Into Eternity“ darf durchaus programmatisch verstanden werden, denn
Klänge wie diese werden uns in aller Ewigkeit Freude bereiten. www.psychedoomelicrecords.com
(Adresse siehe oben), www.starchild777.com
Walter
MERCA - Chup Amela (PsycheDOOMelic Records)
„
Chup Amela“ ist keineswegs eine neue Kreation der örtlichen
Eisdiele (echt net? Andi), sondern vielmehr ein weiteres Highlight aus
dem ohnehin sehr hochkarätig bestückten Katalog von PsycheDOOMelic
Records. Bei MERCA handelt es sich um Niederländer, deren Mitglieder
Arjen (B) und Niels (G, V) zuvor bei SHYLOCK im Underground für Furore
sorgen konnten. Mit einem neuen Drummer namens Animal (der Typ hat sicher
noch nie die Muppets Show gesehen... Andi) haben sich die Herrschaften
nun in klassischer Triobesetzung daran gemacht uns ihre Auffassung von
harter Rockmusik näher zu bringen und zumindest bei mir ist den Herren
diesen Unterfangen gelungen. SAINT VITUS, The OBSSESSED und PENTGRAM sind
die ersten Bands die mir nach intensiver Einfuhr von „Chup Amela“ in
den Sinn gekommen sind. Eben jene sind es auch, die den Hörer wohl über
die gesamte Spielzeit verfolgen, wobei im Laufe der Spielzeit auffällt,
dass Niels einen recht eigenwilligen Akzent sein Eigen nennt, der MERCA
nicht zuletzt deshalb recht eigenständig und unverwechselbar klingen
lässt. www.psychedoomelicrecords.com (Adresse
siehe oben)
Walter
FISH - Return To Childhood (Snapper Music)
Derek William Dick alias FISH gibt uns bereits mit dem Titel dieses Werkes
unmissverständlich den Weg vor. „Misplaced Childhood“ wird
wohl auf ewige Zeiten das Referenzwerk seiner damaligen Band MARILLION
bleiben und auch für ihn als Solo-Künstler wird es wohl nicht
mehr möglich sein dieses Wunderwerk zu übertreffen. Deshalb erinnert
uns FISH mit seinem aktuellen Werk „Return To Childhood“ an
eben jenes. Die am 13. November 2005 in Tilburg mitgeschnittene Show, die
nun als Doppeldecker in den Läden steht, beinhaltet nicht nur das
besagte Referenzwerk in kompletter Form am Stück, sondern darüber
hinaus noch weitere Songs aus dem Schaffen des Herrn Dick. Allerdings kann
dabei festgestellt werden, dass weder MARILLION noch FISH himself es danach
schafften, derart intensive und schlichtweg als perfekt zu bezeichnende
Songs wie „Kayleigh“, „Lavender“ oder „Childhood´ s
End?“ zu komponieren. Wem es bisweilen noch nicht geglückt ist
diesen Künstler livehaftig zu erleben, der kann sich zumindest akustisch
vom Schaffen überzeugen und sollte sich zudem schleunigst um Tickets
für das „Rock Of Ages“-Festival kümmern, wo FISH
ebenfalls zu bestaunen sein wird. Den eingeschworenen Fan wird diese Scheibe
ein weiteres Mal daran erinnern, wer unbedingt zu erwähnen ist, wenn
man von progressiver, künstlerisch anspruchsvoller Musik spricht. Mehr
Worte braucht man zu FISH und seinem Schaffen eigentlich nicht verlieren,
außer der Bitte an den Künstler direkt, uns noch eine zeitlang
als solcher erhalten zu bleiben.
www.the-company.com
Walter
KALAS - Same (Tee Pee / Cargo)
Bei KALAS handelt es sich um eine erst kürzlich ins Leben gerufene
neue Band (des ham neue Bands so an sich... Andi), in der illustre Musikanten
ihr Unwesen treiben, so ist unter anderem HIGH ON FIRE- und SLEEP-Musiker
Matt Pike am Gesang zu hören. Eben jener ist es auch, der KALAS so
etwas wie die Trademark verleiht. Fragt mich nicht warum, ab der Knabe
scheint in irgendeiner Form mit Lemmy verwandt zu sein. Vielleicht ist
es aber auch nur die „Ernährungsweise“, die zu solchen
Stimmbändern verhilft. Musikalisch gesehen haben KALAS aber kaum Gemeinsamkeiten
zu MOTÖRHEAD aufzuweisen. Viel eher scheinen sich die fünf Herrschaften
an doomigen Heavy Rock-Formationen zu orientieren. Der Verweis des Infoblattes
auf das WITCHFINDER GENERAL-Shirt eines der Herren kommt diesbezüglich
sehr treffend. KALAS verlassen den Pfad des Doom des Öfteren und verquicken
ihre Songs mit sehr heftigen Eruptionen aus dem Hardrock der alten Schulen
um dann ein wenig „neuzeitlichere“ düstere Atmosphären
in ihre Kompositionen zu integrieren. In Summe klingt dieses Album
zwar sehr abwechslungsreich, in erster Linie aber immer ordentlich hart
und heftig. KALAS könnten in Zukunft im Sektor der heftig rockenden
Doom-Formationen einen ähnlichen Stellenwert erringen, wie die fast
namensgleiche Dame in der Welt der Oper (sicher... Andi). www.myspace.com/scumangel666
Walter
WINTERS BANE – Redivivus (DCA Recordings)
Es ist zwar eine feine Sache, dass Gitarrist Lou St. Paul noch immer
in der Szene aktiv ist und einen Neustart mit WINTERS BANE wagt, doch
so richtig
knallen wollen die Songs von „Redivivus“ nicht. Geboten wird
US Metal der alten Schule, der gar nicht einmal weit von jenen Songs entfernt
ist mit denen die Band mit ihrem Debüt „Heart Of A Killer“ anno
1993 scharenweise Fans gewinnen konnte. Doch damals war es wohl in erster
Linie die Gesangsleistung von Tim Owens der aus jenem Album ein wahres
Schmankerl machte und eben jener ist bekanntermaßen seit seiner Zeit
bei JUDAS PRIEST zu einer Institution des Heavy Metal geworden und schon
seit Jahren nicht mehr bei WINTERS BANE. Lou hielt die Band zusammen und
veröffentlichte in Folge „Girth“ im Jahre 1997, das jedoch
auf Grund seiner damals aktuellen Referenzen an PANTERA eher nach Anbiederung
an den damaligen Zeitgeist klang. Mit komplett neuer Mannschaft (Jeff Welch
am Bass, Mark Cross am Schlagzeug und Sänger Alexander Koch) versuchen
sich WINTERS BANE abermals in die Herzen der Fans zu spielen, was keinen
leichte Aufgabe werden wird. Schlecht gemacht sind Songs wie „Remember
To Forget“ oder „Spark To Flame“ keineswegs, allerdings
fehlen mir persönlich die zündenden Momente. Ähnlich schnell
wie das Werk ohne Intro mit „Seal The Light“ beginnt, geht
es auch weiter und endet ebenso abrupt nach „Despise The Lie“,
ohne dass sich dem Hörer ein Song wirklich zwingend aufgedrängt
hätte. Auch nach mehrmaligem Konsum will keiner der Songs im
Gedächtnis haften bleiben, weshalb „Redivivus“ zwar
ein nettes und gut gemachtes Album ist, allerdings keinerlei Zwang verursacht
sich das Werk unbedingt und sofort zuzulegen.
www.wintersbane.net
Walter
LST - Lady Summer´s Blood (Eigenproduktion)
Sehr ruppig und rau klingen die Songs des Trios LST. Offenbar beziehen
die Kärntner ihre Einflüsse in erster Linie von Bands unterschiedlicher
Genres, denen aber ein gewisser „Schmutzfaktor“ gemein ist.
Die Gitarren von Armin kommen verwaschen und undeutlich, aber auch sehr
druckvoll aus den Boxen und können eine gewisse Vorliebe für
Wino nicht von der Hand weisen. Die Rhythmen sind wohl zum größten
Teil ebenso dem doomigen Rock zuzuordnen, außerdem kommen auch immer
wieder Eruptionen aus dem angeschwärzten, urwüchsigen Black Metal
zum Vorschein, so dass LST wohl genreübergreifend ihre Fans finden
werden. Absolut nicht zu empfehlen ist diese, mittlerweile fünften
Veröffentlichung der Truppe Melodiefetischisten und Sound-Gourmets.
LST haben ihre an sich schon sehr räudigen Klänge auch adäquat
aufgenommen, weshalb es in der Tat mächtig rumpelt, wenn man sich „Lady
Summer´ s Blood“ zu Gemüte führt. Hier paaren sich
doomige, melancholische Passagen mit brachialen, auf Grund des gekeiften
Gesanges fast als Black Metal zu bezeichnenden Klängen zu einer in
Summe recht eigenständigen Mischung, die in sehr rauem Sound aus den
Boxen knattert. Das Allerbeste kommt aber erst zum Schluss: Wer Interesse
an den Songs dieser CD hat, kann sich diese ganz umsonst über die
Webpage der Band aus dem Netz saugen. Und nicht nur dass, zum Antesten
der Truppe kann man auch noch Songs ihrer anderen Veröffentlichungen
antesten um sich mit der Historie und der Entwicklung von LST ebenso
vertraut zu machen! http://lst.ugmusic.de
Walter
KABAL - The Eyes Of The Evil (Eigenproduktion)
Mit dem Sextett KABAL aus der Region Parma betritt eine weitere italienische
Band die internationale Bühne. Im Jahre 2003 gegründet, legen
die fünf Herren samt Dame (die jedoch nur teilweise zu hören
ist und eher für die Hintergrundgesänge verantwortlich ist) offenbar
bereits ihre zweite Veröffentlichung vor. Auf der Webpage findet man
den Hinweis auf eine CD namens „Bullet Hole“ aus dem Jahre
2004, die aber dieselben Songs enthält wie vorliegender Silberling,
wodurch die Sache, ob es sich nun um das Debüt von KABAL handelt oder
doch nicht, auch nicht einfacher zu deuten ist. „The Eyes Of
The Evil“ wird von einer recht mittelalterlich-metallisch tönenden
Komposition namens „Black Different Faces (Sometimes They Come Back)“ eröffnet.
Dabei fallen vor allem die recht harschen Gitarrenklänge und der ebenso
sehr kräftige Gesang von Michael auf, der neben den eher mittelalterlich
tönenden Melodien zum Gelingen des Songs beitragen. Ganz anderes dagegen
klingt das folgende „Heart Attack“ in dem der Gesang zum Teil
verfremdet und verzerrt aufgenommen wurde und noch dazu partiell als Sprechgesang
in Black Metal-Manier dargeboten wird. Ein völlig unterschiedlich
klingender Song, der sich in Folge aber als Ausnahme entpuppen sollte,
denn schon mit „The Mirror“ haben wir die, in diesem Fall gar
gothisch getünchten, Melodeien wieder. Vor allem bei dieser Nummer
ist KABAL ein Hammer von einem Refrain geglückt, der mit Sicherheit
nicht nur mir schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus den Gehörgängen
gehen will. Zudem weiß auch das üppige Gitarrensolo zu überzeugen,
weshalb „The Mirror“ in Summe zum Highlight des Albums wird. „Hell
In Me“ und der an den Schluss gestellte Titelsong sind zwar ebenfalls
als gelungene Kompositionen zu bezeichnen, können den hohen Standard
von „The Mirror“ aber nicht ganz halten. Die treibenden, eingängigen
Elemente mit zwingenden Melodien jener Tracks machen aber ebenso Spaß beim
Lauschen, weshalb KABAL dem melodieverwöhnten Ohr, das sich unterschiedliche
Härtegrade innerhalb eines Albums antun kann, ans Herz gelegt seien.
www.kabalband.tk
Walter
CATTLE DECAPITATION - Karma Bloody Karma (Metal Blade / SPV)
Die in San Diego beheimatete Truppe CATTLE DECAPITATION ist auch auf
ihrem neuesten Streich „Karma Bloody Karma“ mehr als nur unterhaltsam
unterwegs. Begonnen beim Cover, über Songtitel wie „Success
Is…(Hanging By The Neck)“ und „One Thousand Times Decapitation“,
sowie den dazugehörigen Texten , man merkt man den Herren ihren eigenwilligen
Humor von der ersten Sekunde an. Zudem ist auch das Stilgebräu von
CATTLE DECAPITATION in erster Linie immens unterhaltsam. Die Mischung aus
Death Metal, Hardcore, Grindcore und einigen völlig abstrusen Elementen
kommt homogen und kompakt aus den Boxen, so dass CATTLE DECAPITATION musikalisch
in erster Linie durch ihre immense Brachialität zu überzeugen
wissen, aber nie auf das nötige Augenzwinkern vergessen. Musikalische
Glanzlichter wird der Melodiefetischist hier vergeblich suchen, wie auch
Anklänge an Größen aus den genannten Subgenres nur in Spuren
vorhanden sind. Die „Kuhenthaupter“ haben es geschafft ihre
eigene, humorige, wenn auch diesbezüglich nicht immer geschmacksneutrale
Nische zu finden und entlocken dem Hörer ein zufriedenes „MMMmmmmmuuuuhhhhhhhhhh“.
www.cattledecapitation.com
Walter
MENDEED - This War Will Last Forever (Nuclear Blast)
Ihre englische Herkunft können und wollen MENDEED offensichtlich gar
nicht verbergen, denn das noch recht junge und bisher unbekannte Quintett
verquickt auf seinem ersten vollständigen Album „This War Will
Last Forever“, dem bereits drei Singles und eine Mini-CD vorangegangen
waren, altbewährten britischen Heavy Metal mit Thrash und Metalcore
zu einer zwar nur mittelmäßig originellen, dafür aber ungemein
drückenden Melange. Mir ist schon bewusst, dass derlei Kombinationen
schon länger nicht mehr neu sind, allerdings schaffen es die Inselbriten
ohne Probleme nicht nur stilistisch variabel aufzuspielen, sondern auch
das Tempo zu variieren. In erster Linie wissen MENDEED aber amtlich auf
das Gaspedal zu drücken und dabei gute Figur abzugeben. Ebenso ist
es ihnen gelungen in den eher nach „alterwürdigen“ Bands
klingenden Momenten jene nicht zu kopieren, sondern durchaus eigenständig
zu klingen. Überraschend war für mich die Tatsache, dass die
Gitarristen hier keineswegs gen Südschweden geblinzelt haben um sich
inspirierten zu lassen, sondern diesbezüglich wahlweise Größen
der britischen Insel oder gar welche aus der Bay Area herhalten mussten
um die Songs auch gitarrentechnisch brillieren zu lassen. Ich bin sicher,
von MENDEED werden wir in Zukunft noch einiges zu hören bekommen. www.mendeed.co.uk
Walter
COLDSEED - Completion Makes The Tragedy (Nuclear Blast)
Thomen Stauch macht es uns in der Tat nicht gerade einfach. Er verlässt
BLIND GUARDIAN, weil er sich nicht mehr mit deren musikalischer Entwicklung
identifizieren kann, um SAVAGE CIRCUS zu gründen. Besagte Band lässt
den Geist der alten BLIND GUARDIAN weiterleben und Thomen hat es mit
besagter Formation zweifelsohne geschafft, seine Glaubwürdigkeit
zu bewahren. Damit aber offenbar nicht ausreichend ausgelastet, offeriert
uns der Kerl
nun mit COLDSEED eine Band, die ursprünglich als Projekt gestartet
wurde, um Thomen´ s Idee von „modernem“ Metal umzusetzen.
Mit Björn „Speed“ Strid (V), Thorsten Praest (G), Gonzalo
Alfageme Lopez (G), Oli Holzwarth (B) und Michael Schüren (K) hat
Thomen eine illustre Schar an Musikern um sich geschart um nun also der „Moderne“ Tribut
zu zollen. Sein Drumming kommt in den Songs von „Completion
Makes The Tragedy“ ebenso zur Geltung wie auch der Gesang von „Speed“,
doch allein die Tatsache, dass begnadete Musiker in einer neuen Band
zusammenspielen, macht noch lange kein superbes Album aus. Den Herrschaften
ist aber ein
solches gelungen, da man zum einen über reichlich Tiefgang verfügt,
zum anderen unterschiedliche Komponenten zu einer einzigartigen und noch
nicht gehörten Melange verquicken konnte und vor allem derart vielschichtig
musiziert, dass eigentlich Metaller nahezu aller Genres mit einem gewissen
Toleranzlevel ihren Spaß an COLDSEED haben sollten. Lediglich der
Gesang erinnert in manchen Passagen an SOILWORK, aber daran sollte sich
wahrlich keine kritische Stimme stoßen, schließlich gibt
es eben nur einen „Speed“. COLDSEED setzen mit „ Completion
Makes The Tragedy“ ein eindeutiges Zeichen in Richtung Zukunft,
denn hier wird eindrucksvoll unter Beweis gestellt wie abwechslungsreich
und
originell moderner Metal klingen kann.
www.coldseed.net
Walter
SAGA – Trust (Inside Out / SPV)
SAGA scheinen so etwas wie die AC/DC der Prog-Szene zu sein. Seit über
30 Jahren ziehen die Herrschaften aus Kanada nun schon ihren Stiefel durch
und können in diesen Jahren auf 17 Studioalben, 3 Live-Scheibletten
und eine Vielzahl an Compilations zurückblicken. Zudem gelang es der
Band mehr als 8 Millionen Tonträger weltweit abzusetzen, was auch
nicht gerade jede Formation von sich behaupten kann. Das beeindruckende
an SAGA ist die Tatsache, dass sie es schon immer geschafft haben, trotz
ihrer reichlich progressiv getünchten Kompositionen diese mit dem
nötigen Widererkennungswert auszustatten und auch wunderbare Hooks
in ihren Songs zu integrieren. Dem Proggie mögen die Herrschaften
eventuell nicht abgedreht genug sein, dem Hardrocker waren SAGA immer zu
seicht und dem „normalen“ Rockmusikkonsumenten nicht eingängig
und rockig genug, was dem Erfolg aber keinen Abbruch tat. Denn die Kanadier
haben dennoch ihr Publikum finden können. Man scheint eine eigene
Klientel anzusprechen, sonst wären wohl die genannten Verkaufszahlen
wesentlich geringer ausgefallen. Der Fan weiß, was er an SAGA hat,
wenn er sich ein neues Album der Kanadier zulegt und genau das erinnert
in der Tat an die Australier rund um die Gebrüder Young. Auch SAGA
schreiben seit Jahren Alben, die sofort als SAGA identifiziert werden können,
aber zu keinem Zeitpunkt als Selbstkopie zu bezeichnen sind. Mit „Trust“ macht
die Band in diesem Sinne da weiter, wo sie zuletzt mit „Network“ aufgehört
hat, schafft es aber zudem auch noch ein wenig an die eigene Vergangenheit
zu erinnern, womit sich der Kreis schlicht ergreifend schließt. Wer
SAGA schon immer mochte, wird diese Band wohl bis zu ihrem Ende verehren,
der klägliche Rest möge sich doch einmal eingehender mit den
Kanadiern befassen.
www.sagaontour.com
Walter Tommy BOLIN - Whips And Roses 1 (Steamhammer / SPV)
Der Name Tommy Bolin sollte zumindest den älteren Semestern ein
Begriff sein. Schließlich war Tommy in seiner kurzen, aber rasanten
Karriere immerhin als Nachfolger von Ritchie Blackmore in Diensten von
DEEP PURPLE und zwar von 1975 bis zu seinem drogenbedingten Ableben am
3.12.1976. Doch auch als Solokünstler und seinen Werken „Teaser“ und „Private
Eyes“ sollte sich Tommy Bolin in den Annalen der Rockmusikhistorie
ein Plätzchen verdient haben. Fast 30 Jahre später hat nun
sein Bruder Jonny zusammen mit dem Produzenten Greg Hampton in den Archiven
gewühlt um Tommy posthum ein weiteres Mal zu würdigen. „Whips & Roses
1“ enthält neben bislang ungehörten Versionen der bekannteren
Songs seines Fundus auch einige bislang unveröffentlichte Nummern.
Dabei fällt die Leichtigkeit des Gitarrespiels des Mannes einmal
mehrt auf. Bolin schaffte es schon lange bevor das Wort „Crossover“ überhaupt
kreiert wurde, eine sehr ähnlich klingende Art von Musik zu komponieren.
Immer wieder kombinierte er bluesigen Rock mit Zitaten aus dem lateinamerikanischen
Raum ebenso wie er einen latenten Funk-Einfluss innehatte. Zudem verfügte
Tommy Bolin auch über eine sehr soul-lastig klingende Stimme, die
vor allem in den gefühlvollen Momenten phantastisch zur Geltung
kommt. Abgesehen davon kann auch ein dezenter Verweis auf den Jazz angeführt
werden, der Meister Bolin ebenso spielerisch von der Hand gegangen ist
wie der bluesige und härtere Rock. Mit „Whips & Roses
1“ zeigt sich einmal mehr, welch´ begnadetes Talent uns viel
zu früh verlassen hat. Doch wie der Titel bereits verrät hat
Greg Hampton bereits ausreichend Material für „Whips & Roses
2“ zusammengestellt und besagtes Album für das kommende Jahr
in Aussicht gestellt.
www.tbolin.com
Walter
MÖTLEY CRÜE - Carnival Of Sins
(Steamhammer / SPV)
Alles Gute zum Geburtstag! Anlässlich ihres 25. Wiegenfestes veröffentlicht
die amerikanische Hardrock-Institution MÖTLEY CRÜE einen Doppel-Decker
prallgefüllt mit Aufnahmen der im letzten Jahr in Original-Besetzung,
also mit Vince Neil (V), Mick Mars (G), Nikki Sixx (B) und Tommy Lee
(D), über die Bühnen dieser Welt gegangene Tournee, die unter
dem Titel „Carnival Of Sins“ stattgefunden hat. Als „Carnival
Of Sins“ bekommt der Fan nun auch einen Mitschnitt dieser Tour
geboten und dieser enthält für den Anhänger der Band genau
das, wofür er die Crüe lieben gelernt hat. Urwüchsiger,
dreckiger Hardrock war es immer, für den MÖTLEY CRÜE berühmt
waren und genau diesen enthält auch „Carnival Of Sins“.
Die Songauswahl passt hier ebenso wie auch die eingefangene Stimmung
während des Mitschnittes. Der Sound mag Fetischisten vielleicht
ein wenig zu ruppig erscheinen, passt aber meiner Meinung nach perfekt
zu den Songs der Amis. Auch wenn MÖTLEY CRÜE den kreativen
Zenit ihrer Karriere längst hinter sich haben (hab´ ich da
was verpasst?! „kreativ“?! „Zenit“ ?! Andi) und
in den letzten Jahren kaum noch durch musikalische Taten glänzen
konnten, sondern nur durch mehr oder weniger interessante Skandalgeschichten
aufgefallen sind, besteht für langjährige Fans das dringende
Muss sich dieses Werk zuzulegen. Schließlich kann bei einer Band
wie dieser nie sicher sein, ob es sich nicht doch um die letzte Veröffentlichung
handeln würde.
www.motley.com
Walter
HIRAX - Thrash ´Til Death (Black
Devil Records)
Katon W. DePena ist und bleibt eines der Szene-Urgesteine. Seit mehr
als 20 Jahren treibt der Kerl mit seiner Band HIRAX in unterschiedlichsten
Besetzungen sein Unwesen im Underground. Für mich zählen HIRAX
nach wie vor zu den „Erfindern“ des heute so modernen Stilgemisches
aus Hardcore und Metal, denn schon auf deren ersten Alben „Raging
Violence“ und „Hate, Fear And Power“ ist eindeutig
nachzuhören, wie nahe beisammen Thrash Metal und Hardcore schon
immer waren. Um die Wartezeit auf das für Ende dieses Jahres angekündigte
nächste Studioalbum „Assassins Of War“ zu verkürzen,
hat Katon das heimische Archiv durchforstet und „Thrash `Til Death“ zunächst über
das bandeigene Label Black Devil Records veröffentlicht. Da der
Grossteil der Aufnahmen von Festivalgigs der letzten Jahre stammt, hat
man hinsichtlich der Songauswahl logischerweise sämtliche Highlights
des Schaffens der Band auf dieser DVD verewigt. Da HIRAX wohl diese immer
wieder zum Besten geben müssen, kommt auf „Thrash `Til Death“ mancher
Songs dadurch öfter als nur einmal vor. Schließlich mussten
HIRAX beispielsweise „Hate, Fear And Power“ nicht nur beim „Minneapolis
Mayhem Festival“ 2005, sondern auch beim 2003er „Bang Your
Head“ und dem „Tidal Wave Festival“ in ihrer kalifornischen
Heimat zum Besten geben. Wann und wo auch immer HIRAX die Bühne
betreten haben um mit ihrer ruppigen Version von Thrash Metal die Fans
zu erfreuen, scheinen sie ein Feuer im Publikum entfacht zu haben und
sind offenbar immer recht gut aufgenommen worden. Die schier nicht zu
bändigende Power, die diese Band, in egal welcher Besetzung auch
immer, versprüht, ist offenbar nahezu unmöglich festzuhalten.
Mit dieser DVD ist man aber dieser Sache schon sehr nahe gekommen und
deshalb ist „Thrash `Til Death“ schlichtweg ein MUSS für
alle, die HIRAX zu ihrem erweiterten Favoritenkreis zählen. In Kauf
nehmen muss man allerdings eine nicht immer professionelle Kameraführung,
die zum Teil eher Bootleg-mäßig rüberkommt, dadurch aber
sehr authentisch wirkt. All jenen, denen der Name HIRAX noch nichts
sagen sollte, sei diese DVD nicht zuletzt auf Grund der Intensität
dieser Live-Mitschnitte ans Herz gelegt. Zudem enthält das Teil
aber auch noch jede Menge Zusatzmaterial wie ein umfangreiches und aussagekräftiges
Interview, sowie die übliche Bonüsse wie Videoclips, Promo-Material
und, und, und……
www.blackdevilrecords.com
Walter
FLOTSAM & JETSAM - Live In Japan (Crash
Music Inc. / Rough Trade)
Ich persönliche halte FLOTSAM & JETSAM nach wie vor für
eine jener sträflich unterbewerteten Bands, denen es leider nie
vergönnt war, auch nur ansatzweise den ihnen gebührenden Erfolg
einheimsen zu können. Ob mit oder ohne Jason Newsted soll hier überhaupt
nicht zur Diskussion stehen. Alben wie die beiden ersten Alben „Doomsday
For The Deceiver“ und „No Place For Disgrace“, aber
auch spätere Veröffentlichungen, wie das sträflich ignorierte,
weil stilistisch nicht mehr geradlinig thrashig, sondern einigermaßen
abgedrehte „Cuatro“ oder das aktuelle Werk „Dreams
Of Death“ wissen zu gefallen. Nachdem es eine zeitlang sehr verdächtig
still rund um die Truppe geworden war, kam letztgenanntes Album zum rechten
Zeitpunkt und man merkte den Herren an, dass sie es noch immer ernst
meinen mit ihrer Musik. Mehr noch, im Gegensatz zu etwaigen „Reunion-Kasperl-Theater-Varianten“ oder „Back
to the Roots“- Versprechungen einst großer Thrash Metaller,
die nicht eingehalten wurden, sondern stilistischirrelevant blieben und
im soundtechnischem Nirgendwo landeten, haben sich die Arizona-Thrasher
schlicht und ergreifend auf ihre Stärken beschränkt und ein
ebensolches Album abgeliefert. Der auf vorliegender DVD als Bonus enthaltene
Videoclip zu „Straight To Hell“ legt davon eindeutiges Zeugnis
ab. Doch nun zum eigentlichen Thema, der Live-Aufnahmen dieser DVD. Aufgenommen
wurde an einem Abend im September 2004 im legendären Citta-Club
zu Tokio, an dem die Band in großer Klasse aufspielte und das Publikum
offenbar hungrig nach FLOTSAM & JETSAM war. Der Hunger des Publikums
wurde vor allem hinsichtlich älterer, geradezu klassischer Songs
aus dem Repertoire der Band gestillt, so klingen vor allem „Hammerhead“, „The
Master Sleeps“ und die Titeltracks der ersten beiden Alben regelrecht
umwerfend. Musikalisch und auch von der Songauswahl her gibt es an dieser
DVD kaum etwas zu meckern, sehr wohl allerdings an der Aufzeichnung als
solche. Der Sound ist nicht unbedingt perfekt, sondern vor allem hinsichtlich
der Gitarren leider zu verwaschen. Was aber noch viel mehr negativ auffällt,
ist aber die Kameraführung. Offenbar war die Truppe budgetär
schwer eingeschränkt und so „darf“ der Fan hier in erster
Linie ein Konzert miterleben, bei dem der Kameramann offenbar im hinteren
Drittel des Clubs sein Equipment aufgebaut hatte. Die Sache kommt zwar
so recht authentisch aus den Bildschirmen, hat aber ein wenig „Bootleg-Flair“.
Die beiden anderen Kameras waren taktisch zwar wesentlich besser positioniert,
kamen aber in Summe leider nicht so häufig zum Einsatz. „Live
In Japan“ hinterlässt diesbezüglich leider einen recht
schalen Nachgeschmack auf einen spieltechnisch einwandfreien und auch
sehr intensiven Abend mit FLOTSAM & JETSAM.
www.flotsam-and-jetsam.com
Walter
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