CDs & DVDs
OKTOBER 2005
Weitere Reviews
im Archiv

NACA7 - Barricades On Fire (Acute/Edel)
Nach dem äußerst gelungenen Debüt-Album "Several Reasons To Die For" (2003) steht der neue Longplayer des Schwechater Airport-Hardcore-Quartetts auf der Startbahn zum Abheben bereit: "Barricades On Fire" erreicht mühelos die Flughöhe des Vorgängers, setzt durch noch eingängigere Songs sogar zu einem Höhenflug mit ungeahntem Ziel an. Doch wer nun glaubt, dass die Band sich von Ballast in Form von Härte und Kompromisslosigkeit per Fallschirm entledigt hat, befindet sich auf völligem Blindflug: Weiterhin drehen sich unbändig die Propeller, schallen die Triebwerke, respektive krachen die Gitarren im Einklang mit Bass-Schlagzeug-Rhythmen zum Anschnallen. Piloten ist nichts verboten! Wenn man derart ungeniert den Beatles-Klassiker "Come Together" deftig veredelt, muss man seinen Weg in den Rock-Himmel finden - NACA7 schaffen's bestimmt. www.naca7.com
H.C. Vetchy

TARANTULA – Metalmorphosis (AFM/Soulfood)
Zugegeben, den Großteil der bisher bereits erhältlichen sechs Veröffentlichungen des portugiesischen Quartetts TARANTULA kenne ich nicht. Gänzlich unbekannt ist mir die Band rund um Gitarristen Paolo Barros aber auch nicht mehr. Auf „Metalmorphosis“ kredenzen uns die Iberer insgesamt elf Songs, die irgendwo zwischen klassischem Melodic Metal und traditionellem Hardrock anzusiedeln sind. Dabei schaffen es die Herren, klischeefrei zu klingen und zudem gute Stimmung ohne Ende zu verbreiten. Bitte mich nicht falsch zu verstehen, die TITO-freien TARANTULA sind alles andere als eine Fun-Combo, sondern ein durchaus ernst zunehmender Act. Es ist wohl eher ein Zeichen von Reife - schließlich existiert die Band bereits seit über 20 Jahren - dass den Portugiesen die Fähigkeit eigen ist, gut arrangierte, melodiöse Metal-Songs mit knackige Melodien ebenso zu kreieren wie schnulzenfreie Balladen. Eigentlich ist es fast schon ein Witz, dass eine Band wie TARANTULA in unserer Region nahezu unbekannt ist, „Metalmorphosis“ sollte daran endlich etwas ändern. www.tarantula-music.com
Walter
 
 
SYMPHORCE – Godspeed (Metal Blade/NSM)
Ich gestehe, ich bin seit Anfangstagen eingeschworener Fan dieser deutschen Band. Weshalb, kann ich nicht einmal genau sagen, aber ich schätze schlicht und ergreifend die Art und Weise, wie SYMPHORCE ihre Songs offerieren. Sie schaffen es zum einen den Esprit großer Taten des amerikanischen Power Metals zu offenbaren, versehen ihre Kompositionen aber auch mit progressiven Elementen und dezent modernen Einflüssen, kurz gesagt, SYMPHORCE trafen meine Geschmacksnerven schon immer zu 100%, daran hat sich auch mit >>Godspeed<< nichts geändert. Zudem schafft es das Quintett auch schon lange Zeit ihre Songs, seien sie auch noch so abgedreht, immer mit der nötigen Eingängigkeit auszustatten. >>Godspeed<<, das mittlerweile fünfte Werk, steht seinen Vorgängern diesbezüglich in nichts nach. Obwohl mitunter fast schon brutale Passagen zu vernehmen sind, die gar an Größen wie FORBIDDEN erinnern, darf SYMPHORCE immer noch attestiert werden, mit „modernen“ Effekten so umzugehen, dass auch der eingefleischteste Metaller keinerlei Einwände finden wird. Über Andy Franck´s Sangesleistung noch großartige Worte zu verlieren, sollte sich mittlerweile ebenfalls erübrig haben, weshalb >>Godspeed<< nicht zuletzt durch die abermals perfekt umgesetzte Produktion zu einem der absoluten Highlights des heurigen Jahres geworden ist. www.symphorce.de
Walter
 
 
ROB ROCK - Holy Hell (AFM/Soulfood)
Trotz seiner Teilnahme am legendären Projekt M.A.R.S - das mit seinem einzigen Album „Project: Driver“ für Furore sorgen konnte - und weiteren Alben von Axel Rudi PELL und IMPELLITTERI, auf welchen Rob Rock zu hören ist, war es dem Ami bislang nochnicht vergönnt, den ihm gebührenden Ruhm einzuheimsen. Woran das liegt, weiß wohl nicht einmal er selbst.  Auch mit jenen unter seinem eigenen Namen veröffentlichten Scheiben „Rage Of Creation“ und „Eyes Of Eternity“ stellte sich noch nicht der Erfolg ein, weshalb „Holy Hell“ auch all jenen ans Herz gelegt sei, die den Namen des Sängers bislang ignoriert haben. Seine Klientel wird ohnehin wissen, was zu erwarten ist, dem Rest sei mitgeteilt, dass Rob diesmal unter Mithilfe von Carljohann Grimmark (G) und Bobby Jarzombek (D) abermals ein sattes Metal-Album vorgelegt hat, das in erster Linie mit grandiosen Melodien unterschiedlicher Härte überzeugen kann. Der Opener „Slayer Of Souls“ ist eine mächtige Doublebass-Attacke geworden und bleibt bis zum Ende härtetechnisch das Non-Plus-Ultra der Scheibe. Im krassen Gegensatz dazu stehen Songs wie beispielsweise „Calling Angels“, ein wunderbarer Melodic Rocker, der aber qualitativ ebenfalls durchaus gelungen ist. Rob´ s Stimme deckt sowohl den heftigen Bereich ab, wie auch den eher getragenen und balladesken, was er spätestens bei „I´ll Be Waiting For You“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.  Kurz gesagt, „Holy Hell“ überzeugt in allen Belangen, wobei neben des Meisters eindrucksvoller Stimme vor alle das akzentuierte Drum-Spiel von Bobby Jarzombek hervorzuheben ist, der es auch hier schafft sich perfekt, aber dennoch songdienlich, in Szene zu setzen. www.robrock.com
Walter
 
 
 
BASTARD PEELS – Fishfuckstuck (crater8/rebeat)
Haha, es ist endlich da (was für ein schöner Reim (Super! Andi)), das Debütalbum der österreichischen Schweine bzw. Fische (???!!!) Bastard Peels. Die meisten von euch werden diese erstklassige Kapelle noch nicht kennen, außer ihr wart z.B. beim legendären Meshuggah Gig dabei, wo sie spontan statt Freund Hein als Support eingesprungen sind. Ein Wahnsinns-Konzer!
Nun also liegt das Erstwerk der kranken Psychopaten auf, es hört auf den „sinnvollen“ Namen „fishfuckstuck“ und beinhaltet 17 Songs. So, wo kann man die Jungs nun vom Stil her hingeben?! In Wahrheit nirgends so recht, denn Bastard Peels haben es geschafft, mit unverkennbaren Stil und Sound etwas wirklich Neues, Witziges und Spannendes zu schaffen. Das Album gestaltet sich sehr experimentell, übersäht mit Stil- und Geschwindigkeitswechseln, eine Mischung aus Rock und verschiedensten Metal-Richtungen. Ab und dann hört man Meshuggah Riffs, manchmal etwas Slayer, dann wieder etwas Metalcore, um dann zu ruhigen instrumental Zwischenstücken überzugehen. Bei Bastard Peels herrscht musikalisches Wirrwarr, Chaos, aber mit Super Songs. Ein Hochhaus an neuen Ideen, jeder Song ist anders und auf seine Art und Weise etwas Besonderes. Kurze Tracks, längere Tracks, der richtige Schmäh macht’s aus. Album-Namen und Songtitel wie „Wet Rectum?“, „Rüschag“, „Kerstin“ oder „Pfleger“ zeugen von (schwarzem) Humor. Extrem Meshuggah Riff-lastig ist „Puto Blanco“ (könnte wirklich ein Song der Meister sein) und die mit Abstand humorvollsten Nummern sind „Catch The Bird“ (einfach krank) und „Kerstin“. Manchmal stellt man sich die Frage, ob diese drei Herren aus einem Irrenhaus ausgebrochen sind.... Wie man auf die ein oder andere Songstruktur kommen kann, ist fraglich, umso mehr ist und bleibt (auch nach mehrmaligen durchhören) das Werk spannend, wie eine Expedition bei welcher man immer wieder neues entdeckt. Natürlich dürfen auch ein paar kleine Kritikpunkte nicht fehlen: Die Aufnahmequalität ist ganz okay, allerdings weiß man, dass man noch viel mehr hätte rausholen können... Und Warum zum Gott sind keine Lyrics im Booklet??!! Scheiße, jeder würde gerne die kranken Texte mitlesen, um sie dann ins Abendgebet mit aufzunehmen... wirklich schade. Tja, aber an der Musik gibt’s wie gesagt nix zum Raunzen, alles wunderbar. Leute, lasst euch überzeugen und checkt euch den Bastard! www.bastardpeels.com
Dominik
 
 
SEARING I – Bloodshred (Black Lotus/Soulfood)
Schweden war und ist wohl eines jener Länder mit der breitesten Dichte an jungen Bands. SEARING I aus Uppsala (nix passiert! Andi) setzen den Reigen an Veröffentlichungen junger Formationen mit ihrem Debüt >>Bloodshred<< fort. Wie zahlreiche ihrer Landsleute fabriziert auch dieses Quintett eine gefällige Mischung aus traditionellen und modernen Thrash Metal-Anteilen, wobei allerdings weder Death noch Hardcore-Elemente auszumachen sind. Am ehesten sind es noch THE HAUNTED, die dem Hörer in den Sinn kommen. Von einem Plagiat kann aber dennoch zu keiner Sekunde gesprochen werden, denn zum einen erinnern manche Songs vom Aufbau und der Geschwindigkeit her gar an alte Helden wie EXCITER, zum anderen haben SEARING I mit Andreas Öman einen Shouter in ihren Reihen, der Aggressivität wohl bereits seit frühester Kindheit erfahren haben dürfte, denn seine Stimme kommt zu keiner Sekunde gewollt brutal rüber, sondern klingt authentisch, was zwar ein wenig bedenklich wirkt, sich aber positiv auf die Musik ausgewirkt hat. www.searingi.com
Walter
 
 
AIDEN – Nightmare Anatomy (Victory Records/Soulfood)
Noch kennt die fünf zarten Jungs noch kein Schwein, zumindest nicht bei uns in Österreich, aber das wird sich schnell ändern. In England waren Aiden gemeinsam mit Silverstein auf Tour und haben das Publikum mit ihrem modernen Punkrock zum Ausrasten gebracht. Die Amerikaner existieren als Band erst seit 2003 und legen mit „Nightmare Anatomy“ ihr zweites full-length Album auf den Tisch, mit welchem sie nun die Welt erobern wollen. Dies könnte durchwegs gelingen, den die Mischung aus dreckigem Punkrock und gefühlvollen modernen Melodien ist wunderbar. Besonders empfehlen muss man den Opener „Knife Blood Nightmare“, sowie „Genetic Design For Dying“. Allright!
Dominik
 
 
U.D.O. - 24/7 (AFM/Soulfood)
Als Appetizer zum demnächst erscheinenden neuen Studioalbum „Mission No. X“ lässt sich „Uns Udo“ nicht lumpen und offeriert mit seinen Mannen eine satte Vorab-Single. Der Titelsong „24/7“ wird zwar auch auf dem Longplayer verewigt sein, „Mean Streets“ebenfalls, wird uns hier aber in einer „Single-Version“ geboten, „Number For A Number“, „Scream Killers“ und „Hardcore Lover“ dagegen werden nicht auf „Mission No. X“ zu finden sein.  Angesichts der Tatsache, dass die genannten Songs nahezu klassisches U.D.O.-Material darstellen und keineswegs schwächer einzustufen sind, als jene Songs die uns U.D.O. zuletzt auf ihren Alben geboten haben, darf man wahrlich auf ein Highlight des deutschen Heavy Metal gespannt sein! www.udo-online.de
Walter
 
 
SINISTHRA - Last Of The Stories Of Long Past Glories (Arise/Point)
Die Geschichte dieser finnischen Band begann vor gut fünf Jahren unter dem Namen NEVERGREEN. Ebenso unbunt wie jener Bandnamen klingt auch die Musik des in späterer Folge in SINISTHRA umbenannten Sextetts. Vom Opener „Coming Up Roses“ bis hin zum Rausschmeißer „Compeletely Incomplete“ regiert die für finnische Bands typische Melancholie. Obwohl die Musik an sich phasenweise recht doomig aus den Boxen dröhnt, kommt durch die immer wieder perfekt in Szene gesetzten Keyboards auch eine gewisse Vorliebe der Herrschaften für gothische Klänge zum Vorschein. Die Gitarristen überraschen zudem mit einigen ruppigen, unruhigen Intermezzi, wodurch für Abwechslung gesorgt ist und der Zuhörer weder in elegischen Träumereinen noch in Hoffnungslosigkeit unterzugehen droht.  Die im Normalfall druckvolle Produktion von Nino Laurenne in seinem Sonic Pump Studios kommt hier ein wenig lasch aus den Boxen, allerdings muss Nino diesbezüglich freigesprochen werden, da Gitarrist Markku Mäkinen dafür hauptverantwortlich zeichnete. Wie auch immer, zu den relativ dunklen Songs an sich passt die dadurch vermittelte Stimmung recht gut, weshalb sich „finno-phile“ Musikliebhaber den Namen SINISTHRA notieren müssen. www.sinisthra.com
Walter
 
 
RAINTIME - Tales From Sadness (Arise/Point)
Der Verschmelzung unterschiedlicher Stilelemente sind offenbar keinerlei Grenzen gesetzt. Als Beweis dafür kann auch „Tales From Sadness“, das Debüt eines italienischen Quintetts mit dem meteorologisch im Moment perfekt passenden Namen RAINTIME genannt werden. Die „Regenzeitler“ sind seit 1999 aktiv und hatten in DREAM THEATER ihrer großen Vorbilder gefunden. Seit damals konnte ein mittlerweile perfekt harmonierendes Line-Up gefunden werden und ein Deal bei Arise Records an Land gezogen werden. Vom „Traumtheater“ sind zwar immer noch zahlreiche Anklänge zu vernehmen, doch im Grunde genommen haben wir es mit einer recht eigenständig klingenden Melange aus progressiven Metal-Anteilen, jeder Menge typisch italienisch tönenden symphonisch-bombastischen Power Speed-Zutaten und zahlreichen Querverweisen an melodiösen Death Metal aus Schweden zu tun.  Vor allem letztgenannter Einfluss macht „Tales From Sadness“ zunächst sehr interessant und lässt das songschreiberische Talent der Italiener aufblitzen, auch wenn noch lange nicht alles Gold ist was glänzt. Vor allem gegen Ende der Scheibe muss festgestellt werden, dass die guten Ideen wohl ein wenig abhanden gekommen sind und der eher unspektakuläre symphonische Italo-Bombast regiert. www.raintime.com
Walter
 
 
BLIND STARE - Symphony Of Delusions (Arise/Point)
Melodiöser Todesmetall wird schon lange nicht mehr ausschließlich in Schweden fabriziert. Auch in Finnland sind in den letzten Jahren einige Bands gegründet worden um in jenem Segment Fuß fassen zu können. BLIND STARE, die sich mit ihren beiden Demos bereits einen recht guten Ruf in ihrer Heimat erspielen konnten, beweisen uns mit ihrem Debüt „Symphony Of Delusions“ mit Nachdruck, dass sie nicht von ungefähr zu den gefeierten Newcomern ihres Heimatlandes gezählt werden. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Melodic Death-Acts scheuen sie weder vor klassischen Einflüssen zurück, für welche in erster Linie das immer wieder in den Vordergrund tretende Keyboard von Zacharias Aarnio verantwortlich ist, noch vor „modernen“ Einsprengsel, die von den immer wieder harsch tönenden Gitarren der Herren Jaako Lehtinen und Anders Öström stammen. Daraus ergibt sich eine interessante Mischung, die von Sänger Eino Tuominen und seiner, je nach Bedarf grimmig oder klar klingenden, Stimme perfekt untermalt wird. BLIND STARE funktionieren offenbar bestens im kollektiv, denn von Soloeskapaden oder ähnlichen Ausflügen sind die einzelnen Musiker weit entfernt, was auch gut so ist. www.blindstare.net
Walter
 
 
AS WE FIGHT - Black Nails And Bloody Wrists (Dockyard 1/Soulfood)
Sehr aggressiv und kampfbetont klingen nicht nur Bandname und Albumtitel, sondern auch die Musik. Das dänische Sextett AS WE FIGHT, bei dem mit Jason Campbell und Laurits Medorn gleich zwei Vokalisten mit von der Partie sind, sollte mit seinen Klängen voll den Zeitgeist treffen. Angesiedelt in der Schnittmenge aus brachialen Hardcore-Klängen, schwedischem Melodic Death-Metal und jeder Menge an Elementen, die gerade in den US of A schwer im Trend liegen und dort von Formationen wie KILLSWITCH ENGAGE zum Besten gegeben werden, liefern uns AS WE FIGHT insgesamt elf Kampfansagen.  Durch das durchwegs hohe Tempo und immer wieder im Vordergrund stehende Aggressivitätspotential der Songs kann ich zwar leider nicht erkennen welcher Sänger in welchen Passagen zu hören ist, doch offenbar ist dies auch nicht wirklich relevant.  Auf den Bühnen dieser Welt kommt es mit Sicherheit verdammt gut rüber, wenn gleich zwei Schreihälse die Leute vor der Bühne mit ihren brutalen Gesangsattacken, gebettet in nicht minder brachiale Songs, anzuheizen versuchen. AS WE FIGHT sollten so gesehen ein Garant für energiegeladene Live-Shows sein. Wollen wir hoffen, dass es den Jungs auch vergönnt ist, eine Tournee absolvieren zu können. www.aswefight.tk
Walter
 
 
RECKLESS TIDE - Repent Or Seal Your Fate (Armageddon/Soulfood)
Schon zu Zeiten ihres Debüts „Insanity Or Reality“ wurden die Norddeutschen RECKLESS TIDE mit Lobeshymnen geradezu überschüttet. Wenn man sich ihren Einstand bei Armageddon Music namens „Repent Or Seal Your Fate“ eingehend zu Gemüte führt, wird man feststellen, dass alle Wortes des Lobes berechtigt gewesen sind. Auf insgesamt 14 Songs zelebriert das Sextett mit Dame ein ums andere Mal die Gratwanderung zwischen traditionellen und „neueren“, nicht minder drückenden, Thrash Metal-Klängen. Als grobe Anhaltspunkte seien in erster Linie das Riffing der Herren Hannemann und King, die mächtigen Grooves die uns Robb Flynn und seine „Maschinenköpfe“ anzubieten haben und eine satte Portion Bay Area-Thrash genannt. Durch die abwechselnd zum Einsatz kommenden Gesänge von Andrew Troth und Kjell Hallgreen, die zu nahezu gleichen Teilen für die Vocals verantwortlich sind, besteht auch diesbezüglich reichlich Abwechslung. Basierend auf einem feinen Rhythmusteppich, den Kai Swillus (D) und Henning Pfeiffer (B) ausbreiten, und dem perfekt eingespielten Gitarrenduo Susanne Swillus und Oliver Jaeth gelingt es RECKLESS TIDE ihre teilweise ein wenig verschachtelt wirkenden Kompositionen mit Schmackes an den Zuhörer zu bringen, dass trotz einiger erst nach mehreren Durchläufen zu erkennender Details kaum längere Gewöhnungsphasen notwendig sind, um sich mit „Repent Or Seal Your Fate“ anzufreunden! Thrasher müssen hier blindlings zuschlagen, auf Grund des mitunter recht Todesmörtel–lastigen Gesangs sollten auch Fans von technisch versierten Death Metal-Combos ein Ohr riskieren. www.recklesstide.de
Walter
 
 

IN–QUEST - The Comatose Quandaries (Dockyard 1/Soulfood)

Obwohl Songtitel wie „Systematic Arythmetic Hate“ oder „Cryotron Frequency“  eher auf schräge Kompositionskunst im Stile von MESHUGGAH oder Konsorten schließen lassen, handelt es sich bei IN-QUEST um weniger abgefahrene Kost. Das Quintett aus Belgien offeriert uns bereits zum fünften Mal ein Album in der Schnittmenge aus groovigem Death Metal und modernem Thrash Metal. Dabei ist festzustellen, dass vorwiegend im Midtempo vorgetragen wird und, wie in „ Audiotoxic Binaries“, gelegentlich gar doomige Passagen in den Sound integriert werden konnten, das Gaspedal jedoch allerdings so gut wie nie bis zum Anschlag durchgedrückt wird. Auch die immer wieder in der Grauzone zwischen Todesgeröchel und brutalem Shouting eingesetzte Stimme von Mike Löfberg würde sich hervorragend für Up-Tempo-Material eignen, doch leider vermisst man über längere Strecken Abwechslung hinsichtlich des Tempos. Die Midtempo-Parts kommen zwar ordentlich satt aus den Boxen und wurden auch produktionstechnisch brachial in Szene gesetzt, auf Dauer schleicht sich aber dennoch eine gewisse Sättigung beim Hörer ein. www.in-quest.be
Walter
 
 
GODDESS OF DESIRE - Awaken Pagan Gods (Armageddon/Soulfood)

Zu den Wiederholungstätern aus Überzeugung sind auch die Niederländer GODDESS OF DESIRE zu zählen. Wer die Combo jemals auf der Bühne erleben konnte, dem wird mit Sicherheit das Spektakel, welches die „GöttInnen“ veranstalten, ebenso in Erinnerung geblieben sein, wie der mächtig „old-school“-lastige Sound der Band. Die Musik hat sich im Laufe der Jahre an und für sich kaum geändert, noch immer - und das schon seit gut 10 Jahren und auf mittlerweile vier Alben - offeriert man uns eine satte Dosis aus Anklängen an VENOM, MOTÖRHEAD und CELTIC FROST. Auch was die lyrischen Ergüsse betrifft, wird uns Traditionelles geboten, hierbei ist man jedoch näher an MANOWAR als an den genannten musikalischen Referenzbands.  Ich bin mir sicher, dass GODDESS OF DESIRE aber nicht nur zahlreiche Anhänger haben, sondern mindestens ebenso vielen kritischen Stimmen gegenüberstehen. Doch im Sinne der Einstellung der Band sei jenen Zeitgenossen ein kurzer Auszug aus „Scream For Metal True“, einem der Highlights von „Awaken Pagan Gods“ entgegnet, wo kurz und prägnant festgehalten wird, worum es der Band geht:
„ We´re born to reign and conquer them all.
  We preach our Metal, proudly standing tall.
  We show no fear for the future at all.
   It´s always Metal, Metal will never fall.”
Ich denke, es bedarf keinerlei weiteren Worte (indeed. Andi). GODDESS OF DESIRE stehen schon seit Jahren für ursprünglichen Metal und das ist auch gut so. Bleibt nur zu hoffen, dass uns die Niederländer auch in Zukunft mit ihren Klängen erfreuen werden. www.goddess-of-desire.info
Walter
 
 
CONTRADICTION - The Voice Of Hatred (Armageddon/Soulfood)
Seit mehr als 15 Jahren wuseln die Wuppertaler CONTRADICTION emsig in den Gefilden des deutschen Undergrounds herum, veröffentlichen in regelmäßigen Abständen feine Thrash Metal-Werke und können auch auf den Bühnen dieser Erde, wie zuletzt im Vorprogramm von OVERKILL, überzeugen. Auch auf „The Voice Of Hatred“, dem mittlerweile fünften Album des Quartetts befinden sich ausschließlich hochwertige Songs. CONTRADICTION überzeugen in erster Linie durch nachvollziehbare, dezent groovige Thrasher wie den Titelsong oder das nicht minder eingängige „Nation Of Fear“. Zudem wechseln die Herrschaften immer wieder gekonnt das Tempo, so dass einem Nackenbrecher wie dem Opener „Break The Oath“ auch eher behäbige, aber nicht minder druckvolle Kompositionen gegenüberstehen. Als Vorzeigebeispiel diesbezüglich sei „Crimes“ genannt, das fast schon melancholisch aus den Boxen tönt. Hoffentlich ist es CONTRADICTION in weiterer Folge vergönnt, ein wenig vom Erfolg des abermals erstarkten Thrash Metal teilzuhaben, verdient hätten sie es! www.contradiction.de
Walter
 
 
AXENSTAR - The Inquisition (Arise/Point)
Nach dem Vorgängerwerk „Far From Heaven“ war es diesem schwedischen Quintett vergönnt zusammen mit FALCONER und DOOMSWORD flächendeckend auf Tournee zu gehen. Leider war der Zeitpunkt relativ ungünstig, denn mitten im Winter konnten nur recht wenige Fans von den heimischen Öfen hervorgelockt werden (während im Sommer 10.000 Leute pro Show gekommen wären, oder wie, bei dem Package?! Andi).  Egal, AXENSTAR ließen sich deshalb kaum aus der Bahn werfen und stellen uns nun „The Inquisition“, ihr mittlerweile drittes Album vor. Innovation ist von den Herrschaften rund um den Keyboard-spielenden Sänger Magnus Winterwild zwar immer noch nicht zu erwarten, doch ihre Fähigkeit kraftvolle Melodic Metal-Kompositionen mit dem gewissen „Etwas“ auszustatten um daraus Hits für die Ewigkeit zu machen, konnte das Quintett sogar noch ausbauen. Dabei meine ich nicht nur brillante Refrains, wie jenen von „The Burning“, den man wohl schon nach dem ersten Durchlauf innehaben sollte, sondern auch die grenzgenialen Melodien, die das Gitarrenduo Thomas Eriksson und Peter Johansson aus dem Ärmel schüttelt. Begnadete Songschreiber sind AXENSTAR auf jeden Fall bereits, mit ein wenig mehr Glück bei weiteren Gastspielreisen sollte es demnächst auch mit dem Durchbruch klappen. www.axenstar.com
Walter
 
 
SUIDAKRA - Command To Charge (Armageddon/Soulfood)
Das deutsche Quartett SUIDAKRA ist längst zu einer Institution in unserer Szene geworden. Kein Wunder, nach insgesamt sieben Alben innerhalb von acht Jahren und den unzähligen Gigs, welche die Herrschaften in jener Zeit gespielt haben. Musikalisch war die Band schon immer recht eigenständig, was sich auch auf ihrem neuesten Werk sofort erkennen lässt. Durch den abwechselnden Gesang von Arkadius, der die eher brutalen Passagen zum Besten gibt und Mathias, der für den eher gefühlsbetonten Gesang zuständig ist, schaffen es SUIDAKRA gekonnt die jeweilige Atmosphäre perfekt umzusetzen. Durch den Einsatz von einem noch immer nicht gerade genretypischen Instrument wie einem Dudelsack erhält die Sache noch dazu eine dezent folkloristische Note und lässt die Deutschen erstmals dezent in die Nähe der alten SKYCLAD driften, wobei hier die Betonung aber auf „dezent“ liegt. Die Gitarren tönen wie schon auf dem letzten, für SUIDAKRA wohl verkaufstechnisch wichtigsten, Werk „Signs Of The Fallen“ recht rabiat und harmonieren bestens mit der Rhythmusabteilung sowie dem bereits erwähnten Wechselspiel am Mikro. www.suidakra.com
Walter
 
 
SAVAGE CIRCUS - Dreamland Manor (Dockyard 1/Soulfood)
Wie sich herumgesprochen haben sollte, handelt es sich bei SAVAGE CIRCUS um einen der beiden neuen Acts, die der ehemalige BLIND GUARDIAN-Schlagzeuger Thomas “Thomen“ Stauch am Start hat. Nach der Trennung wegen „unüberbrückbarer musikalischer Differenzen“ beweist uns Thomen mit SAVAGE CIRCUS, wo die Ursache für diese Differenzen lag. Die neun auf „Dreamland Manor“ verewigten Songs kommen zwar allesamt mit mächtiger BLIND GUARDIAN-Schlagseite daher, allerdings erinnern diese an jene Zeit, als die Krefelder noch weit vom bombastischen Sound entfernt waren, den sie uns in den letzten Jahren aufgetischt haben. Viel eher fühlt man sich an jene Tage erinnert, in denen wir kniend den Songs von „Imaginations From the Other Side“ gelauscht haben. Dazu gesellen sich logischerweise auch unzählige Anklänge an die ohnehin schwer nach alten BLIND GUARDIAN tönende Band PERSUADER aus Schweden. Logischerweise deshalb, weil mit Emil Norberg und Jens Carlsson gleich zwei PERSUADER-Musiker bei SAVAGE CIRCUS am Start sind. Vervollständigt wird das Line-Up von keinem Geringeren als Piet Sielck, der auch an der Produktion beteiligt war. Doublebass-lastige Power Speed-Songs bestimmen das Bild und werden nur selten von gemäßigten Passagen abgelöst. Die Melodien sind durchgehend zwingend und lassen auf eine möglichst baldige Umsetzung auf den Bühnen dieser Welt hoffen. Für meinen Teil ist hier klar nachvollziehbar, weshalb Thomen sich von seiner ehemaligen Band getrennt hat. Spannend bleibt bloß die Frage ob es SAVAGE CIRCUS längerfristig geben wird, ohne die Existenz von PERSUADER und /oder IRON SAVIOR zu gefährden... www.savagecircus.de
Walter
 
 
HOLY MOSES - Strength, Power, Will, Passion (Armageddon/Soulfood)
Als ich vor knapp 20 Jahren das Debüt „Queen Of Siam“ zum ersten Mal gehört hatte, war ich nahezu erschrocken über den Gesang, der noch dazu von einer Dame von sich gegeben wurde. Im Laufe der Zeit habe ich HOLY MOSES und mit diesem Bandnamen auch Sabina Classen und ihre Stimme zu schätzen gelernt. Die Fans, zu denen ich mich definitiv zähle, durften sich in der langjährigen Karriere der Aachener Band über unzählige hochwertige Thrash Alben freuen und kamen wohl auch des Öfteren in den Genuss eines der energiegeladenen Auftritte des „Heiligen Moses“.  Nach einer eher persönlich bedingten Schaffenspause, in der uns Sabina mit TEMPLE OF THE ABSURD eine adäquate Alternative anbieten konnte, sind HOLY MOSES auch 2005 mit einem neuen Album am Start. Zum ersten Mal hatte Andy Classen seine Finger nicht mit im Spiel, denn für die Produktion von „Strength, Power, Will, Passion“ zeichneten Schrödey (ex-TOTA) und Neo-MOSES-Songwriter Michael Hankel verantwortlich. Die beiden Herren haben einen ordentlichen Job abgeliefert, denn die Songs donnern amtlich aus den Boxen. Bereits der Opener „Angel Cry“ wirkt zeitgemäß, aber dennoch genauso wie es für HOLY MOSES zu erwarten war. In ähnlicher Manier geht es auch weiter, über weite Strecken wird im Up-Tempo-Bereich vorgetragen und nur selten, wie in „Space Cleaning“, kommt der Hörer zu Verschnauf- bzw. Bangpausen. Der von Sabina ausgewählte Albumtitel und das Covermotiv fügen sich perfekt in das entstandene Bild ein und lassen es bedenkenlos zu HOLY MOSES auch heutzutage noch als eine der wohl wichtigsten Thrash Metal Bands Mitteleuropas zu bezeichnen. Einziger Kritikpunkt ist die lange Pause zwischen dem eigentlichen Rausschmeißer „Say Goodbye“ und dem als Hidden Track auf dem Album verewigten Party-Knüller „Im Wagen Vor Mir“, bei dem Sabina gesangstechnische Unterstützung von Tom Angelripper erhält. www.holymoses.de
Walter
 
 
DESASTER – Angelwhore (Metal Blade/SPV)
Mit DESASTER haben sich Metal Blade wohl eine jener Underground-Bands mit dem höchsten Kult-Faktor und der eingeschworensten Klientel gesichert. Schon seit gut 17 Jahren treiben die Koblenzer ihr Unwesen in der deutschen Metal-Szene und können in der Zwischenzeit auch bereits auf unzählige Veröffentlichungen zurückblicken. Doch nicht nur diese Demos und Alben, auch die Auftritte der Band haben sehr viel zum derzeitigen Status von DESASTER beigetragen. Mit ihrer Mischung bedienen sie gleichzeitig die Thrash-Fans der alten Schule wie auch die Anhängerschaft von Black Metal-Innovatoren vom Schlage HELLHAMMER oder VENOM. Musikalisch gesehen ist zwar kein wirklicher Fortschritt zu erkennen, allerdings wirken die Songs kompakter als auf den Alben zuvor, so gesehen ist den Herrschaften ein Reifeprozess anzumerken. Neuzeitliches dagegen vermisst man auf „Angelwhore“ gänzlich, aber diesbezüglich besteht auch keinerlei Bedarf.  DESASTER sind sich selbst treu geblieben und ziehen ihr „Ding“ gnadenlos durch, egal ob das Album dabei über ein renommiertes Label erscheint oder nur in Eigenregie auf Konzerten verhökert werden würde. Auch wenn der Begriff mittlerweile eher negativ behaftet ist: DESASTER sind und bleiben „True Metal“.
www.total-desaster.de
Walter
 
 

CRYSTAL BALL – Timewalker (Nuclear Blast/edel)

Die “Hellvetier” von CRYSTAL BALL wagen sich nach ihrem letzten, relativ erfolgreichen, Album >>Hellvetia<< zum ersten Mal in ihrer mittlerweile bereits gut 10 Jahre andauernden Karriere an ein Konzeptalbum heran. Zwar ist die Idee einer vertonten Zeitreise nicht mehr wirklich neu, >>Timewalker<< klingt aber sehr wohl wie aus einem Guss. Wie auf den Vorgängeralben dominiert der melodiöse Metal im Stile älterer PRETTY MAIDS in Kombination mit traditionellem Hardrock, der das Flair von bekannteren Landsleuten der Band versprüht. Der Opener >Digital World< ist zwar prägnant und monströs eingängig, dafür aber eine Gratwanderung zur Kitschkomposition geworden, wodurch ein leicht schaler Beigeschmack zurückbleibt. In weiterer Folge nimmt die Durchschlagskraft einzelner Songs aber deutlich zu, weshalb >>Timewalker<< im Endeffekt ein mehr als nur hörenswertes Album geworden ist, bei dem lediglich die Songreihenfolge hätte anders sein sollen. Die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk ebenso wie Sänger Mark Sweeney, der mit zu den fähigsten Frontleuten der Schweiz zu zählen ist. Auch für Experimente haben CRYSTAL BALL ein Faible, nachzuhören im Piano-lastigen >Mozart Symphony<, dessen Refrain auch aus der Feder von STORMWITCH hätte stammen können. Gegen Ende hin haben die Herrschaften dann ihre Dampfhämmer versteckt, so zählen >The Eye Of The Storm< und der Rausschmeißer >Talking To The Walls< zu den Highlights dieser Scheibe, die uns beweist,dass in der Schweiz immer noch musikalische Qualitätsprodukte erzeugt werden und CRYSTAL BALL mit zu den führenden Formationen der Eidgenossenschaft zu zählen sind. www.crystal-ball.ch
Walter
 
 
OPETH - Ghost Reveries (Roadrunner/edel)
Im Vorfeld dieser Veröffentlichung gab es jede Menge Ungereimtheiten. Mikael Akerfeldt sei „müde“ geworden, so hieß es, müde von der Musik, müde OPETH weiterzuführen. Welchem Wunder wir im Prinzip die weitere Existenz der Band zu verdanken haben, weiß ich zwar nicht, ist letztendlich aber auch egal.  Hauptsache ist doch, wir haben die Band weiterhin und vor allem, Meister Akerfeldt hat uns wieder einmal ein nettes Ei ins Nest gelegt. Dieses nennt sich >>Ghost Reveries<< und beweist, dass es in der Tattragisch gewesen wäre, auf diese Band verzichten zu müssen. OPETH liefern abermals den Beweis, weshalb sie mit zu den führenden Formationen dieses Erdballs zählen, wenn es darum geht Musik in Atmosphäre zu verpacken. Wobei auch diesmal wieder ein breites Spektrum unterschiedlicher Klänge präsentiert wird, die allesamt zu überzeugen wissen, sei es im akustischen Bereich, wie in >Hours Of Wealth<, jazzig-progressiv wie in >Atonement<, bei dem vor allem der Einsatz eines Pianos für Gänsehaut sorgt oder doch völlig abgedreht, weil von groovigen Hammondsounds bis hin zu Death Metal –Parts und gefühlvollen Passagen alles vorhanden ist, wie in >The Baying Of The Hounds<.  Meister Akerfeldt und seinen Kumpanen entführen uns auch auf >>Ghost Reveries<< auf eine Reise in ihre Gefühlswelt. Dabei kommen weder Melancholie noch Aggression zu kurz, schon gar nicht aber der Tiefgang, den kaum einen andere Band in derart beeindruckende Weise zustande bringt wie OPETH. Die Schweden überzeugen über die gesamte Spielzeit und liefern das geradezu logische Nachfolgealbum zu den beiden stilistisch eindeutig von einander abgegrenzten Vorgängerwerken ab. www.opeth.com
Walter
 
 
COWBOYS & ALIENS - Language Of Superstars (Apache Productions)
Wie klingt sie wohl, die „Sprache der Superstars”? Für das belgische Quintett ist es wohl noch ein harter Weg bis dorthin, erste Unterrichtseinheiten dürfen aber schon einmal belegt werden. Mit ihrem extrem trocken klingenden, zu keinem Zeitpunkt aber gestellt wirkenden, harten Rock tönen COWBOYS & ALIENS wie ein Mittelding aus älteren MONSTER MAGNET, SPIRITUAL BEGGARS und anderen Rockern, die auch nicht darauf vergessen, ab und zu KYUSS zu huldigen. Auch der Sound ist dementsprechend furztrocken ausgefallen und schafft es die an sich schon gnadenlos rockenden Songs noch ein wenig heftiger klingen zu lassen. Obwohl der Name COWBOYS & ALIENS hierzulande noch nicht wirklich geläufig sein dürfte, handelt es sich keineswegs um Newcomer, sondern um gestandene Musiker. An der Gitarre bei den Belgiern ist beispielsweise Peter Iterbeke zu hören, der zumindest durch sein kurzes Gastspiel bei CHANNEL ZERO ein Begriff sein dürfte, eingefleischten Demo-Sammlern aber auch durch FEED oder ERODE TO GREED bekannt sein sollte. Die hohe Kunst des Komponierens haben die Herrschaften also über lange Jahre von der Pieke auf gelernt, weshalb es die Herren auch locker drauf haben Melodien für die Ewigkeit aus dem Ärmel zu schütteln. Es wäre wohl kaum verwunderlich, wenn COWBOYS & ALIENS in Bälde zusammen mit den bereits erwähnten Referenzformationen genannt werden. www.cowboysandaliens.org
Walter
 
 
SLOUGH FEG – Atavism (Cruz Del Sur/Al!ve)
Der Einfachheit halber wurde der „Vornamen” THE LORD WEIRD aus dem Bandnamen gestrichen, am Sound von SLOUGH FEG hat sich indes kaum etwas verändert. Wie schon auf Vorgängerwerken wie >>Traveller<< oder >>Down Among The Deadmen<< setzen Mike Scalzi und seine Truppe auf episch, kraftvolle Kompositionen die schwer im amerikanischen Underground verwurzelt zu sein scheinen. Dadurch ertönen immer wieder Reminiszenzen an Bands vom Schlage BROCAS HELM, CIRITH UNGOL oder MANILLA ROAD, wodurch die Zielgruppe von SLOUGH FEG zwar ein bisschen eingeschränkt wirkt, nichtsdestotrotz aber eben jene frohlockend das neue Album der Amis aufnehmen wird Durch kurze, unerwähnte Instrumentals werden die einzelnen Songs zu einem Gesamtkunstwerk verbunden, das an und für sich auch als solches betrachtet werden sollte. Anspieltipps sind diesbezüglich also völlig fehl am Platz, die Klientel weiß ohnehin was zu tun ist und Jungspunde sollte am besten nicht nur SLOUGH FEG anchecken, sondern auch gleich die anderen genannten Bands, um zu wissen, wovon die „Senioren“ wieder einmal mit feuchten Augen sinniert haben. www.slough-feg.com
Walter
 
 
MISTRESS - II: The Chronovisor (Re-Release) (Earache/SPV)
Die englischen Brutalo-Krachmaten MISTRESS waren schon zu Frühzeiten recht derb unterwegs. Das beweist auch der Re-Release des eigentlich aus dem Jahre 2003 stammende Zweitlings >>II: The Chronovisor<<. Durchzogen von ihren teilweise recht sarkastischen Texten zelebrieren die Briten einen räudigen musikalischen Bastard irgendwo zwischen NAPALM DEATH, EYEHATEGOD und CROWBAR. Vor allem letztere Band dürfte nachhaltig Einfluss auf MISTRESS gehabt haben, schließlich ist als Bonus auch eine monströs-brutale Version von >Like Broken Glass< verewigt worden. Zudem darf man sich auch an einer schwarzmetallischen Coverversion erfreuen, in diesem Fall >In The Shadow Of The Horns< von DARK THRONE, bei dem die Herrschaften beweisen, wie nahe derlei brachiale Klänge und Black Metal der alten Schule eigentlich beisammen sind. www.geocities.com/stomp666
Walter
 
 
MISTRESS – Same (Re-Release) (Earache/SPV)
Durch den endgültigen Exitus ihrer ehemaligen Plattenfirma Rage Of Achilles sind MISTRESS bei Earache gelandet und diese haben nun die Ehre die älteren Werke der Briten neu aufzulegen. Der Name „Earache“ scheint bei MISTRESS gut ins Programm zu passen, da schon auf dem Erstling klar gemacht wurde, in welchen musikalischen Sümpfen fortan gedümpelt werden wird. Irgendwo zwischen derb-brachialem Grindcore, dreckigem Doomrock und allerlei anderen musikalischen Brutalitäten zerfleddern MISTRESS ihre Instrumente und auch so manchen Klassiker, wie beispielsweise METALLICA´ s >Whiplash<, der auf diesem Re-Release als Bonus verewigt wurde. MISTRESS waren und werden wohl auch in Zukunft nicht für Melodiefetischisten geeignet sein.
Walter
 
 
CRIMINAL – Sicario (Metal Blade/NSM)
Anton Reisenegger, der musikalische Kopf hinter CRIMINAL hat bereits ein recht bewegtes Leben hinter sich. Während er mit seiner Band in den Anfangszeiten mit zu den bekanntesten Formationen seiner chilenischen Heimat gezählt wurde, folgte nach Veröffentlichung von >>Dead Soul<< (1997) die geschäftstechnische Abwendung der damals für CRIMINAL noch aktiven Plattenfirma. Durch einen Vertrag bei Metal Blade Records, der alsbald folgenden Veröffentlichung von >>Cancer<< (2000) und seiner Übersiedlung nach England im Jahre 2001 konnten CRIMINAL in Europa recht schnell Fuß fassen, was durch das extrem heftige, wenn auch ein wenig atmosphärisch abweisende, letzte Werk >>No Gods, No Masters<< untermauert werden konnte. In der Zwischenzeit ist Anton in Deutschland ansässig, doch seine Musiker sind im treu geblieben, zuletzt ist sogar Bassist Kato von Chile nach Europa gezogen.  Im derzeitigen Line-Up vollbringen CRIMINAL einen Brückenschlag zwischen traditionellem Thrash Metal feinster SLAYER-Machart und einigen „moderneren“ Einflüssen. Zudem sind die Kompositionen durchwegs eingängig ausgefallen, wodurch es eigentlich kaum möglich ist sich >>Sicario<< zu entziehen.  Songs wie der alles zerschmetternde Opener >Rise And Fall<, das vielschichtige >Sicario< oder die SLAYER-Huldigung >The Root Of All Evil< lassen mich zu keiner Sekunde daran zweifeln, dass CRIMINAL von nun an mit zu den Hoffnungsträgern im Thrash Metal zu zählen sind. www.criminal1.com
Walter
 
 
CIRCLE OF DEAD CHILDREN - Zero Comfort Margin (Earache/SPV)
15 Songs in knapp 20 Minuten mit allerlei sozialkritischen Texten, die noch dazu reichlich politisch gefärbt sind. Welche Art von Musik wird uns da schon erwarten? Richtig, Grindcore. Dieser ist allerdings leider produktionstechnisch in die Binsen gegangen ist, wodurch ein Großteil der „Songs“ nicht wirklich zur Geltung kommt. Zwar schaffen es die vier Jungs durch diverse unterhaltsame, gut durchdachte Zwischenspiele für Abwechslung zu sorgen, in Summe kommt >>Zero Comfort Margin<< leider nicht an Genregrößen heran, denn dazu fehlt die Durchschlagskraft und vor allem der Wiedererkennungswert einzelner „Kompositionen“. www.circleofdeadchildren.net
Walter
 
 
EWIGKEIT – Conspiritus (Earache/SPV)
Hinter EWIGKEIT verbirgt sich der englische Multiinstrumentalist James Fogarty, der mit diesem Solo-Projekt bereits drei Demos und vier Alben aufgenommen hat. >>Conspiritus<< stellt das fünfte Werk aus der Feder des Briten dar und kommt sehr entspannt, gleichzeitig aber auch musikalisch spannend und abwechslungsreich aus den Boxen. Seine Vorliebe für englischen Space Rock kann der gute Mann immer noch nicht verbergen, sehr wohl dagegen seine eigene Vergangenheit. Die früher immer wieder zu vernehmenden Einflüsse aus dem extremen Metal sind quasi verschwunden, James vollbringt viel eher die Gratwanderung zwischen stilistischen Ausflügen in die Nähe alter Helden wie HAWKWIND hin zu neuzeitlich angesagten Prog-Monumentalwerken eines Arjen Lucassen. >>Conspiritus<< ist ein Konzeptalbum geworden, dass sich an „And Truth Shall Set You Free“ von David Icke orientiert. Da ich besagtes literarisches Werk leider nicht kenne und der Promo-Version auch keine Texte beiliegen, kann ich diesbezüglich nichts Näheres von mir geben. Sei´ s drum, die Scheibe überzeugt musikalisch durch zahlreiche unterschiedliche Versatzstücke, die von bombastischen orchestralen Parts, über dezent britisch proggig tönenden Elementen bis hin zu „industrial-isiert“ rüberkommenden Ansätzen reichen. >>Conspiritus<< hat demnach ein breites Spektrum unterschiedlichster Klänge anzubieten, die von James zu einer in sich stimmigen Melange verquickt wurden.  EWIGKEIT werden wohl demnächst auf eine Stufe mit STAR ONE oder ähnlich veranlagten Projekten gestellt werden, wobei hinzuzufügen ist, dass James Fogarty eher die dunklere Seite der Musik zu bevorzugen scheint, was der Atmosphäre von >>Conspiritus<< auch anzumerken ist.
Walter



Copyright: Planet Music & Media 2005